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Das alte Regiment bis zu dessen ReJucierung. 1682 bis 1810. L HAÜPTSTÜCK. Unter Kaiser Leopold I. 1683 bis 1705. I. Abschnitt: Das Errichtungsjahr 1682 5 IL Abschnitt: Das Regiment während der Tiirkenkriege 1683 bis 1691 . 18 III. Abschnitt: Das Regiment bis 1697, dem ersten Auftreten des Prinzen Engen von Savoyen als kaiserlicher Feldherr 28 IV. Abschnitt: Das Regiment in der Armee des Prinzen Eugen von Savoyen, 1697 bis 1700 gegen die Türken. — Das Friedensjahr 1701 . 32 V. Abschnitt: Das Regiment im ersten Theile des spanischen Erbfolge- krieges 1702 bis 1704 40 IL HAÜPTSTÜCK. Unter Kaiser Josef I. 1705 bis 1711. Das Regiment im ungarischen Malcontenten-Kriege 1705 bis 1711 55 IIL HAÜPTSTÜCK. Unter Kaiser Karl YI. 1711 bis 1740. L Abschnitt: Friedensperiode bis 1718; Theilnahme des Regimentes an den Schlusskämpfen des spanischen Erbfolge-Krieges 1713 bis 1714; das Friedensjahr 1715 73 II Abschnitt: Das Regiment während des Türkenkrieges 1716 bis 1718 . 81 III Absclxnitt: Friedenszeit in den ungarischen Garnisonen 1719 bis 1731; der Zug nach Corsica 1732 88 IV. Abschnitt: Kriegsverwendung des Regimentes in Italien 1733 bis 1735 94 V. Abschnitt: Das Regiment im Türkenkriege 1736 bis 1789 102 VL Abschnitt: Das Friedensjahr 1740 115 VI Seite IV. HAÜPTSTÜCK. Unter Kaiserin Maria Theresia. 1740 bis 1780. I. Abschnitt: Theilnahme des Regimentes an dem ersten österreichischen Erbfolgekriege 1741 bis 1 74*5 • 119 II. Abschnitt: Das Regiment während des zweiten Osterreichischen Erbfolge- krieges in Italien 1744 bis 1748 126 III. Abschnitt: Die Friedensperiode 1749 bis 1755. Das Regiment während der Kriegsjahre 17ö6 bis 1757 in Siebenbürgen 136 IV. Abschnitt: Das Regiment während des siebenjährigen Krieges 1757 bis 1763 143 V. Abschnitt: Die Friedensperiode 1764 bis 1777 165 VI. Abschnitt: Theilnahme des Regimentes an dem bayerischen Erbfolge- kriege 1778 bis 1779 175 VII. Abschnitt: Das Friedensjahr 1780 177 • V. hauptstCck. Unter Kaiser Josef II. 1780 bis 1790. I. Abschnitt: Die Friedensperiode 1780 bis 1787 . . . ' 181 IL Abschnitt: Theilnahme des Regimentes an dem österreichisch-russischen Türkenkriege 1787 bis 1790 184 VI. HAÜPTSTÜCK. Unter Kaiser Leopold 11. 1790 bis 1792. Die Friedensjahre 1790 und 1791 195 VII. HAÜPTSTÜCK. Unter Kaiser Franz II. 1792 bis 1810. I. Abschnitt: Das Regiment in den ersten Coalitionskriegen gegen Frank- reich 1792 bis 1797 . . .- 201 II. Abschnitt: Das Regiment nach dem Friedensschlüsse von Campo-Formio und in dem zweiten Coalitionskriege gegen Frankreich 1798 bis 1800 212 III. Abschnitt: Das Regiment nach dem Friedensschlüsse von Luneville und in dem dritten Coalitionskriege gegen Frankreich 1801 bis 1805 221 IV. Abschnitt: Das Regiment nach dem Friedensschlüsse von Pressburg und in dem vierten Kriege gegen Frankreich 1806 bis 1809 224 V. Abschnitt: Die Reducierung des Regimentes 233 VII Seite II. THEIL. Das neue Regiment. Seit 1814. I. HAUPTSTÜCK. Unter Kaiser Franz I. 1S14 bis 1835. I. Abschnitt: Die Übernahme exitiilienischer Truppen von Frankreich 1814 241 II. Abschnitt: Das neue Regiment. Die Friedensjahre 1816 bis 1835 . . 243 II. HAÜPTSTÜCK. Unter Kaiser Ferdinand I. 1835 bis 1848. I. Abschnitt: Die Friedensjahre 1835 bis 1848 257 II. Abschnitt: Der Krieg in Italien 1848 275 III. HAUPTSTÜCK. Unter Kaiser Franz Joseph I. Seit 1848. I Abschnitt: Die Friedensmonate 1848 297 IL Abschnitt: Der Krieg in Italien 1849 299 in. Abschnitt: Die Friedensjahre von 1850 bis 1859 308 IV. Abschnitt: Der Krieg in Italien 1859 323 V. Abschnitt: Die Friedensjahre von 1860 bis 1866 336 VI. Abschnitt: Der Krieg gegen Preußen 1866 344 VII. Abschnitt: Die Friedensjahre von 1867 bis 1878 861 VIIL Abschnitt: Die Occupation Bosniens und der Hercegowina 1878 . . . 389 IX. Abschnitt: Die Friedensjahre seit 1879 398 Schlusswort 439 Porträts der ersten Inhaber. Trauttmannsdorf, Sigmund Joachim, Graf von, Obst 7 Salm, Karl Theodor Otto, Wildgraf zu Dhaun und Kirburg, Rheingraf zum Stein, Herr zu Vinstingen und Anholdt, Fürst zu, FM 15 Daun, Heinrich Joseph Dietrich Martin, Graf von und zu, FM 68 O'Kelly von Gallagh und Tywoly. Wilhelm Freiherr. FZM 158 BUllow, Ferdinand Friedrich, Freiherr von, FZM 169 Lattermann, Franz, Freiherr von, FML 173 de Vanx, Thierry, Freiherr, FML 225 Mayer von Heldensfeld, Anton, Freiherr, FZM 245 Herbert Rathkeal, Heinrich Constantin, Freiherr von, FML 267 Sigmund, Erzherzog, FML 273 Friedrich August, Prinz, Herzog zu Sachsen, Obst 421 VIII Bote A dj ustiemngs-Bild er. 1682 bis 1704 das Regiment als „Trauttmannsdorf* und ^Salm« 9 1704 „ 1750 ^ . „ „Salm'* und „Daun« 45 1750 „ 1765 r, „ « „Daun- und «O'Kelly" 45 1765 n 1799 „ ^ , ^O'KeUy", ^üllow" und „Lattermann- ... 165 1799 „ 1805 „ „ „ ^Lattermann« 217 1805 „ 1851 « » « „Lattermann**, „deVaux", „Mayer", „Herbert- Ratbkcal** und „Erzherzog Sigmund** .... 226 1851 „ 1861 « ^ « 1 X. , «. ,^ 311 1861 „ 1868 „ . . ^Erzherzog Sigmund^ 33^ 1868 „ 1897 „ ., „ „Erzherzog Sigmund** und „Prinz Friedrich August Herzog zu Sachsen" 365 Anhang. Beilage I: Oberst-Inhaber und Regiments-Commandanten vom Jahre 1682 bis zum Jahre 1897 III Beilage II: Verzeichnis jener Schlachten, Treffen, Gefechte, Belagerungen Scharmützeln, etc., an welchen das Regiment oder Theile des- selben in dem Zeiträume von 1682 bis 1897 theilgenommen haben VII Beilage III: Verlustliste des Regimentes. Von der Errichtung bis zur Gegenwart XI Beilage IV: Verzeichnis jener Personen, die sich im Regimente Allerhöchste Auszeichnungen erworben haben XXI Beilage V: Verzeichnis jener Officiere, welche — soweit es eruierbar war — in der Zeit von 1682 bis 1897 im Regimente gedient haben XXXII Beilage VI: Plan der Schlacht bei Santa Lucia am 6 Mai 1848. VORWORT. Fast ein Viertel Jahrtansend ist in das Meer der Zeiten gesunken, seit des Kaisers Fahnen sich vor der Front des Begimenfes entfalteten. In 133 Schlachten, Treffen, Gefechten etc. hat das Regiment für Österreich-Ungarns Ruhm und Ehre «gekämpft, gehlntet und gesiegt. Schlicht und wahr, diese Erlebnisse und Schicksale zu verzeichnen, sie dem Grabe der Vergessenheit zu entreißen, sei der Zweck der nach- folgenden Zeilen; den Altvordern zur Ehre, uns zum Vorbilde, den kommenden Geschlechtern zu begeisternder Nachahmung. Die erste Anregung zur Führung der Geschichte des neuerstan- denen Regimentes gab im Jahre 1816 der Oberst und Gommandant Moritz Graf O'Donell. Im Jahre 1834 hatte der Oberst und Regiments- Oommandant Franz Ritter' von Don ade o den Regiments- Auditor als ,^ecretär des Regimentes^ beauftragt: „die Regiments-Geschichte nach einem umfassenderen Plane umzuarbeiten, welche zugleich den Zweck erhalten solle, zur Belehrung für diejenigen zu dienen, welche in das Regiment treten und von allen Verhältnissen sich näher unterrichten wollen." Leider wurden im Laufe der Jahre diese Aufzeichnungen immer spärlicher und hatten 1865 ganz ihr Ende erreicht. Im Jahre 1875 hatte der Regiments-Commandant Oberst Franz Ritter Latterer von Lintenburg den, seither am 21. September 1890 in Sanok verstorbenen, Hauptmann Moritz Flach beauftragt, als Basis für die Verfassung der Geschichte — mit Bewilligung des damaligen Chefs des Generalstabes, Seiner Excellenz des Feldmarschall-Lieutenants Josef Preiherrn voq Gallina — aus dem reichhaltigen Materiale des k. \\, k. Kriegs-Archivs, Notizen zu sammeln. X Im Jahre 1894 hatte Hauptmann Eduard Pelz — über Anord- nung des Regiments-Commandanten Oberst Josef Hugelmann — eine Skizze tlber die Jahre 1816 bis 1877 verfasst, im Herbste 1895 endlich ergiengen die definitiven Weisungen zur Bewältigung der ganzen Arbeit, hiebei — um strenge im Rahmen der ^Regiments-Geschlchte^ zu bleiben — an dem Grundsätze festhaltend, dass aus der Welt- und Kriegsgeschichte nur dasjenige aufgenommen werden dürfe, was zur allgemeinen Orientierung unbedingt erforderlich sei. Bei dem großen Umfange des zu schildernden Zeitraumes musste eine Theilung der Arbeit platzgreifen. Oberstlieutenant Heinrich Weinhof er wurde mit der Zusammen- stellung der Geschichte des alten, Oberstlieutenant Adolf König mit jener des neuen Regimentes betraut. Diesen Herren, sowie dem Haupt- manne Moritz Flach, dem wohl die mühevollste Arbeit oblag, weiters dem Hauptmanne Eduard Pelz, dem Oberlieutenant Julius Kilian, Und dem Lieutenant Georg Auffarth, die gleichfalls an der Voll- endung des Werkes emsig betheiligt waren, sei an dieser Stelle der tiefempfundene Dank des Regimentes zum Ausdrucke gebracht. In gleicher Weise gebUrt dieser Dank: dem k. u. k. Kriegs- Archiv und dem Prinzen Alfred zu Salm Salm, die die Arbeiten auf das freundlichste unterstützten; dem Major Friedrich Kulnigg des Armeestandes, der die Adjustierungsbilder entwarf und zeichnete und dem k. u. k. Militär-geographischen Institute, welches diese Bilder sowie jene der Regiments-Inhaber reproducierte; endlich der Buch- und Steindruckerei Rudolf M. Rohrer in Brunn, die die Auflage dieses Werkes durch ihr besonderes Entgegenkommen in der uneigennützigsten Weise förderte. Przemysl, am 31. December 1897. Terzelclmls der benutzten (Quellen. Gefechts-RelatioDen, Belagerungs-Journale, Memoranden und Tapferkeits- zengnisse des k« u. k. Kriegs- Archivs. Mittheilungen des k. ^. k. Kriegs-Archivs. Acten der k. u. k. Fachrechnungs- Abtheilung. Skizzen der Regiments-Geschichte in der Zeit von 1816 bis 1864. Acten des Regiments- Archivs. Die Reglements von 1728 bis 1895, insbesondere das y,Regulament für sämmt- liche kayserliche Infanterie**. Kriegs-Geschichte der Österreicher von Seh eis; Wien 1814. Geschichte der k. k. österreichischen Armee, ihre Heranbildung und Organisation von der frühesten bis zur jetzigen Zeit von Dr. H. Meynert; Wien 1852 bis 1854. Die Feldztige des Feldniarschall Radetzky in Ober-Italien 1848 und 1849 von Hermann Kunz; Berlin 1890. Der italienische Feldzug 1848 bis 1849 von Rüstow; 1862. Der Krieg in Italien 1859, bearbeitet durch das k. k. Generalstabs-Bureau für Kriegs-Geschichte; Wien 1872. Österreichs Kämpfe im Jahre 1866, bearbeitet vom k. k. Generalstabs-Bureau für Kriegs-Geschichte; Wien 1867 bis 1869. Die Occupation Bosniens und der Herzegovina durch k. k. Truppen im Jahre 1878, dargestellt vom k. k. Generalstabs-Bureau für Kriegs-Geschichte; Wien 1879. Kriegsgeschichtliche Übersicht der wichtigsten Feldzüge der letzten 100 Jahre von Horsetzky; Wien 1894. Geschichte der k. u. k. Infanterie-Regimente: Alexander II., Kaiser von Russ- land, Nr. 2.; Erzherzog Carl Stephan, Nr. 8; Graf Clerfayt, Nr. 9; Erzherzog Franz Ferdinand, Nr. 19; Freiherr von Reinländer, Nr. 24 und Alt Starhemberg, Nr. 54. Geschichte des k. u. k. Dragoner-Regimentes Graf Paar, Nr. 12. Die Theresianische Militär- Akademie zu Wiener-Neustadt und ihre Zöglinge von der Gründung der Anstalt bis auf unsere Tage von Johann Svoboda; Wien 1894. Österreichischer Militär-Kalender von Dr. J. Hirten fei dt. Der Militär-Maria-Theresien-Orden und seine Mitglieder. Nach authentischen Quellen bearbeitet von Dr. J. Hirtenfeldt; Wien 1857. Biographischer Lexikon des Kaiserthums Österreich; Wien, von 1856 an. Adels-Lexikon von Hellbach. Gotha*Bches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen und gräflichen Häuser. Abkürzungen : Fälinr. bettt Fähnrich Adjt. heißt , Adjutant Cdt. n Cadet Qutmstr. » Quartiermeister Cdt.-O.-St. n Cadet-Officiers-Stell- Pvtm. n Froviantmeister vcrtreter Rchfr. n Rechnnngsflihrer Lt. « Lieutenant Kplmstr. n Kapellmeister Utlt. n ünterlieutenant Fldwbl. n Feldwebel Oblt. » Oberlieutenant Zgsfhr. n ZugsfUhrer Cpt.-Lt. n Capitän-Lieutenant Crpl. T» Corporal Hptm. n Hauptmann Gfte. n Gefreite Hptlte. n Hauptleute Gem. n Gemeine Obstweht. n Obristwachtmeister Inftst. n Infanterist Mjr. n Major Tmbr. n Tambour Obstlt. n 0bri8t-(0berBt-)Lieute- Umst. *» Hornist ■ nant GQSt. ff General-Quartiermeister- Obst. n Obrist (Oberst) Stab Obst.-Inh. » 0brist-(0ber8t-)Inhabcr Glstb. n Generalstab GFW. n General-Feld-Wacht- Inftr. n Infanterie meister Cav. fi Cavallerie GM. n General-Major Art. ff Artillerie Gl. w General Lin. n Linien FML. n Feldmarschall-Lieute- Grz. *• Grenz GL. n nant General-Lieutenant Comp. Baon. n Compagnie Bataillon FZM. G. d. C. n Feld-Zeugmeister General der Cavallerie Rgmt. A. h. E. n Regiment Allerhöchste Ent- FM. » Feldmarschall 17 schlicssung Kap. n Kaplan Tit. rt Titular Aud. » Auditor ad hon. ri ad honores Rgmts.-Arzt „ Regiments- Arzt Cl. . jf Classe Ob.-Arzt n Ob.-Arzt R. n Ritter Üt.-Arzt n Unter-Arzt C. » Commandeur (Comthur) Ast-Arzt n Assistenz-Arzt GK. n Großkreuz Fdschr. n Feldscheer KD. n Kriegs-Decoration Chir. » Chirurg Res. n Reserve Wchtm.-Lt ■ n W achtmeister-Lieute- nant 9* 15- n 9 Uhr 15 Minuten. I. THEIL. DAS ALTE REGIMENT BIS ZU DESSEN REDUCIERUNG. 1682—1810. I. HAUPTSTÜCK. UNTER KAISER LEOPOLD I 1682—1705. I. ABSCHNITT. Das Errichtungsjahr 1683, 1682. Die wachsenden Feindseligkeiten der Pforte, dann das Wiederaufleben der kaum unterdrückten Empörung Emmericlis von Tököly veranlassten Kaiser Leopold L, alle Mittel der Abwehr bereit- zustellen. Hiezu gehörte eine beträchtliche Vermehrung des kaiserlichen Heeres. Eine erneuerte Werbung von 12.000 Mann und die Aufstellung von sechs Fußregimentem wurde angeordnet; es waren dies die Regimenter: „von Trautmannsdorf, Wallis, Sitten, Thihib, Heister und Diepenthal". Aus dem erstgenannten entwickelte sich das Infanterie-Regiment Nr. 45.1 Von seiner Residenz zu Wien, ddto. 25. Jänner 1682, hatte Kaiser Leopold I. die Bestallung, das sogenannte: ,,6ehorsam-Patent" erlassen, und hiemit den kaiserlichen Obristen Sigmund Joachim Grafen von Trautmannsdorf zum „Obrist" über das neuzuwerbende Regiment bestellt. Diese Urkunde lautet: „Wir Leopold; von Gottes Gnaden Erwählter Römi- scher Kaysser; zu allen Zeiten Mehrer des Reichß; in Germanien, zur Hungarn, Böhaimb, Dalmatien, Kroatien und Slavonien König; Erzherzog zu Osterreich; Herzog zu Burgundt, Steyr, Kärndten, Crain und Würthemberg; in Ober- und Nieder-Schlesieu; Markgrav zu Mähren, in Ober- * Erst seit dem Jahre 1769 führen die RegimeDter dauernde Nummern, bis dahin wechselte die Numerierung je nach dem Range der jeweiligen Inhaber. 1 6 SIGMUND GRAF TRADTMANNSDORF. undt Niederlaußitz; Grav zu Habsburg, Tyrol und Görz, bekhennen öffentlich undt thuen Kundt zu wissen mennig- lichen, dass Wir Unseren Hochgebohrenen, Unseren undt des Reichß Graven und lieben getreuen, den kayserlichen Obristen: Sigmund Joachim von Trautmannsdorf, in gne- digster ansehung undt erwegung seiner Uns gerühmten Geschicklichkeit und Kriegserfahrenheit, auch des sonder- lichen gnedigsten Vertrauens, so Wir in seine Person gesetzt, ein Regiment zu Fuß von 10 Kompagnien, halb im Römischen Reich, undt halb in unseren Erbländern, zu werben gnedigst aufgetragen, und Ihn fUr Unser Regiment als Obristen darüber bestellt haben. Wir befehlen hierauf Unseren Obristlieuthenandten, Obristwacht meistern, Hauptleuthen, Leuthenandts, Fen- drichs undt insgemein allen Officiers, wie auch gemainen Knechten, welche sich in Unscrn Kayserlichen Kriegs- Dienste unter das gedachte Graf Trautmannsdorf sehe Regiment, jetzt oder Künftig einlassen werden, hiemit gnedigst und ernstlich, dass sie ihren Erwählten Obristen, Grafen Trautmannsdorf, als von Unser Euch vorgesetzten Obristen erkhenen, ehren und respectiren, nicht weniger in allen, was Er zur Fortsetzung Unseres Kriegsdienstes Euch von Einer Zeit zur Andern anbefehlen und verordnen wird, gebührlichen undt schuldigen gehorsamb leisten sollet, — allermassen Euch vermög alten Kriegsgebrauch undt Herkommens zu thun gebührt, auch ehrlichen Kriegs- leuthen wohl anstehet undt Wir Uns keines andern gegen Euch versehen. Undt ihr vollziehet hieran Unseren gne- digsten, auch ernstlichen Befehl, Willen undt Meinung.^ Wien, den 25. January 1682. Leopold. [iGichi; GrifvcnTr, lEaz !• "Sl I I < «i I . . ii ■m-T '" \\ r . • . t I I , i i I V '•, 1 1- u . :• i> , -i .1? , .* I* ■ i <■ r t .1 .. • 1 1 • •1 ;/. jiriurid L.i"hi:;i Grat vcr, Tu;;i",r:;:i:',r>.^1;::'f 0!:5rsi I M ^« I » ' ' I ' I ■ i; » ! • «l ' . I .: I M."l" l* \> I • •« • I I f .1 • •i . li 2 I 1 ' " t u i 1 I I ■ • I '* • I I i ( ■* I '-• ;i M • < / I " n I .1 SIGMUND OBAF TRAUTMAXN8D0RF. 7 Es ward somit dem jungen Regimente schon bei seiner Aufrichtung das Glück und die Ehre beschieden, an seiner Spitze den würdigen Spross eines Geschlechtes zu erblicken, das in des Kaisers Kriegsdiensten geadelt und altberühmt geworden. Sigmund Joachim Graf von Trautmannsdorf, einem seit dem Jahre 984 bekannten deutscheu Geschlechte, und zwar aus dessen vierten Linie entsprossen, wurde 1636 geboren, war der erste Sohn des als Staatsmann rühmlichst bekannten Adam Maxmilian Grafen von Traut- mannsdorf und hatte ursprünglich der venetianischen Republik gedient. 1682 entsagte er dem kaiserlichen Dienste, trat zum Kurfürsten von Sachsen über und folgte demselben 1683 vor Wien. Bald darauf wurde er in die Dienste des Kaisers rückberufen. Mit Patent vom 25. April 1692 zum kaiserlichen FML. und mit jenem ddto. Ebersdorf, 25. September 1701 zum G. d. C. befördert, wurde ihm mittelst Patent vom 1. Juli 1702 das vacante Dietrichstein'sche (1775 wieder reducierte) Dragoner-Regiment verliehen. Mit Patent vom 15. März 1705 mit der Feldmarschalls- Würde bekleidet, starb er am 1. April 1706 zu Venedig. Zunächst sei die Organisation der Fußregimeuter, wie selbe im Errichtungsjahre unseres Regimentes war, besprochen. Der Stand war mit 2040 Köpfen, die Prima plana miteinbegriffen, festgesetzt. Das Regiment theilte sich in 2 Haufen (Bataillone), diese wieder in 10 Fähnleins (Compagnien). Das Fähnlein (die Gompagnie) hatte 1 Hauptmann, 1 Lieutenant und 1 Fähnrich, welch letzterer die Fahne ^ trug; an Chargen: 1 Muster- schreiber, 1 Feldwebel, 1 Fourier, der die Verwaltung besorgte, 1 Führer, 1 Feldscheer, der die Dienste des Wundarztes und Barbiers versah, 10 Corporale, 20 Gefreite, 6 Spielleute, 6 Fourierschützen, endlich circa 50 „Pikeniere" und circa 80 „Musketiere". Die Pikeniere führten die 15 bis 18 Fuß lange Pike und einen Degen. Die Musketiere waren mit der Muskete (Luntenschloss), welche zum Abfeuern auf eine Gabel gestützt wurde, und mit Degen bewaffnet. * Die Fahne hatte eine der jetzigen ähnliche Form, nur etwas größer. Auf der einen Seite war der kaiserliehe Doppeladler, auf der anderen eine Heiligenfigur oder ein anderes Symbol mit Inschrift. 8 SIOMUin) GRAF TRAUTMAürKSDOBF. Der aus rauhem Kalbleder verfertigte Ranzen (Tornister) war zum Umhängen (an einem hirschledernen Überschwungriemen) und wurde nur bei Märschen getragen. Das deutsche Fußvolk trug lange Röcke zumeist aus weißem (perlgrauen) Tuche; in vereinzelten Fällen wurden auch blaue Röcke getragen. Dies blieb dem Belieben des jeweiligen Inhabers überlassen^ welcher auch die Farbe für den Ärmelaufschlag, unsere heutige Egalisierungy wählte. Unter dem Rocke eine enganliegende Weste mit kurzen Schössen, das Kamisol; als Beinkleid eine weiße Tuch- oder Lederhose, deren unteres Ende in lange Kniestrümpfe oder Gamaschen gesteckt wurde; ein schwarzer Filzhut und Schuhe vervollständigte die Bekleidung. Die Officiere waren analog der Mannschaft gekleidet, nur war Rock und Kamisol stark mit Gold verziert, auf dem Hute wallende Federn. Der Obrist hatte als Zeichen seiner Würde eine vergoldete Parti- sane mit reichen silbernen Fransen, der Hauptmann eine solche mit seidenen, mit Silber durchwirkten Fransen, der Lieutenant ohne Fransen. Die Partisane war 3 Meter lang, lanzenartig, mit halbmondförmiger Klinge. Unterofficiere und Officiere trugen den „Stock". Derselbe war beim Corporal von „schlechtem Holz" ohne Riemen, beim Feldwebel mit Riemen. Der Fähnrich trug eine Gerte mit silbernem Knopf und Bändchen, der Lieutenant ein spanisches Rohr ohne Knopf, der Hauptmann ein dünnes Rohr mit Beinknopf, der Obristwachtmeister mit silbernem Knopf und silberner Kette, der Obristlieutenant dasselbe ohne Kette, der Obrist endlich einen Stock mit goldenem Knopf Als Waffe hatte der Officier nebst der Partisane den Stoßdegen. Der Obrist war zugleich Inhaber des Regiments. Bekleidete der Inhaber eine höhere Charge, so wurde er beim Regiraente durch den Obristlieutenant vertreten. Der Obrist führte und verwaltete das Regi- ment, ernannte die Officiere, doch behielt sich der Kaiser deren Abdankung vor. Ein sehr weit gehendes ,jus aggratiandi" verlieh ihm das Recht über Leben und Tod. Der Obrist hatte gleich dem Obristlieutenant und Obristwacht- meister auch eine Conipagnie und bezog die Einkünfte von derselben; die Conipagnie selbst — sie hieß „Leib-Compagnie" — commandierte ein Lieutenant, der den Namen „Capitän-Lieutenant" führte. SIGMUND GRAF TRAUTMANNSDORF. 9 Der Obristlieutenant besorgte die Administrativa, auch War es seine Schuldigkeit, „dem Obristen Gegenvorstellungen zu thun und allen- falls nebst dem Obristwachtmeister mit Bescheidenheit sich dawider- zusetzen, sofern der Obrist durch unüberlegte übele Veranstaltung dem Regimente Unrecht thun sollte". Der Obristwachtmeister exercierte das Regiment und überwachte den Dienstbetrieb. Der Stab bestand ans: Dem Wachtmeister-Lieutenant (Adjutant); er war der älteste Unter- ofßcier, trug Officiersuniform, war beritten, commandierte den Dienst und gab Befehle aus; dem Quartiermeister; derselbe besorgte die Quartier- und Lager- ausmittlung und war zugleich Zahlmeister; dem Schultheiß oder Auditori; dem Kaplan oder Regimentspater, zugleich Secretarius; dem Wagemeister, zugleich Marketender; dem Proviantmeister; dem Feldscheerer (Arzt), er hatte Corporalsrang; dem Profoß mit dem Scharfrichter und seinen Stöckenknechten. Außer dem Dienste bei den Arrestanten sorgte der Profoß für die Ord- nung und Reinlichkeit in den Quartieren und Lagern, überwachte den Marketender, sowie die handelnden Mannschaftsweiber und Fleischer. Die 'Soldaten nannten ihn „Vater", eine Bezeichnung, die sich bei der Mannschaft bis in die sechziger Jahre dieses Jahrhunderts, d. i. bis zur Aufhebung der Regiments-Profoßen, erhalten hat. Die Beschäftigung der Truppe bestand, außer der täglichen Wach- parade in Garnisonen, aus Exercieren, Visitierungen und Schanzarbeiten. Das Regiments-Exercieren, wobei dem Parade-Exercitio die Haupt- rolle zufiel, wurde in Garnisonen wöchentlich einmal, bei zerstreuter Bc- quartierung in den Sommermonaten einmal monatlich angeordnet. Die Compagnien exercierten meist nur ihre Recrutcn im Sommer ein- bis zweimal. Die wenigen Handgriffe zum Gebrauche seiner Waffe lernte der Mann bald und Intelligenz und Selbständigkeit konnten l)ei den starren Formen der damaligen Taktik bei dem Soldaten gar nicht zur Geltung kommen. In den Wintermonaten gab es gewöhnlich keine 10 SIGMUND GRAF TBAUTMANK8DORF. Übungen. Zur Bescha£fang der nothwendigsten Subsistenzmittel arbeitete die präsente Mannschaft beim Landbewohner oder betrieb ein Handwerk. Die Gefechtsweise der Infanterie beruhte schon damals vornehm- lich auf dem Feuergefechte. Die Fähnlein standen in 6 Gliedern und bildeten gewöhnlich die Musketiere den rechten und linken Flttgelzug, ersterer vom Hauptmann, letzterer vom Lieutenant commandiert Die Pikeniere formierten — unter Commando des Fähnrichs — den Mittelzug. Das Feuer der Infanterie wurde glieder- oder zugsweise abgegeben, im ersteren Falle schoss das jeweilige erste Glied und gieng dann durch die Intervalle zurück, um zu laden. Im Regimente standen die Musketiere vereint an den Flllgeln des Bataillons, die Pikeniere in der Mitte. Der Obrist erhielt flir das ganze Kegiment die Monatsgebllr — Geld und Mundportion — auch letztere meist im Gelde. Diese Monatsgebüren waren nach der in Kraft stehenden Verpflegsordnung* für den dama- ligen Geldwert ziemlich bedeutend. Es erhielt: der Feldwebel . . . fl. 21 — „ Führer . . . . „ U.— „ Fourier . . „ Musterschreiber „ Corporal . . „ Gefreite . . Fourierschütz Spielmann . Gemeine . . r Mundportioneu 3 n 2 n 2 r 2 V IV, n IV. V 1\'* v ^ 2 M 1 . 14.— „ 14— . 14— „ 7.30 ^ 7.30 . 7.30 n 6.40 Jede Mundportion betrug im Gelde per Monat 3 fl.; in natura per Woche 3 Pfund Fleisch, 14 Pfund Brot, 3 Maß Wein oder 8 Maß Bier. « Der Umstand, dass die Obriste es mitunter mit der BeschaflFung des Nöthigen nicht sehr gewissenhaft nahmen, mag Ursache gewiesen sein, dass im Jahre 1690 eine Verordnung erschien, welche alle An- schaflFungen dem Hauptmanne überließ. Wie früher der Obrist im Regi- mente, so that es nun der Hauptmann in der Compagnie, er bereicherte ^ Verpflegsordnung vom 20. November 1640. 2 Die Zahl der Mundportionen bestimmte die Verpflegsordnung vom 10. De- cember 1677. SIGMUND GRAF TRAUTMANNSDORF. 11 sich auf Kosten der Mannschaft, daher übernahm im Jahre 1697^ der Staat die Beistellung der Monturen und Gebtiren selbst. Auch die Gebtiren der Ofiiciere und Stabsparteien kamen erst allmählich in Ordnung. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts betragen selbe: Ftir den Obrist 45011., 50 Mundportionen, 12 Pferdeportionen „ „ Obristlieutenant . . 120^ 13 ^ 8 „ „ Obristwachtmeister . 50 „ 5 „ 6 „ „ „ Regiments-Kaplan . 20 „ 2^/^ „ 2 „ „ „ Regiments-Auditor (Schultheiß) . : . 20„ 3 „ 2 „ „ „ Regiments-Quartier- meister 40 ,, 4 ^ 3 „ „ Wachtmeister-Lieu- tenant 20„ 2V2 „ 2 ^ „ „ Wagenmeister . . 20„ 27» r> 2 „ j, n Profoß sammt seinen Leuten 40 „ 4 ^ 3 „ » „ „ Hauptmann . . . 140,, 15 „ 2 „ ^ Lieutenant ... 40 „ 5 „ 2 „ „ „ Fähnrich .... 28 „ 4 ,, 2 „ Scharfe Gesetze hielten die Disciplin aufrecht und harte Strafen massten die so verschiedenartigen Elemente in Ordnung und Zucht halten. Die Strafgewalt — ein Ausfluss der Regiments-Privilegien — theilte sich in disciplinäre und richterliche Strafen. Die Disciplinarstrafen theilten sich in gemeine, peinliche, Lebens- and Ehrenstrafen. Gemeine Strafen — fttr leichtere Vergehen — waren folgende: Das ^Mantel"-, „Flinten"- oder ,. Sattel tragen" durch mehrere Stunden vor der Wohnung desjenigen, der die Strafe verhängt hat. Das „Eselreiten" bestand im Sitzen auf einem hölzernen Pferde vor der Wache, 2 bis 4 Stunden an einem oder auch an melireren Tagen. „An dem Pfahl stehen"; der Bestrafte wurde mit entblößten Füficn auf zugespitzte Pfähle gestellt, die erho])encn Hände waren an den Pfalil gebunden. * Gebliren der Infanterie nach der Ordonnanz vom Jahre 1097. 12 SIGMUND GRAF TRAUTMANNSDORF. „Arrest mit Eisen und Banden bei Wasser und Commissbrod*'. Die peinliehen Strafen waren: „Stockstreiche''. Das „Spießruthen- oder Gassenlaufen". Die Gasse war von 100 bis 300 Mann gebildet, der zu Bestrafende musste sie 3- bis 12 mal mit entblößtem Oberkörper durchlaufen, indes die, die Gasse bildenden Leute auf ihn loshieben. Das „Abschneiden von Nase und Ohren". Die Lebensstrafen — meist nur im Kriege angewendet — waren: „Arkebusieren" (erschießen) bei Verbrechen nicht ehrloser Natur. Der „Galgen" bei schweren gemeinen Verbrechen. Die Ehrenstrafen bestanden in: „Degradation", „Kränkung an der Ehre", „Entlassung ohne Ab- schied", zum „Schelm" machen, Vollziehung aller Strafen durch Henkers- oder Stöckenkuechte. Die „Ehrlichmachung des Schelmes" geschah feierlich vor der ausgerückten Truppe durch den Obristwachtmeister. Für jede Strafe musste sich der Bestrafte nach der Abbüßung bei demjenigen Vorgesetzten, der sie verhängte, bedanken. Die richterlichen Strafen waren: Das „Gassenlaufen" bis zu 30 mal kam der Todesstrafe gleich. Der „Staupenschlag"; der Delinquent wurde vom Henker aus dem Regimente gepeitscht. Die „Landesverweisung". Das „Abschneiden oder Ausreißen der Zunge am Pranger". Die „Brandmarkung"; die Einbrennung des Galgens oder eines Rades auf der Stirne, Wange oder zwischen den Schultern. Der „Tod durch das Schwert". Die „Hinrichtung durch das Rad". Die „Viertheilung". Der „Feuertod auf dem Scheiterhaufen." Das „Ertränken" oder „Lebendigbegraben". Mördern schwangerer Frauen wurde das Herz aus dem Leibe gerissen. Bei gerichtlichen Verhören war auch die „Tortur" in Anwendung. SIGMUND GRAF TRAUTMANNSDORF. 13 Sämmtliche Personen, die zum Regimente gehörten, unterlagen auch Geldstrafen. Der Mann zahlte für Unreinlichkeit der Montur kleine Geldstrafen, der Officier für Mängel in seiner Abtheilung. Pflichttreue, persönliche Tapferkeit und Gehorsam waren die Grund- pfeiler, auf denen sich das ganze Kriegswesen der damaligen Zeit auf- baute. Die langen Kriege, das bewegte Leben, die vielen Jahre, die der Krieger bei den Fahnen und im Felde zubrachte, stählten seinen Math und lehrten ihn den Tod geringschätzen. Die Officiere fanden leicht Gelegenheit zu Ruhm und Ehren, zu Glück und Reichthum. Viele brachten es von nichts zu den höchsten Stellen. Kehren wir nun zu unserem Regimente zurück. Damit dasselbe sich formieren könne, wurde mit Notificatur des Wiener Hofkriegsrathes an die böhmische Hofkammer vom 18. Februar 1682, dem Trautmannsdorfschen Regimente zu Fuß in Prag das „erste Quartier eröffnet". Auch geht aus einem Rescripte der innerösterreichischen Hof- kammer vom 2. März 1682 hervor, dass demselben das „ganze Ober- gewöhr", der volle Bedarf an „Luntenflinten" von Steyer an der Enns in Oberösterreich zu fassen bewilliget, hingegen das „Werbegeld" nur zur einen Hälfte „gereicht" wurde, daher letzteres in der andern Hälfte, nach damaliger Gepflogenheit, vom Regimentsinhaber zu leisten war. Als die ersten Werbeplätzc des Regiments erscheinen in den öster- reichischen Erbländern die Prager, Königgrätzer und Chrudimer Bezirke in Böhmen und die Glatzer Landschaft in Schlesien; im deutschen Reiche die Städte: Regensburg, Augsburg, Nürnberg, Ulm, Nördlingcn und Baireuth im Kurfürstenthum Baiern. Die Completierung der Officiere erfolgte mittelst Notificatur des Hofkriegsrathes zu Wien vom 3. Februar 1682 an den Regiments- Inhaber. Zufolge derselben wurde der kaiserliche Obstlt. Franz Joachim von Strasser zum ersten Commandanten des Trautmannsdorfschen FuOregiments „destiniert" und ein Obstweht. Schmertzing als zweiter StabsoHicier in selbes eingetheilt. Franz Joachim von Strasser, ein Niederösterreicher von Geburt, wurde am 3. Februar als Obristlieutenant zum Commandanten des Regi- ments ernannt, rückte 1684 zum Oberst vor, wurde mit Patent vom 14 LEOPOLD FÜRST SALM. 21. October 1686 Inhaber des della Vern^'schen Fußregiments, und fiel in dem Gefechte bei Kacanik in Albanien am 11. Jänner 1690, in welchem er das höchste Commando führte, den Türken in die Hände, welche ihn buchstäblich zerstückelten. Mit hofkriegsräthlichem Rescripte ddo. 11. März desselben Jahres wurde Obstweht. Schmertzing wieder anderwärtig beordert und ein Hptm. von Pfeffershofen bei gleichzeitiger Eintheilung ins Regiment als Obstweht, „bestallt". Emmerich von Tököly erfocht neue Erfolge über die kaiser- lichen Truppen in Ungarn und setzte sich mit dem Pascha von Ofen in innigste Verbindung. Vom Großherm zum tributären Fürsten von Ungarn ernannt, wurden ihm 30.000 Türken als Hilfstruppen zugeführt. Kaiser Leopold befahl die Sammlung eines „Kriegs-Corps" in Ungarn. Schon mittelst Ordre vom 11. Juni wurde dem bisher nur auf den Stand von fünf Compagnien gebrachten Trautmannsdorf'schen Regi- mente der Auftrag: „marschieren" zu können — die heutige „Marsch- bereitschaft" — ertheilt. Ein am 6. Juli erlassener Befehl beorderte die vier ersten Regi- mentscompagnien zur „Musterung* auf die Insel Schutt in Ungarn. Nach dieser ersten, durch den kaiserlichen Commissär Grafen Bräuner abgehaltenen Musterung, erfolgte die Eintheilung des Regiments in das obgenannte „Kriegs-Corps" mittelst Hofkriegsraths-Ordre vom 25. August. Der verbliebenen 5. Compagnie wurde die „Verpflegung* im König- reiche Böhmen weiter „gereicht". Im Monate September verzichtete Graf Trautmannsdorf frei- willig auf seine Inhaberschaft, „weil ihm der prätendierte Rang abge- schlagen", und trat — wie es in dem bezüglichen Acte heißt — „in Chur- sächsische Dienste". Mittelst des im Wortlaute folgenden „Gehorsam-Patentes" vom 30. October wurde dem kaiserlichen FML. Leopold Philipp Karl Fürsten zur Salm das „vacierende" Regiment verliehen. Gehorsam-Patent für Leopold Philipp Karl Fürsten zur Salm. „Wir Leopold, etz. etz., bekhennen öffentlich und Thun Kundt Jedermänniglich, was gestallt Wir das durch Geschehene resigna- Carl Theodor Otto. Willijraf zuDhaunui-.i Kii-liuig Kneirgraf zinii Sltir.. Herr ziiVin^lingL-r, uiid A:r-,ho".iU.}''i:rst zu SqItti.FM 1682 1711 I • KARL FÜRST 8ALM. 15 tion des Hoch- undtWolgebohreneiijBesteltenObristens undt Unseres Cammerern Lieben Getreuen, SigmundtJoachim Grafens von T r a u t- mannstorf, yacirendes Begiment zu Faeß des Hochgebohrenen, Unseres Lieben Oheimbs, Fürstens, Kriegs-Raths, Feldmarschal- leuthenandt: Leopold Philipp Garin Wildtgraffens zur Dhaun und Kirburgy Rheingraffen zum Stain und Fürsten zur Salm Liebden, in ansehnung undt erwegung dero Uns Bekannten fttrtreff- lichen qualitäten, geschicklichkeit, auch bishero erwiesenen ralors undt Tapferkeit, wie nit weniger auf das sonderbare gnädigste Vertrauen, so Wir in Ihre Persohn gesteh haben, gnädigst conferirt undt erwähnten Fürstens zur Salm Liebden über selbiges Regiment für Unsern würklichen Kayserlichon Christen bestellt haben. Befehlen hierau£f Unseren Obristleuthenandten etc. (wie in der Bestallung an den Grafen von Trautmannsdorf). ^ ^ Wien, den 30. October 1682. Leopold m. p. Ad Mandatum Sacr. Caes. Majestatis proprium: Cltrystoph von Dorsch m. p. Johann Adam Wöber m. p. Karl Theodor Otto Fürst zu Salm, Wildgraf zur Dhaun und Kirburg, Rheingraf zum Stein, Herr zu Vinstingen und Anholt, ein würdiger Sprosse hochverdienter Ahnen, wurde als ältester Sohn des Fürsten Leopold Philipp Karl und der -Gräfin Marie Anna von Brouckhorst und Batenberg Frau und Erbin von Anholt, am 27. Juli 1645 zu Anholt geboren. Seine erste Erziehung genoss er im > Den gütigen Mittheilnngen des Prinzen Alfred zu Salm Salm ist es zu danken, dass ein bisher bestandener Irrthum aufgeklärt wurde. Fürst Leopold, Philipp, Karl konnte nie Inhaber des Regimeutes gewesen sein, weil derselbe bereits am 17. März 1663 zu Anholt gestorben war und in der dortigen Familien- gruft beigesetzt wurde. Die im Fürstlich Salm'schen Familien-Archive zu Anholt erliegenden Original-Patente haben untrüglich dargethan, dass in dem obigen «Gehorsam-Patente" die Vornamen des verstorbenen Vaters statt jenen des Sohnes Karl, Theodor, Otto aufgenommen wurden. 16 KARL FÜRST SALM. elterlichen Hause^ kam dann an die von den Jesuiten geleitete Anstalt und Universität in Molsheim, hierauf in eine Militär-Schule nach Paris. Im Revolutions-Kriege 1667 — 1668 warb Salm für die spani- schen Niederlande ein Regiment, desgleichen in den Eroberungskriegen Ludwig XIV., 1672—1678, für die mit den Holländern verbündeten Spanier. Bei der Belagerung von Mastricht — 1673 — stand er mit seinem Regiraente in der Festung und rettete durch sein rechtzeitiges Eingreifen die Vorwerke derselben, bei welcher Gelegenheit er ziemlich schwer verwundet wurde. Auch in der Schlacht bei Seneff am 11. August 1674 ward Salm leicht verwundet und gerieth — da sein Pferd stürzte — in französische Gefangenschaft. Am 3. Februar 1682 trat er als FML. in kaiserliche Dienste und wurde mittelst „Gehorsam-Patentes" vom 30. October 1682 Inhaber unseres Regimentes. Am 28. November 1683 erfolgte seine Ernennung zum G. d. C. Als solcher befehligte er in der Schlacht bei Waitzen am 27. Juni 1684 den rechten, in der Schlacht bei Hamsabeg am 22. Juli 1684 den linken Flügel der Kaiserliehen. Bei der Eroberung von Ofen erbeutete er selbst einen türkischen Rossschweif und andere Trophäen. Am 3. November 1685 erfolgte seine Ernennung zum Geheimen Rathe und Obristhofmeister des Thronfolgers Erzherzogs Joseph. Am 9. Juni 1687 zum FM. befördert, war Salm durch eine Reihe von Jahren auch Obrist und Commandant der „Wiener Stadtguardia". Nach dem Tode Leopolds ward Salm als Obristhofmeister Kaiser Joseph I. auch dessen erster Minister. Im Jahre 1704 begab sich Salm — muthmaßlich durch materielle Einbußen hiezu gezwungen — theilweise seiner Verpflichtungen als Inhaber, verließ Ende August 1709 den Wiener Hof, reichte von Schlangenbad seine Entlassung ein und zog sich in seine Residenz nach Achen zurück, wo er am 10. November 1710 starb. In einem ddo. Achen vom 6. December an den Wiener Hof- Kriegsrath gerichteten Schreiben bedankt sich Fürst Salm „für das erlangte Trautmanstorf fische Regiment^ und bittet „umb Erlaubnis, diesen Winter in seines Haus negoticn zubringen zu können." Fürst Salm bezieht sich in diesem Schreiben wcitcrs „auf seine propositiones wegen neuer Werbung, mit Bitt, wann sie nit acecptirt wurden, Ihme KARL FÜRST SALM. 17 diß Regiment mit einem zu Pferd auf vorfallende Gelegenheit zu changiren." Thatsächlich zierte der klangvolle, kriegsberühmte Name „Salm" das Regiment bis an das Lebensende des Fürsten, d. i. dureh 28 Jahre. Aus der Hof-Kriegsraths-Ordre vom 7. December, mittelst welcher dem neuen Regiments-Inhaber verordnet wurde, sein Regiment durch eigene Einflussnahme — nämlich Kostenlcistung — „bis Ende Februar 1683 komplett zu stellen", scheint herv^orzugehen^ dass der frühere Inhaber für sein Regiment keinerlei Werbegeld flüssig gemacht habe. Das Regiment wurde bei der Errichtung nur zur Hälfte auf Kosten des Kaisers ausgerüstet und in den kaiserlichen Erblanden geworben. Die andere Hälfte sollte im Reiche completiert und auf Kosten des Inhabers mit Kriegsausrüstung versehen werden. Bis nun fehlten jedoch noch immer 5 Compagnien, d. i. die zweite Hälfte des Regimentes. In der Folge verschob sich durch die Munificenz des nunmehrigen Inhabers bei der wiederholten Vermehrung der Compagnien das Ver- hältnis dahin, dass die größere Hälfte auf Kosten des Inhabers zur Aufstellung gelangte. Die unter dem 24. December erflossene Ordre verwies sowohl die 4 bei der Armee in Ungarn befindlichen Compagnien, als auch die in Frag verbliebene 5. Compagnie des, nunmehr „Salm'schen" und als „deutsches" näher bezeichneten Regiments in die ersten Winterquartiere nach der Markgrafschaflt Mähren, wodurch sämmtliche 5 Compagnien wieder vereinigt wurden. Regimentsgoscliichie. IL ABSCHNITT. Das Regiment wähi-end der Tfirkenkriege 1683 bis 1691. 1688. Sultan Muh am cd IV. erklärte schon im Jänner dem Kaiser den Krieg. Der Großvezier Eara Mustafa brach Ende März mit der Armee von Adrianopel gegen Ungarn auf. Seine Majestät der Kaiser sammelte die Armee unter Herzog Karl V. von Lothringen bei Kittsee (südlich Pressburg). Unserem Begimente gieng bereits unter dem 10. März in sein mährisches Standquartier der Befehl zu, mit seinen 5 Gompagnien beim ^Kendez-Yous^ in Kittsee am 20. April einzutreffen. Der Commandant dieser einen Regimentshälfte war Obstlt. von Strasser. Die durch die Munificenz des Regiments-Inhabers im deutschen Reiche geworbenen weiteren 5 Gompagnien unter Commando des Obst weht. Sehmertzing wurden als Besatzung uach Groß-Glogau in Schlesien gelegt. Unter dem 15. April wurde jedoch in Abänderung obiger Ordre de bataille bestimmt, dass die nach Kittsee bestimmten 5 Gompagnien nach Leopoldstadt und Trentschin in Ungarn als Besatzung ein- zurücken haben. Im Monate Juli war diese Regimentshälfte wie folgt di^lociert: in Trentschin 2 Gompagnien, in Sellia (Sellye) 1 Gom- pagnie, in Sinta (Sempthe) 60 Mann und in Leopoldstadtl der Rest. Obstlt. Franz Joachim von Strasser, zu dieser Zeit Gomman- dant des ehemaligen Schlosses zu Trentschin, wurde mit hofkriegs- räthlichem Rescripte vom 9. October beauftragt, „das erwähnte Schloss wieder in festen Zustand zu setzen", wozu ihm 5000, den Rebellen ab- genommene Gulden liberwiesen wurden. Unterdessen war die türkische Hauptmacht gegen Wien gezogen,, der wuchtige Schlag zur Rettung der gesammten Ghristenheit unter den Mauern Wiens vorbereitet. Leider musste das Salm'sche Regiment der Ehre entsagen, theilzunehmen an dem unvergänglichen Kriegsruhm, den sich die kaiserliche Armee an dem denkwürdigen 12. September errungen. RABL FÜRST SALM. 19 16S1. Kaiser Leopold I. setzte den Krieg gegen die Pforte fort. Schon unter dem 3. März befahl er die Sammlung einer Feld- armee in Ungarn, den Oberbefehl über dieselbe abermals in die kriegs- kundige Hand Herzog Karls von Lothringen legend. Diesmal sollte unser ganzes Regiment im offenen Felde erscheinen und hatte Mitte Juni am „Bendez-vous" zu Pärkäny, gegenüber Gran an der Donau^ einzutreffen. Nach dem Treffen, welches Karl von Lothringen dem Pascha von Ofen bei Waitzen geliefert, wurde das gesummte Salm'sche Fuß- regiment der am 15. Juli begonnenen Belagerung von Ofen beigezogen und verlor hier an Einem Tage 2 Compagnien, d. i. circa 300 Mann. Mangel und Krankheiten zwangen den kaiserlichen Feldherm, am 30. November die Belagerung aufzuheben und seine Armee in die Winter- quartiere zu verlegen. Unser Regiment erhielt die seinigen in Ober- Ungarn zugewiesen. 1685. Ereignisreicher, als das vorige, gestaltete sich für das Regiment das Kriegsjahr 1685. Der Krieg gegen die Pforte wurde fortgesetzt. Mit hofkriegs- räthlichem Rescripte vom 28. April wurden 5 Compagnien des Regiments als Besatzungen für Gran und Visegrdd * beordert. Diese Regiments- hälfte sollte der Obstweht, commandieren, später wurde sie jedoch vom Obstlt. von Strasser befehligt, welcher Gran gegen den Seraskier so tapfer vertheidigte, dass nicht nur diese Festung bis zur Annäherung des Succurses am 10. August sich halten konnte, sondern auch 2000 Türken unter ihren Wällen kampfunfähig wurden. Die Hauptarmee in Ungarn, bei welcher die zweite Hälfte des Regiments eingetheilt war, belagerte seit dem 7. Juli Neuhäusel, nahm am 19. August diesen kleinen befestigten Platz mit Sturm und entsetzte schließlich die von den Türken hartbedrängte Festung Gran. Gegen Schluss des Jahres wurde die kaiserliehe Feldarmee in Ungarn selbst und nach Ober-Osterreich in Winterquartiere gelegt. Die im oflFenen Felde gestandene Hälfte des Salm'schen Regiments kam gleichfalls nach Gran als Besatzung. * (wrsin war Festung; Visegrad jedoch eine oft'ene Stadt. 20 KABL FÜR8T SALM. 1686. Auch dieses Jahr brachte die Fortsetzung des glorreichen Siegeszuges der kaiserlichen Waffen gegen den Halbmond. Das Operationsziel des bevorstehenden Feldzuges war die Wieder- eroberung von Ofen, das bereits 145 Jahre unter türkischer Herr- schaft stand. Zahlreiche Reichstruppen verstärkten das Heer, in dessen Ober- befehl sich Herzog Karl von Lothringen — Hauptarmee — und Kur- fürst Max Emanuel — churbaierisches Armee-Corps — theilten. Bei der Hauptarmee erhielt die eine Hälfte des Salm'schen Regi- ments, 5 Compagnien, 750 Mann stark, ihre Eintheilung. Am 12. Juni marschierte die Hauptarmee von PdrkÄny, das chur- bayerische Armee-Corps von Komorn ab und langten am 18. Juni vor der Festung Ofen an. Es begann jener in allen Phasen großartige, von der Cernierung bis zum entscheidenden Generalsturm durchgeführte Festungskrieg, der mit der glorreichen Wiedereroberung dieses mächtigen osmanischen Bollwerks im Herzen Ungarns endete. Vom 18. Juni bis zum 2. September währte der verlustreiche Kampf, den die Kaiserlichen im Norden und Nordwesten, die Baiern im Süden von Ofen, Schritt für Schritt, über und unter der Erde gegen die vom greisen Abdurhamman Pascha mit zäher, fanatischer Ausdauer vertheidigte Don au -Festung auszukämpfen hatten. Zahlreiche Ausfälle der Besatzung wurden zurückgeschlagen, aber auch mancher verfrühte Sturm der Belagerer scheiterte unter großen Verlusten. Beim ersten Generalsturm am 27. Juni, welcher für die kaiserlichen Truppen unglücklich endete, befand sich auch eine 200 Mann starke Abtheilung des Regiments Salm unter Hptm. Galbey in den vordersten Reihen der Stürmenden. Auch der zweite, am 3. August unternommene Generalsturm blieb erfolglos. Am 14. und 29. August wurden Entsatz versuche blutig ab- gewiesen. Der dritte Generalsturm am 2. September brachte endlich das vielumstrittene Buda in die Gewalt des Kaisers, nachdem es zu einem Schutthaufen geworden. KARL FÜRST SALM. 21 Während der Belagerang stand das Regiment im großen Lager auf dem Schwaben-Berge zwischen den Regimentern Gaprara und Starhembcrg. Nach dem Falle Ofens blieb die im Felde gestandene Hälfte des Regiments als Besatzung in dieser Feste. Zum provisorischen Commandanten von Ofen wurde GFW. Beck ernannt. An den weiteren Kriegsoperationen dieses Jahres nahm unser Regiment keinen Antheil mehr. Die Waffenruhe trat erst gegen Mitte November ein; die Repar- tition der Winterquartiere erfolgte jedoch schon Mitte October. Zufolge derselben verblieben 2 Compagnien Salm mit completem Stand in Ofen in Garnison; 4 Compagnien wurden nach Arva gelegt und die rest- lichen 4 Compagnien in ihren Quartieren in Schlesien belassen. Das Regiment empfieng hierauf die freudige Genugthuung; dass seinem kampferprobten, umsichtigen Commandanten, dem Obst. Franz Joachim von Strasser das vacante della Verne'sche Fußregiment mittelst Patent vom 21. October verliehen wurde. An seinerstatt wurde der Obstlt. Konrad Albrecht Lapaczek von Guttenberg vom Graf Kaysser- stein'schen Regimente zum Commandanten ernannt.^ 16S7. Dieses Jahr brachte dem Regimente eine organisatorische Veränderung. Der Regiments-Inhaber hatte an den Kaiser die Bitte gestellt: ^das unterhabende Regiment um zwei Musketier-Compagnien verstärken zu dtirfen", welche Bitte mittelst hofkriegsräthlichem Rescripte vom 12. März genehmigt wurde. Dieser patriotische Act, welcher in der drangvollen Zeit doppelt hoch anzuschlagen kam, wurde durch die mit Patent ddo. Wien, am 9. Juni an den hochherzigen Regiments-Inhaber verliehene Feldmarschallswürde belohnt. Die Picken wurden am 13. Jänner abgeschafft und die ganze Infanterie mit Musketen bewaffnet. Die Mannschaft bekam schwert- ähnliche Bajonnette, die mittelst eines hölzernen Griffes in den Lauf ^ Seine militärische Laufbahn ist unbekannt. Die Geschichte des k. u. k. Infanterie-Regimentes Erzherzog Stephan Nr. 8 übernimmt Lapaczek als Obrist und Inhaber ihres Regimentes von uns im Jahre 1691, spricht jedoch von einem Lapaczek v. Rzaweho, indes unser Regiments-Commandant am 25. Mai 1691 zum Christ befördert und in den Ruhestand mit halber Obristensgage versetzt wurde. 22 KARL FÜRST SALM. gesteckt werden konnten. Erst gegen Ende der Regierung Seiner Majestät des Kaisers Leopold bekam das Bajonnet eine Dülle, so dass man auch, wenn es gepflanzt war, schießen konnte. Herzog Karl von Lothringen und der Churfttrst von Baiern hatten auch in diesem Frühjahre gemeinsam das Commando tiber eine aus kaiserlichen und Reichstrnppen bestehende Armee in Ungarn. Bereits mittelst Ordre vom 15. März zur Completierung auf- gefordert, wurde unser Regiment mit seinen ersten 10 Compagnien — die jtingst zur Errichtung gelangten 2 blieben noch weiterhin in Ofen als Besatzung — zur Hauptarmee eingetheilt. In der siegreichen Schlacht bei Mohnes (Berg Härsany) am 12. August hatten sie mit- gekämpft. Diese 10 Compagnien zogen hierauf mit jenem Theile der Armee, den der Herzog von Lothringen am 31. August nach Sieben- bürgen ftthrte, und gelangten am 16. October nach Klausenburg. Fürst Apaffy und seine Stände hatten am 27. October einen Vertrag unterzeichnet, der den Kaiserlichen das siebenbttrgische Fürstenthura, die Landesfestungen inbegriflFen, zur militärischen Besetzung überlieferte. Infolge dessen kam unser Regiment nach Klausenburg in Garnison. 1688. Mit Ordre vom 14. Mai wurde dem Salm'schen Regimente befohlen, mit 6 Compagnien — einer Regimentshälfte — in Sieben- bürgen in Garnison zu bleiben, dagegen mit den anderen 6 Compagnien in das Feld zu rücken.^ Eine Regimentshälfte ist denn auch wirklich in das von Veterani befehligte Corps eingetheilt worden, welches über Karansebes und Orsowa in die Gegend von Vidin und Nikopolis rückte und mehrere Gefechte mit den Türken und Tökölys „Kurutzen" bestand. Den weiteren Operationen gegen die Türken machte die Nachricht ein Ende, dass der König von Frankreich Ludwig XIV. seine Truppen noch vor der Kriegserklärung in Deutschland habe einfallen lassen. Das Regiment wurde in Winterquartiere nach Siebenbürgen verlegt. Das Hofkriegsraths-Rescript voml2.December wies demSalm'schen Regimente zur Completierung 500 „Landrekruten" zu; da selbes jedoch * Es scheinen sonach die in Ofen verbliebenen 2 Compagnien gleichfalls in Klausenbiirg eingetroffen zu sein. KABL FÜHST SALM. 23 nur 272 benöthigte^ wurde der Ueberschuss dem Heister'sehen Regimente abgetreten. 1689. Die Hauptkraft der kaiserlichen Armee aus Ungarn wurde den in die Rheinlande eingefallenen Franzosen entgegengestellt: die in Ungarn verbliebenen ^ sehr geschwächten kaiserlichen Truppentheile standen unter dem Commando des Markgrafen Ludwig von Baden. Die mit Sultan Soli man III. eingeleiteten Unterhandlungen schei- terten an den unerhörten Forderungen, die der Großherr betreflFs Räumung und Uebergabe Belgrads stellte. Ueberdies war der Kampf gegen die ungarischen Rebellen fortzusetzen. In diesen Kriegsnöthen bethätigte sich abermals die hochherzige, patriotische Ergebenheit und Opferwilligkeit unseres damaligen Regi- ments-Inhabers fbr Kaiser und Reich. Fürst Karl zu Salm veranlasste eine weitere Vermehrung seines Regiments um 2 Compagnien, welche hochsinnige, munificente Kriegsleistung umso höher zu veranschlagen kommt, als des Fürsten eigene reichsunmittelbare Territorien im Reiche durch den französischen Einfall bedroht erschienen. Das nunmehr 14 Gompagnien zählende Regiment, das seit der vorjährigen Campagne in Siebenbürgen vereint war, wurde in diesem Jahre dem Corps des Gl. Heissl er von Heitersheim zugewiesen, machte den Zug nach Kimpolung und auf Bukarest mit und verblieb den Winter über in der Walachei. 1690. Dieses Jahr brachte für das Regiment eine furchtbare Katastrophe, welche die junge Truppe der härtesten Prüfung auf ihren inneren soldatischen Gehalt unterzog. Apaffy, der Fürst von Siebenbürgen, war gestorben; der Sultan setzte im April den Grafen Emmerich Tököly zum Fürsten von Sieben- bürgen ein. An die Spitze des türkischen Heeres war der Großvezier Mustafa Köprili getreten, welcher in Serbien eindrang. Das Regiment gehörte zu dem in Serbien operierenden kaiserlichen Truppentheile, gelangte im Verlaufe der Campagne in das Lager zu Jagodina am Mo rawa- Flusse, und wurde im Hochsommer in die von den Kaiserlichen besetzte Festung Belgrad verlegt. 24 KARL FÜRST SaLM. Eine am 22. September erlassene Ordre bestimmte das Regiment neuerdings ins offene Feld zur Verstärkung des Markgrafen von Baden, der die Aufgabe hatte, Tököly aus Siebenbürgen zu vertreiben. Ein ftir immer unaufgeklärt bleibendes Verhängnis hielt jedoch das Regiment in der Festung zurück. Am richtigsten dürfte die Vermuthung sein, dass die rasche Annäherung des türkischen Heeres den Abzug unseres, im offenen Kampfe wohlerprobten Regiments, verhinderte. Der Großvezier traf unterdessen vor Belgrad ein und brachte dieses Bollwerk der abendländischen Christenheit am 8. October, durch eine auch unser Regiment vernichtende Katastrophe, in seine Gewalt. Am Tage der durch den Festungs-Commandanten FML. Grafen Aspermont eingegangenen Capitulation flogen auf unerklärliche Weise drei vollgefüllte Pulvermagazine und das Artillerie-Labotatorium in die Luft. Durch den herabfallenden Hagel von Mauertrümmem und Schutt wurden die zunächst campierenden Regimenter: Salm, Auersperg und di Grana theils erschlagen, gröfltentheils jedoch verschüttet. Und, als ob die Grausamkeit des Schicksals, von dem unser Regiment ereilt worden, noch nicht erschöpft wäre, fiel gegen Abend ^zufälligerweise noch eine türkische Bombe auf den sogenannten „groflen Thurm," in welchem ein bedeutender Pulvervorrath sich befand. Der Thurm, ein Theil der Courtine, sammt den darauf befindlichen Batterien flogen auf und verbreiteten Tod und Verderben um sich! — Alles, was nicht unter den Mauertrümmern zerschmettert und begraben lag, drängte der Donau zu, um Rettung auf den Fahrzeugen zu suchen. Als die Türken durch die Bresche in die Festung drangen, konnten sie nur mehr von einem rauchenden Schutthaufen Besitz ergreifen. Das Sal mische Regiment war vernichtet. Circa 1800 Todte und Verwundete blieben unter den Wällen von Belgrad. Wie groß der Verlust für den Kaiser gewesen, möge aus dem Berichte eines Zeit- genossen ersehen werden, welcher sagt: „dass dem Kaiser mit dem Falle Belgrads acht schöne Regimenter, der Kern seines Fußvolkes, verloren gegangen seieni" Was vom Salm'schen Regimente auf die Fahrzeuge gerettet werden konnte, wurde in Esseg gesammelt. Viel wird es keineswegs KARL FÜB8T SALM. 25 gCTFesen sein; sagt doch ein bezüglicher Act, dass das Regiment ,,mit seinen vierzehn Comgagnien gänzlich in Buin gekommen.'' Aber diese spärlichen Reste waren genflgend, nm den Kern eines neuen Regiments zu bilden, das zwar jung an Mannschaft, doch beseelt war von den Soldatentuge nden, die das alte, in Belgrad ver- nichtete Regiment geschmückt hatten. Sowohl die Eriegsverwaltung, als auch der fürstliche Inhaber wünschten die baldige Wiederaufrichtung des Regiments und so wurde bereits mittelst Hofkriegsraths- Verordnung vom 20. November befohlen, ;,vom Baron Ghizola'schenRegimente 5 ganze Gompagnien zu entnehmen, weiter 478 Landrekruten in Schlesien und deren 700 in Mähren zu werben." Mit derselben Verordnung wurden die Ueberreste an Mannschaften des bei Belgrad gleichfalls ,,in Ruin gekommenen Baron Welsberg'schen Regiments''^ dem Salm'schen Regimente „unterstossen,'' das ist: ein- verleibt, wodurch von der anrepartierten Rekrutenzahl ein entsprechender Theil wieder abzuschlagen kam. Die Oberofficiere des Wclsperg'schen Regiments wurden mit Hof- kriegsraths-Verordnung vom 26. November den eben auch bei Belgrad sehr zu Schaden gekommenen Fußregimentern: Are h int o, Auersperg, Herberstein und Jöger zugewiesen. Dem Festungs-Commaudanten von Belgrad, Grafen Aspermont, wurde die Schuld beigemessen, eine voreilige, ja in sorgloser Weise eingegangene Oapitulation abgeschlossen zu haben. Vor ein kaiserliches Kriegsrecht gestellt, wurde er verurtheilt, später begnadigt, jedoch nie mehr im activen Dienste angestellt. Sein innegehabtes Regiment war gleichzeitig mit dem Welsperg'schen der Reducierung verfallen. In diesem Jahre wurde die bish^^r übliche Art der Verpflegung und Auszahlung der Gebüren durch den Obrist aufgelassen und auf die Hauptleute übertragen, die nunmehr ftir ihre Gompagnien alles zu besorgen und beizustellen hatten. > So ward es erst seit dem 24. April 1 690 genannt, hieß früher von Strasse r'sches Regiment und wurde zur Reducierung bestimmt. — Mittelst Rescript vom 24. No- vember wurde der Inhaber dieses, der Reducierung verfaUenen Regiments, ange- gangen, „sich unweigerlich zur Unterstoßung seines Regimentes zu bequemen.*' 26 KABL FÜRST SALH. 1691. Den Kampf gegen die Pforte eröffnete in diesem Jahre eine kaiserliche Armee von 50.000 Mann^ unter dem Oberbefehle des Markgrafen Ludwig von Baden.* Mittelst Ordre vom 17. Februar wurde das Salm'sche Fußregiment aus Esseg zur Postierung an die Drau bestimmt. Es war zwar unter- dessen wieder in vierzehn Gompagnien formiert, bestand aber großen- theils aus neugeworbenen Keeruten. Das hofkriegsräthliche Rescript vom 17. April bestimmte 8 Gom- pagnien zur Hauptarmee in Ungarn^ 2 Gompagnien nach Erlau und 4 Gompagnien nach Szolnok als Besatzung. Während die 8 zur Feldarmee nach Ungarn bestimmten Gompagnien auf das „Armec-Rendez-vous" nach Esseg abrückten, wurde der bisherige Gommandant des Regiments, Obstlt. Konrad Albrecht Lapaczek von Guttenberg, in den Ruhestand versetzt. Derselbe war nämlich bei der unheilvollen Belgrader Katastrophe in türkische Gefangenschaft gerathen, und das Patent vom 25. Mai 1691 bestimmte, dass ihm: „Titel und Rang eines Obristen gereicht, gleichzeitig aber nur die halbe Obristengage als Ruhegehalt angewiesen („verwilliget") werde." Schon während der Gefangenschaft des Obstlt. Lapaczek hatte der zum Obstlt. im Regimente vorgerückte: Heinrich Georg Baron d'Elmpt das Regiment geführt; nun wurde Letzterer definitiv zum Gommandanten ernannt.* Die Armee, in welcher die 8 Gompagnien des Regiments eingetheilt waren, rückte über Peterwardein, Karlowitz und am 5. und 6. August in voller Schlachtordnung über Slankamen (an der Donau, gegen- über der Theiß -Mündung) gegen Semlin, wo der Großvezier mit überlegener Macht in stark verschanzter Stellung lagerte. Der Markgraf Ludwig zog am 17. August die kaiserliche Armee in eine verschanzte Stellung bei Slankamen zurück; — der Großvezier ^ Vom Rheine waren einige kaiserliche Regimenter, dann Baiern und Bran- denburger zur Armee in Ungarn gestoßen. '^ Herzog Karl von Lothringen, der hingjährige, glorreiche Feldherr der kaiserlichen Armee, war 1690 gestorben. ' Über die militärische Laufbahn Baron d'Elmpts ist nichts bekannt. Im Februar 1700 hatte sich derselbe in ein Bad begeben, aus dem er nicht mehr zurückgekehrt war. KARL FÜB8T SALM. 27 folgte und verschanzte sich, diese Stellung gegen Westen umgehend, gegentiber den Kaiserlichen. Markgraf Ludwig hatte die auf einer Höhe gelegene Stellung genau dem Terrain angepasst Das Regiment — 8 Gompagnien in 2 Bataillone formiert — stand im ersten Treffen unter dem Befehle des FZM. Grafen Sonches, Commandanten des gesammten Fußvolkes. Am 19. mittags giengen die Kaiserlichen offensiv vor und nahmen nach hartnäckigem Kampfe die feindlichen Schanzen. Es erfolgte, da kein Pardon gegeben wurde, ein furchtbares Gemetzel. Der Großvezier fiel; 154 Kanonen, die grüne Fahne des Großveziers wurden erobert, die Cassa erbeutet; 20.000 todte TUrken bedeckten das Schlachtfeld. Der Verlust der Christen betrug: 3.185 Todte und 4.170 Ver- wundete; darunter vom Kegimente todt: die Hptlte. Augustin Baci- galupi, Franz Ludwig Zeckho; die Fähnr. Michael Funckh, Hans Pauer und 154 Mann; — verwundet: Obstlt. Baron d'Elmpt, Hptm. Johann Christian Baron von Zermersgrueb, die Lt. Josef Franz Baron von Bebrelli, Heinrich Dtitl, die Fähnr. Johann, Maximilian Pütterer von Riehen, Samuel Kraus und 174 Mann. Bis zur Wiederherstellung des verwundeten Regiments-Comman- danteu führte der Obstweht.: Victor Maria d'Amigoni das Commando über das Salm'sche Regiment. Die Armee wurde im November in Winterquartiere verlegt und dürfte unser Regiment hiebei nach Ober- Ungarn gekommen sein. III. ABSCHNITT. Das Regiment bis 1697^ dem ersten Auftreten des Prinzen Eugen Ton SaToyen als kaiserlieher Feldherr. Mit dem Tode des Herzogs Karl von Lothringen schien die Kraft der gegen die Tttrlcen geführten Kämpfe zu erlahmen. In dem Zeiträume von 1692 bis 1697 stand zwar nnser Regiment beständig gegen die Pforte zu Felde, doch war demselben keine Gelegenheit zu besonderen WaflTenthaten geboten. Die nachfolgende Schilderung der Schicksale des Salm'schen Regiments bis zum ersten Erscheinen des Prinzen Eugen als Gomman- danten einer kaiserlichen Feldarmee muss sich demnach auf die Auf- zählung mehrerer organisatorischer Maßnahmen und nur spärlicher kriegerischer Ereignisse beschränken. 1692. Mit dem Rescripte vom 13. Februar waren unserem Regi- mente zur Wiederersetzung der im Vorjahre erlittenen Verluste 450 Mann Landrecruten und zwar diesmal aus !Nieder-Osterreich überwiesen worden. Mit Erlass vom 22. Mai wurden hievon 150 Mann nach Ofen als Besatzung, der Rest aber zur „Fortificationsarbeit in die zu recon- struierende Festung Esseg" beordert. Dieselbe Hof kriegsraths -Verordnung bestimmte alle noch übrigen Regimentsabtheilungen, nämlich 11 Compagnien, zum „Rendez-vous^ nach Esseg und wurde sonach unser Regiment abermals der vom Mark- grafen von Baden befehligten Feldarmee zugewiesen. Der Krieg mit Frankreich hinderte, in Ungarn etwas Entscheidendes zu unternehmen. Der Markgraf fühlte sich zu schwach, die bei Belgrad in großer Stärke stehenden, sich aber defensiv haltenden Türken anzu- greifen. Bald wurden die Winterquartiere bezogen. 8 Compagnien des Regiments wurden hiebei nach Szolnok in Ungarn verlegt. KABL FÜB8T SALM. 29 1693. Markgraf Ludwig von Baden wurde zum obersten Befehls- haber über die kaiserliche und Reichsarmee an den Bhein berufen; das Commando in Ungarn übernahm der kaiserliche FH Herzog von Croy. Mit hofkriegsräthlichem Rescripte vom 22. Mai wurden die 8 Com- pagnien aus Szolnok zum „Armee-Rendezvous" beordert. Es scheint sonach, dass dieser größere Theil des Regiments bei jenem Heereskörper seine Eintheilung gefunden hat, welcher unter des Herzogs von Croy persönlicher Leitung vom 31. Juli bis 8. September Belgrad belagerte. Zum Schlüsse der üampagne wurden wieder die Winterquartiere in Nord-Ungarn bezogen. 1694. Die Armee in Ungarn zählte in diesem Jahre 26.000 Mann und stand unter Commando des FM. Grafen Gaprarci. Mittelst Ordre vom 21. März wurden 200 Mann unseres Regimentes in die vom Grafen Guido von Starhemberg befehligte Festung Peter- war de in als Besatzung bestimmt; sie nahmen hiezu ihr „Rendez- vous^ bei Mohäcz und giengen bei Vörös-Marton zu Schiffe. 6 Compagnien des Regiments erhielten ihre Eintheilung bei der Feldarmee des Grafen Caprara. Dieser kaiserliche General führte die Armee in ein Lager vor Peterwardein, woselbst er vom Großvezier vom 11. bis 17. September unablässig, doch ohne Erfolg angegriffen wurde. Nachdem es auch in diesem Jahre zu keinem entscheidenden Schlage gekommen, wurde die Armee in die Winterquartiere gewiesen. Zufolge einer vom 18. November datierten Ordre kamen alle Ab- theilungen, auch die von frtiherher in Ofen, Esseg und Peterwardein gestandenen Compagnien des Salm'schcn Regiments, vereinigt in Quar- tiere in Ober-Ungarn. Ueber das Detail dieser Unterkunft kounte nur festgestellt werden, dass auch 4 Compagnien nach Kaschau verlegt wurden. 1695. Die Heeresleitung bestimmte, dass die Fußregimenter fortan 3 Bataillone zu formieren und aus 15 Compagnien zu bestehen hätten. Die bisherige Kopfzahl von 200 per Compagnie wurde auf 150 herab- gesetzt, die Regimentsstärke sonach auf 2250 Köpfe gebracht. 30 KARL FÜR8T SALM. Unter dem 26. Jänner wurde unserem Regimente verordnet, eine 15. Compagnie durch Werbung von 150 Recruten zu Wien aufzustellen. Hiemit wurde Hptm. Georg von Lindermann beauftragt. Derselbe stellte an das Wiener Stadt-Commando die Bitte: „Die Werbung für das deutsche Salm'sche Fufiregiment durch lauten Trommelschlag ver- künden lassen zu dürfen.^ Die kaiserliche Armee, nun unter Commando des Churftlrsten Fried- rich August I. von Sachsen stehend, wurde Ende August zwischen Slankamen und Peterwardein versammelt. 11 Compagnien des Regi- ments erhielten ihre Eintheilung bei dieser Armee, wurden jedoch bald wieder abgetrennt und nach Peterwardein als Besatzung verlegt. Eine Armee-Abtheilung unter FM. Grafen Veterani stand bei Karansebcs. Der Sultan Mustafa II. wandte sich mit überlegener Kraft gegen letztere und schlug selbe am 21. September bei Lugos, bevor der Chur- fürst zu deren Hilfe eintraf Da der Sultan hierauf nach Adrianopel zurückgieng, bezog die kaiserliche Armee sofort Winterquartiere. Auch der Rest des Regiments — sammt den zuletzt in Kaschau gestandenen 4 Compagnien — kam als Besatzung nach Peterwardein, woselbst nun das ganze Salm'sche Fußregiment vereinigt war. Der Regiments-Gommandant Obstlt. Baron d'Elmpt hatte bereits im Monate März die Bitte „um Verleihung des um jene Zeit durch Todesfall vacant gewordenen Vitri'schen Regiments" gestellt; diese Bitte wurde nicht gewährt. 1696. Das Ziel des Feldzuges sollte die Einnahme von Temesvdr^ sein. Der Churftirst von Sachsen, welcher die kaiserliche Armee wieder commandierte, umschloss diesen Platz am 24. Juli; am 19. August rückte er dem türkischen Heere, welches die Donau bei Pancsova über- schritten hatte, entgegen. Am 26. August kam es zur unentschiedenen Schlacht bei Olasch (zwischen Temesvdr und Bardan). Das Regiment — zur Feldarmee eingetheilt — kämpfte mit 2 Batail- lonen in dieser blutigen Schlacht unter sehr empfindlichen Verlusten. ^ Das Temeser Banat bis an die Märos war damals noch ein türkisches Paschalik. KARL FÜB8T 8ALM. 31 Als Beweis dessen diene das Ersuchen des Armee-Commandanten im Monate September^ mittelst welchem der Hofkriegsrath angegangen wurde: ^einerseits dem Salm'schen Regimente die laut Rechnung seit drei Jahren rückständige Verpflegung zu reichen und andererseits den beiden in der 01a scher Action zu großen Schaden und Verlusten ge- kommenen Bataillonen zur „Refraichir" baldige und gute Winter- quartiere anzuweisen^. Diese beiden Bataillone kamen hierauf nach Neuhäusel ins Quartier; 4Compagnien wurden nachKaschau bestimmt und eine Regiments- Abtheilung nach Eperies „deputieret^. Zwei Officiere, Heinrich de Craffton als Obstlt. und Franz Cafford als Hptm. wurden dem Regimente „aggregieret". 1697. Die Consequenzen der verlustreichen Schlacht bei 01a seh reichten bis ins Jahr 1697 hinein. Das Regiment war, wie alle anderen, schlecht ausgerüstet; der Sold war oft lange ausständig. So stellte der Commandant des Salm'schen Regiments unter dem 27. Jänner die Bitte an den Hofkriegsrath, „die Erfolglassung von im Vorjahre in Verlust gerathenen Karren, Schweinsfedern und die von 5 Fahnen" genehmigen zu wollen.* Mit Hofkriegsraths-Notificatur vom 19. April wurde in Erwiderung des schon unter dem 26. October des Vorjahres vom Obstlt. Baron d'Elmpt inständig wiederholten Ansuchens die Bewilligung ertheilt^ „es sei dem gemeinen Manne, so auf den Quartieren im Königreiche Hungam seit langem in Geld gar nichts bekommen, sondern allein die Kost genossen, sofort Ein Gulden auf die Mundportion zu reichen." Jede Compagnie des Regiments besaß eine Fahne. IV. ABSCHNITT. Das Regiment in der Armee des Prinzen Eugen ron Savoyen; 1697 bis 1700 gegen die Türken. — Das Friedeny'ahr 1701. 1697. Das Armee-Commando wurde dem großen Feldberra und glorreichen Helden Prinzen Eugen von Savoyen übertragen. Das Regiment erhielt Befehl, am 10. Mai am „Rendez-vous" bei Moh&cs einzutreffen und wurde mit 8 Compagnien bei der Hauptarmee eingetheilt; 4 Compagnien verblieben als Garnison in Kaschau. Die ersterwähnten 8 Compagnien trafen am 12. Juli im Lager von Kolluth ein. Am selben Tage erschien hierselbst auch der neu- ernannte kaiserliche Feldherr aus Wien zum erstenmale unter den Truppen, die er von nun an ruhmvoll von Sieg zu Sieg führen sollte.^ Am folgenden Tage hielt Prinz Eugen Musterung über das ver- sammelte kaiserliche und sächsische Heer, wobei das Salm'sche Regi- ment zum erstenmale Gelegenheit hatte, vom prüfenden Auge des größten Feldherrn Oesterreichs besichtigt zu werden. Am 17. Juli wurde das Lager bei Kolluth abgebrochen und gegen Peterwardein abmarschiert. Die türkische Armee, unter persönlicher Führung des Sultans, über- schritt im August die Donau bei Belgrad. Mehrfaches Manövrieren zwischen den beiden Armeen Theiß-auf- und -abwärts, stellte hohe Anforderungen an ihre Marschfähigkeit. Alle diese Märsche durch trostlose Steppen und fiebererftlUte Moräste, preis- gegeben der glühenden Sonnenhitze auf den baumlosen Marschwegen Süd-Ungarns, überwand das Fußvolk der kaiserlichen Armee, mit ihm die beiden Bataillone unseres Regiments, mit seltener Hingebung! Neun- * Die versammelten Truppen begrüßten die Ankunft des Prinzen nach dama- ligem Gebrauche mit einer dreimaligen Salve. KARL FÜRST 8ALM. 33 Btilndige Tagmärsche ohne Rast waren die gewöhnliche Leistung der Armee. Die härteste Probe auf Disciplin und Eriegstttchtigkeit jedoch stellte an das brave Fußvolk des Prinzen der Marsch am 6. September nach Peterwardein. 18 Stunden bewegte sich an diesem Tage die kaiserliche Armee^ ohne Unterbrechung und in vollkommener Gefechts- bereitschaft, indem sämmtliche Regimenter ein großes rechteckiges Marsch- Carr6 formiert hatten. Unser Regiment war in demselben an der südöstlichen Ecke ein- getheilt. Unaufhörliche Reiterangriffe der Ttlrken zwangen den Prinzen diese massierte Formation auf, in welcher sich die Leiden und Ent- behrangen des Fußvolks verschärften. Bei Zenta versuchte das türkische Heer im September auf einer Schiffbrücke die Theiß zu überschreiten. Am rechten Ufer dieses Flusses war dieselbe zum Schutze der übergegangenen Heerestheile mit starken Retranchements gesichert. Als die Armee des Prinzen am 11. September im Angesichte des Feindes erschien^ befand sich derselbe in vollem Übergange. Die ungünstige Situation der Türken durch einen raschen und kühnen Schlag auszunützen, war Eugens Absicht. Sowie die Truppen anlangten, wurden sie sofort in Schlachtordnung gestellt. Unser Regiment stand in der- selben am rechten Flügel im ersten Treffen zwischen dem Regimente der Savoyen- Dragoner und demjenigen der Caprara- Kürassiere unter des FML. Grafen Gronsfelds Befehl. Die erste Aufstellung der kaiserlichen Armee war mit der Front gegen Norden bewirkt, der rechte Flügel gegen die Theiß gelehnt. Die ewig denkwürdige Schlacht wurde durch eine große Rechts- schwenkung des Corps de bataille und des linken Flügels begonnen, so dass der türkische Brückenkopf umfasst wurde und beide Flügel der kaiserlichen Armee sich an die Theiß lehnen konnten. Als der Kampf durch das glückliche Vorgehen des linken Flügels eingeleitet worden, begann der allgemeine Angriff des Centrums und des rechten Flügels auf die türkischen Retranchements am rechten Theifl-Ufer. Reiterei und Fußvolk wetteiferten an Kampflust und Beweisen von Bravour. Die Infanterie erstieg die gegnerischen Brustwehren im RegimenUgoBchicht«. 3 34 KABL FÜRST SALM. blutigen Ringen, Mann gegen Mann. Prinz Eugen sagte selbst in seinem Berichte an den Kaiser, die Schanzen seien so fest und hoch gewesen, „dass er nicht begreife, wie die Infanterie habe passieren können". Nach Wegnahme der Brustwehren erfolgte mörderischer Ver- nichtungskampf; kein kaiserlicher Soldat gab Pardon. Erst die eintretende Dunkelheit machte diesem unbeschreiblichen Rachekampfe ein Ende. Der edle Prinz hatte in seinem Berichte an den Kaiser mit warmen Worten des Heldenmuthes der Truppen gedacht und der kaiserliche Dank auf dieses mächtige Fürwort hin war groß und erhaben. Der Obstlt. und Commandant des Salm'schen Regiments, Baron d'Elmpt, erhielt nebst anderen Regiments-Commandanten ein huldvolles kaiser- liches Dankschreiben folgenden Inhalts: Kaiserliches Dankschreiben an die Generalität und die Regiments-Commandanten für die Schlacht bei Zenta. Wien, 27. September 1697. „Demnach Uns von Unseres (titul.) Prinzen Eugenii zu Savoyen Durchlaucht, sehr angerühmt worden, dass Du Dich bei der, am 11. dieses unweit Zenta mit dem Feind vorbeigegangenen Action und vermittelst göttlicher Gnade erfolgten, so stattlichen und remarquablen Victori gar wohl verhalten, und dabei Deiner Valor und Tapferkeit absonderlich erwiesen habest (speciell für den FZM. Grafen Börner: vornehmlich auch durch die, in Unserer, unter Deinem Commando stehenden kaiserlichen Feld-Artillerie, dem Feind durch das stete Kanoniren ein grosser Abbruch geschehen sei) und Uns solches zu gnädigstem Wohlgefallen, Dir aber und Deiner Posterität zum steten Nachruhm gereichet; — als werden Wir solche von Dir erwiesene Tapferkeit und prästirte Treue und er- sprießlichen Dienste data occasione, mit kais. und königl. gnädigster Zuerkennung nicht unterlassen; thuen Uns auch hingegen gnädigst verseilen, Du werdest fürderhin wie bisher, Unseren und des ge- meinen Wesens Dienst bestermaßen zu befördern. Dir noch weiters nach möglichsten Kräften angelegen sein lassen. "^ Leopold, m. p. KARL FÜRST SALM. 35 Die Verhältnisse gestatteten nicht, diesen wuchtigen Schlag gegen den Erbfeind der Christenheit auszunützen, und so bezog zufolge Ordre vom 1. November das Regiment sein Winterquartier in Ungarn mit dem stolzen Bewusstsein, bei Zenta „tapfer und standhaft" mit- gefochten zu haben. Die ursprünglichen 4 Compagnien verblieben auch diesen Winter über als Garnisonstruppe in Kaschau. Als interessantes Detail sei hier hervorgehoben, dass die Armee- leitung, die taktischen Lehren des langjährigen Türkenkrieges ver- wertend, neue, „für künftige Campagnen zu übende vorgeschriebene Exerciervorschriften" ausgab und unser Regiment am 16. December mit solchen betheilt wurde. In diesem Jahre erschien abermals eine neue „Verpflegs-Ordnung". Der Umstand nämlich, dass, wie es einst die Obristen im Regimente, nunmehr die Hauptleute in den Compagnien thaten, veranlasste den Staat, die Beistellung der Monturen zu übernehmen. Demgemäß ver- minderten sich die Gebtiren, und zwar: Im Winter Im Sommer Charge Feldwebel . . Führer .... Fourier . . . Musterschreiber Feldscheer . . Corporal . . . Gefreite . . . Spielmann . . Gemeine . . . Fourienwhtitz . Mund- por- tion Monats- | gebür \; ♦ägl. in barem ! Brot- Gelde l Por- tion fl i kr. ^ ix ix.2 :S 2 !' > g 7 5 5 5 5 2 1 1 1 1 30 30 30 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Monats- gebilr in barem Gelde fl. kr. 10 7 7 7 7 4 3 2 2 3 30 Anmerkung Die Mundportion des Soldaten in den Winter - Quartieren bestand in: 1 Pfund Fleisch, 2 Pfund Brot, 1 Maß Wein odor 2 Maß Bier. Die Stände entschädig- ten die Bewohner und wurden die Be- träge von denSteuem abgezogen. 1698. Das Regiment hatte mit Ordre vom 10. Mai die „Marsch- bereitschaft" erhalten und wurden unter dem 12. Juni 2 Bataillone desselben ins Feld ;i:cstcllt. ly 38 KARL FÜRST SALM. Obristen befördert, wurde er mit Patent vom 22. Mai desselben Jahres über „besondere Recommandation des Markgrafen Ludwig von Baden" Inhaber des vacant gewordenen Marsigli'schen Regiments, zu welchem derselbe jedoch aus unbekannten Gründen erst im December eingerückt war. In der Zwischenzeit hatte er sich in Wien aufgehalten. Baron de Tollet fungierte schon im Jahre 1705 als Brigadier vor Großwardein beim Entsätze dieser Stadt, kämpfte in der sieg- reichen Schlacht bei Sibo am 11. November 1705 und wurde „in an- schung seiner Verdienste bei der Vertheidigung von Landau 1703 undt seiner gegen die ungarischen Rebellen bewiesenen Entschlossenheit, Treue undt Kriegserfahrenheit« mit Patent vom 8. April 1708 zum General-Feld-Wachtmeister befördert. Baron de Tollet nahm theil an den AflFairen bei Rosenberg und Hradek 1709, wurde in letzterer schwer verwundet, war 1710 beurlaubt und während dieser Zeit, vom Jänner bis November, Beisitzer beim Kriegsgerichte wider den FML. Grafen Mercy. 1711 fungierte er als Festungs-Comnmndant in Szathmdr-Nemethy, wurde im März 1713 „in anerkehnung seiner im Kriege und Frieden ausgezeichneten Dienste" in den Reichsgrafenstand erhoben und starb am 5. Jänner 1717, nach längerer Krankheit, in Hermannstadt. Unter dem 9. Februer wurde von der Armeeleitung der Friedens- stand des Regiments mit 3 Bataillonen, das sind 12 Compagnien und einer Kopfzahl von 1800 Mann, verordnet. Unter demselben Datum wurde auch eine Veränderung in der bisherigen Friedens-Dislocation bewirkt. Eine Abtheilung des Regiments kam abermals nach Ka schau. Am 3. April verordnete der Hofkriegs- rath die Verlegung eines Bataillons aus der Marmaroser-Gespanschaft nach Eperies und unter dem 12. April die Wechslung der zu Eperies und Bartfeld verbliebenen Compagnien unter einander. Zur Beleuchtung der Zeitverhältnisse möge einer unter dem 17. Juli d. J. erflossenen Notificatur des Hofkriegsrathcs gedacht werden. Der Hauptmann des Regiments Johann Georg Anton Bidermann lag seit Jahren mit dem fürstlichen Inhaber wegen Soldangelegenheiten im Pro- cesse. Um diesen fatalen Rechtsfall zu endigen, resolvierte der Hof- kriegsrath auszugsweise, wie folgt: „Theodor Otto Fürsten zu Salm und fürstlichen Gnaden gehorsambst zuzustellen, ob dieselben unschwer KABL FÜRST SALM. 39 belieben wollten, in vermelten Sachen des Hauptmannes Johann Georg Anton Bidermann seines Regimentes zu Fuß, behufs der Justiz und Verhütung fernerer Weitläufigkeit fürdersambt endigen zu lassen". . . . 1701. Das Friedensjahr 1701 begann ebenfalls mit Dislocations- wechsel. Im Monate Jänner wurden 2 Compagnien nach Trentschin und 3 nach Leopoldstadt verlegt. Im Juni hierauf, und zwar mittelst Hofkriegsraths- Ordre vom 7. dieses Monats, wurden abermals 80 Mann des Regiments dem fllrst- lichen Inhaber auf sein Stammschloss Kirburg überwiesen.^ * In der Nähe des Städtchens Kirn in der Rhein -Provinz; — heute eine Ruine. Dort blieben dieselben im Vereine mit den bereits 1698 dahin abgegebenen 200 Mann bis zum Jahre 1711, in welchem Jahre der damalige Regiments-Inhaber GWÄL Heinrich Josef Dietrich Martin von und zu Daun sie reclamierte. i V. ABSCHNITT. Das Regiment im ersten Theile des spanischen Erbfolgekrieges 1702 bis 1704. Der kinderlose König Karl IL von Spanien starb am 1. November 1700. Gemäfi alten Verträgen sollte das spanische Königreich an Osterreich fallen. Ludwig XIV. von Frankreich erhob jedoch auch fllr sein Haus Ansprüche auf die spanische Krone und forderte die spanische Erbfolge für seinen Enkel Philipp von Anjou. Der Kaiser beschloss, mit den Waffen die spanische Erbnachfolge für Osterreich zu erkämpfen. Prinz Eugen von Savoyen wurde ausersehen, den Waffengang mit des französischen Königs zahlreichen Heeren in Italien zu bestehen, während Markgraf Ludwig von Baden am rheinischen Kriegstheater die kaiserliche Armee befehligen sollte. Unser Regiment war nicht so glücklich, schon im Jahre 1701 für des Kaisers gutes Recht mit den Waffen einstehen zu können, sondern verblieb bis in den Sommer 1702 in seinen ungarischen Quartieren. Doch diese Zeit wurde zur Completierung und Ausrüstung getreulich benutzt. Bereits unter dem 13. December wurde mittelst Hofkriegsraths- Ordre die Annahme eines neuen erhöhten Standes von 2400 Mann, diese in 16 Compagnien und 4 Bataillonen formiert, angeordnet. 1702. Am 15. Jänner 1702 mit der „Marschbereitschaft" versehen, erhielt das Regiment Salm -Infanterie den Befehl zur Aufrichtung einer Grenadier-Compagnie. Diese sollte aus „alten Leuten" und zum Stande von 100 Mann bestehen. Zur Formierung dieser 17. Corapagnie wurden KABL FÜRST 8ALH. 41 die bisher bei den Musketier-Gompagnien — von nun an „ordinäre^ Compagnien genannt — eingetbeilten je 8 Grenadiere herangezogen. Mit dem Patente Tom 31. Jänner wurde der zweite Obstlt. des Regiments, Jakob Baron Dussard, bei gleichzeitiger Beförderung zum Obristen, zum Commandanten von K aschau ernannt und mit der Errichtung von fünf in dieser Stadt zu werbenden „Frei-Compagnien'* beauftragt. Laut Ordre vom 26. Jänner hatte unser Regiment zu dieser, dem Baron Dussard „conferiertenFreitruppe^ 40 altgediente Leute abzugeben. Endlich am 11. April war die langersehnte „Marsch-Ordre'^ ein- getroffen. Das Regiment Salm -Infanterie sollte mit 17 Compagnien zur Armee an den Ober-Rhein abgehen. Obstlt. Baron de Tollet sammelte nun das Regiment bei Leopold- stadt. Auf dem Marsche jedoch musste in Hradisch an der March freiwillig „angehalten^ werden, denn der leidige Geldmangel machte die Fortsetzung der Bewegung unmöglich. Dieser bedauerliche Aufenthalt wurde jedoch bestmöglichst „zur Completstellung^ verwendet und konnte erst nach längerer Zeit der Marsch unter des Grafen Thierheims Commando durch Böhmen und Baiern an den Rhein fortgesetzt werden. Unterdessen waren die Feindseligkeiten ausgebrochen und der kaiserliche Feldherr, Markgraf Ludwig von Baden, eröffnete den Feldzug mit der EinschlieBung und Belagerung der Festung Landau. Unser Regiment, in dem Corps des FML. Grafen Leiningen ein- getheilt, sollte hiebei in einer Reservestellung im Vereine mit 24 Esca- dronen Reiterei und 10 Grenadier- Compagnien beim Dorfe Impflingen zu stehen kommen, rückte jedoch erst am 30. Juli in diese Position ein. Der römische König Joseph hatte bereits das Ober-Commando tlber die kaiserliche und alliierte Armee vor Landau flbernommen, als unser Regiment daselbst anlangte. Die allmählich eintreffenden Verstärkungen machten die Zusammensetzung einer neuen Ordre de bataille nothwendig, der zufolge das Regiment aus dem Reserveverhältnisse mit seinen 4 Bataillonen ins erste Treffen kam. Nur die Grenadier-Compagnie ver- blieb in Reserve. Doch auch jetzt war das Regiment noch nicht vollkommen com- pletierty denn Ende Juli besaß Salm-Infanterie sammt der Grenadier- Compagnie nur eine Stärke von 2188 Mann; es fehlten sonach 312 Mann auf den normierten Sollstand von 2500. 42 KABL FÜB8T SALM. An don folgenden Stürmen auf die belagerte Festung war unser Kegiment wiederholt betheiligt. So stritt in der Nacht vom 16. zum 17. August das ThUngen'sche Corps, in welchem das Regiment Salm- Infanterie eingetheilt war, besonders tapfer, bemächtigte sich hiebei des bedeckten Weges der Citadelle und begann den Bau einer Breschbatterie. Beim leteten, das Schicksal der Festung entscheidenden Sturme in der Nacht vom 8. zum 9. September nahm unser Regiment gleich- falls Antheil. Am 9. dieses Monats capitulierte endlich der französische Festungs-Commandant, General M61ac, der berüchtigte Ver wüster der Pfalz, mit 3500 Mann der Besatzung. Der Verlust des Regiments in dieser Belagerung konnte nicht festgestellt werden, musste aber bedeutend gewesen sein, denn das ge- sammte Belagerungsheer hatte 8 Procent seines Standes eingebüßt, also circa 160 Mann an Todten und Verwundeten.^ Bei dem Bezüge der Winterquartiere wurde das Regiment Salm mit einem Bataillon nach Frei bürg, mit den übrigen drei nach Ken- zingen an der Elz und Umgebung auf vorderösterreichischem Gebiete verlegt. 1703, Das Kriegsjahr 1703 begann unter schlimmen Auspicien. Die Winterquartiere der kaiserlichen und Reichstruppen, in denen noch tiefste Ruhe herrschte, wurden anfangs Februar durch die Franzosen unter Marschall Villars tiberfallen. Markgraf Ludwig von Baden begegnete diesem unerwarteten Stoße durch eine Concontrierung seiner Truppen hinter den befestigten Stollhofer-Linien, seinem eigenen fortificatorischen Werke. Es scheint, dass unser Regiment nicht mehr in diese Aufnahms- stellung gelangt war, sondern bei dem überraschenden französischen Ein- falle sich nach Freiburg geworfen haben dürfte. In Freiburg, woselbst der kaiserliche GFW. Baron Winkcl- hofen commandierte, scheint unser Regiment außer der Grenadier- Compagnie nur mehr 2 Bataillone formiert zu haben. Die Verluste, die 1 Der detaillierte Stand des Salm'schen Regiments Ende Oetober 1702 war der nachfolgende: 17 Haiiptleute, 17 Lieutenants, 16 Fähnriche, 17 Feldwebel, 16 Führer, 17 Fouriere, 16 Musterschreiber, 17 Feldscherer, 100 Corporale, 66 Spiel- leute, 66 Fourierschützen, 192 Gefreite, 1487 Geraeine; in Summe ein Elfectivstand von 2044 Mann. KARL FtJRST SALM. 43 es im Vorjalire bei Landau erlitten, sowie der Umstand, dass das Regiment infolge der kriegerischen Ereignisse nicht im Stande war, seine mittelst Hofkriegsraths-;,Intimatur^ vom 2. October ihm aus Böhmen und den innerösterreichischen Ländern zugewiesenen Recruten an sich zu ziehen, dürften ftir diese Annahme sprechen. Anfangs December wurden die Winterquartiere bezogen. Das Salm'sche Regiment verließ Freiburg und rückte in die Stollhof er- Linien ab, woselbst es bei Ober- Bühl zu stehen kam. Hier muss unser Regiment empfindlichen Mangel an Bekleidung und Verpflegung gelitten haben, da einschlägige Acte hievon Andeutung machen. Bevor die kriegerischen Ereignisse weiter zur Darstellung gelangen, soll hier einiger organisatorischer Änderungen Erwähnung geschehen. Durch die Initiative des Prinzen Eugen, der mittlerweile zum Hof kriegsraths - Präsidenten ernannt worden, rangierte ein completes Regiment zu 17 Compagnien in 4 Bataillone, u. zw.: Das Obristlieute- nants-, Hauptmanns-, Obristwachtmeisters- und das Leib-(Obrist-)Bataillon. Das Hauptmanns-Bataillon war das neu errichtete; häufig commandierte auch das Leib- Bataillon ein Hauptmann. Die Grenadier-Compagnie wurde im Gefechte entweder in Reserve oder als Avantgarde zur Besetzung und Vertheidigung von Ortlich- keiten vor der Front und in der Flanke verwendet. Innerhalb jedes Bataillons wurde der Compagnie -Verband auf- gehoben. Die Mannschaft wurde in drei gleiche Theile, Hauptdivisionen, u. z. in den „rechten" und „linken" Flügel und das „corps de bataille" (Mitte, Reserve) getheilt. Jede Hauptdivision commandierte ein Haupt- mann und wurde selbe in zwei „halbe Flügel", jeder halbe Flügel in zwei Züge (Peletons) getheilt. Der 1. Zug hieß die „Avantgarde", der 12. Zug die „Ariöregarde" oder „Retregardia". Die Rangierung eines Bataillons stellte sich demnach folgender- maßen dar: 1. 2. 3. 4.J Avantgarde Zug Rechter Filigel 44 KABL FÜRST 8ALM. :l 5. 6.' 2"^ Fahnen und Tambours 7.1 ;} 8,' 2"^ Corpg de bataille 9.1 10. 11. 12.J Zug > Linker FlUsrel Arriferegarde . Die Commandos waren äußerst compliciert. Erst FM. Regal suchte rationell die Commandos abzukürzen und „das übrige Blasferment^ als wenn der Pfaff auf der Kanzel predige und Worte, wie „Präsen- tiert euer Gewehr^ auszulassen, da man ohnedem siebet, dass der Soldat keine Mistgabel in Händen habe.^ Auch in der Bewaffnung des Fußvolkes waren zu jenem Zeit- punkte wichtige Veränderungen ins Leben getreten. Die Picke, diese „Königin der Waffen", wie Montecuccoli sie nannte, wurde beim kaiserlichen Fußvolke abgeschafft. Damit ver- schwanden die in den Musketier-Compagnien eingetheilten „Piqueurs", doch wurden die sogenannten „Hellebardiers", Leute von „vortheil- hafter Leibesgestalt" bis zur Formierung der 2. Grenadier -Compagnie vorläufig beibehalten. An Stelle des Luntenschlosses wurde die Steinschlossflinte einge- fllhrt; die Betheilung unseres Regimentes mit dieser verbesserten Schieß- waffe erfolgte nur allmählich im Laufe der Jahre. Das bisherige, beim Pflanzen an den Musketenlauf zu steckende Bajonnet wurde durch das Dtillenbajonnet ersetzt; dasselbe wurde an einer kurzen Schnur — die an dem vom Manne über dem Kamisol um den Leib zu tragenden breiten Riemen befestigt war — getragen. Das Bajonnet steckte in einem „Bajonnet -Ueberzug" aus Kalbleder (Scheide) derart, dass das- selbe vor das linke Knie zu liegen kam. An dem Leibriemen hieng rechts ein „Pulverhörnlein zum Zünd- kraut". Zur Verwahrung der Munition wurde die kaiserliche Infanterie mit einer ledernen Patrontasche ausgerüstet; dieselbe wurde über die linke 'TC KARL FÜRST SALM. 45 0 Schulter hängend getragen, war gross, von rothem oder schwarzem Leder nnd enthielt 24 Patronen, ein Olfläschchen, zwei Raumnadeln, endlich den Luntenverberger mit hölzernem Stöpsel. Was die Bemontiernng betrifft, so felilte selbstverständlich eine in das Einzelne reichende Gleichheit in der Armee. Die Regimenter für sich bewahrten jedoch die volle Gleichmäßigkeit und unterschieden sich fast ausschließlich nur durch die Farbe der Aufschläge, die — wie be- kannt — von dem Inhaber festgestellt wurde. Die Adjustierung der deutschen Regimenter war zum Theile noch dieselbe, wie bei der Errichtung unseres Regimentes. Rock aus weißem, ausnahmsweise auch blauem Tuche, Schöße bis an die Waden reichend. Im Sommer wurde dieser durchaus dick gefütterte Rock offen getragen, im Winter zugeknöpft. Kamisol, eine anliegende Weste mit engen Ärmeln, kurzen Schößen, von der Farbe des Rockes mit einer Reihe Knöpfe. Im Dienste wurde dasselbe unter dem Rocke getragen, sonst erschien der Mann im Kamisol, ^der Rock blieb in der Kaserne oder im Zelte umgekehrt und auf- gehängt zur Schonung." Hose eng, von weißem Tuche oder Leder, mit Leinwand geftittert. Strümpfe weiß, in seltenen Fällen roth, gewirkt oder gestrickt, bis über die Knie reichend. Schuhe aus Juchtenleder, „vorne breit und ekigt", die Sohlen aus Pundleder; oft hatten dieselben Einlagen aus dem Filz der alten Hüte, „weil deren Auswechslung den Fuß trocken erhält". Halsbinde oder Halsschleier aus weißem oder rothem Crgpon (Cattun); sie wurde zweimal um den Hals gewunden, bis zum Corporal rückwärts, vom Corporal aufwärts vorne gebunden. Schwarzer Filzhut, meist nieder und rund, die breite Krampe auf drei Seiten aufgeschlagen. Zur Unterscheidung der Compagnie war vom Corporal abwärts vorne am Hut eine verschiedenfarbige Rosette ange- bracht. Als „Feldzeichen" wurde im Sommer Laub, im Winter ein Stroh- wisch auf den Hut gesteckt. Der Hut wurde nur im Dienste getragen, sonst erschien der Soldat in der „Holzkappe". Ein Paar Fäustlinge nur bei strenger Kälte. Zur Ausrüstung der Truppe gehörten Zelte. 46 KARL FÜRST SALM. Jede Kameradschaft (Zeltgenossenschaft 4 bis 5 Mann) hatte einen Kochkessel. Die „Grenadiere" waren in ihrer Bekleidung und Ausrüstung den ;,Füsilieren" ähnlich. Statt des Hutes hatten sie eine Kappe mit Bären- fell überzogen, die Ränder mit weißen Zwirnborten doppelt eingefasst. Endlich hatten die Grenadiere zwei Patrontaschen, eine für die Auf- bewahrung der Granaten, die andere für die Flintenpatronen. Die Granaten waren eiserne oder gläserne Kugeln, mit Pulver gefüllt; 1 bis 2 Pfund schwer. Eine angefügte Lunte wurde abgebrannt, die Kugel mehrmals mit der Hand geschwungen und in den Feind geworfen. Zu Grenadieren wurden die stärksten und entschlossensten Leute aus- gesucht und sollte der Grenadier „nicht weibisch aussehen, sondern furchtbar, von schwarzbraunem Angesicht, schwarzen Haaren, mit einem starken Knebelbart sein, nicht leicht lachen oder freundlich thun". Der Officier unterschied sich von der Mannschaft nur durch den feineren StoflF der Uniform und durch die schwarz-gelbe seidene Feld- binde, die en bandouli6re oder um den Leib getragen wurde. Die Knöpfe waren vergoldet oder versilbert, am Ärmelaufschlage und an den Patten der Seitentaschen befanden sich Goldstickereien. Officiere und Unterofficiere hatten den Stock; seine äußere Form diente zugleich zur Unterscheidung der Chargengrade. Der allgemeine Zustand der Bekleidung war keineswegs vortheil- haft; treffend wird dieselbe vom FM. Regal in seinem „Regulament" gekennzeichnet: „Wenn auch eine Montour noch so viel Flecken hat, wenn sie nur nicht so zerrissen ist, dass der Soldat nicht einmal seinen Leib bedecken kann." 1704. Die kaiserliche Armee befand sich in üblen Zuständen. Fast alle Regimenter waren im Stande äußerst herabgekommen. Mit dem Eintritte des Frühjahres zählte das Salm'sche Regiment nur 957 Mann. In den Commandostellen des Regimentes traten folgende Ände- rungen ein: Mit dem kaiserlichen Patente vom 6. Jänner wurden der bisheiige Regiments - Commandant Baron de Tollet zum wirklichen Obst, und der Obstweht, im Regimente Philipp Baron de Langlet zum Obstlt. befördert. Der Letzte war nun Commandant des Salm'schen Regimentes. KARL FÜKST SALM. 47 Philipp Baron de Langlet entstammt einer altadeligen frän- kischen Familie. Sein Geburtsjahr, sowie die Anfänge seines Soldaten- lebens sind nicht bekannt. Es scheint jedoch, dass Langlet seine militärische Laufbahn im Rgmte. selbst begonnen, da am 13. Juni 1699 seine Beförderung zum Obstweht, im Rgmte. erfolgte. Mit dem Patente vom 6. Jänner 1704 wurde Langlet zum Obstlt. und gleichzeitig zum Commandanteu des Rgmts. ernannt. Sein Name wurde noch in demselben Jahre bei der Tranch6en-EröflFnung am linken Ufer zwischen Donau und Schutter rühmlichst genannt. Für seine hervorragenden Leistungen in der Schlacht bei Sibö am 11. November 1705 wurde Baron Langlet — über speciellen Antrag des FM. d'Herbeville — mit dem Patente vom 26. December 1705 der Obristen- titel verliehen, dem mit dem Patente vom 12. März 1708 die Ernennung zum „wirklichen" Obrist folgte. Mit Patent vom 16. Mai 1716 zum GFW. befördert, erhielt er mit dem Patent vom 22. August 1716 die Inhaberswürde beim vacanten Freiherr von We Ileus tein'schen Fußregimeute, mit jenem vom 13. No- vember 1721 aber die des heutigen 25. Inftr.- Rgmts., in welcher Eigenschaft er am 20. October 1723 zum FML. vorgerückt war. FML. Baron de Langlet starb im Monate October 1727. In diesem Jahre sollten die kriegerischen Ereignisse mit einem Hauptschlage gegen den baierischen Churfürsten eröffnet werden. FM. Thüngen, welcher eine kaiserliche Armee in den Stollhofener- Linien commandierte, erhielt vom Markgrafen Ludwig von Baden den Auftrag, Verstärkungen nach Rottweil, woselbst eine Armee zur Bekämpfung Baierns gebildet werden sollte, zu entsenden. Hiebei verließ auch unser Regiment, im Corps des FML. Bibra eingctheilt, ^ am 15. Mai die Stollhofener-Linien und langte am 18., also in 4 Märschen, bei Rottweil an. Doch Hunger und Entbehrungen aller Art, sowie die Strapazen der Märsche hatten das Salm'sche Regiment arg heimgesucht. Es zählte, bei Rottweil eingetroffen, nur mehr 744 Mann.^ * Das Corps Bibra bestand aus: Salm (kaiserl. Regiment) 2 Bataillone. Grenadiere: 2 Bataillone; Anfsess (Würzbur^) .5 Escadronen und Bibra (Mainz 4 Escadronen; zusammen: 4 Bataillone und 9 Eacadronen. ^ Ausgenommen die Grenadiere, welche getrennt ausgewiesen wurden. 48 KARL FÜB8T SALM. Die Zeit bis zu Aafang Juni schwand unter kleineren Gefechten und Scharmtltzeln zwischen den Parteigängern der beiderseitigen Heere. Des Markgrafen Ludwig von Baden Feldhermknnst versiegte unter zwecklosen Manövern. Kränklichkeit und innerer Unmuth warfen ihn darnieder. Da ward zum Heile der braven kaiserlichen Armee Prinz Eugen auf den Rheinischen Kriegsschauplatz entsandt und langte am 8. Juni im Lager bei Ehingen bei der Armee des Markgrafen von Baden an. Alle Maßnahmen wurden unverzüglich getroffen, um die geschehenen Versäumnisse nachzuholen. Mittlerweile war auch die englisch - niederländische Armee unter des britischen General - Capitäns Lord Marlboroughs Gommando vom iiandrischen Kriegsschauplatze in Deutschland eingetroffen. Prinz Eugen tibernahm das Gommando über eine neu zu bildende Rhein-Armee,während der Markgraf vonBadenundMarlborough gemein- sam die Donau-Armee gegen den Ghurfürsten von Baiern befehligten. Am 2. Juli kam es zwischen letzteren zur Schlacht bei Donau- wörth (Schellenberg). Der baierische FM. Arco stand mit einem starken baierisch-französischen Corps in wohlarmierter und verschanzter Position auf dem Schellenberge. Der Augriff ward zuerst vom linken Flügel des alliierten Heeres unter Lord Marlborough mit vieler Bravour, jedoch ohne Erfolg ein- geleitet. Mehrmals wurden die englisch-holländischen Bataillone zurück- geworfen, bis endlich die Reichs-Armee ihren Aufmarsch beendet hatte und gegen Abend in die Action eingreifen konnte. Unaufhaltsam drangen die todesmuthigen kaiserlichen Regimenter gegen die Retran- chemenis vor, nahmen um 7* abends die Brustwehren mit Sturm und warfen die entgegenstehenden französischen Bataillone hinaus. Unser Regiment, am rechten Flügel des ersten Treffens mit den Regimentern Baden, Bibra und Fuchs ^ eingetheilt, nahm an diesem Sturm auf die Verschanzungen am Schellenberge den rühmlichsten A ntheil. Doch die Franzosen leisteten tapfere Gegenwehr; ein heftiger Kampf entspann sich, als die baierische Reiterei den rechten Flügel * Baden war ein kaiserliches Regiment; Bibra war chur-mainzisoli; Fuchs ein schwäbisches Kreis-Regiment. KARL FÜRST SALM. 49 des Markgrafen von Baden angriflF. Die Regimenter, darunter das unsere, wiesen jedoch mit großer Kaltblütigkeit diese Attaque ab. Erst der Angriff der gesammteu kaiserlichen Reiterei, welche hinter dem rechten Flügel der Reichs -Armee nachgerückt war, machte der ruhmvollen Vertheidigung des FM. Arco auf dem Schellenberge ein Ende. Die Verluste, die das Salm'sche Regiment in dieser Schlacht erlitt, waren in Anbetracht seiner geringen Stärke — es war nur in 2 Bataillonen formiert — bedeutend; ein Beweis von der Hartnäckigkeit des Kampfes. Die Hptlte.: Schummarth und Herold, sowie 43 Mann blieben todt; Hptm. Baron de Steins dorff, die Lt.: Rüstler, Deller und Bobrolslew, die Fähnr.: Heidyrich, Tarandt, Bouchort, sowie 77 Mann wurden verwundet. Unterdessen battten sich Prinz Eugen und Marlborough ver- einigt, während der Markgraf von Baden mit der Reichs* Armee die wichtige Festung Ingolstadt belagern sollte. Der französische Marschall Tallard wurde von den beiden ersteren bei Höchstädt and Blindheim am 13. August entscheidend aufs Haupt geschlagen und flüchtete sich über den Rhein hinter die Linie der Quaich bei Landau. Während dieser Begebenheiten stand unser Regiment im Bela- gerungsheere des Markgrafen von Baden vor Ingolstadt. Hier fand es hervorragende Verwendung bei der Trauch6en-Eröflfnung am linken Ufer zwischen Donau uml Schutter. Der Regiments-Commandant: Obstlt. Baron de Langlet fungierte hicbei als Tranch6e-Major und Commandant von 2500 Mann der Bedeckung. Seine Leistungen fanden überall rühmlichste Anerkennung. Eine Folge der siegreichen Schlacht bei Höchstädt war die Aufhebung der Belagerung von Ingolstadt. Das Belagerungsheer, nun unter Commando des FM. Thüngen, zog vor Ulm und schloss diese Festung ein. Das Regiment Salm-Infanterie stand in der Cer- nierungsfront in 2 Bataillone formiert, zwischen den kaiserlichen Regimentern Baden und Tollet. Nach einer hartnäckigen Vertheidigung, welche der baierische Festungs-Commandant GM. Pettendorf, trotz der ihm feindlichen 50 KARL FÜRST SALM. Bewohnerschaft durch mehr als zwei Wochen, leistete, ergab sich Ulm am 13. September. Das freigewordene Corps des FM. Thüngen, und mit ihm unser Regiment, brach gegen den Rhein auf. Die verbündeten Feldherren: Markgraf Ludwig, Prinz Eugen und Marlborough hatten die Ein- schließung und Belagerung der überrheinischen Festung Landau beschlossen. Das Thüngen'sche Corps überschritt bei Philipp sburg den Rhein und traf am 26. September vor Landau ein. In der Ordre de bataille für die Belagerung wurde unser Regiment im Corps de bataille zwischen dem oberrheinischen Regimente Bibra und dem Fuß- regimente Baden, und zwar wieder in 2 Bataillone formiert, eingetheilt. Bei den häufig unternommenen Stürmen auf Landau kämpfte unser Regiment wiederholt mit, wobei besonders die Grenadiere sich hervorthaten. Diese waren übrigens nicht beim Regimente eingetheilt, sondern bildeten, von allen Regimentern vereint, ein eigenes Corps. Am 22. November zog die Festung die weiße Fahne auf. Der Festungs-Commandant: Gl. Graf Laubanie, übergab den Platz an die kaiserliche und verbündete Armee. 5000 Todte und Verwundete betrug der Verlust des Bela- gerungheeres. Nachdem noch Trier und Trarbach genommen und der Überfall auf Breisach geglückt war, bezogen die alliierten Heere ihre Winter- quartiere. Auf besonderen Wunsch des Kaisers wurde der größte Theil der Truppen auf baierisches Territorium — als Repressalie — gelegt und mit demselben auch unser Regiment. Es gelangte im December nahe an den „vorarlbergischen Herrschaften" in seine Quartiere. Zur Belagerung von Landau war auch der römische König Joseph L erschienen, in dessen Gefolgeschaft sich sein Obristhofmeister Fürst Karl Theodor Otto Salm, der Inhaber unseres Regimente, befand. Seit dem Jahre 1683 war dieser seinen Verpflichtungen mit wahrhaft fürstlicher Munificenz und seltenem Patriotismus gerecht geworden; bei dieser Gelegenheit jedoch bat er, zum Schlüsse der Campagne auf seine Rechte und Pflichten als Inhaber seines Fuß- regiments theilweise verzichten zu dürfen. Der Grund, weshalb er KARL FÜRST SALM. 51 biemit dem Beispiele seines fürstlichen Vaters folgte, lässt sich vielleicht darin finden, dass seine rheinischen Besitzungen durch den jahrelangen Krieg verwüstet wurden und also Fürst Salm in seinem Vermögen empfindliche Einbußen erlitten hatte. Hiedurch entband sich der Inhaber aller pecuniären Verpflich- tungen gegen das Regiment, welches nur noch den alten ruhmreichen Kamen weiter führen sollte. Infolge dieser Verzichtleistung wurde das deutsche Salm'sche^ in ein ausschliefllich kaiserliches ßegiment gleichen Namens dadurch verwandelt, dass die deutsche Regimentshälfte reduciert und mit der kaiserlich verbliebenen vereinigt wurde. Gegen das Ende des Jahres 1704 war diese angedeutete Trans- formation unseres Regiments in ein rein kaiserliches bereits bewirkt. Dies beweist die unter dem 2. December gestellte Bitte seines Com- mandanten Obstlt. Baron de Langlet, an die böhmische Statthälterei, um ezecutive Einbringung der dem nunmehr kaiserlichen Salm'schen Regimente dorthin angewiesenen 50.000 und 11.000 Gulden Verpflegs- restantien. > Siehe das Jahr 1682. II. HAUPTSTÜCK. UNTER KAISER JOSEPH 1. 1705-1711. II. HAUPTSTÜCK. UNTER KAISER JOSEPH L 1705-1711. Das Regiment Im imgarischen Malcontentenkrlege 1705 bis 1711. - 1705. Mit dem Frieden von Karlowitz war im Jänner 1700 der langwierige Türkenkrieg beendet worden, dafür schlug im Jahre 1701 der kaum erstickte Aufruhr in Ungarn wieder in hellen Flammen empor. Franz Räköczy IL trat in die Fußstapfen Tökölys. Mit Geld und Truppen unterstützte König Ludwig das Unter- nehmen Räköczys; denn ein namhafter Theil der kaiserlichen Heere blieb hiedurch gebunden am ungarischen Kriegsschauplatze, wodurch die Operationen Frankreichs am Rhein indirect gefbrdert wurden. Bis zum Anbruche des Jahres 1705 hatte sich die Lage der kaiserlichen Truppen in Ungarn immer ungünstiger gestaltet. Das ganze weite Gebiet Ober-Ungarns war in aufrührerische Hände gefallen. Gleich einzelnen zertreuten Inseln ragten die wenigen festen Plätze, die sich noch in der Gewalt des Kaisers befanden, aus dem empörten Tieflande empor. Die wenigen kaiserlichen Feldtruppen standen an der nieder- österreichischen Grenze und in der Schutt zerstreut. Dem Oberbefehls- haber derselben, FM. Sigbert Grafen Heister, blieben in der ersten Hälfte des Jahres nur wenige Streitkräfte zur Verfügung, darunter auch 6 Compagnien des Regiments in der Stärke von 561 Mann. Diese Abtheilungen wurden bereits unter dem 4. April aus den Quartieren in Baiem nach Ungarn beordert. Andere Truppen, darunter auch die übrigen 11 Compagnien Salm-Infanterie^ 952 Mann stark, standen als nächster Succurs in Aussicht. Doch traf dieser Succurs erst Ende Juni vollzählig ein. Die letzterwähnten 11 Compagnien unseres Regiments wurden auf „Cordon*' längs der mährischen Grenze verwendet, da der Rebellen- 56 KARL FÜRST SALM. ftilirer Oezkay die Markgrafschaft mit einem vernichtenden Einfalle bedrohte. Sie wurden zu diesem Zwecke an den March-Fluss postiert. Die erstangelangten 6 Salm'schen Compagnien besetzten unter- dessen das bedrohte Pressburg. Während dieser Ereignisse verschied am 5. Mai zu Wien Seine Majestät Kaiser Leopold I.; ihm folgte sein ältester Sohn Seine Majestät Kaiser Joseph I. Noch bevor die Operationen gegen Räköczy begannen, hatte ein Theil unseres Regiment^ Gelegenheit, bei der Expedition zur Ver- proviantierung Trentschins mitzuwirken. Obst. Grumbach wurde mittelst hofkriegsräthlichen Befehles vom 27. April angewiesen, diesen wichtigen bedrohten Stützpunkt zu verproviantieren und in vertheidigungsfähigen Zustand zu setzen. In seinem Corps wurden auch 700 Mann von Salm-Infanterie eingetheilt. Obwohl es der lebhafteste Wunsch der Expeditionstruppen war, mit den Scharen der Aufständischen sich im offenen Kampfe zu messen, so blieb ihnen doch aus dem Grunde die Erfüllung desselben versagt, weil der Feind stets und tiberall zurückwich und außer kleinen Schar- mützeln der vorgosendeten Reiterei, weder beim Hin- noch beim Rück- marsche ein Zusammenstoß erfolgte. Der Zustand unserer Truppen in Ungarn war ein trostloser. In Wien maß man die Schuld hieran dem FM. Heister zu, weshabl derselbe im Laufe des Sommers abberufen und an dessen Stelle FM. Comte d'Herbeville mit dem Oberbefehle betraut wurde. Der Kaiser beschränkte sich jedoch nicht nur auf den Wechsel im Ober-Commando, sondern verordnete sofort nach seinem Regierungsantritte die Abhaltung von Conferenzcn, um die desperate Lage der Armee zu berathen. Der Präses dieser Confcrenzen war des Kaisers langjähriger Obristhofmeister, unser Regiments-Inhaber, Fürst Salm. Die Resultate für die Berathungen waren für die herabgekommenen Truppen von den wohlthätigsten Folgen. Am 8. August brach d'Herbeville von seinem ,,Rendez-vous*' bei Altenburg auf, um die Festung Leopoldstadt zu verproviantieren. In seinem aus 16 Infanterie- Bataillonen bestehenden Corps war auch das Salm'sche Regiment mit 3 Bataillonen eingetheilt. KARL FÜRST SALM. 57 Im Verlaufe dieser Expedition kam es am 11. August zum Treffen bei Bibersburg. Die Rebellen wurden aufs Haupt geschlagen; doch konnte der errungene Sieg wegen der einfallenden Dunkelheit nicht weiter ausgenützt werden. Wie hoch sich die Verluste beziffert haben mögen, die das Salm'sche Regiment bei Bibersburg erlitten, darüber konnte nichts sichergestellt werden. Die Gesammtverluste des Corps waren jedoch empfindlich, wie d'Herbeville selbst berichtet hatte. Auch der Gesundheitszustand der Infanterie war im hohen Grade ungünstig, denn 1400 Mann vom Fußvolk sollen sich zur besprochenen Zeit in den Spitälern befunden haben. Von der Expedition nach Leopoldstadt zurückgekehrt, concen- trierte FM. d'Herbeville seine Truppen in der Mitte der Insel Schutt, bei St. Peter, marschierte hierauf nach Komorn und sodann nach Ofen, woselbst er am 3. September einlangte. Der weitere Marsch dieser kaiserlichen Truppen an die Theiß und nach Siebenbürgen bedeutet eine Kette von Mühseligkeiten und Entbehrungen härtester Art. Am 16. September brach d'Herbeville von Ofen auf, nachdem wieder 1500 Mann den Spitälern übergeben werden mussten. Die Ver- pflegung stockte vollständig; die Truppen, auf Requisition verwiesen, wurden per Compagnie mit einer Handmühle betheilt. Doch ein grausamer und tückischer Feind verwandelte d'Herbe- villes Marschlinie in eine Wüste. Die Bewohner flohen vor den Kaiserlichen und der härteste Mangel stellte sich auf den öden^ wasserlosen Steppen bei den braven Regimentern ein. Auf dem Marsche von Kereszttir nach Gomba am 20. September war die Infanterie infolge des Sonnenbrandes gänzlich erschöpft. Fast aufreibend war der Marsch nach Cz^gled am 22. dieses Monats. Am 24. erreichte die Noth einen solchen Grad, dass das Corps bei Nagy-Körös bleiben mnsste. Erst am 2. October wurde die Bewegung fortgesetzt, am 9. bei Algyö die Theiß überschritten und auf Großwardein marschiert. Doch das Maß der Leiden, welches die kaiserlichen Truppen und mit ihnen unser Regiment zu ertragen hatten, war noch nicht voll. Nebst einem grausamen Feind stellten sich auch die Unbilden der 58 KARL FÜR6T SALM. Witterung ein und forderten zu ihrer Bekämpfung die letzten Kräfte der hartgeprHften Regimenter heraus. Am 3. November wurde der Einbruch in Siebenbürgen bewirkt und am 10. November langten die decimierten und zu Tode erschöpften kaiserlichen Truppen unter herbstlichen Frostregen, auf grundlosen Wegen bei Sibö an der Szämos an. Hier stand R&k6czy mit seiner Hauptmacht hinter einem stellen- weise doppelten Gürtel von Verschanzungen, welche quer über die Thalsohle bis auf die anschließenden Einfassungshöhen liefen. Den linken Flügel dieser Frontverschanzung bildete eine mächtige Redoute. Ein sofortiger Angriff war zwar geplant, aber hiezu wären nur die Grenadiere und unser Regiment, welches vollkommen geordnet und gesammelt war, verfügbar gewesen. Alle übrigen Regimenter waren erschöpft und ftir den WaflFengebrauch unfähig. Es wurde deshalb und wegen der einbrechenden Dunkelheit der Angriff für den 11. beschlossen. Im Angesichte der feindlichen Schanzen durchwachte unser Regiment eine bange Nacht unter strömendem Regen, das Gewehr in der Hand. Am 11. November wurde der Vormittag zur Anfertigung von Faschinen und sonstigem Sturmgeräth benützt, welche Arbeit unter dem feindlichen Kanonenfeuer aus den Schanzenwerken vorgenommen werden musste. Der Angriff sollte erst nachmittags erfolgen. In der Ordre de bataille zur Schlacht bei Sib6 stand unser Regiment im ersten Treffen des rechten Flügels unter dem Commando des GFW. von Löwenburg. Seine Eintheilung hatte es zwischen fünf Grenadier-Compagnien rechts und einem Bataillon von Thürheim- und Vi rmond -Infanterie links erhalten und war in 3 Bataillone formiert. Die Schlacht bei Sibö war eine der blutigsten, die jemals kaiser- liche Armeen geschlagen. Die Soldaten, durch Strapazen und Entbehrungen erbittert, hatten beschlossen, sich furchtb^cr zu rächen. Unser Regiment, im Vereine mit den Grenadieren und je einem Bataillon Thürheim und Virmond, ward zum Angriffe gegen des Feindes äußersten linken Flügel beordert, der, wie erwähnt, durch eine mächtige und wohlarmierte Redoute geschützt war. KARL FCKST SALM. 59 Während der Kampf am linken kaiserlichen Flügel mit abwech- selndem Glücke hin- und herwogte, warf sich ein Bataillon von Salm- Infanterie mit unvergleichlicher Bravour und verzweiflungsvoller Erbitte- rung auf dieses Schanzenwerk, überwältigte und massacrierte die ganze Besatzung. Die Einnahme dieser Redoute w^ar das Signal für die ganze kaiser- liche Gefechtsfront, einen gemeinsamen, letzten und erfolgreichen Angriff auf die verschanzte Rebellen-Position zu wagen. Groß war der Sieg der kaiserlichen Waffen, groß waren aber auch die Verluste, welche die Truppen erlitten. Unser Salm'sches Regiment betrauerte den Tod vom Hptm. von der Hoche, Lt. Delfo nebst zahl- reicher Mannschaft; Hptm. Caro befand sich unter den Verwundeten. Von der Heftigkeit des Kampfes mag Zeugnis geben, dass von 24.000 Rebellen, die bei Sibö der kaiserlichen Armee die Stirne boten, 6000 als todt oder verwundet am Schlachtfelde geblieben waren. Zeit- genössische Berichte melden, dass das Ende dieser blutigen Action nur „Mord und Todtschlag" gewesen und die auf das äußerste erbitterten kaiserlichen Soldaten „eine große Metzgerei machten und wenig Quartier gaben". Die überstandencn Leiden, welche unser Regiment auf den end- losen Steppen des ungarischen Tieflandes unter den härtesten Unbilden der herbstlichen Witterung erlitten, sollten iu reichem Maße vergolten werden. FM. d'Herbeville, welcher Zeuge gewesen von der wackeren Hal- tung des Salm'schen Regiments, berichtete über dasselbe unter dem 20. November aus Klausenburg mit den ehrenden Worten: „. . . . Undt wollen Schließlichen nicht allein das Salm'sche Regiment zu Fuß, von Oberst bis mindersten, unter andern ins- gesambt, sondern auch der darüber bestellte Commandant und Obristlieuthenant Philipp Baron de Langlet bei dieser so beschwörlichen als gefährlichen action sich absonderlich wohl undt tapfer verhalten hat, — deshalb habe ich nicht weniger ihn, Baron de Langlet, in Ansehnung Seiner so bezeu- genden vortrefflichen bravure, ansehnlichen Eifers und guten Gonduite, mit Meinem allerunterthänigsten Vürwort ebenfalls begleiten, undt umb erhalt seiner gebetenen Obristens-Stello bestens recommandiren wollen " 60 KARL FÜRST SALM. Mit dem Patente vom 26. December wurde dem Baron de Langlet der Obrißtenstitel verliehen; eine für damalige Zeit unerhört rasche Erledigung. Die Schlacht von Sibö war entscheidend ftlr das Schicksal Sieben- bürgens. Der größte Theil der Rebellen räumte das Land und zog unter Räköczy nach Ober-Ungarn. Die Kaiserlichen fanden keinen Widerstand mehr und besetzten das Land. Den Winter ttber verblieb das Regiment in Siebenbürgen. Es wurde in das Corps des FM. Grafen Rabutin eingetheilt und verwen- dete die Zeit in den Quartieren zur schleunigsten Completierung der Mannschaft und Rüstungen.^ 1706. Die Operationen des Rabutin'schen Corps, die zwar erst Ende Juli begannen, stellten an dieselben Truppen — die im Vorjahre durch ttberstandene MUhsale und Entbehrungen, durch den verzweifelten Kampf gegen entmenschte Rebellen so glänzende Soldatentugenden be- zeugten — erneute Proben auf Mannszucht und Kriegstüchtigkeit. ^ Trotz des glänzenden Sieges am 11. November des Vorjahres war zu Beginn 1706 die Lage der Rebellen eine günstige zu nennen, denn Räkoczy war im Besitze fast ganz Ober-Ungarns und einiger nörd- licher Provinzen Siebenbürgens. Die kriegerischen Ereignisse dieses Jahres gegen die noch unge beugte Rebellenmacht R^köczys wurden im westlichen Ungarn eröffnet. Nach einigen Unternehmungen daselbst und nach Ablauf eines sodann abgeschlossenen vierzehntägigen Waflfenstillstandes sollte anfangs August FM. Graf Starhemberg, der das kaiserliche Corps zur Deckung von Inner-Österreich commandierte, die Vereinigung mit dem siebenbürgischen Corps des FM. Grafen Rabutin ausführen. Diese Vereinigung hatte bei Ofen stattfinden sollen. Doch eine Reihe unglücklicher Zufälle, insbesondere eine verspätete Verständigung, machten die Cooperation scheitern. 1 Hptm. Freiherr v, Steinsd-orff hatte zu Tulln, Kaiserebersdorf und St. Polten 500 Recruten geworben und in die siebenbürgischen Winterquartiere dem Regimente zugeführt. 2 Die vorjährige Campagne unter FM. d^Herbeville machten die kaiserlichen Fußregimenter: Salm 3 Bataillone, Thürheim 1 Bataillon, Virmond 3 BataiUone, Neuburg 2 Bataillone, Tollet 3 Bataillone mit. — 1706 unter FM. Rabutin nahmen an den Operationen theil die kaiserliclien Regimenter: Salm, Palffy, Neipperg, Thürheim, Virmond, Deutschmeister und Tollet. KARL FÜRST SALM. 61 FM. Graf Rabatin concentrierte vor Ablauf der angeführten Waffen- ruhe sein Corps in Klausenburg; schon während dieser Concentrierung litten die Trappen notorischen Mangel. Am 25. Juli brach dieses Corps auf^ um gegen die Theiß zu rücken. FM. Graf Rabatin marschierte diesen Fluss aufwärts gegen ErlaUy belagerte diesen Platz, wendete sich hierauf nach Easchaa^ musste hier aber wegen Mangels an Artillerie und Munition die Bela- gerung aufgeben. Auf diesen Mslrschen litt dieses kaiserliche Truppen-Corps und mit ihm das Salm'sche Regiment die bitterste Noth. „Vor, neben und hinter deren Marsehlinie verbrannten die Rebellen alle Fourage, Mühlen und Dörfer." FM. Graf Rabutin berichtet selbst, dass er während eines dreimonatlichen Marsches „keine lebendige Seele in diesem weiten Um- kreise" zu sehen bekommen. Nach Aufhebung der missglückten Belagerung Kaschaus wandte sich Graf Rabutin gegen Tokay in der Hoffnung, diese Landschaften von den Rebellen weniger verwüstet zu finden. Doch im Gegentheile wuchs die Noth und Entbehrung täglich mit erschreckender Schnelligkeit. Bald lebten sowohl Officiere als Mann nurmehr von in Wasser gesottenen Getreidekörnern und selbgepresstem Most. Die Zahl der Kranken vermehrte sich rapid. ^ Doch die braven kaiserlichen Regimenter überwanden jedes Un- gemach mit bewundernswerter Hingebung. „Gewiss ist es, dass keine Truppen auf der Welt, außer den kaiserlichen, derlei Noth und Elend mit Geduld und so lange auszustehen erprobet sind. Der Respect, das vertrauen und der Valor des commandierenden Feldmarschall hatten diesen übrigen Kern alter Mannschaft bis anhero bei Hoffnung besserer Zeit und Erkenntnis erhalten." So schrieb Hofkriegsrath Piell an den Präsidenten des Hofkriegsrathes Prinz Eugen von Savoyen unter dem 22. December. 1 Der kaiserliche OberkricKSCommissär A. Brentano verfasstc unter dem 30. November 1706 eine „Haupttabelle", der zufolge unser Regiment damals fol- genden Stand hatte: «17 Hauptleuth, 17 Leuthenants, 17 Fähndrichs, 17 Veldtwiibl, 15 Führer, 17 Fourire, 16 Musterschreiber, 16 Veldtscheere, 99 Korporalle, 54 Spiel- leuth, 66 FourirschUtzen, 192 Gefreyte und 916 Gemeine; — Summa Effektive 1459, — worunter seyndt krank: 180." 62 KARL FÜRSr SALM. Von Tokay wendete sich FM. Graf Rabutin nach Debreczin und eben im Begriffe, die siebenbtlrgische Grenze zu überschreiten, traf ihn der kaiserliche Befehl, über Szolnok, dessen Werke zu schleifen sind; nach Ofen zu rücken. Nicht Kugel und Säbel der BebelleU; sondern die Federn der Diplomaten hatten den Feldzug dem Kaiser verloren gemacht. 1707. Mitten im Winter — es war um Neujahr 1707 — wurde der Bückmarsch angetreten ; anfangs Februar langten nur spärliche; todtmatte Eeste des einst so kriegstüchtigen Corps in Ungarns Hauptstadt an. Hier wurden die Truppen in die Winterquartiere entlassen. Der Beginn des Feldzuges 1707 verzögerte sich längere Zeit, da die herabgekommenen Trümmer des R ab uti naschen Corps vor Ablaut mehrerer Monate nicht kriegsbereit werden konnten. Unser Regiment erhielt im Frühjahre zu seiner Completierung 250 innerösterreichische Recruten zugewiesen, und da diese nicht ge- nügten, wurden auch die der Reduction verfallenen „Ofner-Freicom- pagnien"^ dem Regimente „unterstossen". Die Vereinigung der beiden Feldherren Starhemberg und Ra- butin, die im Vorjahre gescheitert war, sollte bei Beginn der heurigen Operationen wieder versucht werden. Endlich gelang dieselbe an der Raab nach sehr beschwerlichen Märschen des Rabutin'schen Corps durch die wegarme Gebirgsgegend des Bäkonyer-Waldes. Hier wurde den Truppen die so nothwendige längere Ruhezeit gegönnt. Für die Wiederaufnahme der Operationen, die anfangs Juni statt- finden sollte, wurde die vereinigte kaiserliche Macht in Ungarn in zwei Corps getheilt. Das eine unter dem FM. Grafen Guido Starhemberg, das andere unter FM. Grafen Rabutin. Unser Regiment wurde aus dem Verbände der Truppen, mit welchen es in den verflossenen beiden Campagnen so viele Bittemisse getheilt, ausgeschieden und in das Corps Starb embergs eingetheilt. * Die Frei-Compagnien wurden im Jahre 1675 als GaraiBons-Truppen errichtet. Sie dienten an SteUe der mobilen Regimenter als ständige Besatzungen wichtiger Punkte, insbesondere in Ungarn. Diese Compagnien sollten aus alten Dienern bestehen und boten willkommene Ruheposten für minder kriegsdiensttaugliche Officiere und Mannschaft. KARL FÜRST 8ALM. 63 War der Zustand unseres Regiments im Frtlhjahre ein höchst trostloser, indem keines der Regimenter in Ungarn mehr als 200 Mann gezählt haben soll, so war anfangs Juni^ nachdem eine ausgiebige Com- pletierung dnrchgeftihrt wurde, der Stand des Salm'schen Regiments noch bei weitem nicht vollzählig. Am 16. Juni besaßen die in Starhembergs Corps eingetheilten Bataillone unseres Regiments eine Stärke von nur 706 Mann. In diese Ziffer waren 6 Compagnien des Regiments unter Obstweht. Grafen Alexander von Erps, welche als Festungsbesatzung nach Ofen bestimmt wurden, nicht inbegriffen. In diesem Feldzugsjahre wurde kein nur halbwegs entscheidender Schlag gegen die Rebellen geführt und kamen die Truppen in frühzeitige Winterquartiere. 1708. Das Commando über das kaiserliche Corps am rechten Donau-Ufer übernahm der FM. Graf Siegbert Heister, nachdem FM. Graf Guido Starhemberg auf den pyrenäischen Kriegsschauplatz abberufen worden war. Das Regiment lag in Winterquartieren an der Raab, viel beun- ruhigt durch plötzliche^ räuberische Überfälle der Aufständischen. Der Regiments-Commandant Philipp Baron de Lau gl et wurde mittelst Patentes vom 12. März 1708 zum nunmehr ^wirklichen^ Obristen befördert. Die Cumpletierung der Truppen verzögerte sich dieses Jahr ebenfalls seh r lange, denn noch anfangs Juli war Heisters Corps nicht operationsbereit. Leider sind aus dem Feldzugsjahre 1708 nur wenige Aufzeich- nungen vorhanden, da FM. Heister notorisch selten Berichte eingesendet hatte. Es ist daher an dieser Stelle auch nicht möglich, ttber die Thaten und Schicksale des Regiments Salm -Infanterie in der Campagne 1708 Näheres zu berichten. Im Corps Heisters machte es den Marsch auf Trentschin mit, kämpfte am 2. August bei Banowitz und nahm an der siegreichen Schlacht bei Trentschin, am 4. August, mit vielem Glücke Antheil. Dieser glänzende Sieg konnte jedoch aus dem Grunde nicht ausgenützt werden, weil das Fußvolk zu sehr erschöpft war. Im September übergab FM. Graf Heister den Befehl ttber alle Truppen am linken Donau-Ufer an den G. d. C. Grafen P^lffy, unter dessen Commando auch unser Regiment zu stehen kam. 64 KARL FÜRST SALM. Pälffy wurde beauftragt, das feste Neuhäusel zu belagern; an dieser Unternehmung betheiligte sich auch das Regiment Salm -Infanterie. Nach Aufhebung dieser fruchtlosen Belagerung wurden sämmtliche Truppen Pä^lffys Mitte October in die Postierung verlegt. Unser Regi- ment wurde mit 10 Musketier-Compagnien und der Grenadier-Compagnie nach Schemnitz, im Honthcr Comitat, beordert, während die unter Obstweht. Grafen Erps in Ofen gestandenen 6 Compagnien weiterhin als Festungsbesatzung dortselbst belassen wurden. 1709. Der aufrührerische Kampf Rä^koczys gegen den Kaiser wurde auch in diesem Jahre weitergeführt. Alles, was in Ungarn die Waffen tragen konnte, wurde in die Reihen der Conföderierten eingestellt. Zu Anfang des Jahres 1709 standen die Kaiserlichen in einer Poötierung an der Gran unter den Befehlen des G. d. C. Grafen Pälffy. Unter den Postierungstruppen befand sich auch ein Bataillon des Salm- schen Regiments. Zum Ober-Commandanten sämmtlicher kaiserlichenTruppen in Ungarn für den bevorstehenden Feldzug wurde FM. Heister ernannt. An der von ihm geleiteten Unternehmung gegen die nordungari- Bchen Bergstädte nahm das Regiment noch keinen Antheil; erst bei der anfangs April unternommenen Vertreibung der Malcontenten vom rechten Donau- Ufer war es dem Salm'schen Regimente beschieden, mit 16 ordinären und einer Grenadier-Compagnie unter FM. Heisters persön- lichem Commando erfolgreich in Action zu treten. Die Rebellen wurden von der Raab zurückgedrängt, längs welchem Flusse alsdann die Kaiserlichen eine Postierung zum Schutze Wiens und Inner-Osterreichs bezogen. Von dieser neuen Basis aus erfolgte die weitere Offensive in die Umgebung des Platten-Sees, die Eroberung von Sümegh, Simontornya und Veszprim, und hatten mit diesen Erfolgen die Operationen am rechten Donau -Ufer ein baldiges Ende erreicht. Der Malcontenten-Krieg in Ungarn war im langsamen Erlöschen begriffen. Bei der hierauf stattgefundenen Verlegung der Truppen gelangten 6 Salm'sche Compagnien als Besatzungstruppe nach Ofen, 11 Com- pagnien des Regiments verblieben im freien Felde. KARL FÜRST SALM. 65 Ende October erreichten die Kriegsoperationen in ganz Ungarn ihr Ende nnd FM. Heister ordnete die Winterpostierung längs der Eipel an. Die exponierten kaiserlichen Winterquartiere wurden aber im Kücken durch herumstreifende Insurgentenbanden gefährdet, weshalb FM. Heister sich veranlasst sah^ einige mobile Detachements zur Siche- rung der Rückengegend zu entsenden. Eines derselben wurde unter dem Gommando unseres damaligen Regiments-Commandanten Obst. Baron de Langtet aus 200 Mann von Salm, 100 Pferden und den vom Honther Gomitat aufgestellten Hay- ducken gebildet und hatte den Auftrag: „die Morosen zur Obedienz zu zwingen^. Leider ist keine Aufzeichnung vorhanden, wie und mit welchem Erfolge Obst. Langtet diese Expedition ausführte. Zum Schlüsse des Jahres resignierte der verdienstvolle, erleuchtete Inhaber unseres Regiments, Fürst Karl Salm, auf alle an der Kaiser- residenz zu Wien innegehabten Hofwürden. Es mögen immerhin schwere materielle Einbußen, eine natürliche Folge der ununterbrochenen Kriegszeit, der Grund gewesen sein, dass der Fürst allen aufwandheischenden Ehrenämtern entsagte. Bezeichnend ist es, dass der fürstliche Inhaber sich genöthigt sah, bei der Kriegsverwaltung eine Forderung zu reclamieren, die noch aus der Zeit von 1683 bis 1704 auf unser Regiment aushaftete, worauf folgendes kaiserliches Handschreiben erfolgte: „An Meinen Hofkriegsraths-Vicepräsidenten, Grafen von Hor- berstcin: Lieber Graf von Ilerberstein! Es hat mein Obristhofmeister, Karl Theodor Otto Fürst zur Salm, annoch eine richtige undt liquide anforderung von 47.579 Gulden auf sein unterstehendes Regiment undt habe daher gnedigst resolvirth, dass wann auch er, Fürst von Salm, über kurz oder lang ableiben möchte, dessen undterhabendes regiment Seinem Sohne, dem Prinzen Ludwig Otto, sodann bis zur vollständigen abstossung obiger Post verbleiben, ja demselben auch zugelassen sein solle, zu seiner dicsflllligen, Meinem arario unendgeltlicb fal- lenden regressio und erholung, mit einem odein andern wegen KogimcntB^CAchicIito. 5 66 KARL FÜRST SALM. HinumblassuDg sotanen regiments — doch dass es an eine anstän- dige Person geschehe — sich za vergleichen; ich habe dannanhero diese Meine gnedigste Intention Dir hiemit ansagen Undt zugleich befehlen wollen, dass diese Meine gnedigste resolation, Du zur künftigen beobacht Undt befolgung sogleich fürmerkchen lassen^ in solcher conformitet auch indessen Ermelt Meinem Obristhofmeister zu sein, Und der seinigen mehreren sccuritet ein förmliches, schrift- liches Versicherungsdecret zufertigen sollest; so Du also zu voll- ziehen wissen wirst, undt ich verbleibe Dir mit bestendiger Kayser- lichen Hulden und gnaden allzeit wohlgewogen." Wien, den 25. August 1709. Joseph m. p. Fürst Karl Salm hatte seinem kaiserlichen Kriegsherrn wichtige und große Dienste geleistet. Abgesehen von seinem langjährigen Obrist- hofuieisteramte, war unser fürstliche Inhaber der ständige Präsident von diplomatischen und militärischen Conferenzen zu Wien. 1710. Nach einer unter dem 12. Februar erflossenen „Repartition der kaiserlichen Armada im Königreiche Hungarn" bestand zu dieser Zeit unser Regiment aus 16 ordinären Compagnien zu je 130, und einer Grenadier-Compagnie zu 100 Mann in der Gesammtstärke von 1180 Mann. Für den Feldzug dieses Jahres wurden vom Regimente Salm- Infanterie 6 ordinäre Compagnien und die Grenadier-Compagnie zur operierenden Armee herangezogen; 4 Compagnien wurden nach Sehe m- nitz als Besatzung gelegt; die übrigen 6 verblieben als Besatzung in Ofen. Die ins Feld beorderten 7 Compagnien wurden der Blockade von Neuhäusel zugezogen. F. M. Graf Heister übernahm hier im Sep- tember persönlich das Commando. Am 9. September machten die Rebellen einen Ausfall, der zwar siegreich, jedoch unter bedeutenden eigenen Verlusten zurückgewiesen wurde. HEINRICH GRAF DAUN. 67 Bei der nur mangelhaften Verlustnachweisung damaliger Zeit ließ sieh mit Gewissheit nur feststellen, dass unser Regiment hiebei den Hptm. Franz Neville infolge einer tödtlichen Blessur verlor. Am 23. September capitulierte Neu hau sei. Am 10. November verschied auf seinem Stammsitze zu Aken der hochsinnige Inhaber des Regimentes Ftirst Salm. Unter dem 25. December erbat der damalige Regimeuts-Comman- dant, Obst. Baron de Langlet, ein biederer und beliebter Kriegsmann die Verleihung der Inhaberschaft unseres Regiments. Er wurde abgewiesen und mit der Versicherung getröstet, „dass ihm späterhin ein in Erledigung gedeihendes Fußregiment zuversichtlieh verliehen werde". Ein Kriegername von gutem alten Klange sollte unserem Regi- mente auch fernerhin zur Zierde gereichen. Prinz Eugen brachte dem Kaiser den GFW. Grafen Heinrich Josef Dietrich Martin von und zu Dann zur „Conferierung" unserer Truppe in Antrag; dieser Antrag wurde genehmigt. Mit dem im Wortlaute folgenden „Gehorsam-Patente'* vom 19. Februar erfolgte seine Ernennung: Gehorsam-Patent für Heinrich Johann Dietrich Martin Graf von und zu Dann. „Wir, Joseph etc., etc., bekhennen öflfentlich und Thuen Kundt Jedermänniglich, dass Wir Unserm Generalwachtmeister und lieben Getreuen Heinrich Joseph Dietrich Martin Grafen von und zu Dann das durch Absterben unseres gewesten Geheimben Raths und Obristen-Hofmeisters Karl Theodor Otto Fürsten zu Salm, vakante Regiment zu Fuß, in erwägen seiner von Jugend auf jedesmahls geleisteten, treuen, Eyfrigen und dapferen Feld- kriegsdiensten, bei den vorgefallenen occasionen, öffentlichen Feld- schlachten und Belagerungen erwiesenen valors und beywohnenden ansehnlichen Kriegs-experienz, wie nicht weniger auß dem beson- deren Vertrauen, so Wir in seine Persohu gesetzt — , gnädigst conferirt und Ihn darüber zu Unseren Kayserlichen Obristen bestellt haben. 0* 68 HEIÄ'RICH GRAF DAUX. Wir befehlen hierauf Unseren Obristleuthenandts, Obrist- wachtmeistern etc. ote." Wien, den 19. Februar 1711. Joseph in. p. Heinrich Josef Dietrich Martin Graf von und zu Dann gehörte einem alten, von Österreich seither mit hohen militärischen Ehren bedachten gräflichen Geschlechte an, das von Henricius II., Marschall von Luxemburg, im Anfange des 13. Jahrhunderts seine Ahnen zu zählen beginnt. Er war der dritte Sohn des Grafen Willielm Johann Anton von und zu Dann, der als kaiserlicher FM. wirklicher geheimer Rath und Commandant von Prag im Jahre 1706 gestorben. Der ältere Bruder des neuen Regiments-Inhabers war der berllhmte FM. Wierich Philipp Laurenz Graf von und zu Dann, Fürst von Thiano, der von 1718 bis 1719 in der hervorragenden Stellung eines „Vice-R6" von Keapel von der kaiserlichen Regierung mit hohen Auszeichnungen bedacht worden ist. Graf Heinrich Dann, seit 1708 bereits kaiserlicher GFW., wurde mit dem Patente vom 28. Mai 1716 FML., mit jenem vom 26. October 1723 FZM. und vom 16. März 1741 FM. Am 24. November 1718 ward er zum Hofkriegsrath promoviert, fungierte von 1720 an durch eine Reihe von Jahren als Stadt- und Festungs-Commandant von Ofen und starb im Jänner 1761. Das kaiserliche Handbillet vom August 1709 (Seite 63) hatte zwar die Inhaberschaft unseres Regiments als Erbtheil dem Sohne des ver- ewigten Fürsten, Prinzen Ludwig Otto zur Salm zugesprochen. Aus unbekannten Gründen jedoch machte der Junge Prinz von dieser kaiserlichen Gnade nicht nur keinen Gebrauch, sondern überließ das Anrecht auf das Regiment dem Grafen Dann für den Betrag von 20.000 Goldgulden. HEINRICH GRAJj^ DAUX. 69 Der Kaiser genehmigte dieses übereinkommen, wie aus folgendem Handschreiben ersichtlich ist: „An meinen Hofkriegsrath I Dem Generalwachtmeister Heinrich Josef Martin Grafen von und zu Dann ist in Gnaden anzufügen, wessenmassen Wir demselben auf sein Beschehenes, gehorsamstes, allerunterthänigstes Bitten, und in besonderer Ansehnung deren von ihm von jugentauf jedesmahls geleisteten treuen, eyfrigen und tapferen Feldkriegs- dienste, auch sonst beywohnenden, guten aygeuschaften, das durch abieben des Fttrsten Salm in erledigung gediehene Regiment allergnädigst, jedoch dergestallt verliehen haben, daß der Genuß dabey annoch, bis zum Ausgang des Hinkttnftigen monaths Aprilis, dem jungen, jetzigen Prinzen Ludwig Otto zur Salm verbleibe. Solle derselbe dann hierwegen sowohl das behörige „gehor- samb Patent^ in der Kaiserlichen Hofkriegs-Kanzlei auszufertigen Befehlen, als desgleichen der weiteren nothdurft an den Comman- danten des Begiments Obristen Baron de Langlet — auch nicht mttnder an den in Hungarn commandierenden Feldmarschallen Johann Grafen Pälffy und an die löbliche kayserliche Hofkammer auch an das kayserliche Generalkriegs-Commissariatsambt, unser einsens ordinirt werden." Wien, den 19. Februar 1711. Joseph m. p. Das Regiment trug von nun an den Namen Graf Heinrich Dauns und wurde zum Unterschiede vom bereits seit 1699 bestandenen Graf Wierich Daun'schen Regimente (heutiges Infanterieregiment Nr. 56) bis zum Jahre 1741 auch häufig das „Jung Daun'sche" genannt. m. HAUPTSTÜCK. UNTER KAISER KARL YI. 1711—1740. I. ABSCHNITT. Friedensperiode bis 1713; Theilnahme des Regiments an den Schlusskänipfen des spanischen Erbfolgelcrieges 1713 — 1714; das Friedensjahr 1715. 1711. Der Anhang Räkoczys war immer Icleiner geworden, er selbst nach Polen entflohen. Der größte Theil des Adels nahm die kaiserliche Amnestie an, die meisten der Insurrectionstruppen giengen zn den Kaiserlichen über. Kaschau ergab sich am 26. April, Unghvär und Mnnkäcs capitulierten im Jani. Am 30. April leisteten die gesammten knruczischen Streitkrüfte bei Magl^ny nächst Szathm^r, im Angesichte der Kaiserlichen, dem Kaiser den Eid der Treue, worauf Kdrolyi die beihabenden 149 Fahnen dem FM. Grafen Pallfy übergab. Die Mannschaft legte die Wafien ab und gieng in ihre Comitate. Mit dem Frieden von Szathmär hatte der 10jährige ungarische Malcontenten-Krieg sein Ende erreicht. Am 17. April starb zu Wien Seine Majestät der Kaiser Joseph I; ihm folgte auf dem Kaiserthrone sein Bruder als Karl VI. Von den im Felde gestandenen Compagnien des Regiments wurden 5 nach Kaschau und 2 nach Er lau in Garnison gelegt. Am 1. August vereinigten sich die 4 in Schemnitz gestandenen Compagnien mit den beiden in Erlau garnisonierenden; weiters wurden die 6 seit dem Jahre 1708 in Ofen gestandenen Compagnien gleich- falls dahin beordert; sonach waren nunmehr 5 Compagnien des Regi- ments in Kaschau, 12 Compagnien in Erlau versammelt. Die in Erlau versammelten 12 Compagnien wurden in die Friedens- quartiere nach Eperies, Leutschau und Bartfeld entlassen. Mit diesem Jahre beschloß unser Regiment eine siebenjährige Kriegsepoche auf den blutgetränkten Gefilden Ungarns. Reich an Mtih- 74 HEINRICH GRAF DAUK. salcii und Entbehrungen, reich an Missgeschick aller Art waren diese KriegszUge gegen einen grausamen, tückischen Feind. Nur selten bot sich die Gelegenheit, die unstäte Rebollenmacht zu fassen, doch wo es die Empörer wagten, den kaiserlichen Waffen die Stirno zu bieten, lagen sie auch zerschmettert von der Kraft der Schwingen des Doppelaars. Diese Epoche verdankte vielfache Reformen auf organisatorischem und taktischem Gebiete dem hellen Sinne und dem edlen Herzen des Hofkriegsraths-Präsidenten Prinzen Eugen. Das Regiment erhielt die Ordre zur Aufstellung einer zweiten Grenadier-Compagnie. Dies wurde durch Reducierung einer ordinären Compagnie bewirkt. Diese beiden Compagnien bekamen ihre Eintheilung am rechten und linken Flügel ihrer Regimenter. Aber es hatten bereits im Kriege deren Zusammenziehung in Grenadier-Bataillone, ja oft in Grenadier- Corps begonnen. Als solche finden wir sie bereits sehr häufig als Armee-Reserve, als eine Art Stoßtruppe zur Schlachtenentscheidung auftreten. In ihrer Bewaffnung wurde keine Veränderung vorgenommen. Schon lange warfen sie keine Granaten mehr mit der Hand, sondern führten, wie die Musketiere ihr Feuergowehr . mit Bajonnett, und aunerdem als Seitenwaflfe den Säbel. Bisher hatte bei der Infanterie sowohl der Obrist als auch der Obristlieutenant entweder zu Pferd oder zu Fuß commandieren dürfen; Prinz Eugen hob diese Gepflogenheit auf und befahl, dass nicht nur alle Stabsofficiere, sondern auch der älteste Hauptmann in der „action" zu Pferde zu commandieren hätten. Die in dem ohnehin zahlreichen Train der Regimenter noch vor- handenen Zelt wagen wurden dem Armee-Train überwiesen. Ein kaiserliches Patent begegnete dem Missbrauche, der häufig mit der Inhaberschaft getrieben wurde, indem es mit dem Verluste des Regiments und den durch Kauf Beförderten durch Verlust der Charge drohte. Prinz Eugsn war der erste, der das Bajonnet der Infanterie zur OiTensiv-WafTe erhol), und den Bajonnettangriff bereits zur Schlachtent- scheidung angewendet hatte. HEINRICH GRAF DAUK. 75 Über Beclamation des Inhabers, Grafen Heinrich Dann, kehrten in diesem Jahre auch jene Mannschaften zum Regimente nach Ungarn zurück, welche in den Jahren 1698 und 1701 auf die rheinischen Besitzungen unseres verblichenen, forstlichen Inhabers geschickt waren. 1712. Dieses Jahr verblieb das Regiment mit allen Compagnien in seinen vorjährigen Friedens-Garnisonen; die neuerrichtete Grenadier- Compagnie in Tokaj. 1713. Das endliche Erlöschen des ungarischen Insurrectionskrieges beschied auch unserem Regimente — wenn auch nur einem Theile — das Glück, den Sehluss des gewaltigen Waffenganges zwischen den Kaiserlichen und den Franzosen am Rhein unter den Augen des Prinzen mitkämpfen zu dürfen. Im Frühjahre erhielten 5 ordinäre und eine Grenadier-Öompagnie des Jung-Daun'schen Regiments den Befehl zum Abmärsche nach dem Rhein. Das Commando über diesen Regimcntstheil führte der seither zum Obstlt vorgerückte Graf Erps. Der Marsch wurde anfangs Mai angetreten und führte überStrafl- nitz in Mähren und Fürth an der Grenze Böhmens durch die baierischc Pfalz an den Rhein. Anfangs Juni trafen die 6 Compagnien Jung-Daun am Rhein ein, wurden vom Armee-Commandaiiten, Prinzen Eugen, bei Heidel- berg gemustert und erhielten ihre Eintheilung in dem 18.000 Mann starken Corps Vaubonnes, welches mit der Vertheidigung der be- festigten Anhöhen um Freiburg* betraut war. Am 20. September griflf ein starkes französisches Corps die unter dem GL. Du Bourg, Vaubonnes befestigte Stellung am Roßkopf an, nahm dieselbe mit Sturm und warf die kaiserlichen Truppen bis Rottweil zurück. Trotz dieser überraschenden Wendung hatte aber Marquis von Vaubonnes nicht versäumt, 11 Bataillone unter Gl. Wachtendonk in das nahe Freiburg hineinzuwerfen. Unter den letzteren befand sich auch Obstlt. Graf von Erps mit den 6 Com- pagnien Jung-Daun. Damals wichtige Festung im Breisgau, Vorderüsterreich. 76 HEINRICH GRAF DAUN. In Freiburg befehligte der kaiserliche FML. Baron von Harsch eine Besatzung von nur 16 Bataillonen und 100 Dragonern. Er unter- stellte unsere Jung-Daun'schen Compagnien dem GWM. Baron von Weitersheini. Diesen kleinen Platz schloss nun Marschal Villars mit 150.000 Mann ein und begann sofort die Belagerung. Er leitete persönlich die Angriifsarbeiten. Häufige Ausfälle des sehr rührigen kaiserlichen Festungs-Comman- danten verzögerten die Fortschritte der Belagerung. Nachdem jedoch Prinz Eugen keinen Entsatz dieses festen Platzes unternahm, beschloss FML. Harsch am 14, October, sich durch einen großen Ausfall Luft zu verschaffen. Dieser sollte um 5* 30"" abends gelegentlich der Ab- lr)sung der Contre-Escaqie-Besatzung derart unternommen werden, dass die neue Wache den Ausfall vollführte, während die alte Wache in ihren Stellungen verblieb und alle Posten besetzt ließ. Erst im Falle des Gelingens sollte sich auch die alte Wache an dem Ausfalle be- theiligen. ^ Unter den Ausfallstruppen befanden sich auch die sechs Jung- I) a u u'schen Compagnien. ^ Die Ausfallsdisposition des FML. Harsch wies unseren 6 Com- pagnien die nachstehende Aufgabe zu: „Punkt 2: Der Herr Obstlt. Graf von Erps geht bei Nr. 40, 39, 37 und 36 und zwar bei diesem letzteren doppelten Ausfall mit 120, bei einem jeden der anderen aber mit 60 Mann hinaus, und den geraden Weg auf die feindlichen Zick- zack-Linien vor ihm los.'* „Punkt 3: Demselben folgen von den Seinen 100 Mann mit einem Hauptmann und Lieutenant, halb mit breiten Hauen und halb mit Schaufeln versehen, die feindlichen Arbeiten einzuwerfen." Zwei Kanonenschüsse waren das Signal zum Beginn des Aus- falles. Schon auf dem Glacis der Festung stießen die Ausfallstruppen auf den Belagerer, und es entspann sich ein blutiges Ringen, ein Kampf ^ Die Stärke der alten und neuen Wache betrug zusammen 2560 Mann. 2 Das ganze Unternehmen wurde vom GEW. von Wachtendonk befehligt und setzte sich die AusfaUstruppe aus Obst. Ueberacker, Obstlt. von Erps, Obstweht. Hu rter, 6 Hauptleuten, 12 Lieutenants, 150 Orenadieren, 50 Dragonern zu Fuß, 400 Musketieren und 200 Arbeitern zusammen. HENRICH GRAF DAUN. 77 der Verzweiflung, in welchem weder ein Pardon gegeben, noch ge- nommen wurde. Zwei Stunden währte das blutige Handgemenge, und nachdem bereits drei Viertheile der Ausfallstruppe gefallen waren, wich der Rest vor der erdrückenden französischen Übermacht in die Festung zurück. Die Contre-Escarpe gieng ebenfalls verioren. Dieser unglückliche Ausfall kostete den Kaiserlichen 800 Mann, wovon nur 96 Schwerverwundete in Feindeshand fielen. Ein Beweis von der Hartnäckigkeit des Kampfes. Doch auch die inneren Festungswerke konnten auf die Dauer dem Übermächtigen Drängen des Feindes nicht mehr Widerstand leisten. Am 1. November räumte FML. von Harsch die innere Stadt und retirierte mit den Trümmern der Besatzung in das untere Schloss. Dort hielten sich die braven kaiserlichen Truppen noch durch mehr als zwei Wochen; am 16. November, nach eingeholter Genehmigung des Armee-Commandanten, Prinzen Eugen, capitulierte der Rest der Vertheidiger, durch Mangel und Entbehrung zu diesem traurigen Schritte getrieben. Das erstemal seit seinem Bestände wurde unser Regiment von dem harten Schicksale betroffen, einen festen Platz des Kaisers dem Feinde überlassen zu müssen; und wenn es möglich war, dieses schmerzliche Bewusstsein unserer Regimentsvorfahren in Freiburg zu mildem, so konnten es nur die ehrenvollen Bedingungen sein, welche der siegreiche und übermächtige Belagerer dem kleinen Häuflein kaiserlicher Truppen beim Abzüge gewährte. Am 20. November geschah der Auszug. „In Parade, mit fliegenden Fahnen, klingendem Spiele und brennender Lunte" verließ die Be- satzung in stolzer Haltung das bezwungene Freiburg. Sie ftthrte nur mehr vier geladene Kanonen und zwei Mörser als diensttaugliches Ge- schütz mit sich. Ein Augenzeuge dieses Schauspieles schreibt: „Der Marschall Duc de Villars, die Prinzen von Bourbon und Conty und die ganze französische Generalität erwarteten diese ausziehende Helden- schar unweit des Predigerthores und beeiferten sich, ihren tapferen Feinden die höchste Achtung zu bezeugen.^ 78 HEINRICH GRAF DAUN. Am 20. September zählte Freiburgs Besatzung 9378 Mann; beim Auszuge waren nurmehr 6000 vorhanden, die zurttckgestellten Gefangenen, sowie alle reconvalescierten Kranken mitgerechnet. Unser Regiment büßte bei dieser Belagerung den Hptm. Georg Mathias von Salbais und den Lt. Grafen von Sonneck ein, die sich unter den Todten befanden, weiters wurden 1 Fähnr., 1 Feld- webel, 1 Führer, 1 Musterschreiber, 1 Feldscheer, 1 Corporal, 2 Fourier- schützen, 2 Gefreite und 40 Geraeine verwundet. Alle Blessierten wurden in Freiburg in ärztlicher Behandlung zurückgelassen. Nach dem Verlassen der gefallenen Festung zog die ehemalige Besatzung gegen Villingen und Kottweil. Es wurden Friedensunterhandlungen angebahnt. Prinz Eugen erließ von Kastadt aus ein „Postierungsproject", demzufolge die 5 Jung-Daun'schen Compagnien in die voralbergischen Herrschaften abzurücken und den Winter über in den dortigen Quartieren zu ver- bleiben hatten. Hier langten auch die aus Böhmen zugewiesenen Ergänzungs- mannschaften ein. Der Vortrag des FML. von Harsch an den Kaiser unter dem 7. Mai 1714 enthält nachstehende ehrenvolle Erwähnung: „Punkt 18: Item Herr Obstlt. GraflF von Erps von Jung-Daun, und Herr Obstweht. Hurter von Erb ach sich bei dem Ausfahle vom 14. October sehr prudent guberniert, Herr Obstl. Graff von Erps übcrnoch die letzten Tage in Kapitulationssachen und sonsten nützlich gebraucht worden, mögen sie gleichfalls ihre Belohnung finden." HEIXKICH GRAF DAl'N. 79 1? ;3 'ö N s ■«•» >4 O :ä 8 N M O a -«-» W o a a tu 3 S3 •& :3 s O OQ P; • ■ o OQ OQ Ü 00 O 0) eä s ^ o V «s» QQ o;» 1> aß ^ 0 ^ s s: 0 O CC t4 mm ü > j3 M O u »i« • pM eä ^ 2 0m C/2 es OQ a CO O •I—* ^ SQ ^ r« a p • 1-4 O) o ,^ TS pS a r3 o c «3 •5 0 iß 1 ^•4 QQ n. uC kM •^ »"V^ B s 0^ pä o Cj <1> 2 b4 A Sf b« *p^ B 03 ^ eä •^ •T3 Ut o «^ O 03 p 'Ö s 08 Ä B O s s Um QC 0^ QC o c 3 'S • 1-^ < >— « :0 B B V S B 'TS ■*-^ c:> a 2 ^3 ^4 «■^ cc B ä o i> »3 S5 •pi^ p£S t^ CO ^ a • o a <«>> Od • P^ '2 •V S :0 0 « (•4 sa C %0, c Zf o Q 5 o 0O)pav)S a9))oidniOD aap «mmtig ^piiv^gf na))0[duio3 uxoa SavSqv OAi)3[o^3 «mmns ndJdp «mmngi OQ a a «>ia*»sqv no^nv^sdJjy o o o o o ^^^^ ^^^^ ^^^ ^^^ ^^B o o o o :>j ^ CO CO ''t' N 2 l|2 CO CO CO CO coloo Ol -^ 1-H »^ T-i *i^ I O f-i I r- «o -^ CO X CO 00 r^ CM I I -1 '^ ^ I I I ^ 11^ ^ equnwx ^ CO "^ CO -^ 00 ^\^y itin«»iJdaitu{2 ^ ^ ^ ^ ^ ».o ,^ io^aoiiinTtj«]^ i-H ri j *-i 1 CO II »^ JojBtrtja 1 1 1 II 1 *— • 1 i-H iunoqnicj,-»)notut2o}I iqtnts« aajvioqoH oa »H I 1-4 1-H I O »o UdZ)DqdiiJ!Jnoj{ uuaqd8pi*)j "^ -^ '^ -^ -^ I O I :: uoqiejqasidisnK uunoj sjoaquji T-^ *-^ *-l »-4 »— I tO II lO I*" "I CO io iTi guoupao,^ , I Hia8u^)iik)''x I I I III !| I q^naiiqnVH I I I II I I aajqBq^iiaoid Jijp viuoin^ i Ci »— ro C- Cd O Od Od Od O Cd CO Xi CO 00 00 o »-0 •M »— i»-h|^»-h| lO J[)^8IOUI)q3«AV}8Uq() )avao)nai[)Kuqo I I I II I III I -^ I II - II -^ n.nsHqo '| | I I II i » ' «^ CO CO CO CO CO 00 o 50 — X) 'S I • • ■*- o • © • e S § 2 5 HN s^ 1-^ • es _2 n c c ' a ö = S . ii 2 3 ;= ;:? a d s ■«-I .«^ -4^ -t>rf jL ,» ^ 3* B' *Cj J3 53 Ä Ä ^ ^>. ^-4 »«« N-4 h4 >«« *^ HH NL4 83 a: Im :3 s I Im "^ es P Ix QC CEi Im :73 P 4ii p c« CO 80 HEIKRICH GRAF DAUN. Die übrigen 11 Compagnien unseres Regimentes waren in diesem Jahre in ihren früheren ungarischen Friedensstationen verblieben. Im Frühjahre 1713 erschien eine neue Organisation für die Infanterie. Das Regiment hatte von nun an aus 15 Füsilier- oder ordi- nären und 2 Grenadier-Companien zu bestehen. Die 15 Füsilier- Companien worden in 3 Bataillone ä 5 Compagnien formiert. Zwei Bataillone mit Feldausrüstung und Train waren für den Ausmarsch ins Feld bestimmt; 1 Bataillon sollte als Besatzung verwendet werden. Die Grenadicr-Compagnien waren außer dem Bataillonsverbande. Die Bataillone hießen Leib-, Obrist- und Obristüenlenants-Bataillone, je nachdem die Compagnie des Inhabers, Obrists oder Obrii^eutenants bei selben eingetheilt waren. Diese Organisation, in der das Bataillon als taktische Einheit mit einer bestimmten Anzahl Compagnien erscheint, erhielt sich bis 1748. 1714. Die eingeleiteten Verhandlungen des Vorjahres führten zu dem am 6. März zu Rastatt abgeschlossenen Frieden. Die 6 Compagnien Jung- Dann erhielten die Ordre, nach Ungarn abzumarschieren. Im Laufe des Sommers wurde diese Verlegung durch- geführt; die Grenadier-Compagnie kam nach Szigeth in Garnison, während die 5 ordinären nach Esseg zur Verrichtung fortificatorischer Arbeiten bestimmt wurden. 1715. Um einerseits die häufigen Grenzeinfälle der Türken hintan- zuhalten, und andererseits das einheimische Räuberunwesen zu ver- nichten, wurde die Eirichtung einer regulären, stehenden Armee in Ungarn beschlossen; den Stamm hiezu bildeten kaiserliche Regimenter. AucTi unser Regiment traf dieses Geschick und es verblieb deshalb in Ungarn, Zu Ende dieses Jahres musste das Regiment 2 Musketier-Com- pagnien an das neu errichtete Prinz Friedrich Würtemberg'sche Regiment, jetziges Infanterie-Regiment Nr. 10, abgeben und die gleiche Zahl Compagnien neu errichten. IL ABSCHNITT. Das Regiment während des ersten Tfirkeukrleges 1716 bis 1718. 1716. Die Macht der Pforte hatte sich seit dem Frieden von Karlowitz bedeutend gehoben und voll Ubermuth entriss sie der Republik Venedig die Halbinsel Morea, wodurch der Friede von 1699 verletzt wurde. Da alle Vermittlungsversuche scheiterten, wurde vom Kaiser der Krieg beschlossen. Im April erhielten die beiden Grenadier- und 10 ordinäre Cora- pagnien unseres Regiments die Marschbereitschaft. Doch der beliebte und vielfach ausgezeichnete Commandant des- selben, Obst. Baron de L anglet, sollte nicht mehr das Jung-Daun'sche Regiment den Ttlrken entgegenfahren. Mittels des Patentes vom 16. Mai 1716 zum GFW. befördert, übergab er das Commando dem Obst. Grafen von Erps (seit 9. Mai 1714 zweiter Obst, im Rogimente). Alexander Graf von £rps entstammt einer altadeligen deutschen Familie. Sein Geburtsjahr, sowie der Beginn seiner militärischen Lauf- bahn sind unbekannt. Im Jahre 1707 findet sich sein Name das erstemal in der Geschichte als Obristwachtmeister, 1713 wurde derselbe zum Obristlieutenant und mit Patent vom 9. Mai 1714 zum Obrist befördert, am 16. Mai 1716 zum Regiments-Commandanten ernannt. Am 5. August 1716 fand er in der siegreichen Schlacht bei Peter- wardein den Heldentod. Auf dem Marsche zum „Armee-rendez-vous" nach Futäk wurden unsere 12 Compagnien zu Kanisza einer Musterung unterzogen und hierauf nach Esseg beordert. Dort erhielten sie anfangs Juli die neue Bestimmung, in die Schanzen von Racsa an der Save, gegenüber der Mündung der Drina, abzurücken, da sich das Gerücht verbreitet Rog;imente|f<*"chichte. 6 82 HEINRICH GRAF DAUN. hatte, die Osmanen yersuchten diesen Fluss zu tiberschreiten und die unvorbereitete Armee zu überfallen. In Wirklichkeit hatte nur ein türkisches Streif-Corps von ungefähr 6000 Mann gegen diesen Punkt demonstriert, und gelang es unserem Regimente, nicht nur zeitgerecht denselben zu erreichen und durch bloßes Erscheinen den streifenden Gegner fernzuhalten, sondern auch hierselbst ein starkes Forts zu erbauen. Prinz Eugen vereinigte die kaiserlichen Truppen bei Futäk. Zehn Bataillone wurden ins Hornwerk der nahen Festung Peterwardein beordert, das unter dem Gommando des FZM. Baron von Löffelholz stand. Unser Regiment^ welches unterdessen aus Racsa wieder heran- gezogen wurde, erhielt ebenfalls seine Eintheilung in demselben. Prinz Eugen beorderte seine Armee am 2. August zum Über- gange über die Donau und gruppierte die Truppen in den alten Befestigungswerken südlich von Peterwardein. Die Türken, inzwischen mit Übermacht bis in die Nähe dieser Festung vorgerückt, eröffneten in der Nacht vom 4. auf den 5. August ihre Laufgräben und zugleich ein heftiges Feuer aus schweren Geschützen gegen das verschanzte Lager. Am frühen Morgen des 5. August ließ Prinz Eugen den größten Theil seiner Truppen aus den Verschanzungen zum AngriflFe vorrücken. Die beiden Jung-Daun'schen Bataillone standen am linken Flügel der Armee im zweiten Treffen, zwischen den Regimentern Gu eilen und Lancken, und machten diesen Angriff mit. Um die Mittagsstunde war der glänzendste Sieg errungen, allein er kostete dem kaiserlichen Heere gegen 4000 Mann an Todten und Verw^undeten. Unser Regiment brachte ein theueres Opfer: Der Regiments- Commandant Obst. Graf von Erps starb den Heldentod auf dem Schlacht- felde. Die weiteren Verluste waren gering: 3 Mann todt, 58 Mann verwundet. Dagegen bedeckten 6000 Türken das Schlachtfeld, darunter der Großvezier und 20 Paschas, ihr Gesammtverlust belief sich auf 20.000 Mann, 170 Kanonen, 160 Fahnen; das reiche Lager sammt allen Kriegs- vorräthen und der Kriegscassa waren die Beute des Siegers. In Wien brachte dieser Sieg ungeheuren Jubel hervor, in Rom wurden bei Anlangen der Siegesbotschaft alle Glocken geläutet; der Papst sandte dem Prinzen Eugen einen geweihten Hut und einen prachtvollen Degen. HEINRICH GRAF DAUN. 83 Kaiser Karl VI. belobte in einem Befehle an Prinz Engen alle Truppen, die in der Schlacht gekämpft hatten. Obstlt. Lndwig Baron d'Albon ttbernahm das Commando des Regiments. Lndwig Baron d'Albon entstammt einer altadeligcn fränkischen Familie. Über den Beginn seiner militärischen Lanfbahn ist nichts bekannt. Im Jahre 1713 war d'Albon Obstweht, im Graf Harrach'schen — dem heutigen 47. — Inftr.-Rgmte. Mitte August 1716 tibernahm er das Commando unseres Rgmts. Am 16. August 1717 in der Schlacht bei Belgrad verwundet, kehrte er zum Rgmte. nicht mehr zurück, sondern wnrde am 10. Jänner 1718 zum Commandanten des Inftr.-Rgmts. Graf Harr ach ernannt, in welchem er für seine im Tttrkenkriege geleisteten vorzüglichen Dienste und oft bewiesene Tapferkeit mit Patent vom 13. November 1723 zum Obst, befördert wurde. Obst. d'Albon starb im Jahre 1730. Prinz Eugen beschloss hierauf die Eroberung Temesvärs. Am 14. August verließ die Armee und mit ihr unsere beiden Bataillone sammt den Grenadieren das Lager von Peterwardein und trat den Marsch gegen Temesvär an. Der kaiserliche FZM. Maximilian Graf von Starhemberg wurde hier zum Commandanten des Belagerungs-Gorps ernannt. Unser Regiment machte diese Belagerung bis zum Schlüsse mit. Am 29. August war die Einschließung beendet, am 2. September wurden die Tranch6en eröffnet. Am 1. October wurde der Gewaltstnrm auf die große Polanka, eine befestigte Vorstadt, von 50 Bataillonen, 30 Grenadier-Compagnien und 200 Arbeitern unter des Prinzen von Württemberg Führung unternommen. Unsere beiden Bataillone unter Commando des Obstlt. Ludwig Baron d'Albon, nahmen an dieser Unternehmung thätigen Antheil. Insbesondere waren es die Grenadiere, welche sich mit Ruhm bedeckten; denn unwiderstehlich drangen sie vor und warfen alles vor sich nieder. Nach vierstündigem blutigen Kampfe floh der Feind in die inneren Werke Temesvdrs. 6* 84 HEINRICH GRAF DAUX. Am 12. Oetober wehte bereits die weiße Fahne auf den Wällen der bezwungenen Festung und am 14. wurde die Gapitulation ge- schlossen. Mit der Eroberung Teraesvärs endeten die Feindseligkeiten dieses Kriegsjahres. Die kaiserlichen Truppen wurden in die Winter- quartiere verlegt; von den 12 Compagnien unseres Regiments, die an dieser Campagno theilgenommen hatten^ kamen 6 in das Trentschincr, 3 ins Thurocser und die übrigen 3 sammt dem Regimentstabe in das Arväer Comitat. Die nun erfolgende Completierung des Regiments wurde durch Landreeruten aus Schlesien bewirkt. überdies wurde dem Jung-D au naschen Regimente die Fassung von 712 StUck ^calibermäßigen Gewehrflinten** (Steinschlossflinten) aus einem dazumal in Troppau bestandenen Zeughause be\\411igt. 1717. Das Operationsziel dieses Feldzugsjahres war die Er- oberung Belgrads. Am 28. April übernahm Prinz Eugen den Oberbefehl über die kaiserlichen Truppen in Ungarn und bestimmte die Gegend um Peter- war de in zum „Armee-rendez-vous." Mittelst Ordre vom 12. Mai wurden diesel1)en Compagnien unseres Regiments wie im Vorjahre erneuert ins Feld gestellt. Die kaiserliche Armee — circa 85.000 Mann stark — brach am 9. Juni aus ihrem Lager bei Peterwardein auf, überschritt die Donau zwischen Szigeth und Pancsova und rückte in das Lager vor Belgrad ein. Am 19. Juni begannen die Angriffs- und Schutzarbeiten, giengen aber wegen Mangels an Faschinen sehr langsam vonstatten. Das Jung-Daun'sche Regiment war mit seinen 12 Compagnien unter des FZM. Herzogs von Bevern Commando im zweiten Treffen der Cernierungsfront, und zwar in der Mitte derselben zwischen den Regimentern Wilczek- und Bevern-Infanterie eingetheilt. Dasselbe verfertigte bis zum 15. Juli 3000 Stück Faschinen, was keine geringe Leistung bedeutet, denn die Türken hatten weit und breit jeden Baum und jeden Strauch vernichtet; das niUhige Reisig musste oft mit Blut erkauft werden. HEINRICH GRAF DAUX. 8 r; Indessen niiherte sich eine türkische Ersatzarmee von 150.000 Manu unter des Großveziers persönlicher Führung und umschloss das Belagerungs-Corps des Prinzen im weiten Rogen. Links eingeengt durch den Save-Fluss, rechts durch die mächtige Donau, vor sich eine unbezwungene Festung und im Rttcken eine mehrfach überlegene Ersatzarmee, wagte Prinz Eugen dennoch das Unglaubliche. Er griff am 16. August die Feldarmee der Osmanen mit tollkühner Heftigkeit an, deren Lager nach Mitternacht überfallend, und erfocht einen seiner glänzendsten Siege. Mit Todesverachtung stürzten sich die Truppen beider Waffen, begeistert von dem Heldenmuthe ihres geliebten Feldherrn, auf den Feind und nach einem mörderischen Kampfe war es ihnen gelungen, zuerst die Reiterei, dann die Janitscharen in wilde Flucht zu jagen. Alle Gompagnien von Jung-Daun waren so glücklich, an dieser Action theilnehmen zu können. Den Türken kostete die Niederlage 20.000 Todte, Verwundete und Gefangene, dem kaiserlichen Heere 6 Generäle, 2 Oberste und 6000 Mann an Todten und Verwundeten. Vom Regimente waren gefallen: 12 Mann; — verwundet: der Commandant des Rgmts. Obstlt. Baron d'Albon, ferner Cpt.-Lt. Johann Schmid, Lt. Adam de Marsinseki und Gottlieb d'Amur, endlich 58 Mann vom Mann- schaftsstande. Das ganze reiche Lager, nebst 59 Fahnen, 131 Kanonen, 35 Mörsern und 9 Rossschweifen, war eine Beute der Kaiserlichen. Am 18. August ergab sich das vielumstrittene Belgrad; der kaiserliche GFW. Graf O'dwyer wurde zum Festungs-Commandanten ernannt. Die Eroberung von Belgrad verbreitete Eugens Ruhm durch alle Länder. Seit jenen Tagen ertönte in allen Gauen Deutschlands, dessen Söhne mit Eugen in den Niederlanden, am Rhein, in Italien und an der Donau so unsterblichen Ruhm geerntet, das schöne Volkslied: Prinz Engenius, der edle Ritter, WoUt' dem Kaiser wiederum kriegen Stadt und Festung Beigerad. Wir alle kennen es. 86 HEINRICH GRAF DAUX. Nebst anderen Truppen wurde auch ein Bataillon Jung-Daun als Besatzung von Belgrad bestimmt, während das andere nach der bald hierauf erfolgten Einstellung der Feindseligkeiten sammt dem Regimentsstabe die Winterquartiere im Baränyer Comitate bezog. Die beiden Grenadier-Compagnien wurden in die Eisenburger Gespan- schaft verlegt. Der verwundete Obstlt. Baron d'Albon kehrte nicht wieder an die Spitze unseres Regiments zurück. An dessen Stelle wurde Obstlt. August Jakob Heinrich von Suckow zum Regiraente Jung-Daun transferiert. August Jakob Heinrich von Suckow dürfte einer Grenz-Familie entstammen. Über den Beginn seiner militärischen Laufbahn ist nichts bekannt. Im Herbste 1717 wird Suckow als Obstlt. zum Rgmte. transferiert und gleichzeitig zum Commandanten ernannt. Mit Patent vom 11. December 1723 wurde er zum Obst., mit jenem vom 22. Docember 1733 zum 6F\V. befördert, musste jedoch das Regiment noch nach Italien führen und sein Avancement bis dahin verheimlichen. 1734 zum SML. vorgerückt, wurde Suckow gleichzeitig in den Freiherrn- stand erhoben und am 7. August desselben Jahres zum Inhaber des heutigen 22. Inftr.-Rgmts ernannt. Im Jahre 1739 erfolgte seine Beförderung zum FZM., als solcher that er sich bei der Vertheidigung der Festung Belgrad rühmlichst hervor. Er starb am 12. Mai 1740 in Temesvär. Auch die übrigen 5 Compagnien unseres Regiments, die schon seit dem Jahre 1714 zu Esseg in Garnison lagen, wurden kurz vor Jahrosschluss in Landquartiere beordert, und zwar: 2 Compagnien ins Toi Inaer-, und 3 ins Stimegher Comitat. 1718. Im Frühjahre unternahm die kaiserliche Armee zwar wieder einige drohende Bewegungen in Süd-Ungarn, um die Pforte zum Friedensschlüsse geneigter zu machen, es kam jedoch zu keinen weiteren Feindseligkeiten. Diese Demonstrationen machte auch unser durch Recruten aus Böhmen verstärktes Resfiment mit. HEIXRICH GRAF DAUN. 87 Am 21. Juni schloss der Kaiser den ruhmreichsten aller mit der Pforte eingegangenen Friedens-Tractate zu Passarowitz ab. Von den im Felde gestandenen Theilen unseres Regiments gelangte nach geschlossenem Frieden ein Bataillon wieder nach Esseg in Garnison, während das andere mit den Grenadieren und dem Regiments- stabe in Friedensquartiere in der Szalader Gespanschaft verlegt wurde. III. ABSCHNITT. Friedenszelt in den ungarischen Garnisonen 1719 bis 1731^ der Zug nach Corsica 1733. 1719. Im April wurde das in der Szal ad er -Gespanschaft liegende Bataillon Jung-Daun mit der Bestimmung nach Esseg be- rufen, im Vereine mit dem dortigen Bataillon des Regimentes an dem Baue dieser Festung mitzuwirken. In der Dislocation der übrigen Regiments- Abtheilungen vollzog sich in diesem Jahre nur insoferne eine unbedeutende und übrigens vorüber- gehende Veränderung, als im Frühjahre eine Grenadier-Compagnie nach Belgrad verlegt, im October jedoch wieder in ihre früheren Land- quartiere zurückbeordert wurde. Mittelst Notificatur vom 8. April 1719 wurde auch unserem Regi- mente verordnet, „dass von nun an zur Unterhaltung der bisherigen Hoboisten den jüngsten Gefreiten und Tambours je täglich eine halbe Verpflegsportion abzuziehen sei". 1721, Im Jahre 1721 wurde ein neuer Friedenstand systemisiert und gleichzeitig mit selbem die Bestimmung in Kraft gesetzt, dass alle in Erledigung „gedeihenden" Stabs- und Oberofficiersstellen, mit Aus- nahme der „Agregierten", welche in die Wirklichkeit eingebracht werden durften, bis auf weitere Verordnung nicht wieder zu besetzen seien. Ferner wurden zufolge Hofkriegsraths -Verordnung vom 4. October eine Anzahl Officiere und Mannschaften von reducierten Fußregimentern dem Jung-Daun'schen einverleibt In den Dislocationen der Abtheilungen war mit Ausnahme der im September erfolgten Verlegung einer Grenadier-Compagnie nach Belgrad keine Veränderung vorgekommen. HEINRICH GRAF DAUK. 89 Ftlr die Versorgung dienstuntauglicher Krieger wurde das Invaliden- haus in AVien errichtet. ^ 1723. Die hofkriegsräthliche Verordnung vom 7. Jänner brachte unserem Regimente die Zuweisung von einigen Officieren des reducierten Livingstein'schen Fußregimentes. Auch ergieng an das Jung-Daun'sche Regiment der Auftrag, „an das Allerhöchste Hoflager nach Pressburg auf die Dauer der dies- jährigen Landtagsperiode, vom 1. Juli ab, ausgesuchte Leute zur Be- dienung daselbst beizustellen". 1723. Im Monate August wurden die 5 seit 1718 zu Esseg gestandenen Gompagnien nach Ofen in Garnison gelegt, und dadurch dem Commando des Inhabers Grafen Heinrich von und zu Dann unterstellt, welcher hierselbst als Stadt- und Festungs-Commandant fungierte. Der Regiments - Commandant Obstlt. von Suckow wurde mittelst Patents vom 11. December zum Obst, befördert. 1724. Die Grenadier - Compagnie, welche seit 1721 in Belgrad lag, wurde durch die Grenadier- Compagnie aus der Szalader-Gespan- Schaft abgelöst. Erstere erhielt hierauf ihre Quartiere in der Oden- bürge r-Gespanschaft zugewiesen. Im November wurde von dem seit 1719 in Esseg stationierten Bataillon Jung- Dann eine Compagnie in das Tolnäer-Comitat detachiert. 1725. Im December des Vorjahres wurde die in der Oden- burger -Gespanschaft liegende Grenadier -Compagnie gegen die über- handnehmenden Plünderungen von Zigeunerbanden aufgeboten. Erst im Februar 1725 konnte sie von dieser Expedition in ihre früheren Landquartiere zurückkehren. Eine unbedeutende Dislocationsändernng fand noch im October statt, indem die seit dem Vorjahre im Tolnäer-Comitate detachierte Compagnie zu ihrem zuständigen Bataillon nach Esseg eingezogen wurde. ^ Den ersten Grund zur Invaliden-Versorgung legte Georg Graf Sz6ch^ny, Erzbischof von Gran, durch seine Invalidenstiftung von 175.000 fi. 90 HEIKRICH GRAF DAUN. Am Jahresschlüsse hatte unser Regiment die nachstehenden Garni- sonen inne: Ein Bataillon in Ofen, das zweite in Esseg und das dritte sammt einer Grenadier - Compagnie in Belgrad. Die zweite Grenadier-Compagnie lag in der Odenburger-Gespanschaft. 1736. In diesem Verhältnisse blieb das Regiment auch im laufen- den Jahre. 1737. Anfangs April wurde dem Regimente der Auftrag zur For- mierung von 5 „Auctions"-Compagnien ertheilt. Jede derselben sollte 83 Mann stark sein und durch Werbung in Ofen aufgebracht werden. Diese 5 Compagnien hatten ein „irreguläres^ Bataillon zu formieren. Diese Neuaufstellung war bereits am 30. April bewirkt und wurde dieses Bataillon zur Versehung von „Cordonsdiensten^ an die slavonische Grenze beordert. Im selben Jahre wurde dem Regimente mittelst Rescripts vom 26. April die Marschbereitschaft ertheilt, ohne dass es jedoch zum Aus- marsche gekommen wäre. In der Dislocationsanordnung der Abtheilungen des Jung-Daun- schen Regimentes vollzog sich nur insoferne eine Änderung, dass eine Compagnie aus Ofen im October nach Stuhlweißenburg und zwei andere aus Esseg nach Szigeth detachiert wurden. Ein kaiserliches Handschreiben verordnete, dass vom 1. Jänner des künftigen Jahres ab, jedem Manne monatlich ein Kreuzer von seiner Mundportion abzuziehen und für das in Pest zu gründende Invaliden- haus aufzuwenden sei. In diesem Jahre wurde in Pest ein Invalidenhaus errichtet. 1738. Im Monate März wurden sämmtliche Maurer, Schlosser und Zimmerleute zum Festungsbaue nach Belgrad beordert. Die Dislocation blieb im großen und ganzen unverändert; die Com- pagnie in der Odenburger-Gespanschaft wechselte ihre Quartiere mit solchen in der Neogräder-Gespanschaft. 1739. Die in Ofen und Stuhl weißenburg stehenden Theile des Rgmts. vereinigten sich mit dem in Belgrad garnisonierenden Bataillon. HEINRICH GRAF DAlTf. 91 Die Neugestaltnog der politischen Verlialtnisse auf der apenni- Dischen Halbinsel veranlassten den Kaiser, seine Truppen in den kaiser- lichen Provinzen Italiens zu vermehren. Der Hofkriegsrath ertheilte unter dem 28. December dem Regi- mente die Intimation, dass dessen Abmarsch nach Italien bevorstände. 1730. Das hofkriegsräthliche Rescript vom 25. Jänner brachte die ersehnte Ordre zum Aufbruche nach Italien für 2 Bataillone und 1 Grenadier-Compagnie von Jung-Daun. Der Regiments - Commandant Obst, von Sucköw trat bereits am 14. Februar mit einem Bataillon aus Belgrad, demjenigen aus Esseg und Szigeth und der Grenadier -Compagnie, welche seit 1728 in der Neograder-Gespanschaft in Quartieren lag, mit vollem Stande den Marsch nach Fiume, von hier mittelst Schiff ins Venetianische an. Das Regiment wurde vorläufig nach Pavia und Creraona als Besatzung gelegt. Der bei Antritt dieser Marschbewegung complete Stand musste sich bedeutend vermindert haben, da die erste Zeit des Aufenthaltes auf italienischem Boden der Completierung gewidmet war. Hptm. Prandtner wurde auf Werbung geschickt und traf im October mit zwei Transporten zu 146 und 343 Landrecruten aus Schlesien beim Regimente ein. Überdies wurde im selben Monate von der Kriegsverwaltung dem Regimente der flir einige hundert „neue Flinten" entfallende Geldbetrag angewiesen. Bei den in Ungarn verbliebenen Regimentstheilcn hatte sich während dieses Jahres nichts Von Bedeutung ereignet. Die Grenadier- Compagnie wurde von Belgrad nach Temesvär verlegt. 1731. Mittelst des Patentes vom 13. April wurde Obstlt. Franz von Hohen au des Regimentes zum Commandanten des Pester Invalidenhauses ernannt und an dessen Stelle Obstweht. Albrecht Baron de Pal laut des Regimentes zum Obstlt. befördert. Nach damaligem Gebrauche musste Franz von Hohen au dem neu beförderten Obristlieutenant ein ,,l)ouceur" von 1000 Ducaten „legieren". 92 HEINRICH GRAF DAUX. Zufolge kaiserlicher Entschließung vom 5. November wurden die 5 im Jahre 1727 aufgestellten ^Auctions^'-Compagnien in die Regi- menter Neullau, Walseck, Wachtendonk und Jung-Wallis ein- verleibt. Das in Belgrad gestandene. 3. Bataillon Jung-Daun wurde nach Esseg verlegt. » 1733. Die Republik Genua, zugleich Herrin von Corsica, hatte den Kaiser gegen die auf dieser Insel ausgebrochene Empörung der Eingebornen um bewaffnete Hilfe gebeten, welche bereits im Vorjahre gewährt worden war. Um die Ruhe auf Corsica baldmöglichst herzustellen, wurde die Absendung bedeutender Verstärkungen nach der insurgierten Insel vorbereitet. Unter den Truppenkörpern, welche zu dieser Expedition fürgewählt wurden, befand sich auch unser im Mailändischen stehendes Regiment. Am 4. April wurden unter dem Commando des GFW. Prinzen Kulmbach 11 Compagnien von JungDaun, 1151 Mann stark, nebst dem Regimente Bevern und 1 Bataillon Ligneville in Genua ein- geschifft, betraten bei Bastia corsicanischen Boden und gelangten unter Commando des kaiserlichen FZM. Prinzen Ludwig von Württemberg. Sämmtliche kaiserlichen Truppen auf Corsica wurden in zwei Corps getheilt. Das eine unter GFW. Prinz Kulmbach bei Calvi bestand aus den neu gelandeten Verstärkungen, während das zweite, aus den seit dem Vorjahre daselbst kämpfenden Truppen gebildete, unter 'GM. Baron Schmettau bei San Fivrentio sich sammelte. FZM. Prinz von Württemberg, welcher beim Corps des Prinzen Kulmbach ^ich aufhielt, plante für die Nacht vom 22. auf den 23. April den Vormarsch gegen die Aufständischen in drei Colonnen. Die rechte Colonne bildete hiebei Obst, von Suckow mit den beiden Bataillonen unseres Regimentes, 800 Mann stark. Die Aufgabe dieser Colonne war im Hinblicke auf die grausame und tückische Kampfweise der Eingebornen sehr gefahrvoll. Sie sollte mit dem Ein- brüche der Nacht früher als die beiden anderen Colonnen aufbrechen, das Gebirge überschreiten, das Städtchen Calenzana, den Hauptherd der Empörung, umgehen und dadurch den Empörern den Rückzug verlegen. HEINRICH GRAF DAUN. 93 Anderthalb Stunden nach dem Aufbruche der rechten hatte die linke Colonue unter GFW. Prinzen Kulmbach die Bewegung anzu- treten. Eine Stunde vor Tagesanbruch sollte schließlich die Haupt- Colonne unter des Prinzen Württemberg persönlicher Führung auf der geraden Straße gegen Calenzana vorrücken. Mit Tagesgrauen hatte Obst, von Suckow seine schwierige Auf- gabe gelöst. Ohne dass sie es merkten, waren die Aufständischen um- gangen und durch die beiden anderen Coloimen umklammert. In verzweiflungsvoller Erbitterung warfen sie sich gegen unser Regiment, welches mit geringen eigenen Verlusten sie zurückschlug. 1 Todter und 3 Verwundete waren die geringen Opfer, mit welchen dieser schöne Waffenerfolg errungen ward. Der Prinz von Württemberg rückte in Verfolgung seines gelungenen Schlages über das Klrster Alzipatro hinaus. Nachdem jedoch die Bebellen überall die Waffen niederlegten, wurden auch die kaiserlichen Truppen in die um das Kloster San Francesco Marcasso liegenden Dörfer einquartiert. Bald danach erfolgte die Rückbeförderung der zuletzt einge- troffenen Verstärkungstruppen, hiemit auch des Regiments. Während der Einschiffung in Bastia traf die Ordre ein, zugleich mit den Regimentern Max Starhemberg, Bevern und Harrach nach Ungarn zurückzukehren. Anfangs Juni wieder bei Genua gelandet, traten unsere Bataillone quer durch Italien ohne Aufenthalt den Marsch nach Süd-Ungarn an, woselbst ein Bataillon mit der Grenadier - Compagnie nach Peter- w^ardein, das andere nach Temesvär verlegt wurde. IV. ABSCHNITT. Kriegsrerweudung des Begiments in Italien 1733 bis 1735. 1733. Die Dislocation der Jung-Dauo'schen Abtheilungen erfuhr dahin eine Änderung, dass das Batailloa aus Temesvär nach Belgrad zum Festungsban beordert wurde, und im September 2 Compagnien des in Esseg stehenden Bataillons nach Kärnten gelangten, um dortselbst als Assistenz gegen ausgebrochene Unruhen verwendet &a werden. über die Besetzung des erledigten polnischen Thrones entstanden zwischen den Großmächten Differenzen, infolge deren Frankreich im Bunde mit Spanien und Sardinien im October an Osterreich den Krieg erklärte, der am Rhein und in Italien geführt wurde. Ein tiberlegenes französisch -sardinisches Heer unter dem Marschall Villars verdrängte die nicht ganz 16.000 Mann zählende kaiserliche Armee aus der Lombardei nach Mantua. Die Franzosen standen am Oglio und am rechten Po -Ufer. Infolge dieser Ereignisse wurden nun kaiserliche Regimenter nach Italien und Tirol eiligst in Marsch gesetzt. Die beiden in Kärnten stehenden Compagnien des Regiments Jung-Daun wurden im October nach Tirol beordert und gelangten nach Kuefstein. Das Regiment erhielt mittelst Ordre vom 11. November seine Be- stimmung nach Italien ; der Marsch dahin gieng über Kärnten und Tirol. Die beiden zu Kuefstein befindlichen Compagnien schlössen sich dem Regimente an, welches während des Marsches das hofkriegsräthliche Rescript vom 19. December erhielt, ein viertes Bataillon zu formieren. Aus diesem Anlasse wurde die Bewilligung zur Werbung von 700 mährischen Landrecruten gegeben, gleichzeitig aber der Befehl ertheilt, dieses Bataillon schleunigst nach Italien nachzuziehen. HEINRICH GRAF DAUN. 95 Mittelst Patentes vom 22. December wurde der Obst, von Suckow zum 6FW. befördert, ihm jedoch eine anderweitige Verwendung erst mit dem Anlangen des Jung-Daun'schen ßegiments am Orte seiner Bestimmung in Aussicht gestellt. Bis dahin war sein Avancement als Geheimnis zu bewahren. 1734. Am 30. Jänner langten 2 Füsilier '-Bataillone desselben in Roveredo an; Ende Februar waren die 4 Bataillone Jung-Daun sammt den beiden Orenadier-Compagnien am Mincio eingetroffen. Hier besaß das Regiment eine Stärke von über 3000 Mann. ' Es wurde den Befehlen des FM. Grafen Claudius Florimund von Mercy de Billets, Commandanten der kaiserlichen Armee in Italien, unterstellt. Das Jung-Daun'sche Regiment wurde vorläufig in den Raum zwischen Mincio, Oglio und Po in Cantonierungen verlegt. Hier schied der geliebte Commandant GFW. von Suckow vom RegimentC; mit dem er durch eine lange Reihe von Jahren den Auf- enthalt in den sttdungarischen Friedensquartieren getheilt, das er zweimal in das herrliche Italien geführt hatte. Zur stolzen Befriedigung mochte es dem Jung-Daun'schen Regimente gereichen, dass dieser treffliche Officier in Würdigung seiner großen Verdienste im selben Jahre nicht nur zum Feldmarschall-Licutenant befördert und zum Freiherrn erhoben, sondern auch durch die Verleihung der goldbequasteten Inhabers-Partisane ausgezeichnet worden ist. An die Spitze unseres Regiments trat zufolge Patentes vom 24. März der Obstlt. Albrecht Baron de Pallant bei gleichzeitiger Beförderung zum Obristen. An dessen Stelle wurde Obstlt. Scharffenberg zum Regimente übersetzt. Albrecht Baron de Pallant entstammt einer altadeligen Familie aus dem Luxemburgischen, wo er in Wolfsfed um das Jahr 1685 geboren sein dürfte. Über den Beginn seiner militärischen Laufbahn ist bekannt, dass derselbe 1704 als Fähnrich in das Regiment getreten. Mit Patent vom 24. März 1734 wurde Pallant zum Obristen befördert und gleichzeitig zum Regiments-Commandanten ernannt. Von Juli bis ' Diese Bezeichnung findet sich zum erstenmale in den Acten dieses Jahres und scheint zum Unterschiede von „Grenadiere** angenommen worden zu sein. Ö6 HEINRICH GRAF DAUN. December 1737 war Pallant mit dem Festungs-Commando in Brood betraut. Am 12. August 1739 erfolgte seine Beförderung zum General- Feld -Wachtmeister. Seine weiteren Schicksale sind unbekannt. FM. Graf Mercy beließ bis April die kaiserliche Armee in ihren Quartieren hinter dem Mincio. Die Infanterie übte hier fleißig und vervollkommnete sich im Feuern. Mitte April waren bereits alle Ver- stärkungen eingetroffen und zu Ende dieses Monats setzte sich die Armee zum Übergange tiber den Po in Bewegung. In der Ordre de bataille, welche der Armee-Commandant unter dem 22. April fUr diese Marschbewegung erließ, waren 2 Bataillone Jung-Daun mit den Grenadier-Compagnien am linken Flügel im ersten Treffen in der Brigade des GFW. Grafen Waldeck eingetheilt, während die beiden anderen Bataillone am rechten Flttgel im zweiten TreflFen in der Brigade des GFW. Baron Wachtendonk standen. Am 1. Mai erreichte die kaiserliche Armee bei San Nicola und San Giacomo den Po und ttbersetzte denselben am 2. mittelst Schiff- brücken. Am darauffolgenden Morgen rückte der Vortrab und die erste Colonne (Brigaden Waldeck und Wachtendonk), in welcher sich das ganze Jung-Daun'sche Regiment eingetheilt befand, in San Bene- detto ein. Die überraschten Franco-Sarden coucentricrten sich hinter dem Enza-Fluss und besetzten stark Colorno. FZM. Prinz Ludwig von Württemberg, der statt des momentan erkrankten FM. Grafen Mercy das Commando übernahm, ließ am 1. Juni Colorno angreifen. Nach zweistündigem Kampfe war der Feind völlig zersprengt. Bei diesem Gefechte war auch das Jung-Daun'sche Regiment rühmlichst betheiligt. In der Stellung, welche hierauf die Armee bei San Benedctto bezog, waren 3 Bataillone unseres Regiments ins Hauptlager beordert, am linken Flügel des ersten TreflFens, während ein Bataillon unter des FML. Grafen Livingstones Befehlen nach San Giacomo auf dem linken Po -Ufer detachiert und die Grenadier-Compagnien in das Haupt- quartier gezogen wurden. FM. Grjif Mercy traf am 7. Juni, als wieder genesen, bei der Armee ein und führte sie in das Lager von Sorbole zurtlck. HEINBICH GRAF DAUK. 97 Die Franco-Sarden waren Mitte Juni bei Parma concentriert, wo sie FM. Graf Hercy anzugreifen beschloss. Am 29. Juni setzte sich die kaiserliche Armee zum Angriff in Bewegung. Im Vortrab derselben befanden sich die beiden Grenadier- Compagnien unseres Regiments. Die 4 Füsilier-Bataillone standen im ersten Treffen des Centrums zwischen den Reo;imentern Max Starhem- berg und Ligneville. Es war 11* vormittags, als die österreichischen Grenadiere des Vor- trabs den Angriff begannen und mit vieler Bravour vordrangen. Aber das Gros der kaiserlichen Armee war noch im Anmärsche begriffen, als der Vortrab bereits im Gefechte stand; erst nach längerer Zeit trafen zuerst das Regiment Max Starhemberg, sodann Jung-Daun zur Unterstützung der braven österreichischen Grenadiere ein. Doch des FM. Grafen Mercy Feuergeist wartete nicht auf den Aufmarsch der Armee. Der greise Feldherr setzte sich persönlich an die Spitze der 5 Grenadier-Compagnien des Vortrabs und stürmte vereint mit den beiden letztgenannten Regimentern gegen den Feind. In der größten Ordnung drangen diese Truppenkörper gegen die wohlbesetzten Casinen um Crocetta herum vor. Insbesondere waren es die Grenadiere, welche an diesem kampfreichen Tage hervorragende Beweise von Tapfer- keit und Hingebung gaben ! Bis auf dreißig Schritte rückten sie an die Straße von Piacenza vor und gaben erst hier die ersten Salven ab. Aber hinter dieser Straße standen die besten Truppen der französischen Armee: die königlichen Grenadiere sowie das berühmte Regiment Fi c cardio und empfiengen die todesmuthigen österreichischen Truppen mit einem mörderischen Feuer. Der Angriff gerieth ins Stocken, als der heldenmüthige FM. Graf Mercy, von zwei Kugeln zu Tode getroffen, in unmittelbarer Nähe unseres kämpfenden Regiments vom Pferde sank. Gleich seinem Vater, Ahn und Großahn hatte auch er den Heldentod auf dem Felde der Ehre gefunden. Nur einen Augenblick blieben die wenigen kaiserlichen Truppen durch diese Katastrophe erschüttert; ein neuer wüthender Angriff warf die Franzosen aus ihren Positionen und zwang sie, in wilder Flucht hinter Crocetta Schutz zu suchen. Rog^imontsgRichiclite. 7 98 HEIKRICH GRAF DAUN. Das verheerende Feuer des Gegners aus den Gasinen brachte diesen zweiten kühnen und verlustreichen Angriff im weiteren Verlaufe abermals zum Stehen. Die Grenadiere und die beiden Regimenter Max Starhemberg und Jung-Daun wichen zurück und wurden vom Gros der kaiserlichen Armee aufgenommen, welches unterdessen aufmarschiert war und nun eilends nachgerückt kam. Um 1"^ mittags drang das ganze österreichische Centrum, in welchem wieder unser Regiment seine Eintheilung fand, mit geschultertem Gewehre, in bester Ordnung gegen die Straße von Piacenca vor und gab seine Salven so regelmäßig wie auf dem Exercierplatze ab. Aber der Gegner hatte Verstärkungen erhalten und brachte durch sein überlegenes Feuer auch diesen Augriff zum Weichen. Um 3^ nachmittags war die Schlachtordnung der kaiserlichen Armee wieder hergestellt und das Centrum mit dem linken Flügel gieng abermals zum Angriff vor. Die Grenadiere marschierten in vorderster Linie und warfen mit dem Bajonnette alles vor sich nieder. Doch auch dieser mit unbeschreiblicher Bravour ausgeführte Angriff ward durch das feindliche Gewehr- und Geschützfeuer niedergeschmettert. Das kaiserliche Gentrum unternahm keinen Angriff mehr, aber das Feuergefecht dauerte noch mit ungeschwächter Kraft bis 7* abends fort. Erst die einfallende Nacht machte dem mörderischen Kampfe ein Ende. Die Schlacht blieb unentschieden. Die Verluste der österreichischen Armee in dieser blutigen Action waren enorm. Der größte Theil der kaiserlichen Generale und Stabs- officiere befand sich unter den Todten oder Blessierten. Den schönsten Beweis der zähen Tapferkeit und treuen Pflicht- erfüllung des Jung-Daun'schen Regiments vor Parma geben die zahl- reichen Opfer, die es in dieser mörderischen Schlacht erlitten. Todt: Obstlt. Scharffenberg, Hptm. Graf von Arco, Grenadier-Lt. Bohr, die Fähnr. Brahmöhler, Moßer und Vinzenz und 156 Mann. Verwundet: die Hptlte.: von Marsenani, Graf Porcia und Götz^ die Lte.: Schwartz von Schwarzfeulen, Spies, Klimel und Kampelhaffer, der Fähnr. Peneicher und 413 Mann. Die Armee verblieb nach dieser zehnstündigen Schlacht die Nacht über im Angesichte des Feindes in Schlachtordnung; mit Tagesanbruch HEINRICH «RAF DAUX. 99 des 30. Juni führte sie FZM. Prinz Ludwig von Württemberg in das Lager von Sant Antonie dann gegen Mantua zurück. Die franco-sardinische Armee rückte nach. Graf Lothar von Königsegg übernahm das Commando der Armee und führte selbe in das Lager nach Guigentolc. Hier wurde der Obrist des Regiments Jung- Dann, de Pallant, mit einer besonderen Aufgabe ausgezeichnet, indem er einen Convoi, bestehend aus äOO Fußsoldaten und 100 Pferden, nach Mirandola zu führen hatte. Am 23. Juli wurde im Lager bei Quingentole eine neue „Schlacht- ordnung^ ausgegeben. Unser Regiment stand mit 3 Bataillonen und den beiden Grenadier-Compagnien auf dem linken Flügel im ersten Treffen zwischen den beiden Regimentern Max Starhemberg und Ogilvy in der Division des FML. Fürstenbusch und in der Brigade G FW. Prinz Sachsen -Hildburghausen. Infolge der großen bei Parma erlittenen Mannschafts Verluste konnte unser Regiment hier nebst den Grenadieren nurmehr 3 Bataillone formieren. An Stelle des gefallenen Obstlts. Schar ffenberg wurde Obstweht. Josef Kager von Stampach zum Obristlieutenant im Regimente befördert, während der rangsälteste Hptm. Kaspar Antoni Baron de Chevreulle zum Obristwachtmeister ernannt wurde. Die Gosammtstärke des Graf Heinrich -Daun'schen Regiments im August betrug 2672 Mann. Mitte September blieben die beiden Armeen gegenüber, ohne sich in irgend eine ernstliche Action einzulassen. FM. Graf Königsegg beschränkte sich nur auf zahlreiche Recognoscierungen und hatte dadurch die alliierte Armee des Gegners derart in Sicherheit gewiegt, dass er am 15. September einen Überfall auf die ausgebreitete Stellung der Franco-Sarden bei Guistello unternehmen konnte. Der Überfall, an welchem sich die sämmtlichen Abtheilungen unseres Regiments betheiligten, endete mit einem glänzenden Erfolge der kaiserlichen Waffen. Der feind- liche Commandant, Marschall de Broglie, entkam im Hemd, sein Stab wurde gefangen genommen. Die feindliche Armee zog sich fluchtartig auf Guastalla zurück. 7* 100 HEINRICH GRAF DAUN. Am 19. September kam es zur verlustreichen Schlacht vor Gua- stalla, in welcher das ganze Daun'sche Regiment mitkämpfte. Obwohl sich FM. Graf Königsegg zu Schluss dieser blutigen Action auf Luzzara zurückziehen musste, bedeckte sich dessen ungeachtet die kaiserliche Armee bei Guastalla mit unvergänglichem Schlachtenrnhme. Unser Regiment erlitt folgende Verluste: Todt: Lt. Karl Ohlberg und 25 Mann; verwundet; Obst, und Regiments-Commandant Alb recht Baron dePallant, dieHptlte.: Franz von Schmidgrabner, Benedict Grubner, Ferdinand Pliomel; die Lte.: Ignaz Rangy, Ferdinand Rauffterhoffer, Friedrich Poshard; der Fähnr. Leopold von Frankendorf und 97 Mann. Die kaiserliche Armee bezog hierauf die Winterquartiere im Mantuanischen; unser Regiment kam in das Cantonnement von San Benedetto. 1735. Graf Wallis, der neue Armee-Commandant, unternahm den ganzen Winter hindurch Streifztige und Überfälle gegen die Alliierten, wodurch die Franco-Sardeu manchen Abbruch erlitten. Geldmangel, schlechte Verpflegung und Ausrüstung brachten die Armee sehr herab; die Verluste wurden nicht ersetzt. Aus einer vom Regiments-Commandanten erstatteten Meldung geht hervor, dass es untersagt war, die vielen vacant gewordenen Officiers- und Unterofficiers- Stellen im Regimente zu besetzen, da der Friede bevorstehe. Das Jung-Daun'sche Regiment hatte gemäß einem Standes-Aus- weise vom 30. April 1735 nur einen Effectivstand von 1161 Mann, und zwar war es noch eines der stärksten Regimenter. — 788 Mann waren krank, blessiert oder commandiert. Infolge dessen konnten außer den Grenadieren nurmehr 2 Bataillone formiert werden. Am 1. Mai wurde die gesammte Armee in das Lager bei San Benedetto gefuhrt. Laut Ordre de bataille vom 1. Mai stand hierselbst unser Regiment im ersten Troffen des linken Fitigels zwischen den Regimentern Wutgenau und Guido Starhemberg in der Division des ehemaligen Regiments-Commandanten, nun FML. von Suckow, und in der Brigade des GFW. Baron Vettes einffetheilt. HEINRICH GRAF DAUN. 101 Das Eintreffen der spanischen Hauptmacht bei Modena und des Feindes Anstalten zu einem überlegenen Angriff geboten dem Ende März wieder bei der Armee eingetroffenen FM. Königsegg den Rückzug nach Tirol. Unser Regiment gelangte nebst den Regimentern Guido Starhem- berg und Wutgenau unter dem Commaudo des 6FW. Damnitz in eine Reservestellung nach Trient. Es kam zur Einstellung der Feindseligkeiten, da am 3. October Kaiser Karl VI. mit Frankreich einen Präliminarfrieden abgeschlossen hatte. Zufolge desselben konnte die kaiserliche Armee wieder italienisches Gebiet betreten und hierselbst die Erholungsquartiere beziehen. Das Jung -Dan nasche Regiment erhielt die seinigen in Costa, Villa Marzano, Cornio und Fratta zugewiesen; der Regimentsstab gelangte nach Fratta. Um diese Zeit war schon die gleichmäßige Adjustierung eingeführt. Die Stabs- und Oberofficiere, Fähnriche, sowie die Feldwebels und Fouriere trugen weiße, rothgefütterte und ebenso ausgeschlagene Röcke, weiße Kamisols und weiße Hosen. Die Corporale, Gefreiten und Gemeinen dagegen hatten weiße, rothgefütterte, aber mit weißen Aufschlägen versehene Tuchröcke, welche vorne zum Schließen mit zwei Reihen „starkmessingener" Knöpfe ver- sehen waren. Das Kamisol sowie das Beinkleid waren roth. Die Spielleute und Fourierschützen trugen „völlig" w^eiße Röcke, Kamisols und Hosen. Als Kopfbedeckung war der schwarze Filzhut verblieben; bei den „Prima planisten" mit breiten silbernen, bei allen übrigen Personen mit ^zwirnenen" Borten geziert; die Grenadiere, welche in diesem Jahre ihre erste gleichmäßige Uniform erhielten, trugen die schwarzgepelzte „ Grenadier haube " . Diese Montierung des damaligen Infanteristen vervollständigten schließlich noch lange, schwarze „Halsbindel", weißleinwandene Gamaschen, Lederschuhe, Wollstrümpfe und ein zwilchener Tornister. V. ABSCHNITT. Das Begiment im Tarkenbrlege 1736 bis 1739. 1736. Russland stand mit der Türkei im Kriege, zu welchem Österreich vertragsmäßig nur ein Hilfs-Corps beistellen sollte. Der Kaiser beschloss, nicht bloß das Hilfs-Corps beizustellen, son- dern förmlich den Krieg zu erklären. Bereits im Jahre 1736 wurden die Truppen in SUd-Ungarn in den Lagern bei Bacs, FutAk, Novoselo, Keresztur und Kobyla zusammengezogen. Mittelst Hofkriegsraths-Rescriptes ddo. 27. März erhielt auch unser Regiment bei dieser Armee in Sttd-Ungarn seine Eintheilung. Unmittelbar darauf brach es aus Italien auf, um über Tirol und Slavonien seiner neuen Bestimmung auf den wohlbekannten Ebenen seiner unsrarischen Heimat entsresren zu ziehen. 'e^o' Durch den Zuzug von böhmischen Recruten hatte sich das Jung- Daun'sche Regiment insoweit completieren können, dass es wieder 4 schwache Bataillone formieren konnte. Im Monate October jedoch befahl der Hofkriegsrath zu Wien, die vierten Bataillone bei sämmt- lichen Fußregimentern aufzulösen und zur Completierung der drei ersten zu verwenden. Die Ausbildung und BewaflFnung der Truppen war höchst mangelhaft. In der zweiten Hälfte des September war die kaiserliche Armee wohl kriegsbereit in Süd-Ungarn concentriert, doch der, welcher sie zu gewohntem Sieg und Ruhm ftihren sollte, war nicht mehr unter den Lebenden. Prinz Eugen, der große kaiserliche Feldherr des achtzehnten HEmRICH GRAF DAUK. 103 Jalirhandert8, der weise Rathgeber dreier Kaiser, war am 21. April dieses Jahres verschieden. Auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers wurde sein Leichenbegängnis in einer Weise veranstaltet, wie es vor ihm noch keinem Unterthanen zutheil geworden war, „denn man sollte sehen^, waren des Kaisers Worte, „dass des Verstorbenen Verdienste allezeit bei mir unsterblich sein werden". Seine Leiche wurde mit dem Gepränge eines Erzherzogs am 26. April im Dome zu Set. Stephan in der Gruft der Kreuzkapelle beigesetzt. 14 Feldmarschall-Lieutenants trugen die Enden des Bahrtuches, die ganze Garnison Wien gab den Conduct, der Kaiser selbst wohnte der Einsegnung bei. Der steinerne Sarg trägt die Abbildung des dem Prinzen vom Papste geweihten Hutes und Degens und die Darstellung der Schlacht von Belgrad in Relief, beides von einer Pyramide tiberragt, die mit der Inschrift versehen ist: Er war Feldherr und Held, der edelste Patriot und Staatsmann. Die Armee, die er durch 53 Jahre so oft zum Siege geführt, für die er so viel gethan, deren Geist er so hoch gehoben hatte, sie liebte und verehrte in ihm den strengen, gerechten, wohlwollenden Feldherm und Vater. Mit Eugens Tode schwand das Kriegsgltick von den kaiserlichen Fahnen.^ Die Streitkräfte des Kaisers für den bevorstehenden Tttrkenkrieg wurden zunächst in eine Hauptarmee unter des FM. Grafen Johann Palffy Commando bei Futak, dann in ein Observations-Corps in Croätien unter dem Befehle des FZM. Prinzen Josef Friedrich zu Sachsen- Hildburghausen und in das Corps in Siebenbürgen, unter FZM. Grafen Franz Wallis, getheilt. Unser Regiment erhielt mittelst des Armeebefehles vom 13. Juni die Ordre, im Lager bei Futak einzutreffen, aber am 14. September wurde diese Bestimmung abgeändert, und das Jung Daun'sche Regi- ment erhielt seine Eintheilung beim croatisch-slavonischen Observa- tions-Corps. ^ Napoleon I. zählte Eugen zu jenen 7 Feldherren, deren Feldzügo er studiert hatte (Alexander der Große, Hannibal, Cäsar, Gustav Adolf, Tnrenne, Eugen und Friedrich II.) 104 HEINRICH QRXF DAUX. In diesem Jahre kam es noch nicht zu ernsten kriegerischen Ereig- nissen, da die russische Armee noch nicht operationsbereit, and überdies die Jahreszeit sehr vorgeschritten war. Die kaiserlichen Trappen bezogen daher die Winterquartiere. Unser Regiment gelangte hiebei nach Esseg in Garnison und wurde noch zu Ende December hierselbst einer Muste- rung unterzogen. Von diesem Regimentsmusterungs-Acte blieb ein interessantes Docu- menta eine „Specification über alle OfQciere und kleinen Stabspartheien^, erhalten; welches wörtlich lautet: „Speciflcatlon wie lang die Herrn Stabs-, auch übrigen Herrn Officicre, nebst den kleinen Stabspartheien bei dem kaiserlichen Generalfeldzeugmeister : Graf Heinrich D^un'schen Regimente zu Fuß in Diensten stehen, — auch aus was für einem Lande oder Orte solche gebürtig sind:" Namen m Im P a c s Gebürtig Obst. Albrecht Baron de Pallant . . . Ol)8tlt. Josef Kager von Stampach , . Obstwchtm. Kaspar Antoni Baron de Chevreulle 32 29V2 26 21 V2 V4 V4 8 29 7V2 18 aus Wolfsfed im Luxemburgischen, aus Dorschan in Mähren. aus Wien. Rgmt.- Qutmstr. Georg KnoU Aud. et Secretari Franz Lipp .... Rj^mt.-Kap. v. Scheligovsky des Cajetan- Ordens Wchtm.-Lt. Franz Wolf Pvtm. Josef Schreyer Wagenra. Mathias Kallfuss Rgmt.-Fdschr. Josef Schmid Profoß Michael Geiger aus Kottwitz in Schlesien, aus Heydberg im Reiche. aus Schlesien. aus Wien. aus Wien. aus Neustadt in Böhmen. aus Leitmeritz. aus Gazin g im Wiirzburgi sehen. HEINRICH GRAF DAUN. 105 Ferners die Hauptleute: Namen 's« a a 3 Q Gebürtig (Irenad.-Hptm. Rudolf Baron v. Kugler Crrenad.-Hptm. David Sigmund v. Weiss- mann 26V2 18 24 29 35 25 IOV2 30 34 19 9 11 20 aus Linz, aus Preußen. Füsil.-Hptm. Franz Adam v. Marsinoy . Ftisil.-Hptm. Franz Josef Schmidgrabner V. Lustenegg Füsil.-Hptm. Mathias Josef Prandtner . Ftisil.-Hptm. Stanislaus Kallinowsky de Kallnow Füsil.-Hptm. Karl Graf v. Porcia . . . Füsil.-Hptm. Philipp Bonitius Huber . Fü6il.-Hptm. Karl Rust Ftisil.-Hptm. Titian Detleif v. Schlepplern FüsiL-Hptm. Johann Quersoni .... Füsil.-Hptm. Franz Graf v. Herberstein Füsil.-Hptm. Samson de Paczinsky . . aus Nostitz in Mähren. aus Prag. aus Weitra in Niederösterreich. aus Schlesien. ans Spital in Kärnthen. aus Tirol. aus Böhmen. aus dem Osnabrückischen, früher in dänischen Diensten gestanden. aus Modena in Italien. aus Graz. aus Rosenberg in Schlesien. Durch die jüngste Reducierung des 4. Baons. die aggregierten Hanptleute: Hptm. Franz Anton Sabotha 22'/, aus Mähren. Hptm. Ignaz Heinrich Lebwohl .... 29 aus Böhmen. Hptm. Johann Rorauldus v. Schertz . 15 aus Schlesien. Hptm. Johann Baptist Rotta Marquis V. Adorno 9V, aus Pavia. Hptm. Graf v. Traun 3Vi aus München. Wirkliehe Lieutenants: Grenad.-Oblt. Mathias Hoffmeyer . . (Jrenad.-Oblt. Karl Patsch Cpt.-Lt., Qua-Hptm. Gottlieb Ignaz Changy de Valest Lt. Johann Friedr. Possard .... Lt. Jakob Köllner Lt. Friedrich Anton Mathai II. . . . 30 aus Niederösterreich. 18'/, aus Breslau. 12'/, aus Esseg. 10'/, aus Berlin. 82 aus Leopoldstadt. 7V, aus Rudolstadt im Reiche 106 HEIKRICH ORAl' SAt'K. Namen es g s Gebürtig Lt. Eckhardt v. Btirchen Lt. Franz Günther Lt. Franz v. Zumpitz Lt. Adam Raniotschey de Haza . . . Lt. Pliilipp Mitschekh Lt. Georg Freiherr v. Kotulinsky . . Lt. Karl Marquis de Villanova .... Lt. Karl Ertmann v. Zerschwitz . . . Lt. Elias Schwartz v. Schwartzfeuten . Lt. Franz Liborius Schmidt Lt. Johann v. Zimmermann U 29 30 8 11 aus Preußen. aus Böhmen. aus den Niederlanden. aus Ofen. aus Mähren. aus Mähren. aus Wien. aus PreuUen. aus Ungarn. aus Prag. aus Esseg. Die aggregierten Lieatenants: Lt. Josef Johann Rummel v. Waldau . Lt. Josef Dettler Lt. Kaspar Schaumweeger Lt. Ignaz Süss Wirkliche Fähnrichs : aus Krems, aus Würzburg, aus Niederösterreich, aus Böhmen. Utlt. Georg Nicolini 29 aus Leutschau. Utk. Johann Georg Drischberger . . . 21V, aus Baiern. Fähnr. Karl v. Pakkusch 5 aus Schlesien. Fähnr. Maximilian v. Stockh IV2 aus Hotsringen. Fähnr. Johann Ernst Paumann .... 23/4 aus Breslau. Fähnr. Anton Baron v. Poiger .... 2Va aus Österreich. Fähnr. Paul Josef Winkhler 2V, aus Wien. Fähnr. Andreas Schläpser 27 aus Pressburg. Fähnr. Friedrich Baron v. Kunitz . . 1^/4 aus Schlesien. Fähnr. Ruppert Baron v. Nikolaz . . 2V2 aus den Niederlanden. Fähnr. Martin Josef v. Tentschin . . . IV4 aus Breslau. Fähnr. Christian Müller 18 aus Sachsen Fähnr. Ferdinand Neumann 274 aus Wien. Fähnr. Josef Heim IOV2 aus dem Reiche. HEIKKICH OEAI'' DAUM. 107 Namen § 3 Gebürtig Fähnr. Anton Przeslawsky Fkhnr. Josef Bohl 9 2 2V2 aus Mähren, aus Wien. Fähnr. Johann Graf Petazi aus Graz. Aggregierte Fähnrichs: Fähnr. Karl v. Stiltz Esseg, Ende December 1736. IV4 aus St. Polten. (^ L. S. j Baron de Pallant in. p., Obrist. Anmerkung. Der Quartienneister hatte den Rang des ältesten Lieutenants, oft auch den eines Hauptmannes, führte die Rechnungen des Regiments, die Kanzleigeschäfte und war der Zahlmeister, überdies markierte er das Lager, traf die Cantonicrungseintheilnng und die Bequartierung seines Regiments. Der Wachtmeister-Lieutenant war Regiments- Adjutant, besorgte den schriftlichen Dienstverkehr im Namen des Regiments-Commandanten, unterstützte den Regiments- Quartiermeister und hatte die Feldwebels untergeordnet. Der Wachtmeister-Lieutenant hatte den Rang eines ältesten Feldwebels, manchmal auch den Officierstitel. Der Wagenmeister hatte die Bagage und den Train des Regimens zu beauf- sichtigen, bewirkte die Fassungen, commandierte die Trainwachen und leitete die Fouragierungen. — Bei der Infanterie hatte er Officiersrang. Der Proviantmeister hatte die Verpflegung des Regiments über sich und war der Stellvertreter des Quartiermeisters. Über Befehl des Reginients-Inhabers hatte das Regiment „weiße" Aufsehläge anzulegen. 1737. Für den Feldzug dieses Jahres versammelten sich die kaiser- lichen Streitkräfte an der Save. Die Hauptarmee sollte in Serbien eindringen, während ein Corps unter FZM. Prinz zu Sachsen-Hildburghausen, bei Gradisca ver- sammelt, selbständig gegen Bosnien zu operieren hatte. 108 HEINRICH GRAF DA UN. Zu diesem Corps erhielt am 12. April unser Re^ment seine Ein- theilung. Es hatte sich im Laufe des Winters durch 170 im Neutraer- Comitate geworbene Recruten verstärkt und formierte sich laut einer Standestabelle vom Februar dieses Jahres in 3 Bataillone zu 15 Füsilier, Compagnien mit einem EflFectivstande von 1967 Mann. Mittelst Ordre vom 19. März wurde das Jung-Daun'sche Regi- ment mit der Marschbereitschaft versehen und am 13. April rückten die zwei ersten Bataillone und Grenadier-Compagnien aus Esseg in das Lager von Neu-6radisca, das 3. Bataillon nach Karlstadt an der Kulpa als Besatzung ab. Im Monate Juni hatte der Kaiser an die Pforte den Krieg erklärt; die Operationen begannen jedoch viel später. Anfang Juli stand noch immer das Corps im Lager bei Czernek, nördlich von Neu-Gradisca; unser Regiment war hierselbst im ersten TreflFen des rechten Flügels unter Commando des FML. von Suckow und des GFW. Baron von Reitzenstein eingetheilt. Das Regiment commandierte zu dieser Zeit ad Interim der Obstlt. Josef Kager von Stampach, da der Obst. Baron de Pallant temporär mit dem Festungs-Commando von Brood betraut war. Das 3. Bataillon Jung-Daun in Karlstadt nebst 300 Berittenen und 300 Grenzern zu Fuß stand unter Commando des Obst. Baron von Raunach. Am 12. Juli sollte Prinz zu Sachsen-Hildburghausen in 4 Colonnen die Reichsgrenze überschreiten. Die Haupt-Colonne bei Gradisca hatte vom Armee-Obercomman- danten FM. Grafen Seckendorf den Auftrag, in der Stärke von 17.000 bis 18.000 Mann und unter des Prinzen persönlicher Führung so rasch als möglich auf Banjaluka vorzugehen und sich desselben, sowie Jaices und aller festen Punkte am Vrbas zu bemächtigen. Unter Sicherung der Vrbas-Linie sollte dann das Corps an die Bosna marschieren und Zwornik belagern. Auch Obst. Baron Raun ach bildete mit unserem 3. Bataillone und den Grenzern eine der vier Colonnen und sollte an die Unna vor- rücken, Vakuf nebst den umliegenden Schlössern nehmen und hierauf die Verbindung mit dem Prinzen am Vrbas herstellen. HEINRICH (SRAF DAITN. 109 Schon der Beginn der Operationen wurde von Missgeschick begleitet. Statt am 12. konnte die Haupt-Colonne infolge abnormer Witterangs- verhältnisse erst am 15. Juli bei Gradisca die Save Überschreiten, gelangte am 15. nur bis Sic^-Kula und musste hier am 16. zur Sammlung und Erholung stehen bleiben. Über Maglaj, Klasnice und Trn weiter vorrückend, langte der Prinz am 24. Juli vor Banjaluka an und bezog etwa 1000 Schritte von diesem Platze ein Lager. Auf dem Marsche bis hieher war die Haupt-Colonne auf keinen Feind gestoßen. In vollkommener Unkenntnis des verspäteten Save-Überganges der Haupt-Colonne ttberschritt der Obst. Baron Raun ach am 12. Juli die Grenze bei Dobroselo. Auf die Nachricht, dass die Orte Ostro- vica. Knien Yakup und Havala nur schwache feindliche Besatzungen haben, beschloss und eröffnete er die Beschießung des letztgenannten Ortes. Aber der Pascha von Travnik, welcher die Osmanen seines Kreises unter die Waffen gerufen hatte, schnitt mit 5000 Mann der gänzlich isolierten Colonne den Rtickweg nach Croatien a1). Obst. Raunach glaubte so sicher an die Cooperation mit den tibrigen Colonnen, dass er die Beschießung Havalas fortsetzte und das feindliche Manöver nur beobachten ließ. Sein endlicher Versuch, sich gewaltsam Bahn zu brechen, endete am 22. Juli mit einer Katastrophe. Obst. Raunach selbst mit 600 seiner Soldaten «blieben todt; die Geschütze konnten nur mit knapper Noth nach Gra(*a(^, die Cassa nach Karlstadt gerettet werden. Wie hoch sich die Opfer unseres 3. Bataillons bei dieser Affaire beziffert haben mögen, konnte nicht festgestellt werden; sicher jedoch kann derselbe mit circa 300 Mann an Todten und Verwundeten ange- nommen werden. Unterdessen ließ der Prinz zu Uildburghausen Banjaluka am linken Vrbas-Ufer einschließen und das rechte durch ein Detachement bewachen. Die Beschießung begann am 27. Juli, die Eröffnung der Lauf- gräben am 29. desselben Monats. Am 28. waren Nachrichten eingelaufen, dass ein überlegenes Ttirken- heer im Anzüge sei und ganz Bosnien unter Waffen stehe. 110 HEINRICH GRAF DAUN. Noch war das Schicksal des Obst. Kau nach bei der Haapt-Golonne nicht bekannt, ebensowenig die grausame, tückische Kampfweise der bosnischen Muselmanneu. Der Prinz beschloss trotz der bedenklichen Berichte die glücklich vorgeschrittene Belagerung fortzusetzen und dem Entsatzheere unter den Mauern Banjalukas das Gefecht zu bieten. Am 4. August kam es zur Schlacht; die kaiserlichen Waifen unterlagen. Zwar endete der Krieg ohne Katastrophe, der Prinz von Hild- burghausen behauptete sogar alle seine innegehabten Positionen; allein die Verluste waren so bedeutend, dass die Belagerung Banjalukas aufgehoben werden musste. Die Belagerung dieses Platzes vom 29. Juli bis 3. August kostete unserem Regimente nur einen Verlust von 6 Todten und 5 Verwundeten vom Mannschaftstande; die unglückliche Action am 4. August hingegen heischte große Opfer. Hptm. Titian Detleff von Schlepplern, Grena- dier-Hptm. David Sigmund von Weißmann und Hptm. Franz Graf Herberstein, Utlt. Johann Drischberger, ferner die Fähnr.: Carl von Rakkusch, Christian Müller und Friedrich Baron Kunitz, sowie 151 Mann blieben todt; 54 Mann wurden verwundet. Der Regi- ments-Proviantmeister Josef Schreyer wurde in Stücke „zerhau'n", drei Fahnen des Regiments wurden „bedeutend zerschossen" und die Weißmann'sche Compagnie völlig aufgerieben. Am 5. August brach die Colonne des Prinzen zu Sachsen-Hild- burghausen von Banjaluka auf, und trat den Rückmarsch auf dem- selben Wege wie bei der Vorrtickung an. Die Haltung, die es trotz der Niederlage bewahrte, war eine musterhafte. Bei Mrasi6 wurde vom 9. bis 11. August Stellung ge- nommen, um den nachrückenden Gegner zu erwarten und am 13. die Save bei Gradisca überschritten. Die Türken wagten angesichts der festen Haltung der kaiserlichen Truppen nicht, den Rückzug des Prinzen zu stören. Den Versuch, bei Klasnice dem Corps den Rückweg zu verlegen, büßten sie mit dem Verluste von 600 Mann. Nachdem die Bewegungen der türkischen Streitkräfte in Bosnien gegen Osten, der kaiserlichen Hauptarmee in Serbien gefährlich werden konnten, wandte sich der Prinz zu Hildburghausen nach bewirktem HEINRICH GBAF DAUX. 111 Save- Übergange gegen Schabatz. Aber bereits zu Brood erreichte ihn der gemessene Befehl des Hofkriegsraths, südlich der Save bei Gradisca eine Beobachtungsstellnug zu beziehen. Unverztlglich trat das Corps den Rtickmarsch an und traf am 28. August wieder bei Gradisca ein. Doch der Zustand der Truppen war ein höchst trauriger. Abnorme Witterungsverhältnisse veranlassten eine dreimalige Überschwemmung durch die Save. Weite Uferstrecken wurden in fiebererfttllte Sümpfe verwandelt. Ende August zählte das Corps 5158 Kranke. Der Prinz bezog die angeordnete Beobachtungsstellung bei Rievci und blieb daselbst bis zum 12. September stehen. An diesem Tage brach das Corps wieder auf, um einem neuer- lichen Befehle des Armee-Commandanten zufolge über Brood, Djakovär und Mitrowitz nach Schabatz zu marschieren. Dort traf es am 24. October ein und vereinigte sich mit der Hauptarmee, welche sich hierselbst nach einem ebenfalls unglücklichen Feldzuge zu sammeln begann. Der neue Annee-Commandant FM. Ludwig Andreas Graf von Khe- venhüller hatte an Stelle des abberufenen FM. Grafen Seckendorf das Armee-Commando übernommen und führte die Hauptarmee sammt dem Hildburghausen'schen Corps am 12. November über die Save zurück. Unmittelbar hierauf erfolgte die Verlegung der Truppen in die Winterquartiere. Die ersten zwei Bataillone und die Grenadiere unseres Regiments kamen nach Warasdin als Besatzung, während das 3. Ba- taillon wieder nach Karlstadt zurückgelangte. Obst. Baron de Pal laut rückte hier wieder zum Regimente ein: Die Verluste des Jung-Daun'schen Regiments im abgelaufenen Feldzugsjahre waren außerordentlich groß. Mittelst Rescript vom 12. October wurden demselben zur Completierung 670 Reeruten aus Mähren ange- wiesen und Hptm. Karl Rust zu deren Anwerbung abgeschickt. In diesem Jahre wurden die ersten definitiven Bestimmungen über die Uniformierung des kaiserlichen Heeres und das erste „gemeinsame" Exercierreglement für die kaiserliche Armee herausgegeben. 112 HEINRICH GRAl*' DAL^. 1738. Mittelst Ordre vom 2. April erhielten die in Warasdin befindlichen 2 Bataillone und die Grenadier-Compagnien des Regiments ihre Eintheilung bei der Hauptarmee — (Commandant Herzog Franz von Lothringen, ad latus FM. Graf Königsegg) — welche sich bei Semlin sammelte. Später wurde ein Bataillon hievon als Besatzung nach Belgrad beordert. Das 3. Bataillon verblieb als Besatzung in Karlstadt. Anfangs Juni setzte sich die Armee gegen die in das Temeser Banat eingebrochenen Türken in Bewegung. Bei Kornia fand am 4. Juli das erste Zusammentrefifen mit einer überlegenen türkischen Armee statt. Während eines starken Nebels griff hier der Feind das kaiserliche Lager mit großer Heftigkeit an; lange blieb der erbitterte Kampf unentschieden, bis endlich die standhafte Ausdauer und Hingebung der kaiserlichen Truppen die Oberhand behielt. Nicht nur in diesem, sondern auch in dem am 15. Juli statt- gefundenen siegreichen Gefechte bei Mehadia kämpfte das eine Bataillon Jung -Dann, welches noch bei der Feldarmee — Brigade Schullen- burg — sich befand, sammt den beiden Grenadier-Compagnien. Unterdessen rückten zwei türkische Heere, das eine unter dem Groflvezier gegen Orsova, das andere unter des Seraskiers Führung gegen Belgrad vor. FM. Graf Königsegg beschloss, den Rückmarsch mit der Haupt- armee gegen Belgrad anzutreten. Hiezu brach er am 31. Juli von Karansebes auf und marschierte llber Semendria nach Belgrad, woselbst die Armee am 6. September eintraf. Sowohl im Banate, als auch auf dem langwierigen Rückmarsche nach Belgrad litt die Armee an Krankheiten und Entbehrungen härtester Art. Das ungarische Sumpffieber, nicht minder aber die im Banate herrschende Pest decimierten die kaiserlichen Regimenter. Im November endete dieser ruhmlose Feldzug; die Truppen wurden in die Winterquartiere verlegt. Hiebei gelangten das Bataillon und die Grenadiere unseres Regiments ins Baranyer-Comitat, und das in Bel- grad garnisonierende Bataillon nach Peterwardein. HEINRICH ÜRAl' DAUN. 113 1739. Im Februar marschierten die im Bar anyer-Gomi täte cau- tonierenden Abtheilnngen des Regiments — 1 Bataillon und 2 Grenadier- Compagnien — nach Esseg; dann, zufolge Ordre vom 10. April, in das Lager von Peterwardein, woselbst sie anfangs Mai anlangten. Diese Abtheilungen, sowie das in Peterwardein garnisonierende 4. Bataillon des Regiments wurden später als Besatzung nach Belgrad beordert.* Hier commandierte der FML. August Jakob Heinrich Baron von Suckow, der im Jahre 1734 geschiedene, ehemalige Commandant unseres Regiments. Zufolge „Disposition^ des Festungs-Commandanten ddo. 13. August wurden unsere Bataillone zur Besetzung der Bastion St. Elisabeth verwendet. Die beiden Grenadier-Compagnien wurden bei diesem Werke in Reserve gehalten. Unterdessen zog sich die kaiserliche Feldarmee — nach erfolgtem Missgeschicke — auf Belgrad zurück, wohin der Großvezier lang- sam folgte. Die vielen Misserfolge dieses ungltlcklichen Feldzuges hatten die moralische Kraft der so braven kaiserlichen Regimenter erschtittert; auch Belgrad wurde verlassen und der Donau-Übergang bewirkt, als die türkischen Vortruppen vor der Festung anlangten. Belgrad und dessen schwache Besatzung war hiemit dem über- mächtigen osmanischen Belagerer preisgegeben. Wohl verhieß der Großvezier der Besatzung im Falle freiwilliger Übergabe freies Geleit bis Ofen, aber FML. Suckow beantwortete dieses schimpfliche Anerbieten mit Kanonenschüssen. Hierauf wurde am 28. Juli das Bombardement eröflfnet. Die im September vom FM. Grafen Wallis mit dem Großvezier angeknüpften Friedensunterhandlungen führten am 18. desselben Monats zum Frieden von Belgrad. Zwar blieb durch die rasche Einstellung der Feindseligkeiten Bel- grads Besatzung — mit ihr unser Regiment — von dem trauri^^en 1 Am 29. April erhielten die ^aggregierten" Officiere: Hptm. Wilhelm, Friedrich v. Streithorst, Lt. Philipp Karl Lenz und Fähnr. Anton Freih. V. Liebenfels ihre Eintheilung bei unserem Rogimente. RogiinpntJi|i|:o!irhichtc. c5 114 HEINRICH GRAF DAUK. Lose verschont, die Waffen strecken zu müssen, aber der Kaiser musste kraft dieses Tractates fast alle Eroberungen wieder herausgeben, die des Prinzen Eugen sieggewohnter Degen errungen hatte; auch Belgrad wurde abgetreten. Unsere beiden Bataillone, sowie die 2 Grenadier-Compagnien ver- blieben gemäß einer, vom Großvezier zugestandenen, mehrmonatlichen pContumaz" noch fernerhin als Garnison in Belgrad. Das 3. Bataillon des Regiments, das seit 1737 in Earlstadt sich befand, kam im Laufe des eben geendeten Feldzuges zu keiner kriege- rischen Verwendung; 2 Compagnien desselben wurden nach Fürsten- feld in der Steiermark auf Pass-Cordon detachiert. In diesem Jahre verlor das Regiment seinen bewährten und um- sichtigen Commandanten. Mittelst des Patentes vom 12. August \vurde Obst. Baron de Pallant zum GFW. befördert und an dessen Stelle der Obstl. Josef Kager von Stampach zum Commandanten des Regiments erniinnt. Josef Kager von Stampach, geboren in Dorschau in Mähren um das Jahr 1688, trat in das Regiment im Jahre 1706. Unter stufen- weiser Vorrückung wurde derselbe 1729 Obstw., 1734 Obstl., mit dem Patente vom 20. November 1740 Obst., endlich mit jenem vom 9. October 1745 GFW. Seine weitere Laufbahn ist nicht bekannt. VI. ABSCHNITT. Das Friedensjahr 1740. 1740, Pest und andere Seuchen hatten die alten kaiserlichen Regimenter fast aufgerieben; Recruten füllten deren Reihen. Die Regimenter sollten reduciert und in erweiterte Quartiere ver- legt werden. Das Regiment erhielt am lä. Februar die Bereitschafts-Ordre, und hatte laut ^Marschroute" in das Reich abzumarschieren. Die in Belgrad garnisonierenden 2 Bataillone sammt beiden Grenadier-Compagnien sollten den Weg durch Osterreich, das in Karl- stadt und Fürstenfeld dislocierte 3. Bataillon durch Steiermark und Tirol an den Rhein nehmen. Nachdem unser Regiment seine sämmtlichen, schon seit Jahren in vielen Plätzen abcommandierten Leute gesammelt und den Marsch an- getreten hatte, erhielt es unter dem 29. März die nähere Bestimmung, mit 2 Bataillonen und den beiden Grenadier-Compagnien nach Freiburg, mit dem 2. Bataillon nach Alt-Breisach. Erst im Sommer langten die beiden Bataillone in ihren Stationen an; doch schon am 8. August wurde von den beiden Bataillonen aus Freiburg wieder eines nach Luxemburg in Garnison gelegt, welches wieder eine Compagnie nach Philippsburg in Baden detachieren musste. In dieser Dislocation verbrachte das Regiment den Rest dieses Jahres; mit Ausnahme einiger Veränderungen in den Stabsofficiersstellen trug sich sonst kein bemerkenswertes Ereignis im Jung-Daun'schen Regimente zu. Mittelst des Patentes vom 20. November wurde der damalige Regiments-Commandant Obstl. Josef Kagcr von Stampach zum 8* 116 HEIN&ICH GRAF DAUN. „wirklichen" Obst, befördert, worauf Obstw. Baron de Chevreulle zum Obstl. und der erst im abgelaufenen Jahre ins Regiment Übersetzte Hptm. Philipp Felix Graf v. Quicciardi zum Obstw. avancierte. Am 20. October starb Seine Majestät Kaiser Karl VI. Dieser Monarch, der letzte des Mannesstammes des seit 467 Jahren blühenden Hauses Habsburg, welches dem Reiche 16 Kaiser gegeben hatte, starb ohne männliche Nachkommen. Sein einziger Sohn war 1716 noch in der Wiege gestorben. Die Regelung der Erbfolge war daher eine des Kaisers größter Regierungssorgen gewesen, umsomehr, als dies- bezüglich genaue Gesetze bis dahin nicht bestanden hatten.. Er that dies durch die von ihm am 19. April 1718 zu Wien in einem geheimen Staatsrathe gegebene „Pragmatische Sanction''. Kraft dieses Staats- gesetzes stellte der Kaiser fest, dass die gesammten österreichischen Staaten ungetheilt^ nach dem Rechte der Erstgeburt, in Ermanglung männlicher Nachkommen auf weibliche auch vererbt werden sollten und dass unbedingt die Erbansprecher zur römisch-katholischen Kirche sich bekennen müssen. Durch große Opfer hatte er von allen Höfen die Anerkennung dieses Erbfolgegesetzes erkauft und sein Vertrauen auf die Rechtlichkeit derselben gesetzt. Er glaubte an Verträge, weil er selbst sie stets gehalten hatte. Vergebens waren die Rathschläge des Prinzen Eugen, mehr auf einen gefüllten Schatz und ein starkes Heer zu halten. „200.000 Mann seien besser, als alle Tractate; Verträge seien Papierfetzen, die die Faust der Stärkeren zerknittere." Mit vollem Vertrauen auf die gesicherte Thronfolge schloss Karl VI. die Augen. Am Todestage ihres Vaters bestieg Maria Theresia den Thron. Die junge Herrscherin, erst 23 Jahre alt, sah sich bald nach ihrem Regierungsantritt von fast ganz Europa angegriffen. IV. HAUPT STÜCK. UNTER KAISERIN MARIA THERESIA. 1740—1780. I. ABSCHNITT. Theilnahme des Regiments au dem ersten österreichischen Erbfolge- kriege Im Jahre 1741 bis 1743. 1741. Ungeachtet der geleisteten Erb verzichte erhoben Preußen, Sachsen, Spanien, Frankreich nnd Polen Ansprüche auf das angeblich erledigte Erbe. Mitte December brach König Friedrich von Preußen in Schlesien ein nnd besetzte am 4. Jänner Breslau. Baierische und französische Truppen fielen in Ober-Osterreich ein. Die kaiserlichen Regimenter, durch Rednctionen geschwächt und seit dem Tttrkenkriege in den entferntesten Provinzen der Monarchie zerstreut, konnten erst im SpätfrUhling zur Verfügung sein. Im Monat März erhielt auch unser Regiment den Befehl zur Com- pletierung. Das in Fr ei bürg gestandene Bataillon, mit dem neu vor- geschriebenen Stande von 100 Mann per Compagnie, rückte sammt den Grenadier-Compagnien durch den schwäbischen Kreis und Tirol in das salzburgische Gebiet ein. Hier wurde der Marsch „angehalten"; es verblieb dieser Regiments- theil hierselbst bis zum Schlüsse des Jahres. Auch die am Rhein zurückgebliebenen Bataillone blieben mit Ausnahme einer Compagnie, welche nach Kehl verlegt wurde, in ihren früheren Garnisonen. Erst eine im December erflossene Ordre wies das Jung-Daun'sche Regiment an, sich in Tirol zu concentrieren. Zu Anfang des Jahres starb der Bruder unseres Regiments-Inhabers Graf Wierich Philipp Laurenz von und zu Dann, welcher das heutige Infanterie-Regiment Nr. 56 inne hatte; es wurde daher die Be- 120 HEIKBICH GBAl*' DAUN. Zeichnung ^Jung-Daun'sches^ ftlr unser Regiment gegenstandslos und dasselbe von nun an nur mehr das Graf Heinrich Daun'sche Regi- ment genannt. 1742. Die am Rhein verbliebenen 2 Bataillone des Regiments marschierten am 1. Jänner von Freiburg nach Tirol ab; mit Rescript vom 9. März wurde vom 1. Bataillon eine Compagnie als Besatzung nach Bregenz bestimmt, die 5. in Philippsburg belassen; vom 2. Ba- taillone gelangten 2 Compagnien nach Ehrenberg, 2 nach Euefstein und 1 in den Scharnitz-Pass (oberhalb Innsbruck) als Besatzung. Die kaiserliche Heeresleitung beabsichtigte, den Feldzug dieses Jahres offensiv sowohl in Böhmen, wie auch gegen Baiern zu eröffnen. Gegen letztere operierte ein Heer unter FM. Graf K he ven hüll er, welcher in Ober-Osterreich einrückte; gemeinsam mit diesem gieng eine Armee-Abtheilung unter FML. Baron Stentzsch aus Tirol gegen Baiern vor. Dieser General erhielt vom Hofkriegsrathe die directe Weisung, nebst dem Regimente Königsegg noch mit den aus Vorder-Osterreich anlangenden Regimentern Dann und Walsegg, sodann 2000 Waras- dinern, 6000 Karlstädtern und dem Esterhazy'schen Husaren- Regimente in Baiern einzufallen. FML. Baron Stentzsch brach am 12. Februar mit 5000 Soldaten, darunter das 3. Bataillon und die Grenadier-Compagnien unseres Regi- ments, und 300 Kitzbüchler Bauern auf, rückte in drei Colonnen an den sogenannten Reiterwinkel bei Nussdorf und Aaerburg an die baierischen Verschanzungen, in denen sich mehr als 50 feste Block- häuser befanden. Beim Anrücken der Österreicher verließ der Feind diese Werke, ohne Widerstand geleistet zu haben. FML. Baron von Stentzsch besetzte am 14. Rosenheim und Traunstein und vereinigte sich mit FM. Grafen KhevenhUller. Unterdessen war München in die Hände österreichischer Partei- gänger gefallen und KhevenhüUers Hauptquartier ward nach Lands- hut verlegt. Stentzsch erhielt den Befehl, alle Blockhäuser und Ver- schanzungen niederzureißen, und die Salzwerke zu Reichenhall und Traunstein zerstören zu lassen. Das gesammte Landvolk wurde ent- waffnet und denselben die Vorräthe an Pulver und Blei weggenommen. HEINRICH OBAF DAUN. 121 Bei der Armee des FM. Grafen Khevenhüller, welche zum Succurs des Herzogs Karl v. Lothringen nach Böhmen aufbrach, als ein fran- zösisches Heer unter dem Marschall Mailleaois gegen Prag vorrückte, befand sich auch unser Regiment mit 2 Bataillonen. In der ^Schlacht- ordnung'' der Armee im Lager bei Kodrisch — unweit Plan in Böhmen — stand am 28. September das Graf Heinrich Daun'sche Regiment mit 2 Bataillonen von ^Franz Lothringen^ in der Brigade des GFW. Lnzani, im ersten Treffen des Corps de bataille ein- getheilt Hier standen sich die feindlichen Armeen längere Zeit gegenüber, ohne sich in eine ernstliche Action einzulassen. Die Franzosen räumten später, ohne den beabsichtigten Entsatz von Prag bewirkt zu haben, Böhmen. Hierauf detachierte Herzog Karl am 26. October den Fürsten von Lobkowitz mit 11 Regimentern Infanterie, 8 Regimentern Cavallerie und 3000 Croaten gegen Prag, um sich daselbst mit den kaiserlichen Einschliefiungstruppen zu vereinigen und der französischen Besatzung — unter Marschall Bovglie — den Rückzug auf Eger abzuschneiden. Auch das Regiment Graf Heinrich Dann befand sich unter den 11 Regimentern des Fürsten Lobkowitz. Prag wurde von allen Seiten eng eingeschlossen. In der Nacht vom 16. auf den 17. December, als das Elend und die Entbehrung in Prag den höchsten Grad erreicht hatten, unternahmen die Franzosen einen gewaltsamen Durchbruch in der Richtung gegen Eger. Vom Kriegsglücke begünstigt, gelang dieses kühne Unternehmen. Bei den übrigen Theilen unseres Regiments, welchen es nicht ver- gönnt war, im offenen Felde verwendet zu werden, ereignete sich in diesem Jahre nichts Belangreiches. Das eine Bataillon verblieb jahrüber in Tirol als Besatzung; die seit 1740 in Philippsburg verbliebene Compagnie wurde zufolge hofkriegsräthlichen Rescriptes vom 21. April 1742 über Freiburg nach Bregenz in Marsch gesetzt. Die 2 andern Bataillone und die beiden Grenadier-Compagnien verblieben unter den Befehlen des Fürsten Lobkowitz in Böhmen. Seit diesem Jahre datiert in Osterreich die Einführung der eisernen statt der bisher üblichen hölzernen Ladstöcke bei der Infanterie. 122 HEINRICH GRAF DAUN. 1743. Das Corps des FM. Fürsten Lobkowitz in Böhmen, bei welchem sich noch vom Vorjahre her die beiden in Feldverwendung^ gestandenen Bataillone unseres Regiments sammt den beiden Grenadier- Compagnien eingetheilt befanden, hatte, nachdem auch Marschall Beilei sie aus der Ober-Pfalz abgezogen war, den Befehl erhalten, den in der Festung Eger und in Amberg zurückgebliebenen französischen Besatzungen den Rückzug abzuschneiden. Auf diesem Zuge nahm Fürst Lobkowitz Tirschenreuth, Fal- kenberg, Pfreimbt, Nabburg und Schwanendorf, wobei unser Regiment bis in die Gegend von Neu bürg vorm Wald — zwischen Fürth und Amberg — gelangte. Zur Belagerung von Eger bestimmt, wurden diese Regiments- Abtheilungen nach Baiern beordert und zur Besetzung des ChurfÜrsten- thums verwendet. Im Sommer erhielt das Regiment Marschbefehl nach Italien, wo- selbst Osterreich, im Bunde mit Sardinien, gegen ein spanisch-neapolita- nisches Heer kämpfte. Mittelst des hofkriegsräthlichen Rescriptes vom 24. August jedoch wurde die Ausführung der Marsch-Ordre auf einige Zeit sistiert. Erst um die Mitte October wurde die Vereinigung der in Baiern gestandenen beiden Bataillone und Grenadier-Compagnien des Regiments mit dem an der Tiroler-Grenze verbliebenen Bataillon bewirkt. Der Marschbefehl nach Italien wurde am 9. November erneuert und der Marsch endlich zu Ende dieses Jahres in 2 Colonnen durch Tirol angetreten. Aus diesem Jahre ist ein „Musterungs-Act" erhalten geblieben, der von ganz eigenartigem Interesse ist. Im Frühling des abgelaufenen Jahres wurden sämmtliche in Baiern und Tirol gestandenen kaiser- lichen Regimenter einer „Standesrevision" unterzogen und in deren Be- dürfnissen „Nachschau" gehalten. Das über diesen Act aufgenommene Schriftstück ist vom 8. April datiert und enthält folgende „Specifi- cation" der „Ober-Prima-Planisten" des Regiments. HEINRICH GRAF DAUN. 123 Reglments-Offlciers-Tabelle, Kegiments-Stab : Obst. Josef Kager v. Stampach . . . ( >bstlt. Kaspar Antoni Baron de ChevreuIIe Obstwchtm. Philipp Felix Graf V. Quicciardi 1. (ifrenadier-Compagiiie : Hptm. Rudolf Baron v. Kügler . . . Oblt. Karl Ertmann v. Zerschwitz . . Utlt. Ernst Friedrich v. Tettenbohm . 2. Grenadier-Compagnie : Ilptm. Johann Romeldus v. Schertz . . Oblt. Josef Johann Baron Rummel V. Waldan Utlt. Johann Görsch Leib-Compagnie : Lt. Mathai I Fähnr. Krazmann Obristens-Compagnie : Lt. Johann Friedrich Possard .... Fähnr. Freyenhauss Obrlstlieatenants-Compagnie : Lt. Friedrich Anton Mathai IL ... Fähnr. Josef Heinrich v. Heinenhofcn . Obristiraclitmeisters-Compagiiie : Lt. Karl Maximilian Schaucnwcrgcr . . Fähnr. Leonhard WolfF Marsinay-Compagiiie : Hptm. Franz Adam v. Marsinay . . . Lt. Georg Nicolini Fähnr. Karl Baron v. Reisinger . . . Inländer von Ausländer von Dorschau in Mahren Wien Reggio Linz Niederösterreicli Iglau Preußen Homstein im Brandenburgischen Klamnitz in Preuß.- Schlesien Frankfurt a/d. Oder Berlin Rudol Stadt Waldshut im Breisgau ' Wien — Wien Mähren Leutschau — Böhmen — 124 HEINRICH GRAF DAUK. ^?t V SS v_ ^^ • Inländer von Ausländer von Schmidgrrabner-Compafniie : Hptm. Franz Josef Schmidgrabner V. Lustenegg Prag ^^^ Lt. Franz Günther Böhmen Fahnr. Kehrer — Kalllnowskj-Compagiile : Hptm. StanislauB Kallinowsk y de Kallnow Preuß.- Schlesien Lt. Karl Marquis de Yillanova .... Wien — Fähnr. Rupert Baron v. Nikdaz . . . aus Brüssel in den Niederlanden Quersoni-Compagnie : Hptm. Johann Quersoni Modena Lt; Andreas Schläpser Pressburg Fähnr. Karl Baron de Langlet .... Wien i de Pacxinskj-Compagiile : Hptm. Samson de Paczinsky ...... Preuß.- Schlesien Lt. Johann Albert Ritter Böhmen Fähnr. Franz de Moncer Nancy in Lothringen Sabotha-Compagnie : Hptm. Franz Anton Sabotha Mähren — Lt. Franz Ignaz Süss Böhmen Fähnr. Klement Majus — Hildesheim Lebwohl-Compagnle : Hptm. Ignaz Heinrich Lebwohl . . . Prag — Lt. Josef Puhl Wien Wien Fähnr. Josef Fessler Changy-Compagnie : Hptm. Gottlieb Ignaz Changy de Valest Esseg Lt. Franz v. Zumpitz — Mastricht bei Aachen Fähnr. Pantarius Graf v. Hörn .... Rokovena Zlmmermann-Compagiiie : Hptm. Johann v. Zimmermann .... Esseg — Lt. Ferdinand Neumann Wien Fähnr. Franz Greissdorf Hildesheim HEIKSICH QUXF DAUX. 125 Inländer von Ausländer von Borckard-Compagnie : Hptm. Josef Borckard Wtirzburg Lt. Philipp Mitschekh Mähren Fähnr. Karl v. Stütz Wien Hchwarts-CompagMie : Hptm. Elias Schwartz v. Schwartzfeulen Ungarn Lt. Josef Weber Wien Fähnr. August Kranss Wien — (32 Inländer, 15 Ausländer und 3 ohnbekannt.) Zusammen 50 Ober-Prima-Flanisten. Kager y. Stampach m. p.^ Obrist. Vidi: 8. April 1743. Schlez m. p.; Feldkriegscommissär. IL ABSCHNITT. Das Regiment während des zweiten österrelchlselien Erbfolge- krieges In Italien 1744 bis 1748. 1744. Der Anbruch dieses Kriegsjahres traf das Graf Heinrich Daun'öche Regiment auf dem Marsche über die Alpen. Es war bestimmt mit dem ßegimente Pallavicini das kaiserliche Truppen-Corps des 6. d. C. Fürsten Lobkowitz zu verstärken, welcher seine Winter- quartiere im Kirchenstaate genommen hatte. In der Mitte Februar traf dasselbe, nachdem es die Lombardei durchzogen, in der Gegend von Rimini am adriatischeu Meere ein. Es erhielt seine Eintheilung in das im Kirchenstaate stehende Truppen-Corps des G. d. C. Fürsten Lobkowitz, welcher die gegen- überstehende spanische Armee anfangs März in das Gebiet des Königs von Neapel zurückdrängte. Bei Pesaro, woselbst sich die Spanier verschanzt hatten, wurden sie am 8. März durch einen vehementen Angriflf der Österreicher geworfen. Leider sind die Daten über die Schicksale unseres Regimentes in dieser Campagne so w^enig sichergestellt, dass dessen Antheilnahme an dem Kampfe nur vermuthet werden kann. G. d. C. Fürst Lobkowitz brach am 4. Mai mit 20.000 Mann Infanterie, 6000 Cavalleristen und 2000 Husaren auf und drang anfangs Mai in das Königreich Neapel ein. Sein Marsch gieng auf der alten Flamennischen Straße über Foligno, Civita Castellana, Monto- rotondo auf Velletri. Unser Regiment befand sich laut der für diese Unternehmung: 'O to erflossenen „Schlachtordnung" im ersten Treffen des Corps de bataillo — Commandant GFW. Browne — in der Brigade des Generals von Pesta- lu zzi eingetheilt. HEINRICH GRAF DAUN. 127 Bei Velletri stießen die Kaiserlichen auf das vereinigte spanisch- neapolitanische Heer unter dem Oberbefehle des Königs beider Sici- lien; doch lagen die Verhältnisse so zu Ungunsten der Ersteren, dass G. d. C. Fürst Lobkowitz keine Schlacht liefern konnte. Er begnügte sich mit der Wegnahme mehrerer Höhenpositionen, die ihm für die ferneren Ereignisse von Vortheil schienen. Der König von Neapel gewann jedoch diese Positionen durch nächtlichen Überfall zurtick, zumal er dieselben mit schwerem Geschütz beschießen ließ. Fürst Lobkowitz beschloss daher, durch einen Handstreich gegen Velletri seine verzweifelte Lage zu verbessern. General Browne sollte in der Nacht vom 10. auf den 11. August mit 6000 Mann das feindliche Lager tiberfallen und in die Stadt ein- dringen. Der Handstreich gelang. Die feindlichen Feldwachen wurden niedergehauen, die Brigaden der Irländer und Wallonen, welche einen Theil des spanischen Heeres ausmachten, vernichtet und die Thore der Stadt aufgesprengt. Alles, was sich den erbitterten kaiserlichen Soldaten in den Weg stellte, wurde niedergestoßen, und die Stadt der Plünderung anheim- gegeben. Aber in der Verwirrung des entbrannten Straßenkampfes ver- säumten die Österreicher, sich auch des gegen das feindliche Lager gelegenen Stadtthores zu bemächtigen; so war es den Spaniern möglich, aus ihren Lagern vor der Stadt mit doppelter Übermacht in Velletri einzudringen. Die Kaiserlichen wurden mit großen Verlusten aus der Stadt geworfen. Infolge der Dunkelheit erreichten die kaiserlichen Truppen un- befestigtes Lager nur mit der größten Mühe, obwohl unbelästigt vom Gegner, der in Velletri stehen blieb. Fürst Lobkowitz, welcher den Befehl erhalten hatte, dem ver- bündeten, in Ober-Italien gleichfalls einer spanischen Armee gegenüber- stehenden König von Sardinien Hilfstruppen zuzuftihren, brach aus dem Lager von Velletri auf und zog sich, von den vereinigten Neapo- litanern und Spaniern verfolgt, nach Ober-Italien zurück. Die Schwache 128 HEINRICH GRAF DAUX. des Corps Lobkowitz, welches, hauptsächlich durch Kranke decimiert, nur noch 13.000 Manu zählte, erlaubte es dem Fürsten nicht, dem über- mächtigen Verfolger die Schlacht anzubieten. In den Gegenden von Bologna, Ferrara, Romagna und Urbino bezog das schwache kaiserliche Corps die Winterquartiere. 1745. Um den Krieg auf den nördlichen Hauptkriegsschauplätzen mit desto größerem Nachdrucke führen zu können, wurde Fürst Lob- kowitz angewiesen, sich im laufenden Jahre in Italien nur auf die Behauptung der eroberten Landstriche zu beschränken. Infolge dessen gelangte das schwache kaiserliche Corps zu Anfang des Jahres in die Legationen, wobei unser Regiment in verschiedene Städte als Besatzung gelegt wurde. Mittelst des Patentes vom 9. October wurde der bisherige Obst, und Commandant des Daun'scheu Regimentes Kager von Stampach zum GFW. befördert. An seiner statt trat der am 17. October zum Tit-Obst., am 31. Dccember zum „wirklichen" Obst, ernannte Kaspar Antoni Baron de Chevreulle an die Spitze unseres Regimentes. Kaspar Antoni Baron de Chevreulle wurde in Wien im Jahre 1682 geboren, trat im Jahre 1710 ins Regiment, wurde unter stufenweiser Vorrückung im Jahre 1734 Obstweht., am 20. November 1740 Obstlt., am 17. October 1745 Tlt.-Obst. und Commandant des Regimentes. Am 31. December 1745 erfolgte seine Vorrückung zum wirklichen Obst. Mit Patent vom 2. Februar 1750 zum GFW. befördert, starb Chevreulle im Jahre 1754. Am 13. September wurde der Großherzog Franz Stephan von Lothringen-Toscana als Franz I. zum deutschen Kaiser gewählt. Von diesem Tage nahmen alle Behörden und Truppen die Benennung „kaiserlich-königlich" an. Hptm. Johann von Zimmermann rückte im Regimente zum Obstweht. vor. Der Rest dieses Feldzugsjahres in Italien verstrich unter auf- reibenden Märschen und entscheidungslosen Manövern. 1746. Dem schwachen österreichischen Corps, dessen Comraando FM. Fürst Bechtenstein übernommen hatte, w^urden 18 Regimenter HEINRICH GRAF DAUN. 129 als Verstärkung zugewiesen, welche unter FZM. Browne am 10. April ihre Verbindung mit ersterem bei Parma bewirkten. Die erste große Operation des Fürsten Liechtenstein, welcher nun den Oberbefehl über sämmtliche kaiserliche Streitkräfte auf Italiens Boden übernommen hatte, war gegen Piacenza gerichtet, woselbst der spanische Gl. Graf Gages mit einem namhaften Theile der alliierten franzJ)sisch - spanisch - neapolitanischen Armeen ein verschanztes Lager bezogen hatte. Nach einer Keihe glücklicher Cernierungsgefechte war dessen Ein- schließung so vollständig gelungen, dass sich der rechte österreichische Flügel, bei welchem sich unser Regiment eingetheilt befand, an den Po morto und der linke an den Tanaro anlehnen konnte. In dieser Verfassung verblieb FM. Fürst Liechtenstein bis zum 16. Juli. Täglich lieferte er den eingeschlossenen Spaniern blutige Schar- mützeln; zu einem entscheidenden Schlage sollte es indessen noch nicht kommen, denn der durch Krankheiten hervorgerufene üble Zustand der österreichischen Truppen verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Während Gl. Gages sein Corps unter Dach und Fach in und um Piacenza gruppiert hatte und mit Lebensmitteln und Fourage reichlich versehen war, litten die kaiserlichen Regimenter bittere Noth in ihren Freilagern, welche der Hitze, ungesunden Fieberluft und den Über- schwemmungen der zahlreichen Flüsse, schutzlos preisgegeben waren. Endlich beschlossen die vereinigten Armeen des Gegners zur Rettung des Grafen Gages einen Hauptschlag gegen den Fürsten Liechtenstein zu unternehmen. Für den 16. Juli wurde ein concentrischer Angriff in 7 Colonnen gegen die kaiserliche Armee geplant. Die Lage des Fürsten Liechtenstein vor Piacenza hatte mit derjenigen des Prinzen Eugen vor Belgrad 1717 eine verzweiflungs- volle Ähnlichkeit. Hier wie dort eine wohlarmierte, unbezwungene Festung vor der Front; hier wie dort im Rücken durch eine über- mächtige Entsatzarmee bedroht. Aber auch bei Piacenza schlug die befürchtete Katastrophe in einen glänzenden Erfolg für die kaiserlichen Waffen um. Roj?inirnti«gr«8chicht«'. 9 130 HEINRICH GHAF DAUN. Die spanischen Truppen des linken feindlichen Flügels begannen den Angriff, indem sie die Retranchements des Fürsten Liechten- stein stürmten. Doch ihre heldenmtithige Bravour zerschellte an der felsenfesten Haltung, mit welcher die kaiserlichen Truppen die zahl- reichen festen Objecte der Cernierungsfront vertheidigten. Sie wichen zurück. Das Abirren einiger Colonnen des rechten gegnerischen Flügels verschuldete, dass die erste und zweite Colonne der Franzosen erst dann zum Angriffe vorgehen konnten, als die Spanier bereits im vollen Rückzuge sich befanden. Das Angriffsobject der französischen Colonnen war der Po morto, an welchem unser Regiment stand. Aber auch hier scheiterten fruchtlos die zahlreichen Sturmangriffe an der heldenmüthigen Ausdauer, mit welcher das Graf Heinrich Daun'sche Regiment im Vereine mit anderen Truppen jede Fußbreite Bodens vertheidigte. Als schließlich das altberühmte Dragoner -Regiment des Prinzen Eugen von Savoyen, mit welchem unser Regiment in so mancher Action Schulter an Schulter in der Schlachtordnung gestanden, den Franzosen in die Flanke fiel, da war auch die Niederlage dieses rechten feindlichen Flügels entschieden. Das Graf Heinrich Daun'sche Regiment erstritt sich in der Schlacht bei Piacenza eines der herrlichsten Ruhmesblätter seiner Geschichte. FM. Fürst Liechtenstein gedachte seiner in der Schlachtenrelation mit nachstehenden Worten: „ dass ein Heinrich Daun'sches Bataillon sich unter seinem Obstlt. Baron Janus von Eberstädt^ in eine Cäsine geworfen und diese mit einem unaussprechlichen Muthe defcndiert, vorhin aber das genannte ganze Regiment den feindlichen Angriff auf den sogenannten Po morto auf- zuhalten, mit noch anderen Truppen und mit ruhmwürdiger Tapferkeit verwendet worden war." Die Verluste der Regimenter waren bedeutend; ein Beweis von der Heftigkeit des Kampfes am Po morto. * War erst im Mai 1746 ins Regiment versetzt worden. HEIKRICU GRAF DAUN. 131 Von unserem Regimente waren im ganzen todt: Hptm. Johann Quersoni, Lt. Andreas Schläpser und 27 Mann; verwundet: Obst, und Rgmts.-Commandant Kaspar Antoni Baron de Cbevreulle, Obstlt. Baron Janus von Eberstädt, Hptm. Ignaz Lebwohl, Josef Burckard und Philipp Mitschekh, Lt. Ernst von Tettenbohrn und Franz de Moneer, Fähnr. Methofer, Kofos und Winkhler, endlich 172 Mann. Die alliierten gegnerischen Heere zogen sich nach Fiemont zurück. Die Kaiserlichen folgten und vereinigten sich mit der sardinischen Armee an der Trebbia. Der König von Sardinien tibernahm den Ober- befehl über die vereinigten Heere. Seine nächste Absicht w^ar auf die weitere Ausnützung des glücklichen Tages von Piacenza gerichtet, und er beschloss, die gegnerischen Armeen auf italienischem Boden vollends einzuschließen. In Ausführung dieses Planes kam es zu verschiedenen Gefechten, an deren einem es unserem Regimente beschieden war, mit Aus- zeichnung theilzunehmen. FML. Serbelloni wurde vom FZM. Marquis Botta — Comman- dant der kaiserlichen Truppen an Stelle des erkrankten FM. Fürsten Liechtenstein — mit 6 Grenadier-Compagnien, 6 Bataillonen Infanterie, darunter unser Regiment, und 1000 Pferden am 9. August abends gegen Rottofreddo vorgeschoben; um daselbst die Brücke über die Nurreta zu besetzen und zu sichern. Am 10. August stieß dieses Detachement auf eine feindliche Heeresabtheilung unter dem Gl. Pigna- telli in der Stärke von 4000 Mann, welche den gleichen Zweck verfolgte. Letztere wurde im ersten Anstürme zurückgeworfen. Da sowohl der Gegner Verstärkungen erhielt, als auch das Gros der kaiserlichen Armee unter FZM. Botta nachgerückt kam, so entwickelte sich am Tidone eine Schlacht, welche mit einem abermaligen Erfolge der kaiserlichen WaiFen endete. 19 Kanonen, 20 Fahnen und Standarten, sowie 1300 Gefangene bildeten die Siegestrophäen dieses Tages. Unser Regiment verlor an Todten: 18 Mann; an Blessierten: Hptm. Franz von Zumpitz, Lt. G'eorg Nicolini und 91 Mann; an Vcrmissten: 10 Mann. 9» 132 HEIXRICH GRAF DAUX. Von den K»igcrlicheD beständig; umrnngeti und gedrängt, zogen sich die Franco - Spanier über Voghera zDrliek; ihre nrsprUngliche Absicht, bei Tortonn eine feste Stellung zn beziehen, gaben sie bald auf nnd traten, nach sechs Jahren fruchtlosen Krieges znr Eroberung der Lombardei, den Rückmarsch nach Frankreich zurUck. Nun oblag es dem österreichischen FeMherrn, die mit den Feinden der Kaiserin verbündet© Republik Genua zu ztlchtigen. FZM. Botta richtete daher seinen Marsch in das Gebiet dieses Freistaates uud detachierte den FZM. Browne mit 35 Bataillonen ober La Boccbetta, der wichtigen Einfallspforte in die genuesische Republik. 50 genuesische Grenadier-Compagnien und 5000 Bauern hatten diesen Pass besetzt. Nach einer ungeahnt heftigen Gegenwehr dieser Streitkräfte wurde La Bocchctta von dem kaiserlichen Corps, in welchem sich unser liegiment eingetheilt befand, genommen; FZM. Graf Browne setzte seinen Siegesmarsch bis Genua fort, welches durch Abgesandte in Brownes Lager seine Unterwerfnug anbot. Nachdem die spanische Armee auf dem Rückmärsche in die Heimat begriffen war, die Franzosen den italieuischeu Boden veriassen hatten, und Genua gedemUthigt worden war, plante die kaiserliche Heeresleitung als nächstes Ziel einen Einfall in das südliehe Frank- reich, während aucli in den Niederlanden gegen die französischen Heere ein Angriff erfolgen ßollto. Zum Befehlshaber der Expedition in das südliche Frankreich wurde FZM. Graf Browne bestimmt. In seinem Corps erhielt unser ganzes Regiment seine Eintbeilung. Zum erstenmale seit seinem mehr als sechzigjährigen Bestände sollte das Graf Heinrich Dauu'scbe Regiment Frankreichs Boden betreten; zum erstenmale sollte ihm das Glück bcscbieden sein, dem '^'•'feinde Deutschlands und seines kaiserliehen Kriegsherrn im eigenen de mit den Waffen entgegentreten zu dürfen. FZM. Browne erreichte am 30, November die befestigte, die izBsische Grenze bildende Var-Linie nnd überschritt selbe in 5 junen. HEINRICH GRAF DAUX. 133 In der ersten Colonne, welche als Avantgarde galt, war das Graf Heinrich Daun'sche Regiment mit seinen 3 Bataillonen unter Com- mando des 6FW. Novati eingetlieilt. Obstlt. Baron Janns von Eberstädt des Regimentes, welcher von seiner bei Piacenza erhaltenen Blessur wieder genesen war, führte hinter der 5., nur aus Reiterei bestehenden Colonne ein selb- ständiges Detachement von 9 österreichischen und 3 piemontesischen Grenadier-Compagnien nebst einigen Freiwilligen. Als Signal zum gleichzeitigen Übergänge der Colonnen war ein Kanonenschuss vereinbart. Die Colonne, in welcher unser Regiment sich befand, betrat zuerst das feindliche Ufer und warf die zahlreichen Vertheidiger auf Cannes zurttck. In dem Berichte über diese Action wurde Obstlt. von Janus speciell genannt, welcher sich besonders rühmlich beim Sturme auf St. Laurent duYar ausgezeichnet hatte. FZM. Graf Browne bezog hierauf das Lager bei Vence, rückte am 1. December bis an den Fluss Loux, am 3. nach Biot und von dort in 2 Colonnen am 10. nach Cannes, woselbst das Lager auf- geschlagen wurde. Das wichtige Antibes, ohne dessen Bezwingung ein weiteres Eindringen in die Provence unmöglich, wurde durch 2000 Mann ein- geschlossen. Am 27. December wurde die Beschießung dieses Platzes begonnen; im Lager vor demselben befand sich unser Regiment am Jahresschlüsse. 1747. Anfangs des Jahres wurde die Blockade von Antibes wegen des Vorrttckens einer überlegenen französischen Entsatzarmee und wegen empfindlichen Mangels an Lebensmitteln und Fourage auf- gehoben. FZM. Browne führte das Corps am 1. Februar nach Grasse, am 3. über den Var zurück. An dieser Flusslinie verblieb das Regiment bis Ende Februar mit der Eintheilung im ersten TreflFen des rechten Flügels, gemeinsam mit dem Füsilier-Regimente „Mercy" in der Brigade Harsch. 134 HEINRICH GRAF DAUN. Im Laufe des Hochsommers machte das Regiment die Operationen des FZM. Browne bei Savonno zur Deckung der wichtigen Straße aus Genua ins Lombardische mit. Es stand fast die ganze Zeit im Beobachtungs-Corps des FML. Grafen Nadasdy. Nur das 3. Bataillon unter Obstweht. Johann von Zimmermann wurde im Vereine mit anderen kaiserlichen Truppentheilen und in der Brigade des GFW. de Commiana nach Corsica beordert, welche Insel damals noch im genuesischen Besitze war. Mit dem Beginne des November erreichten die Feindseligkeiten ihr Ende, nachdem nur Manöver und kleinere Scharmtltzel die einzigen kriegerischen Ereignisse dieses entscheidungslosen Feldzuges gewesen waren. Das Graf Heinrich Daun'sche Regiment kam auf genuesischem Boden in Winterquartiere; das 3. Bataillon verblieb auf Corsica. Der Zustand unseres Regiments nach der Campagne war sehr ungünstig. Die Mannschaftsverluste, welche es durch den vorjährigen mehr- monatlichen Aufenthalt in der fiebergeschwängerten Umgebung Pia- cenzas erlitten, die zahlreichen Opfer verheerender Krankheiten, welche der entbehrungsreiche Kriegszug in die Provence erheischte, konnte nicht so rasch ersetzt werden. Einer „Stand- und Diensttabelle" pro December zufolge bestand der Effect! vstand der 3 Bataillone des Graf Heinrich Daun'schen Regiments aus bloß 987 Mann, wonach sich gegenüber der vorgeschriebenen Stärke von 2100 Köpfen ein Abgang von 1113 Mann ergab. Die beiden Grenadier-Compagnien hatten zusammen nur 122 Köpfe statt der vorgeschriebenen 200. Der weiße Waffenrock wurde bei der Infanterie allgemein ein- geführt; er war das historische Kleidungsstück des österreichischen Soldaten, doch blieb die Farbe des Aufschlages noch immer dem Belieben der Regiments-Inhaber überlassen. 1748, Im Laufe des Winters und des folgenden Frühjahres com- pletierte sich unser Regiment durch 1400 Recruten aus Kärnten, haupt- sächlich aus Klagenfurt. HEINRICH GRAF DAUN. 135 In diesem Kriegsjahre fochten 2 Bataillone des Regiments gegen Ende März in der Riviera: bei Savonna und Varraggio im Corps des FZM. Grafen Browne. Das 3. Bataillon kämpfte auf der Insel Corsica bei Nonza und wirkte bei der Belagerung Bastias mit. Diese Belagerung musste aufgegeben werden, als französische Verstärkungen eintrafen. Die kaiserlichen Truppen, darunter unser Bataillon, wurden bis St. Fiorenzo zurückgezogen und verblieben daselbst bis zum September. Die eingeleiteten Verhandlungen, welche vorerst eine Waffenruhe und im October den Friedensvertrag zu Aachen herbeiführten, bewirkten die Einstellung der Feindseligkeiten. Nach eingetretener Waffenruhe gelangten die beiden auf dem Festlande Italiens in Verwendung gestandenen Bataillone nach Novi, das 3. Bataillon auf Corsica nach San Fiorenzo in Cantonnements. Anfangs November vereinigte sich das ganze Regiment in Pavia und blieb auch hierselbst nach der erfolgten Verlegung der Armee in die Friedensquartiere, da dasselbe mit einem nun wiedererreichten Stande von 2440 Mann in das Besatzungs-Corps für die Lombardei unter dem Commando des FZM. Pallavicini eingetheilt wurde. IIL ABSCHNITT. Die Friedeiisperiode 1749 bis 1755; das Regiment während der Kriegsjahre 1756 und 1757 in Siebenbürgen. 1749. Die eingetretene Friedensperiode brachte durchgreifende Reformen in Bezug auf Ergänzung, Organisation, Verpflegung und Ad- justierung nach einheitlichen Normen. Zufolge der verordneten neuen Formation ( Rescript des Hofkriegs- rathes vom 18. December 1749) bestand ein Infanterie-Regiment aus 4 Bataillonen; jedes dieser aus einer „Stabs-" und drei Hauptmanns- „ordinären" oder Ftisilier-Compagnien. Von den Stabs-Compagnien gehörte eine dem Oberst-Inhaber, die 2. dem Oberst-Regiments-Commandanten, die 3. dem Oberstlieutenant, die 4. dem Obristwachtmeister. Die Stabs- und Hauptmanns-Compagnien hatten aus je 136 Manu zu bestehen. Bei jeder Hauptmanns -Compagnie War 1 Hauptmann, 1 Oberlieutenant, 1 Unterlieutenant, bei jeder Stabs-Compagnie 1 Capitän- Lieutenant (mit Hauptmannstitel und Rang), dann per Bataillon nur mehr 2 Fähnriche, weil selbe nur 2 Fahnen mehr hatten, anzustellen. Der Stand eines Infanterie-Regimentes betrug sonach inclusive des Stabes (32 Mann) 2408 Mann. « Die Musikbanden erscheinen das erstemal vorgeschrieben, obgleich früher schon Hautboisten als Privateinrichtung bei den Regimentern bestanden. Das Graf Heinrich Daun'sche Infanterie-Regiment erhielt die hiezu fehlende 16. Compagnie von dem eben reducierten Traun'schen Regimente zugewiesen. Weiterhin wurden per Regiment 2 Grenadier - Compagnien bei- behalten. HEINRICH GRAF DA UN. 137 Das Regiment verblieb zu Pavia in Garnison und übte mit Eifer und Nachdruck die neueingefUhrten Exerciervorschriften. Diese Vor- schriften, vom FZM. Leopold Grafen Daun verfasst, waren bereits im Monate Jänner erschienen; sie verlangten größere Beweglichkeit in den Abtheilungen, behielten jedoch noch die frühere Steifheit und die takt- mäßigen Griffe bei. 17&Ü. Der Regiments-Commandant : Obst. Kaspar Antoni Baron de Chevreulle, welcher in der verflossenen glänz- und thaten vollen Kriegsperiode an der Spitze des Regiments gestanden, wurde mit Patent vom 2. Februar zum General-Feld- Wachtmeister befördert. An seine Stelle trat Obstlt. Rudolf Karl Graf Gaisruck des Sigmund Friedrich Gaisruck'schen Regiments bei gleichzeitiger Ernennung zum Obristen. Rudolf Karl Graf Gaisruck, einer altadeligen Familie ent- stammend, war der Sohn des FM. Franz Andreas Grafen Gaisruck. Er wurde 1700 in Graz geboren und scheint im Regimente seines Onkels Sigmund Friedrich Grafen Gaisruck — das heutige 42. Infanterie- Regiment — seine militärische Laufbahn frühzeitig begonnen zu haben. Als Major betheiligte er sich an den Schlachten bei Dettingen, Rocoux und Laffeld 1747. Am 2. Februar 1750 erfolgte seine Beförderung zum Obristen und gleichzeitige Ernennung zum Commandanten des Regiments. Mit Patent vom 18. Jänner 1758 zum General-Feld- Wachtmeister befördert, wurde 9 er im März 1760 Feldmarschall -Lieutenant. Am 8. Juli 1769 erfolgte seine Ernennung zum Inhaber des Linien-Infanterie-Regiments Nr. 44, am 1. Jänner 1771 endlich zum Feld-Zeugmeister. Gaisruck zeichnete sich im siebenjährigen Kriege mehrfach aus und hatte bei der Einnahme der Festung Sonnenstein im Jahre 1758 ganz besondere Proben von Tapferkeit und ausnehmender Kriegserfahrung abgelegt Gaisruck fungierte schließlich als Inspector in Italien und starb als solcher am 17 März 1778. Obstlt. Franz Maximilian Baron Janus von Eberstädt, der bei Piacenza und am Var-Flusse in hervorragender Weise den Waffen- ruhm des Regiments erhöhte, empfieng zu Beginn dieses Jahres die 138 HEINRICH GRAF DAUX. wohlverdiente Belohnang für seine wackern Thaten. Mit dem Patente vom 5. Februar zum Obristen befördert, wurde er zum Commandanten de» Brooder Grenz-Regiments ernannt. FZM. Leopold Graf Daun beendete im März d. J. den zweiten Theil des neuen Exercier- Reglements, welcher anfangs Juni an die Truppen hinausgegeben wurde. Desgleichen erschien ein neues Dienst- Reglement, das die verschiedenen Dientes-Obliegenheiten mit mehr Aus- ftihrlichkeit behandelte. Um die Adjustierung gleichförmig zu gestalten, wurden ärarische Magazine zu Wien, Prag und Iglau etabliert und so der Grund zu den Monturs-Commissionen gelegt. Im December erschien eine die Kleidung der Truppen feststellende Norm. Bei der Infanterie wurde bestimmt: Die bis an die Waden reichenden Röcke der Mannschaft wurden bis an die Knie verkürzt, die Hosen blieben weiß, die Gamaschen schwarz; die Hüte dreispitzig (Grenadiere: Bärenmützen). Die Officiere trugen das Kamisol weiß mit zwei Reihen Mantel- knöpfen, im übrigen mussten sie sich im Dienste analog der Mannschaft kleiden. In diesem Jahre dürfte auch das goldene Porteepee als Ofßciers- Abzeichen vorgeschrieben worden sein und waren die Ofdciers-Chargen durch goldene Echarpen, welche als Dienstesabzeichen galten, unter- schieden. Das Haar wurde in einen Zopf rückwärts gebunden, die Haare überhaupt weiß gepudert; der Schnurrbart scheint sich eingebürgert * zu haben. Die Bewaffnung bestand für Officiere in Degen und Partisane; für Mannschaft in Flinten; für Unterofficiere in „Kurzgewähren" (7 Schuh 6 Zoll lange Piken). Die Gebüren wurden geregelt; das Pensions-Normale in ein festes System gebracht. Die in diesem Jahre errichtete Stiftung der Kaiserin Elisabeth für Generale und Oberste, welche 30 Jahre dem Erzhause sehr gut gedient haben, kann gleichfalls dem Versorgungswesen zu- gerechnet werden. Eine kaiserliche Entschließung regelte die Heiraten der Oberoflficiere gegen Erlag von Pragmatial-Capitalien (Cautionen\ und zwar für Haupt- leute mit 2000 fl., für Subaltern-Officiere mit 1500 fl. HEINRICH GRAF DaUN. 139 Das Friedensjahr sollte nicht zu Ende gehen, ohne dass dem Regimento als schönster Lohn seiner braven Haltung in den letzten blutigen Gampagnen eine Auszeichnung boschieden wurde, welche damals einer besonderen Wertschätzung unter den kaiserlichen Truppen genoss. Das Daun'sche Infanterie-Regiment sollte die Garnison in der Residenz seiner Kaiserin, in der Reichshauptstadt Wien, beziehen. Das Regiment verdankte diese Verlegung nach Wien zuvörderst der wohlwollenden und ehrenvollen Relation des commandierenden Generals in der Lombardei, FZM. Grafen Pallavicini. Sein an den Hofkriegsrath erstatteter Bericht hob hervor, dass das Regiment um diese Zeit bereits in dem neuen, aus den Erfahrungen der letzten Kriege resultierenden ^Exercitium vollends geübt" war. 1751. Bei Laibach wurde ein großes Übungslager errichtet, in welches auch unser Regiment zufolge Ordre vom 24. März abgehen sollte. Am 21. April wurde jedoch dieser Befehl widerrufen und das Regiment zu weiterem Verbleiben in Wien, jedoch unter „fleißiger Übung", angewiesen. Zu Beginn des Jahres erfolgte die Aufhebung der Werbung im Reiche, und wurden die Regimenter beauftragt, den Standes-Abgang durch Werbung im Regiments-Numero zu ersetzen. 1753. Am 26. Februar erhielt das Daun'sche Infimterie-Regiment den Befehl, am 1. Juli in das bei Wiener-Neustadt errichtete Übungs- lager abzugehen, und später die Weisung, nach der es am letzten Juli nach beendeter Lagerttbung in Böhmen neue Quartiere zu beziehen habe. Infolge dessen erhielt es die Garnison Saaz in Böhmen. Am 1. Jänner wurde für den Officiers-Nachwuchs eine Militär- Pflanzschule und Cadetten-Akademie zu Wiener-Neustadt — die gegen- wärtige Theresianische Militär -Akademie — gegrtlndet, zu deren erstem Director der FZM. Graf Dann ernannt wurde. Am 30. Juni ergieng der Befehl, dass der Wachtmeister-Lieutenant (Regiments- Adjutant) nicht mehr unter dem Stocke des Obristen stehen sollte und der Regiments-Feldscheerer nunmehr Chirurgus zu nennen sei. * * Erhielten 1755 ppoldenos Porteopee und FUhnrich8ranj>:. 140 HEINRICH GRAF DAUK. Ein Duellgesetz bestimmte den Tod durch das Schwert fllr die Duellanten sowohl als für Secundanten, Hilfs- oder Rathgeber, Hetzer etc. 1753. Das Regiment verblieb in seiner Garnison Saaz in Böhmen. Das mütterliche Herz der großen Kaiserin, auch fttr die Familien der Officiere sorgend, zeigte sich im schönsten Lichte bei der in diesem Jahre erfolgten Gründung des Officierstöchter-Institutes zu Ebersdorf (jetzt zu Hernais) bei Wien. 1754. Im Frühjahre wurde das Regiment einer Musterung unter- zogen und mittelst Ordre vom 29. August fttr das künftige Frühjahr zur Ablösung des Waldegg'schen Regiments nach Siebenbürgen bestimmt. 1755. Hiezu verließ das Regiment im März Böhmen und wurde vorerst in die Gegend von Veröcze in Slavonien dirigiert. Dort blieb es den Sommer über im Quartier. Am 2. September wurde der seit Monaten durch „ Anhalf ung" in Slavonien unterbrochene Marsch nach Siebenbürgen fortgesetzt. Während des Marsches wurde ein Bataillon als Ehrenwache für eine ottomanische Gesandtschaft bestimmt, die eben durch Peter- wardein reiste. Ende October folgte dieses Bataillon dem Regimente nach, und am 22. d. Mts. stand das ganze Regiment in seinen Quartieren in und um Schäßburg und Kronstadt. 1756. Im Frühjahre wurde das Regiment einer Musterung unter- zogen. Oblt. Camisani brachte am 17. März aus dem deutschen Reiche 100 ueuangeworbene Recruten. Im Juni wurde die Pest aus der Walachei nach Siebenbürgen verschleppt, weshalb mehrere Abtheilungen um Schäßburg auf Pest- Cordon bestimmt wurden. Da die Seuche heftiger auftrat, wurden zufolge Ordre vom 18. August der Regimentsstab und 6 Compagnien in ein Lager bei Kronstadt ver- verwiesen. Das 4. Bataillon wurde — infolge einer angeordneten Änderung in der Organisation — reduciert; dafür wurden zwei Bataillone zu je HEIXRICH GRAF DAÜN. 141 6 Compagnien formiert, während die verbliebeneu 4 Compagnien ein 3. sogenanntes „Garnisons-Bataillon^, welches die Abrichtnng und den Nachschub der Reciniten zu besorgen und die Landesbesetzung zu geben hatte, gebildet. Die Compagnien wurden in 4 Züge getheilt und erhielt jedes Bataillon zur Eriegsausrüstung 2 Dreipfundgeschütze sammt Karren. Zwei Regimenter — 4 bis 7 Bataillone — bildeten eine Brigade, 2 Brigaden eine Division. Der Stand eines Infanterie-Regimentes betrug daher: Stab 38 Mann 2 Grenadier-Compagnien ä 100 Mann 200 „ 2 Feld- Bataillone zu je 6 Compagnien mit je 136 Mann . 1632 „ 1 Garnisons- (Oberstlieutenants) Bataillon zu 4 Compagnien ä 135 Mann 540 „ Summa . . 2410 Mann 1757. Dieses Jahr sowie fast die Hälfte des folgenden verbrachte das Regiment in voller WaflFenruhe in Siebenbürgen, während inzwischen in Sachsen und Böhmen wieder der Krieg zwischen Preußen und dem Kaiserstaate entbrannt war. Mit Allerhöchster Resolution vom 15. Mai erhielt das Daun'sche Regiment die Ordre, mit 2 Bataillonen, jedes zu 6 Compagnien, und mit den beiden Grenadier-Compagnien auf den Kriegsschauplatz nach Böhmen abzurücken, mit der Eintheilung in die unter dem Befehle des Grafen Leopold Dann neuzubildende kaiserliche Armee. Das Garnisons-Bätaillon verblieb in Kronstadt als Besatzung. Zur Completierung zog das Regiment 194 Landrecruten aus Krain an sich. Der ersehnte Marsch ins Feld konnte jedoch nicht sofort angetreten werden, da, wie aus einer bezüglichen Relation des damaligen Regiments- Commandanten : Obst. Rudolf Karl Grafen Gaisruck hervorgeht, es dem Regimente sowohl an „Gewehren", als auch an „Zelter, Munitions- und Proviantwagen, sowie anderen Feldrequisiten" gebrach. Dieses Schriftstück enthielt auch die Bemerkung: „den angeordneten Marsch unter keinem Fall vor den 15. Juli antreten zu können". Mitte Juli endlich verließen die beiden ins Feld bestimmten Ba- taillone sammt den Grenadier-Compagnien Siebenbürgen, um auf den 142 HEINRICH GRAF DAÜK. vielamstrittenen Kriegsschauplätzen des Nordens, in Böhmen und Schlesien, ruhmreicher kriegerischer Verwendung entgegenzugehen. Hier war mittlerweile vom FM. Leopold Grafen Dann der glor- reiche Sieg von Kolin (18. Juni) erkämpft worden, zu dessen Andenken und um der Armee einen denkwürdigen Beweis ihrer Erkenntlichkeit zu geben, Ihre Majestät die Kaiserin Maria Theresia den nach ihr benannten höchsten militärischen Orden stiftete. IV. ABSCHNITT. Das Regiment während des siebenjährigen Krieges 1757 bis 1763. Die ins Feld bestimmten Theile des Regiments trafen am 20. August zu Freistadtl an der Waag ein. Am 10. August wurde das Regiment vom Herzog Karl von Lothringen zum schlesiscben Corps beordert, am 18. August erfuhr jedoch diese Bestimmung dahin eine Änderung^ dass das Regiment nach Königgrätz „destiniert" wurde. Statt über Dürnkrut, wie ursprünglich angeordnet, wurde der Marsch dahin über Skalitz bei Göding fortgesetzt. Karl von Lothringen entschied sich, das feste Schweidnitz zu erobern. Zu dieser Unternehmung wurde 6. d. C. Graf Nädäsdy mit einem starken Corps, zu welchem auch Mitte September das Graf Heinrich Daun'sche Regiment aus Königgrätz herangezogen wurde, bestimmt. Der Herzog selbst mit dem Gros der kaiserlichen Armee beabsichtigte, diese Belagerung gegen den Herzog von Bevern, welcher bei Breslau stand, zu decken. G. d. C. Graf Nädäsdy ließ die Laufgräben gegen die Festung Schweidnitz am 27. October eröffnen. Nachdem in drei der Redouten, welche die Festung in großer Zahl umgaben, Bresche gelegt worden, unternahm das Belagerungs-Corps in der Nacht vom 11. auf den 12. November einen Hauptsturm, an welchem das Regiment in hervor- ragender Weise betheiligt war. Am nächsten Morgen bereits capitulierte der preußische Gouverneur von Schweidnitz und ergab sich mit drei Generalen und 6000 Mann als kriegsgefangen. 144 HEINRICH GRAF DAUN. Das Daun*8che Regiment erlitt unter den Mauern von Schweidnitz nur geringe Verluste; 1 Mann todt, 4 Mann verwundet, 2 Mann vermiest. Diese geringen Opfer sind umso staunenswerter, als unsere beiden Grenadier-Compagnien hiebei so glücklich waren, eine brave Waffenthat zu vollführen. Grenadier-Hptm. Josef Johann Baron Rummel von Waldau erhielt vom G. d. C. Grafen NAdäsdy beim Hauptsturme am 11. No- vember den ehrenvollen Auftrag, mit den beiden Daun'schen Grenadier- Compagnien und einer solchen des Leopold Pdlffy'schen Regiments die „Schweidnitzer** Lünette zu erobern. Hptm. Rummel erstürmte mit dem Bajonnette nicht allein das verpallissadierte Ravolin, sondern eroberte auch acht Geschütze, welche sofort gegen die innere Festung ins Feuer gesetzt wurden. Die ganze Besatzung dieses Objectes wurde zu Kriegsgefangenen gemacht. Das glänzende Gelingen dieser „außer seiner Tour** commandierten Unternehmung erfuhr eine wahrhaft erhabene Belohnung: Hptm. Rummel wurde am 24. November desselben Jahres außertourlich zum zweiten Obristwachtmeister im Regimente ernannt und in der dritten Promotion des Maria-Theresien-Ordens-Capitels am 4. Deccmber 1758 durch die Verleihung des Ritterkreuzes dieses höchsten öster- reichischen Kriegsordens ausgezeichnet.* In der Relation über die Erstürmung von Schweidnitz wurde auch des Oblts. Karl Baron von Reisinger des Regiments ehrenvolle Erwähnung gethan. Nach der Einnahme von Schweidnitz fasste Prinz Karl von Lothringen den Entschluss, die Preußen in ihrer verschanzten Stellung bei Breslau anzugreifen. Zu dieser Unternehmung wurde auch G. d. C. Graf NädÄsdy zur Hauptarmee heranbeordert, traf am 19. November vor Breslau ein und bezog sein Lager am rechten Flügel der Armee des Herzogs. * Josef Johann Baron Rummel von Waldau entstammt einem alten churbaierischen Geschleclite, wurde 1714 zu Krems an der Donau geboren, war, 1786 Lt., 1743 Üblt., 1753 Hptm., 1757 Obstweht, und 1761 Obstlt. im Graf Heinrich Daun'schen Regimente. Nach 34jähriger Activität trat er im August 1767 als Obst, in den Ruhestand und starb am 14. Juni 1789 zu Wien. HEmRICH GRAF DAUN. 145 Am 22. November erfolgte der AngriflF. Graf NddÄsdy, unter welchem auch diesmal die Abtheilungen des Regimentes ihre Eintheilung fanden, hatte den Befehl, mit seinen Trupi)en die Lohe zu überschreiten und den gegenllberstehenden linken preußi- schen Fitigel anzugreifen. Am 22. November mit Tagesanbruch passierte dieses Corps die Lohe und stellte sich in Schlachtordnung in der Weise, dass der rechte Fltlgel an Oltaschin, der linke an Kreitern sich lehnte. Ein Versuch der preußischen Reiterei, Nädäsdys Aufmarsch durch einen AngriflF auf dessen rechte Flanke zu stören, wurde glänzend zurückgewiesen. In weiterer Vorrückung wurden hierauf die Orte Kleinberg und Woi schwitz mit stürmender Hand genommen; doch da indes die Dunkelheit eingefallen war, und überdies die preußische Reiterei die rechte Flanke des Corps bedrohte, beschloss 6. d. C. Graf Näd{\sdy an diesem Tage nichts mehr zu unternehmen. Mittlerweile hatte die kaiserliche Hauptarmee bereits die siegreiche Entscheidung herbeigeführt. Das Regiment büßte in dieser Schlacht nur einen Todten ein. Die nächste Folge dieses Sieges war die Belagerung des wohl- befestigten Breslau, welches sich schon am 24. November ergab. Ein Bataillon des Daun'schen Regimentes wurde hierauf zur Besetzung der Thor- und Oder-Brücken bestimmt. Der kaiserliche Oberbefehlshaber glaubte mit dieser glücklichen Unternehmung die Operationen dieses Feldzugsjahres endigen zu können, plante bereits die Verlegung der Truppen in die Wintercjuartiere, als plötzlich König Friedrich mit seiner siegreichen Hauptarmee auf dem schlesischen Kriegsschauplatze erschien. Am 5. December kam es zu der für die kaiserlichen Waffen unglücklichen Schlacht bei Louthen. G. d. C. Graf NadAsdy bildete in dieser Action mit seinem Corps, in welchem unser Regiment einge- theilt war, eine 3. Linie mit der besonderen Aufgabe, die linke Flanke des kaiserlichen Heeres zu decken, während eine eigene Reserve dieselbe Bestimmung hinMchtlich der rechten Flanke hatte. Re^imentigecchichte. 10 146 HEINRICH GRAF DAUN. Am 5. December morgens rückte Graf Nddäsdy mit ßeinem Corps an den linken österreichischen Flügel heran und entwickelte sich zum Gefechte. König Friedrich zwang unterdessen den kaiserlichen Befehls- habern den Glauben auf, sein Hauptangriflf gelte dem rechten öster- reichischen Flügel und als alle verfügbaren Kräfte zur Verstärkung dieses Theiles der kaiserlichen Schlachtordnung abbeordert waren, fiel er mit Heftigkeit und Übermacht das Corps NÄddsdy an. Ein verzweifelter Kampf entspann sich; dreimal scheiterten die wuchtigen Sturmangriffe der Preußen an der heldenmüthigen Stand- hafkigkeit des linken österreichischen Flügels. Aber die Überraschung hatte auf die ersten Linien derart lähmend eingewirkt, dass sie sich zur Flucht wandten, und die rückwärtigen in Unordnung brachten. Ein letzter entscheidender Angriff der Preußen auf die lückenreiche Stellung des kaiserlichen linken Flügels zwang schließlich den Herzog von Lothringen das Schlachtfeld zu räumen. Die Armee zog sich kämpfend und in Ordnung gegen den Schweidnitz-Fluss zurück. Das Daun'sche Regiment erlitt in dieser unglücklichen Action sehr starke Verluste. Todt: 133 Mann des Mannschaftsstandes. Verwundet: Hptm. Rocher, Baron Schaller und Reichlin, Oblt. Karl Baron von Rcisinger, Vizthum L, Bomes, Camerany und Milz, Utlt. Potztazky, Fähnr. Graf von Coronini und 40 Mann. Kriegsgefangen: Lt. Graf Colloredo und Vitzthum H. nebst 297 Mann. Das österreichische Heer gieng in das nördliche Böhmen zurück und bezog daselbst die Wintcr-Cantonierung. Im Laufe dieses Jahres wurden die „Kurzgewähre" der Unter- officiere abgeschafft. HECfRICII GBÄF DAUS. Die Armee erhielt ein neues Vcrpflegssyatem, aas dem nachfolgende OebMren angefährt werden:' ' KricfTSarchiv 1757, XI, 103'/,. 148 UEIKRICH GRAF DAUN. A 1 8 ©SJ •'S s Ja B Tägliche LöhnuDg Brotportion | Büchsenscbifter Büchsenmacher Profoß an Tractament Proviantknecht Wagenpferd ^ Hauptmann : Tractament fl. 918 Für Papier und Flickerei . „ 36 Capitän-Lieutenant : Tractament <1. 504 Für Papier und Flickerei . „ 36 Oberlieutenant ünterlieutenant Fähnrich Feldwebel Fourier Führer Corporal Von dem •/« Kreuzer (Grcnadier- muM der Tambour I I Füsilier- Trommelfell, Leine, f. Reifen und 8chlä||:eln I selbst anschaffen i^ Gefreiter Grenadier inclusive Zimmermann Grenadier-Fourierschütz . . . . Füsilier-Fourierschütz Füsilier Tambour 108 108 324 954 540 342 288 252 96 84 fl. fl. kr. 8 3 1 10 10 7V2 6 6 6 3 2V: 2 2 es O © > t^ 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 o ■■£ o p. o .© 3 1 2 2 2 2 Es ergieng die Anordnung, dass statt der bisherigen Vierglieder- stellung auch die Füsilier-Bataillone sich von nun an, wie es bei den Grenadieren schon von jeher geschehen, in drei Gliedern zu formieren haben. Um den militärischen Ehrgeiz zu heben und zu kühnen Thaten anzuspornen, wurden am 30. August nicht nur die Chargen der „Capitän- Lieutenants" und „aggregierten" oder Titular-Stabs-Officiere creiert,^ * Unterofficiers- und Dienstpterde. 2 Kriegs- Archiv 1757, 8/477. HEINRICH GRAF DAÜN. 149 sondern auch „goldene Ehren -Medaillen" fllr kriegerische Verdienste vertheilt, welche am grünen Bande getragen wurden und den Grund zu den später gestifteten Tapferkeits-Medaillen gelegt haben mögen.* Mit Hof-Kriegsraths-Rescript Nr. 444 vom 16. November wurde das bisherige Gewohnheitsrecht des Obristen, aus dem Nachlasse eines verstorbenen Stabs- oder Ober-Officiers sich ein Pferd wählen zu können, aufgehoben. 1758. In den Winterquartieren wurde die Completierung der Truppen mit dem regsten Eifer in Angriff genommen. Beim Graf Heinrich Daun'schen Regimente wurde der Regiments- Commandant Obst. Graf Gaisruck mit dem Patente vom 18. Jänner zum GFW. befördert; er tibergab das Regiments-Commando dem zweiten Obristen Johann v. Zimmermann, der es bis zum 20. August führte, an welchem T.ige Obstlt. Maximilian August Zorn de Blovsheim des Graf Leopold Daun'schen Regimentes bei gleichzeitiger Beförderung zum Obristen an die Spitze unseres Regimentes trat. Maximilian August Zorn de Blovsheim, geboren zu Straß- burg, trat 1735 als Volontär in das Infanterie-Regiment Leopold Graf Dann (das jetzige Inftr.-Rgmt. Nr. 59), schwang sich während des Erbfolgekrieges zum Obstweht, und nach einer Gesammt-Dienstzeit von 20 Jahren zum Obstlt. empor. In dieser Charge erwarb er sich am 11. November 1757 bei dem Hauptsturm auf das belagerte Schweidnitz das Ritterkreuz des Militär- Mari a-T höre sie n-Ordens. Ohne Aufenthalt drang Zorn mit seinem Bataillon im schnellen Lauf nicht nur in den gedeckten Weg, sondern auch durch einen geöffneten Ausfall bis an die Bögendorfer-Redoute. Hier eiferte er seine Leute an, diese Schanze zu ersteigen, welches aber — da sie während des Anlaufes die mitgefUhrten Leitern weg- geworfen hatten und dies nur mittelst ihrer in die Mauer gestoßenen Bajonnette geschehen konnte — sehr beschwerlich und langwierig war, und dem Feinde Zeit verschaffen musste, sieh zu erholen und zu ver- stärken. Angespornt von einer edlen Ruhmbegierde, nimmt jetzt Zorn einige Freiwillige, läuft unter dem heftigsten Feuer gegen 200 Schritte 1 Kriegs-Archiv 1760, 6/122. 150 HEINKICH GRAl«' DAUN. im Graben zurück und bringt seinen Leuten die Leitern, mit denen sie dann in kurzer Zeit das Fort ersteigen und sieh in den Besitz desselben setzen. Am 20. August 1758 erfolgte seine Beförderung zum Obst, und gleichzeitig die Ernennung zum Commandanten unseres Regimentes. Mit Patent vom 17. Jänner 1759 wurde Zorn zum Commandanten des neu errichteten Artillerie-Fllsilier-Regimentes ernannt, nach dem Huber tusburger-Friedensschlusse aber wieder zur Infanterie und zwar in das 14. Regiment zurückversetzt. 1771 wurde er GFW., 3 Jahre später FML. Er starb zu Przemjsl am 3. Juli 1774 im 55. Lebensjahre. Mittelst der Ordre vom 8. März wurde dem Regimente verordnet, in Böhmen und Mähren Recruten aufzubringen, 2 neue Augmentations- Compagnien zu errichten und hiedurch das 3., das „Garnisons-Bataillon", mit 6 FUsilier-Compagnien zu formieren. Jedem Fuß -Regimente wurden als Regiments -Artillerie zwei 3-Pflindor-, zwei 6-Pfünder- und ein 12-Pftlnder-GeschUtz zugetheilt. Zur Abrichtung der Recruten und Besorgung des Nachschubs wurde, unter Commando eines Hauptmannes, eine Depot-Abtheilung aufgestellt. Einer weiteren Ordre vom 30. März zufolge, hatten die beiden Grenadier-Compagnien zur Ergänzung ihrer im Feldzuge 1757 erlittenen Standesabgänge 100 „altgediente" Leute vom eigenen Garnisous-Bataillon an sich zu ziehen. Die Standesverhältnisse des Regimentes waren zu Beginn dieses Jahres äußerst ungünstig. Theils waren die vorigjährigen Verluste noch nicht ersetzt, theils hatten die im Laufe des Winters zahlreich unter- nommenen Streifungen und Überfälle erneute Opfer gefordert. Nach einer zu Schmcrckowitz bei Ji^in, unter dem 14. Jänner verfassten „Standtabelle" betrug der gesammte Locostand des Regimentes um diese Zeit nur 472 Köpfe. Ob an den Operationen in Mähren, Böhmen und Sachsen das Regiment theilnahm, konnte mit Sicherheit nicht erforscht werden. Erst in der für die kaiserlichen Waffen siegreichen Schlacht bei Hochkirch am 14. October kämpfte es mit. HEINRICH GRAF DAUN. 151 Bei diesem nächtlichen Überfalle auf das feindliche Lager waren Abtheilungen des Regimentes bei der rechten Flügel -Colonne unter Commando des Herzogs von Arhemberg eingetheilt und traten um 2* nachts die VorrUckung an. Um 8* morgens passierten diese Truppen das Defil6 von Rotilz, um sich jenseits zum Angriffe zu formieren; heftiges preußisches Kanonenfeuer zwang sie jedoch zum Rückzuge. Erst als nach Eintreffen namhafter Verstärkungen der Angriff erneuert wurde, gelang es, die Standhaftigkeit der preußischen Bataillone des linken Flügels zu erschüttern und als endlich auch eine große feindliche Batterie in die Hände der stürmenden Österreicher fiel, da gaben die Preußen jeden ferneren Widerstand auf und zogen sich in musterhafter Ordnung zurück. Die Verluste des Regimentes waren sehr gering; außer 2 Todten aus dem Mannschaftsstande wurden noch Obstlt. Elias Schwartz von Schwarz feulen und 6 Mann verwundet. An den ferneren Operationen dieses Kriegsjahres nahm das Regiment keinen Anthcil mehr; sämmtliche im Felde gestandenen Abtheilungeu desselben gelangten Ende November in die Winterquartiere nach Böhmen. Das in Siebenbürgen befindliche Garnisons-Bataillon war im Laufe des Sommers mit je 2 Compagnien nach Hermannstadt und Karls- burg verlegt worden, während der Stab und 2 Compagnien in Kron- stadt verblieben. Die Standes- und Completierungs -Verhältnisse des Regimentes blieben auch nach dem Feldzuge gleich ungünstig. Nach einer erhalten gebliebenen „Stand- und Diensttabellc** pro October formierte das Regiment 2 Grenadier-Compagnien und nur 1 Füsilier-Bataillon und hatte nebst- dem auch einen Abgang von 700 Mann auf den vorgeschriebenen Effectivstand. Der gesammte Stand zählte nämlich nur: 1205 ,,Efrective'', worunter blos 879 Mann „dienstbar", 102 Mann „undienstbar*' und 224 Mann „außerhalben". 1759. Einer Ordre vom 17. Jänner zufolge, musste das Garnisons- Bataillon abermals 150 alte Männer zur Ergänzung der auf dem Kriegsschauplatze gestandenen Abtheilungen des Regimentes abgehen und hiefUr 200 Recruten einziehen. 152 HEINRICH GRAF DAUK. Der Reginients-Conimandant Obst. Zorn de Blovslieim wurde mit- telst des Patentes vom 31. Jänner zum Commandanten des neuerrich- teten Artillerie-FUsilier-Regimentes ernannt; an dessen Stelle trat mit Patent vom 9. Februar unter gleichzeitiger Beförderung zum Obristen der Obstlt. des Arhembcrg'schen Regimentes Leopold von Franken- dorf an die Spitze des Regimentes. Leopold von Frankendorf hatte um das Jahr 1734 seine militärische Laufbahn als Fähnrich in unserem Regimente begonnen, wurde später transferiert, war 1747 Obristwachtmeister, 1757 Obristlieu- tenant. Am 9. Februar 1759 erfolgte seine Beförderung zum Obristen und gleichzeitige Transferierung vom Arhemberg'schen (jetzigen 21.) Regimente, sowie die Ernennung zum Commandanten unseres Regimentes. Bei dem AngriflFe auf die preußische Lagerstellung bei Freiberg am 15. October 1762 hatte sich Frankendorf besonders hervorgethan. Mit Patent vom 1. Jänner 1771 zum Gcneral-Feldwachtmeister befin-dert, wurde er bald darauf mit einem Jahresgehalte von 2000 fl. zur „Dispo- sition" gestellt und nach einigen Jahren in den Ruhestand versetzt. Er starb im Jahre 1783. Den Feldzug dieses Jahres machte das Regiment, welches wieder 2 Füsilier-Bataillone und 2 Grenadier-Compagnion formierte und einen Dienststand von 1393 Mann erreichte, in der kaiserlichen Hauptarmee mit, welche anfangs Mai das Lager zwischen Jaromßf, Schurz und Königinhof bezog. Anfangs Mai wurde dem Regimente als sogenanntes „Depositorium" Ratay^ in Bömen zugewiesen und dieser Punkt mit 2 Officieren und 38 Mann zur Bewachung dotiert. Das Regiment machte die weiteren Operationen in Böhmen und Sachsen, welche durch Ausführung kühner Manöver, aufreibende Marsch- strapazen mit sich brachten, mit, ohne Gelegenheit zu erhalten, dem Feinde in offener Feldschlacht die Stirne bieten zu dürfen. Die kaiserliche Hauptarmee bezog die Winter- Cantonierung um Dresden. * Derartige Dcpositorien wurden jenen Regimentern zuprewiesen, deren Gar- nisonß-Butaillonc nieht zur Hand waren. Sie dienten zur Aufnahme von Kranken und Schwäehlingen, sowie als flüclitiger Dejiöt-Platz für gewisse Regimentsgüter. HErNRICH ORAF DAUX. 153 1760. Die Standesverhältnisse des Regimentes besserten sich im Laufe des Winters merklich. Einer „Stand- und Diensttabelle" vom 31. Jänner zufolge, wies es einen Eflfectivstand von 1776 Mann und einen Dienst- stand von 1013 Mann auf, während zur Zeit der Completstand eines Infanterie-Regimentes 1880 Köpfe betrug. Vom Garnisons-Bataillon aus Siebenbürgen, welches in diesem Jahre der zweite Obst. Johann von Zimmermann befehligte, wurden den im Felde gestandenen Abtheilungen des Regimentes abermals 100 alt- gediente Leute zum theilweisen Ersatz der noch immer bestehenden Abgänge „verschrieben", wofür das Garnisons-Bataillon eine gleiche An- zahl steiermärkischer und kärntnerischer Recruten an sich zog. Die kaiserlichen Streitkräfte fllr den Feldzug in Sachsen wurden in eine Hauptarmee unter dem FM. Leopold Grafen Dann bei Dresden, und in ein selbständiges Corps des FZM. Grafen Lacy am rechten Ufer der Elbe nächst Dresden formiert. Bei dem letzteren erhielt das Regiment seine Eintheilung. Die Zeit bis Mitte September füllte auf diesem Kriegsschauplatze entscheidungsloses Manövrieren der beiderseitigen Streitkräfte aus. In der zweiten Hälfte September standen: das Hauptcorps des FM. Dann zwischen Kunzendorf und Seitendorf, FZM. Lacy bei Langwaltersdorf, König Friedrich gegenüber bei Waidenburg in verschanzten Stellungen. Zu dieser Zeit gelangte der von verbündeter russischer Seite an- geregte Plan zu einer kühnen Unternehmung auf Berlin zur Reife. Für diese Expedition wurde österreichischerseits das Lacy'sche Corps, bei welchem unser Regiment eingetheilt war, ausersehen, während russischerseitB der Gl. Tottieben mit 20.000 Mann entsendet wurde. Zur größeren Sicherung des Unternehmens rückte die russische Haupt- macht bis Frankfurt au der Oder vor. Das Corps Lacy brach am 28. September in einer Stärke von 19.500 Mann und 62 Geschützen aus seinem Lager bei Langwalters- dorf auf, traf am 1. October zu Klitzschdorf an der Queiß ein und schlug von hier, unbelästigt vom Feinde, über Priebus an der Neiße, Kottbtts an der Spree, Luckkau und Zossen den Weg nach Berlin ein. 154 HEINRICH GRAF DAUS. Gl. Tottieben geizte jedoch um den Vorrang, als erster in die bezwungene Hauptstadt Preußens einziehen zu können und in der falschen Hoffnung, auf nur schwachen Widerstand zu stoßen, beschleunigte er ohne Rucksicht auf die Cooperation mit dem österreichischen Coi-ps seinen Marsch und stand bereits am 3. October vor Berlin. Der erste Angriff Tottlebens auf die Stadt misslang; die Russen mussten sich auf Köpenick zurückziehen, erhielten jedoch Succurs. Auch die wackere Garnison Berlins wurde durch ein isoliertes preußisches Corps verstärkt. Der zweite Angriff am 7. October scheiterte ebenfalls, trotzdem bereits 40 Escadronen unter FZM. Grafen Lacy in die Action eingriffen. Am 7. October traf das kaiserliche Hilfscorps bei Zossen ein, am 8. stand es vor Berlin. Lacys Truppen hinterlegten sonach in 10 Tagen 44 Meilen. FZM. Graf Lacy beschloss bei Tagesanbruch des 9. October den Angriff auf die Südseite der Stadt, welche bereits durch 14.000 Mann preußischer Truppen vertheidigt wurde, zu unternehmen. Aber der Commandant von Berlin, GL. von Rochow, mochte nicht den Kampf mit 42.000 Verbündeten ohne Rücksicht auf die Haupt- stadt aufnehmen und capituliertc am 9. October, 4^* früh. Berlin wurde besetzt imd gebrandschatzt. Die beiden Grenadier- Compagnion des Regimentes wurden specicll zur Besetzung des Halle'- schen Thores beordert. Noch im Laufe desselben Tages wurden das große Arsenal und die Magazine geleert, das Gusshaus zerstört; 153 Ge- schütze, 204 Fahnen und Standarten, sowie große Mengen von Waffen, Rüstungen, Munition fielen den Verbündeten in die Hände. An barem Gelde allein wurden 763.000 Thaler aufgebracht. Auf das österreichische Corps, welches selbstlos auf jede Siegesbeute zugunsten der Russen ver- zichtete, entfiel hievon nur ein geringer Antheil. 50.000 Thaler, 4 öster- reichische und 6 fremde Geschütze, überdies 25 fremde Fahnen brachten Lacys brave Truppen als Trophäen von Berlin in die Heimat zurück. Gl. Esterhdzy wurde vom Feldzeugmeister nach Potsdam deta- chiert, daselbst die königliche Gewehrfabrik zu zerstören und Contribu- tiouen einzutreiben. 18.000 vorgefundene Flinten wurden in die Havel versenkt und 44.000 Thaler aufgebracht. Auf die Nachricht von der Annäherung des zur Rettung seiner Hauptstadt in Eilmärschen heran- HEIKBICH GRAF DAUN. 155 flickenden Königs räumten die verbündeten Corps am 12. October Berlin; die Eussen wandten sich gegen Osten auf ihr Gros; FZM. Lacy hin- gegen trat den Rückmarsch über Trebbin, Jüterbogk, Zahna gegen Torgau an, wo er am 21. anlangte. FM. Graf Dann bezog mit der kaiserlichen Hauptarmee am 2. No- vember eine Stellung bei Torgau auf den Höhen von Süptitz, zwischen der D 0 mm it zischen Haide und dem Dorfe Zinna. König Friedrich kam mit der preußischen Armee am 2. November in Schildau an und rückte am 3. zum Angriffe vor. 61. Ziethen hatte die Österreicher in der Front zu beschäftigen, während die Hauptkraft unter des Königs Führung die österreichische Stellung zu umgehen und im Kücken anzugreifen hatte. Das Corps des FZM. Lacy bildete in der österreichischen Stellung den linken Flügel und hatte den Auftrag, die Zugänge beiderseits des großen Torgauer Teiches und die drei Elbe -Brücken zu vertheidigen. FZM. Lacy ließ sein Corps bei Beginn des Angriffs in zwei Treffen formieren; dessen rechter Flügel war auf dem Rathswein-Berge, der linke Flügel auf der Anhöhe unmittelbar westlich Torgau postiert. In der Ordre de bataille stand das Graf Heinrich Daun'sche Regiment mit 2 Bataillonen im ersten Treffen zwischen den Grenadieren des Corps — worunter auch die beiden Grenadier-Compagnien des Regi- mentes — und einem Bataillon des Regimentes de Ligne eingetheilt. Treffen-Commandant FML. Freiherr von Buttler, ihm beigeordnet GM. Zigan. Die Schlacht von Torgau ist eine der ruhmvollsten Waffenthaten der österreichischen Armee. Alle Theile des kaiserlichen Heeres wett- eiferten an Bravour und Standhaftigkeit. Drei große Angriffe der Preußen zerschellten an der felsenfesten Haltung der braven Infanterie des Daun- schen Hauptcorps. Zahlreiche Attaquen der damals schon hochberühmten preußischen Reiterei scheiterten an den nicht minder muthvollen Gegen- stößen der österreichischen Kürassiere und Dragoner; die kaiserliche Artillerie entfaltete eine Heftigkeit des Geschtitzkampfes, die bis dahin unerhört gewesen. Während dieser Ereignisse auf den Süptitzer Höhen führte Gl. Ziethen ein hinhaltendes Gefecht gegen FZM. Graf Lacy durch eine heftige Kanonade. Aber unerschütterlich standen die braven Regi- 156 HEINHICH GRAF DACN. menter dieses Corps im heftigsten Geschützfeuer von zwei Seiten. Als die Armee des Königs gegenüber der unerschütterlichen Haltung der Daun'schcn Hauptarmee sich zurückzog und der Kampf auf diesem Theile des Gefechtsfeldes zu verstummen begann, beschloss 6. d. C. Ziethen den Anschluss an den König zu suchen und unternahm zu diesem Zwecke eine Flankenbewegung in der Richtung auf Großwig. Die Itickenreiche Stellung der Österreicher auf den Höhen nörd- lich des Schafteiches beweg ihn hier gegen die linke Flanke der kaiserlichen Hauptarmee aufzuschwenken; er wurde aber nach wieder- holten Angriffen zurückgeschlagen. Bis hieher war der Tag von Torgau für die kaiserlichen Waffen glücklich und hätte mit einem vollständigen Siege für die österreichische Armee geendet, wenn nicht GL. Hülsen, durch den Wiederbeginn des Kampfes auf den Süptitzer Höhen hiezu ermuthigt, die besiegten Trümmer der preußischen Hauptarmee abermals in das Gefecht ge- führt hätte. Es entspann sich in der beginnenden Dunkelheit ein erbittertes Ringen ; vergebens stürzten sich die besten Regimenter des Feldmarschalls unter Jubel in das dichteste Kampfgewühl; die bis zu Tod ermattete und mehr als decimierte österreichische Infanterie begann Schritt für Schritt vor der Übermacht zu weichen. FM. Dann, am Fuße verwundet, ließ sich aus dem Gefechte zurück- bringen. Als der Kampf auf dem österreichischen linken Flügel neuer- dings entbrannte, befahl er dem FZM. Grafen Lacy mit seinem Corps in das Gefecht entscheidend einzugreifen. Jetzt wäre für unser Regiment der heißersehnte Moment gekommen, wenigstens an dem Schlusskampfe dieses Tages activ Antheil nehmen zu dürfen. Während die Truppen des Feldzeugmeisters nach und nach auf die Süptitzer Höhen vor- rückten, erhielt jedoch das Graf Heinrich Daun'sche Regiment den Befehl, die 3 Grenadier-Bataillone des Obst. Ferraris, welche bisher das Dorf Zinna besetzt hielten, abzulösen. Glücklicher waren die Heinrich Daun'schen Grenadiere; sie be- fanden sich unter den ersten, welche vom Feldzeugmeister zur Wieder- gewinnung der Süptitzer Höhen abbeordert wurden. Etwa um T abends griffen diese Truppentheile in das Gefecht ein; doch mit einem einzigen erfolglosen Vorstoß hatte deren Kampfesthätigkeit ihr Ende erreicht. WILHELM GRAF O'kELLY. 157 Die übrigen Truppen des Corps Lacy trafen leider zu spät ein, um an der Wiedereroberung des Schltisselpunktes der österreichischen Stellung, der Stiptitzer Höhen, erfolgreich mitwirken zu können; die einfallende Dunkelheit erschwerte ihren Marsch und die Orientierung. Als sie endlich in den Kampf traten, geriethen sie in das Kreuzfeuer preußischer Kanonen und verbluteten sich in vereinzelten, wenn auch mit heldenmttthiger Bravour ausgeführten Vorstößen. Um 9* abends endete die Schlacht. Am Schlüsse derselben standen vom Graf Heinrich Daun'schen Regimente die beiden Füsilier-Bataillone noch immer bei Zinna, die beiden Grenadier-Compagnien jedoch im Detachement des GM. Zig an im Norden des Sttptitzer Weinberges, kaum 1000 Schritte vom Gegner entfernt. Am Morgen des 4. November gieng die österreichische Hauptarmee auf das rechte Elbe-Ufer,das Corps Lacy verblieb am linken bei Torgau. Am 15. November bezog die preußische, am 6. December die öster- reichische Armee die Winterquartiere. Das Gros der letzteren canto- nierte bei Dresden. Das Graf Heinrich Daun'sche Regiment gelangte hiebei bei Dippoldiswalda in die Quartiere. 1761, Im Jänner verschied zu Wien der Regiments-Inhaber FM. Heinrich Josef Dietrich Martin Graf von und zu Dann, dessen weit über Österreichs Marken hochgeachteten Namen das Regiment ein halbes Jahrhundert mit Stolz geführt hat. Mittelst „Gehorsam-Patentes^ vom 1. Februar 1761 wurde unser Regiment einen), in den letzten Kriegen Österreichs hochverdienten General, dem FML. Wilhelm Grafen O'Kelly von Gallagh und Tywoly verliehen. Dieses „Patent" hatte folgenden Wortlaut: „Gehorsam-Patent für Wilhelm Graf O'Kelly. Wir Maria Theresia ctz. etz. bekhennen öffentlich und Thuen Kundt Jcdcrmäniglich, dass Wir unseren Feldmarschall- Leutenant Wilhelm Grafen O'Kelly in mildester xVnsehung seiner unserem durchlauchtigsten Erzhauße Osterreich mit unermtidctem Eifer treu geleisteten Feldkricgsdienste, dabei in allen Vorfallen- heiten bezeugten standhaften Tapferkeit, am Tag gelegten stattlichen 158 WILHELM GRAF o'kELLY. Kriegserfahrenheit und anderen besitzenden lobwürdigen Eigen- schaften, dahero in seine Person setzenden Vertrauens als Unseren wlirklichen Obristen über das, durch das erfolgte Absterben unseres P^eldmarschalls Heinrich Joseph Dietrich Martin Grafen von und zu Dann, in öfnung gediehene Infanterie-Regiment gnädigst ernennet und bestellt haben. Wir befehlen hierauf Unseren etz. etz." Wien, den 1. Februar 1761. ©Maria Theresia m. p. Wilhelm Graf O'Kellv entstammte einer alten irländischen Familie. Im Jahre 1700 zu Dublin geboren, trat O'Kelly als Hauptmann in kaiserliche Kriegsdienste, und zwar in das Regiment Neipperg-Infan- terie, heute Infanterie-Regiment Nr. 7. Während des Türkenkrieges 1738 und 1739 diente O'Kelly beim „Schiffs-Armement", wurde General- Adjutant beimFM. Grafen Neipperg und bald darauf Obristlieutenant beim Infanterie-Regimente Pallavicini, heute Nr. 15. Im Octobcr 1744 zum Obrist und im Juli 1752 zum Generalmajor befördert, erhielt O'Kelly beim Ausbruch des siebenjährigen Krieges das Commando einer Brigade und erwarb sich für sein tapferes und umsichtiges Verhalten in der Schlacht bei Breslau das Ritterkreuz des Maria-Theresien-Ordens. 1758 wurde O'Kellv FML. und zeichnete sich in der Schlacht bei Hochkirch im selben Jahre, — 1760 im Gefechte bei Kunzendorf aus. In der Schlacht bei Torgau am 3. November 1760 fungierte O'Kelly als FlUgel-Commandant in der Hauptarmee des FM. Grafen Dann. Nach dem Hubertusburger Friedensschlüsse 1763 zum Feld- zeugmeister befördert, wurde ihm in neuerlicher Anerkennung seiner ausgezeichneten Verdienste vor dem Feinde mittelst Promotion vom 15. October 1765 das Commaudeurkreuz des Militär-Maria- Theresien- Ordens verliehen. O'Kelly starb zu Wien am 5. Februar 1767. • I » ■ I ; .1 \ I s • « V ..1 • I j « ' • \ .' M . I I .' • i .1 ! •! , . . ' I • 1761 -r-t" •WILHELM GRAF o'kELLY. 159 Die kaiserliche Armee in Sachsen konnte sich YoUkommeu ihrer Retablierung widmen. Dies oflfenbarte sich in den erfreulichen Standes- verhältnissen, welche zu Beginn des Jahres beim O'Kelly'schen Regi- mente herrschten. Einer „Armee-Standtabelle" vom 10. Februar zufolge hatten die beiden Bataillone sammt den Grenadieren des Regimentes bei einem Completstande von 1912 Mann bereits einen Effectivstand von 1712 Mann. Hievon betrug der Locostand 1351 Mann; im Depositorium zu Ratay befanden sich 243; als „commandiert und absent" 28 und als „krank in den Spitälern" 94 Mann, so dass der Abgang auf den vor- geschriebenen Sollstand nur 196 Köpfe betrug. Die Feindseligkeiten wurden von Seite der Preußen in Schlesien eröffnet, wohin sich deren Hauptkraft unter des Königs Befehl wandte. FZM. Laudon, der die Österreicher in Schlesien befehligte, zog sich ttber das Gebirge nach Böhmen zurück. FM. Graf Dann entsandte infolge dessen von der Hauptarmee in Sachsen den FML. Grafen O'Kelly, den neuen Inhaber unseres Regi- mentes, mit 30.000 Mann, welche bei Zittau versammelt waren, durch Böhmen auf den schlesischen Kriegsschauplatz zur Verstärkung der Laudon'schen Armee. O'Kellys Truppen, unter welchen sich auch sein Regiment befand, vereinigten sich bei Braun au in Böhmen mit dem Gros der Laudon- schen Armee. In der Ordre de bataille dieser Armeen standen die beiden Füsilier- Bataillone des Regimentes O'Kelly, vereint mit dem Regimente Josef Esterhdzy, in der Brigade des GM. Amadei in der Mitte des ersten Treffens, dessen rechten Flügel der Regiments-Inhaber commandierte. Die beiden O'Kelly'schen Grenadier-Compagnien waren im Reserve- Corps des FML. Ellrichshausen mit noch je 2 Grenadier-Compagnien der Regimenter Batthiäny und Josef Ester häzy, zu einem Bataillon vereint, in der Brigade des GM. Fürsten Liechtenstein eingetheilt Im Juli rückte die Laudon'sche Armee nach Schlesien vor, um die projectierte Vereinigung mit den Russen zu bewirken, während König Friedrich diese Vereinigung durch Manövrieren zu verhindern suchte. 160 WILHELM GRAi' O'kELLY. Die geschickten Manöver Landons führten endlich im August den Contact der alliierten Armeen durch Detachements beiKunzendorf herbei. Doch die Bussen wollten keine entscheidende Operation unter- nehmen. Sie ließen nur das Corps Czernitscheff — 12.000 Mann — bei FZM. Laudon und giengen mit der Hauptkraft im September wieder hinter die Oder zurück. Der König von Preußen marschierte nach Ober-Schlesien, mit der Absicht, durch einen Einfall in Mähren Laudons Armee zum Schutze dieses Kronlandes nachzuziehen. Doch FZM. Laudon, das Vorhaben des Königs errathend, folgte der preußischen Hauptarmee nicht, sondern fasstc den kühnen Entschluss, durch einen Handstreich das nahe Schweidnitz zu erobern. In der Nacht vom 30. September auf den 1. October folgte diesem kühnen Entschlüsse die ebenso kühne Ausführung. Dem Haupttheile des O'Kelly sehen Regimentes blieb es versagt, an diesem ruhmvollen Wagnis theilzunehmen. Die beiden Füsilier- Bataillone blieben zum Schutze des Lagers zurück; nur die beiden Grenadier-Compagnien, eingetheilt in dem vom Hptm. von Köchler des Regimentes befehligten Grenadier-Bataillon, nahmen an dieser herrlichen Walfenthat hervorragenden Antheil. Der FZM. disponierte vier „Attaquen" auf Schweidnitz. In der dritten Attaque, welche unter Führung des Obstlts. Kalwcl gegen das Fort Nr. III, auch Gartenfort genannt, gerichtet war, wurden die beiden O'Kelly'schen Grenadier-Compagnien eingetheilt. Auch der Obstlt. Rummel des Regimentes fand als Commandant eines Grenadier-Bataillons ehrenvolle Gelegenheit, seinen Namen auf den Blättern der Geschichte unseres Regimentes zu verewigen. Nachdem der FZM. durch verschiedene Truppenverschiebungen vor Schweidnitz den preußischen Festungs-Commandanten GM. von Zastrow vollständig getäuscht hatte, schritt er des Nachts 3" vom 30. September auf den 1. October zur Ausführung. Der Gefechtsverlauf bei der ,,111. Attaque" war sehr kurz. Nach- dem die Vertheidiger des Gartenforts, der preußische Mjr. von Sie- gert und 270 Mann, durch ausgesendete Cavallerie-Patrouillen von der Annäherung der Truppen des Obstlts. Kalwel unterrichtet waren, warfen WILHELM GRAF o'kELLY. 161 sie zur Erleuchtung des Vorfeldes Leuchtkugeln in die Richtung der Ziegelscheune und eröffneten unmittelbar darauf das Feuer vom Walle. Doch die braven Bataillone Kai weis, voran die Grenadiere, von denen je 100 Mann jedes Bataillons mit je 2 Handgranaten ausgerüstet waren, eilten unaufgehalten im vollen Laufe durch den Schussbereich des Forts, sprangen in den Graben, drangen durch die Sortien, mittelst Leitern in die Enveloppe und erstiegen sofort den Hauptwall. Um 5* 30* früh war Schweidnitz in österreichischer Gewalt. Die Verluste, welche die Grenadiere des Regimentes erlitten, waren wegen der Dunkelheit und Baschheit des Anlaufes sehr gering: 18 Ver- wundete aus dem Mannschaftsstande. Nach der Einnahme von Schweidnitz bezogen die Kaiserlichen die Winterquartiere um diese Festung. Ein Füsilier-Bataillon und eine Grenadier-Compagnie des Regimentes wurden der Festungsbesatzung zugewiesen, während das zweite Füsilier-Bataillon und die andere Grenadier-Compagnie in die Winterpostierung um Freiburg gelangten. 1763. Anfangs Jänner wurde das Regiment nach Sachsen beor- dert und erhielt daselbst seine Eintheilung in die Armee des G. d. C. Grafen Haddick, welchem eine preußische Armee unter Prinz Heinrich gegenüberstand. In der Brigade des GM. Baumbach stehend, wurden 1 Bataillon und 1 Grenadier-Compagnie nach Klein- und Grofl-Voigtsdorf, Groß- Schirma und Tuttendorf verlegt, während das 2. Füsilier-Bataillon und die andere Grenadier-Compagnie nach Klein-Waltersdorf, Lang- Hennersdorf, Seiffersdorf und Reichenbach in die Quartiere gelangte. Im März traf ein vom Hptm. Monnieur geführter Ergänzungs- transport vom Garnisons-Bataillon aus Siebenbürgen ein. Seit Mai fanden zwischen den beiderseitigen Streitkräften ent- scheidungslose Partialgefechte und Unternehmungen des kleinen Krieges statt. Preußische Streif-Commanden bedrohten auch die kaiserlichen Subsistenzorte in Böhmen, zu deren Schutz Mitte Juli ein Detaehement von 5 Infanterie-Regimentern unter Commando des G. d. C. Fürsten Löwenstein bei Teplitz zusammengezogen wurde. RegimentügeschichU). 1 1 162 WILHELM GRAF o'kELLY. In dieses Detachemeut erhielt auch das O'Kelly'sche Regiment seine Eintheilung. Dessen 14 Compagnien — 2 Füsilier-Bataillone zu je 6 Compagnien und die beiden Grenadier-Compagnien — hatten wieder einen Effectivstand von 1891 Mann, unter denen jedoch nur 1626 Mann dienstbar waren. Ende Juli unternahmen die preußischen Generale Kleist und Seidlitz einen größeren Elinfall und giengen in der Nacht vom 1. auf den 2. August zum Angriffe auf das Detachemeut des Fürsten Löwen- stein über. Dieser Angriff wurde nach hin- und herwogendem Kampfe am Abende des 2. abgewiesen; die Preußen zogen sich nach Sachsen zurück. Das Regiment erwarb sich im Gefechte bei Teplitz durch sein standhaftes Ausharren und bewiesene Bravour hohe Auszeichnung. Sein Gommandant, Obst. Leopold von Frankendorf, sowie auch alle Ab- theilungen wurden ob ihres braven Verhaltens vom Fürsten Löwenstein der Kaiserin und dem Armee-Commandanten, FM. Leopold Grafen Dann, in der bezüglichen Relation „insbesondere angerühmt". Deren Verluste waren sehr gering. Todt: 1 Mann aus dem Mann- schaftsstande, verwundet: Obstweht. Josef Freiherr von Wenckheim, Hptm. Monnieur, Hptm. Gamisani und 56 Mann. Im September wurde das Detachemeut des Fürsten Löwenstein nach Sachsen beordert und wirkte bei dem combinierten Angriffe auf die preußische Lagerstellung bei Freiberg mit. Bei dem Hauptangriffe am 15. October war das Regiment hervorragend betheiligt. Obst, von Frankendorf mit den beiden Füsilier-Bataillonen des Regimentes, einem Esterhäzy'schen und einem Arhemberg'schen Bataillon hatte den Auftrag, dem Vordringen der Preußen beim Orte Hilbersdorf nachhaltigen Widerstand entgegenzusetzen. Auch dem Obstlt. Elias Schwartz von Schwarz feulen wurde in diesem Gefechte die ehrenvolle Aufgabe zutheil, mit den beiden O'Kelly'schen Grenadier- Compagnien und 300 „Commandierten" den feindlichen Posten bei Konradsdorf, jenseits der Mulde, mit aller Lebhaftigkeit anzugreifen. Sowohl Obst, von Frankendorf, als auch Obstlt. von Schwartz vollführten ihre Aufträge in glänzender Weise. Der letztere durchschritt mit seinen braven Grenadieren die Mulde „bis über den halben Leib" WILHELM GRAF o'kELLY. 163 im Wasser, übersetzte hierauf den „Handsgraben", warf die Preußen aus Tuttendorf hinaus und „erreichte" tiberdies noch eine feindliche Batterie. G. d. C. Graf Haddick erwähnte auch mit vielem Lobe in der bezüglichen Treffen-Relation die hervorragende Haltung des O'Kelly- schen Obst, von Frankendorf und des Obstlt. von Schwartz. Bei der Concentrierung der kaiserlichen Armee um Dresden ge- langten die Abtheilungen des O'Kelly'schen ßegimentes in das Lager bei Wildsruf. An den weiteren Actionen dieses Feldzugsjahres nahm unser Regiment keinen Antheil. Der Waffenstillstand von Wildsruf, geschlossen am 27. November, machte den Feindseligkeiten ein Ende. Die kaiserlichen Truppen des G. d. C. Grafen Haddick bezogen theils in Sachsen, theils in Böhmen Winterquartiere. Das Regiment verblieb in Sachsen. Dessen Standesverhältnisse waren beim Schlüsse dieses Kriegs- jahres nicht ungünstig. Obwohl im Laufe des Feldzuges nur eine einzige unbedeutende Ergänzung von 59 Recruten aus Krain am Kriegsschau- platze eingetroffen war, betrug der Locostand der 14 Abtheilungen des Regimentes in den Erholungsquartieren in Sachsen laut einer „Standtabelle" pro December 1544 Mann, worunter ein Dienststand von 1417 Köpfen. 1763. Am 15. Februar beendete der Hubertusburger Friede den langen Krieg. Das Regiment wurde im März nach Siebenbürgen beordert und vereinigte sich in Hermannstadt und Karlsburg mit seinem Garni- sons-Bataillone. Der Hptm. von Koch 1er gieng Ende September mit einem „Regiments- Werbecommando" nach einem der fränkischen Kreise. Mit A. h. E. vom 12. April wurde der Friedensstand der Infanterie- Regimenter, wie folgt, festgesetzt: Regimentsstab 139 Mann l Grenadier- .... 114 „ Stabs- Compagnie .... 113 „ Ordinarii- I .... 113 „ 11* 164 WILHELM GRAF o'kELLY. Jedes Infanterie-Regiment hatte aus dem ßegimentsstab 2 Grena- dier-, 4 Stabs- und 12 Ordinarii-Compagnien zu bestehen. Je ein Stabs- und 3 Ordinarii- Compagnien bildeten ein Bataillon. Der Stand des Kegimentes sollte (2 Grenadier-Compagnien und 4 Bataillone) demnach 2072 Mann betragen. Bei jedem ßegimente wurden 2 Fahnen-Cadetten ereiert, welche ihre Eintheilung beim Leib- und beim Obersten-Bataillon erhielten. Im allgemeinen waren diese Stellen den aus der Theresian. Militär- Akademie oder Wiener Ingenieur-Akademie ausgemusterten Zög- lingen (nur die Torzüglicheren wurden als Officiere ausgemustert) vorbehalten. Bei den anderen Bataillonen vertrat ein „Kaiser-Cadet" deren Stelle. 1 Die Chirurgen erhielten statt der Begiments-Uniform, die sie bisher getragen, eine eigene Adjustierung. Der edle und humane Sinn der Kaiserin milderte das Los des gemeinen Soldaten und hob dessen Ehrgefühl, indem sie die willkürliche Züchtigung derselben durch die Unter-Officiere auf das strengste verbot. ^ Kaiser-Cadet im Dienste genannt, zum Unterschied von den Privat-Cadetten, welche in der Beförderung den Kaiser-Cadetten nachstanden. "1 V. ABSCHNITT. Die Friedensperiode 1764 Ms 1777. 1764. Das Regiment stellte — als Theil des Pest-Cordons an der walachischen Grenze — die Contnmaz - Commanden am Gymes- und Ojtosz-Pass bei. 1766. Mit 1. Jänner wurde die adelige Arciferen-Leibgarde errichtet. Im Jänner wurden die „Contumaz- Commanden" des Regimentes von der neuerrichteten „Sz6kler Grenztruppe" übernommen. Eine A. h. E. vom 7. December 1764, jedoch am 3. Jänner 1765 an die Regimenter erlassen, verfügte mehrere Änderungen in der Adju- stierung und Ausrüstung der Infanterie. Dieser Norm zufolge erhielt die gesammte kaiserliche Infanterie kurze „Röckel", Westen, Hosen und Kamaschen, alles aus weißem Tuche, das Unterfutter aus weißem Stoffe. Der Rock hatte mit seinen aufgeschlagenen Schößen bis an die Fingerspitzen zu reichen und war mit 10 Knöpfen geschlossen. Als Schulterverzierung wurden „Epaulettes" ^ eingeführt, welche sich jedoch nur kurze Zeit erhielten. Sic waren für Officiere aus Gold, für Unterofficiere und Gefreite aus gelber Seide und derart verziert, dass man danach den Chargengrad deutlich erkennen konnte. Statt der Hüte w^urden lederne Casquets als Kopfbedeckung vor- geschrieben. Im Juni erhielt das Regiment mit den neuen Montursmustern die Verordnung des Hofkriegsrathes, dass es dem Willen des Regiments- Inhabers nach wie vor anheimgegeben bleibe, nicht nur jeweilig die * Diese Epauletten erscheinen in Adjustierungsbildern vom Jahre 1779 unter dem Titel „Aecurat -Vorstolhing der sämmtliehen k. k. Armee zur eigentlichen Kenntnis der Uniform von jedem Regimente" niclit mehr. 166 Wn.HELM GRAF O'kELLY. Farbe an den „Anfschlägen", sondern auch die Art der „Distinctions- zeichen" an den „Dragonern" und „Rockschößen" zu bestimmen. Infolgedessen befahl der Regiments -Inhaber FZM. Graf O'Kelly, dass die seit 1736 von der Mannschaft getragenen „weißen" Aufschläge abzulegen und von nun an „carmoisinrothe" Aufschläge mit gelben Knöpfen zu tragen seien. Die Mannschaft wurde mit „leichten" Säbeln ausgerüstet, die nicht nur als Waffe, sondern im Lager etc. auch als Werkzeug dienen sollten. Dieser Säbel war mit Messing montiert und auf der Klinge desselben die Worte „Vivat Maria Theresia" eingraviert; er wurde an einem breiten Riemen um die Mitte des Leibes getragen, während die Bandouliers des Tornisters und der Patrontasche sich auf der Brust kreuzten. Die „Partisanen" der Unterofficiere, das „Kurzgewöhr", sowie die Flinten der Officiere wurden abgeschafft. Die Stabs- und Ober-Officiere erhielten den Degen, die Grenadier-Officiere einen krummen Säbel in gelbmontierter Lederscheide, die Unterofficiere wieder die Schusswaffe. Sämmtliche Officiere behielten das spanische Rohr, die Unter- officiere den Stock aus Haselholz. Über den Degen sagt das Reglement: „Gedachtes Seitengewehr hat in einem vergoldet - messingenen Gefäß mit einem derlei gedrehten Gewickel, nebst einer einem Soldaten anständigen Klinge zu bestehen, und werden in Zukunft die bisher ziemlich in Schwung gewesenen Modeklingen keineswegs mehr gestattet werden.* „Da sich die Officiere ihrer Seitengewehre bedienen sollen, so versteht sich von Selbsten, dass sie bei Ziehung derenselben jederzeit Handschuhe anhaben müssen. Übrigens gedenket man zur besseren Bewehrung der Officiere ihnen vor dem Feinde eine Pistole an der Kuppel tragen zu lassen." In diesem Jahre gelangte ein neues Exercier - Reglement von FM. Grafen Lacy zur Ausgabe. Am 18. August starb Seine Majestät Kaiser Franz I. Ihm folgte Allerhöchstdessen Sohn Josef IL in der Kaiserwürde und wurde am 23. September von Ihrer Majestät der Kaiserin Maria Theresia zum Mitregenten ernannt. Seine Majestät der Kaiser übernahm sofort die oberste Leitung des Heerwesens. Allerhöchstderselbe erschien von nun an nie mehr in der spanischen Hoftracht, sondern machte zuerst die Uniform zum Hofkleide. FHIEDBICH FREIHERR VON BÜLLOW. 167 1766. Im Juli erhielt das Regiment den Auftrag, die erforder- lichen Fahnen mit „Distinquierung" der Regimeuts-Leibfahne nach dem neuen Muster anzuschaffen. In allen Provinzen der österreichischen Monarchie wurde die lebenslängliche Conscription eingeführt. Mit Hof kriegsraths - Rescript vom 1. April wurde bestimmt, dass die Regiments - Inh«aber bloß das Recht haben, die Chargen bis ein- schließlich des Hauptmannes zu verleihen. In dieses Jahr fällt die definitive Einführung der Regiments- Musiken mit türkischer Zusammensetzung, welche seit 1757 bei der kaiserlichen Armee bloß gestattet waren. 1767, Am 5, Februar starb der Inhaber FZM. Wilhelm Graf O'Kelly. Einer der verdientesten kaiserlichen Generale FML. Friedrich Freiherr von BüUow bat persönlich um die Ehre der Inhaberschaft, welche ihm mit „Gehorsam - Patente" vom 7. Februar verliehen wurde. Dasselbe lautete: Gehorsam-Patent für Ferdinand Friedrich Freiherr von Büllow. „Wir Maria Theresia, etz. etz. bekhennen öffentlich und Thuen Kundt Jedermänniglich, dass Wir unseren Feldmarschall- Leutenant Ferdinand Friedrich Freiherrn von ßtillow, in mildester Erwägung seiner Uns und Unserem Königlichen und Erzherzoglichen Hauße durch viele Jahre geleisteten treu-, eyfrig- und ersprießlichen Feldkriegsdienste , bei allen vorgefallenen Gelegenheiten bezeugten Standhaftig- und Tapferkeit, im Kriegs- wesen erlangten stattlichen Erfahrenheit, und anderen ihn- und beywohnenden rühmlichen Eigenschaften, dahero aus dem, in dessen Person setzenden, gnädigsten Vertrauen als Unser n würklichen Obristen über das erledigte Graf O'Kelly'sche Infanterie-Regiment ernennet und bestellt haben. Wir befehlen hierauf Unseren etz. etz. Wien, den 7. Februar 1767. Maria Theresia m. p." 168 FRIEDRICH FREIHERR VON BÜLLOW. Friedrich Freiherr von Btillow, aus Kurland stammend, wurde im Jahre 1712 geboren. Im 20. Lebensjahre erhielt er eine Officiers- stelle beim Sachsen- Hidburghausen^schen Regimente (heutiges Inftr.-Rgmt. Nr. 8) und focht bei Krotzka gegen die Türken mit vieler Bravour. Am 6. August 1735 zum Hptm. befördert, stand er mit seinem Regimente in Baiern und that sich bei Pfaffenhofen 1745 in so seltenem Grade hervor, dass er am 1. October mit Übergehung der Obstwcht-Cbarge zum Obstlt vorrückte. Am 12. Mai 1751 wurde er zum Obst, im heutigen Inftr.-Rgmt. Nr. 8 befördert. Im siebenjährigen Kriege kämpfte er mit Auszeichnung bei Lobositz, Prag und Breslau, wurde im Jänner 1758 zum GM. befördert und — für die Vertheidigung der letztgenannten Stadt — mit Promotion vom 4. December desselben Jahres mit dem Ritterkreuze des militärischen Maria -Theresien- Ordens ausgezeichnet. Im Jahre 1773 zum FZM. befördert, starb Bttllow am 19. Juni 1776 als commandierender General zu Brüssel. Bei der von der Heeresleitung verordneten „Feststellung der Auf- schläge" behielt das Regiment den im Jahre 1765 vom verewigten Inhaber gewählten „carmoisinrothen" Aufschlag als unabänderliches Regimentsabzeichen bis zu seiner Reducierung im Jahre 1809 bei.. Von dieser Farbe waren auch die aufgeschlagenen Schöße. Die Officiere trugen zwei Reihen Knöpfe am Rocke und durften die Brusttheile, nach der Regimentsfarbe gefttttert, aufgeschlagen tragen. Bald hierauf wurden die Roquelaures,^ Überröcke, im Schnitte den heutigen Mänteln ähnlich, aus weißem Tuche eingeführt. Die zum Theile noch immer in „eigener Regie" übliche Beschaffung der Montur, des Lederwerks und der Feldrequisiten wurde den Regi- meutern gänzlich abgenommen und den „Monturs - Ökonomie - Commis- sionen" überwiesen. Nach dem neuen Ökonomie -Systeme erhielt jedes Regiment 10 Proviantwagen. Die „Regiments - Quartiermeister" erhielten die Be- nennung „Rechnungsführer" und konnte denselben der Oberlieutenants- Titel verliehen werden, die „Wachtmeister -Lieutenants", „Regiments- Adjutanten", jedoch ohne Officiersrang. Sie hatten den Rang des ältesten Feldwebels, Adjustierung der Officiere, jedoch ohne goldenem Porteepee. * Nach dem Herzog Roquelaure, ihrem Erfinder, so benannt. •• :-i"i'.- ti • i« I ".<•", / . -ri . .'t ) . V I clP ' \\ i • i. ■ li • \. I ^ : r ■ 1 t • • .»1 1 I ■ 1 ■ • I I' ' I FRIEDRICH FREIHERR VON BÜLLOW. 169 Die Feldwebels übernahmen das Schreibgeschäft bei den Coin- pagnien, während die Fouriere zum Stabe fibersetzt wurden. 1768. Das Regiment wurde in seinen Garnisonen Hermannstadt und Karlsburg einer Musterung unterzogen. 176»— 1771. Mit A. h. E. vom 15. August 1769 erhielten die Eegimenter nebst den Namen der Inhaber noch eine bleibende Nummer. Unser fiegiment führte von nun an die bis auf den heutigen Tag erhalten gebliebene Nummer: 45, Die Höhe der Nummer richtete sich nach dem Range, welchen die bezüglichen Regiments-Inhaber in der Militär-Hierarchie einnahmen. Für unser Regiment hat diese Nummerzuweisung eine hohe Bedeutung. Die Nummer 45 ist das einzige unanfechtbare Bindemittel zwischen dem alten, kampferprobten Regimente, das im Jahre 1809 der Reduction verfiel und jener jungen Truppe, die an dessen Stelle 1816 errichtet und durch die Bezeichnung mit der histo- rischen Nummer 45 ausgezeichnet wurde. Die Orenadier-Gompagnien von je 2 — 3 Regimentern wurden in taktisch selbständige Bataillone zusammengezogen. Die beiden Büllow' sehen Grenadier-Compagnien formierten mit jenen des jetzigen Regimentes Nr. 49 ein Bataillon unter dem Commando des Obstweht, des Regimentes Johann Karl Ludwig Prinzen und Pfalzgrafen von Birkenfeld. An Stelle der bisherigen Gewehre und Bajonnette nach dem Systeme des Jahres 1703 erhielt das Regiment neue mit dem franzö- sischen Kettenschloss versehene Gewehre. Im Jahre 1770 erschien das schon im Vorjahre sanctionierte neue Exercier- und Dienst-Reglement, verfasst vom Hofkriegsraths-Präsidenten FM. Grafen Lacy. Die wesentlichsten Bestimmungen des Reglements waren: Das Regiment formiert auch künftig 3 Bataillone, welche das Leib-, Oberst- und Oberstlieutenant -Bataillon hießen. Die Compagnien wurden nach ihren Hauptleuten benannt, behielten jedoch bleibend ihre Eintheilung im Bataillon. Die Rangierung war eine dreigliedrige — Ellbogen an Ellbogen geschlossen — Gliederdistanz 2 Schuh. Jede Compagnie bestand aus 170 FRIEDRICH FREIHERR VON BÜLLOW. 2 Halb - Conipagnien, die letzteren aus 2 Zügen. Zwei nebeneinander- stehende Gompagnien wurden „Division" genannt. Bei AusrUckungen war jedes Bataillon durch einen Stabsofficier zu Pferd zu commandieren. Bei Paraden stand der Oberst und Oberst- lieutenant zu Fuß vor den Flügeln des Regimentes; die Officiere waren theils in, theils hinter der Front. Die Mannschaft hatte die Bajonnette immer gepflanzt. Weiters enthielt das Reglement: Das Chargieren auf der Stelle, im Avancieren und Retirieren; im obliquen Schritt; (Ziehung) während des Reihenmarsches; Chargierung mit Gliedern; General-Decharge; Quarr6es; Chargierung zu 2 Mann hoch, im Defil6; Lauffeuer, wobei alle 3 Glieder, das erste kniend, feuerten. Des weiteren enthielt das Reglement: Abmarsch mit Abtheilungen und Reihen; Aufmarschieren und Abfallen; Entwicklung aus Reihen; Formierung der Colonne mit Zügen von einem Flügel und vor der Front; Abmarsch mit halben Compagnien aus der Mitte, senkrecht auf die Front aus der Colonne; Marsch mit ganzer Front; Formierung von 2 Gliedern aus 3, Auseinanderlaufen und Wiederformieren der Bataillone. Das Dienst-Heglement war in das Compagnie- und das Regiments- Reglement getheilt, Ersteres enthielt die persönlichen Vorschriften für die Chargen vom Hauptmann bis zum Gemeinen, letzteres die Vor- schriften über den Stand und die Verpflegung, 49 Kriegsartikel, den Eid und die Vorschriften für die zum Regimentsstabe gehörenden Personen. 1771. Mit Patent vom 1. Jänner wurde der Commandant des Regimentes Obst. Leopold von Frankendorf zum GM. befördert und mit einem Jahresgehalte von 2000 Gulden zur „Disposition" gestellt. An dessen Stelle wurde der Obst. Elias Schwartz von Schwartz- feulen zum Regiments - Commandanten ernannt, jedoch bis auf ander- weitige Verfügung bei der „Verpflegs - Substitution" in Siebenbürgen angestellt. Elias Schwartz von Schwartzfeulen, in Unga«*n geboren, trat 1727 als Fähnr. ins Regiment, war 1736 Lt., 1743 Hptm., 1758 Obstlt. Im Gefechte bei Hilbersdorf am 15. October hatte sich der- selbe rühmlichst ausgezeichnet. Mit Patent vom 1. Jänner 1771 zum FRIEDRICH FREIHERR VON BÜLI.OVV. 171 Obst, und Regiments - Commandanten ernannt; verblieb derselbe jedoch bei der „Verpflegs-Substitution" in Siebenbürgen, in welcher Anstellung er im Jahre 1787 zum GM. befördert wurde. Mit dem Regiments-Commando wurde der gleichzeitig zum Obstlt. beförderte Josef Freiherr von Wenckheim interimistisch betraut. Infolge Einführung der lebenslänglichen Conscription auch in den Ländern der ungarischen Krone wurden dem Regimente einige Comitate im südlichen Siebenbürgen als Werbbezirk zugewiesen, aus welchem es die Recruten erhielt. Die Recruten wurden auf 14jährige Capitulation zur Linie assentiert. Ausgenommen hievon blieb der Adel, die Geist- lichkeit, Beamte, Fabriksarbeiter etc. Kronstadt wurde als „Stabs- station ^ des Regimentes bestimmt. Zufolge hofkriegsräthlicher Verordnung vom 26. Jänner 1771 wurden die Heirats-Cautionen, wie folgt, festgesetzt: Für den Oberst 12.000 fl., Oberstlietenant 9000 fl., Obristwacht- meister 8000 fl., Hauptmann 6000 fl., Capitän-Lieutenant 4000 fl., Ober- lieutenant 3000 fl., Unterlieutenant und Fähnrich 2000 fl., endlich ftlr den Fahnen-Cadet mit 1500 fl. Gleichzeitig erschien ein „Pensions - Normale für Militares", nach welchem auch die Witwen und Waisen derselben, wenn ihre Männer, beziehungsweise Väter, in einer wirklichen Dienstleistung gestorben, oder wenigstens, wenn sie in der Activität geheiratet haben, pensionsfähig waren. Am 15. April wurde das Invaliden -Versorgungssystem publiciert und der Stand der Invalidenhäuser für Wien, Pest, Prag, Ruremond und Pettau festgesetzt. Die edle Kaiserin erweiterte am 17. November die Elisabeth- Stiftung von 20 auf 21 Plätze, von welchen 6 mit 1000 fl., 8 mit 800 fl. und 7 mit 550 fl. Wiener Währung jährlich dotiert wurden. Diese Stiftung hatte von nun an den Namen „Elisabeth-Theresien- Stiftung" zu führen. 1772. Das Regiment erhielt im März den Befehl, bei der diesjährigen Bereisung Siebenbürgens durch den Kaiser: „mit einem Bataillon in der Stabsstation Kronstadt zusammenzurücken, um vor Seiner Majestät dem Kaiser und Mitregenten der Kaiserin, exerciereu und paradieren zu können.^ Dieses Exercitium fiel zur gnädigsten Zufriedenheit des Kaisers aus. 172 FRIEDRICH FREIHERR VON BÜLLOW. 1773 — 1776. Mit Patent vom 1. Juni wurde der Interims - Com- mandant des Regimentes Obstlt. Baron Wenckheim zum wirklichen Obst, und definitiven Regiments-Commandanten ernannt. Josef Freiherr von Wenckheim geboren zu Graz am 28. October 1734 Der ältere Bruder des Freiherrn und Maria-Theresien-Ordens- ritters Franz Xaver trat in frühen Jahren in unser Regiment. In dem- selben rückte er stufenweise vor, ward 1762 zum Mjr. befördert und als solcher im genannten Jahre in dem Gefechte bei Te plitz verwundet. 1771 zum Obstlt. befördert, wurde er mit dem Commando des Regi- mentes betraut. 1773 erfolgte seine Ernennung zum Obst, und defini- tiven Regiments-Commandanten, 1783 zum GM. und 1790 zum FML. Im Jahre 1791 wurde er zweiter Inhaber des Lin.-Inftr.-Rgmts. Nr. 52. Im Feldzuge 1793 kämpfte er unter De Vins mit Auszeichnung und erhielt wegen 53jähriger Dienstleistung mit Diplom vom 9. April 1802 die Grafenwürde. Josef Graf Wenckheim starb am 5. September 1803 in Wien. Am 14. August avancierten der erste Obstweht. Baron Schaller zum Obstlt und der Grenadier-Hptm. von Schröder zum zweiten Obstweht, im Regimente. Das Commando des Grenadier - Bataillons, bei welchem sich die beiden Grenadier -Compagnien des Regimentes befanden, wurde an Stelle des Obstlt. Pfalzgrafen von Birkenfeld dem Obst weht. Franz Frei- herr von Wenckheim des Regimentes Graf Pellegrini (jetzt Inftr.-Rgmt. Nr. 49) verliehen. 1775. Das Regiment wurde in die Steiermark verlegt und trat im Juli den Marsch dahin an. Der Brucker und Judenburger Kreis^ sowie auch Theile des Marburger Kreises bildeten den Werbbezirk; Leoben im Mur-Thale war die „Stabsstation" des Regimentes. Die beiden Füsilier - Bataillone gelangten in die Garnisonen nach Brück a/d. Mur, Leoben, Knittelfeld, Judenburg und Leibnitz. Das Garnisons-Bataillon erhielt seine Bestimmung nach West-Galizien. Die beiden Grenadier-Compagnien wurden in das aus drei Divisionen formierte steiermärkische Grenadier-Bataillon unter Commando des Obstlt. Baron Staader von Adelsheim des 27. Inftr.-Rgmts. eingetheilt. V i 1 •:» ' .1 < < ; «1 l • • t » '« 1 i:" i • • . ' ( ■ I I / I , ^ I . .1 I I I 1 I ' • I i I « ' I \ . (. / FRANZ FREIHERR VON LATTERMANN. 173 Die Ergänzung der Grenadiere hatte nur durch gediente Leute von den Füsilier- Compagnien zu geschehen. 1776. Am 19. Juni starb zu Brüssel der Inhaber FZM. Ferdinand Friedrich Freiherr von Büllow. Die Inhaberstelle wurde mit ^Gehorsam -Patent" vom 30. Juni dem Präses der Grazer Militär- Gommission FML. Franz von Lattermann verliehen. Es lautete: Gehorsam-Patent für Franz von Lattermann. „Wir Maria Theresia etz. etz. bekhennen öfiFentlich und Thuen Kundt Jedermänniglich, dass Wir Unsern FeJdmarschalU Leutenant Franz von Lattermann, in mildester Erwegung deren Uns und Unser m Königlichen und Erzherzoglichen Ilauße geleisteten und noch weiters anhoflfenden Dienste, folgbar zur Bestätigung Unserer höchsten Zufriedenheit über dessen zeit- herige Verwendung, und aus dem in dessen Persohn setzenden huldreichsten Vertrauen als Unsern würklichen Obersten über das durch Absterben des Feldzeugmeisters Ferdinand Friedrich Freiherrn von Büllow erledigte Infanterie - Regiment gnädigst ernennet und bestellet haben. Wir befehlen hierauf Unseren etc. etc. Wien, am 30. Juni 1776. ©Maria Theresia m. p." Franz von Lattermann wurde im Jahre 1716 als Sohn des GM. Georg Ludwig von Lattermann geboren. Er diente im Botta- schen — heutigen 12. — Infanterie-Regimonte mit vieler Auszeichnung und wurde 1760 Obst, und Commandant dieses letzteren Regimentes. Bei der Eroberung von Schweidnitz 1761 zeichnete sich Obst. Lattermann in hervorragender Weise aus. 1771 zum GM. und 1775 zum FML. befördert, wurde er 1782 in den Ritter-, 1792 in den öster- reichischen Freiherrnstand erhoben; er starb am 4. April 1806 als commandierender General in Graz. 174 FRANZ FREHIERR VON LATTERMANK. Am 1. Jänner wurde die bei gemeinen Verbrechen in Anwendung gebrachte Tortur und das Verschärfen der Todesstrafe aufgehoben. Die Gage-Carenz, nach der die Neubeförderten 1 Jahr im Gehalte der früheren Charge verblieben, wurde eingeführt. Der Wachdienst wurde auf das Nothwendigste beschränkt. 1777. Das Handgeld von 3 Gulden per Mann zur Anschaffung von Kleinigkeiten wurde eingefhhrt. An Stelle der bisherigen Frisur des Mannes trat ein kurzer, dicker Zopf ohne Seitenlocken; „Haar- puder und Schmiere" blieb. VI. ABSCHNITT. Thellnahme des Regimentes an dem balerischen Erbfolgekriege 1778 Ms 1779. 1778, Am 30. December 1777 starb der Kurfürst von Baiern Maximilian Josef III. oline directe Erben. Die österreichisclierseits erhobenen Erbansprüche wurden durch Vertrag mit dem neuen Kur- fürsten Karl Theodor dahin geregelt, dass dieser Nieder - Baiern an Osterreich abtrat. Zu dessen Besetzung rückten im Jänner österreichische Truppen in Baiern an. Unser Regiment, in das Corps des FML. Langlois eingetheilt, war am 3. Jänner marschbereit, marschierte am 7. über Wels nach Baiern und besetzte Straubing. Die Einsprache Königs Friedrich II. führte zu einem neuen Conflicte zwischen Österreich und Preußen, Die österreichische Armee sammelte sich unter dem Oberbefehle des Kaisers, unter welchem die FM. Graf Lacy und Baron Laudon commandierten, in Böhmen. Das Regiment erhielt anfangs Februar die Bestimmung zur Armee nach Böhmen und gelangte in die Cantonierung um Jung-Bunzlau an der Iser. Nach einer „Stand- und Diensttab.elle" vom 30. April hatten die 12 Compagnien der beiden Füsilier-Bataillone eine Stärke von 1154 Köpfen. Sie wurden in die Brigade des GM. Wallis eingetheilt. Die beiden Grenadier-Compagnien des Regimentes, zum Grenadier- Bataillon des Obstlt. Baron Woratschitzky des 27. Inftr. - Rgmts. gehörig, wurden der Brigade des GM. Graf Herberstein zugewiesen; sie hatten einen Dienststand von 207 Mann. Das Garnisons-Bataillon kam im April als Besatzung nach Prag. Anfangs Juli fiel die preußische Hauptarmee unter des Königs Befehl in Glatz und Nachod in Böhmen ein; die österreichisclie 176 FRANZ FREIHERR VON LATTERMANN. Hauptarmee unter FM. Graf Lacy bezog dagegen eine Vertheidigungs- stellung bei Kukus hinter der Elbe. Bei dieser Hauptarmee war das Grenadier-Bataillon Woratschitzky. Prinz Heinrich rückte mit einer preußisch - sächsischen Armee aus Sachsen in Böhmen ein; dieser trat die Armee des FM. Baron Laudon in einer festen Stellung an der Iser bei Münchengrätz ent- gegen. Bei dieser Armee standen die beiden Füsilier - Bataillone des Regimentes. Es kam nur zu unbedeutenden Scharmützeln und ent- schoidungslosen Manövern. Im September räumten die Preußen Böhmen. Im October bezogen die Kaiserlichen die Winterquartiere. Die beiden Füsilier - Bataillone des Regimentes wurden anfangs November in das Corps des FML. Freiherrn von Zedtwitz, welches bei Leito- mischl in „concentrierter Cantonierung" stand, eingetheilt. 1779. Im Februar wurden die beiden Füsilier-Bataillone im Vereine mit den heutigen Infanterie-Regimentern Kr. 39 und 51 unter dem Com- mando des FML. Freiherrn v. Zedtwitz in die Gegend von Beraun, Zebrak und Mauth beordert. Zu Operationen kam es in diesem Jahre nicht, da ein WaflFen- stillstand am 7. März die Feindseligkeiten beendete. Nach Abschluss des Teschener Friedens wurde das Regiment nach Graz, Leoben und Leibnitz in Steiermark rück verlegt. Im April erhielt das Regiment den westlichen Theil des Rzeszower Kreises in Galizien als „Werbeplatz" überwiesen, wohin im Juli ein „ Werbe- Detachement" abgieng. Dieser Werbeplatz bestand neben dem steier märkischen Werbbezirke und brachte nur einen Theil des Recruten-Contingentes auf. Das Commando des steiermärkischen Grenadier-Bataillons übernahm der Obstlt. Josef Baron Schweidauer des 3. Infanterie-Regimentes. VII. ABSCHNITT. Das Frledensjahr 1780. 1780. Im Mai wurden sämmtliche Abtheilungen einer „allgemeinen Mnstemng^ unterzogen und hierauf mit Ordre vom 31. Mai in eine „Campierung^ nach Leibnitz an der Mur bestimmt, um daselbst vom 15. August bis 15. September den Friedensmanövem anzuwohnen. FM. Graf Lacy richtete seine Aufmerksamkeit auf eine der wichtigsten organisatorischen Einrichtungen, die Mobilmachung der Regimenter und forderte mittelst des hofkriegsräthlichen Erlasses vom 14. September, hierüber von den Regiments-Commandanten genauen Bericht. Die Relation des Obst. Freiherrn von Wenckheim besagte: „. . . . dass das Regiment jederzeit, wenn es nämlich auf die Einziehung der auswärts Beurlaubten nicht zu warten brauchte, — 20 Tage nöthig habe, um mit allen und jeden Eriegsbedürfnissen versehen und aus- gerüstet, ausmarschieren zu können^. Zufolge Hofkriegsraths-Verordnung vom 21. October wurde an- befohlen, die ^Fourierschützen" nach einer vom Inhaber zu erlassenden Vorschrift; gleich zu kleiden. Hiemit verschwand die bisherige, durchaus rothe Adjustierung dieser Leute und erhielten deren Monturstücke Farbe und Schnitt gleich jenen der in Reih und Glied stehenden Mannschaft. Die Officiersgebüren wurden neu geregelt. Obstl. Freiherr von Thüngen des 16. Infanterie-Regimentes wurde zum Commandanten des steiermärkischen Grenadier-Bataillons ernannt. Am 29. November starb Ihre Majestät die große Kaiserin Maria Theresia, die wahre Schöpferin des österreichischen Staatsgedankens. Der Mitregent Ihrer Majestät, Kaiser Joseph IL, tibernahm nun allein, die Regierung. Rogiment«g(*Kchichte. 12 178 FRANZ FREIHERR VON LATTERMANN. Der großen Mutter würdiger Sohn — einer der Edelsten, die je eine Krone geschmückt — lebenskräftig, ruhmbegierig und hochherzig, ein Freund der Aufklärung, den Interessen der Menschheit zugethan, unsterblich in den Annalen Österreichs, dem ihn das launenhafte Schicksal viel zu früh entriss, gieng er daran, die ganze Regierung, Verwaltung, Gesetzgebung und Justiz, den Unterricht und das Kirchenwesen der Monarchie zu reformieren. Das Heer, mit dem er die Strapazen des Krieges theilte, betete ihn an wie seine erlauchte Mutter, und verließ ihn auch dann nicht, als später so viele Provinzen, auch die treuesten, gegen seine menschen- freundlichen Anordnungen sich sträubten und Arglist, Bosheit und Aberglaube an seinem Throne rüttelten. V. HAUPTSTÜCK. UNTER KAISER JOSEPH U. 1780-1790. 12' I. ABSCHNITT. Die Friedensperiode 1780 bis 1787. 1781. Das neue Conscriptions- und Werbbezirks-Gesetz bestimmte, dass die bisher von jedem Militärdienste befreiten Israeliten nunmehr gleichfalls in die Armee eingereiht werden konnten. Die bisherige Gepflogenheit „des Schiagens der Scharwache mit der Trommel um Mitternacht" wurde dem Regimente untersagt. Obstlt. Wilhelm Graf Auersperg des 16. Infanterie-Regimentes wurde Gommandant des steiermärkischen Grenadier-Bataillons. Zur Heranbildung von tüchtigen Militär-Ärzten wurde am 3. April die medicinisch-chirurgische Josephs-Akademie errichtet. 1782. Im Mai wurde das Regiment in seinen Stationen einer Musterung unterzogen. Die Mannschaft erhielt statt der bisherigen weißen, schwarze, bis an die Knie reichende Gamaschen; die Officiere hatten von nun an die Westen in der Farbe des Egalisierungstuches zu tragen. Mit Decret vom 9. November ordnete Seine Majestät für jedes Regiment die Errichtung eines Regimentsknaben -Erziehungshauses für Soldatenkinder an. Durch diese Anstalten wurde der Armee ein tüchtiger Nachwuchs an Unterofiicieren zugeführt. Die Jungen blieben von ihrem 7. bis zum 18. Jahre in dieser Schule. Das Regimentsknaben-Erziehungs- haus des Regimentes wurde in der Regimentsstabs-Station Leoben errichtet und in dem „Josepheum" untergebracht. Ein Officier des Regimentes wurde mit der Leitung dieses Erziehungsinstitutes betraut. 1783. Infolge zahlreicher Grenzverletzungen seitens der Türken wurde im Jänner das steicrmärkische Grenadier-Bataillon zum Abmärsche 182 FRANZ FREIHERR VON LATTERMANN. von Graz über Fricdau nach Csakathurn — nördlich Warasdin — beordert und dortselbst in Quartiere verlegt. Mit Patent vom 12. April wurde der Regiments-Commandant Obst. Baron Wenckheim zum General-Major befördert und gleichzeitig der Obstlt. Julius Ferdinand Freiherr v. Minckwitz mit dem Kegiments- Commando betraut. Julius Ferdinand Freiherr Minckwitz von Minckwitzburg entstammt einer sehr alten, vornehmen adeligen Familie aus Meissen, deren Mitglieder 1119 zu Göttingeu und 1362 zu Bamberg tour- nierten. Ursprünglich stammte die Familie aus Böhmen, wo das Stamm- schloss Minkwitz im ehemaligen Bunzlauer-Kreise liegt, das 1869 bei der Erbtheilung mit den dazu gehörigen Herrschaften der ältesten Prinzessin des letzten Herzogs von Sachsen-Lauenburg zufiel. Frei- herr V. Minckwitz wurde zu Skali(^.ka in Mähren am 4. October 1740 geboren, kam am 1. November 1752 in die Theresianische Militär- Akademie und wurde am 18. März 1759 als Fähnrich zu Leopold Daun-Infanterie (jetziges Inftr.-Rgmt. Nr. 59) eingetheilt. Am 12. April 1783 wurde er — stufenweise alle Zwischen-Chargengrade durchlaufend — als Obristlieutenant mit dem Commando unseres Regi- mentes betraut und mit dem P tl i L : . ^ *^ .. 'i .! - I :! -i 1. • ' » I •Mll • • / I '"• I ..' Ii ( . i' I • 1. t.i tM-l • •'II • ' • i' 't';' I • I • ;• • ! i l*- // 1 ! ' 'i.j- ' . r I'., *'. Hü- ! ' ' • ih I . ' ' :■'!, • ■'.- . . i» N »•. . .-. -i 17. '• i j ; 't ' ■! /. I " i • ' t: 1 Ki'i 1 U i . ' t . I i > '1. »•-.■.. A 1 .1 :•' u. •' ♦' ' ii . ( ; ■•»-• ^ . I I i I' 1 ••! •! I ■<•' r» . I ' >'. t «1 .• • I I I : .. ' 'I ' I- ^ ,1 ' ? 1 . '( . ' ' THIERRY FREIHERR DE VAUX. 225 dem Ingenieur-GM. Thierry Freiherrn De Vaux verliehen. Das ge- nannte Document lautete: Inhabers-Patent fUr Thierry Freiherr von De Vaux. „Wir Franz L, Kaiser von Osterreich; König von Hungarn und Böhmen etz. etz. bekennen öffentlich, daß Wir Unsern Inge- nieur General-Majoren, Thierry FreiheiTu De Vaux, in huld- reichster Erwägung dessen Uns und Unserem durchlauchtigsten Kaiserhanse mit Eifer und Treue geleisteten und noch femer er- wartenden guten Dienste, sowie in Anbetracht dessen im Militare erprobten Erfahrung, daher zur Bestätigung Unserer höchsten Zu- friedenheit und des Vertrauens in dessen Person, zu Unserem wirklichen k. k. Obersten über das erledigte Infanterie-Regiment Lattermann Nr. 45 gnädigst ernannt, bestellt und erhoben haben.^ Wien, am 31. December 1806. Franz m. p. Thierry Freiherr De Vaux entstammte einem altadeligen nor- mannischen Geschlechte und wurde am 4. Juni 1748 zu Petit-Failly in Lothringen geboren. Er trat nach Absolvierung der Ingenieurschule zu Sedan am 20. September 1768 als Cadet in das Ingenieur-Corps, avancierte 1778 zum Oblt. und 1779 in Berflcksichtigung seiner im Gefechte bei Möskirch am 26. November 1778 bezeugten Entschlossen- heit und Einsicht zum Cpt.-Lt. An den TUrkenkriegen 1788 und 1789 nahm er als Militär-Ingenieur mit Auszeichnung theil und wurde 1789 zum Obstweht, befördert. Für die bei der Belagerung Belgrads mit helden- mttthiger Ausdauer, trotz schwerer Verwundung geleisteten hervorragenden Dienste wurde er 1789 mit dem Ritterkreuze des Maria-Theresien- Ordens ausgezeichnet; 1792 wurde ihm der Freihermstand verliehen. 1793 zum Obstlt., 1796 zum Obst., 1799 zum GM. befördert, war er auch in den Kriegen gegen Frankreich als Militär-Ingenieur hervorragend thätig und erhielt 1801 für seine vorzüglichen und erfolgreichen RegtDipnUgcflcbicbtfl. 1 5 226 THIERRY FREIHERR DE VaUX. Leistungen als Leiter der Belagerungsarbeiten vor Hüningen das Commandeurkreuz des Maria-Theresien-Ordens. 1807 zum FML., 1809 zum General-Genie-Pro-Director, 1813 zum FZM. befördert, starb er 1820 in Wien. Seine kaiserliche Hoheit Erzherzog Karl trat als „Generalissimus" an die Spitze der ganzen Armee, welche diesem genialen Prinzen eine der glorreichsten Epochen in der Entwicklung des Heer- und Kriegs- wesens verdankt. In dem Allerhöchsten Handschreiben vom 10. Februar, das den Generalissimus an die Spitze der ganzen Armee berief, sagt der Kaiser: „Ich erwarte von Ihrem umfassenden Geiste und Ihrer rastlosen Thätig- keit die Entwerfung größerer Einrichtungs- und Verbesserungspläne und die wirksamste, selbst durch öftere Bereisungen zu erzielende Vorsorge für die pünklichste Ausftthrung derselben". Mit fester Hand, genialem Blick, getragen vom Geiste des Fort- schrittes, gieng der ruhmreiche Feldherr an die Lösung seiner großen Aufgabe. Seine Reformen erstreckten sich auf alle Zweige des Dienstes und der Organisation, Hobung des militärischen Geistes und der Bildung. Den erleuchteten Sinn, welchem diese Reformen entsprossen, be- zeugen die Worte eines zur Zeit erlassenen Armeebefehles : „Die Bildung des Soldaten soll die Entwicklung seiner natürlichen Kräfte, die Er- leichterung seiner Bewegungen und die Geschicklichkeit, die Waffen zu führen, zum Ziele haben. Dieses Ziel darf man nicht aus den Augen verlieren, und alles, was solches hinausrückt oder schwieriger macht, ist verwerflich.* Die Wehrkraft wurde durch die Schaffung der „Landwehr", des „Landsturmes" und einer „Ersatz-Reserve", sowie eines „Pferde-Con- scriptions-Gesctzes" erhöht. Das für Officiere vorgeschiiebcne Tragen des „spanischen Rohrs" wurde abgestellt. Im December traten einige Änderungen in der Adjustierung ein. Der Helm w^urde abgeschafft und durch einen Czako aus schwarzem Tuche, aber stark ausgeschweift, mit Sonnen-, Nacken- und zwei Seiten- schirmen versehen, ersetzt. Vorne trugen die Czakos eine Schlinge und Cocarde von Messing mit schwarz-gelb-wollener Rose. Die Czakos der TUIERRY FREIHERR DE VAUX. 227 Officiere hatten die gleiche Form, wie jene der Mannschaft, Seilen- und Nackenschirm fehlten. Die Verzierungen waren aus Goldborden hergestellt. Als Ghargenabzeichen trug der Hauptmann eine breite, die Sttbaltern-Officiere eine, durch einen schmalen schwarzen Streifen ge- theilte Goldborte auf dem Czako. Die Stabsofficiere trugen goldbordierte Hüte ohne Federnschmuck. Die Pfeifer wurden abgeschafft und zwei Tambours per Compagnie systemisiert Statt der bisherigen Holztrommeln wurden solche von Messing eingeftihrt. In diesem Jahre wurden 8 Hautboisten bewilligt, wozu die besten Musiker ernannt wurden. Sie rangierten im 1. Gliede und waren durch eine bortengezierte Uniform ausgezeichnet, während die übrigen Musiker die Distinction der Tambours trugen. Da die Ausstattung der Musik den Begimentern überlassen blieb, so entwickelte sich daraus geradezu ein wetteifernder Luxus, der so weit gieng, dass einzelne Regimenter Mohren als Tschinelienschläger verwendeten. 1807. Der Krieg zwischen Frankreich und Preußen machte die Aufstellung eines Observations-Corps an den Reichsgrenzen nöthig. Im MUrz wurde auch das Regiment mit dem 1. und 2. Feld- Bataillone und der Grenadier-Division zu diesem Zwecke mobilisiert, sodann nach Braunau am Inn und Salzburg verlegt. Die Armee erhielt ein neues, vom Generalissimus Erzherzog Karl verfasstes Dienst-, Abrichtungs- und Exercier-Reglement. Das Dienst-Reglement, ein wahres und anerkanntes Musterwerk, erfuhr erst im Jahre 1860 eine den veränderten Verhältnissen ent- sprechende Umarbeitung der Dienstesobliegenheiten; sein Geist aber durchweht noch unsere heutige Vorschrift. Das neue Abrichtungs- und Exercier-Reglement blieb fast unver- ändert bis zum Jahre 1842 in Kraft Diese Vorschrift vereinfachte die bisherigen taktischen Formen nach damaligen Begriffen ganz bedeutend. Die Normalaufstellung des Regimentes war: Die Bataillone nach den Nummern vom rechton zum linken Flügel am rechten, beziehungsweise linken Flügel je eine Grenadier-Compagnie, 15* 228 THIEBRT FREIHERR DE VAUX. Kangierang in 3 Gliedern nach der Größe. Die Gompagnien durften- nie verworfen werden. Der Oberst commandierte stets zn Pferde, der Oberstlieutenant das 3., der erste Major das 1., der zweite Major das 2. Bataillon. Die- OfGciere und Unterofficiere standen theils in, theils 3 Schritte hinter der Front. Die Hauptkampfweise war jene in entwickelter Linie. Eine wohl- gerichtete Front, die Chargierung, Bildung und Bewegung der Colonne, Massen und Quarr^es waren Hauptsachen. Die vereinfachten Gewehrgriffe wurden nach dem Flügelmann gemacht. Die Chargierungen begannen und endeten auf ein Trommel- zeichen. Die Evolutionen konnten auf das 1. oder 3. Glied bewirkt werden. Letzteres wurde hauptsächlich als leichte Infanterie zum Plänkeln, zu Marschsicherungen, als Flankendeckung oder als Reserve verwendet. Zur zerstreuten Schlachtordnung wurde entweder das 3. Glied in ZUge formiert oder ganze Abtheilungen hiezu bestimmt, von denen jedoch nur der vierte, höchstens der dritte Theil, in die Kette aufgelöst wurde. Die Entfernungen zwischen Kette, Unterstützung und Reserve betrugen durchschnittlich 100 Schritte. Zum Bajonnettangriff gieng die Infanterie frontal mit steter Aus- scheidung einer Reserve vor. Auf höchstens 300 Schritte vom Gegner wurde auf „Marsch! Marsch!^ der Donblierschritt angenommen, auf 50- bis 60 Schritte mit gerälltem Bajonnet, unter klingendem Spiel in vollem Laufe an den Feind gerannt. Ein feindlicher Bajonnettangriff war durch Gliederfeuer, bei An- näherung des Gegners auf 50 bis 60 Schritte durch einen kräftigen Gegenangriff abzuschlagen. Für den Marsch gab es den „ordinären Schritt" (95 in der Minute),, für Bewegungen den „Manövrierschritt" (105 bis 108 in der Minute), fllr den Bajonnettangriff den „Donblierschritt" (120 in der Minute). Das Scheibenschießen war alljährlich durch einen ganzen Monat vorzunehmen. Jeder Mann machte 10 Schüsse auf 150, 200, 250 und 300 Schritte. Bei jeder Compagnie wurden 2 Corporale und 12 Gemeine als Schützen ausgewählt, die 25 Schüsse abgaben. TH1£BRY FREIH£KK DE VAUX. 229 An Strafen bestanden, außer dem Verweise, Arrest mit verschic- •denen Verschärfungen, Stockstreiche, Gassenlaufen, endlich die Todes- strafe durch das Schwert, den Strang oder durch Pulver und Blei. Mit Stockstreichen und Gassenlaufen durfte nur der Gemeine bestraft werden. An Stelle der früheren Ehrenstrafen trat die Degradierung (Ür immer oder bestimmte Zeit, Verlust der Orden, Ehrenzeichen und Medaillen, Cassation cum reserratione honoris oder cum infamia, end- lich Ausstoßung aus der Armee mit Laufpass. In diesem Jahre wurde der Regiments-Inhaber ermächtigt, dem Bechnungsfbhrer, der bisher nur den Oberlieutenantstitel erwerben konnte, bei guter Verwendung, jenen eines Hauptmannes zu verleihen. 1808. Im September wurden alle Abtheilungen des Regiments «iner eingehenden Musterung unterzogen. Die „Linien-Geschütze", die sogenannten „leichtpftlndigen Begi- mentsstUckc", wurden der Infanterie abgenommen, und letztere hiedarch beweglicher gemacht. Am 14. Juli stiftete Kaiser Franz den Leopold-Orden. 1809. Durch den Friedensschluss von Pressburg war Österreich vom Meere abgedrängt; Napoleon erhob immer neue Anforderungen. Wollte Osterreich eine Großmacht bleiben, so musste es rüsten. Am 1. März wurde die k. k. Armee auf den Kriegsfuß gesetzt, um 27. März erklärte Osterreich an Frankreich den Krieg. Das Regiment nahm mit 16. Februar den Kriegsstand an und bildete mit 1. März im Vereine mit dem 32. Infanterie-Regimente die Brigade des GM. Ettinghausen in der Division des FMIj. Franz Freiherru Jellaöi6 de Buiim. Die beiden Grenadier-Gompagnien wurden in die Brigade des <}M. Constantin Baron D'Aspre von Hoobreuck, im Verbände des 2., vom FML. Freiherrn von Kienmayer befehligten Reserve-Corps ein- getheilt. Nebst der Dep6t-Division wurden noch 3 Reserve-Compagnien er- richtet, von welchen 2 nach Graz, die 8. nach Salzburg als Besatzung verlegt wurden. 230 THIEBRY FREIHEIUI DE VAUX. Die Depot-Division gelangte im Verlaufe des Feldznges in denr Verband des 7., in Galizien errichteten Armee-Corps. Seine kaiserliche Hoheit Erzherzog Karl befehligte die Haupt- armee, welche sich im März am Inn sammelte; Seine kaiserliche Hoheit Erzherzog Johann stand mit 2 Corps in Italien; Seine kaiserliche Hoheit Erzherzog Ferdinand mit 1 Corps in Galizien. Die Hauptarmee überschritt am 10. April den Inn und rückte gegen die Isar vor. Die Division Jellaßi6 rückte über Altenmarkt, Wasserburg auf München vor, welche Stadt sie am 19. April erreichte. Nach dem Rückzuge der Österreicher aus Baiern zur Vertheidigung des Herzog- thums Salzburg beordert, stand diese Division anfangs Mai zwischen der Enns, Salza und Saalach, hielt die Defileen von Abtenau, den Pass Lueg, St. Gilgen, Radstadt, die Höhen bei Dienten und den Mandling-Pass besetzt und behauptete diese Posten gegen wiederholte Angriffe der Baiern. Am 19. Mai erhielt Freiherr von Jellaeic vom Erzherzog Johann, welchem er unterstellt worden war, den Befehl zur Räumung seiner Stellungen und zum Rückzuge nach Steiermark, worauf die Division an der Enns bei Radstadt sich sammelte und am 21. über Steinach, Rottenmann und Mautern ins Mur-Thal abrückte. Am 25. Mai bestand diese Division bei St. Michael, an der Ein- mündung des Lising-Baches in die Mur, ein hartnäckiges Gefecht gegen die französische Division Serras, welche über Caporetto und den Predil den Truppen des Erzherzog Johann gefolgt war. Dieses Gefecht, welches durch eine feindliche Umgehung zu Ungunsten der Österreicher entschieden wurde, brachte dem Regimente so außerordent- liche Verluste, dass es in der Folge nur mehr ein combinicrtes Bataillon zu formieren vermochte. Die Division Jellaöi6 vereinigte sich bei Graz mit den Truppen des Erzherzogs Johann und kam mit diesem nach Körmcnd in Ungarn. Daselbst erhielt das combinierte Bataillon des Regimentes die Einthei- lung bei dem vom FML. Ignaz Grafen Gyulai befehligten 9. Armee- Corps, welches im Vereine mit der aufgebotenen Insurrection die croa- tischen Grenzen zu schützen hatte, und kam nach Lendva. THIERRY FBEIIIEBR DE VAUX. 231 Bei der Hauptarmee war seither die Entscheidung gefallen und der Waffenstillstand zu Znaim eingetreten. Die Grenadier-Division des Regiments kämpfte im Verbände des 2. Reserve-Corps bei Aspern und Wagram. Die 2 Reserve-Compagnien, welche zur Besatzung in Graz gehörten, nahmen au der vom Genie-Major Franz Hackher geleiteten Verthei- digung des Graz er Schlossberges hervorragenden Antheil. Der Armee- befehl vom 7. August belobte alle Abtheilungen, welche diese Ver- theidigung durchgeführt hatten, für ihr standhaftes Verhalten und bewil- ligte jenen des Regimentes besonders eine IStägige Gratislöhnung. Mit demselben Armeebefehle wurde dem Oblt. Nikolaus Schlichting des Regiments, welcher sich bei dieser Vertheidigung durch Energie und zur Ausdauer aneiferndes Beispiel hervorgethan, die Allerhöchste Zu- friedenheit ausgedrtickt und demselben eine zweimonatliche Gratisgage aus Gnade gereicht. Ende Juli vereinigten sich die 3 Reserve-Compagnien zu Lendva mit dem combinierten Bataillon und wurden in dieses einrangiert. Auch die Grenadier- und die Depot-Division stießen im November zum Regimente. Am 3. Juli avancierte Johann Nepomuk Freiherr von Bach zum GM., Obst. Samuel von Reissenfeis wurde Regimeuts-Commandant. Samuel von Reissenfeis. Über seine Geburt und die Anfänge seiner militärischen Laufbahn ist nichts bekannt, doch scheint derselbe im Regimente eine Fähnrichsstelle erhalten zu haben. Im Jahre 1786 war er Cpt.-Lt. im Regimente, avancierte 1788 zum Hptm., am 26. Sep- tember 1799 zum Obstwcht.,1 am 8. April 1806 zum Obstlt. Am 3. Juli erfolgte seine Beförderung zum Obst, und Commandanten unseres Regi- mentes. * Die Benennungen „Major** und „General-Major** wurden durch das im Jahre 1769 erschienene „Generals-Reglement" eingeführt; bis dahin galten die Bezeichnungen „Obrist -Wachtmeister" und „Obrist-Feldwachtmeister'* oder „General- Feldwachtmeister". Dessenungeachtet ist in dem erwähnten Reglement sowie in den Acten noch lange Zeit hindurch die Anwendung der Ausdrücke „Obrist- Wacht- meister" und „Major" sowie „Obrist- (respective „General-") Feldwachtmeister" schwankend und wechselnd. In einem und demselben Acte finden sich oft die ver- schiedenen Benennungen abwechselnd angewendet; in der Allerhöchsten Ent- schließung steht beispielsweise „Major* oder „General-Major", in dem Ernennungs- Decrete „Obrist -Wachtmeister" oder „General-Feld Wachtmeister", und umgekehrt. Nach und nach wurde der Gebrauch der Benennungen „Major" und „General- Major" allgemeiner und verdrängte um 1780 wenigstens in den Ernennung»- 232 THIERRY FREIHERR DE VAUX. Nach durchgeführter Reducierung des Regimentes kam Reissenfeis ajs zweiter Oberst zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Erzherzog Ludwig Nr. 8 und wurde im Monate September 1811 Gommandant des Lin.-Inftr.-Rgmt8. Freiherr von Strauch Nr. 24. Als solcher that er sich in dem Treffen bei Kninitz am 18. September 1813 rühmlichst hervor. In der Schlacht bei Leipzig am 16. October 1813 wurde Reissenfeis tödtlich verwundet und starb am 3. Tage nach derselben. Decreten die alten Bezeichnungen, während letztere in anderen Schriftstücken noch lange üblich blieben. Auch in den „Muster-** und „Standea-Tabellen" erscheint die Bezeichnung „Major** zuerst 1769, jedoch nicht als Benennung der Person, sondern bei Be- nennung der von dieser Person befehligten Abtheilung, und zwar derart, dass, so oft die Person genannt wird, derselben stets der Titel „Obrist -Wachtmeister** vor- gesetzt erscheint. Das von diesem „Obrist -Wachtmeister** befehligte Bataillon heißt das „Majors'* -Bataillon. Diese Ungleichheit der Benennung währt in den verschiedenen Regimentern bis zum Jahre 1820, woraus folget, dass bis zu diesem Jahre beide Bezeichnungen nebeneinander bestanden und allgemein gebräuchlich waren. Im mündlichen Verkehre wurde der Major noch Ende der Fünfziger Jahre von seinen Untergebenen mit „Oberst -Wachtmeister** angesprochen. 1«08— 1881 V. ABSCHNITT. Die Bedueiemng des Begimentes. Die Stipnlationen des am 14. October m Sehönbrunn geschlossenen Friedens legten Osterreich große territoriale Opfer und die Bedingung aur Redncierung der Armee auf 150.000 Mann aufl Da durch die Abtretung Westgaliziens an das Herzogthum War- schan auch der dem Eegimente zur theilweisen Ergänzung zugewiesene Rzeszöwer Kreis von Osterreich abgetrennt wurde, so traf auch das 45. Regiment das traurige Geschick der Reducierung. Am 13. November wurde die „Redueierangs-Ordre" und zugleich die „ Friedens -Dislocations -Tabelle", welche Wr.-Neustadt als Auf- lösungsstation für das Regiment bestimmte, verlautbart. Den Zeitpunkt der Auflösung setzt das nachfolgende Document fest: AUerunterthänigster Vortrag. In der von Euer Majestät gnädigst herabgegebenen Friedens- Dislocations-Tabelle sind zugleich die Stationen bestimmt, in welchen die Rednction der 8 Regimenter, welche dnrch den letzten Friedensschluss ihre Werbbezirke zum Theile oder ganz verloren haben, gesehehen soll. Hiemach werden die zur A4xflösnng bestimmten Regimenter: De Vanx Nr. 45, Reisky Nr. 13, Simbschen Nr. 43, Chasteler Nr. 46, Stain Nr. 50 und Württemberg Nr. 38 erst nach Maß, als die Armee in ihre Friedensstationen einrückt, in die für deren Rednction bestimmten Orte eintreffen, und der diesftllige Act auch erst alsdann vorgenommen werden können. Ob nun — jedes dieser Regimenter — sowie es in dem betreffenden Anflösungsorte eintrifft, sogleich dissolviert, und ob die ttbrigen zwei Regimenter, nämlich: Würz bürg Nr. 23 und Renß-Greitz Nr. Ö5, da 234 THIERRY FREIHERR DE VAUX. sie sich dermalen schon in der Nähe ihrer Auflösungsstationen bei Komorn und Tyrnau befinden, glich dahin instradiert und reduciert werden sollen, oder ob mit der Reduction aller 8 Regimenter bis zur erfolgten gänzlichen Räumung der gesammten Provinzen zuzu- warten wäre? Hierüber wird sich die Allerhöchste Entschließung Euer Majestät ehrfurchtsvoll erbeten. Pest, den 20. November 1809. Wenzel Graf Colloredo-Waldsee m. p. k. k. FM. und Hofkriegsraths-Präsident. Gedachte 8 Regimenter sind erst dann, wenn die Franzosen Meine Provinzen gänzlich werden geräumt haben, zu reducieren, und inzwischen in oder in die Nähe der ihnen zugewiesenen Auflösungs- stationen zu verlegen. Wien, am 3. December 1809. Franz m. p. December 1809, Regist. Nr. G. 11—9/15. Vidi! CoUoredo, m. p. Hofkriegsraths-PrUsident. Zur Durchführung der Reducierung wurde mit hofkriegsräthlichem Rescripte ddto. 18. December verordnet, dass die Officiere, desgleichen alle Mannschaften in andere kaiserliche Regimenter, und zwar ihrer Nationalität nach, einzutheilen, Feuergewehre und Munition an da» nächste Zeughaus abzuführen, alle Montur, Armatur, Lederwerks- und Rüstungssorten, Fahnen und Feldrequisiten an die nächste Monturs- Commission, die Proviantwagen mit Pferden und Knechten sammt allen Zugehöre an das Fuhrwesen- Depot, endlich die Packpferde, deren Knechte und Requisiten an die Packreserve abzugeben sind. Die Regiments - Rechnungskanzlei, welche infolge der Kriegs- ereignisse von Leoben nach Warasdin kam, erhielt den Auftrag, in THIERRY FREIHERR DE VAUX. 235- Wr. -Neustadt die Aufarbeitung der Rückstände und die Pflegung der Kechnungsrichtigkeit durchzuführen, wurde jedoch, da zwischen Februar und August zu Warasdin alle ßegimentsacten auf nicht mehr bekannte Art verbrannten, von der Actensammlung enthoben. Nach dem vom 9. Armeecorps ddto. Agram 23. December aus- geflihrten Marschplane sollte das Regiment am 29. December von Lendva aulbrechen und am 7. Jänner 1810 in Wr.-Neustadt ein- treffen. Der Effectivstand betrug: Stab 66 Mann. ein combiniertes Ftlsilier-Bataillon zu 6 Compagnien . . . 1690 „ eine Grenadier-Division 296 „ eine Depot-Division 308 „ Summe .... 2360 Mann. Über besondere Anordnung Seiner kaiserlichen Hoheit Erzherzogs Johann wurde das Regiment jedoch zufolge Divisions-Commando-Befehles ddto. Warasdin am 26. December in Lendva zurückgehalten, verließ zufolge erneuert am 5. Jänner 1810 ausgefertigten Marschplanes diese Station erst am 7. Jänner und traf in Wr.-Neustadt am 16. Jänner ein. 1810. Mit Hofkriegsraths-Ordre vom 10. Jänner wurde der sofortige Beginn der Reducierung angeordnet und am 31. in pietätvoller Rück- sichtnahme verfügt, dass die Regiments-Leibfahne in der Gemeindekirche zu St. Michael, der verlustreichen Wahlstätte des Regimentes vom 25. Mai 1809, für immerwährende Zeiten aufbewahrt werde. Die Zöglinge des Regimentsknaben-Erziehungshauses wurden an die gleichen Institute der Regimenter Nr. 27 und Nr. 49 tibergeben. Regiments-Commandant Obst. Samuel von Reissenfeis wurde zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Freiherr von Strauch Nr. 8, Obstlt. Franz Baron Callaghann zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Prinz Sachsen-Coburg-Saalfeld Nr. 22, Mjr. Anton de Verga zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Graf CoUoredo- Waldsee Nr. 57 transferiert; Mjr. Freiherr von Leydnitz trat in den Ruhestand. IL THEIL. DAS NEUE REGIMENT. SEIT 1814. I. HAUPTSTÜCK. UNTER KAISER FRANZ L 1814—1835. I. ABSCHNITT. Die Übernahme exitalienischer Tmppen vou Frankreich, 1814. 1814. Nach der ersten Thronentsagung des Kaisers Napoleon I. schloßs der Vicekönig von Italien am 16. April 1814 im Schlosse zu Schiarino-Rizzino bei Mantua jene Convention, welche die Lombardei und Venetien mit deren im Dienste Frankreichs gestandeneu Truppen an Österreich tiberlieferte. Ende April wurden unter Leitung des PML. Hannibal Marquis von Sommariva an solchen Truppen tibernommen: 4 Linien-Infanterie- Regimenter, 4 leichte Bataillone, 1 Cavallerie-Regiment, 1 Marine-Bataillon und 1 Regiment Gensd'armes — worauf successive deren Umwandlung in kaiserliche Truppenkörper erfolgte. Die 4 leichten italienischen Bataillone entstammten folgenden Truppen : Das 1. Bataillon den exitalieuischen Garden zu Fuß und den Cacciatori della guardia, das 2. Bataillon dem exitalienischen 2, das 8. Bataillon dem exitalienischen 1, das 4. Bataillon dem 3. und 4. Infanterie-Kegimente. Diese leichten Bataillone trugen dunkelgrüne Röcke mit kaiser- gelben Aufschlägen und Kragen nebst gelben Knöpfen, graue Pantalons, schwarze Gamaschen und Czakos; denselben wurden die unter der französischen Regierung gewährten Zugeständnisse: bloß vierjährige Capitulation und Befreiung von jeder Körperstrafe belassen. Das Commando über diese Bataillone wurde erprobten kaiser- lichen Offieieren ttbertragen. Diese waren Obstlt. Ritter des Militär- 242 ANTON FREIHERR VON MATER. Maria-Theresien-Ordens Franz Freiherr von Griess für das 1., Mjr. Josef Graf Szarampi für das 2,, Mjr. Josef Bozzo di Borgo für das 3. und Mjr. Ferdinand von Forni ftlr das 4. Bataillon. Das 1. Bataillon stand zn Brescia, das 2. zn Padua, das 3. zu Mantna, das 4. zu Verona. IL ABSCHNITT. Das neue Regiment Die Friedem^ahre 1816 bis 1835« 1816. Zufolge A. h. E. vom 27. August und hofkriegsräthlicher Circular- Verordnung vom 1. September 1816, 6. Nr. 5925, wurde aus den exitalienischen 4 leichten Bataillonen ein Infanterie-Regiment formiert, welches die seit 1810 unbesetzte Nummer 45 erhielt. Die bezügliche Stelle lautet: „Die 4 italienischen Bataillone werden aufgelöst und aus den- selben ein Linien-Regiment mit 3 Bataillons^ jedes zu 6 Compagnien und einer Grenadier-Division formiert." „Dieses neuerrichtete Regiment, welches künftig die Nr. 45 zu führen hat, wird mit Chargen und Mannschaft gleich den übrigen 4 italienischen Infanterie-Regimentern auf den Friedensstand mit 100 Gemeinen per Com- pagnie in loco gesetzt." Diese Transformierung, welche bis Mitte November beendet war, führte der Obst. Franz Karl Freiherr Veyder von Malberg des Lin.-Inftr.-Rgmts. Freiherr von Strauch Nr. 24 durch. Bis zur definitiven Regelung erhielt das Regiment einstweilen provisorisch die Kreise Verona und Rovigo als Gonscriptions-Bezirk mit der Werbbezirks-Station Verona. Neben der den übrigen kaiserlichen Linien-Infanterie-Regimentern gleichen Bewaffnung, Ausrüstung und Adjustierung — weiße Waffen- röcke und weiße enge Beinkleider und bis unter die Knie reichende schwarze Gamaschen — erhielt unsere Truppe die noch bestehenden scharlachrothen, damals ponceauroth bezeichneten Aufschläge mit gelben Knöpfen als Regimentsabzeichen. Zum ersten Commandanten unseres Regiments wurde der vom Lin.-Inftr.-Rgmte. Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 übersetzte Oberst 16* 244 ANTON FREIHERR VON MAYER. Moriz Graf O'Donnel ernannt, welcher mit 24. November das Commando übernahm. Moriz Graf O'Donnel, k. k. Kämmerer, wm-de 1780 in Wien geboren, erhielt seine militärische Erziehung und Ausbildung in der Ingenieur- Akademie in Wien, aus welcher am 1. November 1795 seine Eintheilung als Fähnr. zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Freiherr von Kerpen Nr. 49 erfolgte. Am 1. Februar 1796 zum Utlt. befördert, er- folgte gleichzeitig seine Übersetzimg zum Pionniercorps ; am 16. März 1796 wurde er, bei gleichzeitiger Transferierung zum Brooder Grenz- Inftr.-Rgmt., Oblt., am 16. September 1786 Cpt.-Lt, am 1. November 1799 Hptm. beim Walachisch-IUyrischen Grenz-Inftr.-Rgmte. Im Jahre 1802 trat O'Donnel in den Ruhestand. Im Jahre 1808 erfolgte seine Reactivierung, am 16. Juli 1809 die Beförderung zum Mjr., am 1. April 1810 die Übersetzung zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Grat Colloredo-Mannsfeld Nr. 33, am 11. April 1813 die Ernennung zum Obstlt., am 20. August 1813 die Transferierung zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Erzherzog Rainer Nr. 11, am 1. Juni 1814 die . Vorrückung zum Obst., am 1. Jänner 1816 die Transferierung zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Hoch- und Deutschmeister Nr. 4, am 1. October 1816 endlich die Ernennung zum Commandanten des Regimentes. Am 8. März 1828 wurde O'Donnel zum GM. im großen General- stabe befördert, trat am 1. Juni 1834 in den Ruhestand und erhielt am 21. März 1835 den FML.-Charakter ad. hon. und jährliche 500 fl. Personalzulage zur Pension. Er starb am 80. November 1843 in Dresden. Das 1. und 2. Batailion nebst der Grenadier-Division kamen in die Stabsstation Padua, das 3. Bataillon nach Yicenza. Das Regiment war in der Division des FML. Friedrich Ludwig Prinz zu Wied-Runkcl, in der Brigade des GM. von Mumt eingetheilt. Das CoUegio militare zu Mailand (Mailänder -Erziehungshaus) wurde dem Regimente — zugleich den Übrigen 4 italienischen Regi- mentern — . behufs Erziehung und militärischer Heranbildung von Sol- datenkindern überwiesen. Mit 5. November wurde der FML. und Fostungs-Commandant zu Mantua, Anton Freiherr Mayer von Heldensfeld zum Regiments- Inhaber ernannt. A:ii;;:' Fr";:i.'ir '-(-iVf-t \;j"n. Heiieii^fK,: FnV. \ I . ' ' 1 vy .. ^.,.1 ! *•. i.< i' i.» > /Uli 1 1:*. . ' . in ' :"^ . '.Mi I 1' • ■ • \ • i j ' . 1 ■ ' '■ !i I h" : ^f \' . ni.. *' \) \N \\ r . • !>• ■ / - ., I! :-i I . J ij..'.. ' klii"i li \ ' 1 ■* r .i'.N { •: '.i< 1 r 1h i <.' . ■ !■"• . .,y'n. I 1 1 ' •M 11» i . ' . ••' * 1 ':•-'. 1' .'< ', ■It.L • •v , I : I'\i<' !' •!' ; :..•! j •. ' i:-»- . • t 1'1''H"I .\i IMcr ■' iv ,l! '.' \ : /••. • s I ■ ' T ■ • . • I -M II. I . ;i -v • AXTON FREIIIERU VOX MAYER. 245 Anton Freiherr Mayer von Heldensfeld, am 9. December 1764 zu Prag als Sohn des im Jahre 1777 geadelten Utlts. Johann Mayer von Koburg-Dragoner geboren, trat am 19. Juni 1783 aus der There- sianischen Militär-Akademie als „Fähnr." in das „Terzi'sche", 1871 reducierte 16. Lin.-Inftr.-Rgmt. ein, wurde 1788 zum Oblt. befördert und infolge seiner besonderen Verwendbarkeit dem GQSt. zugetheilt; avan. eierte 1793 zum Hauptmann im GQSt. und zeichnete sich in der Schlacht bei Famars, im Treffen Cysoing an derMangou, 1794 beiTournay Templeuve, bei Oudenarde, bei Mecheln und 1795 bei Limburg, endlich bei der Erstürmung der Mainzer-Linien derart aus, dass er außertourlich zum Mjr. befördert wurde. Erzherzog Karl zog ihn, seine Fähigkeiten würdigend, im Jahre 1796 zum erstenmale in seine Umgebung. Mayer wurde ftlr den her- vorragenden Dienst während dieses Feldzugsjahres aufiertourlich zum Obstlt. befördert und nach dem Luneviller-Frieden als Glstbs.-Obst. mit Promotion vom 18. August 1801, mit dem Ritterkreuze desMilitär- Maria-Theresie n-Ordens geschmückt. Erzherzog Karl bezeugte persönlich: „dass der schnelle Entschluss und die zweckmäßigen Vorkehrungen, welche Mayer bei Besetzung und Behauptung der Lengenfelder-Anhöhe am 2. September aus freiem Antriebe fasste, wesentlich zum glücklichen Ausgange der Schlacht bei Wtirzburg beigetragen habe". 1797 war derselbe Chef des GQSt. bei der Armee in Italien. 1805 wurde Mayer Gl.-Qutmstr. bei der Armee in Deutsehland, jedoch noch vor Ausbruch der Feindseligkeiten von diesem Posten ent- hoben und im October wieder als Chef des Glstb. nach Tirol berufen. Im December wurde Mayer Gl.-Qutmstr. Seiner Majestät des Kaisers, — nach dem Pressburger-Fricden solcher der Armee. In den folgenden Friedensjahren genoss er als Mitarbeiter an der Neugestaltung der kaiserlichen Armee das unbedingte Vertrauen des Erzherzogs Karl. 1809 zum Festungs-Commandanten von Brood und zum FML. ernannt, führte Mayer 1813 das Commando einer Armee-Division und erwarb sich bei Leipzig das besondere Lob des FM. Fürsten Schwarzen- berg. 246 ANTON FREIHERR VON HA^YER. 1836 trat er als FZM. in den Ruhestand und beschloss sein thaten- reiches Leben zu Verona, der damaligen Werbbezirks-Station des eigenen Regimentes. — Er starb in Verona am 2. Juni 1842 im 77. Lebens- jahre. Mayer war k. k. wirklicher Geheimer Rath. Am 1. Jänner stiftete Seine Majestät Kaiser Franz L zum An- denken an die Wiedervereinigung der Lombardie mit dem Kaiser- staate den Orden der Eisernen Krone. 1817. Am 12. März gab die neuerrichtete Regiments-Musik das erste Concert. Am 1. April rückten die 2 von den Hptlten. Silva und Havranegg befehligten Grenadier-Compagnien nach Pest ab, woselbst sie mit den Grenadier-Divisionen der Inftr.-Rgmter. Nr. 23 und 43 das, vom Mjr. Berizzi des letzteren Regimentes commandierte, Grenadier-Bataillon bildeten. Am 14. October fand die Weihe der ersten Fahnen des jüngeren Regimentes in feierlicher Weise in der St. Giustina-Kirche zu Padua statt. Hiezu rückten die 2 daselbst garnisonicrenden Bataillone zum erstenmale in der neuen weißen Regimentsuniform mit der seit 12. März formierten Regiments-Musik auf dem Prato della vale aus. Der Regiments-Commandant Obst. Graf O'Donnell hielt in der Mitte des geschlossenen Vierecks in italienischer Sprache eine der Heilig- keit dieser Handlung angemessene gehaltvolle Rede. Je ein Fahnenband wurde von der Gemahlin des Landes-Comman- dierenden, FZM. Christoph Freiherr von Lattermann, eines Sohnes des Inhabers des alten Regimentes, dann von der Gemahlin des Regi- ments-Inhabers und der Gemahlin des Regiments-Commandanten^ endlich von der Gemahlin des Landes-Gouverneurs, Gräfin Göls, gespendet. Die zwei ersten Fahnenbänder wurden dem 1., das folgende dem 2. und das letzte dem 3. Bataillon gewidmet. Am 22. October wurde das 3. Bataillon gleichfalls nach Padua verlegt. Durch die neue Werkbezirks-Eintheilung erhielt das Regiment die Provinz Verona, und theilweise einige, in der Folge wiederholt wech- selnde Districte der Provinzen Vicenza und Rovigo als ersten stabilen Werbbezirk. AKTON FBEIHEBR VOH MAYER. 247 1818. Im September kamen das 1. und 2. Bataillon nach Verona^ 2 Compagnien nach Rovigo, das 3. Bataillon nach Vicenza. Das Regiment trat in den Verband der Division des FML. Karl Graf Civalart von Happancoart und der Brigade desGM. Josef Steffanini de Monte Glirone. Die Grenadier-Division gelangte im Februar in das aus den Grena- dier-Divisionen der Inftr.-Rgmter. Nr. 13 und 38 gebildete vom Obstlt. Ludwig Freiherrn Piret de Bihain befehligte Grenadier-Bataillon und verblieb in Pest. Vom 1. November an wurden die OfBciers-Gagen in Conventions- Münze ausbezahlt. 1819. Das Regiment verblieb in seinen Stationen. Ein Rescript verordnete, dass an Sonn- und Feiertagen kein Spiel zu rühren sei und auch die Wachen in der Stille aufzuziehen haben, um durch das Spiel den ^allgemein abgehalten werdenden Gottesdienst nicht zu stören". Am 23. December starb zu Verona der Obstlt. Franz Freiherr von Griess. 1830. Mit 29. Februar wurde der Obstlt. Franz Jaentschke von Nussbaumfeld vom Lin.-Inftr.-Rgmte. Erzherzog Anton Victor Nr. 4 zum Regimente, dagegen der Obstlt. Josef von Felici vom Regimente — zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Graf Albert Gyulay Nr. 21 übersetzt. Die Dienstzeit wurde bei den italienischen Regimentern auf 8 Jahre festgesetzt; die Körperstrafen traten — wie bei allen kaiserlichen Regi- mentern — in Anwendung. Gleichwie in Spanien und Portugal riefen auch in Italien und vor allem im Königreiche Neapel die Umtriebe geheimer Corporationen, die eine Neugestaltung der politischen und kirchlichen Verhältnisse an- strebten, in den legitimen Regierungen Besorgnisse wach^ die bei der ftlhlbaren allgemeinen Unzufriedenheit umso gerechtfertigter waren. Die gefährlichste und hervorragendste Rolle unter den Geheini- bünden spielte die ^.Carbonaria^, die bald alle Elemente der Opposition in sich aufnahm. Äri;:i' Kiei:iprr i.Uvcr'.ün :'e'i!r::j:Vli ?"..M w ' . I i •;.i:- .•ll :250 ANTON FREIHEBR VON MAYEB 1801 zum Hpim., 1804 zum Mjr. befördert und 1810 Äum Lin.-Inftr.- Rgmte. Erzherzog Anton Victor Nr. 4 tibersetzt Nach der Beförderung 2um Obstlt. am 17. Februar 1820 erfolgte seine Übersetzung am 29. Februar 1820 zum Regimente und 1824 dessen Erhebung in den Adelstand mit dem Prädioate von Nassbaum fe Id. Am 9. April 1828 wurde er zum Obst befördert und zum Com- mandanten des Regiments ernannt Am 26. Mai 1833 kam Jaentschke bei gleichzeitiger Beförderung zum GM. als Festungs-Gommandant nach Alt-6radiska, woselbst er am 22. Jänner 1835 starb. Am 13. August begann die Concentrierung des Regimentes zu Übungszwecken in Pressburg, am 5. September rückte das Regiment zu Übungen in größeren Verbänden in das Lager zu Traiskirchen ab. Nach Schluss dieser Übungen am 22. September, während welcher das Regiment wiederholt die Allerhöchste Zufriedenheit Seiner Majestät, sowie jene des Landes-Commandierenden Seiner k. k. Hoheit Erzherzogs Ferdinand d'Este errang, kamen der Regimentsstab und das 2. Bataillon nach Fressburg, das 1. Bataillon nach Eomorn. Vor dem Abrtlcken aus dem Lager erhielt die Mannschaft eine dreitägige Gratis-Löhnung und während dem Lager Geschenke an Lebensmitteln sowohl von Seiner Majestät als auch Seiner k. k. Hoheit dem Herrn Erzherzog Ferdinand d'Este. In dem vom Hofkriegsrath ttber das Lager herabgelangten Be- merkungen wurde das Regiment belobt. 1829. Mjr. Anton Freiherr Piret de Bihain wurde im März vom Lin.-Inftr.-Rgmte. Graf Nugent Nr. 30, Mjr. Freiherr von Pacassi vom Lin.-Inftr.-Rgmte Prinz Hessen-Homburg Nr. 19 zum Regimente tibersetzt, und ersterer am 12. December an Stelle des in den Ruhe- stand getretenen Obstlt Ferdinand von Forni zum Obstlt befördert. Mjr. Silva wurde am 9. März zur Kriegs-Marine tibersetzt. 1830. Aus staatswirtschaftlichen Rücksichten verftlgte die Heeres- leitung die Verlegung der Regimenter theils in ihre Werbbezirke, theils in deren Nähe. ANTOK FRSIHERB VON MAYEB. 251 Deshalb erhielt am 18. März der Regimentsstab und das 2. Bataillon Fiume, das 1. Bataillon Neustadtl in Krain als neue Garnisonsorte zugewiesen. Die Grenadier-Diyison, welche seit 1817 den Bataillonsverband in Pest wiederholt wechselte, gieng Mitte April nach Verona ab. Das 2. Bataillon marschierte im Hochsommer über Odenburg, Gttns, Körmend, Warasdin^ Karlstadt — von wo es eine Division nach Zengg und Carlopago, eine Gompagnie nach Buccari detachierte — und traf am 80. August mit 3 Compagnien in Fiume ein; diese Compagnien Übernahmen die seither vom 12. Feldjäger-Bataillon beige- stellten „Räubersicherheits-Gommanden'' längs der „Louisen-Straße^ und im Militärgrenzlande. Das 1. Bataillon nahm die gleiche Route und erhielt in Agram die Weisung, anstatt nach Neustadtl, nach Earlstadt abzugehen. In dieser Dislocierung trat das Regiment in die Brigade des GM. Freiherrn von Corbay. Mjr. Freiherr von Pacassi wurde zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Don Miguel Nr. 89 ttbersetzt, dafür kam von diesem Hptm. Freiherr von Schmelzern als Mjr. ins Regiment. Die in Parma, Modena und den papstlichen Marken ausgebrochene revolutionäre Bewegung veranlasste den Militär-Chef im lombardisch- venezianischen Königreiche, G. d. C. Grafen Frimont, zu militärischen Maßnahmen. Die Grenadier-Division und das 8. Bataillon nahmen den Kriegs- stand an. Mit 3. September wurde erstere Division, im Bataillonsver- bande, in das 1. vom FML. Grafen von Wal Im öden befehligte Armee- Corps eingetheilt und nach Mailand verlegt, während das 3. Bataillon in den Verband des aus Garnisonstruppen bestandenen Reserve-Corps des FML. Fürsten zu Bentheim trat. 1831 • Die ersten zwei Bataillone, welche abwechselnd mit 4 Com- pagnien den Sicherheitsdienst gegen bosnische Raubeinfälle, unter der Führung des berüchtigten Rebellen Hassan AgaBechy, versahen, nahmen gleichfalls den Kriegsstand mit 160 Mann per Compagnie an. An Stelle des G. d. C. Grafen Frimont trat als commandierender General im Lombardo-Veneto der G. d. C. GrafRadetzky von Radetz, 252 ANTOK FBEIHEBR VON MATEK* welcher nunmehr alljährlich größere Truppenübungen in bekannter bahnbrechender Weise anordnete. Diesen Feldmanövern, welche ab- wechselnd um Montechiaro, Castigliore, Medole, Valeggio etc. stattfanden, wurde das 3. Bataillon alljährlich beigezogen, wobei dessen Commandant, Obstlt. von Donadeo, wiederholt durch die besondere Zufriedenheit des commandierenden Generals ausgezeichnet wurde. Im Status der StabsofBciere traten folgende Änderungen ein: Obstlt. Freiherr Piret de Bihain wurde zum Grenadier-Bataillons- Commandanten ernannt und zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Erzherzog Albrecht Nr. 44 transferiert; Mjr. Ritter von Donadeo avancierte zum Obstlt.^ Hptm. von Boniperti zum Mjr.; Mjr. Gaetano von Passini w^urde vom Lin.-Inftr.-Rgmte. Freiherr von Geppert Nr. 43 zum Regimente eingetheüt, dagegen Hptm. Griessriegel vom Rgmte, als Mjr. zum erstgenannten Regimente übersetzt. Mjr. Freiherr von Schmelzern war am 24. Mai in Wien gestorben. Das Auftreten der Cholera führte zur Aufstellung eines Cholera- Cordons, welchen am 28. November 540 Mann des 2. Bataillons von S. Sebastiano-Isteriano bis an die dalmatinische Grenze bezogen^ zu deren Ersatz wurde eine Division des 1. Bataillons von Karlstadt nach Fiume beordert. 1833. Mit Ende Juni wurde der . Cholera-Cordon eingezogen. Die in Fiume detachierte Division des 1. Bataillons kehrte deshalb nach Karlstadt zurück, während von dort eine Compagnie den „Sicherheits- Cordon" an Krains Grenze bezog. 1833. Mit A. h. E. vom 26. Mai wurde der Obst, und Reginients- Commandant Franz Jaentschke von Nussbaumfeld zum GM. und Festungs-Commandanten von Alt-Gradiska, — mit 10. Juli der Obstlt. Franz Ritter von Donadeo zum Obst, und Regiments-Commandanten, Mjr. von Boniperti und Freiherr von Lebzeltern zu Obstlts., endlich Hptm. Josef Hübsch zum Mjr. ernannt. Franz Donadeo, 1793 in Mailand geboren, trat am 19. Juli 1814 in das aus italienischen Regimentern neu formierte Lin.-Inftr.-Rgmt. Nr. 23 als Cpt.-Lt. mit dem Range vom 25. Juni 1814 ein, nachdem er durch 3V4 Jahre bei der cxitalienischen Regierung als irtlt., Oblt. ANTON FREIHERR VON MAYER. 253 und Hptm. gedient hatte; er wurde mit dem Eintrittstage zum Hptni. befördert. Am 9. April 1828 erfolgte dessen Beförderung zum Mjr. und Über- setzung zum Regimente, er avancierte 1831 zum Obstlt. und am 10. Juli 1833 zum Obst, und Commandanten des Regimentes. Am 30. April 1840 wurde er krankheitshalber, auf seine eigene Bitte, bei Verleihung des GM.-Charakters ad hon. und einer Personal-Zulage von jährliehen 300 fl. in den Ruhestand versetzt. Er starb am 3. März 1854. Franz Donadeo war seit 24. October 1813 Ritter des Ordens der eisernen Krone 3. Classe (KD.) Am 1. Juli wurde mit Allerhöchstem Handschreiben Seiner Majestät des Kaisers angeordnet, dass die Oberstlieutenants stets das 1. Bataillon zu commandieren haben. 1S34. Über besondere Verwendung des Regimcnts-Commandanten wurde im Sommer das 1. Bataillon, dessen Gesundheits Verhältnisse sich durch zahlreiche Erkrankungen an Sumpffieber sehr ungünstig gestalteten, von Karlstadt nach Fiume verlegt. Wiederholte räuberische Einfälle aus Bosnien veranlassten die Versammlung stärkerer militärischer Kräfte an der bedrohten Reichs- grenze. Zu den unter Commando des FML. Freiherrn von Ger^mb gestandenen Truppen wurde am 13. Juni auch das 2. Bataillon be- stimmt, welches — 12 Stunden nach Erhalt des Befehles — mit der 4. und 6. Division am 14. Juni von Fiume tiber Fuscine, Sluin nach Rakovica marschierte, woselbst es sich am 21. Juni mit der von Zengg Über Ottoöaö, Petrovoselo und Dreinik dahin abgerückten 6. Division vereinigte. Das Bataillon war, in der rechten Flügel-Brigade des GM. Freiherrn von Waldstätten eingetheilt, weiter an die türkische Grenze vorgerückt, und — nachdem die Bosnier Entschädigung zu leisten versprachen — am 28. Juni in seine Garnisonen nach Fiume und Zengg zarückgekehrt. Für diese ganze Unternehmung waren seitens des Landes-Com- mandierenden alle Dispositionen zur Vorrückung, sowie zum Angriffe en detail ausgegeben, zu letzteren war es jedoch hauptsächlich nur aus politischen Gründen nicht gekommen. II. HAUPTSTÜCK. UNTER KAISER FERDIN.iND L 1835—1848. I. ABSCHNITT. Die Friedensjahre 1835 bis 1848. 1835. Unerwartet starb am 2. März Kaiser Franz I., welcher Osterreich durch 42 Jahre in schweren Zeiten mit Weisheit regiert und die Genugthuung erlebt hatte, die Monarchie vergrößert und gestärkt AUerhöchstseinem Sohne und Nachfolger Seiner Majestät Kaiser Ferdinand I. übergeben zu können. Folgende Unterrichtsbücher wurden herausgegeben: Ein „Anhang zum Abrichtungs- und Exercier-Reglement der k. k. Infanterie" von 1807; hienach wurde die Tragweite des Gewehres gegen Infanterie theoretisch auf 250 Schritte angenommen, „weil zu einer weiteren Erhöhung der Visierlinie oberhalb der Kopfbedeckung kein Zielpunkt aufzufinden ist." — Eine „Manöver-Instruction ftir die k. k. Infanterie." — Eine „Feld- Instruction für die Infanterie, Cavallerio und Artillerie." Im Juli erfolgte die Verlegung des Regimentsstabes, des 1. und 2. Bataillons nach Dalmatien. Als Gamisonsorte erhielten: der Regiments- stab, das 1. Bataillon und die 8. Compagnie Zara, die 7. Compagnie Sebenico, die 4 übrigen Compagnien des 2. Bataillons Ragusa. Das Regiment rückte in 6 Colonnen (divisionsweise) in sehr be- schwerlichen Fußmärschen nach Dalmatien ab. Die 1. Colonne trat den 10. August den Marsch an und sämmtliche Abtheilungen waren ohne Anstand den 28. November in ihren neuen Stationen. FML. Taza hatte am 10. August noch vor dem Abmärsche ein Schreiben an das Regiment erlassen, worin unter den schmeichelhaftesten Ausdrücken von dem vortreflFlichen Geist im Ofßciers-Corps, der inneren Ordnung, der lobenswerten Mannszucht, dann der guten Adjustierung und Geschicklichkeit im Exercieren und Manövrieren Erwähnung geschah Regimentagcschicbte. 1^*^ 258 ANTON FREIHERR VON MAYER. und das Bedauern über die bevorstehende Trennung von der Division ausgedrückt wurde. Die Dienstesverhältnisse dieses Eronlandes hatten eine, mit hof- kriegsräthlicher Verordnung vom 3. September verfügte Erhöhung des bisherigen Kriegsstandes von 160 auf 180 Mann per Compagnie zur Folge. 1836. Mit Allerhöchstem Handbillet vom 8. und 9. Jänner wurde der Regiments-Inhaber FML. Anton Freiherr Mayer von Heldensfeld, Festungs-Comniandant in Mantua, in den Ruhestand — unter Verleihung des FZM.-Char. ad hon. und einer Zulage von 1000 fl. zur normal- mäßigen Pension — versetzt. Tiefen Eindruck machte diese Pensio- nierung auf das Regiment, dem der Inhaber durch 20 Jahre ein wahrer Vater gewesen. Am 14. April wurde der in der Rangsevidenz des Regimentes stehende General-Commando-Adjutant Obstlt. Freiherr von Cordon quatalis zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr von Wimpfen Nr. 13 tibersetzt. Auch in Dalmatien war die Cholera aufgetreten; gebracht wurde sie durch das 10. Feldjäger-Bataillon^ welches im Sommer aus Italien gekommen war. Am 26. August fiel das erste Opfer in Zara, dem dann noch weitere 163 folgten; darunter nur einige Soldaten des Regimentes und Oblt. Don Del Bue. Regimentsarzt Dr. Siiinmayer des Regimentes hatte sich bei Bekämpfung dieser Epidemie besonders hervorgethan; leider erkrankte er selbst und erholte sich nur sehr langsam. Zufolge der neuen „Adjustierungsvorschrift" erhielt die Infanterie lichtblaue Pantalons, bei der Mannschaft mit weißem Passepoil, welche beim Officier mit einer Goldborte geziert waren. Zu Paraden musste der Officier im weißen WafFenrocke erscheinen, trug aber bei gewöhn- liehen Ausrllckungen den schwarzen Frack mit schwarzen Beinkleidern oder den Kaputrock. Außer Dienst an Nachmittagen war das Tragen der Civilkleider gestattet. Die Füsiliere trugen Czakos von cylinderischer Form, die Grenadiere Bärenmtttzen. 1837. Im Frühjahre wurde die 7. Compagnie zur Besetzung des durch 2 Forts und 3 geschlossene Schanzen befestigten Hafens von Lesina bestimmt und gieng am 18. Mai dahin ab. ANTON FREIHEBB VON MAYER. 259 Am 11. Augnst wurde Major Hübsch zum Commandanten des bisherigen Grenadier-Bataillons Wengerszky, an seine Stelle Haupt- mann von Tempis zum Major ernannt Das rapide Umsichgreifen der orientalischen Pest in der euro- päischen Türkei führte zur Aufstellung eines Pest-Cordons. Diese Auf- stellung sowie die Cataster-Aufnahme veranlassten Streitigkeiten an der Grenze. Für ersteren Zweck wurde eine Commission seitens des dalma- tinischen Landes-Guberniums^ zu welcher Hptm. von Neydisser bestimmt war, aufgestellt und ihm der Kreis von Ragusa zugewiesen. Diese Streitigkeiten führten zur Verstärkung der Grenzposten, weshalb die 12. Compagnie am 18. März nach Malfi abrückte und von der türkischen Erdzunge Kiek bis zum Breno-Thale nach- stehende Posten bezog: Novi put, Topollo, Cepicucie, Tornovitza, Losniza, Ombla und Bergatto; Unterstützungen standen in Slano und Malfi. Zu gleicher Zeit marschierte die 2. Division und die 11. Compagnie — Hptm. Vergada — mit 32 „Zugetheilten" der 5. Division, nach Cattaro, die 1. Division nach Knin und Sebenico. Oblt. Baron Sanleque rückte mit 45 Mann zur Unterstützung der Terrieri (300 bewaffnete Landesbewohner) gegen Fort Trinitä vor, wo die Montenegriner — 2000 Mann — einen Einfall beabsichtigten. Der Einfall fand nicht statt; am 8. August wurden die Feind- seligkeiten eingestellt, worauf alle Detachements in ihre normalen Garni- sonen rückkehrteu. 1838. Mit Hofkriegsräthlichem Rescripte vom 2. August w^urden die Gagen der Officiere reguliert, speciell jene vom Capitän-Lieutenant abwärts erhöht, worüber nachstehende Tabelle Aufschluss gibt. Im Zusammenhange damit wurde mit 1. November die Charge der Fähn- riche aufgelassen und dafür die der Unterlieutenants „2. Classe^ creiert. 17' ASTOX FREIHEHR VOK MAYER. Im Frieden monatlich ' Im Kriege Überstlieutenant CnpilUnli eilten äut Oberlieutenant L'nterlieutennnt 1. Cl, Uoterlieutenant II. Cl. uo .5 HO 15 lo- 15 102 ao m - 90 - se 82 _ ih - 71 4r 69 45 66 - 52 _ 50 — 46 _ 42 — 34 32 31 - 28 so 80 2« 27 - 24 - 2-- ~ 24 ~ 24 - 22 30' 1839. Die sehr zerstreute Dislocicrung des Regimentes veranlasste den Hofkriegsratli dasselbe wieder zu vereinigen. Am 25. Mai erhielten der ßegimentsstah und die ersten zwei Bataillone die Ordre, nach Venetien abzugehen. Am 25. Juni hatte der Landes -Commandierende und Gnnvcrnenr FZM. Graf Lilienberg nachsteheDden Generals- Befehl erlassen: „Da das Infanterie-Regiment Baron Mayer nunmehr aus dem Bezirke des mir unterstehenden General-Commandos an seine neue Bestimmung nach Italien abrückt, so sehe ich mich verpflichtet, dem gesammten Regimente Über dessen durch die ganze Zeit seines Hierseyns bewiesenen guten Geist und Ordnung, Disciplin, Pünctlichkeit im Dienste, und ausgezeichnet nioralisclien Benehmen, worüber ich dem Herrn Obersten, denen übrigen Herrn Stabs- und Ober-Offi/ieren, so wie auch denen Unteroffizieren und der gemeinen Mannschafi meinen Dank ab- statte, meine volle Zufriedenheit und gerechte Anerkennung auszu- drücken, wobey ich zugleich die Überzeugung hege, dass es dieselben, den Soldaten characterisierenden Eigenschaften, durch welche es sich hier Landes ein rühmliches Andenken erworben hat, auch in allen künftigen Gelegenheiten zu bewähren befließen seyn wird." ANTON FREIHERR VON MAYER. 261 Unter Begleitung der Generalität und fast der ganzen Bevölkerung Zaras trat die 1. Division ihren Abmarsch in der Nacht vom 25. auf den 26. Juni über Gospich, Otoßa(j, Zengg, Fiume, Adelsberg, Görz nach Palmanuova an, wo sie am 20. Juli eintraf Die Übrigen Divisionen folgten in Zwischenräumen von einem Tage; der Regimentsstab mit der 8. Compagnie zuletzt. Die in Ragusa stationiert gewesenen 4 Compagnien mussten ihre Ablösung durch Abtheilungen des Lin.-Inft-Rgmts. Graf Haugwitz Nr. 38 abwarten, weshalb die 5. Division erst am 9., die 6. Division am 11. Juli abmarschieren konnte. Diesen Divisionen war der Weg über Ganosa^ Slano, Imotizza durch das türkische Gebiet Monte Kiek nach Metkovic, Vergoraz, Xuppa, Cattuni nach Sign, bis wohin wegen Mangel an gebahnten Straßen und Wägen die Bagagen auf Saumthieren fortgebracht werden mussten, weiter über Knin, durch Croatien, das ungarische Littorale nach Udine zugewiesen. Der lange und sehr beschwerliche Marsch auf der schlechten Berg- straße Dalmatiens, bei sengender Hitze, das häufige Bivouakieren, — bei dem Mangel von entsprechenden Unterkünften, — zu dem die Truppe nach oft 17 stündigem Marsche genöthigt war, endlich selbst Wassermangel, waren Ursache, dass diese aus Ragusa kommenden Com- pagnien eine bedeutende Anzahl von Kranken zurückließen. Der Regimentsstab und das 1. Bataillon kamen nach Palmanuova, das 2. Bataillon kam nach Udine. ^ Nach kurzem Aufenthalte in diesen Garnisonen wurden diese Abtheilungen (das 1. Bataillon specieU wegen des ungesunden Klimas in Pal manu voa, wo viele Leute erkrankten) unter Annahme des för das italienische Generalat vorgeschriebenen Standes von 160 Mann per Compagnie nach Vicenza verlegt. Am 18. September, in Gegenwart beider zur Kirchenparade aus- gerückten Bataillone des Regimentes^ wurde dem Regimentsarzte Dr. August Sinnmayer die ihm mit A. h. E. vom 21. Jnni, im Hin- blick auf seine vieljährige ausgezeichnete Dienstleistung, verliehene mittlere goldene Civil-Ehren-Medaille am Bande, durch den Regiments- Commandanten übergeben. Im Herbste wurde das Regiment den Feldübungen beigezogen. 262 ANTON FREraERR VON MAYER. Unter Commando des Obstl. Don Boniperti (Obst, von Donadeo war erkrankt) — eingetheilt in der Brigade GM. Graf Sickingen, Division GM. de Flette, 2. Armee-Corps FML. Fürst Bentlieim — nahm das Regiment am 9., 10. und 11. October an der großen Conceif- triernng der italienischen Armee bei Pozzolengo und den zwischen diesem Orte und Peschiera stattgefundenen großen Manövern theil. Am 12. war Rasttag in den Gantonierungs-Stationen (Sommacampagna und Umgebung), am 13. beschloss eine große Kirchen parade auf dem Pra piano zwischen Villafranca und Valleggio die WaflFenUbungen, Der Interims -Di visionär GM. de Flette theilte dem Regimente die Belobungen des Corps-Commandanten und des FM. Grafen Radetzkj am 18. October folgendermaßen mit: „Indem ich dem Regimente zu dem Antheil Glück wünsche; der demselben an der durch Seine Excellenz den commandierenden Herm Feldmarschall herabgegebenen Belobung für die beyden Maneuvres dieses Jahres zugezogenen Truppen zukommt, füge ich auch meinen Dank für die Aufmerksamkeit, den guten Willen und besonders heiteren Muth bey Ertragung ungewohnter Beschwernisse bey, so wie überhaupt für das musterhafte Benehmen während der Zutheilung in der unter- habenden Division." Am 14. October rückte das Regiment in die Festung Mantua als Besatzung ab. 1840. Mit 30. April wurde der Oberst und Regiments-Commandant Franz Ritter v. Donadeo krankheitshalber auf seine Bitte unter Ver- leihung des GM.- Charakters ad hon. und einer Personalzulage jährlicher 300 fl. in den Ruhestand versetzt und an dessen Stelle der Obstlt. Samuel Graf Gyulai von Maros-N6methy und Nddaska des 52. Lin.-Inft.-Rgmts. zum Obst, und Commandanten des Regimentes ernannt. Samuel Graf Gyulai von Maros-N6methy und N^daska, einer altadeligen ungarischen Magnaten-Familie entstammend, k. k. Kämmerer, Ehrenritter des Johanniter-Ordens, wurde im Jahre 1804 in Ofen geboren, trat am 12. Jänner 1821 zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Graf Gyulai von Maros-N6methy und Nädaska Nr. 21 als Fähnr. ein, wurde 1821 zum Lin.-Inft.-Rgmt. Großherzog von Toscana Nr. 7 tibersetzt und zum Lt. befördert, avancierte 1822 bei gleichzeitiger Übersetzung AXTON FREIHERR VON MATER. 263 zum Lin.-Inft.-Rginte. Freiherr Märiässy de Markus et Batis-Falva Nr. 37 zum Oblt, 1824 zum Lin.-Inft-Rgmte. (wie oben) Nr. 21 rttck- transferiert und zum Cpt.-Lt. befördert, rückte er 1828 zum Hptm. vor; 1831 erfolgte seine Übersetzung zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Freiherr von M6csery Nr. 51 und Beförderung zum Mjr. 1836 wurde äyulai zum Obstlt. befördert und zum Lin.-Inft- Rgmt. Erzherzog Franz Karl Nr. 52 übersetzt. Am 23. Mai 1840 wurde er Obst, und bei gleichzeitiger Über- setzung zum Regimente Commandant desselben. Mit A. h. E. vom 13. August 1847 wurde er zum GM. und Brigadier ernannt, später zum großen Generalstabe übersetzt; am 16. December 1848 erfolgte seine Versetzung in den Ruhestand. 1849 wurde er in die Activität wieder rückübersetzt, 1850 zum FML. be- fördert und 1853 erneuert in den Ruhestand übernommen, aus welchem Verhältnisse er 1873 in das Verhältnis außer Dienst versetzt wurde. FML. Graf Gyulai starb am 19. August 1886 in Gries bei Bozen. Im Jahre 1848 machte er den Feldzug in Ungarn mit und wurde mit dem Militär- Verdienstkreuze (KD.) ausgezeichnet. Im April wurden die ersten zwei Bataillone nach Verona verlegt, wo- selbst nunmehr nach fünfzehnjähriger Trennung das Regiment vereint war. Die diesjährigen großen Herbsttibungen, an welchen das Regiment theilnahm, fanden um Rivoli und Montechiaro statt. Das Regiment war während dieser Manöver in der Brigade GM. Freiherr v. Zephyris, Division FML. Baron Piret, 2. Armee -Corps FML. Graf Zichy einge- theilt. Den Schluss der Manöver bildete wieder eine große Kirchen- parade, die am 11. October in der Ebene bei Medole abgehalten wurde. Hierauf marschierte der Regimentsstab, das 1. und 2. Bataillon abermals nach Mantua, das 3. Bataillon wieder nach Verona. In Mantua wurde das Regiment in die Brigade GM. Freiherr v. Wenz, Division FML. Freiherr v. Herber eingetheilt. Am 23. November wurde der Obstlt. Peter Don Boniperti mit Obst-Charakter ad hon. in den Ruhestand versetzt; an seine Stelle kam der Obstlt. Kneissler vom 18. Lin.-Inftr.-Rgmte. In diesem Jahre begann die Bewaffnung der Infanterie mit den neuen durch FML. Freiherr v. Augustin verbesserten Percussions- Gewehren mit Zünder. -kj 264 AKTON FREIHERR VON MAYER. 1841. Mit A. h. E. vom 18. Jänner wurde der Mjr. Corniani mit Obstlt-Charakter pensioniert, Hptm. Haam zum Mjr. befördert und am 17. Mai zum 18. Lin.-Inftr.-Rgmt. übersetzt, dagegen der Mjr. Hlawaczek vom 12. Lin.-Inftr.-Rgmt. ins Regiment eingetbeilt. Um dem Regimente sein Wohlwollen zu beweisen, schenkte der Regiments - Commandant Obst. Graf Gyulai dem Regimentfe einen für den BandafUhrer (Regimentstambour) in Wien verfertigten prachtvollen Stock, dessen Knopf aus gediegenem Silber bestand und eine Secunden- Uhr mit goldener Verzierung enthielt. Die Übergabe dieses wertvollen Geschenkes wurde mittelst Regiments-Befehl vom 15. März den Ab- theilungen bekannt gemacht. Am 29. März wurden die ersten zwei Bataillone nach Verona verlegt, woselbst sie zu dem im Angriff genommenen Baue dieser Armee- Festung zahlreiche Arbeitsmannschaften beistellten. Am 24. October fand zu Verona in Gegenwart des Landes- Militär - Commandanten FM. Grafen Radetzky v. Radetz und des Regiments-Inhabers FZM. Freiherr Mayer von Heldensfeld die Weihe der dem Regimente verliehenen drei neuen Fahnen statt. Zu diesem Ende war auf dem Gampo fior — dem kleinen Exercier- platze von Verona — ein prachtvolles Kapellenzelt mit dem Altar aufge- schlagen und diesem gegenüber standen die 3 Bataillone des Regimentes um 10* 30"* vormittags in größter Parade en front. Nachdem der Landes-Commandierende FM. Graf Radetzky, der Regiments-Inhaber FZM. Freiherr v. Mayer und die in Verona be- findlichen und von auswärts gekommenen Generale und Stabs-Officiere die Front besichtigt hatten, wurden Divisions-Massen formiert, welche strahlen- förmig sich vor dem KapcUenzelte aufstellten. Nun begann der Gottes- dienst; die heilige Messe wurde von dem Feld-Superior Johann Fischer gelesen, die Weihe von dem Bischof von Verona Dr. Mutti feierlich vollzogen, welch letzterer eine, dem Anlasse entsprechende, stilvolle Rede an die Versammelten, von einer eigens hiezu errichteten Kanzel richtete. Es war nunmehr der Moment gekommen, wo die alten Fahnen, die das Regiment durch volle 25 Jahre auf allen seinen Märschon durch Italien, Ungarn, Croatien und Dalmatien begleitet und Zeuge, wenn auch nicht kriegerischen Ruhmes, so doch gewiss seiner Auszeichnung ^^rti ANTON FBETHERB VON MATER. 265 und militärischen Ehre waren, an die sich somit manche Eriunerungen der Vergangenheit knüpften, abgegeben und den neuen Fahnen der Eid geleistet werden sollte. Die Wichtigkeit dieses Momentes veranlasste den Regiments- Commandanten Obst. Graf Gyulai zu einer militärischen, dabei er- greifenden italienischen Ansprache, die mit dem Rufe: „Iddio con- servi il nostro clementissimo sovrano Tlmperatore e Re Ferdi- nande ]." schloss. Ein dreifaches begeistertes „Eviva^ aus Mund und Herzen des ganzen Regimentes auf das Herrscherhaus folgte diesen Worten. Nun wurde den neuen Fahnen der Eid geleistet, worauf die Defilierung vor dem Landes-Gommandierenden stattfand. Hiemit war die kirchliche Feier beendet. Die Fahnenbänder wurden dem Regimente verehrt: 1. Von Ihrer Majestät der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Maria Louise, Herzogin von Parma, Piacenza und Guastalla, in der Farbe unseres Aufschlages mit reicher und geschmackvoller Stickerei und der in Gold gestickten Devise: „Si Dens pro nobis, quis contra nos?", — dann auf der Kehrseite mit Allerhöchstderen Namen: „Maria Luigia Arciduchessa d'Anstria, Duchessa di Parma, Piacenza e Guastalla 1841" geziert, welches Fahnenband noch heute die Regimentsfahne schmückt, 2. von der Stadt Verona in blauer Farbe mit der Devise: „Fide- liter et constanter" auf dem einen und „Verona Militibus civibus suis anno MDCCCXLP auf dem zweiten Bande, 3. von der Stadt Rovigo in der carmoisinrothen Aufschlagfarbe des alten Regimentes mit dem Wappen Venetiens, den Aufschriften: „La regia cittä di Rovigo Tanno 1841 D. D." und ,Agli invitti del regimento Bne. Mayer Nr. 45" und mit dem Motto: „L'ÜLTIMO DEI NOSTRI TI PERDERÄ." Es folgte nunmehr der zweite Theil des Festes. Geschäftige Hände ließen den Altar verschwinden und es begann ein militärisches Volksfest. Ein ganzer Ochs wurde auf einem hölzernen Spiefi gebraten, dasselbe Los theilten eine Reihe von Schafen. Der Regiments-Commandant Oberst Graf Gyulai hatte jedem Soldaten und Corporalen 6, jedem Feldwebel 10 Kreuzer, die Stadt Verona der ge- sammten Mannschaft eine dreitägige Gratis-Löhnung, sowie Fleisch 266 ANTOK FREIHERR VON MATER. und Wein verabreichen lassen. An endlosen Tischen saß die Mannschaft und that sich gütlich an Speise and Trank. Um 3** versammelte sich die gesammte Generalität, die Hono- ratioren, die Municipalitäten der Städte Verona und Rovigo mit ihren Podestes und das gesammte Officier-Gorps des Regimentes als Gäste des Regiments-Gommandanten an drei langen, unter herrlichen Pavillons stehenden Tafeln. Die eigene Regiments-Musik, sowie jene der Regimenter Erzherzog Albrecht Nr. 44 und Erzherzog Franz Karl Nr. 52, endlich die Stadt- Kapelle von Verona spielten lustige Weisen. Eine costumierte Gesell- schaft von Veronesern sang muntere Canzonetten. Toaste auf den Monarchen, den Landes-Commandierenden, den Regiments-Inhaber, die Städte Verona und Rovigo, endlich die sonstigen hohen Gäste wurden von dem splendiden Gastgeber bei schäumendem Ghampagner ausgebracht und die brausenden „Hochs^ und „Evivas'' vom Donner der Kanonen auf den Wällen erwidert. Eine unabsehbare Menschenmenge hatte diesem Feste beigewohnt. Um 7* abends raillierte sich das Regiment und zog — unter Fackelbeleuchtung und Begleitung sämmtlicher Gäste und des ganzen Publicum 8 in die Festung auf den Brä-Platz, wo die neuen Fahnen auf die Haupt wache abgegeben wurden. Der Platz selbst, desgleichen das „Teatro filarmonico" war zu Ehren des Festtages von der Munici- palität glänzend illuminiert. Endlich sei erwähnt, dass anlässlich der Fahnenweihe die Städte Verona und Rovigo zusammen ein Gapital von 400 fl. C.-M. llär eine Stiftung zum Besten des Regimentes widmeten, mit deren Interessen alljährlich am 24. October die zwei ältesten und bestconduisierten Soldaten zu betheilen waren; mit der Abtretung Venetiens im Jahre 1866 erlosch diese Stiftung. Um die Feier des Fahnenweihfestes nicht zu stören, begnadigte der Regiments-Gommandant Obst. Graf Gyulai den an diesem Tage wegen 5. Desertion zum Tode des Erschießens bestimmten Gemeinen Giovanni Ivanici des Regimentes. Ende October kamen der Regimentsstab, das 1. und 2. Bataillon wieder nach Mantua. I . M % • ;l •• '.' • ( ' . < > !l I I f1 • , 1 :> t I ! ' r I 'I • . I . ■ t ' >. i . 1 I a : '. » - t I • /■ i.. ' \ 'i'Ji ,i ■ \ i > ■ HEIEmiCH FREIHERR VOK HERBERT-RATHKEAL. 267 Mit A. h. E. vom 12* November wurde Mjr. von Tempis in den Ruhestand versetzt und Hptm. Freiherr Schneider von Arno als Major vom Lin.-Inftr.-Bgmte. Nr. 42 zum Regimente übersetzt. 1843. Anfangs Mai wurden der Regimentsstab und die ersten zwei Bataillone nach Vicenza verlegt, während in Mantua ein Wach- detachement von 4 Officieren und 200 Mann zurttckblieb. Am 2. Juni starb zu Verona der Inhaber FZM. Anton Freiherr Mayer von Heldensfeld. Eine zahlreiche Deputation des OfBciers- Corps verfügte sich von Vicenza nach Verona, um den Begräbnis- Feierlichkeiten beizuwohnen. In Vicenza wurde am 2. Juli im Beisein des ganzen Regimentes, aller OflGciere der Garnison und der Honoratioren ein feierliches Seelenamt mit großem militärischen Pomp abgehalten. Am 27. Juni wurde der FML. Heinrich Constantin Freiherr Herbert-Rathkeal, Di visionär zu Mailand, zum Regiments-Inhaber ernannt. Heinrich Constantin Freiherr Herbert-Rathkeal, als Sohn des k. k. Internuntius bei der hohen Pforte am 15. März 1785 zu Consta nti- nopel geboren, trat 1799 als Volontär mit Lt.-Rang in englische Kriegs- dienste, machte den Feldzug in Egypten und Syrien mit und nahm 1800 österreichische Dienste als Lt. im Graf Lascy 22. Lin.-Inftr.- Rgmte., kämpfte 18ö0, 1805 und 1809 gegen Frankreich, und wurde für sein ausgezeichnetes Verhalten in der Schlacht bei Aspern außer der Tour zum Mjr. befördert. Am 5. Mai 1813 trat er als Mjr. in russische Kriegsdienste und machte den Feldzug gegen Frankreich als Commandant eines Freiwilligen-Bataillons mit. Am 28. October 1813 trat er erneuert in österreichische Dienste und erhielt seine Eintheilung als Hptm. beim Freiherr v. Hiller 2. Lin.-Inftr.-Rgmt. 1814 avancierte er zum Mjr., 1823 zum Obstlt, 1826 zum Obst, und Commandanten des Prinz Leopold beider Sicilien 22. Lin.-Tnftr.-Rgmts., 1832 zum GM. und 1840 zum FML. 1844 zum Festungs-Commandanten von Mantua ernannt, trat er am 23. Oetober 1846 mit dem Ausdrucke der Allerhöchsten Zufriedenheit in den Ruhestand. Er starb am 15. Juni 1847 in Görz. Das zu Mantua zuritckgelassene Wachdetachement trat Ende Juni und anfangs Juli bei Unterdrückung von daselbst ausgebrochenen 268 HEINRICH FBEIHERB VOX HERBERT-RATHKEAL. Volksaufständen durch besonnenes und kräftiges Auftreten in so hervor- ragender Weise in Thätigkeit, dass es nicht nur vom Festungs-Comman- danten FZM. Grafen Mazzuchelli belobt wurde, sondern auch die besondere Anerkennung des Landes -Coramandierenden EM. Grafen Radetzky, welche dem Commandanten Hptm. Karl Kortz nament- lich ausgesprochen wurde, erhielt. Im Herbste war das Kegiment, nach Einziehung des bezeichneten Wachdetachements, den großen zwischen Verona und Brescia statt- gefundcnen Manövern beigezogen und hicbei in der zum 2., vom FML. Bruno Freiherrn von Hammerstein befehligten, Armee-Corps einge- theilten Division des FML. Nobile de R6; Interims-Brigadier war der eigene Regiments-Commandant, da GM. Freiherr v. Wenz mit dem Interims-Festungs-Commando von Mantua betraut war. Den Schluss < . I 1 ■ I l I . <»•' -ll \ "■. . \ . » .-.l tl « t ERZHERZOG SIGMUND. 273 in die Stille des Landlebens zartick. Auf seinem Schlosse bei Gmünd lebte der Erzherzog fortan glücklich^ aber abgeschlossen, und nur selten vermochten ihn besondere Anlässe seiner Einsamkeit zu entreißen und an den Hof zu führen. Der Tod seines Bruders, des Herrn Erzherzogs Heinrich, war ein solcher Anlass, und Erzherzog Sigismund ließ es sich nicht nehmen, nicht nur den Trauerfeierlichkeiten beizuwohnen, sondern auch die sterbliche Hülle desselben nach Bozen zu geleiten. Hiebei zog er sich eine Erkältung zu, deren Folgen binnen einigen Tagen sein Ende herbeiführten. Er starb in Wien am 15. December 1891. Karl Vincenz Ritter v. Hartlieb wurde als Sohn des 1832 verstorbenen Mjrs. Vincenz Ritter von Hartlieb zu Gasdorf in Böhmen am 11. März 1785 geboren. Er trat am 30. November 1803 aus der Theresianischen Militär-Akademie als Fähnr. in das Prinz V. Reus-Plauen 17. Inftr.-Rgmt. ein, machte den Feldzug 1805 als Lt. mit und wurde als Oblt. in den GQSt. übersetzt, in welchem er den Feldzug 1809 theils im Hauptquartier, theils bei der Truppe mit- machte und im August zum Hptm. vorrückte. Ununterbrochen im GQSt. dienend und wiederholt während der Feldzüge 1812 und 1813 mit besonderer Auszeichnung verwendet, avancierte er 1815 zum Mjr., 1828 zum Obstlt, 1832 zum Obst. 1838 wurde er zum GM. und Brigadier^ 1846 zum FML. und Divisionär in Karlstadt befördert. Als solcher nahm er in hervorragender Weise 1848 an der Einnahme Wiens, später an allen bis zur Einnahme von Budapest vorgefallenen Gefechten theil und wurde sodann zum Militär - Gommandanten in Laibach ernannt. Für die 1848 bethätigten hervorragenden und entscheidenden Leistungen erhielt er mit Promotion vom 29. Juli 1849 das Ritter-Kreuz des Maria-Theresien-Ordens; 1850 wurde ihm mit dem Prädicate „von Wallthor'' der Freiherrnstand verliehen. 1859 trat er unter Ver- leihung des FZM.-Charakters ad hon. in den Ruhestand und starb am 21. August 1862 in Karlstadt. Der Regiraents-Commandant Obst. GrafGyulaiv.Maros-N^methy und Nädaska wurde mit A. h. E. vom 13. August zum GM. und Brigadier ernannt; weiters der Mjr. Karl Graf Radetzky v. Radctz in den Rahestand versetzt und an seine Stelle der Hptm. Johann Knoll zum Mjr. befördert. H<>gi)nont^ge(ichlchtc. IS 274 ERZHERZOG SIGMUND. Im September bekam das Regiment deu Befehl, mit dem Regiments - Stabe und dem 1. Bataillone nach Verona abzurticken. Die 1. und 2. Division traten den Marsch dahin am 12. September an; die 3. Divi- sion, welche die Besatzung von Venedig — wegen zu gewärtigenden größeren Fremdenzuflusses für die Dauer eines Gelehrten-Congresses vom 10. bis 30. September — verstärkte, folgte am 1. October. Das Regiment trat in den Verband der Brigade des GM. Samuel Grafen Gyulai, Division FML. Graf Ludolf. Mit A. h. E. vom 11. October wurde der Obstlt. Josef Heyntzel zum Obst, befördert und zum Regiments-Gommandanten ernannt, weiters der Mjr. Ludwig Freiherr Schneider v. Arno zum Obstlt. befördert. Josef Heyntzel, im Jahre 1793 in Neuschloss in Böhmen geboren, trat am 1. September 1813 zum Lin.Inftr.-Rgmt. Kaiser Franz Nr. 1 als Fähnr. ein, wurde 1814 zum Utlt., 1828 zum Oblt., 1831 zum Cpt.-Lt. befördert und rückte 1833 zum Hptm. vor. 1838 avancierte er zum Mjr. und wurde zum Lin.-Inftr. Rgmt. Wilhelm Herzog von Nassau Nr. 29, mit A. h. E. vom 17. November 1845 zum Regimeute übersetzt und zum Obstlt., mit A. h. E. vom 11. October 1847 endlich zum Obst, befördert und zum Commandanten des Regimentes ernannt. Mit A. h. E. vom 24. Juni 1849 erfolgte dessen Beförderung zum GM. bei gleichzeitiger Übersetzung zum großen Generalstabe, woselbst er 1854 zum FML, avancierte. Heyntzel wurde 1859 in den Ruhe- stand versetzt und starb am 31. August 1870. Heyntzel hat den Feldzug 1848 und 1849 gegen Italien mit- gemacht und wurde zufolge A. h. E. vom 7. April 1849 mit dem Orden der eisernen Krone 3. Ol. (K.-D.) ausgezeichnet. Mit 9. December wurde die 9. Division (17. und 18. Compagnie) wieder aufgestellt; mit 16. d. Mts. nahm das Regiment den Kriegs- stand an. Am 30 April schloss der ruhmgekrönte, unsterbliche „Sieger von Aspern," Erzherzog Karl, seine Augen. IL ABSCHNITT. Der Krieg in ItaUen 1848. 1848. Zum drittenmale innerhalb 60 Jahren wurde von Paris aus die Fackel des Aufruhres in die Welt geschleudert. Die Verweigerung einer Wahlreform entfaltete eine Aufregung, die zum oflFenen Aufstande ftthrte. König Louis Philipp musste abdanken und flüchtete, worauf die Republik proclamiert wurde. Die Kunde der Februar-Revolution verbreitete sich rasch von Land zu Land und warf die zündenden Funken in den überall ange- häuften Brennstoff. In fast allen Staaten entbrannte ein Kampf gegen die bestehenden Verhältnisse. Die Besonnenheit wich einem leidenschaft- lichen Taumel; der einen gewaltsamen Umsturz der staatlichen Zu- stände plante. So brach auch für Osterreich eine schwere Zeit gelockerter Ordnung an. Die lange vorbereiteten revolutionären Bewegungen ergriffen dem- nach auch die italienische Halbinsel. Die Führer der extremen Parteien sahen in dem Könige von Sardinien Carlo Alberto — der, selbst ein tapferer Soldat, ein gut ausgebildetes Heer besaß — den geeigneten Herr- scher, um ihre weitgehenden Umsturzpläne zu verwirklichen. In Mailand waren die schon anfangs Jänner 1848 stattgehabten Cigarren-Krawalle vom dortigen commandierenden General, FM. Grafen Radetzky^ als Vorboten des herannahenden Sturmes erkannt worden. Der Feldmarschall hatte nicht unterlassen, die Aufmerksamkeit der Regierung auf die sich immer bedrohlicher gestaltenden Verhältnisse in Italien zu lenken. Sein klarblickender Geist war längst der Rolle inne geworden, welche das benachbarte Piemont in der erwarteten Krisis zu spielen entschlossen schien. 18* 18y- 1831 '-7;* ERZHERZOG SIGMUND. 277 Verbrechern Amnestie und bewilligte die Errichtung einer National- garde. Der Jubel über diese weitgehenden Zugeständnisse war leider kurz und wich bald wilden Ausbrüchen einer blinden, irregeleiteten Leidenschaft In Ungarn, wo schon seit dem Reichstage von 1846 Sonder- interessen zu Tage getreten waren, fand die Februar -Verfassung vor- bereiteten Boden. Die gänzliche Unabhängigkeit von Osterreich, sowie die Suprematie des Magyarismus waren die Ziele der leitenden Kreise. Der Kaiser, immer zur Milde geneigt, gab Ungarn nicht nur alle den tlbrigen Kronländern gewährten Freiheiten und Vorrechte, sondern auch ein eigenes Ministerium, an dessen Spitze Ludwig Graf Bat- thyänyi stand. Inzwischen war in Italien der Carbonarismus wieder erwacht; sein Hass richtete sich hauptsächlich gegen das deutsche Osterreich* Mit 27. Jänner wurde auch die Grenadier-Division des Regimentes, welche zur Zeit mit jenen der Regimenter Nr. 38 und 43 das Grenadier- Bataillon D'Anthon bildete, auf den Kriegsstand versetzt. Am 26. Februar wurde die 7. Division des Regimentes nach Peschiera, die 8. Division nach Legnago als Verstärkung der Besatzungen bestimmt. Am 5. März erhielt das Regiment den Befehl, mit dem Regiments- Stabe und dem 1. Bataillon nach Bergamo, dieser von jeher für revolutionäre Umtriebe leicht empfänglichen Bergstadt, abzurücken und wurde hiedurch der hohen Ehre theilhaftig, in den Verband der von dem durchlauchtigsten Inhaber Seiner k. k. Hoheit dem Herrn GM. Erzherzog Sigmund befehligten Brigade zu treten. Der Marsch dahin wurde am 8. März angetreten und tlber Castel- nuovo, Lonato, Brescia — woselbst FML. Karl Fürst Schwarzen- berg die Truppen besichtigte — und Palazzolo ausgeführt. Am 12. rtlckte das Bataillon in Bergamo ein und wurde — noch vor der in die S. Agostino-, S. Giovanni- und den Communal-Kasemen Paradiso und S. Marta erfolgten Kasernierung — von dem daselbst als Stations- Commandanten fungierenden durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Sig- mund besichtigt. Am 19. März brach der Aufstand in Bergamo aus. Wiewohl es Seiner k. k. Hoheit dem GM. Erzherzog Sigmund gelang, anfänglich 278 ERZHERZOO SIGMUND. die Empörung selbst dann noch niederzuhalten, als sieh schon die Orte der nahen Umgebung — besonders in der Valle-Brembana und Seriana — der offenen Rebellion anschlössen, fielen doch die künst- lichen Schranken, nachdem auf Befehl Radetzkys unser 1. Bataillon am 20. zur Verstärkung der hartbedrängten Mailänder-Garnison^ wo die Revolution bereits ausgebrochen war, abzurücken im Begriffe war. Die Bewohner Bergamos widersetzten sich mit Gewalt diesem Abmärsche und empfiengen das Bataillon, als es um 5^^ 30*" nachmittags die S. Giovanni -Kaserne verließ, in der Nähe des damaligen soge- nannten Militär-Kaffeehauses mit einer Gewehrsalve und einem Hagel von aus Fenstern und Dachliiken geworfenen Steinen. Ein hartnäckiger, durch Barricaden unterstützter Straßenkampf folgte, in welchem der Bataillons-Commandant Obstlt. Ludwig Freiherr Schneider von Arno schwer verwundet, in die Gefangenschaft der Empörer fiel. Die zer- streute Dislocierung erschwerte die Raillierung. Auf dem unteren Markt- platze sich mit der beihabenden Compagnie neuerlich sammelnd, wurde auf Befehl Seiner k. k. Hoheit des Erzherzogs Sigmund um 7* 30*" abends Bergamo verlassen und unter beständigem Regen, ohne beunruhigt zu werden, nach Gorgonzola marschiert. Bei diesem Orte, um 2*^ nachts angelangt, wurde das Bataillon — wie erwartet — von allen Fenstern und Dächern mit heftigem Gewehrfeuer empfangen. Da die Mannschaft durch beständiges Patrouillieren während zweier Nächte, durch die ständige Bereitschaft, hauptsächlich aber durch den langen fatikanten Nachtmarsch so erschöpft war, dass der Angriff auf das stark besetzte Dorf Gorgonzola nicht zu wagen war, so zog sich das Bataillon in das kleine Dorf Fornace an der Hauptstraße zurück, wo sich dasselbe bei dem ersten Hause gegen Mailand festsetzte. Bei Tagesanbruch am 21. März war das Bataillon von mehreren Tausend bewaffneten Insurgenten von allen Seiten umgeben und musste in der innehabenden Stellung den ganzen Tag ein lebhaftes Plänkler- gefecht fllhren, um sich die Insurgenten vom Leibe zu halten. Bei ein- brechender Nacht setzte das Bataillon, da die Hauptstraße durch Insur- genten abgesperrt und keine Wahrscheinlichkeit vorhanden war, sich mit dem zusammengeschmolzenen Bataillon durchzuschlagen, auf Um- und Seitenwegen — durch Boten geführt — den Marsch nach Mailand fort, wo es am 22. März um 3* früh im Castell noch rechtzeitig an- ERZHERZOG SIGMUND. 279 laogte, um — in der Brigade des GM. Eduard Graf Clam-Gallas eingetheilt — an dem Schlüsse des dortigen blutigen Dramas rühmlichen Äntheil zu nehmen. Leider wurden bei dem Straßenkampfe in Bergamo IV2 Compagnien und die Regimentsmusik durch Barricaden von den übrigen getrennt; sie schlössen sich an das in Bergamo als Besatzung zurückgebliebene Szluiner Grenz-Bataillon an. Bei den ebengenannten l'/s Compagnien, die 1. und fast halbe 2., befanden sich Hptm. Josef Gumberth und Utlt. Adam Jovanovich, während Hptm. Adam Eortz Gelegenheit fand, in der folgenden Nacht durch Übersetzung der Stadtmauern, zum bereits weiter voraus gelangten Bataillon zu stoßen. Misslicher gestaltete sich nunmehr die Lage der — im Vereine mit dem genannten, durch Übernahme der verschiedenen Wachposten zum großen Theil zersplitterten Grenz-Bataillone in Bergamo — zurück- gebliebenen Abtheilungen und Kanzleien unseres Regimentes. Durch zahlreiche Barricaden in ihren einzelnen Theilen getrennt, drohte den Kaiserlichen daselbst die Gefahr allmählicher Vernichtung. Diese Situa- tion erfassend, ordnete Erzherzog Sigmund deren Sammlung und die Räumung der Stadt an. Ungeachtet aller Anstrengungen wollte diese anfangs nicht gelingen, und der Erzherzog, welcher eilen musste, sich an die Spitze seiner übrigen, in Brescia stationierten Truppen zu stellen, konnte schließlich keine günstigeren Resultate abwarten. Nach der am 23. März gelungenen Vereinigung der kaiserlichen Truppen wurden Unterhandlungen wegen des Abzuges eingeleitet. Die Rebellen wollten anfangs den Unsrigen nur gegen Ablegung der Waffen den Abzug einräumen, eine Bedingung, welche mit Indignation zurück- gewiesen wurde und auf welche denn schließlich auch die Insurgenten nicht länger mehr bestanden. Die Unsrigen, denen daher die Schmach einer Waffenstreckung an die Empörer erspart blieb, gelangten auf großen Umwegen, indem sie sich gewaltsam die Bahn öffneten, über Chiari, Bagnolo, Montechiaro — durch den bewaffneten Aufstand dieser Gegend aber zurückgewiesen, sich Chiose abwärts wendend — zum Schlüsse über Peschiera Ende März unter die schützenden festen Mauern Veronas. Das auch aus der Grenadier-Division unseres Regimentes bestan- dene Grenadier-Bataillon D'Anthon verließ noch vor Ausbruch der 280 ERZHERZOG SIGMUl^^D. Revolution Mailand, um Seine kaiserliche Hoheit den Erzherzog- Vice- könig als Sicherheits- und Wachdetachement nach Verona zu begleiten, von wo es erst Ende des Monats wieder in den unmittelbaren Verband des 1. Armee-Corps zurückkehrte. Die Märztage Wiens hatten am 18. desselben Monates einen offenen Aufstand in Mailand zur Folge, der sich mit fliegender Eile über das ganze lombardisch- venetianische Königreich ausbreitete. Von dem genannten Tage wttthete der Straßenkampf in dieser Stadt, in welcher, seit es zur Beschwichtigung der empörten Volksmenge keine anderen Argumente mehr als Feuersehlünde und Bajonnette gab, FM. Graf Radetzky selbst die Zügel der kaiserlichen Regierung übernahm. In den Herzogthümern Parma, Piacenza und Modena war gleich- falls die Empörung ausgebrochen. Der Sarden-König Carlo Alberto brach ohne vorhergegangener Kriegserklärung zur Unterstützung des Attfstandes in die Lombardie ein, gegen welche auch päpstliche Truppen und toskanische Freischaren anrückten. Unter diesen Umständen beschloss FM. Graf Radetzky, die schwachen und zerstreuten kaiserlichen Streitkräfte hinter dem Mincio zu sammeln. Dort, mit dem 2., von FML. Baron D'Aspre befehligten Armee-Corps vereinigt und auf die Festungen Verona, Peschiera, Mantua und Legnag o gestützt, wollte er den Kampf gegen die piemontesische Armee annehmen. Die Räumung Mailands — nur unter hartnäckigen Straßenkämpfen durchführbar — sollte in der Nacht vom 22. auf den 23. März erfolgen. Die Compagnien unseres Regimentes wurden seit ihrem Eintreffen in Mailand zur Besetzung und Vertheidigung der Wälle bei Porta Ludovica, Romana undTosa bis 2* morgens des 23. März verwendet. Während dieser Zeit gelang es den Insurgenten, sich des bei Porta Ludovica gelegenen Cadctten-Compagnie-Gebäudes S. Lucca zu bemächtigen. Da dasselbe seiner Lage wegen nicht in den Händen der Rebellen gelassen werden konnte, so entsendete GM. Graf Clam- Gallas den Commandanten unseres Regimentes, Obst. Heyntzel, mit 3 Compagnien des Regimentes, 2 Compagnien Reisinger- Infanterie und 2 Geschützen zur Wiedereroberung des genannten Objectes. Nach einem sehr erbitterten Kampfe gelangte Obst. Heyntzel mit seiner ERZHEKZOa SIGMUND. 281 braven Truppe in den Besitz dieses Gebäudes und säuberte auch die der Porta Ludovica zunächst liegenden Häuser von den Aufständischen. Gegen Abend des 22. wurde die Porta Tosa von einer dort ursprünglich postierten Grenadier-Abtheilung aus Unkenntnis der momen- tanen Gefechtslage verlassen und den Insurgenten, die daselbst sogleich Barricaden errichteten, preisgegeben. — GM. Graf Clam-Gallas beor- derte zur Wiedereroberung dieses für den beabsichtigten Abmarsch so wichtigen Punktes den Hptm. Adam Kortz des Regimentes mit 2 schwachen Compagnien. Hptm. Kortz erfüllte diesen Auftrag sehr rühmlich. Das genannte Thor wurde wieder genommen und mit einer starken Abtheilung besetzt. Der Verlust der i^/^ Compagnien des Regimentes in diesen Straßen- kämpfen betrugen: todt 1 Mann, verwundet 3 Mann. Der Abmarsch der kaiserlichen Truppen aus Mailand begann am 22. März um 9* abends und wurde am 23. bei Tagesanbruch voll- endet. Hiebei sammelten sich die längs des Walles von Porta Ticinese bis Porta Romana aufgestellten Abtheilungen der Brigade Clam, unter welchen sich auch die Compagnien des Regimentes befanden, bei Porta Vigentina und hielten diese so lange besetzt, bis die als Arri^regarde nachgefolgte Brigade Wohlgemuth dieses Thor passieii; hatte, worauf sie sich an die mittlerweile bis Porta Vigentina gelangte Haupttruppe ihrer Brigade anschlössen. Diese Brigade bildete von da ab über Landriano die rechte Seitenhut der auf der Hauptstraße nach Lodi ziehenden großen Armee-Colonne. Der Abmarsch der kaiserlichen Truppen gieng ohne bedeutende Störung vor sich. Anfangs musste wohl die Avantgarde-Brigade Graf Gjulai bei Porta Tenaglia, Comasina und Tosa die Insurgenten, welche hier Angriffe versuchten, zurücktreiben, — dann aber wurde der Marsch ohne Hemmung und ohne Verluste festgesetzt, so dass nach Mitternacht auch die Arri^regarde-Brigade Wohlgemuth ihren Rückzug antreten konnte. Lautlos bewegten sich die langen Reihen und nur das Geplänkel unserer, mit anderen Abtheihingen zum Schutze dos Abzuges auf der Wallnmfassung aufgestellten Compagnien, von Zeit zu Zeit Kanonen- donner und das unaufhörliche Sturmgeläute tönten schauerlich durch die finstere Märznacht. 282 ERZHERZOO SIGMUND. So endeten die in Mailand durch 5 Tage und Nächte unter beständigen Kämpfen und Entbehrungen aller Art verlebten verhängnis- vollen Ereignisse, während welcher alle Truppen, auch unsere italie- nischer Nationalität, ausnahmslos bis zum letzten Augenblicke Beweise einer seltenen Aufopferung und unerschütterlichen Treue gegeben hatten. Die Compagnien des Regimentes lagerten am 23. März bei Lan- driano, am 24. bei Lodi, am 25. bei Romanengo, am 26. bei Soncino und sicherten am 27. das Lager bei Manerbio gegen Westen. Am 28. März erreichten unsere Compagnien Montechiaro, am 29. Lonato und bestritten am 30. bei dem an der Chiese liegenden Orte Ponte S. Marco — vom 31. März bis 4. April morgens bei Calci- nato — die Vorposten, wobei der RegimentsCommandant Obst. Heyntzel als Vorposten-Commandant fungierte. Die 4V2 Compagnien unseres Regimentes traten nunmehr defi- nitiv in den Verband der als „leichten" bezeichneten Brigade GM. Graf Clam-Gallas, welche weiters aus 2 Bataillonen des Infanterie-Regi- mentes Freiherr von Reisinger Nr. 18, dem 3. Bataillon des Infanterie- Regimentes Erzherzog Albrecht Nr. 44, 2 Escadronen Radetzky- Husaren und der Fußbatterie Nr. 2 bestand und mit der Brigade GM. Graf Strassoldo die Division des FML. Karl Fürsten Schwarzen- berg bildete. Das Grenadier-Bataillon D'Anthon, bei welchem sich die Grenadier- Division des Regimentes befand, kehrte Ende März von seiner speciellen^ unter den gegebenen, allerorts Mord und Treubruch predigenden Ver- hältnissen doppelt ehrenden Commandierung zurück, und wurde in die Brigade GM. Graf Schaaffgotsche, Division FML. Wocher, eingetheilt. Die genannten Heereskörper gehörten zum 1. Armee-Corps, welches FML. Graf Wratislaw befehligte. An der Chiese nahm der Fedmarschall eine zeitweilige Auf- stellung, wobei das 1. Bataillon des Regimentes am 6. April in die Cantonierung nach Villa fr anca gelangte. Hier rückten von den seit Bergamo Vermissten: Hptm. Gumberth und Lt. Jovannovich, 116 Mann des streitbaren Mannschaftsstandes und ein Theil der Regiments- Musik beim Bataillon ein, welches noch durch 311 Mann vom Stande des Depot-Bataillons und eine Anzahl Reconvalcscenten aus dem Veroneser Spitale verstärkt wurde. ERZHERZOG SIGMUND. 283 Am 8. April unternahmen die sardinischen Truppen eiuen Angriff auf die hinter den Mincio zurtickgeftihrien Kaiserlichen, zu dessen Abwehr auch unser nunmehr completiertes 1. Bataillon aus Villafranca gegen Goito vorgeführt wurde; es gelangte jedoch nicht mehr zur Verwendung, da bei seinem Einlangen auf dem Gefechtsfelde die Piemon- tcsen bereits den Mincio überschritten hatten. Am Abende dieses Tages bezog das Bataillon die Vorposten bei Quarderni. Das 3. Bataillon des Regimentes, welches in der Zwischenzeit seine in Legnago, Peschiera und Verona gestandenen Divisionen vereinigt hatte und in den Verband der Brigade GM. Graf Strassoldo getreten war, besetzte am 9. April, als der Feind mit 2 Bataillonen und 8 Geschützen die Brücke von Borghetto angriflF, die Höhen nächst Valeggio und hielt sich in diesem Gefechte nach der officiellen Rela- tion brav und tapfer; seine Verluste betrugen: todt 6 Mann, verwundet 10 Mann. Nach dem Aufgeben der Mincio-Linie wurde das 1. Armee- Corps in der Nacht vom 10. auf den 11. April zur Besetzung des Rideaus von Verona zurückgezogen. Unser 1. Bataillon gelangte hie- durch in ein Lager bei S. Massimo, alsbald aber in ein solches hinter Fort Brocolo, und wurde am 16. April nach Verona verlegt. Der Regiments-Commandant Obst. Heyntzel erhielt den Auftrag, am 19. April mit dem 1. Bataillon des Regimentes, 2 Compagnien des 10. Feldjäger-Bataillons, 1 Escadron Radetzky-Husaren, 2 Cavallerie- und 2 Raketen-Geschützen einen Streifzug in die Gegend von Legnago durchzuführen; da sich in dem unfern gelegenen Schlosse Bevilaqua, dessen Besitzer feindselig gesinnt war, Freischaren festgesetzt hatten und die Lieferung von Lebensmitteln aus dieser Gegend hinderten. Die Insurgenten — 600 Romagnolen und 200 Toscaner unter Obst. Zambeccari — ergriflFen nach einigen Granatwürfen die Flucht und räumten die Gegend über Montagnana und Este bis Monselice. Das Streif-Commando kehrte, nachdem es das Schloss von Bevilaqua hart; aber nach Verdienst des Besitzers mitgenommen, nämlich dieses und den größeren Theil des Ortes in Brand gesteckt hatte, am 22. April über Isola Porcarizza nach Verona zurück, worauf unser Bataillon in der Veronetta bequartiert wurde. 284 ERZHERZOG SIGMUND. König Karl Albert von Sardinien entschloss sich, durch einen entscheidenden Schlag gegen die vor Verona vorsammelten Streitkräfte Radetzkys, das Ziel seines ehrgeizigen Strebens, zu erreichen. — Dieser Entschluss führte am 6. Mai die denkwürdige Schlacht herbei, welche nach dem von unserem 3. Bataillone im Vereine mit dem 10. Feld- Jäger-Bataillone mit Heldenmuth vertheidigten, nahe bei Verona gele- genen 8- Lucia ihre Benennung erhielt. (Hiezu Beilage VI.) Radetzky, der inzwischen zur Verbindung mit Tirol zwei seiner Brigaden im Etschthale oberhalb Verona postiert hatte, schlug bei diesem Orte mit nur 19.000 Mann den Angriff des mehr als doppelt überlegenen Feindes ab. Wichtig war dieser Tag in seinen Folgen: die Unsrigen belebte er mit neuer Hoffnung und Zuversicht für die Zukunft, während er im gleichen Maße in der gegnerischen Armee das Vertrauen zur Führung schwinden machte. Während das 1. Bataillon des Regimentes als Besatzung in Verona verblieb, wurde das 3. Bataillon — im Verbände der Brigade Stras- soldo — vom 1. Mai an zur Besetzung des Rideaus von Tombetta bis S. Lucia verwendet. Am Morgen des 6. Mai befand sich die Brigade GM. Graf Stras- se Ido, bestehend aus den nicht completten 6 Gompagnien unseres 3. Bataillons, noch aus dem 10. Feld-Jäger-Bataillon, 2 Escadronen Radetzky-Husaren und der Cavallerie-Batterie Nr. 3, nebst der Brigade Clam, beide zur Armee-Di vision des FML. Karl Fürsten Schwarzenberg gehörend, in unmittelbarer Verbindung mit den von S. Massimo süd- wärts haltenden Truppen des GM. Samuel Grafen Gyulai, in und um S. Lucia. Die Vorposten bildeten zwischen Gamponi und Monte di Dossobuono 2 Gompagnien des 10. Feld- Jäger-Bataillons; von da bis Trezze 2V2 Gompagnien des 3. Bataillons unseres Regimentes. 4 Gompagnien des 10. Feld- Jäger-Bataillons und 3 Geschütze hielten den Theil von S. Lucia, welcher nördlich der Straße nach Villafranca liegt, nebst Groce dei Recchi bis Pellegrino besetzt. Die Vertheidigung des südlich davon gelegenen Ortstheiles, sowie der unbedeutenden Gehöfte bis Ghioda, fiel den noch restierenden 3V2 Gompagnien unseres Bataillons zu. Zwei Geschütze waren zur Bestreichung der von Villafranca herführenden Straße vortheilhaft placiert. ERZHEHZOG SIGMUND. 285 Bei der geringen Stärke dieser Brigade, welche mit der Ausdeh- nung der ihr zugefallenen Gefechtsstellung von Pellegrino bis Chioda in keinem Verhältnisse stand, war es unmöglich, die erforderliche Reserv e zu erübrigen. Als solche konnte somit nur die 2. Division von Radetzky- Husaren, welcher die Beschaffenheit des Terrains ohnehin keine freie Bewegung gestattete, angesehen werden. Die Brigade Clam stellte sich mit dem Grenadier-Bataillon D'Anthon^ 1 Escadron Radetzky-Husaren und 2 Geschützen am Rondell vor Porta nuova auf, um von dort nicht allein die eigenen Vortruppen, sondern auch die Brigade Strassoldo unterstützen zu können. So viel es Zeit und Verhältnisse gestatteten, wurde die sehr aus- gedehnte Gefechtsstellung am Rideau fortificatorisch verstärkt. Alle Zu- gängO; welche von Feindesseite gegen die in der Stellung gelegenen Orte: Chievo, Croce Bianca, S. Massimo, S. Lucia und Tombetta führten, wurden durch Abgrabungen und Traversen gesperrt, die Um- fassungsmauern creneliert und die daran liegenden Häuser, sowie ein- zelne Gehöfte verrammelt; endlich vor der Front Bäume gefällt, in den Zwischenstrecken Verhaue angelegt und Jägergräben ausgehoben. Die feindliche Armee stand auf den Höhen von Pastrengo, S. Guistina, Sona und Sommacampagna. Früh morgens jenes denkwürdigen Tages wurden bereits vom Observatorium Bewegungen in der feindlichen Stellung wahrgenommen, welche die Absicht des Gegners: die Offensive zu ergreifen, errathen ließen. Es war 8* 30"* früh, als der so beträchtlich überlegene Gegner zuerst in der Richtung von Sommacampagna in dichten Plänkler- schwärmen, gefolgt von starken Colonnen, gegen unsere Vorposten bei Ca. Nuova, Camponi und Toffalone herankam und sogleich ein lebhaftes Feuer eröffnete. Kurz darauf erfolgte auch die Vorrückung gegen unseren rechten Flügel in der Richtung von S. Massimo. Unsere Vortruppen zogen sich, vom Gegner gedrängt, in die Gefechtsstellung zurück und das Gefecht begann nunmehr, hauptsächlich an den west- lichen Ausgängen von S. Lucia, einen sehr lebhaften Charakter anzu- nehmen. — Bald waren alle Punkte der Stellung auf dieser Seite engagiert. 286 ERZHERZOG SIGMUND. Die Armeelcitung hatte, aas dea entwickelten bedeutenden Kräften des Feindes und aus seinem vehementen Angriffe, bald dessen Absicht, S. Lucia zu forcieren, erkannt. Es wurden daher 4 Compagnien des im Rondell aufgestellten Grenadier-Bataillons D'Anthon rasch als Ver- stärkung herangezogen, um vorzüglich die hinter dem Verhaue zwischen Casa Pellegrino und S. Lucia aufgestellten Jäger zu unterstützen. Diese Aufgabe fiel auch der Grenadier-Division des Regimentes zu, welche bei dieser Gelegenheit einen ungewöhnlichen Grad von Muth und Ausdauer bewies. Der Feind, wohl mit Recht darüber erstaunt, von einer verhältnis- mäßig kleinen Truppenzahl in seinem Vorschreiten derart gehemmt zu werden, verdoppelte seine Anstrengungen und begann nunmehr auch mit seinen Batterien ein verheerendes Feuer gegen den vor dem Orte S. Lucia gelegenen Friedhof und die Kirche zu richten. Gleichzeitig ließ er durch Geschütz und einen Hagel von Kleingewehrgeschossen die rechts des Kirchhofes hinter einem Steindamme postierten Jäger beschießen, welche bestimmt waren, im äußersten Nothfalle den Rück- zug der kleinen Friedhofbesatzung zu decken. Um dieselbe Zeit gewahrte man auf der Straße von Villafranca eine feindliche Cavallerie Colonne, welcher Infauterie-Colonnen folgten. Als sie sich aber unserer Stellung näherten, wurden sie von den durch den Unterfeuerwerker Poitzl auf der Straße placierten Geschützen der Strassoldo'schen Brigade-Batterie mit solcher Wirksamkeit beschossen, dass sie — links und rechts der Straße abweichend — sich gegen den oben erwähnten Verhau und die Redoute vor dem großen Garten diri- gierten. Dagegen gelang es dem Feinde, die vom Lt. Reichel befeh- ligte halbe Cavallerie-Batterie Nr. 3, durch seine bei Fenilone sehr vorthoihaft placierten Geschütze, sowie durch das heftige Kleingewehr- feuer der sich gedeckt genäherten zahlreichen Infanterie aus ihrer Auf- stellung nächst dem Kirchhofe zu verdrängen. Als diese Geschütze abfuhren, schritten die piemontesischen Elite -Truppen, die Garde-Grena- diere, zum Sturme gegen den Kirchhof Mehrmals abgewiesen, erneuerten sie die Angriffe stets in rascher Aufeinanderfolge mit vieler Kraft und Tapferkeit Allein alle ihre Bemühungen und ihre Aufopferung scheiterten an dem unbeugsamen Mathe der „Zehner- Jäger". Zweimal warfen die- selben den schon eingedrungenen Feind mit dem Bajonnette zurück. ERZHERZOG BIGMUND. 287 Drei volle Stunden dauerte bereits der ungleiche Kampf, welchen die „Zehner-Jäger", obgleich sie nach dem Rückzuge der oberwahnten halben Batterie auch jeder Mitwirkung des Geschtltzes entbehrten, mit wahrhaft bewunderungswürdiger Ausdauer und Aufopferung unter ihrem einzig tapferen Obst. Karl von Kopal fortsetzten. Als aber die kleine, an dieser Stelle bloß aus 2 Compagnien bestandene Heldenschar ihre Munition gänzlich verschossen hatte, musste sie endlich der Übermacht weichen und den Stürmenden den Besitz des Friedhofes überlassen. — Dagegen behauptete sich auch jetzt noch unsere den Jägern zugesendete Regiments-Grenadier-Division hinter dem bereits einmal erwähnten Stein- damme zwischen C. dei Recchi und Pellegrino. Der Kampf um den Kirchhof nahm die Kräfte des Feindes derart in Anspruch, dass er während dieser ernsten Stunden gegen den von unserem 3. Bataillon besetzten Abschnitt der Gcfcchtsstellung — in allen officiellen diesbezüglichen Relationen wird mit den „Zehner-Jägern" unser Bataillon mit gleich großer Aus- zeichnung genannt — nur secundäre und gleichfalls erfolg- lose Angriffe unternehmen konnte. Als aber jenes erstere Object verlassen werden musste, erfolgte der hinter decken- den Terrain-Gegenständen vorbereitete Sturm des Feindes mit gleicher Heftigkeit auch nach dieser Seite hin. Aber auch hier fand der Gegner den hartnäckigsten Widerstand und er konnte ungeachtet aller Anstrengungen nur so viel Boden ge- winnen, als von den Unseren aus taktischen RUcksichten, um nicht in der Flanke gefasst und abgeschnitten zu werden, daselbst freiwillig aufgegeben wurde. Wie überall, so musste auch hier der Feind jeden Schritt vor- wärts durch schwere Verluste erkaufen, wobei einige seiner Parlamen- täre, welche unser 3., unter seinem Commandanten Mjr. Adam Kortz so brav streitendes Bataillon zum Treubruche verleiten wollten, solch niedrigen Versuch gleichfalls mit dem Leben büßten. Als djis Gefecht von S. Massimo und Croce Bianca entbrannte, musste die Division Schwarzenberg ungefähr um 2* mittags ihre Stellung verändern. Es standen nunmehr von der Brigade Strassoldo das 10. Feld-Jäger-Bataillon und 2 Divisionen D'Anthon- Grenadiere, die Cavallerie-Batterie Nr. 3 und die Division Husaren hinter dem 290 ERZHERZOG SIGMUND. Schon war es 4*, als der befohlene letzte Angriff, nach ähnlichen Dispositionen wie der frühere, ausgeführt wurde. Unser 1. Bataillon wurde dabei als Echelon zwischen Prohaska- und Reisinger-Infan- terie eingeschoben, Geppert als Reserve für die Brigade Glam, ferner Weil er- Grenadiere nördlich der Chaussee in erster Linie, das 3., seit dem frühesten Morgen ununterbrochen gerade im hitzigsten Gefechte gestandene Bataillon unseres Regimentes aber als Reserve für diese verwendet. Gleichzeitig mit dieser Vorrtickung eröffnete FML. Baron D'Aspre auf der ganzen Linie des unter ihm stehenden rechten Flügels aus 36 Geschützen ein mörderisches Feuer. Diesem wiederholten kräftigen Angriffe hielt der Feind nicht länger mehr Stand. Sei es, dass er durch seine Anstrengungen bereits erschöpft und es daher nicht mehr wagte, der aus Verona vorrückenden Ver- stärkung, welche er vom Thurme in S. Lucia deutlich wahrnehmen musste, neuerdings die Spitze zu bieten, — sei es, dass die jetzt in größerem Bogen bewerkstelligte Umgehung der Brigade Glam, die mit klingendem Spiele gegen dessen rechten Flanke heranrückte, ihm ernste Besorgnis für seinen Rückzug einflößte, — Thatsache war es, dass unsere Golonnen bei ihrem Anlangen in S. Lucia diesen Ort bereits vom Feinde geräumt fanden. Die überall herumliegenden Waffen, Be- kleidungs- und Rüstungsstücke ließen, übereinstimmend mit den Aus- sagen der Blessierten und Gefangenen, vermuthcn, dass dessen Rückzug eine regellose Flucht geworden. Um 6* abends befand sich die Armee-Division Karl Fürst Schwar- zenberg wieder im Besitze ihrer am Morgen innegehabten Stellung, wodurch dieser heiße, für Österreichs Waffen so überaus glorreiche Tag- des Kampfes, zu unseren Gunsten entschieden war. Die Energie und Umsicht, durch welche sich sämmtliche Truppen- fahrer, vor allen aber die beiden Corps-Commandanten Graf Wratislaw und Baron D'Aspre in Leitung des Ganzen auszeichneten, die Aus- dauer und der Muth sämmtlicher Truppen an diesem Tage, — und ins- besondere jene der Division des FML. Karl Fürst Schwarzenberg^ welcher durch eine Gewehrkugel leicht verwundet wurde — sind von den Zeitgenossen mit Wort und Schrift vielfach anerkannt und bewun- dert worden. ERZHEBZ06 SIGMUND. 291 Diese Thaten leben darum noch frisch in der Erinnerung aller Nationen Österreichs, die ihre Söhne auf dem Schlachtfelde von S. Lucia fechten und bluten sahen. Neben dem so braven 10. Feld-Jäger- Bataillon sei zunächst das 3. Bataillon unseres Regimentes besonders genannt, da dasselbe — mit ersterem vereint kaum mehr als 1500 Mann stark — Stunden hindurch den Angriffen eines wohl zehnfach überlegenen Feindes, der stets frische Truppen ins Gefecht führte, den hartnäckigsten Widerstand leistete und gleichfalls erst dann der Übermacht wich, als der Mangel an Munition es dazu zwang. Unser 3. Bataillon und die Zehner-Jäger, die S. Lucia durch drei volle Stunden, anfangs gegen drei, später gegen fünf feindliche Brigaden hielten und alle Angriffe in Wahr- heit zurückschlugen, haben sich — Officiere und Mannschaft — sowie deren Brigadier, GM. Julius Cäsar Graf Strassoldo von Graffenberg, in gleich hohem Maße, durch jene ewig denk- würdige Waffenthat den Dank des Vaterlandes verdient. Es war dieser Kampf, nebenbei bemerkt, der denk- und ruhm- würdigste des ganzen Krieges, in welchem Abtheilungen unseres seit der Beducierung neu erstandenen Regimentes, regu- lären Truppen gegenüberstehend, die ersten neuen Lorbeeren brachten. An die Heldenkämpfe der Vorfahren unseres alten Regimentes bei Szlankamen, Sibö, Freiburg, Peterwardein und Belgrad, auf Gorsica, bei Parma, Guastalla, Banjaluka und Piacenza, vor Schweidnitz, bei Leuthen, Hochkirch und bei Legnago reiht sich die unser neues Regiment so nahe berührende GlanzaflFaire von S. Lucia ruhmwürdig an. Ein, heute wohl auf fremder Erde stehendes Regiments- Wahrzeichen — eine 1858 auf dem Kirchhofe zu S. Lucia errichtete, mit Trauerweiden umpflanzte Pyramide — wird noch der fernen Nach- welt von dem Ruhme der Unsrigen reden, wie auch wir uns gerne und oft am Glänze jenes Siegestages erfreuen und zu gleichen Thaten begeistern wollen. Dieser gezierte Leichenhügel ist der ehrenden Erinnerung an die in diesem Kampfe gefallenen und dort begrabenen Regimentskameraden; Oblt. Karl Baravalle Edler von Brackenburg und 9 Soldaten des 19* 292 ERZHERZOO 8IGHUKD. •V» V -> . N N •v Mannschaftsstandes gewidmet. Der weitere Verlust des Regimentes betrug: 17 Verwundete und 17 Vermisste. Die Vertheidiy:ung von S. Lucia gehört zu den hervorragendsten und denkwürdigsten Kricgsthaten. Kaiserliche Prinzen nahmen an der- selben theil und stritten in den Reihen der Armee für Österreichs Recht und Ehre. Der Soldat sah die ritterlichen Prinzen die Gefahren und Mühseligkeiten mit ihm theilen und erkannte, welch liohes Ver- trauen das kaiserliche Haus Radetzky und seinen Truppen entgegen- brachte. In Einem dieser Prinzen, welcher auf den blutigen Feldern von S. Lucia die Feuertaufe erhielt, vergöttert die Armee ihren nunmeh- rigen Kaiser und Allerhöchsten Kriegsherrn Franz Josef 1. Wie bereits erwähnt, stand das 3. Bataillon auf Vorposten. Die 16. Compagnie, in der Cdt.-Fldwbl. Johann Zwierzina eingetheilt war, hatte als Unterstntzungsposten die Casa Rizzari mit Garten und vor diesem eine alte Lunette besetzt. Die Lunette lag am westlichen Ausgange von Santa Lucia an der Straße nach Villafranca vor dem westlichen Ausgange des Gartens. Am Morgen des 6. Mai gegen 6* fielen Gewehrschüsse, Cdt.- Fldwbl. Johann Zwierzina wurde mit seinem Zuge in die Lunette beordert mit dem Auftrage, diese zu halten und im Falle des Rück- zuges den Eingang zu verbarricadieren. Der Zug war kaum einige Minuten auf seinem Posten angelangt, als Seine k. k. Hoheit der Erzherzog Franz Josef in Begleitung zweier Officiore- in der Lunette erschien. Gleich darauf wurde eine Leiter gebracht^ die links vom Eingange aufgestellt, sofort von dem Erzherzoge bcsticireii wurde, uin das Anrücken der Piemontesen zu beobachten. Der Feind eriiünete liereits sein Kanonenfeuer: zuerst gegen die auf der SlralJe iiostiertcn zwei (Ie^(•hütze, bald darauf auch gegen die Lunette. Die Kugeln gien^nn anfaniiN hoch über die Lunette hinweg, bald aber sehlugen 8eli)e in die der Stralle zugekehrte nartenuiauerecke und es gewann den Anschein, als ol» sieh die feindliehen Geschütze gerade auf jene Stelle einschiel?cn m ürden, welche Seine k. k. Hoheit sich zum Observationsposten gewählt hatte, denn die Geschosse kamen dieser Stelle immer näher, von Seiner k. k. Hoheit, im Eifer des Ge- fechtsstudiums, gar nicht beachtet. ERZHEBZOG SIGMUND. 293 Cdt.-Fldwbl. Johann Zwierzina hatte begreiflicherweise seine Aufmerksamkeit getheilt; mitten in der Leitung des Feuers seiner Leute waren seine Blicke immer auch auf Seine k. k. Hoheit gerichtet^ die Ealtbltitigkeit bewundernd, die der jugendliche Erzherzog bewies. Schließlich aber, als eine Kugel schon ungefähr zwei Klafter von der Stellung Seiner k. k. Hoheit einschlug, eilte Cdt. Zwierzina zu den beiden Herren der Begleitung und bat sie, mit Hinweis auf die Gefahr, den Erzherzog zum Verlassen der Lunette zu vermögen. Nach einiger Weigerung verließ auch tlann Seine k. k. Hoheit die Leiter und Lunette und — eine Minute später schlug eine Kugel durch die Leiter in die Mauer. ^ Mit 18. Mai wurde das Regiment mit dem 1. und 3. Bataillone in die Brigade des GM. Ludwig von Wohlgemuth eingetheilt und nahm am 29. Mai an dem Angriffe auf die verschanzten Curtatone- Linien theil. Hiebei anfangs die Reserve bildend, wurde im Verlaufe des Ge- fechtes das 1. Bataillon zur Unterstützung von Gynlai-Infanterie in die linke Flanke und das 3. Bataillon zur Unterstützung von Paum- gart ten -Infanterie in die rechte Flanke, links ab der Hauptstraße, ent- sendet. Im weiteren Verlaufe des Gefechtes führte die vom Oblt. Julius von Bagnalasta geführte 1. Division des Regimentes im Vereine mit dem Regimente Gyulai den Hauptsturm auf eine Schanze aus. Bei der Verfolgung des aus seinen verschanzten Positionen vertriebenen Gegners machten die 2. und 3. Division des Regimentes gegen 100 Gefangene; Hptm. Ambros Bucellari erbeutete 2 Kanonen. Der Verlust des Regi- mentes betrug: todt 1 Mann, verwundet 9 Mann, vermisst 1 Mann. Die Offensive der kaiserlichen Armee wurde am 30. Mai gegen Goito und Ceresara fortgesetzt. Von Castellucchio, woselbst die beiden Bataillone des Regi- mentes vom 29. auf den 80. Mai bivouakierten, wurden selbe an diesem Tage zur Unterstützung der Brigade Benedek gegen Goito vorgeführt. Obwohl das Regiment an diesem Kampfe nicht unmittelbaren Antheil nahm, erlitt es — durch Stunden dem heftigsten Kanonenfeuer ausgesetzt — einen Verlust von 8 Todten, 11 Verwundeten und 5 Vermissten. * Diese detaillierte Schilderung stammt von dem in Groü-.Siegrhards in PoBMon> dermaligen Hptm. Johann Zwierzina.'** ; 294 ERZHERZOG SIGMUND. Kadetzky beschloss, die weitere Offensive bis zum Einlangen der vom Isonzo anrückenden Verstärkungen zu vertagen und 'vorerst die aufständischen Städte zu unterwerfen. Durch einen überraschenden Marsch den Gegner täuschend, erschien er am 10. Juni vor Vicenza und zwang nach blutigem Kampfe diese Stadt, sowie die vom Gl. Du- rando befehligten päpstlichen Truppen zur Waffenstreckung. An dieser Bewegung nahm das Regiment im Verbände der Brigade Wohlgemuth theil und wurde beim Angriffe auf Vicenza als Reserve und Flanken- deckung ausgeschieden, ohne unmittelbar in den Kampf zu treten. Am 12. Juni verließ das Regiment mit dem 1. Armee-Corps Vicenza und traf am 13. über Villa Nuova wieder in Verona ein. FM. Graf Radetzky, welcher den nach Verona dirigierten Truppen schon am 12. Juni dahin vorangceilt war, hatte bereits am 16. des- selben Monates die Gelegenheit als Armee-Commandant w^ahrgenommen, alle diejenigen, die sich in den seitherigen Affairen vom Regimente im besonderen hervorgethan hatten, in eigener Person mit des Kaisers Orden und Medaillen zu schmücken. Zu dieser erhebenden Feier rückte eine Compagnie des Regimentes, in welcher die zu Decorierenden des Mannschaftsstandes einrangiert waren, am genannten Tage vor Porta Nuova en parade aus, wobei der das 3. Bataillon befehligende Major Adam Kortz für seine thatkräftigen und hervorragenden Leistungen — besonders die so glänzenden, den Armecruf unseres Regimentes begründenden bei S. Lucia — mit der Kriegsdecoration des Ritter- kreuzes des österreichischen Leopold-Ordens, nachgenannte Mannschaft mit Tapferkeits-Medaillen decoriert wurde, und zwar: Mit der goldenen Tapferkeits-Medaille: Feldwebel Francesco Durino. Mit der silbernen Tapferkeits-Medaille: Feldwebel: Johann Magaqua; Corporale: Ludwig Lavezzo und Lorenz Negrini; Ge- freite: Ottilio Marchesi, Stefan Galgaro und Josef Casagrande; Gemeine: Josef Petrosin, Andreas Siviero, Serafin Maggioni, Franz Devittor und Santo Mercanti. Bei der gleichen Gelegenheit wurde den Nachbenannten für das in der Schlacht bei S. Lucia bezeugte tapfere und entschlossene Benehmen das Allerhöchste Lob Seiner Majestät des Kaisers öffentlich bekannt gegeben, und zwar: ERZHERZOG BIGMUND. 294a Dem Cpt.-Lt.: Ladislaus Seidl; dem Oblt.: Wolfgang von Hre- glianovi6; den Utlts.: Moises Babich und Heinrich Pelican; den Feldwebeln: Anton Lupato, Ernst MUck und Aldigheri; den Corporalen: Zaparoli und Cherubino, und den Gemeinen: Karl Yizzoni und Johann Zorzella. Seither in die dem Regiments-Commandanten Obst Heyntzel übertragene Brigade eingetheilt, wurde das Regiment wiederholt zum Sicherungsdienste außerhalb Verona verwendet und am 8. Juli zu den Besatzungstruppen der Festung bestimmt. Nach der zweitägigen Schlacht von Custozza am 24. und 25. Juli^ die der sardinische König Karl Albert gegen die österreichische Armee, welche unter dem Befehle des FM. Grafen Radetzky stand, verloren hatte, räumte er die lombardische Provinz bis zu deren Hauptstadt Mailand, welche die sardinische Armee vertheidigen wollte. Nach kurzem Kampfe musste auch Mailand den österreichischen Truppen tibergeben werden, worauf den 9. August 1848 der sardinische König mit dem FM. Grafen Radetzky einen Waffenstillstand mit Stägiger Aufkündigungsfrist abschloss. Infolge dieses Waffenstillstandes wurden die gemachten Kriegs- gefangenen ausgewechselt. Anfangs September rückten demnach ein: Obstlt. Freiherr von Schneider, von der Verwundung wieder hergestellt, Hptm.-Aud. Lobinger, Oblt. Mitscherling und Graf Puppi, nebst 8 Mann des Mannschaftstandes. Hptm. Wölfl brachte die in Bergamo rückgelassenen Regiments- und Officiers-Bagagen nach Verona. m. HAUPTSTÜCK. UNTER KAISER FRANZ JOSEPH L SEIT 1848. I. ABSCHNITT. Die Friedensmouate 1848. Mit A. h. E. vom 19. August wurde für die Mannschaft Tom Feldwebel abwärts die silberne Tapferkeits-Medaille 2. Classe gestiftet und für solche tapfere Thaten verliehen, fär welche bisher Geldbelohnung zuerkannt worden. Obst. Heyntzel wurde Mitte September als Stadt-Gommandant nach Mailand berufen; Obstlt. von Neydisser, bisher Commandant des 2. Bataillons in Dalmatien, ttbemahm das Regiments-Gommando, — Mjr. Adam Kortz das 2. Bataillons-Commando. Am 12. October rückte Obst. Heyntzel aus Mailand ein und über- nahm wieder das Regiments-Gommando, während Obstlt von Neydisser das Commando des in Mailand garnisonierenden Grenadier-Bataillons D'Anthon, in welchem die beiden Grenadier-Gompagnien des Regimentes eingetheilt waren, erhielt. Im November trat das Regiment in den Verband der Brigade des GM. von Mitis. Noch vor Schluss des Jahres wurde in Olmütz, wo das kaiserliche Hoflager weilte, ein wichtiger Staatsact vollzogen. Kaiser Ferdinand I. entsagte am 2. December, nach Verzicht- leistung seines Bruders^ des Erzherzogs Franz Karl, zu Gunsten seines Neffeu; des Erzherzogs Franz Joseph, dem Throne; am selben Tage trat dieser als Kaiser Franz Joseph I. die Regierung des Kaiserstaates an. Am 17. December nahm das Regiment an der großen auf dem Corso nuovo zur Feier des Regierungsantrittes Seiner Majestät Kaiser Franz Joseph I. abgehaltenen Garnisons-Kirchparade theil. Hiebei wurde dasselbe vom FML. von Gerhardi, — angesichts aller Truppen, — flttr sein in der diesjährigen Campagne bewiesenes, tapferes, opfer- 2i)8 EBZHERZOO SIGMUND. wUliges und unter den Regimentern italienischer Nationalität hervor- ragendes treues Verhalten belobt und demselben, laut und weithin ver- nehmbar, der Dank im Namen des Allerhöchsten Dienstes ausgesprochen. Am 25. December war große Kirchenparade und Vertheilung von Medaillen durch den Herrn Brigadier GM. von Mitis, und zwar erhielt die silberne Tapferkeits-Medaille 1. Cl. der vom Feldwebel beförderte Lieutenant Kleuth, jene der 2. Cl. Feldwebel Csurkovsky, die Corporale Amici und Colombarolo, endlich der Tambour Zampieri. IL ABSCHNITT. Der Krieg in Italien 1849. 1849. Der am 9. August des Vorjahres auf 6 Wochen geschlossene and seither stillschweigend verlängerte Waffenstillstand dauerte ohne Unterbrechung bis anfangs März dieses Jahres. Am 12. März kündete die sardinische Regierung plötzlich den Waffenstillstand und ihre Armee begann neuerlich die Bewegungen gegen die österreichische Grenze. FM. Graf Radetzky hatte eine zu genaue Kenntnis von den politischen Verhältnissen Piemonts, als dass er nicht das Eintreten dieses Ereignisses hätte voraussehen und darauf vorbereitet sein sollen. Er hatte vielmehr längst alle möglichen Wechselfälle des bevorstehenden Feldzuges reiflich erwogen und war zu dem Entschiasse gekommen, beim Wiederausbruche des Krieges nur die Castelle von Mailand, Brescia und Bergamo^ dann jenseits des Po den Brückenkopf von Brescello und die Festung Piacenza zu besetzen, das flache Land der Lombardie aber frei zu lassen und alle disponiblen Truppen am unteren Ticino zu sammeln. Mit Ordre des Armee-Commandos vom 5. Jänner von Verona nach Brescia in Garnison bestimmt, waren das 1. und 3. Bataillon unseres Regimentes bereits am 9. des genannten Monates^ die Route über Valeggio und Castiglione delle Stiviere nehmend, dortselbst ein- getroffen, um in den Verband der zur Division Graf Lichnovsky ge- hörigen Brigade des GM. Wilhelm Freiherrn von Ale mann zu treten. Mit 18. Februar wurde das Regiment beauftragt, bei diesen beiden Bataillonen eine Standeserhöhuog von 100 auf 140 Gemeine per Com- pagnie vorzunehmen. Am 10. März war große Wachparade, bei welcher durch den Gorps-Commandanten FML. Appel 6 Mann mit der silbernen Tapfer* 300 ERZHERZOG SIGMUND. keits-Medaille 2. Cl. decoriert wurden. Leider fehlen in den Aufzeichnungen die Namen der Deeorierten. FM. Graf Badetzky erhielt die Nachricht, dass sich die ihm um fast daß Doppelte llberlegene feindliche Armee getheilt habe, die Haupt- macht am linken Po-Ufer zwischen Vercelli, Novara und V ige van o versammle und mit einem kleinen Theile am rechten Ufer gegen Parma vorrücke, um bei Brescello, im Rtlcken des kaiserlichen Heeres, den Po zu überschreiten. Der Feldmarschall entschloss sich nun die feind- liche Hauptmacht am Po-Ufer jenseits des Ticino selbst anzugreifen. Um jedoch den Feind über seine Absichten zu täuschen, ließ er den 16. und 17. März, mithin 4 Tage vor dem Ausbruche der Feindselig- keiten, bloß die Trupen des Avantgarde-Corps allein am Ticino stehen; die gesammelten übrigen in und um Mailand befindlichen Truppen aber eine rückgängige Bewegung nach Lodi und S. Angelo machen. Am 18. und 19. jedoch warfen sich diese Truppen, sowie das Gros des am Ticino stehen gebliebenen Corps, endlich das 4. von Piacenza und das 3. von Brescia kommende Corps in drei Richtungen, nämlich von S. Angelo, S. Colombano und Binasco concentrisch gegen Pavia, also noch zu einem Zeitpunkte, wo man sie in Mailand und jenseits des Ticino in vollem Rückzuge gegen Piacenza oder Cre- men a begriffen wähnte. Somit war der Plan des Feldmarschalls gelungen, und es befand sich zum Zwecke einer kraftvollen Offensive die gesammte, diesmal in 5 Armee-Corps eingetheilte und aus 60 Bataillonen, 40 Escadronen und 186 Geschützen bestehende kaiserliche Hauptmacht, nach glücklich voll- brachten, theilweise sehr angestrengten Märschen, am 19. März abends bei Pavia versammelt. Unsere beiden Bataillone wieder in der aus dem 3. Feldjäger- Bataillone, dem 3. steirischen Schützen-Bataillone und der sechspfündigen Fußbatterie Nr. 20, zum, vom FML. Froiherrn von Appel befehligten 3. Armee-Corps gehörigen Brigade des GM. von Maurer eingetheilt, waren am 15. März von Brescia kommend über Orzinovi, Crema, Lodi und Corte Olona am 20. d. M. um 11* vormittags in Pavia eingetroffen und hatten noch am selben Tage den Übergang über den Ticino bewirkt. EBZHEBZOO SIGMUND. 301 Im österreichischen Hauptquartiere war man tlber Stärke und Stellung des Feindes im allgemeinen ziemlich gut unterrichtet. Das piemontesische Heer war während der Zeit des Waffenstillstandes neu gebildet, bis über 100.000 Mann vermehrt und mit allen BedtLrfnissen hinlänglich versehen. So wie im früheren Feldzuge führte auch dies- mal König Karl Albert den Oberbefehl über dasselbe. Die Hauptmacht des Feindes war bei Novara zusammengezogen. Die Vorhut-Brigade Solaroli stand bei Oleggio. Nach den glücklichen Gefechten bei Mortara, Gambolo und Borgo San Siro war es am 23. März zur Entscheidungsschlacht von Novara gekommen. Hiebei war, beiläufig um 4!* nachmittags, das 3. Armee-Corps beordert worden, das bereits erschöpfte 2. Armee-Corps zu unterstützen. Während das 3. steirische Schützen-Bataillon, das 3. Bataillon des Regimentes, 1 Bataillon von Erzherzog Leopold- In- fanterie und das Landwehr-Bataillon Weiden sammt einer Batterie unter GM. B>eiherr von Alemann zur Unterstützung des linken Flügels der Armee in Verwendung traten, wurde unser 1. Bataillon, das 3. Feld- jäger-Bataillon und ein weiteres Bataillon von Leopold- Infanterie unter GM. von Maurer zur Verstärkung des rechten Flügels in Action ge- zogen. Die übrigen Bataillone der 2. Division unter FML. Fürst Taxis — aus den Brigaden Thun und Popovich des 3. Armee-Corps be- stehend — waren dagegen in Reserve hinter der Mitte verblieben. Durch diese Anordnung war es möglich, auf dem rechten Flügel das 1. Bataillon Kaiser -Infanterie und das 9. Jäger-Bataillon, welche seit Beginn der Schlacht ununterbrochen kämpften, abzulösen, den linken Flügel aber, wo eine Ablösung des heftigen Kampfes wegen nicht aus- führbar war, namhaft zu verstärken. Das 3. steirische Schützen- Bataillon wurde in die linke Flanke entsendet, um den Feind von dem jenseitigen Thalrande zu vertreiben; das Landwehr-Bataillon Weiden und ein Bataillon Erzherzog Leopold-Infanterie aber wurde bestimmt, diesen AngriflF zu unterstützen, während unser 3. Bataillon als Reserve weiter rückwärts in eine vortheilhafte Position gestellt wurde. Gegen 6" abends gab FM. Graf Radetzky den Befehl, dass alle in erster Linie befindlichen Corps eine allgemeine Vorrückung durch- führen. Doch die muthigen Truppen unter ihren tapferen Führern, FZM. Baron D'Aspre und FML. Freiherrn von Appel, waren schon 302 ERZHERZOG SIGMUND. im BegriflFe selbe zu beginnen; auf dem linken Flügel der Schlachtlinie hatten die Truppen sogar schon früher die Offensive ergriffen und giengen siegreich vor. Auf dem rechten Flügel drangen die Bataillone von Fürstenwärther-Infanterie, ein Tiroler Jäger-Bataillon und das vom Mjr. Franz Latterer von Lintenburg, unserem späteren Regi- ments - Commandanten, angeführte Landwehr - Bataillon von Ki nsk y- InfanteriC; rasch über Olengo vor, nahmen Castellazzo^ endlich den Hof Farsada mit Sturm, und eroberten 2 Geschütze. Mittlerweile hatte unser 1. Bataillon, unter Commando seines tapferen Hptm. Friedrich Ferrari da Grado, das 1. Bataillon Erz- herzog Leopold und das 3. Feldjäger-Bataillon, unter GM. von Maurer, auf dem äußersten rechten Flügel der Schlachtlinie, den Feind immer mehr gegen Novara gedrängt, ihn aus allen seinen Stellungen ver- trieben und seine linke Flanke hart bedroht. Bei dieser Gelegenheit geschah es, dass unser 1. Bataillon 5 feindliche Kanonen eroberte und sich die Hptlte. Karl Kortz, Adam Kraguliacz, Ladislaus Seidl und Ignaz Lorenzeth besonders hervorthaten. Die Compagnie des Hptm. Alexander Wölfel, die als Geschütz- bedeckung der 6 pfundigen Fußbatterie des Art.-Oblt. Maximilian von Martini, beigegeben wurde, zeichuete sich durch Muth und Entschlossen- heit aus, besonders aber that sich der Feldwebel Ernst Mück hervor, der durch die freiwillige sehr gute Bedienung eines Geschützes die Ent- scheidung gegen eine feindliche 16pftindige Fußbatterie herbeiführte, wofür er mit der goldenen Tapferkeits-Medaile belohnt wurde. Abends 8* 30"" bezog das Regiment die Vorposten und kam nach Ablösung von denselben den 24. März in das Lager bei Novara, wo das Regiment bis den 27. März verblieb. Der bei Novara erfochtene kaiserliche Sieg endete den 'dies- jährigen Feldzug und die ehrgeizigen Hoffnungen des sardinischen Königs. Karl Albert dankte noch in der Nacht vom 23. auf den 24. März, zu Gimsten seines Sohnes Victor Emanuel, Herzog von Savoyen, ab und begab sich nach Oporto. Die Unterredung, welche zwischen dam jungen Könige und dem Grafen Radetzky am 24. März im, nur zwei Miglien von Novara entfernten Orte Vignalc stattfiind, führte zu einem Waffenstillstände, — dem der zu Mailand am 6. August zustande gekommene definitive ERZHERZOO SIGMUND. 303 Friedensschlüss erfolgte. Der Länderbesitz beider Monarchien blieb, nach den Bestimmungen der Wiener Congressacte, unverändert. Am 25. März hatte FM. Graf Radetzky nachstehenden Armee- befehl erlassen: „Soldaten! Ihr habt Euer Wort rllhmlich gelöst. Ihr habt einen Feldzug gegen einen Euch an Zahl überlegenen Feind begonnen und in flinf Tagen siegreich beendet; die Geschichte wird Euch den Ruhm nicht streitig machen, dass es keine tapferere, keine treuere Armee gibt als diejenige, deren Oberbefehl mir mein Herr und Kaiser anver- traute ! " So hatten des Kaisers WafTon gesiegt über das italienische Bündnis, über die Empörung seiner eigenen Provinzen, über die große Partei des Umsturzes, dem unbewusst selbst die höchsten Behörden des Landes dienten. Am 28. März um 4^^ nachmittags marschierte das Regiment aus dem Lager und rückte mit der Brigade um 9*^ nachts in Mailand ein. wo es in zwei Kasernen untergebracht wurde. Tags darauf um 8* früh war das Regiment bereits wieder bei der Porta-Orientale zum Abmärsche nach Brescia gestellt, bei welcher Gelegenheit die Vertheilung von Medaillen an nachfolgende Mannschaft stattgefunden. Es erhielten die goldene Tapferkeits-Medaille: Feldwebel Ernst Mück und Corporal Josef Cameran; — die silberne Tapferkeits-Medaille L Classe: Feldwebel Gießwein, Buresch, Corporal Zapparoli, Revay und Binchi, Tambour Visentini und die Gemeinen Saccon, Nibale, Rossi, Veronesi und Rossetto; — die silberne Tapferkeits-Medaille II. Classe: Feldwebel Pokorny, Till, Hodina und Zini, Corporal Boldrini, Toso, Caccianiga, Jovanovich, Mantovani, Horvath, Massagrande, Gefreite Sgarbi und Manfrimati, endlich die Gemeinen Giacomuzzi, Sachetto, Grottolo, Panigalli, Marchiori, Piccoli, Raimondi, Steffanini» Dallocco, Favalli, Castellini, Carminati, Ferrari, Passetto, Zangrande, Gasperini, Attrapelli und Vicenzi. Am 2. April langten die beiden in Rede stehenden Bataillone unseres Regimentes in Brescia an, um daselbst, nunmehr in der Bri- gade des GM. Singer eingctheilt, in Garnison zu verbleiben. 304 ERZHERZOG 8IOMUKD. Während der in der Schlacht bei Novara am 23. März erlittene Verlust des Regimentes nur in 1 Todten und nebst Hptm. Ignaz Lorenzeth in 17 Verwundeten und 6 Vermissten bestand, bezifferte sich der Verlust an Vermissten bei der Massacre in Brescia Ende März mit 31 Mann. Mit Marsch-Ordrc vom 26. Mai hatten die beiden Bataillone Verona als neuen Bestimmungsort angewiesen erhalten und rtickten anfangs Juni dahin ab. Daselbst traf ein Allerhöchstes Handschreiben vom 24. Juni ein, welches den bisherigen Commandanten unseres Regimentes, Obst. Josef Heyntzel, über Antrag des FZM, Baron Haynau zum GM., und zwar mit Vorbehalt einer besonderen Verwendung, ernannte. Mit A. h. E. vom 1. Juli wurde der Hptm. Maximilian Rodich von Berlin enkampf zum Mjr. befördert und zum Commandanten des Eik in der- Bataillons ernannt. Infolge des Friedensschlusses mit Sardinien war auch die ganze Lombardie und Theile von Venetien pacificiert, es blieb sonach für die kaiserlichen Waffen nur noch die Einnahme der Seefestung Venedig tlbrig. Ende Juli wurden das 1. und 3. Bataillon des Regimentes per Eisenbahn nach Padua abgeschoben und gelangten weiter mittelst Fuß- marsch nach MestrC; um au der Belagerung von Venedig, im Verbände der Brigade des GM. Macchio, Division FML. Freiherr von Perglas, theilzunehmen. Die beiden Bataillone betheiligten sich bei der Gernierung von Venedig im Centrum, bei der Belagerung des Forts Malghera und der Fortsetzung der Angriffsarbeiten gegen diese Seefestung bis 26. August, wobei sie 1 Todten und 3 Verwundete hatten, dagegen 80 Mann an der Cholera verloren. Für seine Dienstleistung während der FeldzUge 1848 und 1849 erhielt der Rgmt.-Arzt Brigio Armandola von Seiner Majestät dem Kaiser Franz Joseph 1. die mittlere goldene Civil-Verdienst-Medaille. Mit A. h. E. vom 19. Juli d. J. wurde der Obstlt. Ludwig Frei- herr Schneider von Arno, unter Beförderung zum Obst, zum Com- mandanten unseres Regimentes ernannt. Ludwig Freiherr Schneider von Arno, im Jahre 1810 in Mauth- hausen geboren, ist der Sohn des am 16. Jänner 1846 in Linz ver- storbenen FML. und Militär- Maria-Theresien^Ordens-Ritters Karl Frei- herr Schneider von Arno. ERZHERZOG SIGMUND. 305 Schneider trat am 20. October 1828 als unobligater Privat-Cadet in das 3. Feldjäger-Bataillon ein, wurde 1829 zum 1. Feldjäger-Bataillone tibersetzt und zum Utlt. befördert, 1830 zum Lin.-Inftr.-Rgmt. von Richter Nr. 14 transferiert, 1832 zum Oblt. befördert. Im Jahre 1835 zum Lin.- Inft.-Rgmt. Baron Watlet Nr. 41 übersetzt, zum Cpt.-Lt. befördert und neuerdings zum Lin.-Inftr.Rgmt. Herzog Wellington Nr. 42 tibersetzt, rückte Schneider noch in demselben Jahre zum Hptm. vor, wurde 1842 zum Mjr. und zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr von Mayer Nr. 45 über- setzt; 1847 wurde derselbe zum Obstlt. befördert. Mit A. h. E. vom 19. Juli 1849 wurde Freiherr von Schneider zum Obst, befördert und gleichzeitig zum Commandanten des Regimentes ernannt. Mit A. h. E. vom 17. October 1852 erfolgte dessen Versetzung in den zeitlichen Ruhestand als General-Major. Am 7. Juni 1853 erfolgte seine abermalige Activierung und Er- nennung zum Festungs-Commandanten in Peterwardein; im Jahre 1857 seine definitive Versetzung in den Ruhestand. GM. Freiherr Schneider von Arno hat den Feldzug gegen Italien 1848 mitgemacht. Er starb in Fiume am 11. April 1897. Mit A. h. E. vom 9. August geruhten Seine Majestät den FML. Karl Ritter von Hartliob in den Ruhestand mit FZM.-Charakter ad hon. zu versetzen und zugleich denselben — über dessen eigenes An- suchen — der Ausöbung der Inhabersrechte zu entheben. Die letzteren wurden dem Kriegs-Ministerium übertragen. Den folgenden Officieren und Soldaten, deren anerkannt hervor- ragende Leistungen und Tapferkeit während des diesjährigen Feldzuges bisher mit keioer äußerlichen Auszeichnung Belohnung fanden, wurde im Generals-Befehle vom 21. Juli, Präs.-Nr. 268, vom FM. Grafen Radetzky der Dank im Namen des Allerhöchsten Dienstes ausge- sprochen, und zwar: Obstlt. Johann Knoll, Mjr. Karl Kortz; Hptlte.: Ignaz Lorenzeth, Adam Kraguliacz, Ladislaus Seidl; Oblts.: Franz Bergler und Gustav Ratzer; Utlts.: Camillo nobile Soranzo, Carl Formenti und Gustav Freiherr von Hacke; — weiters vom Mannschaftsstandc: Corporale Pimazzoni, Debatisti, Belucco, Guantieri, Faule, Gefreiter Galghero; Gemeine Penachion, RegimentugeBchichte. 20 806 ERZHERZOO SIGMUND. TeDSD, Argenti, Bianchi, Pasqualin, Zanca, Riziolli, Dainese und Losiak. Nach der am 24. August 1849 erfolgten Übergabe Venedigs an die österreichischen Truppen wurde das Regiment wieder in die Garnison nach Brescia bestimmt, demgemäß marschierten die 2 Bataillone über Padua, Este, Montagnana, Legnago, Mantua, Goito und Casti- glione, wo sie den 6. und 7. September eintrafen und bis zum 28. Sep- tember verblieben. Das Regiment trat hier in den Verband der zur Division des Fürsten Thun und Taxis gehörigen Brigade des GM. Singer. Am 28. September hatten die beiden Bataillone Brescia neuerlich verlassen. Der Regimentsstab mit dem 1. Bataillone gelangte mittelst 'Fußmärschen nach Venedig, während das 3. Bataillon nach Treviso beordert wurde. Bald darauf erhielt das Regiment die Bestimmung nach Dalmatien. Nach bewirkter Completierung auf den Stand von 180 Gemeinen per Compagnie wurde bereits am 7. November mit der Abtransportierung unseres 3. Bataillons nach Cattaro, und zwar von Venedig aus auf den Kriegsdampfern Custozza und Curtatone, begonnen, welchem der Regimentsstab und das 1. Bataillon am 21. desselben Monates nach Zara nachfolgten. Während die Grenadier-Division des Regimentes noch weiters auf heimatlichem Boden verblieb, waren nunmehr alle Übrigen Abtheilnngen des Regimentes in Dalmatien vereinigt und zwar das 1. in Zara^ das 2. mit einer Compagnie in Ragusa, dem Rest in Gattaro, und das 3. Bataillon in Zara. Mit A. h. E, vom 24. October wurde der Mjr. Friedrich Freiherr von Weigelsporg zum FlUgel- Adjutanten ernannt. Am 14. November erhielt das Regiment den Befehl, zwei Dep6t- Compagnien zu errichten. Die Compagnien nahmen die Nummern 19 und 20 an und hatten einen Stand von 4 Obcrofficieren, 1 Feldwebel, 8 Corporalen, 2 T«ambour8, 1 Fourierschtltzen, 10 Gefreiten, 1 Zimmer- mann, 120 Gemeinen und 3 OfBcicrsdienern. Am 8. Februar und 30. April wurden Adjusticrungs-Änderungen angeordnet. Der weiße WaflFenrock mit 2 Knopfreiben, die blauen weißpassepoi- lierten Pantalons und der graue Mantel fllr den Officier wurde bei der ERZHERZOG 8IOMUND. 307 Infanterie eingeführt. Die nur ganz kurze Zeit als Ghargenabzeichen bestandenen Litzen wurden durch die noch heute bestehenden Distinctions- Sterne erfolgt; woiters die vorgeschriebenen spanischen Rohre der Feld- webel, dann die Haselnussstöcke der Corporale abgeschafft. Das Tragen von Civilkleidern ward gänzlich untersagt, dagegen jenes der Schnurrbarte auch bei Stabs- und OberofGcieren anbefohlen; bei Generalen nach freiem Willen. Am 22. October geruhte Seine Majestät das „Militär-Verdienst- Kreuz" flir Officiere zu stiften. 20^ III. ABSCHNITT. Die Friedeiisjahre von 1850 bis 1859. 1850. Dieses Jahr begann mit einer Reihe von Auszeichnungen an solche Mitglieder des Regimentes, welche sich in den jüngst ver- flossenen Kriegsjahren besonders hervorgethan hatten. So wurde mit 24. Jänner dem Obstit. Johann Knoll das Militär-Verdienst-Kreuz mit der Kriegsdecoration, mit 19. Februar dem gleichzeitig zum Lin.-Inftr.- Rgmte. Nr. 17 transferierten Mjr. Friedrich Ferrari de Grado für sein, in der Schlacht von Novara bezeugtes, tapferes und erfolgreiches Be- nehmen das Ritterkreuz des Leopold-Ordens mit der Kriegsdecoration verliehen; zufolge A. h. E. vom 24. April wurde weiters Seiner könig- lichen Hoheit dem Hptme. Wilhelm Herzog von Württemberg das Ritterkreuz des Leopld-Ordens mit der Kriegsdecoration und zufolge Armee-Befehles vom 11. Juli den Hptlten. Adam Kraguliacz und Ambros Bucellari und dem Utlt. Gustav Freiherr von Hacke die Kriegsdecoration des Militär- Verdienst-Kreuzes, allen für ihre im Feld- zuge 1849 bewiesene Tapferkeit lind geleisteten ausgezeichneten Dienste zuerkannt. Mit A. h. £. vom 9. März wurde der Hptm. Alexander Wölfl zum Mjr. befördert und zum Gouvernements-Adjutanten von Sieben- bürgen ernannt. Der zuletzt als Grenadier-Bataillons-Commandant in Verwendung- gestandene Obstit. Alois von Neydisser wurde zum Platz -Commun- danten von Linz ernannt; der Mjr. und Flügel- Adjutant Friedrich Freiherr von Weigelsperg mit A. h. E. vom 14. Juli wieder ins Regiment eingetheilt; der Obstit. Johann Knoll mit A. h. E. vom 29. Juli zum Commandanten des 38. Lin.-Inftr. -Rgmtes. ernannt; weiters wurde der Mjr. Adam Kortz zum Obstit. befördert und der ERZHERZOO SIGMUND. 309 Mjr. Heinrich Benigni Edler von und zu Mildenberg vom 23. Lin.- Inftr.-Rgmte. Freiherr von Ajroldi Nr. 23 zum Ke;^imente zutransferiert. Zufolge A. h. E. vom 17. November wurde der Hptm. Josef Conte Gaspari zum Mjr. befördert. Zufolge eines Kriegsministerial-Rescriptes vom 27. October wurde dem Regimente die Errichtung eines 4. Bataillons anbefohlen. Den Stamm hiezu hatten die beiden Compagnien der erst im Vorjahre errich- teten Reserve-Division zu bilden und wurden nach Rilcklassung eines Depot- CommandoS; die 19., 20. und 21. Compagnie mit dem 4. Bataillons- stabe nach Villach; die 22.; 23. und 24. Compagnie aber nach Klagen- furt in Garnison verlegt. Zufolge A. h. E. vom 10. Deccmber wurde Mjr. Fürst Rusp^li vom 19. Lin.-Inftr.-Rgmte. ins Regiment eingetheilt. Im Laufe dieses Jahres hatten sich bei den in Dalmatien gestan- deneU; nunmehr in der Brigade des GM. Freiherrn von Mamula ein- getheilten 3 Bataillonen folgende Dislocations-Veränderungen ergeben. Die 13. und 14. Compagnie rückten von Castelnuovo nach Budua, die 15. nach Castell-Lastua, die 16. nach Castelnuovo und die 17. und 18. nach Cattaro, alsbald aber wieder von da nach Ragusa. Die 16. Compagnie hatte gelegentlich ihres Marsches nach Castel- nuovo zum Transporte der gesammten Bagage — bei dem Mangel der erforderlichen Vorspann — eine Brazzera contractmäßig aufgenommen. Zur Escorte hatte Hptm. Grab 1 Feldwebel und 4 Gemeine bestimmt. Am 26. December gieng das Schiff unter Segel. Nur einige Seemeilen von Ragusa entfernt^ erhob sich plötzlich ein furchtbarer Sturm. Die Brazzera schwebte in der größten Gefahr. Auf die von derselben ge- gebenen Nothsignale eilte der unterwegs von Cattaro nach Ragusa sich befindende Kriegsdampfer ^Custozza^ herbei und kam noch zu rechter Zeit, um die Escorte und die Bemannung zu retten. Das Schiff selbst mit seiner ganzen Ladung war unmittelbar hierauf in den Wellen versunken. Mit A. h. E. vom 4. November wurde der Mjr. Friedrich Freiherr von Weigelsperg zum überzähligen Obstlt. im Kriegs- Ministerium ernannt. 1851. Im Frühjahre dieses Jahres wurden die 4. und 5. Division des Regimentes nach Zara, die 6. Division nach Sebenico, die 310 ERZHERZOG SIGMUKD. 9. Division nach Spalato, die 13. Gompagnie nach Metkovic^ die 14. nach Imoski, die 15. nach Sinj und die 16. nach Knin verlegt. Das 4. Bataillon dagegen erhielt wieder die Bestimmung nach Verona und war bereits am 3. Jänner dahin abgegangen. Auf dieses Jahr fallen: Die Einfahrnng eines neuen Abrichtungs- und Exercier-Reglements, diesen Vorschriften entsprechend erhielt die Infanterie Hornisten; die Bewaflnung der damaligen Schützen — IG per Füsilier-Compagnie — mit Kammerbtlchsen; die Einführung von Schieß- prämien; die Creierung von Hauptleuten 1. und 2. Classe, letztere an Stelle der bisher bestandenen Capitän-Lientenants; die Theilung der Unterlieutenants-Charge in eine 1. und 2. Classe, die Auflassung der sogenannten Kaiser-Cadetten und Systemisierung von Rcgiments-Cadetten. Zufolge A. h. E. vom 18. November wurde Obstlt. Adam Kortz als Obst, in den Buhestand versetzt, der Mjr. Heinrich Benigni zum Obstlt. und Hptm, Ludwig Ritter von Savagieri vom 19. Lin.-Inftr.- Rgmte. zum Mjr. im Regimente befördert; dagegen wurde Hptm. Kraguliacz zum Mjr. beim 41. Lin.-Inftr.-Rgmte. ernannt. Aus Anlass der Pensionierung des Obstlt. Adam Kortz war am 28. November ein Regiments-Befehl erschienen, der dem Scheiden dieses Officiers überaus warme Worte widmete. Obst. Kortz hat in einem an den Regiments-Commandanten gerichteten Schreiben dem Schmerze ob seines Abganges beredten Ausdruck gegeben. Die Stabsofficiere erhielten statt des Hutes den Czako. Mit 1. August trat eine Gageregulierung ein. Nach derselben er- hielt der Oberst 1800 fl. Gage und 500 fl. Zulage, der Oberstlieutenant 1500 fl., Major 1200 fl., Hauptmann 1. Cl. 900 fl., Hauptmann 2. Gl. 700 fl., Oberlieutenant 500 fl., Unteriieutenant 1. Cl. 450 fl., Unter- lieutenant 2. Cl. 400 fl. C.-M. 1852. Im Laufe des Monates April erfolgte die Verlegung des Regimentsstabes und des 1. Bataillons nach Agram, des 2. Bataiilons- stabes mit 4 Compagnicn dieses Bataillons nach Fiume und der 6. Division nach Zengg. Schon Ende Mai rückten aber auch der 2. Bataillonsstab und die 4. und 5. Division von Fiume nach Agram ein, während die 6. Division von Zengg nach Fiume verlegt wurde. Doch auch diese marschierte schon im Juni zum Regimente nach ERZUEBZOG SI<;MrXD. 311 Asrram. Um dieselbe Zeit warden wieder die 5. and 6. Compagnie naeh Warasdin detachiert Das 3. Bataillon nahm nach dem Abmärsche des Regimentes aus Dalmatien folgende Dislocation an: Bataillonsstab mit 4 Compagnien in Spalato, 17. Compagnie in Sinj and 18. Compagnie in Enin. Noch vor dem Abmärsche hat das Regiment vom Landes-Militar- Commando Zara nachstehende Belobung erhalten: ^Bei dem Abrflcken des 1. und 2. Bataillons von Erzherzog Sig- mund-Infanterie nach Croatien sehe ich mich angenehm veranlasst, den guten Geist, die Moralität und Mannszucht lobend anzuerkennen, welche dieses brave Regiment bei seiner Dienstleistung in Dalmatien neuerdings bewährte. Wahrend die anderen Abtheilungen des Regimentes so glücklich ^waren, auf dem Felde der Ehre sich durch Tapferkeit auszuzeichnen and an den Siegen der k. k. österreichischen Armee theilzunehmen, hat das 2. Bataillon in jener Epoche hierlands nicht minder Beweise ron Treue und Tüchtigkeit gegeben und die vortreflFlichsten Dienste in Anfrechthaltung der Ruhe und Ordnung unter schwierigen Verhält- nissen geleistet. Ich danke im Namen des Allerhöchsten Dienstes dem Herrn Obersten, allen Herren Stabs- und Ober-Oflicieren, sowie der gesammten Mannschaft für den stets gezeigten regen Eifer in Ausübung ihrer Dienstespflichten und hege die volle Zuversieht, dass die abrückenden Abtheilungen des Regimentes in ihrer neuen Bestimmung in gleicher Weise dem Rufe des Regimentes entsprechen und sich in gleichem Grade die Zufriedenheit der hohen Vorgesetzten und die allgemeine Achtung erwerben werden, welche sie bei ihrem Seheiden von hier beirleitet. Derschata m, p. GM.*^ 'O' Mit A. h. E. vom 4. April wurde gelegentlich der Eintheilung der Stabsofficiere der höheren Adjutantur der Obstit. und Corps-Adjutant beim 10. Armee-Corps Anton Demuth mit Belassung in seiner Ver- wendung ins Regiment eingetheilt. Das 4. Bataillon wurde am 12. Juli von Verona nach Peschiera verlegt und detachierte eine halbe Compagnie nach Riva. 312 EBZHERZOG SIGMUND. Zufolge der A. h. E. vom 4. Juli wurde der Mjr. Alois Fürst Ruspoli pensioniert. Zufolge der A. h. E. vom 17. Oetober wurde der Obst, und Com- mandant des Regimentes, Ludwig Baron Schneider von Arno, — bei gleichzeitiger Ernennung zum General-Major — in den zeitlichen Buhestand versetzt; weiters der Ilptm. Gustav Kohut von Eichen- kron als Mjr. in das Lin.-Inftr.-Rgrat. Ajroldi Nr. 23, Hptm. Josef Freiherr von Baselli dieses Regimentes als Mjr. in unser Regiment befördert, Mjr. Karl Becker von Hessen-Infanterie Nr. 14 ins Regi- ment tibersetzt, endlich der Obstlt. Franz Ritter Latterer von Liuten- burg des Lin.-Inftr.-Rgmts. Graf Einsky Nr. 47, bei Beförderung zum Obsten., zum Commandanten unseres Regimentes ernannt Franz Ritter Latterer von Lintenburg, 1802 in Laibach geboren, trat am 3. November 1816 in das Lin.-Infir.-Rgmt.MarquisChasteler Nr.27 als Expropriis- Gemeiner ein, wurde 1817 zum Rgmts.-Cdt. ernannt und zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Baron Prochaska Nr. 3 tibersetzt, 1821 zum Fähnr., 1828 zum Utlt, 1832 zum Oblt., 1838 zum Cpt.-Lt. befördert und im selben Jahre zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Graf Kinsky Nr. 47 übersetzt, 1840 avancierte er zum Hptm., 1848 zum Mjr. und 1850 zum Obstlt. Mit A. h. E. vom 17. Oetober 1852 wurde Latterer zum Obst, befördert und zum Commandanten dos Regimentes ernannt. Zufolge A. h. E. vom 9. April 1859 avancierte er zum GM. und starb im September 1863 in Marburg. Latterer hat 1848, 1849 und 1859 den Feldzug in Italien mit- gemacht, wurde 1849 mit dem Orden der eisernen Krone 3. Gl. l^KD.) ausgezeichnet und auf Grund der Statuten in den Ritterstand erhoben. In dieses Jahr fällt: die Erhöhung der Linien-Infanterie-Regimenter auf 62. Das Patent vom 31. Juli (A.-V.-Bltt. vom 8. August 1852) brachte wichtige organisatorische Änderungen. Das Landwehr -Statut wurde aufgehoben und die Rescrv epflicht eingeflihrt. Hiernach hatte jeder Soldat nach voUstreckter achtjähriger Dienstzeit (Capitulation) noch eine zwei- jährige Reserve- Verpflichtung. Gleichzeitig gelangten die Depot-Bataillone bei der Infanterie zur Aufstellung. Dieselben formierten 4 Compagnien und standen in den Werbbezirks-Stationen . ERZHERZOG SIGMUND. 313 Die bisher aus 3 Divisionen eben so vieler Regimenter gebildeten selbständigen Grenadier-Bataillone wurden aufgelöst. Dafür wurde bei jedem der 4 Feld-Bataillone eine Grenadier-Compagnio aufgestellt, welche die Nummer des Bataillons bekam; die Füsilier-Compagnion 1, 7, 13, und 19 giengen dafür ein. Bei Aufstellungen waren die Gronadier- Compagnien eines Regimentes in ein selbständiges Bataillon zu formieren und erhielt jedes Feld-Bataillon als Ersatz eine 6. Fttsilier-Compagnie: Die Garnisons-Bataillone wurden aufgelöst. Die Urlauber wurden jährlich auf 30 Tage, in der Zeit vom April bis September zur WaflTenübung bei den Depot-Compagnien ein- berufen und konnte auf diese Zeit die gleiche Zahl von Loco-Mannschaft beurlaubt werden. Zum Zwecke der Truppenschulung wurden Lehr-Bataillone errichtet, die Recrutenausbildung auf 6 Wocheu beschränkt, die Regimentsknaben- Erziehungshäuser aufgelassen, dafür Militär-Bildungsanstalten ins Leben gerufen. Hiezu sei bemerkt, dass es der, in den italienischen Provinzen bestandenen eigenthtimlichen Verhältnisse wegen, im Regimente nie zur Aufstellung eines Regiments-Erziehungshauses gekommen war. Bezilglich der Adjustierung wäre zu erwähnen, dass in diesem Jahre kleinere Patrontaschen eingeführt wurden und der Brustriemen bei den Tornistern abkam. Die Grenadiere erhielten statt der BärenmUtzen den Czako, analog den Füsilieren; als Kennzeichen trugen sie auf der Patrontasche und dem Überschwungriemen eine Messing-Granate und den Infanterie-Säbel. 1853. Am 2. April wurde den beiden in Agram dislocierten Bataillonen die hohe Ehre zutheil, vom Regiments-Inhaber, Seiner k. k. Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Sigmund, besichtigt zu werden und dabei auch Höchstdessen vollste Zufriedenheit und Aner- kennung zu erringen. Die gleiche Auszeichnung war auch dem mittler- weile von Posch iera nach Fiume verlegten, 4. Bataillon am 6. des- selben Monates widerfahren, wobei sich ganz besonders die Grenadier- Compagnio — Hptm. Heinrich Da vi IIa — des uneingeschränkten Lobes Seiner k. k. Hoheit erfreute. 314 ERZHERZOG SIGMUND. In beiden Garnisonen waren die botreffenden Officiers-Corps und die Decorierten des Mannschaftsstandes einer, vom Erzherzog-Inhaber gegebenen Tafel beigezogen und spendete außerdem Seine k. k. Hoheit der gesammten Mannschaft dieser 3 Bataillone eine zweitägige Gratis- löhn ung. Die Regiments-Musik erhielt ein Geschenk von 80 fl. C.-M. Am 2. August wurde bei dem im Vorjahre neuerrichteten 5. (Depot-) Bataillone die Feier der Fahnenweihe festlich begangen. Unserem Regimento ward dabei abermals die höhe Ehre zu theil, Ihre kaiser- liche Hoheit die durchlauchtigste Frau Erzherzogin Maria Eisabetha, Prinzessin von Savoyen, ein Mitglied aus dem Allerhöchsten Kaiser- hause, als Fahnenmutter verehren zu dürfen. Bei Gelegenheit der Übergabe des in Sammt, in der Farbe des scharlachrothen Regimentsaufschlages und mit der Aufschrift: Elisabetta, arciduchessa d'Austria, Prinzipessa di Savoja — 1853" — und mit der Deviese; „Fedeltä e valore vi unisca al sacro pegno," reich in Gold gezierten Fahnenbandes, — hatte Seine k. k. Hoheit der durch- lauchtigste Herr Erzherzog - Inhaber das nachstehende, von Laibach den 13. April datierte Schreiben an den Commandanten des Regimentes zu richten geruht: „Ich übersende Ihnen das von meiner durchlauchtigsten Frau Mutter für das Depot-Bataillon bestimmte Fahnenband. Es ist mir sehr angenehm, bei dieser Gelegenheit Euer Hochwohlgeboren über das vor- theilhafte Aussehen und die mttsterhafte Ordnung der von mir jüngst besichtigten drei Bataillone meines Regimentes meine vollste Zufrieden- heit aussprechen zu können" In Gegenwart der Vertreterin der hohen Fahnenmutter, der Gräfin Wallmoden-Gimborn, wurde die Fahnenweihe am bezeichneten Tage in der damaligen Regiments -Werbbezirks -Station Verona feierlich begangen. Aus diesem Anlasse spendete auch die Municipal-Congregation von Verona 500 österreichische Lire für die Mannschaft des Dep6t-Bataillons. Mit A. h. E. vom 23. November wurde Seine königliche Hoheit Wilhelm Herzog von Württemberg zum überzähligen Major im Lin.- Inftr.-Rgmte. Graf Leiningen Nr, 21 befördert. Gegen Jahresschluss wurden der Regimentsstab und das 1. Bataillon von Agram nach Fiume, weiters das 2. Bataillon von Agram und das 3. Bataillon von Dalmation nach Karlstadt verlegt. ERZHERZOO SIGMUND. 315 Die Gage-Carenz wurde in diesem Jahre aufgehoben und die Vs der jährliehen Gage- Vermehrung betragende in 12 Monatsraten zahl- bare Dienstestaxe eingeführt. An Stelle der bisher systemisierten Packferde wurden Com- pagnie-Bagagekarren eingefllhrt. Um lange und gut dienenden Unterofficieren eine Belohnung ihrer Dienste durch Sicherstellung ihrer Existenz zu gewähren, wurde mit Allerhöchster Entschließung angeordnet, dass alle Diener- und Mani- pulationsstellen bei den k. k. Ämtern und Staatsanstalten solchen Unter- officieren ausschließlich vorbehalten sein sollen. Endlich fällt in dieses Jahr die Auflösung des Kriegsministeriums und die Creierung des Armee-Ober-Commandos. 1854. Mit Beginn des Jahres fanden im Regimente nachfolgende Dislocations- Veränderungen statt: Vom 4. Bataillon wurden 3 Com- pagnien nach Buccari, 1 nach Porto R6 und 2 Compaguien nach Zengg verlegt; vom 3. Bataillon der Bataillonsstab und die 7. Division nach Jaska; die 8. nach Szwezkovi6 und die 9. Division nach Draganiö, lauter an der Straße von Karl Stadt nach Agram gelegene Ortschaften, dislociert. Zwischen Russland einerseits und der Türkei und den beiden, mit letzterer alliierten Westmächten, England, Frankreich und Sardinien andererseits, war gegen Ende März ein Krieg entbrannt^ der unseren Staat in seinen wichtigsten Interessen zu berühren begann. Russlands Streben gieng dahin, sich den Besitz der Dardanellen zu sichern, das Protectorat über die griechische Kirche in der Türkei an sich zu reißen und außerdem durch zeitweilige Besitznahme der Donaufürstenthümer seinen Einfluss auf der Baikauhalbinsel zu stärken. Da die diplomatischen Bestrebungen der europäischen Mächte, Russland zur Räumung der Donauflirstenthttmer zu bewegen, keinen Erfolg hatten, ließ Osterreich eine imposante, unter die Befehle des FZM. Freiherm von Hess gestellte Streitmacht mobil machen und an die östlichen Grenzmarken des Reiches rücken. Diese strategische Demon- stration hatte den gewünschten Erfolg: Russland gab nach. Mit der Aufstellung eines Armee-Commandos für die in Galizicn und in der Bukowina stehenden Truppen erfolgte gleichzeitig die Con- 31(5 ERZHERZOG SIGMUND. centricrung eines 71.000 Mann starken Corps in Siebenbürgen unter FML. Graf Goronini, welches für den Einmarsch in die Walachei bestimmt war. Zufolge Allerhöchsten Befehlschreibens vom 15. Februar hatte das Regiment mit seinen ersten 3 Bataillonen sich auf den vollen Kriegs- stand zu setzen und sich zum Abmarsch nach Siebenbürgen bereit zu halten. Nunmehr in der zur Division FML. von Macchio gehörigen Brigade des GM. Anton Schwarzl eingetheilt, verließen unsere 3 Bataillone ihre bisherigen Stationen am 7., 9. und 17. Juli. Vor dem Abmärsche des 1. Bataillons aus Fiume hat FML. Frei- herr von Hipsiö einen Tagesbefehl erlassen, in welchem in den schmeichel- haftesten Worten demselben das Lob ob seines Verhaltens in der Garnison gespendet wird. Während der Kegimentsstab und das 1. Bataillon von Sissek Save abwärts, Schiffe benützend, nach, Semlin und von da nach Alt- Orsova gelangten, hatten das 2. und 3. Bataillon — der einge- tretenen ungünstigen Wasserstands- Verhältnisse auf der Save wegen — den Marsch dahin über Gradiska, Brod und Semlin zu Fuß zurück- zulegen. Von Alt-Orsova wurde der Marsch über Mehadia,Karansebe8 und Reussmarkt nach Hermannstadt fortgf'setzt. Am 20. August rückten unter Zurücklassung des 3. Bataillons in Hermannstadt, das 1. und 2. Bataillon über Boicza und den rothen Thurm-Pass nach Kinin auf walachisches Gebiet, wo ein Lager bezogen wurde. Von dort wurde der Marsch über Piteöti, im Vereine mit dem von Hermannstadt nachgerückten und am 4. September eingctroflfenen 3. Bataillone fortgesetzt, und am 5. September bezog das Regiment ein Lager bei Pod-Prevalus, in unmittelbarer Nähe von Bukarest. Am nächsten Tage — 6. September — fand festlicher Einzug in die genannte Hauptstadt statt, um in Gemeinschaft mit einem, vom türkischen Generalissimus, dem bekannten Omer-Pascha, befehligten türkisch- walachischen Corps von 20.000 Mann einer Revue beizuwohnen. Nach dieser Revue wurde das Regiment in den von dem Hptm. Paul von Zimmermann vorbereiteten Quartieren im gelben und grünen Stadt- viertel untergebracht. Mittlerweile wurde das in Buccari, Porto R6 und Zengg dis- locierte 4. Bataillon im Monate Juli in Fiume wieder vereinigt. ERZHERZOG SIGMUND. 317 Zufolge Armee-Ober-Commando-Erlapses vom 5. September wurde angeordnet, dass die Grenadier-Compagnien der Infanterie-Regimenter in Grenadier-Bataillone zu vereinigen und dass an Stelle dieser aus den Bataillonsvcrbänden getretenen Grenadier-Compagnien in jedem Regi- mente 4 Föselier-Compagnien aufzustellen seien. Das so zusammen- gestellte Grenadier-Bataillon des Regimentes wurde unter Commando des Mjr. Josef Conte Gaspari gestellt. Am 17. September war die ganze Garnison auf dem großen Exercier- platze vor der Barriere Podu Mogosoje zu einer Kirchenparade vor dem Corps-Commandanten FML. Grafen Coronin i in voller Parade mit Feldzeichen ausgerückt, wobei speciell das Regiment wegen seines ge- fölligen Aussehens, der musterhaften Haltung und vorzüglichen Defilierung von demselben belobt wurde. Hptm. Paul von Zimmermann wurde am 5. September zum Mjr. befördert und zum Ergänznngs-Commandanten ernannt. In diesem Jahre gelangte die Ausrüstung eines Theiles der Infan- terie, der damaligen Schützen, mit Kammerbüchsen zur Durchführung. 1856. Mit A. h. E. vom 11. März wurde der Mjr. Josef Frei- herr von Baselli in den zeitlichen Ruhestand, mit A. h. E. vom 26. März der Hptm. Ladislaus Seidl zum Mjr. im Infan terie-Rogi- mente Erzherzog Albrecht Nr. 44, dagegen der Hptm. Paul Wukißeviß des genannten Regimentes zum Mjr. im eigenen Regimente befördert. Zufolge A. h. E. vom 12. Juni wurde die Auflösung des Depdt- Bataillons angeordnet und gleichzeitig das 4. Bataillon unter Annahme eines Standes von 40 Gemeinen per Compagnie von Fiume nach Verona verlegt. Am 14. Juli wurde das gesammte Regiment in ein Übungslager bei PloeSti, nördlich von Bukarest, gezogen. Doch der Mangel an genießbarem Trinkwasser daselbst und die gleichzeitig rapid hereinge- brochene Cholera, welcher furchtbaren Krankheit am 13. August — einem trüben regnerischen Tage — allein 82 Mann zum Opfer fielen, waren Ursache, dass schon vorzeitig Cantonnements bezogen wurden. An dem vorgenannten Tage war auch der Corps-Commandant im Lager eingetroffen. Des folgenden Tages war großes Feldmanöver, bei welchem dem Regimente die vollste Anerkennung und Zufriedenheit vom Commandierenden ausgesprochen wurde. 318 ERZHERZOO SIGMUND. Im Lager selbst fanden zur Feier der Anwesenheit des Corps- Gommandanten mehrfache Festlichkeiten statt, und zwar Officiors- Scheibenschießen^ eine Festtafel bei Lampenschein, Kationaltänze der Mannschaft und Lagerspiele derselben, großer Zapfenstreich, endlich ein prachtvolles Feuerwerk. Um das Arrangement hatte sich besonders Lt. Nikoliö Verdienste erworben. Am 18. August wurde das Geburtsfest Seiner Majestät durch eine Parade-Ausrtickung im Lager gefeiert, wobei GM. von Schwarzl die Glückwünsche des Officiers-Corps flir da« Wohl Seiner Majestät entgegennahm. Mittags war eine große Festtafel im Walde. Am 3. September erhielt das Regiment den Befehl, Cantonnements zu beziehen. Der Regimentsstab, das Grenadier- und 1. Bataillon wurden hiebei nach Grajova, das 2. nach Carakal und das 3. nach Slatina verlegt. Im Monate December wurde dad 2. Bataillon von Carakal nach Grajova und die 9. Division von Slatina nach Garakal dislociert. Am Schlüsse dieses Jahres wurde dem Regimente die hohe Aus- zeichnung zutheil, dass Ihre k. k. Hoheit, die durchlauchtigste Frau Erzherzogin Maria Karolina, Gemahlin Seiner k. k. Hoheit des durch- lauchtigsten Herrn Erzherzogs Rainer, des Bruders unseres damaligen Regiments-Inhabers, fQr die Fahne des 4. Bataillons ein Fahnenband spendete, welches neben der Jahreszahl: „1855*' und „Maria Carolina Arciduchessa d'Austria" — noch mit der Devise „Vi guida alla vittoria" geziert war. Neben der Einführung eines neuen Pensions-Normales flir Generale, Stabs- und Ober-Officiere, kommt in diesem Jahre auch der Beginn der Neubewaffnung der gesammten Infanterie- und Jägertruppe mit gezogenen Kapselgewehren nach dem Systeme Lorenz, zu verzeichnen. 1856. Der orientalische Krieg wurde durch den am 30. März zu Paris, zu Gunsten der Türkei und der mit dieser alliierten Westmächte, geschlossenen Frieden beigelegt. Dieser Umstand veranlasste die kaiserliche Regierung, nebst der allgemeinen Abrüstung auch die Räumutig der Walachei durchzuführen. Mittelst Ordre vom 6. Mai wurde das Regiment von Grajova^ Slatina und Carakal, — unter Annahme des Friedensstandes und EBZHEBZOa SIGMUND. 319 gleichzeitiger Auflösung des Grenadier-Bataillons, respective EinrUckend- machung der 4 Grenadier-Compagnien zu ihren bezüglichen Bataillonen, — zum Abmärsche nach Croatien bestimmt. Bis Alt- Orsova wurde' der Rückmarsch zu Fuß, von da bis Sissek aber, Save aufwärts, mittels Dampfschiffen bewerkstelligt. Von Sissok gelangten, mittels neuerlichen Fußmärschen, der Kegimentsstab mit dem 1. Bataillone abermals nach Fiume, das 2. nach Karlstadt, dagegen das 3. Bataillon nach Buccari, woselbst selbe in der zweiten Hälfte des Monates Juni ein- trafen. Von Buccari aus wurden die 15. Compagnie alsbald wieder nach Carlopago, die 16. und 17. nach Z&ngg uifd die 18. Compagnie in die Grenzfeste Cetin, östlich von Sluin, detachiert. Im Laufe des Sommers wurden Mjr. Josef Conte Gaspari, Lud- wig Ritter von Savagieri und Paul von Zimmermann in den Ruhe- stand versetzt (A. h. E. vom 20. April). Obstlt. Heinrich Benigni Edler von und zu Mildeuburg wurde zufolge A. h. E. vom 28. Mai zum Stadt- und Gastell-Comman- danten von Graz ernannt; Mjr. Karl Kaim Edler von Kaimthal des 44. Lin.-Inftr.-Rgmts. und Johann Dölzer des 22. Lin. Inftr.-Rgmts. — ersterer unter gleichzeitiger Beförderung zum Obstlt. — zum Regi- mente transferiert. 1857. Mit A. h. E. vom 16. April wurde der Obstlt. Karl Kaim Edler von Kaimthal zum Obst, und Commandanten des Lin.-Inftr.- Rgmts. Erzherzog Albrecht Nr. 44 und der Mjr. Josef Bukowsky des Lin.-Inftr.-Rgmts. Prinz Hohenlohe Nr. 17 zum Obstll. im Regi- mente ernannt. Im Monate October wurden der Regimentsstab von Fiume, das 2. Bataillon von Karlstadt und das 3. Bataillon von Buccari nach Agram, dagegen das 1. Bataillon von Fiume nach Karlstadt verlegt. Nach dem im Februar erschienenen neuen Organisations-Statut der Armee hatte jedes Infanterie-Regiment mit dem Stabe und 4 Feld- Bataillonen einen Friedensstand von 2856 Mann. Im Kriege war ein Depöt-Bataillon von 4 Compagnien und auf besonderen Allerhöchsten Befehl ein Grenadier-Bataillon zu errichten, was für das Regiment mit dem Stabe und 32 Compagnien einen Stand von 6886 Mann ergab. 320 ERZHERZOO SIGMUND. Bei jeder Compagnie wurden 4 Zugsfährer systemisiert, welche die bisherige Distinetion des Feldwebels, diese dagegen eine schmale gelbe Borte am Kragen erhielten. Am 18. Juni wurde in den einzelnen Stationen des Regimentes, wie in allen Garnisonen, das hundertjährige Bestehen des Militär-Mari a- Theresien-Ordens gefeiert. In dieses Jahr fallt die Neubenennung der bisherigen „Werb- bezirke" — da es keine Werbung mehr gab — in „Ergänzungsbezirke** 1858. Am 5. Jänner starb zu Mailand im hohen Alter von 92 Jahren der Helden-Marschall Josef Graf Radetzky von Radetz, tief betrauert von seinem Kaiser, der Armee und dem ganzen Vaterlande. Mit A. h. E. vom 30. Jänner wurde der Mjr. Johann Dölzer in den Ruhestand versetzt und statt desselben der Hptm. Johann Stoklin zum Mjr, befördert. Dieses Jahr zeichnet sich durch eine ebenso erhebende als pietät- volle Feier aus. Obst, und Regiments-Commandant Franz Ritter Ljitterer von Lintenburg hatte sich um die Allerhöchste Genehmigung beworben, den bei S. Lucia gefallenenen Leuten des Regimentes ein bleibendes Denkmal zu setzen. Diese wurde am 4. August 1857 Allergnädigst dahin ertheilt, dass die Enthüllung dieses Denkmales mit einer ent- sprechenden Feierlichkeit vorzunehmen sei. Es galt nunmehr, das aus Regimentsmitteln auf dem Friedhofe zu S. Lucia errichtete, in Verona verfertigte Monument einzuweihen, unter welchem die am 6. Mai 1848 im Kampfe für Kaiser und Vaterland gefallenen Regimentskameraden seither ruhen. Obst. Ritter Latterer von Lintenburg hatte sich mit einer Anzahl von Officieren, welche dem glorreichen Gefechte von S. Lucia beigewohnt hatten, zu dieser Feier nach Verona begeben. Am 6. Mai, mithin am zehnten Jahrestage der Schlacht von S. Lucia, erfolgte unter Anwesenheit des Armce-Commandanten FZM. Grafen Franz Gyulai von Maros-N6methy und Nddaska, der ge- sammten Generalität und des Officiers-Corps der Garnison von Verona, weiters unter Assislenz des Bischofs von Verona — nach vorangegangener Feldmesse — die Enthtillung des Monumentes und Einweihung desselben ERZHERZOG RI6MUXD. 321 durch den von Agram, gleichfalls zur Feier nach Verona gekommenen Kaplan unseres Regimentes, Don Antonio Mazzani. Sodann hielt derselbe der ausgerückten Truppe, nämlich dem eigenen 4. Bataillon und den Deputationen der in Verona und Peschiera garnisonierenden Truppen eine der erhebenden Feier entsprechende italienische Ansprache. Hierauf folgte die Defilierung. Nachmittags war eine Festtafel vom Officiers-Corps des 4. Bataillons, zu der alle hohen Militär- und Civil- Autoritäten geladen waren. ^ Diese Regimentsfeier wurde desgleichen auch bei den iu Croatien dislocierten Abtheilungen des Regimentes in solenner Weise begangen und der Mannschaft die Bedeutung der Todtenfeier erklärt. Laut Verordnung des Agramer General-Commandos vom 24. Sep- tember wurde das Regiment nach Wien in Garnison bestimmt. Hiemit wurde demselben seit seiner Wiedererrichtung das erstemal die Aus- zeichnung zutheil, an das Hoflager Seiner Majestät des Kaisers berufen zu werden. * Das auf der kriegerischen Gedächtnisstätte, am Friedhofe zu S. Lucia, von unserem Regiraente geschaffene Monument bildet eine auf einem Piedestale ruhende, an der Spitze mit dem Brustbilde eines geharnischten, mit geschlossenem Visiere versehenen Ritters geschmUkte, marmorne Pyramide. Während auf der Brust des Ritters der kaiserlich Österreichische Adler prangt, zeigen die vier Monumentseiten die folgenden Inschriften: Auf der ersten Seite: „Llmperial regio reggimento fanti, Arciduca Sigismondo Ai suoi commilitoni, Qui caduti nel combattimento di Santa Lucia il 6 maggio 1848, in segno di venerazione erigeva." auf der zweiten weiters : imd schließlich: „Pace alle loro ceneri, onore alla loro gloriosa memoria** „colla morte dei valorosi sugellarono la loro fedeltä AI sovrano e alla patria.^ „Inaugurato con solenn itä il giomo 6 maggio 1858.** 322 ERZHERZOG SIGMUND. In Fußmärschen bis Pöltschach^ von da ab per Eisenbahn war das Regiment bereits am 31. Octobcr in seiner neuen Garnison ein- gerückt. Das Regiment wurde in der Aiser- und Salzgries-Kaserne bequartiert und erhielt seine Eintheilung in der Brigade des GM. Ram- ming von Riedkirchen. Schon nach wenigen Tagen, am 3. November, hatte das Regiment das hohe Glück, am Alser-Glacis en parade von seinem erlauchten Inhaber, Seiner k. k. Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzoge Sigmund, Seiner Majestät dem Kaiser vorgeführt und von'Allerhöchst- demselben besichtigt zu werden. Seine Majestät hatte die Gnade, an den Regiments-Commandanten nach stattgehabter Besichtigung die Allerhöchste Zufriedenheit in nach- folgenden Worten auszudrücken: „Das Regiment sieht sehr gut aus, ist sehr gut adjustiert und hat eine sehr gute Haltung. Ich bin mit dem Regiment recht sehr zufrieden und umsomehr, als es aus einer ungünstigen Dislocation kommt.^ Mit 1. November trat, anlässlich der Einführung der österreichi- schen Währung statt des Conventions-MünzfulJes ein neues Gebüren- Reglement in Kraft. Nach demselben erhielten an Jahresgage: der Oberst 2520 fl., Obcrstlieutnant 1680 fl., Major 1260 fl., Hauptmann 1. Cl. 948 fl., Hauptmann 2. Cl. 744 fl,, Oberlieutnant 528 fl., Unter- lieutenant 1. Cl. 480 fl., Unterlieulenant 2. Cl. 432 fl. österreichischer Währung. Die Löhnungsgebüren der Mannschaft wurden so festgesetzt wie sie noch gegenwärtig bestehen. IV. ABSCHNITT. Der Krieg In Italien 1859. 1859. Obwohl die in der zweiten Hälfte des Vorjahres zutage getretenen Anzeichen der kaiserlichen Regierung Terriethen, dass Frank- reich sich einer der Stellung Österreichs in Italien feindlichen Stim- mung zuneige, sollten diese Befürchtungen doch erst durch die am 1. Jänner beim Neujahrsempfange des diplomatischen Corps in den Tuilerien vom Kaiser Napoleon 111. an Herrn von Hübner, den da- maligen österreichischen Botschafter in Paris, gerichteten Worte — „Ich bedaurC; dass unsere Beziehungen zu Ihrer Regierung nicht mehr so gut sind^ als sie es waren; aber ich bitte dem Kaiser zu sagen, dass meine persönlichen Gefühle für ihn sich nicht geändert haben" — einen bestimmteren Ausdruck annahmen. Nach diesen inhaltsschweren Worten, die mit Blitzesschnelle durch Europa getragen, überall den Eindruck einer Kriegserklärung machten, war die französische Regierung sofort an die Bildung eines Observations- Corps an den Seealpen geschritten. Diese militärische Maßregel Frankreichs veranlasste Osterreich zur Verstärkung der in der Lombardie gelegenen Besatzungen, das 3. Armee-Corps von Wien per Eisenbahn dorthin zu senden. Bald darauf schloss Napoleon HI. mit dem Könige Victor Emanuel von Sardinien ein Übereinkommen ab, welches Frankreich verpflichtete, im Falle eines Krieges Piemont zu Hilfe zu kommen. Nun füllten die ersten drei Monate des Jahres diplomatische Ver- handlungen zwischen den Cabineten von Wien, Paris, Turin, London und Berlin aus, die jedoch vollkommen resultatlos ausfielen. Am 28. Februar erhielt das Regiment den Befehl, sich auf den Kriegsstand zu setzen, das Grenadier-Bataillon zusammenziehen, die 1., 21* 324 ERZHERZOG SIGMUND. 7., 13. nnd 19. Fttsilier-Compagnie und ein Depot- Bataillon auf- zustellen. Das Regiment ward mittlerweile von Wien nach Klosterneuburg und Concurrenz verlegt und hatte das 4. Bataillon von Verona heran- gezogen. Mit A. h. £. vom 20. März wurde der Hptm. Julius Bagnalasta zum Mjr. im Lin.-Inft.-Rgmte. Erzherzog Albrecht Nr. 44 und der Hptm. Franz de la Renoti^re von Kriegsfeld des Lin.-Inft.-Rgmts. Freiherr von Alemann Nr. 43 zum Mjr. im Regimente befördert, mit A. h. E. vom 2. April endlich der J^^r. Paul Wukiöeviö mit Obstlt.- Charakter ad hon. in den Ruhestand versetzt. Am 5. und 6. April erflossen die Allerhöchsten Befehle zur voll- ständigen Mobilisierung der Armee. Am 8. April hatte das Regiment mit allen 4 Bataillonen die hohe Auszeichnung, am Schmelzer Exercierplatze von Seiner Majestät dem Kaiser besichtigt zu werden. Nach der Defilierang ließ Seine Majestät die Officiere des Regimentes vortreten und richtete in huldvollster Weise nachstehende Worte an dieselben: „Ich bin mit dem Regimente sehr zufrieden, aber sehr zufrieden, es entspricht ganz meinen Erwartungen und Anforderungen; sagen Sie dieses der Mannschaft, sagen Sie ihr auch, dass ich dem Regimente im Hinblick auf seine ruhmvollen Traditionen vollkonmen vertraue und dass es sich meines Vertrauens auch wUrdig zeigen wird, darum schicke ich es zur Armee nach Italien; — sagen Sie dieses dem braven Regimente." Diese höchst beglückenden Worte, dieses Lob des Allerhöchsten Kriegsherrn und das ehrende Vertrauen wurde der Mannschaft bekannt gegeben. So beseelte denn das ganze Regiment nur mehr der eine Wunsch: sich die kaiserliche Anerkennung auch über die bevorstehenden Leistungen vor dem Feinde zu erwerben. Mit A. h. E. vom 9. April wurde der Hptm. Ludwig Lendwich des Lin.Inft.-Rgmtes. Großfürst Michael Nr. 26 zum Mjr. im Regimente und der Hptm. Georg Somogyi zum Mjr. im Lin.-Inft-Rgmte. Erz- herzog Karl Ferdinand Nr. 51, weiters der bisherige Regiments- Commandant Obst. Franz Ritter Latterer von Lintenburg zum GM. befördert und an dessen Stelle der Obstlt. Gustav Chevalier Depair ERZHERZOO SIGMUND. 325 des Lin.JDft.-Rgmtes. Großfürst Michael von ßussland Nr. 26 zum Oberst und Commandanten des Regimentes ernannt; endlich zufolge A. h. E. vom 10. April der Obstlt. Josef Bukovsky zum Obst, und Festungs-Commandanten von Palmanaova und der Mjr. Josef Ritter von Meehofer des Lin.-Inf.-Rgmtes. Graf Kiusky Nr. 47 zum Obstlt. und Grenadier-Bataillons-Commandanten im Regimente befördert. Gustav Chevalier Depaix wurde als Sohn eines Hauptmannes am 18. Februar 1809 in Triest geboren, trat am 15. December 1820 in die Theresianische Militär-Akademie, aus welcher er am 7. October 1828 als Fähnr. zum Lin.-Inft-Rgmte. Großfürst Michael Nr. 26 ein- getheilt wurde. Am 15. März 1831 zum Utit., am 5. October 1833 zum Oblt, am 1. October 1842 zum Cpt.-Lt., am 1. August 1844 zum Hptm., am 17. November 1850 zum Mjr., am 9. April 1858 zum Obstlt. im Regimente befördert, wurde er mit A. h. E. vom 14. April 1859 Obst, und Commandant unseres Regimentes. Depaix hat die Feldzüge 1848 und 1849 in Ungarn und 1859 in Italien mitgemacht und erhielt ftlr seine besonders tapferen Leistungen in der Schlacht bei Magenta infolge A. h. £. am 3. Juli 1859 den Orden der Eisernen Krone 3. Cl. (K.-D.) Auf seine Bitte wurde er am 1. December 1863 als Realinvalid in den wohlverdienten Ruhestand versetzt, zog sich nach Triest, wo er am 29. Juli 1886 starb. Am 14. April gieng das 4. Bataillon nach Salzburg ab, stieO dann zu dem deutschen Bundcs-Contingente und wurde als Besatzung in die Bnndesfestung Ulm verlegt. Das Regiment wurde am 26. April per Eisenbahn von Wien nach Triest befördert, wo es am 27. eintraf und mittelst Lloyddampfem nach Venedig überführt wurde. Am 31. April war das Regiment in Mailand eingetroffen^ wo es in der S. Francesco-Kaserne untergebracht wurde. Am 19. April wurde von Wien an den Armee-Commandanten FZM. Grafen Gyulai nach Mailand das kaiserliche Ultimatum — worin die unverzügliche Abrüstung Piemonts verlangt wurde — übersendet, welches jedoch erst am 23. April um 5* 30"* nachmittags durch den Statthalterei-Rath Freiherrn von Kellersperg in Turin übergeben wurde. 326 ERZHERZOG SIGMUND. Um diese Zeit waren in der Lombardie erst 5 Arraee-Corps, und zwar das 2., 3., 5., 7. und 8. fttr Operationen bereit. Das 9. Armee- Corps erhielt erst am 24. April den Befehl, nach Italien abzugehen. Die ersten französischen Colonnen betraten hingegen schon am 23. April bei Culoz den savoyschcn Boden; gleichzeitig landeten fran- zösische Truppen im Hafen von Genua und wenige Minuten nach der Abreise des Freiherrn von Kellersperg langten die ersten französischen Abtheilungen in der Hauptstadt Sardinions ein. Piemout hatte am 26. April das Ultimatum ablehnend beantwortet, worauf am 29. April die Kriegserklärung Österreichs an Piemont erfolgte. Das Regiment erhielt seine Eintheilung in das 2. Corps FML. Frei- herr von Jellaöiö, Division FML. Herdy, Brigade GM. Leopold Kintzl und hatte von Mailand nach Pavia in den Aufmarschraum zu rticken. Nachdem noch an das zwischen Pavia und Beregnardo eoncentrierte Heer der Allerhöchste Armee-Befehl vom 27. April ver- öflFentlicht wurde, begann die kaiserliche Armee am 30. April den Über- gang über den Ticino. Dieser Armee-Befehl lautete: „Mit Zuversicht lege Ich Österreichs gutes Recht in die besten und bewährtesten Hände, in die Hände Meiner braven Armee. Ihre Treue und Tapferkeit, ihre musterhafte Disciplin, die Ge- rechtigkeit der Sache, die sie verficht, und eine glorreiche Vergangenheit verbürgen mir den Erfolg. Soldaten der 2. Armee! an Euch ist es, den Sieg an die unbe- fleckten Fahnen Österreichs zu binden. Geht mit Gott und dem Ver- trauen Eueres Kaisers in Kampf. Franz Josepli m. p.'' Am 1. Mai, nachdem in Mailand die Ergänzungen von Verona eingetrofiFen waren, wurde das Grenadier-Bataillon zusammengesetzt, um 7^ früh das Regiment mit 4 Bataillons auf dem S. Francesco- Platze railliert, von dem Brigadier an die Mannschaft eine zündende Ansprache gehalten, hierauf scharf geladen und sodann abmarschiert. Während des Marsches war der vom Lin.-Inft.-Rgmte. Prinz Hohen- lohe Nr. 17 zum Regimente als Mjr. beförderte Hptm. Johann Hummel ERZHERZOG SIGMUND. 327 eingerückt, dagegen der diesseitige gleichfalls zum Mjr. .beim Lin.-Inft.- Rgmte. Freiherr von Alemann Nr. 43 ernannte Hptm. Eduard Frei- herr von Herbert-Rathkeal schon früher dahin abgegangen. Um 9* nachts traf das Regiment in Pavia ein, bezog vor der Stadt das Bivouac; wobei gleich hier erwähnt sei, dass dasselbe vom 1. Mai bis einschliefllich 5. Juli ununterbrochen bivouakicrte. Am 2. Mai überschritt das Regiment den Ticino, marschierte nach Garlasco, am 3. nach Mede, am 4. nach Ottobiano, am 7. nach Ni Corvo, passierte am 8. die Sesia und lagerte bei Vercelli. Mit dem Eiustellen der OflFensive in der Lomellina — am 9. Mai — war das Regiment wieder über Robbio, Albonese nach Gilavegna rückgekehrt, wo es am 13. Mai eintraf und bis 17. verblieb. Am 18. marschierte es nach St. Giorgio, verblieb bis 21. im Lager, machte in der Nacht vom 22. auf den 23. den Marsch nach Zeme, kehrte in derselben Nacht nach St. Giorgio zurück und verblieb dort bis 30. Mai, wo es nach Mortara marschierte. Am 31. Mai wieder nach Robbio vorgerückt, musste das Regi- ment den an diesem Tage bei Palestro kämpfenden Truppen des 7. Armee-Corps als Reserve dienen. Der österreichische Oberbefehlshaber FZM. Graf Gyulai hatte — wie schon erwähnt — am 9. Mai die Offensiv-Bewegungen ein- gestellt und die Armee wieder über die Sesia zurückgenommen. Die ausgedehnte Stellung erstreckte sich von Vercelli über Pavia bis Piacenza. Mitte Mai konnte die Vereinigung der Franco-Sarden als bewerk- stelligt angesehen werden; erstere standen bei Alessandria, letztere bei Casale beiderseits des Tanaro. Der ungünstige Ausgang des Gefechtes bei Palestro, sowie einer vom FZM. Grafen Gyulai angeordneten scharfen Recognoscierung, die zum Treffen bei Montebello am 20. Mai führte, brachten den Armee- Commandanten zum Entschlüsse, den Rückzug hinter den Ticino anzutreten. Die im 2. Armee-Corps eingetheilte, aus den Brigaden Baltin und Kintzl (unser Regiment) bestehende Division des FML. Ilcrdy wurde infolge dessen nach S. Angelo und im weiteren Verlaufe über Mortara, Vigevano nach Sorio am linken Ticino-Ufer zurückgezogen. 328 ERZHERZOG SIOBCÜKD. Am 3. Jani rückte die Division gegen Magenta vor und als am 10* 30'» vormittags die Tete Bobecco erreicht hatte, erhielt FML. Fürst Liechtenstein den Befehl, Robecco und Ponte vecchio di Magenta mit je 2 Bataillonen zu besetzen. GM. Kintzl wurde sonach beauftragt, mit unserem 1. und 2. Ba- taillon, 2 Geschützen der Brigade-Batterie, dann 1 zugetheilten Raketen- Batterie und 1 Zug Cavallerie Ponte vecchio di Magenta am Naviglio grande zu besetzen, während das 3. und das Grenadier- Bataillon des Regimentes mit den übrigen 6 Geschützen der Brigade- Batterie in Robecco zu verbleiben hatten. Gleichzeitig kam den ebenfalls im Verbände des 2. Armee-Corps stehenden Brigaden Szabö und Eoudelka mit 4 Escadronen des IJhlanen-Regimentes Nr. 12 und der Corpsgeschütz-Reserve der Befehl zu, östlich Magenta sich bereit zu stellen. In dieser eben bezeichneten Aufstellung wurde die Nacht vom 3. auf den 4. Juni verbracht. Am 4. Juni, dem denkwürdigen Schlachttage von Magenta, konnte man schon beim Morgengrauen vom Kirchthurme von Robecco das Vorrücken starker feindlicher Colonnen gegen die steinerne Brücke über den Ticino wahrnehmen. Gegen 10* vormittags passierten bereits die Franzosen diese Brücke und begannen den Angriff auf die dort von Abtheilungen des 2. Banal-Grenz-Regimentes und des 2. Feld- Jäger-Bataillons besetzte Schanze. Unser 2. Bataillon^ welches an einem steilen Rideaurand nächst des Eisenbahndammes vorgeschoben war, wurde gegen 11** vormittags plötzlich von 2 feindlichen Grenadier- Bataillonen derart umfassend angegriffen, dass es genöthigt war, in der Richtung auf Carpenzago sich zurückzuziehen. GM. Kintzl, der noch immer in der vorbezeichneten Aufstellung in Ponte vecchio di Magenta und Robecco stand, sah sich nun auch infolge des eben geschilderten Angriffes veranlasst, mit dem Reste seiner Brigade gegen Carpenzago den Rückzug anzutreten. Zum Schutze seines Rückzuges ließ GM. Kintzl das 1. Bataillon und 2 Geschütze der Brigade-Batterie ä cheval der Straße nach Car- penzago Aufstellung nehmen. Das 2. Bataillon, sowie der Rest der Brigade konnten nun vom Feinde unbelästigt den Rückzug auf den letztgenannten Ort vollziehen. ERZHERZOG 8I6HUKI). 329 Dem Feinde war es gegen 4* nachmittags gelungen, den am rechten Ganalufer befindlichen Theil von Ponte vecchio di Magenta zu nehmen; doch alle weiteren Versache^ sich des durch den Canal abgetrennten Orttheiles zu bemächtigen, blieben erfolglos. Als unterdessen die Vorhut der Brigade Härtung des nunmehr gleichfalls auf das Schlachtfeld eingetroffenen 3. Armee-Corps zwischen Casterno und Carpenzago erschien, entschloss sich GM. Eintzl, den vom Feinde besetzten Theil von Ponte vecchio di Magenta anzu- greifen. Die VorrUckung der Brigade erfolgte mit unserem 1. Bataillon an der Tete, diesem folgte die Batterie, das 3. Bataillon links der- selben, das Grenadier-Bataillon rechts in Divisions-Golonnen, während das 2. Bataillon als Reserve sich hinter der Batterie anschloss. Das 1. Bataillon griff todesmuthig den Feind an und warf ihn im Vereine mit Theilen des 3. Bataillons aus Ponte di Magenta hinaus. — Doch bald kehrte der Gegner zurück, griff den Ort an und nahm ihn wieder. GM. Kintzl ordnete hierauf einen zweiten Sturm an, an welchem sich unser Grenadier-Bataillon und das 3. Bataillon, sowie 4 Raketen- Geschtttze unter Gommando des Hptms. Ecke betheiligten, wobei wieder einige Häuser des Ortes genommen wurden, die Unsrigen aber alsbald neuerlich aus letzteren weichen mussten. Die Brigade Kintzl, welche die ganze Zeit hindurch den Kampf gegen die französische Brigade Wimp ff en, gegen Zouaven-Abtheilungen der Brigade Cler und gegen die Teten der Infanterie-Brigade Picard durchzufahren hatte, zog sich hierauf, durch die erwähnten wiederholten Angriffe stark gelichtet, theilweise auch in Unordnung gebracht, unter dem Schutze des Feuers der Brigade-Batterie auf Carpenzago zurück und raillierte sich später bei Casterno. Noch während des Rückzuges unternahm unser Regiments-Com- mandant Obst. Depaix mit einigen, bei der Hand befindlichen Abthei- lungen des Regimentes im Vereine mit der Avantgarde der Brigade Härtung — Obstlt. Freiherr von Schütte: 1. Bataillon Hessen-Infan* terie Nr. 14, 1 Division des 23. Jäger-Bataillons und 2 Geschützen — einen dritten Sturm auf Ponte vecchio di Magenta, der aber an dem Widerstände und der Hartnäckigkeit des Gegners scheiterte. 230 ERZHERZOG BIGMUKD. Das 2. Bataillon betheiligte sich noch überdies bei einem durch die Brigaden Härtung und Bamming von den Begimentern Nr. 14 und 27 unternommenen späteren Angriflfe auf den Ort Casterno. Schließlich sei erwähnt, dass das Begiment, im Bttckzuge auf Bobecco begriffen, durch den Hauptmann des GQSt Pistory noch- mals auf das Schlachtfeld zurückberufen, unverzüglich durch den Begi- ments-Commandanten dahin geführt wurde, ohne jedoch mehr in das Gefecht zu treten. Erschöpfung auf beiden Seiton und die eingebrochene Dunkelheit machten den opferreichen Kämpfen dieses schicksalsschweren Tages ein Ende. Es muss hier hervorgehoben werden, dass das Begiment bei Ponte vecchio di Magenta, lange Zeit allein kämpfend, der feindlichen bedeutenden Übermacht (Theile der französischen Brigaden Wimpffen, der und Picard, etwa 6 bis 7 Bataillone^ widerstand und den Gegner, nach seinen eigenen Angaben glauben machte, er habe es mit weit überlegenen Kräften zu thun. Erst nach 4* nachmittags rückten die Brigaden Härtung und Dürrfeld in die Gefechtsliuie und unser Begi- ment erhielt Befehl, sich zurückzuziehen. Erwähnt sei noch das brave Verhalten des Oblts. Bobert Scholz des 2. Art.-Bgmtes. Mit seinen 2 Geschützen erwartete er kaltblütig die feindlichen Angriffs-Colonnen und schmetterte sie — auf 50 Schritte angekommen — mit Kartätschen nieder. Sowohl der Corps-Commandant FML. Eduard Fürst Liechten- stein, als auch sämmtliche Herren seines Hauptquartiers und der Brigadier GM. Kintzl haben nach der Schlacht dem Bcgiments-Com- maudanten Obst. Gustav Chevalier Depaix in den schmeichelhaftesten Ausdrücken die Anerkennung über die hervorragenden Leistungen des Begimentes ausgesprochen. Während das 2. Bataillon die Nacht über bei Casterno bei der Brigade Härtung bivouakierte, wurden die übrigen Bataillone durch Obst. Depaix noch nach Abbiategrasso geführt Tags darauf aber waren alle zur Brigade Kintzl gehörigen Abtheilungen im Lager zu Tainate wieder vereinigt. Der Tag von Magenta hatte für das Begiment schwere Opfer gefordert. Neben dem Hptm. Anton Graf Auersperg und dem Oblt. EBZHEBZOG SIGMUND. 331 Robert Kober waren 43 Mann todt; die Hptlte.: Ignaz Pillepich, Oustav Freiherr von Hacke und Paul Bernart; die Lts.: Ignaz Freiherr von Buschmann, Karl Weißmann, Franz Giaß, Hugo Oraf Auersperg, Ludwig Eisterer und 279 Mann wurden verwundet. Die Lts. Ferdinand Merz und Giuseppe Dionese mit 740 Mann geriethen in Kriegsgefangenschaft. Vom Lager zu Tainate rockte das Regiment am 7. Juni über Binasco, Torre vecchia nach Borghetto. Infolge des von der kaiserlichen Armeeleitung beschlossenen wei- teren Rückzuges der Armee hinter die Adda, den Oglio und die Chiese, gelangte das Regiment über Gombito, Castcl Visconti, Gabbiano, Quinzano, Pralboino, Cassiano-Castellucehio am 17. Juni nach Cerese bei Mantua ins Lager. Seine Majestät der Kaiser, der in den Tagen des Entscheidungs- kampfes an der Spitze seiner treuen Truppen stehen wollte, war auf den Kriegsschauplatz geeilt und übernahm mit Armee-Befehl, gegeben zu Verona am 18. Juni, den Oberbefehl über die gegen den Feind stehenden Truppen. Gleichzeitig ordnete Allerhöchstderselbe die Auf- stellung zweier Armeen an. Die 1. Armee unter dem Befehle des FZM. Freiherrn von Wimpffen hatte sich am unteren Mincio zu sammeln, während die 2. Armee unter dem G. d. C. Graf Schlick, der an die Stelle des FZM. Grafen Gyulai getreten war, am Chiesc- Flassc in der Stellung von Lonato-Castiglione dem Gegner stand- zuhalten hatte. Das 2. Armee-Corps, dem die Brigade Kintzl angehörte, war in den Verband der 1. Armee getreten und wurde als Besatzung der Festung Mantua bestimmt. Inzwischen wurde das Regiment bei dem Baue der Werke 6 und 7 bei Curtatone in Verwendung genommen. Gleichzeitig wurden aber auch Abtheilungen des Regimentes für den Vorpostendienst längs der Linie Curtatone und Montanara herangezogen. Am Schlachttage von Solferino, der in so verhängnisvoller Weise über das Schicksal des Feldzuges entscheiden sollte, wurde das Regi- ment zwischen Curtatone und Montanara gezogen, wo es als Reserve des 2. Armee-Corps stand, somit an den mörderischen Kämpfen dieser denkwürdigen Schlacht nicht theilnehmen konnte. 332 ERZHERZOG SIGMUND. Am 26. Juni kam das Regiment in das verschanzte 1 sager von Mantua, wurde tagsdarauf aber nach S. Vito di Legnag o verlegt. Im Lager beim letztgenannten Orte fand am 29. Juni eine Ver- theilung von Medaillen durch den damaligen zweiten General-Adjutanten Seiner Majestät des Kaisers, den FML. Freiherrn Kellner von Köllen- stein, statt. — Hiebei erhielten: Die silberne Tapferkeits-Medaille 1. CL: Fldwbl. Peter Tegolin, Crpl. Karl£der, Gfte. Johann Dalmedico, Gem. Johann Ferrantc, Franz Bettoli, Peter Faustinelli, Luigi Dallanogara und Julius Bentenrieder; die silberne Tapferkeits- Medaille 2. Cl.: Fldwbl. Karl Jankowsky, Fahnenführer Johann Battistani, die Zgsfhr. Johann Calzavacca, Vincenz Zaglio und Josef Cindriö, die Crple. Peter Drera und Caesar Guaida, Baons.- Tmbr. Orlando Molteni, Baons.-Hornist Thomas Mischiari, Gfte. Luigi Kagazzi, die Grenadiere Michael Marcomini, Eduard Assanger und die Gem. Josof Ghidoni und Emil Piccoli — alle ftir ihr tapferes Verhalten in der Schlacht von Magenta. Weiters wurde zufolge A. h. E. Seiner Majestät des- Kaisers vom 27. Juni folgenden Officio ren in Anerkennung ihres besonders tapferen Verhaltens während der Schlacht bei Magenta verliehen, und zwar dem Obst, und Commandanten unseres Regimentes Gustav Chevalier Depaix, Obstlt. Josef Ritter von Mechofer, dem Major Ludwig Lendwich und dem auf dem Schlachtfelde gebliebenen Hptm. Anton Graf Auersperg der Orden der eisernen Krone 3. Cl., dann den- Mjr. Johann Hummel, Hptm. Ignaz Pillepich, Oblt. Josef Nie- meczek und Lt. Eduard Samsa das Militär -Verdienst kreuz — alle mit der Kriegsdecoration. Endlich wurde denHptlten.: Paul Bernnart und Comingio Putti; dann den Oblts.: Heinrich Mallinariö von Silbergrund, Leopold Schwaab und Franz Wanka, und schließ- lich den Lts.: Ignaz Freiherr von Buschmann, Alexander Eis und Hugo Graf Auersperg die Allerhöchste belobende Anerkennung zutheil Am 30. Juni verließ das Regiment das Lager bei S. Vito di Legnago, marschierte Über Vicenza, Padua und Treviso nach Casarsa und von da über Codroipo, Palmanuova und Monfalcone nach Nabresina, woselbst es am 6. Juli eintraf Dem am 7. Juli abgeschlossenen Waflfenstillstande folgte am IL Juli eine Zusammenkunft unseres Kaisers mit Kaiser Napoleon UL ERZHERZOG WGMUKD. 333 ZU Villafranca, die am folgenden Tage zurii Abschlüsse von Friedens- Präliminarien zwischen Österreich und Frankreich fJihrte. Prägnanter als alle Erörterungen legt der aus Verona vom 12. Juli datierte Armee-Befehl die Lage der Dinge dar. Dieser ewig denkwürdige Befehl^ lautete: „Gesttitzt auf Mein gutes Recht, bin Ich in den Kampf flir die Heiligkeit der Verträge getreten, zählend auf die Begeisterung Meiner Völker, auf die Tapferkeit Meines Heeres und auf die natürlichen Bundesgenossen Österreichs. Meine Völker fand Ich zu jedem Opfer bereit, die blutigen Kämpfe haben der Welt den Heldenmuth und die Todesverachtung Meiner braven Armee erneuert gezeigt, die, in der Minderzahl kämpfend, nach- dem Tausende von Officieren und Soldaten ihre Pflichttreue mit dem Tode besiegelt, ungebrochen an Kraft und Muth der Fortsetzung des Kampfes freudig entgegensieht. Ohne Bundesgenossen weiche Ich nur den ungünstigen Verhältnissen der Politik, denen gegenüber es Mir vor allem zur Pflicht wird, das Blut Meiner Soldaten sowie die Opfer Meiner Völker nicht erfolglos in Anspruch zu nehmen. Ich schließe Frieden, ihn auf die Mincio-Linie basierend. Aus vollstem Herzen danke Ich Meiner Armee. Sie hat Mir aufs Neue gezeigt, wie unbedingt Ich bei künftigen Kämpfen auf sie rechnen kann." Franz Joseph m. p. Mit den Aussichten auf den definitiven Frieden wurde die enge Concentrierung der Armee aufgegeben, der später die Versetzung der gesammten Armee auf den Friedensstand und die Durchführung nam- hafter Reductionen folgten. Mit A. h. E. vom 12. Juli wurde der Obstlt. Josef Bitter von Meehofer zum Obst, und Commandanten des Lin.-Inftr.-Rgmts. Groß- herzog von Meklenburg-Schwerin Nr. 57 ernannt und der Mjr. Karl Möraus vom Lin.-Inftr.-Rgmte. Graf Wimpfon Nr. 22 als Obstlt. ins Regiment berordert; endlich wurde Mjr. Ferdinand De la Renoti6re von Kriegsfeld am 1. Juli in den zeitlichen Ruhestand versetzt. In Nabresina erhielt das Regiment die Weisung, dass das südliche Böhmen demselben zur Garnis^nierung bestimmt sei. Sonach wurde es am 8. Juli nach Wien per Eisenbahn, nach Krems mit Dampfschiffen 334 KRXHERZOG SIOMUKD. befördert. Von Krems rückte das Regiment in Fußmärschen tiber Oföhl, Zwettel und G ratzen in die nachfolgende Dislocation ab: der Begimentsstab, das Grenadier-Bataillon und die 3. und 5. Division nach BudweiS; die 1. und 2. Division nach Krumau a. d. Moldan, die 4. und 6. Division nach Wittingau, endlich das 3. Bataillon nach Neuhaus. Laut Anordnung dos Arniee-Ober-Commandos hatte das Regiment schon anfangs August den Friedensstand anzunehmen, das Grenadier- Bataillon und die 1., 7., 13. und 19. Compagnie, sowie das im Monate Mai aufgestellte 'und seither in Königgrätz stationierte 5. Bataillon — Commandant Mjr. Guido Ritter von Hart lieb — und das Depot- Bataillon aufzulösen. Weiters wurde das in Ulm garnisonierendc 4. Bcitaillon nach Kufstein, dann nach Monselice, das 3. Bataillon von Neuhaus nach Jißin, später nach Verona verlegt. Noch vor dem Abmärsche des 3. Bataillons wurden die daselbst befindlichen, zu dem abgetretenen Theile der Lombardie zuständigen Leute, welche in ihre Heimat zurückzukehren wünschten, nach Josef- stadt abgesendet, dort mit den Lombarden des 1. und 2. Bataillons in einen Transport zusammengestellt und unter Commando des Hptms. Baroni am 20. November nach Verona abgesendet, wo ihre Entlassung in die Heimat erfolgte. Anfangs November erfolgte als Schluss der häufigen Dislocations- wcchsel in diesem Jahre noch die Verlegung des Regimentsstabes sowie des 2. Bataillons nach Josefstadt und die Vereinigung des 1. Bataillons in Budw^cis. Zufolge Armee-Befehles, Verona am 5. November, wurden nach- bezeichneter Mannschaft für ihre, während der jüngsten Campagne bewiesene Tapferkeit, Auszeichnungen noch nachträglich zutheil, u. zw. erhielten: die silberne Tapferkeits-Medaillc L Cl.: Fldwbl. Peter Tem- porin, Zgsfhr. Karl Colombo und Gem. Anton Bonafini; die silberne Tapfcrkeits-Medaille 2. CL: Zgsfhr. Abele Siechioro und Johann Paroli, die Crple. Anton Barbiori, Gaetano Dona und Anton Invirto, Gfte. Ludwig Fioresi, die Tmbro. Michael Campagnari und Georg Ascari, die Gem. Ludwig Ccriani, Jacob Giardini, Marco Dalmaestro, Peter Gavioli und Johann Siviera. Am 10. November wurde der definitive Friede zwischen Osterreich und Frankreich zu Zürich unterzeichnet. ERZHERZOO SIGMUND. 335 Die Vertheilung der Medaillen erfolgte den 8. Docember 1859 bei Gelegenheit der Kirchenparade, wozu das 1. Bataillon auf dem großen Platze in Josefstadt ausrückte. Der Obst, und Regiments-Commandant Gustav Chevalier Depaix hielt eine passende Anrede an das Bataillon, worauf der Fcstungs-Gom- mandant FML. Freiherr von Ripp persönlich die Tapferkeits-Medaillen vertbeilte. Das Regiment hatte zu jener Zeit 1 goldene, 13 silberne Tapfer- keits-Medaillen 1. Gl. und 25 2. Gl. unter Mannschaft. V. ABSCHNITT. Die Friedensjahre 1860 Ms 1S66. 1860. Im Monate März wurde der Regimentsstab und das 1. Bataillon nach Prag, das 2. Bataillon wieder nach Budweis verlegt. Am 14. Juni wurde dem 1. Bataillon die hohe Auszeichnung zu theil, von Seiner k. k. Hoheit dem Herrn Erzherzog Alb recht besichtigt zu werden. — Seine k. k. Hoheit, von dem Aussehen und der Ausbildung des Bataillons sichtlich befriedigt, ließ zum Schlüsse die mit Tapferkeits- Medaillen decorierte Mannschaft vortreten und betheilte selbe mit einer namhaften Geldsumme. Im Herbste erhielten die 7. und 9. Division unter Commando des Mjrs. Johann Hummel die Bestimmung nach der Bundesfestung Rastatt. Infolge Armee-Ober-Commando-Rescriptes vom 8. October hatten die beiden ersten Fcldbataillone einen Stand von 90, die zum Contingente des deutschen Bundes eingetheilte 7. und 9. Division den Stand von 130 Mann per Compagnie anzunehmen. Dieses Jahr brachte umfassende Änderungen in der Organisation der Infanterie mit sich. Um die Zweckmäßigkeit der taktischen Formation der Linien - Infanterie zu erhöhen, geruhten Seine Majestät mit A. h. E. vom 27. December 1859 anzuordnen, dass die bisher im Frieden aus je 4 Bataillonen bestehenden 62 Linien-Infanterie-Regimenter auf 83 zu je 3 Bataillonen umgewandelt werden. Demzufolge wurde unser 4. Bataillon dem neu zur Aufstellung gelangenden 38. Linien-Infanterie-Regimente abgegeben. Weiters wurde bestimmt, dass die Grenadiere als geschlossene Abtheilungen aufzulösen seien; nur die reangagierte Mannschaft behielt ERZHERZOG SIGMUND. 337 den Namen „Grenadiere^ nnd die Auszeichnung durch messingene Granaten auf dem Riemenzeug und einer weißtuchenen Granate auf dem Rock- kragen. Am 17. März wurde der Mjr. Karl Becker unter Verleihung des Obstlts.- Charakters ad hon. in den Ruhestand versetzt. Am 8. October wurde der Mjr. Johann Stoklin zum Obstlt. im Lin.-Iuftr.-Rgmte. Graf Coronini Nr. 6 befördert; endlich mit A. h. E. vom 13. November der Mjr. Ladislaus Seidl vom Lin.-Inftr.-Rgmte. Erzherzog Alb recht Nr. 44 zum Regimente tibersetzt. Mit 22. Jänner wurde die Rangierung der Infanterie, statt wie bisher in 3, in 2 Gliedern angeordnet. Mit A. h. E. vom 8. März wurde fttr den Leopold- und den Orden der Eisernen Krone, sowie für das Militär-Yerdienstkreuz die aus Lorbeerzweigen und Kränzen bestehende ;,Kriegs-Decoration" gestiftet. Die Truppen-Divisionen wurden aufgelassen. Die Echabraquen von rothem Tuche mit Goldborden wurden ab- geschafft und Wollrappe (^schwarze Lammfelle) mit dem in Gold gestickten Namenszuge Seiner Majestät in den beiden rückwärtigen Ecken ein- geführt. Die OfSciers-Säbelknppel war fortan unter dem Waffenrocke zu tragen. 1861. Zufolge Landes-General-Commando- Verordnung vom 30. De- cember vorigen Jahres erfolgte Ende Jänner die Verlegung des Regi- mentsstabes mit dem 2. Bataillonsstabe und der 4. und 5. Division nach Budweis und des 1. Bataillons nach Wittingau. — Die 4. Compagnie wurde nach Moldauthein^ die 3. Division nach Krumau detachiert. Am 4. September wurde die 4. Compagnie in Moldauthein durch die 3. abgelöst, erstere rückte nach Wittingau ein. Mit A. h. E. vom 21. Februar wurde der Obstlt. Karl Möraus zum Commandanten des Lin.-lnftr.-Rgmts. Erzherzog Rainer Nr. 59 ernannt und der Obstlt. Hermann Freiherr von Mylius zum Regimente übersetzt, rückte jedoch nicht ein, sondern wurde über seine Bitte krank- heitshalber in den Ruhestand versetzt. Am 9. Juni wurde Obst. Karl Ritter von Ripper vom GQSt. in das Regiment eingetheilt. RoffimenUireKchicbte. 22 338 ERZHERZOO SIGMrXD. Gegen Ende Juli wurde die in Rastatt stationierte 7. und 9. Division nach Verona zurlickverlegt. Mit dem Einrücken dieser Divisionen in Verona übernahm Mjr. Johann Hummel vom Mjr. Ladislaus Seidl das Ergänzungs-Bezirks- Commando. Im Jänner wurde fllr alle Fußtruppen der WaflFenrock mit umge- schlagenem Kragen und einer Knopfreihe eingefHhrt. Der Officiersrock erhielt eine goldene Achselschlinge mit Knopf zum Festhalten der von der rechten Schulter zur linken Hüfte zu tragenden Feldbinde. Da die Feldbinde auch über den Mantel zu tragen war, hatte dieser Achsel- klappen. Im Felde und auf Friedensmärschen musste der Mantel stet8 angezogen werden; bei warmer Witterung über das Hemd, bei kalter über dem WafFeurock. Sonst wurde der Mantel, statt auf dem Tornister geschnallt, bei angezogenem WafFenrocke oder Zwilchkittel en bandouli^re getragen. Die großen hölzernen Feldflaschen wurden abgeschafft, dafür erhielt jeder Mann eine kleine Glasflasche mit Lederüberzug. Bei jeder Compagnie wurden „2 Compagnie-Schuster" systemisiert- Anfangs Februar wurden die Regiments- und Bataillons- Adjutanten mit Dienstpferden beritten gemacht. 1862. Gelegentlich des im Frühjahre stattgehabten Urlauber- wechsels fand im Regimente folgende Dislocationsänderung statt: die 3. Compagnie von Wittingau nach Budweis. Am 21. August erfolgte in Karlstadt das Ableben unseres bis- herigen 2. Regiments-Inhabers, des FZM. Karl Freiherr Hartlieb von Walthor. — Infolge A. h. E. vom 27. August wurde an dessen Stelle der Festungs-Commandant von Peschiera FML. Adolf Freiherr von Lang zu unserem 2. Regiments-Inhaber ernannt. Aus Anlass dieser Ernennung gelangte an den Regiments-Com- mandanten nachstehendes Allerhöchstes Handschreiben: Franz Joseph der Erste, von Gottes Gnaden Kaiser von Osterreich, König von Ungarn, der Lombardie und Venedigs, von Galizien, Lodomerien und Illirien, Erzherzog von Öster- reich, etc. etc. etc. L .'il. r^^ ri ^f ERZHERZOO SIGMUND. 339 „Lieber Getreuer! Da Wir die vacante zweite Inhabers-Stelle des Deinem Gommando anvertrauten Linien-Infanterie-Regimentes Erzherzog Sigmund Nr. 45 Unserem Feldmarschall-Lieutenannt Adolf Freiherrn von Lang zu ver- leihen, mithin denselben zu Unserem wirklichen Obersten und zweiten Inhaber zu ernennen geruht haben, so bedeuten Wir Dir solches hie- durch gnädigst und zu dem Ende, damit Du nicht nur ftlr Deine Person den Feldmarschall-Lieutenant Adolf Freiherm von Lang als Deinen vorgesetzten wirklichen Obersten zu erkennen und zu achten, folglich dessen in Unseren höchsten Dienstes- und Regiments-Angelegenheiten ertheilten Befehle der Militär-Subordination gemäß, gebtirend zu voll- ziehen, sondern auch die übrigen Stabs- und Ober-Officiere, sowie tlbor- hanpt das ganze Regiment zur gleichmäßigen Darnachachtung anzu- weisen wissen mögest. Dir anbei mit kaiserlich-königlicher Gnade gewogen verbleibend. Gegeben in Unserer kaiserlichen königlichen Haupt- und Residenz- stadt Wien am siebenundzwanzigsten Tage des Monates August, im achtzehnhundertzweiundsechzigsten — Unserer Reiche im vierzehnten Jahre.« Franz Joseph m. p. Franz Graf Felliot de Crenville m. p. FML., Seiner Majestät des Kaisers Erster General-Adjutani. Adolf, Freiherr von Lang, als Sohn eines Hptm.-Rchfrs. im Jahre 1800 zu Verona geboren, trat 1819 aus der Theresianischen Militär- Akademie als Fähnr. in unser Regiment. Im Jahre 1824 zum Utlt, 1830 zum Oblt., 1835 zum Cpt.-Lt. im Regimente befördert, wurde Lang 1837 zum 12. Feldjäger-Bataillon übersetzt und 1839 als Hptm. in den GQSt. übernommen. Seit 1843 Mjr., war Lang 1848 bei der Bekämpfung der Prager Revolution, unter Alfred Fürst von Windischgrätz, hervorragend thätig gewesen. Um dieselbe Zeit zum Obstlt. vorgerückt, hatte Laug den eben genannten, zum Feldmarschall und Ober-Commandanten der vor Wien gestandenen Truppen ernannten Fürsten dahin begleitet, um 22* 340 ERZHERZOG SIGMUND. hier, an der Seite desselben, die Cernierung der aufständischen Kaiser- Stadt zu leiten. Für seine vor Wien bethätigten Leistungen wurde Lang mit dem Ritterkreuz des Leopold-Ordens (KD.) belohnt. Im darauffolgenden Winterfeldzuge in Ungarn nahm Laug hervorragenden Antheil im Ge- fechte bei Prellenkirchen, in der Schlacht bei Käpolna und im TreflFen bei Isdszeg. Mittlerweile zum Obst, im GQSt. avanciert, machte er die folgende Sommer-Campagne, unter den Befehlen des Banus FZM. Josef Grafen Jellaöeö mit. Später übernahm er die durch den Tod des GM. Freiherrn Grammont erledigte Brigade und kämpfte noch bei Alt-Becse, Földvär und bei Villova. Zufolge der A. h. E. vom 2. September 1849 wurde ihm für sein Verhalten in diesem Feldzuge das Militär- Verdienstkreuz (KD.) verliehen. Aus gleichem Anlasse hatte Russlands Herrscher demselben den russischen St Annen-Orden 2. Classe zuerkannt. Im Jahre 1850 zum GM. befördert, wurde Lang zum GQSt. ein- getheilt. Am 15. März 1859 zum FML. befördert, machte er als Divisionär im 8. Armee-Corps die Schlacht von Solferino mit und errang durch sein entschlossenes Vorgehen die Anerkennung seines Corps-Comman- danten. Für diese Leistung wurde er mit dem Orden der eisernen Krone 2. Classe (KD.) ausgezeichnet. 1860 erfolgte seine Erhebung in den österreichischen Freiherrn- stand. Am 2. September 1859, mit dem Commando der Festung Peschiera betraut, trat FML. Freiherr von Lang mit 1. December 1862, unter Bekanntgabe der Allerhöchsten Zufriedenheit, in den wohlver- dienten Ruhestand. Auf seiner Besitzung zu Freudenberg bei Treffen in Unter- Krain starb FML. Adolf Freiherr von Lang, der letzte zweite Inhaber unseres Regimentes, am 20. October 1873. Mit A. h. E. vom 23. September wurde der Mjr. Ludwig Lendvich zum Infanterie-Regimente Freiherr von Bamberg Nr. 13 und der Mjr. dieses Regimentes Josef Freiherr von Brever zum Regimente tibersetzt. In diesem Jahre trat das im Vorjahre ausgegebene provisorische Exercier-Rcglement in Wirksamkeit. — Die Infanterie erhielt statt der Zwilchkittel, weiße wollene Ärmelleibel, sowie neue Gewehrriemen, die beliebig verlängert werden konnten. ERZHERZOO 8IOMVKD. 341 1863. Am 8. April wurde der RegimentsBtab und das 1., am 5. April das 2. Bataillon aas ihren Garnisonen im südlichen Böhmen nach der Laudeshaupttadt Prag verlegt, woselbst sie am 10. und 12. April eintrafen. Mit 1. Jänner wurde das seit 1859 eingestellte Avancement fllr Officiere vom Hauptmann abwärts wieder eröffnet. Am 8. Februar fand eine Standes-Reduction statt. Nach derselben hatten die Compagnien je 2 Feldwebel, 4 Führer, 8 Corporate, 10 Ge- freite, 96 Gemeine, 2 Tamboure, 1 Hornisten, 2 Zimmerleute, 2 Schuster, 2 Sanitäts-Gemeine und 8 Ofßciersdiener zu ftlhren. Im Mai wurde die jährliche Munition für das Scheibenschiefien erhöht. — Die Infanterie erhielt statt der bisherigen großen Zugs-Koch- kessel Kochgeschirre k 5 Mann. Die Mannschaft erhielt wieder Czakos von gefalligerer Form. Mit A. h. E. vom 14. Juni wurde der Mjr. Josef Freiherr von Fürth und mit A. h. E. vom 9. August Mjr. Ladislaus Seidl mit Obstlts.-Charakter ad hon. in den Ruhestand versetzt, dagegen der Hptm. Albert Struppi zum Mjr. befördert. Mit A. h. E. vom 11. November genehmigte Seine Majestät die Bitte unseres Regiments-Commandanten Obst. Gustav Chevalier Depaix um Versetzung in den definitiven Ruhestand. Mit überaus rührenden Worten hat derselbe vom Regimente, — in dem er 5 Jahre gedient, den Feldzug 1859 mitgekämpft und sich den Orden der eisernen Krone 3. Cl. bei Magenta erworben — Abschied genommen. An seine Stelle wurde infolge A. h. E. vom 11. November Obst. Karl Ritter von Ripper des Regimentes zum Regiments-Commandanten ernannt. Karl Ritter von Ripper wurde 1819 in Podgorze geboren, erhielt seine militärische Erziehung und Ausbildung in der Ingenieur- Akademie in Wien, aus welcher er am 14. October 1838 seine Ein- theilung als Fähnr. zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Graf Haugwitz Nr. 38 erhielt Am 16. August 1841 wurde er Utlt. 1. CL, am 8. Decomber 1847 Oblt., am 21. Febr. 1849 erfolgte seine Übersetzung zum GQSt., am 9. April 1849 die Beförderung zum Hptm. im GQSt. Am 27. März 1852 trat Ripper in die großhorzoglich Toskanische Armee, wobei ihm das Rttcktrotungsrccht in den österreichischen GQSt. 342 ERZHERZOO SIGMUND. und der Rang sammt der jeweiligen Charge seines Vordermannes beim Abgange gewahrt blieb. Am 22. August 1859 erfolgte seine Wiedercintheilung in den GQSt. als Obst., am 9. Juni 1861 seine Transferierung zum Rgmte., am 11. November 1863 endlich seine Ernennung zum Rgmts.- Commandanten. Obst. Ripper starb den Heldentod in der Schlacht bei König- grätz am 3. Juli 1866. Obst. Ripper hat die Feldzüge 1848, 1849, 1859 in Italien und 1866 in Böhmen mitgemacht, erhielt 1849 und 1866 das Militär- Verdienstkreuz (KD.), 1855 das Ritterkreuz des Leopold-Ordens und wurde gemäß den Ordens-Statuten in den österreichischen Ritterstand erhoben. 1864. Mit A. h. E. vom 31. Jänner wurde der Mjr. Ludwig Lendvich des Lin.-Inftr.-Rgmts. Freiherr von Bamberg Nr. 13 zum Obstlt. im Regimente befördert; weiters mit A. h. E. vom 1. Juli der Mjr. Guido Ritter von Hartlieb in den Ruhestand versetzt. Am 1. Februar wurden bei den Infanterie-Regimentern Depot- Di visions-Cadres in der Stärke von 1 Hauptmann, 2 Unterlieutenants und 10 Chargen aufgestellt. Am 20. November rockte das 1. Bataillon von Prag abermals nach Budweis, woselbst es am 26. November eintraf. Infolge der Erfahrungen im Schleswig-Holstein'schen Kriege wurde das den Officier zu auffallend kennzeichnende Tragen der Feldbinde tiber dem Mantel abgestellt. Der Officiers-Kittel wurde abgeschaflFt. 1865. Zufolge A. h. E. vom 28. Jänner wurde verfUgt, dass das Regiment in der Ergänzungs-Bezirksstation das 4. Bataillon aufzu- stellen habe. Mit A. h. E. vom 16. Februar wurde der Hptm. Ignaz Pillepich zum Mjr. befördert. Das durch die Aufstellung des 4. Bataillons entbehrliche 3. Bataillon rückte am 1. März zum Regimente ein und wurde demselben Budweis als Garnison zugewiesen. — Gleichzeitig — am 14. März — fand die abermalige Verlegung deS' Regimentsstabes von Prag nach Budweis, ERZHERZOG SIGMUND. 343 endlich am 6. August auch die Translocicrung des 2. Bataillons von Prag nach Pilsen statt. Am 2. September hatte das Regiment die Ehre, von Seiner k. k. Hoheit FM. Erzherzog Albrecht besichtigt und inspiciert zu werden, und geruhte Höchstderselbe über das Aussehen, sowie die Ausbildung des Regimentes seine vollste Zufriedenheit auszusprechen. VI. ABSCHNITT. Der Krieg gegen Preußen 1866. 1866. Zu Beginn dieses Jahres waren in einigen Theilen Böhmens von dem geraeinen Volke gegen die Juden Excesse zu besorgen, deshalb erhielt den 15. März das Regiments-Commando den Befehl, als Sicherheits- Assistenz einen Stabsofßcier mit 3 Compagnien nach Tabor abzu- schicken. Zu diesem Commando wurde Major Albert Edler von Struppi mit 3 Comp, des 3. Bataillons bestimmt. Gleichzeitig wurde Hptm. Wilhelm Hütterbach ebenfalls zum Schutze der jüdischen Bevölkerung nach Schtittenhofen an der baieri- schen Grenze mit 2 Compagnien des 2. Bataillons von Pilsen aus entsendet. Dem taktvollen Auftreten der Abtheilungs-Commandanten wie der ruhigen und besonnenen Haltung der Mannschaft war es während einer Detachierung von beinahe 3 Monaten überall gelungen, die Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten. Für diese Dienstleistung wurde den Assistenz-Abtheilungen von sämmtlichen politischen Behörden die dankende Anerkennung aus- gesprochen. Zwei Jahre waren verflossen, seit österreichische und preußische Truppen gemeinsam ins Feld zogen, um einen deutschen Stamm von der unerträglich gewordenen dänischen Fremdherrschaft zu befreien. Der gegen die verhältnismäßige geringe dänische Kriegsmacht unternommene Kampf wurde mit Glück und Ruhm begonnen und zu Ende geführt. Die Tage von Ober-Selk, Oversee, Veile und Helgoland, — an welchen österreichische Regimenter unter ihrem Führer FML. Freiherrn v. Gab lenz und die kaiserliche Marine unter ERZHERZOG 8I0MUND. 345 ihrem Helden V.-A. Tegetthoff den Feind aus Schleswig und aus der Nordsee vertrieben, weiters die Tage von Düppel und Alsen, an welchen das preußische Heer g^länzende Erfolge erzielte und damit den Abschluss des Krieges brachte, — sind als dessen ruhmvolle Waffen- thaten bekannt. Leider sollte das waffenbrttderliche Verhältnis zwischen Osterreich und Preußen nicht lange währen. Die Regierung der — gemäß dem Wiener-Frieden vom SO. October 1864 — von Dänemark an beide Staaten abgetretenen Herzogthttmer Schleswig-Holstein und Lauenburg sollte bis zur defini- tiven Regelung der politischen Stellung eine gemeinschaftliche sein. Eine Österreichische und zwei preußische Brigaden blieben daselbst als Besatzung zurück. Osterreich beabsichtigte die Herzogthttmer dem Herzog Friedrich zu übergeben, der preußische Minister Graf Bismarck wies jedoch dessen Ansprüche zurück und trat immer deutlicher mit der Absicht hervor, Schleswig-Holstein für die preußische Krone zu gewinnen. Im Jahre 1865 fßhrten die diplomatischen Verhandlungen zu keinem anderen Resultate, als dass nunmehr durch die Oasteiner Convention vom 14. August Holstein durch Osterreich, Schleswig durch Preußen regiert werden solle. Im Monate März wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen Osterreich und Preußen immer gespannter, denn es handelte sich eben nicht mehr um die Herzogthttmer, sondern um die Hegemonie in Deutschland. Der Vorwand, um den Ausbruch des Krieges zu beschleunigen, war bald gefunden. Preußen beschuldigte im März Osterreich der Rttstungen und schloss am 8. April zu Berlin ein Bttndnis mit Italien, worin es demselben den Besitz Venetiens in Aussicht stellte und ersteres sich dagegen zum gemeinsamen Angriffe auf Osterreich und den deutschen Bund verpflichtete. Nunmehr sah Osterreich, welches den Frieden zu erhalten auf- richtig bestrebt war, sich genöthigt, gegen die von zwei Seiten drohende Kriegsgefahr zu waffhen. Am 21. April wurde zur Mobilisierung der gegen Italien bestimmten SUd- Armee, am 25. April zu jener der Nord- Armee gegen Preußen geschritten. 346 ERZHERZOG SIGMUND. Am 22. April erhielt das Regiment den Befehl, sich auf den Kriegsstand zu setzen, die einberufenen Urlauber, Reservisten und Recruten jedoch vorerst beim 4. Bataillon in Verona zugetheilt zu lassen. Binnen 4 Tagen war die gesammte einberufene Mannschaft beim Ergänzungs-Bezirks-Commando in Verona eingetrofifen. Wegen des erhöhten Standes erhielt das Regiment den 25. April folgende Orte als Garnison zugewiesen, u. zw.: Der Regimentsstab mit dem 1. Bataillon blieb in Budweis, das 2. Bataillon in Pilsen^ vom 3. Bataillon 2 Compagnien mit dem Bataillonsstabe in Tabor, 2 Com- pagnien in Pilgram und 2 Compagnien in Krumau. Den 27. April erhielt die Depot-Division den Marschbefehl nach Innsbruck in Tirol. Am 30. April wurde das 2. Bataillon von Pilsen mit 4 Com- pagnien nach Rokizan verlegt^ 2 Compagnien blieben in Schütten- hofen. Im Monate April wurden Obstlt. Karl, Edler von Mosing vom 55. und Mjr. Karl Müller vom 78. Lin.-Inftr.-Rgmt. zum Regi- mente übersetzt, dagegen Obstlt. Ludwig Lendwich des Regimentes zum 55. und Mjr. Ignaz Pillepich zum 78. Lin.-Inftr.-Rgmt. ab- transferiert. Der Hptm. 1. Cl. Karl Schmelzer wurde zum Mjr. be- fördert. Am 5. Mai rückte das 4. Bataillon mit der Ergänzungs-Mannschaft für die ersten drei Bataillone von Verona ab. Ersteres mit der Be- stimmung nach Theresienstadt als Besatzungstruppe, letztere nach Budweis, beziehungsweise Pilsen zum Regimente. Kaum war die Depot-Division aufgestellt, als am 7. Mai der Befehl zur Errichtung des 5. Bataillons herablangte. Den Stamm hiezu hatte die Depot-Division zu bilden. Den 12. Mai wurde der FZM. Ludwig Ritter von Benedck zum Commandanten der Nord- Armee ernannt. Den 13. Mai rückten die 2 Compagnien von Schüttenhofen nach Rokizan ein. Am 30. Mai traf das eben erst errichtete 5, Bataillon in Wien» zur Versehung des Garnisonsdienstes, ein. ERZHERZOG SIGMUND. 347 Infolge des strategischen Aufmarsches der Nord- Armee rtickten am 22. Mai das 1. und 3. Bataillon nach Chrudim, während das 2. Bataillon nach Jungbun/.Ian an die Iser gezogen wurde. Den 25. Mai wurde von dem Brigadier GM. Ludwig Freiherrn Piret de Bihain die Eintheilung der Brigade fär den Feldzug bekannt- gegeben. Nach derselben war die Brigade aus folgenden Truppentheilen zusammengestellt, u. zw.: den Linien-Infanterie-Regimentern Nr. 18 und 45 mit den 3 ersten Feld-Bataillonen, dem 29. Feld-Jäger-Bataillone und der 4 pfundigen Fußbatterie Nr. 6 des 1. Artillerie-Regimentes. Die Brigade gehörte zum 1. Armee Corps, welches der 6. d. 6. Graf Clam-Gallas befehligte. Das mit Osterreich alliierte, königlich-sächsische Armee-Corps, welches Seine königliche Hoheit der damalige Kronprinz befehligte, hatte inzwischen, am Tage der Übergabe der preußischen Sommation, am 15. Juni, die Anstalten zum Rückzüge nach Böhmen getroffen und diesen in den folgenden Tagen ungestört ausgeführt. Zu dessen Aufnahme hatte G. d. C. Graf Clam-Gallas das von ihm befehligte 1. Armee-Corps vollends an der Iser bei Jungb unzlau concentriert. — Infolge dessen wurde auch der Regimentsstab und unser 1. und 3. Bataillon mittelst telegraphischer Ordre vom 17. Juni zum Abmärsche von Chrudim nach Pardubitz und zur Weiterbeförderung per Eisenbahn nach Jungbunzlau beordert. Am 18. Juni morgens in Jungbunzlau eingetroffen, wurden beide Bataillone mit dem Regimentsstabe in die nahen Orte Btudinka, Trenein, Clumin, Nasilnic, Scheborsko, Litkowic, Wobrubec und Martinovic in Cantonements verlegt. Kaiser Franz Joseph erließ am 17. Juni ein Manifest an seine Völker, in welchem er die Unvermeidlichkeit des Krieges darlegte. Mit der Übergabe der preußischen Kriegserklärung, die am 21. Juni bei Oswiecim und Zuckmantel, tagsdarauf aber bei Zwickau, — und zwar beim Überschreiten der Grenze an die Vorposten — erfolgte, war der Krieg gegen Preußen eröffnet. Am 22. Juni aus Jungbunzlau und Concurrenz weiter nordwärts, nach Kloster, Haber und Dneboch verlegt, traf es das 2. Bataillon am 24. Juni nach Weiß leim zum erstenmal zur Versehung des Vor- postendienstes gegen Hühnerwasser. Am 25. Juni wurde das Redment 348 ERZHERZOO SIGMUND. in Klein-Sichrow, Podol, Ernestinenhof und Neusitz-Maierhof in Cantonierung untergebracht. Am 25. Juni entsendete das Regiment größere Streifpatrouillen gegen Bö hmisch-Aicha. An demselben Tage kam die Anordnung, dass das 1. Armee-Corps und die vom GM. Freiherrn v. Edelsheim befehligte 1. leichte Cavalleiie- Di Vision den Befehlen des sächsischen Kronprinzen unterordnet werden, wodurch es kam^ dass unser Regiment die längste Zeit der diesjährigen Campagne die Gelegenheit hatte, mit den nachbarlichen Alliierten nicht nur wiederholt gemeinsam zu kämpfen, sondern auch den besten waffen- brttderlichen Verkehr pflegen zu können. Während das Gros der kaiserlichen Nord-Armee — ursprünglich um Olmtitz concentriert — seither nach dem Nordosten Böhmens in Marsch gesetzt sich befand, hatte Seine königliche Hoheit der Kronprinz Yon Sachsen inzwischen die Iser-Linie um jeden Preis zu halten. Den 27. Juni um l'' 30"* nachts kam der Befehl, dab3 das Regiment zur Iser-Fluss- Brücke bei Podol, die bereits von den Preußen ange- griffen war, zu marschieren habe. Bereits um 2^ marschierte das Regiment der neuen Bestimmung zu, als durch einen Adjutanten der Befehl kam, dass das Regiment in Klein-Sichrow zu bleiben habe, wo es bis um T früh blieb. Nachdem das Regiment durch sächsische Truppen abgelöst wurde, rückte es nach Bi^ezin auf der Turnau-MünChengrätzer Straße, wo sich das ganze 1. Armee-Corps concentrierte und das Regiment bei dem Orte Honsol in das Lager kam. In der Nacht vom 27. zum 28. Juni kam dem Kronprinz von Sachsen die telegraphische Verständigung zu, dass das Armee-Commando in Jißin eintreffen werde, und schon der Morgen des 28. brachte ihm ein weiteres Telegramm, nach welchem er mit allen unterstehenden, kaiserlichen und sächsischen Streitkräften den Marsch zur Hauptarmee anzutreten habe. Nach den diesfälligsn Dispositionen des sächsischen Kronprinzen hatte das 1. Armee-Corps über Sobotka nach Jiöin, das königlich sächsische Corps aber über Liban nach Jiöinowes zu rücken. Infolge dessen marschierte am 28. Juni die Brigade des GM. Piret über Fttrstenbruck nach Sobotka und sicherte sich in seiner ERZHERZOG SIGMUND. 349 gefährdeten linken Flanke durch ein Seitcndetachement unter Commando des Obstit. Dietrich des 29. Feldjäger-Bataillons, welches aus dem bezeichneten Jäger-Bataillon und unserem 3. Bataillon bestand und den Weg über Musky-Berg, Podkosti nach Sobotka nahm. Kaum war der Musky-Berg erreicht, als das 4. preußische Corps von Podol und Tu mau her, zum Angriffe auf diesen Berg schritt. Gleichzeitig wurden auch die am jenseitigen Ufer der Iser stehenden Theile des 1. Armee-Corps angegriffen. Der Kampf wurde angenommen, aber nur in der Absicht, den Marsch der beiden Corps zu decken und ihnen einen Vorsprung ge- winnen zu lassen. Unser 3. Bataillon hatte eben das Dorf Musky passiert und war im Anstiege auf den gleichnamigen Berg, als es von 2 Bataillonen des brandenburgischen Infanterie-Begimentes Nr. 27 angefallen und ge- nöthigt wurde, trotz heftiger Gegenwehr, die Höhen aufzugeben und sich gegen Bossin zurtickzuziehen. Dessenungeachtet war es der aus- gezeichneten Tapferkeit aller Compagnien des Bataillons gelungen, das feindliche Vordrängen in der Flanke so lange aufzuhalten, bis die rtick- ziehenden eigenen Truppen einen genügenden Vorsprung gewonnen hatten. Der Rückzug wurde hierauf fechtend und in größter Ordnung auf die Höhen bei Sobotka angetreten, wo die 2 übrigen Bataillone des Regimentes eine Gefechtsaufstellung bezogen hatten und wo um 8* abends auch das 3. Bataillon eingetroffen war. Lt. Eduard Riva und Anton Wildt mit 45 Mann wurden hiebei getödtet, Oblt. Anton Chiurkow und Lt. Alfred Quiquerez mit 229 Mann aber verwundet, 123 Mann geriethen in Gefangenschaft. Dem BataillonS'Commandanten Karl Mtlller und dem Hptm. Ernst Kodar wurden die Pferde unter dem Leibe erschossen. Da mittlerweile abends die Meldung eingetroffen war, dass bedeu- tende feindliche Kräfte bei Rowensko und Aujezd sich gezeigt hätten, so setzten sich noch trotz der späten Stunde die Brigaden Poschaher und Piret in Marsch, um JiCin möglichst bald zu erreichen. Das 1. und 2. Bataillon brach um 11^30"* nachts auf und langte am 29. Juni um 6^ früh in Ji(3in an, während das 3. Bataillon, welches von Sobotka später abrückte, erst um 3^* nachmittags eintraf. 350 ERZHERZOG 81QMUKD. Gegen IT vormittags hatten von der Brigade Piret sofort 2 Bataillone des 18. Lin.-Inftr.-Kgmts. den Ort Eiseustadtl, das 1. und 2. Bataillon unseres Regimentes mit der Brigade-Batterie Karthaus — die heutige Strafanstalt am T6stiner-Berg — zu besetzen. Unser 3. Bataillon wurde als Reserve an der Chaussee nach Jißin rtick- behalten. Die Truppen der Brigade waren eben im BegriflFe, die seit 48 Stunden entbehrten Etappen sich zu bereiten, als schon Kanonendonner hörbar wurde. Gegen 4* nachmittags nämlich begann das Gefecht und wurde vom 3. preußischen Corps eröffnet. Um diese Zeit erhielt unser 1. Bataillon mit der 5. Division den Befehl zum Angriffe auf den von Abtheilungen der feindlichen Brigade GM. von Schimmelmann besetzton Ort Zames. Letztere, aus dem Leib-Grenadier-Regimente Nr. 8 und dem Infanterie-Regimeute Nr. 48 bestehend, waren nach den Orten Zames und Diloc durch eine tief eingeschnittene Thalniederung des Cidlina-Baches ziemlich unbemerkt vorgedrungen. Die eben bezeichneten Abtheilungen des Regimentes, denen noch die 4. und 6. Division als Unterstützung folgten, giengen in Divisions-Massen, — den Cidlina-Bach übersetzend und in die Klänge des von der Regiments-Musik angestimmten nationalen Marsches „la cana" jubelnd und mächtig in weitschallendem Chorgesang ein- stimmend — in bester Haltung über den hügligen Getreideboden mit ungeheurer Begeisterung gegen den Feind vor. Von 3 preußischen, zwischen Zames und Poduls aufgefahrenen Batterien und von 14 feindlichen Compagnien in verheerender Weise beschossen, waren die Unsrigen — nur langsam Terrain gewinnend — bis auf ungefähr 60 Schritte an den Gegner herangekommen. Die hiebei erlittenen enormen Verluste, namentlich an Officieren, hatten zur Folge, dass die oben bezeichneten Abtheilungen des Regiments den Rückzug antreten mussten. Dieser gieng in der Richtung auf Karthaus, wo sich das Regiment wieder sammelte und formierte. Während dieser Action standen das 3. Bataillon als Bedeckung der eigenen Brigade- Batterie auf der Höhe bei Wal die, die 4. und 6. Division aber in der gleichen Verwendung bei der Corps-Geschütz- Reserve nächst Eisenstadt 1. EKZHERZOG SIGMUND. 351 Um 7* abends traf beim Corps-Hauptquartier ein Courier des Armoe-Commandos ein, welcher den Befehl brachte, jeden Kampf mit überlegenen Kräften zu vermeiden und die Vereinigung mit der Haupt- armee bei Miletin und Hofitz zu bewirken. Infolge dessen gab Seine königliche Hoheit sofort den Befehl, zum Abbrechen des Gefechtes und ordnete den Rtlckzng auf Miletin an. Dieser, durch die Nacht begünstigt, wurde in größter Ordnung und vom Feinde unbelästigt durchgeführt. Die Abtheilungen, die vom Regimente im Feuer gestanden, hatten einen Verlust von 15 Officieren, 206 Mann. Die Oblts. Askanio Graf Colloredo, Ernst von Szombath61y, Anton Muraro, die Lts. Edmund Strastil von Strassenheim, Karl Knobloch, Josef Neuwerth, Karl Ritter Maffei von Glatfort hatten den Heldentod gefunden; — die Hptlte. Josef Ritter von Wipplinger, Wilhelm Hüttenbach, Josef Niemeczek, Karl Kaufmann, die Oblts. Johann Buchinger, Anton Schill, die Lts. Leopold Schier, Anton Müller waren verwundet. Von der Mannschaft waren 47 Mann todt, 159 Mann verwundet. Gefangen wurde niemand außer den Verwundeten, die am Schlachtfelde liegen geblieben oder in das Spital nach Karthaus gebracht wurden. Beinahe allen Berittenen der vorgerückten Abtheilnngen wurden die Pferde unter dem Leibe erschossen, u. zw. dem Mjr. Karl MüHer, den Hptlten. Adolf von Karlova und Ferdinand Schemmel von Kühnritt, Oblt. Regiments -Adjt. Anton Wanner, Lt. Baons-Adjt. Neuwerth. Das Verhalten des Regimentes bei Eisenstadtl wird stets einen Glanzpunkt in dessen Geschichte bilden. — Das Regiment wurde noch am Abende vom Corps-Commandanten ob seines tapferen und braven Verhaltens belobt. Das Regiment traf am 30. Juni um 7* 30" früh in Miletin ein und bezog dort ein Lager. Kaum dass die Truppe abgegessen hatte, gelangte* schon der Befehl an sie, den weiteren Rückzug auf Königgrätz fortzusetzen. Um 5* 30" nachmittag trat das Regiment den befohlenen Marsch über Groß-Bürglitz und Ned^list an. Das Regiment langte in Königgrätz am 1. Juli um 9* vormittags an, lagerte in den Verschanzungen und konnte nun — seit 26. Juni das 352 ERZHERZOG SIGMUND. erstemal — ruhig abkocheD, endlich die Montnr^ Armatur und Rüstung instandsetzen. Trotz den Strapazen, Mühseligkeiten, Entbehrungen und unglück- lichen Gefechten der letzten Tage waren dennoch Of&ciere und Mann- schaft guten Muthes. In später Nachmittagsstunde wurde dem Regimente bei Euklena ein neuer Lagerplatz zugewiesen, wohin dasselbe um 5^ nachmittags abmarschierte und um 7*" abends eintraf. Am Abende des 2. Juli wurde der Aufmarsch der gesammten Armee von der kaiserlichen Armeeleitung auf den Höhen des rechten Elbe-Ufers bei Königgrätz angeordnet Das 1. Armee-Corps, nunmehr vom FML. Leopold Grafen Gondrecourt befehligt^ erhielt die Bestimmung, bei Rosnitz im Reserve- Verhältnis die weiteren Befehle des Armee-Gommandos zu gewärtigen. Am Morgen des 3. Juli, dem Schlachttage von Königgrätz, erhielten die Corps-Commandanten vom Armee-Gommando die Mit- theilung, dass der Feind in bedeutenden Massen bei Neu-Bidiow, Smidar und Hofic stehe und dass es sehr wahrscheinlich sei, dass im Laufe dieses Tages ein Angriff erfolgen werde. Die Brigade Piret hatte im Vereine mit der Corps-Geschtttz- Reserve um 9 vormittags den Lagerplatz bei Kuklena verlassen, um über Steuer und Charbusic in die Aufstellung bei Rosnitz zu rücken. Dort angelangt, gieng die Brigade nächst des Ortes in „concen- trierte Aufstellung mit Massen" über. Das Regiment bildete das erste Treffen im Anschlüsse an die Brigade Leiningen. Schon um 7* SO"* frtlh fiel der erste Kanonenschuss bei Lippa. — Um 9'^ vormittags entbrannte der Kampf der Elbe-Armee mit dem königlich-sächsischen Armee-Corps, etwas später auf der ganzen Linie. Bis l'^ nachmittags kämpften die Truppen der ersten Linie einen todesmüthigen Kampf mit Erfolg. Das Centrum, 3. und 4. Corps, war im fortwährenden Vorrücken. Nach der ebenbezeichneten Stunde trat jedoch eine ungünstige Wendung ein. Feindlichen Colonnen war es gelungen, gegen Chlum, also im Rücken des 3. und 4. Corps, vorzurücken. Zur selben Zeit gelang es auch der Elbe-Armee, Vortheile zu erringen und das königlich- sächsische, sowie das 8. Armee-Corps kamen zum Wanken. ERZHERZOG SKniUND. 353 Gegen 2" nachmittags erfolgte die Vorrtlcknng des 1. Armee-Corps; 4 Brigaden rückten gegen Chi um vor, während die Brigade Piret als Soutien des reterierenden sächsischen Corps auf Problus dirigiert wurde. Mit dem Infanterie-Regimente Nr. 18 und dem 29. Feldjäger- Bataillon im 1. Treffen, dem 1. und 2. Bataillon unseres Regiments im 2. Treffen setzte sich die Brigade gegen den genannten Ort in Bewegung. Unser 3. Bataillon war bestimmt, in der linken Flanke gegen den Wald bei Bor vorzugehen und hatte die 13. Compagnie als Bedeckung für die Brigade-Batterie abgegeben. In der angeführten Verfassung langte die Brigade nach 3'* nach- mittags vor dem brennenden Orte Problus an. Dem 18. Lin.-Inftr.- Rgmt. und dem 29. Feldjäger-Bataillon gelang es, in den Ort einzu- dringen und ihn theilweise zu besetzen. — Bald jedoch zeigte es sich, dass der Feind im Süden des Ortes die eigene linke Flanke bedrohe. Auf Befehl des Obst. Ripper, welcher die Gefahr erkannte, zogen sich unsere beiden Bataillone links gegen die Höhe, Hier waren aber schon Abtheilungen der preußischen 14. Division GL. Graf Münster angelangt und eröffneten vom Höhenkamme und vom Waldrande aus ein mörde- risches Feuer. Mittlerweile waren das 18. Lin.-Inftr.-Rgmt. und das 29. Feldjäger- Bataillon aus Problus geworfen und zogen sich zurück. Ripper setzte sich nun an die Spitze des 1. Bataillons und führte das Regiment gegen die Position des Gegners vor. — Dieser heldenmüthig und mit Elan durchgeffthrte Angriff scheiterte aber an dem vernichtenden Feuer des Gegners, der unterdessen Problus schon besetzt hatte. Obst. Ripper fiel tödtlich getroffen und Mjr. Schmelzer schwer verwundet vom Pferde. Der Rgmts.-Adjt. Oblt. Anton Wanner brachte den schwer ver- wundeten Obersten nach Königgrätz, wo er den 4. Juli abends starb und auf dem Friedhofe von Pouchow beerdigt wurde. Dem furchtbaren überlegenen feindlichen Feuer konnten die Bataillone flicht widerstehen und wurden daher mit großen Verlusten zurückgedrängt. Der nun nothwendig gewordene Rückzug wurde im heftigsten Infanterie- und Artillerie-Feuer in der Richtung gegen die Festung Königgrätz angetreten. Ein Theil des Regimentes zog sich durch Koni ggä tz, der andere die Elbe und Adler durchwatend, gegen Neu- Königgrätz und von da über Holitz nacli Hohenmauth. RpffinipntfgORchiclito. 23 354 ERZHERZOO BIGMUND. Am 4. Juli abends war der größte Theil des Regimentes ge- sammelt und lagerte am nördlichen Eingange von Hohenmauth. Hier erst zeigten sich die Verluste, die das Regiment erlitten. Obst. Karl Ritter von Ripper, die Hptlte. Adolf von Kariowa, Anton Hawlik, Eduard Rtthl und Ernst von Schlögl, der Oblt. Karl Schachermayer, die Lts. Julius Soppe und Franz Körner, dann 57 Mann waren gefallen; Mjr. Karl Schmelzer, die Hptlte. Gomingio Putti und Karl Ritter Schölhammer von Schölhaimb, die Oblts. Karl Stolte und Edmund Grill, die Lts. Franz Gabrini, Adolf Tschiedel und Michael Berti und 153 Mann wurden ver- wundet; endlich geriethen Lt. Anton Philipp i, der vor Erschöpfung ohnmächtig im Gefechte zusammengebrochen war, und 158 Mann in Kriegsgefangenschaft. Von den Officieren entkamen nur der Hptm. Josef Niemeczek, Oblt. Karl Stolte, die Lts. Leopold Schier, Anton Müller und Adolf Tschiedel. Wie stark das feindliche Gewehrfeuer war, mag daraus ent- nommen werden, dass der verwundete Feldwebel Vincenz Zaglio, während des Verbindens auf dem Verbandplatze in wenigen Minuten noch 5 Schuss längs des Gewehres erhielt, wovon eine Kugel des Feld- webels rechten Ellenbogen zerschmetterte. Bereits den 4. Juli hatte sich das Regiment in Hohenmauth wieder gesammelt und war beiläufig noch 1600 Mann stark. Mjr. Karl Müller, von den Stabsofficieren der einzige dienstbar gebliebene, übernahm das Regiments-Commando. Am 5. Juli wurde der Rückzug fortgesetzt, und zwar über Leito- mischl, Stangendorf, Mährisch-Trübau, Gewitsch, Neustift Kralitz nach Prerau, wo das Regiment am 11. eintraf, Cantonements bezog und dort bis 16. Juli verblieb. Schon am Morgen des 15. Juli war Kanonendonner aus der Gegend von Tobitschau vernehmbar. Gegen Mittag trafen Versprengte und Verwundete in Prerau ein, welche die traurige Kunde brachten, dass das dortige Gefecht wieder zu Ungunsten der österreichischen WaflFen stattgefunden habe. Das Regiment stand während des ganzen Gefechtes bei Prerau in einer Gefechtsstellung in Bereitschaft. ERZHERZOG BIGMUND. 355 iDZwischen hatte die österreichische Re«:icning die Mediation Frankreichs angenommen and, um einen baldigen Frieden zu erzielen, Napoleon III. Venetien abgetreten. Dadurch wurde die Süd-Armee entl)ehrlich und erhielt 8en)e von Seiner Majestät den Befehl^ an die Donau zu rücken; Seine kaiserliche Hoheit FM. Erzherzog Albrecht wurde zum Ober-Commandanten der gesammten operierenden Armee ernannt. Mit Armee-Befehl, gegeben im Hauptquartier Wien am 13. Juli, hatte der FM. Erzherzog Albrocht den Oberbefehl angenommen. In einem glänzenden Siege hatte er die italienische Armee bei Custozza am 24. Juni niedergeworfen. Nun sollten unter seiner erprobten Führung alle verfügbaren Kräfte an die Donau zum Entscheidungskampfe ver- einigt werden. Infolge des unglücklichen Gefechtes bei Tobitschau erhielt das Regiment, da ein directer Marsch nach Wien unmöglich war, den Befehl, den weiteren Rückmarsch über die kleinen Karpathen im AVaag- Thale zu bewerkstelligen. Am 16. Juli setzte sich das Regiment in Bewegung und mar- schierte über Holleschau, Freystadtl, Wlachowitz, Bilnitz nach Trcntschin. Zufolge A. h. E. vom 17. Juli wurde bei gleichzeitiger Beför- derung zum Obstlt. der Mjr. des Lin.-Inftr.-Rgmts. Nr. 13 Franz Ritter Latterer v. Lintenburg, an Stelle des in der Schlacht bei König- grätz gefallenen Obst. Ritter von Ripper zum Regiments-Commandanten ernannt. Am 21. Juli verließ das Regiment Trentschin und rückte über Werbowa, Bukunice, Püdmeric nach Pressburg, übersetzte dort am 26. die Donau und marschierte über Potz-Nousiedl,Trautmanns- dorf nach Sommerein, wo es am 30. eintraf und bis 1. August in Cantonements verblieb. Am 22. Juli wurde ein Wafienstillstand abgeschlossen. Infolge dessen marschierte das Regiment am 2. August über Himberg, Press- baum, AUersbach nach St. Polten, wo ihm Cantonements in den an der Straße St. Pölten-Krems gelegenen Ortschaften zugewiesen wurden. Am 10. August traf von dem aufgelösten 5. Bataillon ein 450 Mann starker Ergänzungs-Transport ein. 28* 356 ERZHERZOG SIGMUND. Am 17. August erließ Erzherzog Albrecht aus Wien den nach- folgenden Armee- Befehl, der den ganzen verhängnisvollen Zeitabschnitt in wenigen Worten klar kennzeichnet, daher derselbe hier gewiss am Platze ist. Er lautet: „Soldaten! Der Abschluss des WaflFenstillstandes im Norden wie im Süden hat voraussichtlich den kriegerischen Operationen nunmehr ein Ende gemacht. In der ersten Periode dieses Krieges hattet Ihr Gelegenheit, in großen Schlachten, wie in kleineren Gefechten, Euren Heldenniuth, Eure aufopfernde Hingebung zu beweisen. Am südlichen Kriegsschauplatze hat der Erfolg gesprochen, der unseren Fahnen zu Wasser wie zu Lande gegen einen tapferen und überlegenen Feind zutheil geworden. Aber auch im Norden, wo das Glück uns nicht begünstigt, war die Welt einig in Anerkennung der Tapferkeit, welche Ihr einer nicht uner- heblichen Überzahl, einer überlegenen FeuerwaflFe und den ungünstigsten, die Ausdauer des Soldaten auf die härtesten Proben stellenden Ver- hältnissen entgegengesetzt. Der bedrohten Reichshauptstadt vom Norden und vom Süden zu Hilfe eilend, hat die am Donaustrande versammelte Armee durch ihre achtunggebietende Stellung dem Vordringen des Feindes ein Ziel gesetzt. Als inzwischen der Gegner in Italien, den Abmarsch der Süd- armee benützend, mit frisch gesammelten Kräften den offenen Theil Venetiens überschwemmt und über die Grenzen der deutschen Provinzen vorzudringen begann, hat sich wieder dort mit beispielloser Schnelligkeit aus dem Norden eine Armee ihm entgegengeworfen, deren Erscheinen — im Verein mit der tapferen, ausdauernden Gegenwehr in Tirol — ihn zum Ettckzuge auf allen Punkten und zum Begehren eines Waffen- stillstandes veranlasste. Die österreichische Armee hat, auf zwei Seiten angegriffen von den Heeren mächtiger Staaten und am entscheidenden Kriegsschauplatze vom Unglück heimgesucht, unter den obwaltenden Umständen das ilöglichste geleistet und erreicht. Der Krieg hat dem Kaiserstaate schwere Opfer gekostet; das Blut von Tausenden seiner Helden ist aber nicht umsonst geflossen. EBZHERZ06 SIGMUND. 357 Es hat dem Stolze und Schilde Österreichs, seiner Armee ruhmvolle Erinnerungen und wichtige Lehren, die dankbare Theilnahme des Vater- landes, die Anerkennung seiner Gegner, die Achtung der ganzen Welt erkauft. Bereichert durch die gemachten Erfahrungen, möge die Armee mit unerschtltterlicher Zuversicht in die Zukunft blicken. Des Rufes unseres Monarchen gewärtig, werden wir selbem stets freudig folgen mit der gleichen Losung, mit welcher wir diesen Krieg begonnen haben und beschließen wollen: Hoch Osterreich! Es lebe der Kaiser!" Erzherzog Albrecht m. p., Feldmarschall. Unterdessen hatten zu Nikolsburg Friedens - Unterhandlungen mit Preußen begonnen, die schließlich zu dem, am 23. August zu Prag abgeschlossenen Frieden fährten. Diesem folgte der Friede zwischen Osterreich und Italien, abge- schlossen zu Wien am 3. October, welcher zur Folge hatte, dass Venetien, troz der glänzenden Siege von Gustozza und Lissa, end- giltig an Italien abgetreten w^urde. Inzwischen hatte mit 1. September das Regiment nachfolgende Dislocation bezogen, und zwar Regimentsstab Herzoge nburg, 1. Bataillon Herzogenburg und Concurrenz, 2. Bataillon Statzendorf und Gon- currenz, 3. Bataillon Klein -Hein und Concurrenz. Am 6. September fand in St. Polten die feierliche Vertheilung der mit Armee-Befehl vom 22. August ftlr tapferes Verhalten vor dem Feinde verliehenen Auszeichnungen statt, wobei der an Stelle des FML. Gondrecourt neuernannte Corps -Commandant FML. Freiherr von Koller, eigenhändig die Decorierung der BetreflFenden vornahm. Hiebei erhielten: Feldwebel Vincenz Zaglio die silberne Tapferkeits-Medaille 1. Classe, — die seitherigen Lts: Anton Wild und Georg Kettler, Feldwebel: Franz Morbioli und Franz Gebauer, Zugsföhrer: Karl Simonatti und Jobann Gittini, die Corporale: Marco Zermann und Vincenz Edelmann^ der Zimmermann: Franz Albertini, der Cadet-Gemeine: Anton Zollprister, endlich die Gemeinen: Peter Dalbor, Fabiano Zanella, Vincenz La Gurte und Johann Zambon, jene der 2. Classe. — Schliesslich wurde, dem seither zum Lieutenant avancierten, früheren Feldwebel C6sare Milani, dem Zugs- ftthrer: Angelo Berazutti, Johann Vignola, Santo Novario, 358 ERZHERZO(J SIGMUND. Angelo Zanini, Johann Comparotto, Cirillo Germani, Vincenz Santoni; dem Corporalen Andrea Carli, den Gefreiten: Josef Schreier, Franz Tassi, Paulo Nardi, dem Cadet-Gemeinen: Karl Knapp, endlich den Gemeinen: Ludwig Botesel und Johann Sartori, die Belobung des FM. Arniee-Commandantcn Erzherzogs Albrecht bekannt- gegeben. Mit A. h. E. vom 8. September wurde der disponibel gewordene Truppen-Brigadier, Obst. August Freiherr von Wöber, des Lin.-Inftr.- Rgmts. Freiherr v. Reischbach Nr. 21, zum definitiven Commandanten unseres Regimentes ernannt. m August Freiherr von Wöber, wurde 1817 in Zara geboren, trat am 26. November 1835 als Rgmts.-Cdt. in das Lin.-Infir.-Rgmt. Erzherzog Albrecht Nr. 44, wurde am 1. Februar 1836 Fähnr., am 1. August 1841 ütlt. 1. Cl. und am 16. September zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr Piret de Bihain Nr. 27 transferiert. Am selben Tage erfolgte seine Beförde- rung zum Oblt., am 1. December 1845 zum Hptm. 2. Cl. beim Lin.- Inftr.-Rgmt. Graf Baillet de Latour Nr. 28, am 19. April 1848 zum Hptm. 1. Cl. Am 20. Juni wurde Wöber Mjr. beim Lin.-Inftr.-Rgmte. Albert Kronprinz von Sachsen Nr. 11, am 5. März 1855 Flügel-Adjutant bei der III. Armee, am 30. Jänner 1856 erfolgte seine Übersetzung ins Adjutanten-Corps, am 28. Februar 1857 die Vorröckung zum Obstlt., der am 31. August 1859 die Eintheilung zum Lin.-Inft.-Rgmt. Graf Thun Nr. 29 mit gleichzeitiger Beförderung zum Obstlt. und Rcgiments- Commandanten folgte. Mit A. h. E. vom 14. März 1866 wurde Wöber Commandant beim Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr von Reischach Nr. 21, war dann während des Feldzuges gegen Preußen Brigadier bei der Nord-Armee und wurde am 8. September Commandant unseres Regiments. Am 14. Februar 1867 wurde Wöber zum GM. befördert. GM. Wöber hat die Feldzttge 1848, 1849 in Italien, und 1866 in Böhmen mitgemacht und erhielt in letzterem den Orden der Eisernen Krone 3. Cl. (KD.). Am 9. September erfolgte die Versetzung des Regimentes auf den Friedensstand. Einige Tage darauf kam die Verlautbarung der Aller- höchsten Entschließung, wonach die Infanterie-Regimenter fortan nur ERZHERZO« SIGMUND. 359 aus 4 Bataillonen ä 4 Compagnien und einem Depöt-Cadre zu bestehen hatten, demzufolge das Depot-Bataillon, sowie die 17. und 18. Compagnie aufgelöst wurden. Den 14. September wurde die Brigade des GM. Freiherrn von Piret aufgelöst. Das Regiment kam in dienstlicher Beziehung unter das Landes-General-Commando zu Wien. Aus Anlass der Brigade -Auflösung nahm der General -Major den 15. September 1866 in einem Brigade -Befehle in herzlichen Worten Abschied und belobte besonders die Tapferkeit der Truppen der Brigade in diesem Feldzuge. In den letzten Tagen des Monates September rückten ttber 900 Mann, theils von ihren Wunden hergestellt; theils aus der Kriegsgefangenschaft zum Regimente nach Herzogenburg ein. Den 18. October wurde der am 3. October 1866 abgeschlossene Friede zu Prag zwischen dem Kaiser von Osterreich mit den Königen von Preußen und Italien bekanntgemacht. Da nach diesem Friedensschlüsse das Königreich Venetien an Italien abgetreten wurde, musste auch die Mannschaft der italienischen Nationalität des Regimentes in ihre Heimat gesendet werden. Den 22. October wurde der Regimentsstab in die Stadt St. Polten verlegt und die Compagnien kamen in die nächste Umgebung. Den 1. November 1866 kam der Befehl zur Absendung der Mannschaft italienischer Nationalität in 3 Transporten in ihre Heimat nach Venetien. Die Transporte gicngen den 3., 4. und 5. November mit der Eisen- bahn von St. Polten nach Udine ab. DieTransports-Commandanten waren die Hptlte. LeopoldSchwaab, Georg Obradovic und Eduard Schäfler; für den Transport dos 4. Bataillons war es Hptm. Alfred Edler von Teubersbach. Den 3. November erhielt das Regiment den Befehl, den 6. November mit der Eisenbahn in die Garnison nach Prag abzugehen, während die Depot-Division nach Hcrnals bei Wien verlegt wurde und das 4. Bataillon in Theresienstadt blieb. Inzwischen hatte Seine Majestät der Kaiser mit A. h. E vom 3. October in Anerkennung hervorragend tapferer und vorzüglicher, im diesjährigen Feldzuge gegen Preußen bethätigter Leistungen, den nach- genannten Stabs- und Ober-Officieren die folgenden Decorationen ver- 360 ERZHERZOG SKiMlND. liehen, u. zw.: dein Obst, und nunmehrigen Regiments-CommandanteD, August Freiherr von Wöber, den Orden der Eisernen Krone 3. Classe (KD.); weiters den Hptlten: Dominik Giunio und Anton Wanner das Militär- Verdienstkreuz (KD.). — Endlich wurde dem Obstlt. Franz Ritter Latterer von Lintenburg, dem Mjr. Karl Schmelzer, den Hptlten: Ferdinand Schemel von Kühnritt, Karl Kaufmann und Anton Chiurkow, dem Oblt. Johann Trosti, dem Lt. Quiquerez und dem Rgmts.-Arzt Dr. Josef Slädek die Allerhöchste Anerkennung ausgesprochen. Schließlich wurden dem bei Königgrätz gefallenen, früheren Regiments - Commandanten, Obst. Karl Ritter von Ripper und dem auf dem Schlosse Hradek seiner Wunde erlegenen Hptm. Adolf von Kariowa, das Militär-Verdienstkreuz (KD.) verliehen. vir. ABSCHNITT. Die Frledensjahre ron 1867 bis 1878. 1867* Am 14. Jänner geruhte Seine Majestät die Bescliränkung der körperlichen Züchtigung als Disciplinarstrafe anzubefohlen. Mit A. b. E. vom 24. Jänner wurde bestimmt; dass von den sieben Infanterie-Regimentern italienischer Nationalität die Regimenter Nr. 13, 45 und 80 in Galizien, dagegen die Regimenter Nr. 16, 26, 38 und 79 in Ungarn sich künftig zu ergänzen haben. Diesem nach erhielt unser Regiment die politischen Bezirke Bircza, Krosno, Lisko und Sanok mit der Stadt Sanok als Ergänzungsbezirks-Station. Der erste Ergänzungs-Bezirks«Gommaudant daselbst war der Mjr. Karl Schmelzer, durch dessen Umsicht und rastlosen Eifer es ermöglicht wurde, dass schon den 1. März das Ergänzungs-Bezirks-Gommando die Amtswirksamkeit, und zwar mit der 1. Abstellung von Recruten für das Regiment beginnen konnte. Mit der größten Freude wurde vom Officiers-Corps die Umwandlung des Regimentes in eines polnischer Nationalität vernommen, da ein jeder die Überzeugung in sich fühlte, dass die ruhmvolle Regiments-Geschichte auch in der Zukunft unbefleckt erhalten bleiben wird. Beinahe 100 Jahre sind es, dass Regimenter polnischer Nationalität der Österreichischen Armee angehören. Immer haben sich dieselben durch strenge Ordnung und Mannszucht im Frieden, durch Treue und ausgezeichnete Tapferkeit im Kriege hervorgethan. Die künftige Ge- schichte des Regimentes Nr. 45, dürfte es einst bestätigen, dass dasselbe diesen allgemeinen schönen Ruf der braven galizischen Regimenter auch zu bewahren verstehen wird. Das in Thercsienstadt stationierte 4. Bataillon erhielt am 12. Februar, die in Hcrnals stehende Depot-Division etwas später, den 362 ERZHERZOG SIGMUND. Befehl, sofort in die neue Ergänzungsbezirks-Station abzugehen. Noch später folgten auch die Bechnungskanzlei mit dem Augmentations- Magazine dahin, welche der Kriegsereignisse wegen nach Großwardein verlegt waren. Zufolge A. h. E. vom 14. Februar wurde der Regiments-Commandant, Obst. August Freiherr von Wöber, zum GM. befördert und mit A. h. E. vom 1. März der Obst. Anton Glückselig des Lin.-Inftr.-Rgmt Freiherr von Wornhardt Nr. 16 zu unserem Regiments-Commandanten bestimmt. Anton GltlckseJig, am 26. Februar 1812 in Eger geboren, trat am 17. October 1827 als Exproprius-Gemeiner in das Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr von Herzogenberg Nr. 27 ein und wurde am selben Tage zum 1. Jäger-Bataillone übersetzt. 1832 avancierte er zum Utlt., 1842 zum Oblt., 1848 zum Cpt.-Lt. bei gleichzeitiger Übersetzung zum Lin.- Inftr.-Rgmt. Herzog Wellington Nr. 42 und wurde noch im selben Jahre zum Hptm. befördert. 1855 avancierte er zum Mjr. im Lin.-Inftr.- Rgmt. König der Belgier Nr. 27, wurde im selben Jahre zum Lin.- Inftr.-Rgmt. Freiherr von Wernhardt Nr. 16 übersetzt, woselbst er 1860 zum Obstlt. befördert wurde. Mit A. h. E. vom 10. Juli 1865 zum Obst, befördert, wurde er mit A. h. E. vom 1. März 1867 zum Commandanten des Regimentes ernannt. Am 1. Juni 1869 wurde Obst. Glückselig in den Ruhestand übernommen und starb am 14. November 1873 in Wien. Glückselig hat den Feldzug 1848, 1849 und 1859 in Italien, dann 1866 gegen Preußen mitgemacht. Mit A. h. E. vom 21. Februar bekam die Infanterie eine neue Organisation. Nach derselben hatte ein Regiment in erster Linie aus dem 1., 2., 3. und 4. Bataillon, in zweiter Linie aus dem 5. und 6. Bataillon und 1 Depot-Division zu bestehen. Der Kriegsstand einer Gompagnie betrug 4 Officiere und 228 Mann. Nachdem das Regiment im Laufe des Monates Februar von den Regimentern polnischer Nationalität (Nr. 9, 10, 40, 41 und 77) 17 Officiere und eine größere Zahl von Chargen und Mannschaft zutraus- feriert erhalten hatte, traf am 17. April 6* früh der erste Recruten- Transport polnischer Nationalität aus 300 Mann unter Commando des Lt. Wallner in Prag ein. ERZHERZOCi SIGMUND. 3(33 Der FML. von Brandenstein, der GM. Ritter von Zemieeki mit dem ganzen Offieiers - Corps des Regimentes und der Musik erwarteten und empfiengen auf dem Bahnhofe die anlangenden Recruten. Den 2. Mai um 6* früh traf der 2. Recruteu-Transport, 400 Mann stark, unter Comniando des Oblt. Ernst Göttlicher in Prag ein. Den 6. Juli wurde das Regiment als vollkommen ausgebildet zum erstenmale wieder dem Garnisons-Dienste zugewiesen. Am 14. April wurde die Stellvertretung aufgehoben. Die Mannschaft erlangte nach voUstreckter zwölfjähriger Dienstzeit den Anspruch auf das Dienstzeichen 1. GL, nach 13 Dionstjahren auf jenes der 2. (% sowie den Namen „Veteran". Am 24. April wurde die Beförderungs- Vorschrift verlautbart, nach welcher die Officiere der verschiedenen WaflFengattungen in einem Concretual-Status vereinigt wurden. Um die Armee in Bezug auf Taktik und Bewaffnung auf gleiche Höhe mit den anderen Heeren zu bringen, erschien im Sommer ein neues Abrichtungs- und Exercier-Reglement und wurden die im Gebrauche stehenden Vorderlader-Gewehre in Hinterlader nach dem Systeme Wänzl ungestaltet, gleichzeitig jedoch das System Werndl für die Xeu- bewaflfnung der Armee angenommen. Mit 16. Juni wurden die Officiers-Aspiranten systemisiert. Am 3. September hatte das Regiment die hohe Auszeichnung, in seiner neuen Gestaltung von Seiner k. k. Hoheit dem FM. Erzherzog Albrecht besichtigt und inspiciert zu werden und dabei dessen vollste Zufriedenheit zu ernten. Am 14. October wurde angeordnet, d.iss fortan jeder Soldat mit „Sie" anzusprechen ist. Am 5. December traten die Divisions-Schulen ins Leben und wurden die Ehrengerichte eingeführt. Die Strafe der körperlichen Züchtigung und die Ketteiistrafe wurde bei der Mannschaft mit 11. December gänzlich aufgehoben. 1868. Seine Majestät geruhten am 15. Jänner Seine k. k. Hoheit den FM. Erzherzog Albrecht zum Armee-Commandanten zu ernennen und den FML. Franz Freiherrn Kuhn v. Kuhnenfeld zur Übernahme des 364: ERZHERZOG SIGMUND. als gemeinsame Centralstelle fUr beide Reicbshälften ins Leben getretenen Reicbs-Kriegsministeriums zu berufen. Mit 2. April erfolgte die Publicierung der neuen Adjustierungs- Vorschrift für die Armee. Statt des bisherigen historischen weißen WafiFen- rockes wurde ein solcher aus dunkelblauem Tuche mit Stehkragen und einer Knopfreihe eingeführt. Die Officiere erhielten Blousen und die Cavallerie Säbelkuppel. Die Feldbinde war wieder um die Hüften zu tragen. Die Mannschaft ■ erhielt Ärmelleibel. Die Überschwung- und Patrontaschen-Riemen ent- fielen ganz und wurde an deren Stolle der Leibriemen, an welchem das Seitengewehr und die beiden Patrontaschen zu hängen hatten, gesetzt; kleinere Tornister, neue Kochgeschirre für je 2 Mann wurden eingeführt. Am 6. April erhielt das Regiment die umgestalteten Hinterlad- Gewehre. Mit A. h. E. vom 7. April wurde bestimmt, dass jedes Infanterie- Regiment nur zwei Fahnen zu führen habe, u. zw. eine weiße — Leib- fahne — für die mit dem Regimentsstabe vereinigten Bataillone und eine gelbe für die in der Ergänzungsbezirks-Station befindlichen Abthei- lungen. Die übrigen Fahnen wurden an das Artillerie-Arsenal in Wien abgeführt. Das provisorische Exercier-Reglement, sowie die Manövrier- und Feld-Instructionen vom Jahre 1867 wurden am 21. Mai durch definitive Vorschriften ersetzt. Mit A. h. E. vom 9. Juni geruhte Seine Majestät die Ernennung aller Officiere sich Allerhöchstselbst vorzubehalten und die Regiments- Inhaber der ihnen bisher übertragenen Beförderungs - Befugnisse zu entheben. Am 22. Juni besichtigte Seine Majestät der Kaiser am Belveder- Exercierplatze in Prag das Regiment, drückte Allerhöchst dessen Anerkennung aus und ließ die Mannschaft mit einer fünftägigen Gratis- löhnung betheilen. In der Zeit vom 2. bis 6. September nahm das Regiment an dem unter Oberleitung Seiner k. k. Hoheit des FM. Erzherzog Alb recht stattgehabten großen Schlussmanöver bei Kladno Theil. Am 22, December wurde das neue Wehrgesetz erlassen, welches eine Dienstpflicht von 3 Jahren in der Linie^ 7 Jahre in der Reserve ERZHERZOG SIGMUND. 365 und 2 Jahre in der Landwehr für jeden tauglichen Stellungspflichtigen (allgemeine Wehrpflicht) festsetzte. Weiters wurde das Institut der Einjährig - Freiwilligen, respective der Reserve - Officiere ins Leben gerufen. Im Zusammenhange mit der Neubewaffnung des Heeres wurde die Armee-Schützenschule zu Brück a/d. Leitha, als Pflanzstätte zur rationellen Behandlung der Hinterlader, sowie zur einheitlichen Aus- bildung im Schießwesen errichtet. Überhaupt wurde diesem Zweige der Ausbildung ein besonderes Augenmerk zugewendet. Die Mannschaft der 1. Schieficlasse erhielt als besondere Auszeichnung eine aus Schafwolle erzeugte scharlachrothe Schnurverziernng. Mit Ende des Jahres wurden die bestandenen Regimentsgerichte aufgelöst und Brigadegerichte aufgestellt. Damit giengen die Regiments- Auditore und Profoßen ein. Endlich erfolgte noch in diesem Jahre die Creiernng der Officiers- Ehrengerichte. 1869. Mit 1. Februar hörten die Regimen ts-Seelsorger auf. Die Militär-Geistlichkeit wurde in den Garnisonen stabilisiert. Im Monate März erschien eine neue Inspicierungs-Vorschrift; mit derselben wurde auch die „Musterung" ihres veralteten aus der Lands- knechtzeit stammenden Gepräges entkleidet und in eine DetailprUfnng des administrativen Dienstbetriebes und der Schlagfertigkeit der Truppe umgewandelt. Mit 24. März wurde Seine k. k. Hoheit der FM. Erzherzog Albrecht zum „General-Inspector des Heeres" ernannt. An die Stelle des „Feld-Kriegs-Commissariats" trat die „Intendanz"; in Verbindung damit wurden bei den Truppen VerwaltungsCommissionen creiert und die bisherigen Rechnungs-Officiale in Truppen-Rechnungs- führer mit Officiers-Charakter umgewandelt. Neue organische Bestimmungen gelangten am 6. April zur Aus- gabe. Nach denselben gliederte sich das Regiment in 5 Bataillone zu 4 Compagnien und einem Ergänzungs-Cadre. Die ersten drei Bataillone mit dem Regimentsstabe bildeten das „Linien-Infantcrie-Rogiment", während das 4. und 5. Bataillon^ in der Ergänzungsbezirks-Station dislocicrt, das „Reserve-Commando" benannt wurde. 86H ERZHEBZOO SIGMUND. Nach diesen Bestimmungen wurde auch die Benennung „Gemeiner^ in ., Infanterist^ umgeändert. Die Charge der „Officiers-Aspiranten" wurde in jene der „Cadet- Ofiiciers-Stellvertreter^ umgewandelt; ftlr die Manipulation bei den Unterabtheilungen wurden ^^Rechnungs-Feldwebel" als nicht combattant eingeführt. Am 23. April trat Obst. Anton Glückselig in den Ruhestand und wurde an dessen Stelle der Obst, des 2. Grenz-Infanterie-Regimentes Leopold Dossen Edler von Bilajgrod zum Regiments-Commandanten ernannt. Leopold Dossen Edler von Bilajgrod wurde als Sohn eines Majors am 26. März 1818 in Verhovine geboren, trat am 17. October 1829 in die Theresianischo Militär-Akademie, aus welcher er am 27. September 1837 als Fähnr. zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr von Paum- gartten Nr. 21 eingetheilt wurde. Am 16. Deeember 1841 zum Lt. vorgerückt, avancierte er am 1. October 1847 zum Oblt. und wurde am 1. October 1848 außertourlich Cpt-Lt. beim Oguliner-Grenz-Inftr.- Rgmt. Nr. 3, in welchen^ er am 1. Mai 1849 zum Hauptmann vor- rückte. Am 20. März 1850 wurde Bossen Mjr. beim 1. Banal-Grenz- Inftr.-Rgmt. Nr. 10, avancierte am 20. März 1862 zum Obstlt. beim Warasdinor-Kreuzer-Grenz-Inftr.-Rgmt Nr. 5, kam am 14, Juni 1863 zum Oguliner-Grenz-Inftr.-Rgmt. Nr. 3 und am 28. October 1864 zum Warasdiner-St. Georger -Grenz-Inftr.-Rgmt. Nr. 6, in welchem er am 13. Februar 1865 Obst, und Regiments-Commandant wurde. Am 22. Mai 1868 in gleicher Eigenschaft zum Oto6anor- Grenz-Inftr.-Rgmt. Nr. 2 tibersetzt, wurde er mit 1. Juni 1869 zum Commandanten unseres Regimentes ernannt. Mit A. h. E. vom 25. Deeember 1869 wurde Dossen zum Com- mandanten der 34. Infanterie-Brigade ernannt, avancierte am 29. October 1870 zum GM.; trat am 1. September 1874 in den Ruhestand und starb in Fiume am 13. Deeember 1880. GM. von Dessen hat die Feldzüge 1848 in Italien, 1849 in Ungarn, 1859 die Küstenvertheidigung, endlich 1866 in Italien mitgemacht. Seine verdienstvollen Leistungen im Feldzuge 1848, insbesondere während des fünftägigen Straßenkampfes in Mailand vom 18. bis ERZHERZOG SIGMUND. 367 22. März und beim Angriffe auf die versclianzten Linien von Curtatone am 29. Mai, erwarben ihm das Militär- Verdienstkreuz und die außertour* liehe Beförderung zum Cpt.-Lt. Obstlt. Franz Ritter Latterer von Lintonbnrg erhielt die neu- geschaffene Stelle des Kcserve-Commandanten im Regimente. Am 16. Mai erfolgte die Ausgabe einer SchieO-Instruction für die Infanterie- und Jägertruppe. Am 23. Juli wurde die Zahl der den Truppen-Divisions-Commauden unterstellten Cadettenschulen auf 13 festgesetzt. In der Zeit zwischen dem 27. und 30. August machte das Regiment die Schlussmanöver bei Eralup mit, worauf es wieder nach Prag rück- marschierte. Am 5. August befahl Seine Majestät die Einführung der gelben Armstreifen als „Auszeichnung^ für die freiwillig fortdienenden Unterofficiere. Mit Generals-Befchl vom 4. September wurden die Truppen des böhmischen General-Commandos, besonders das Regiment wegen seiner guten Disciplin und des bewiesenen Eifers während der Waffen- Übungen von Seiner k. k. Hoheit dem FM. Erzherzog Albrecht belobt. Mit A. h. E. vom 14. October wurde der Landarmoe die Bart- freiheit gewährt. In die neu bestimmten Garnisonen gieug den 18. October mittels Eisenbahn 6^ 30"* früh von Prag, u. zw. das 1. Bataillon mit dem Bataillonsstabe und 2 Compagnien nach Ghrudim, mit 2 Compagnien nach Hohenmauth, das 2. Bataillon nach Josefstadt ab, wohin am 1. November der Regimentsstab und das 3. Bataillon gleichfalls verlegt wurden. Das Regiment wurde nunmehr von der 19. in die 10. Infanterie- Truppen-Division eingetheilt. über Befehl des General-Commandos Prag wurde das 3. Bataillon als Execntions-Commando zur Eintreibung der Steuerrückstände nach Eisenbrod bestimmt, wohin es am 25. November 12* öl" mittags mittels Eisenbahn abgieng und am 20 December wieder zurückkehrte. Während dieser vierwöchentlichen anstrengenden Commandierung hat sich das Bataillon durch eine strenge Disciplin und mnsterliaAes Betragen die allgemeine Anerkennung erworben. 368 ERZHERZOG SIGMUND. Am 25. December erfolgte die Ernennung des Obst, und Regiments- Commandanten Leopold Dessen Edlen von Bilajgrod zum Brigadier in Arad. 1870. Mit 1. Jänner wurden die Gebüren für die Officiere. vom Major abwärts, erhöht. Es erhielt: der Major 1680 fl., der Hauptmann 1. Cl. 1200 fl., der Hauptmann 2. Cl. 900 fl., der Oberlieutenant 720 fl., endlich der Lieutenant — die niedere Gebürs- Kategorie wurde auf- gelassen — 600 fl. ö. W. Zur Bewältigung von Arbeiter-Unruhen in Reichenberg gieng das 2. Bataillon unter Commando des Majors von Siebenreicher am 19. Jänner dorthin ab und verblieb daselbst bis 26. Jänner. Mit A. h. E. vom 3. Februar wurden der Reserve-Commandant Obst. Franz Ritter Latterer von Lintenburg zum Commandanteu des Regimentes und der Obstlt. des Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr von Handel Nr. 10 Karl Knisch zum Reserve-Commandanten im Regimente ernannt Franz Ritter Latterer von Lintenburg wurde als Sohn eines Majors am 24. März 1828 in Graz geboren, trat am 3. October 1839 in die Theresianische Militär - Akademie, aus w^elcher er am 14. September 1846 als Lt. minderer Gebär zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Graf Kinsky Nr. 47 eiugetheilt wurde. Am 11. April 1848 zum Lt. höherer Gebtir vorgerückt, avancierte er in demselben Jahre zum Oblt. und wurde 1850 Hptm. 2. Cl. im GQSt., 1855 Hptm. 1. Cl. und am 25. Juni 1859 Major. Am 21. October 1865 wurde Latterer zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr von Bamberg Nr. 13, am 17. Juli 1866 als Obstl. zum Lin.- Inftr.-Rgmt. Erzherzog Sigmund Nr. 45 übersetzt. Als solcher führte er das Regiments-Commando bis 8. September 1866, wurde am 23. April 1869 Obst., am 29. Reserve-Commandant, endlich zufolge A. h. E. vom 3. Februar 1870 Commandant unseres Regimentes. Mit A. h. E. vom 12. October 1867 wurde Latterer zum Commandanteu der 60. Infanterie-Brigade ernannt, infolge A. h. E^ vom 28. April 1877 zum GM. befördert, am 15. September 1878 in gleicher Eigenschaft zur 3. Gebirgs-Brigade der 6. Infanterie-Truppen- Division, Ende September zur 2. Gebirgs-Brigade nach Livno, endlich im Frühjahre 1879 zur 55. Infanterie-Brigade nach Karlstadt übersetzt ERZHERZOG SIGMUND. 369 GM. von Latte rer hat die Feldzüge 1848, 1849 und 1859 in Italien, 1866 gegen Preußen in Böhmen, endlich die Oceupation von Bosnien und der Herzegovina 1878 mitgemacht. In der Schlacht hei Novara; am 23. März 1849, deckte er mit einer Gompagnie und einigen Freiwilligen den Rückzug des von einem dreimal versuchten Sturme erschöpften Bataillons gegen den stark drängenden Gegner mit vielem Erfolge und erhielt hieflir mit A. h. E. vom 7. Juli 1850 das Militär- Verdienstkreuz (KD.); im Jahre 1859 wurde er für seine hervorragenden Leistungen in der Schlacht hei Solferino zufolge A. h. E. vom 15. August mit dem Orden der Eisernen Krone 3. Cl. (KD.) decoriert; im Jahre 1866 endlich wurde ihm für sein besonders tapferes und rühm- liches Verhalten mit A. h. E. vom 3. October die belobende Aner- kennung ausgesprochen. Im Occupations-Feldzuge 1878 leitete Latterer mit Erfolg die am Schlüsse derselben durchgeführte Besetzung von Vlasenica, occupierte die Landestheile bis gegen Zwornik und trat hier in taktische Verbindung mit den mittlerweile von Norden einge- troffenen Truppen. Die Passierung eines durch die Schneeschmelze geschwollenen Wildbaches vor Livno hat den Grund zu einer Herzkrankheit gelegt, welche Latterer zwang, im October 1880 um seine Versetzung in den Ruhestand zu bitten, welche auch unter Verleihung des FML.-Charakters ad hon. erfolgte. Schon am 16. October 1880 erlag er in Marburg seinem Leiden. Statt der bisher üblichen „Officiers-Conduiten Listen" waren in Hinkunft die weit gründlicher gehaltenen „Qualifications- Listen^ zu verfassen. Im Monate Juni gelangte eine Instruction fUr die Truppenschulen, weiters eine neue, zum Theil abgeänderte Auflage des Abrichtungs- und Exercier-Reglements zur Ausgabe. Am 6. August erschienen die organischen Bestimmungen für die „Armee im Felde", welche die Gliederung und den Geschäftsbetrieb für die höheren Commanden feststellten. Um den rangsälteren Hauptleuten Gelegenheit zu geben, sich die Eignung für die Beförderung in die Stabsofticiers-Charge zu erwerben, wurde im Herbst der „Central-lnfauterie Curs", der in der Folge „Stabs- officiers-Curs" benannt wurde, errichtet. R<>gimentigoschichtc. 24 370 ERZHERZOG SIGMUND. Anfangs November wurde der Regimentsstab mit dem 2. und 3. Bataillon von Josefstadt nach Königgrätz verlegt. Das 1. Bataillon blieb in Ckrudim. Mit der A. h. E. vom 29. October wurde der Obstlt. und Reserve- Gommandant Karl Knisch zum Obst, befördert. Der in diesem Jahre zum Ausbruche gelangte Krieg zwischen Deutschland und Frankreich ließ Osterreich vollkommen unberührt und gab unserem Staate Gelegenheit, die angebahnte Reform der Armee durch- zuführen und fortzusetzen. 1871. Am 1. Jänner erschien eine Vorschrift für den Militär-Transport auf Eisenbahnen, im März die Gebüren- und eine neue Beförderungs- Vorschrift. Das Charakteristische der letzteren lag — abgesehen von der „tourlichen" — in der „außertourlichen" Beförderung in die Stabs- officiers-Chargen auf Grund einer Prüfung nach 2 Kategorien, u. zw. einer praktischen für die I. und einer theoretisch und praktischen für die II. Kategorie. Am 9. April erschien die Instruction für die praktischen Übungen. Im Juni wurde infolge Auflassung der Militärgrenze mit der Auf- lösung der Grenz-Regimenter begonnen ; die Officiere derselben wurden in den Goncretualstand der Infanterie eingetheilt. Im Sommer wurde die in ihren üauptsachen nach noch heute giltige Adjustierungs- Vorschrift ausgegeben. Infolge der neu zusammengestellten Adjustierungs- Vorschrift erfolgte die Einführung von Kapuzen — für die Mannschaft aus Kautschuk, für Officiere aus Tuch — Leibbinden, Fußlappen und Zwilchhosen; die Lager- mützen erhielten Lederschirme. Vom 26. August bis 2. September hatte das Regiment an den Übungen in der Truppen-Division bei Josefstadt theilgenommen und verließ sodann — am 18. September — Königgrätz und Chrudim, um in die neue Garnison Brunn einzurücken. Im December erfolgte die Neuaufstellung von 10 Infanterie-Truppen- Divisions- und 20 Infanterie-Brigade-Stäben. 1872. Am 28. März wurde das Regiment mit dem Werndl- Gewehre betheilt. ERZHERZOO SIGMUND. 371 Im Zusammenhange hiemit erschien im April eine neue Schieß- Instruction. Im Monate Juni erhielten die ersten 3 Bataillone die neu einge- führten Linnemann'schen Spaten. MitErlass desReichs-Kriegsministeriums vom4.December 1871 wurde dem Regimente über dessen Ansuchen eine neue Fahne zugewiesen. Zur pietätvollen Erinnerung an die vielen glorreichen Kämpfe, die das Regiment als solches italienischer Nationalität aufzuweisen hatte, wurde vom Officiers-Corps beschlossen, das im Jahre 1853 von Ihrer k. k. Hoheit der Frau Erzherzogin Maria Elisabetha, Prinzessin von Savoyen, dem damaligen Depöt-Bataillone gespendete Fahnenband auch für die neue Leibfahne beizubehalten. Die Frau Gemahlin unseres zweiten Regiments-Inhabers, Alb in a Freiin von Lang, geborene Gräfin Barbo-Waxenstein, hatte die Stelle als Fahnenmutter übernommen. Am 10. Juni wurde die Fahnenweihe in BrUnn am großen Exercier- platze in feierlicher, erhebender Weise vorgenommen. Programmäßig fand am 8. Juni nachmittags 4^^ am Bahnhofe der Empfang der Fahnenmutter durch das Officiers-Corps, sowie abends das Ständchen vor dem Absteigequartier derselben statt. Unter den execu- tierten Tonsttlcken kam auch das vom Regiments - Kapellmeister Franz Schubert eigens für die Fahnenweihe componierte und der Fahnenmutter gewidmete „Weihe-Lied" zur Auflfllhrung, welche Pi6ce allgemeinen Beifall fand. Am 10. Juni rückten die 3 Feld-Bataillone des Regiments en parade mit Feldzeichen vor 8" früh auf den großen Exercierplatz aus und entwickelten sich dem aufgeschlagenen Altare gegenüber in Linie. Noch vor dem Abrücken des Regimentes auf den Paradeplatz, als eben die alte Fahne zum Ictztenmale mit militärischen Ehren übernommen w^orden war, verkündete der Oberst und Regiments-Commandant dem versammelten Regimente das Einlangen nachstehenden Telegrammes: An Oberst Franz Latterer des 45. Infanterie-Regimentes in Brunn. „Leider verhindert, persönlich bei der Fahnenweihe zu erscheinen, übersende ich Ihnen hiemit meine besten Grüße und Wünsche für das 24* 372 ERZHERZOG SIGMUND. Regiment. M()ge dasselbe, um seine neue Fahne geschaart, stets dem geleisteten Eide treu in jeder Lage ausharren, möge sie das Regiment zum Siege geleiten. GmUnd, 9. Juni 1872. Erzherzog Sigmund, Feldmarschall-Lieutenant." Beiderseits des Altares war je ein Zelt fdr die Geladenen aufge- schlagen, der ganze große Raum mit Festons abgegrenzt und durch zahlreiche Fahnen und Flaggen in allen Farben der Provinzen der Monarchie geschmückt. Vorwärts des Kapellenzeltes war eine Estrade für die Aufstellung eines Tisches angebracht, und war selbe für die Vornahme der Ein- weihung der neuen Fahne und das Einschlagen der Nägel bestimmt. Seitwärts dieser Estrade stand die Kanzel. Vor dem so geschilderten, festlich geschmückten Räume, innerhalb dessen sich die Geladenen versammelt hatten, und im Beisein eines sonst sehr zahlreichen Publicums, welches diese Feier angelockt hatte, war das ganze Regiment aufmarschiert. — So erwartete es die Ankunft Seiner Excellenz des Herrn FML. von Ziemiecki, Commandanten der IV. Infanterie-Truppen-Division, welcher in Begleitung einer zahlreichen Suite die Front des Regimentes abritt, worauf dasselbe in die concen- trierte Aufstellung mit Bataillons-Massen übergieng. — In dieser Forma- tion wurde das Regiment darauf von dem Herrn FML. und 2. Oberst- Inhaber Freiherrn von Lang unter Begleitung der anwesenden Herren Generale besichtigt. Nach dieser Besichtigung formierte das Regiment mit Bataillons- Massen das Fahnen-Quarr6 auf das vorgerückte 2. Bataillon. Das Officiers-Corps versorgte nun die Säbel, und die Predigt des Herrn Militär-Kaplans Michael Kunicwicz in ruthenischer Sprache begann. Mit beredten Worten ermahnte der Priester die Truppe, des Ernstes der Feier zu gedenken, sich die hohe Bedeutung dieses Tages gegen- wärtig zu halten, — sie auffordernd in Erfüllung des der neuen Fahne zu leistenden Schwures, in angestammter treuer Hingebung für Kaiser und Vaterland tapfer und mannhaft zu streiten. Er erinnerte die Sol- daten dos Regimentes, nebst den militärischen auch die christlichen Tilgenden zu üben, wozu sie das Bildnis der geheiligten Mutter Gottes, ERZHERZOG 8I6MITXD. 373 welches ihnen von dor Fahne entgegenleuchte, bestimmen möge, damit sie einst so reinen Herzens und mackellosen Charakters an den väter- lichen Herd zurückkehren, als sie ihn verlassen haben. Nach Beendigung der Predigt verfügte sich das ganze Officiers- Corps in die Nähe des Altars, um dort das OfBciers-Spalier zu bilden, an dessen vom Altare abgekehrten Enden der Fahnen-UnterofBcier mit der neuen hochflatternden Fahne Aufstellung nahm. Nur die ältesten vier Hauptleute blieben vqr der Front zurück, um die Dechargen etc. der Bataillone zu commandieren. Hierauf begann die heilige Messe. Beim Gloria und den beiden Evangelien wurden die üblichen Dechargen gegeben, während das Officiers-Spalier auf ein Zeichen seines Obersten und Regiments-Commandanten die Säbel zog, um hiemit die Bereitwilligkeit anzudeuten, die neue Fahne jederzeit beschützen und vertheidigen zu wollen. Nach diesem Theile der heiligen Handlung schritt der Priester, Herr Militär-Pfarrer Pospischil, unter zahlreicher Assistenz zur Einweihung der neuen Fahne, welcher Act auf der bereits erwähnten Estrade stattfand. Der Fahnenträger hielt während derselben kniend die Fahne hoch. Nach der Einweihung der neuen Fahne wurde zum Einschlagen der Nägel geschritten. Das Officiers-Corps hatte sowohl die ftir jedes einzelne Mitglied desselben, als auch die für einen Theil der Geladenen bestimmten Nägel vergolden und deren Namen gravieren lassen. So sind nun die Namen der Fahnen-Mutter und der Officiere des Regiments, die Namen der an- wesend gewesenen Herren Generale, des Herrn Statthalters von Mähren, der beiden Herren Bürgermeister der Landeshauptstadt Brunn etc. etc. mit der neuen Fahne innig verknüpft. Auch sämmtlichen Cadet-Officiers* Stellvertretern, dann den ältesten 3 Unterofficieren und per Compagnie 1 Corporal und 1 Infanteristen wurde die Ehre zutheil, einen Nagel in das nun geheiligte Pannier des Regimentes einzuschlagen. Als dies beendigt war, trat das gesammte Officiers-Corps in die Reihen des Regimentes. Die Berittenen stiegen zu Pferde und beide Fahnen, die alte und die neue, wurden vor die Front des Regimentes gebracht. Nun nahm der Oberst und Regiments-Commandant Franz Ritter Latte rer von Lintenburg Abschied von der alten Fahne, welche 874 ERZHERZOG SIGMUND. hinter die Front getragen wurde, und stellte dem Regimente die neue Fahne vor, welches dieselbe unter Anstimmung der Volks-Hymne mit präsentiertem Gewehre übernahm. Hierauf richtete der Oberst und Regiments-Commandant folgende Worte an das Regiment: „Das Regiment nimmt jetzt Abschied von der alten Fahne, — die 30 Jahre Zeuge unserer Ehren, Freuden und Leiden war. In 4 Feld- zllgen, 4 Schlachten und 8 Gefechten war sie mit uns und hat viele Officiere und Soldaten des Regiments in ihrer Pflichterfüllung sterben gesehen. Wir haben sie stets hoch gehalten und können sie heute makel- los übergeben. Hier stelle ich Ihnen unsere Fahne vor. Sie wird nun das Hefiig- thum des Regimentes sein. Mit dieser Fahne werden wir ins feindliche Feuer gehen. Ich fordere die Herren Officiere, Unterofficiere und Soldaten auf, dieser Fahne treu zu bleiben, sie nie zu verlassen und mit Aufopferung ihres Lebens zu vertheidigen." Dieser kurzen Anrede des Regiments-Commandanten folgte nach- stehende Ansprache an die Mannschaft des Regimentes in polnischer Sprache darch den Major Julius Konja: „Soldaten! Soeben habt Ihr aus dem Munde des Priesters die Bedeutung der heutigen Feierlichkeit vernommen. Im Angesichte der neuen Fahne schwören wir, zu allen Zeiten Treue zu halten Gott, dem Kaiser und unserem schönen, großen Vater- lande; als ehrliche Soldaten zu leben und zu sterben! Der Fahne folgend und einstehend — Einer für Alle und Alle für Einen, — wird uns Gott helfen diesen Eid zu halten. Seit einem Jahrhundert^ als Regimenter polnischer Nationalität dem österreichischen Staate angehören, haben sich diese stets, im Frieden durch Ordnung und Disciplin, — im Kriege durch Ausdauer und hervor- ragende Tapferkeit, ausgezeichnet. Diese militärischen Tugenden wollen wir nicht nur erhalten, sondern auch auf unsere Nachkommen vererben, damit sie einst mit demselben Stolze von uns zu sprechen vermögen, mit dem wir die Thaten i^nserer Vorfahren bewundern. EBZIIERZOO SIGMUND. 375 i> Und 80 möge uns die Weibe dieses schönen Tages und das Bewnsstsein der Zusammengehörigkeit mit der heiligen Fahne auch dann in Erinnerung bleiben, wenn Tod und Verderben in unsere Reihen einschlägt. Gott segne unser Reich, — Gott erhalte unseren Kaiser!" Hierauf erfolgte die Abnahme des * Fahnen-Eides, welchen der Regiments -Adjutant Lt. Alois Nyiry in deutscher und polnischer Sprache ablas. Nach dieser Eidesleistung verfügte sich das Officiers-Corps behufs Spalierbildung erneuert vor den Altar, und der kirchliche Act fand seine Fortsetzung. Der Priester war mit dem AUerheiligsten vor die Front des Regimentes getreten. Tiefe feierliche Stille herrschte auf dem weiten, von einer mehrtausendköpfigen Menge erfüllten Platze, als der Regiments- Commandant das Regiment zum Gebete niederknien ließ, der Geistliche sodann ein Gebet für das Seelenheil der unter der alten Fahne in der Erfüllung der heiligsten Pflicht gebliebenen Kameraden sprach und schließlich der Truppe den Segen ertheilte. Hierauf wurde abermals eine General- Decharge gegeben. Hiemit war der kirchliche Theil des Festes beendigt, und die Truppe bewirkte ihre Vorbereitungen, um vor der Fahnenmutter, der anwesenden Generalität und den sonst gegenwärtig gewesenen Civil- und Militär-Aatoritäten defilierend vorbeizumarschieren. Zur Schmückung der Regiments-Fahnen waren wertvolle Kränze gespendet worden, und zwar von der Fahnenmutter ein Myrthenkranz fttr die neue Fahne, und von den Officiersdamen des Regimentes mit nachfolgendem Schreiben ein Lorbeerkranz für die alte Fahne: „Hochgeborener Herr Oberst! Das Fahnenfest, welches am morgigen Tage gefeiert wird, ist fllr jedes Mitglied des Regimentes von solch hoher Bedeutung, dass es auch auf uns den nachhaltigsten Eindruck übt. Wir wenden uns daher vertrauungsvoll an Euer Hochgeboren, als dem Vater des Regimentes, mit der Bitte, gestatten zu wollen, dass der mitfolgende Kranz von uns, — einer ehrenreichen Erinnerung geweiht — an die alte Fahne geheftet werde, die morgen zum letzten- 376 ERZHERZOG SIGMUND. male in den Reiben des Regimentes getragen, dasselbe an die vergangenen rubmvollen Thaten und mannigfacben Erlebnisse mahnen wird. Gleich- zeitig mit diesem kleinen Zeicben der Anhänglicbkeit nnd der von uns gefühlten Zusammengehörigkeit mit dem Regimente wollen Euer Hoch- geboren geneigtest die Versicherung entgegennehmen, dass wir zu allen Zeiten den Geschicken des Regimentes zu folgen nnd Leid und Freud mit denselben im vollsten Maße zu theilen gedenken. In dem erbebenden Bewusstsein^ dass auch unsere Männer daza beitrugen, dass diese Fahne aus so manchem harten Kampfe für unseren Kaiser und unser schönes Vaterland unverletzt hervorgieng, und dass sie von allen hochgehalten und mit Ruhm und Ehre bedeckt, nun ihren Ruheplatz einnehmen darf, harren wir der freundlichen Erfltllung unserer Bitte und zeichnen uns achtungsvoll^ Brunn, den 9. Juni 1872. Bertha Krick. Capondra Obradoviö. A. Neskudla. Emma Giupchiany. Anna Dobrowolska. Marie Thiele. Gabriella Slameczka. Anna Ginnie. Im Namen der 3 abwesenden Officiersdamen : Ernestine d'Obich. Gabriele von Miketiö. Albi Kanja. Capondra Obradoviß. Diese beiden Kränze wurden dann nach der kirchlichen Feier neben dem im Festsaale aufgestellten lebensgroßen Bildnisse Seiner Majestät des Kaisers angebracht. Der Kapellmeister des Regimentes, Franz Schubert, hat dem Officiers- Corps einen „ Fahnen weih-Marsch" gewidmet, welcher nach der Defilierung beim Einrücken mit der neuen Fahne das erstemal gespielt wurde. Um 4* nachmittags fand das Fest -Diner im Redouten -Saale statt, zu welchem sich das Officiers- Corps begab, um dort seinen verehrten Herrn 2. Regiments-Inhaber sammt dessen Frau Gemahlin, der nun- mehrigen Fahnenmutter des Regimentes, zu erwarten. Zu dieser Zeit erschienen auch die übrigen geladenen Festgäste, und zwar die Herren Generale, der Herr Statthalter, Bürgermeister, viele Stabs- und Oberofficiere der Garnison, die Ärzte und Rechnungs- ERZHERZOG SIGMUND. - 877 führer, dann sämmtlichc Officiersdamen des Regimentes, endlich alle Cadet-Officiers-Stell Vertreter. Während der Dauer des Diners executierte die eigene Regiments- Musik unter Leitung des Kapellmeisters Franz Schubert mehrere auserlesene Tonstücke. In der 2. Hälfte des Diners begannen die Toaste. Den 1. brachte Seine Excellenz der FML. und 2. Regiments- Inhaber Freiherr von Lang auf Seine Majestät den Kaiser und das Regiment aus. Derselbe lautete: „Meine Herren! Seit der Neuerrichtung des 45. Regimentes italienischer Zunge im Jahre 1816, nach siegreicher Beendigung der langjährigen und harten Befreiungskriege gegen das erste Kaiserthum Frankreichs und dem heutigen Festtage zur Weihe der neuen Regiments -Fahne ist ein Zeitraum von mehr denn ein halbes Jahrhundert verronnen; ein Zeit- raum, der zwar in Anbetracht der vieltausendjährigen Weltregung nur einer Spanne Zeit gleicht, der aber doch so reich an großen und ver- hängnisvollen Ereignissen war, wie solche kaum im Laufe der Jahr- hunderte die Welt in so gerechtes Erstaunen und so mächtige Erschtltte- rung zu versetzen vermögen, wie dies in der That der Fall war. Der nagende Zahn der Zeit hat die alte ehrwürdige Fahne des Regimentes unbrauchbar gemacht und unglückselige Kriegsereignisse — flir uns leider eben so bitteren als schmerzlichen Andenkens — auch die Auflösung des Regimentes herbeigeftlhrt, welches nun aus den Elementen einer notorisch treuen und tapferen Bevölkerung neu gebildet, schön, hofifnungsvoll und als ein würdiges Mitglied der ruhmreichen österreichisch-ungarischen Armee dasteht. Unbillig und selbst ungerecht wäre es aber, meine Herren, würde man einer so alten und ehrwürdigen Fahne die ihr gebürende Aner- kennung versagen, welche mit dem Klange ihres guten Namens auch ihre Ehre rein und makellos bewahrt hat. In der That hat das Regi- menty welches dieser Fahne so lange Zeit gefolgt, seine Treue, seine gute Disciplin, seine Standhaftigkeit und Yerlässlichkeit im Frieden wie im Kriege — u. zw. selbst unter den schwierigen Zeitumständen und 378 ERZHERZOO SIGMUND. Verhältnissen — getragen von dem Geiste eines vortrefflichen Officiers- Corps, immer und überall, ohne Widerrede, bewährt. Da auch ich als junger Officier vor 53 Jahren meine militärische Carriöre in diesem Regimente begann, dessen zweiter Inhaber ich seit 10 Jahren zu sein die Ehre habe, so werden Sie, meine Herren, mir gerne jede Erörterung und Betheuerung erlassen, um Ihnen zu sagen, mit welcher Vorliebe mein Sinn dem Regimente stets zugethan blieb, mit welcher warmen Theilnahme ich seinem Geschicke folgte, nachdem das meinige einer anderen Bestimmung mich zugeführt hatte und mit welcher stolzen Befriedigung mich endlich auch die Thatsache erfüllen musste, dass das Regiment auch vor dem Feinde seiner Schuldigkeit Genüge leistete; angefangen von der Schlacht bei Santa Lucia bis znm letzten verhängnisvollen Krieg 1866, wo auf den so zahlreichen Schlacht- feldern Böhmens so viele Brave des Regimentes mit seinem wackeren Obersten an der Spitze die gute Haltung desselben mit ihrem Tode auf dem Felde der Ehre besiegelten. Dem Regimente Erzherzog Sigmund leuchtet von heute an ein neues Panier glänzend voran, geziert mit dem herrlichen Fahnenbande von der Hand weiland Ihrer k. k. Hoheit der Frau Erzherzogin Maria Elisabeth, der durchlauchtigsten Mutter Seiner k. k. Hoheit des ersten Regiments -Inhabers Erzherzog Sigmund; das Panier, welches soeben von hochwtirdiger Priesterhand die heilige Weihe erhalten und die Schwüre des Regimentes gehört hat, zum Schutze dieses Heiligthumes des Soldaten bis zum Siege oder Tode bereit zu sein. Bei dem vortrefflichen Geiste und den echten Gesinnungen wahrer Ehr- und Pflichttreue, von der ich das ganze Regiment erglüht weiß, muss ich es als überflüssig erachten^ Sie, meine Herren, wiederholt an die sorgsamste Pflege und Handhabung der höchsten militärischen Tugenden zu erinnern, welche Sie eben beschworen haben. Desto mächtiger fühle ich mich gedrängt, Ihnen, meine Herren, in meinem und im Namen der Frau Fahnenpathin mit dem herzlichsten Danke fitr die schmeichelhafte Ehre, welche Sie ihr zu erweisen so gütig waren, auch den tief empfundenen Wunsch auszudrücken, dass es auch Gott, dem Herrn aller Heerschaaren, und der unbefleckten Jungfrau, als der Schutz-Patronin der gesammten österreichisch-ungarischen Armee, deren Abbild auch die Leibfahnen aller Regimenter ziert, gefallen möge, ERZHERZOG SIGMUND. 379 der neuen Regimentsfahne auch jenen himmlischen Segen angedeihen zu lassen, der das Regiment immerdar auf dem Wege der Ehre erhalten soll und, wenn je wieder nach den unerforschlichen Rathschlägen der Vorsehung der Ruf Seiner Majestät, unseres AUergnädigsten Kaisers und Obersten Kriegsherrn, zum gerechten Kampfe fttr Gott, Kaiser und Vaterland erklingen sollte, diese geheiligte Fahne dann das Regiment zum glänzenden Siege und ewigen Ruhme führen möge! Ich bin überzeugt, meine Herren, mit diesem Wunsch jenen Gesinnungen zu begegnen, welche in der Tiefe Ihrer Herzen den reinsten und lebhaftesten Wiederklang finden, und ich will demselben nun auch den zweiten anreihen: Gottes bester und reichster Segen erhalte, schirme und führe Seine Majestät unseren AUergnädigsten Kaiser und Herrn, dem wir mit unserer unverbrüchlichen Liebe und Treue auch unseren letzten Atbemzug, unseren letzten Blutstropfen zu weihen mit Freuden bereit sind. Und nun, meine Herren, stimmen Sie ein: Hoch lebe Seine Majestät unser AUergnädigster Kaiser! Hoch Ihre Majestät unsere Aller- durchlauchtigste Kaiserin! Hoch auch die Allerdurchlauchtigsten kaiser- lichen Kinder, die der Allmächtige zur Freude ihrer Allerdurchlauchtigsten Eltern und zum Ruhme Österreichs erhalten möge! Hoch, Hoch, Hoch!" Den 2. Toast sprach der Regiments -Gommandant und galt der- selbe der Fahnenmutter. Er lautete: „Im Namen des Regimentes Erzherzog Sigismund bringe ich ein Hoch aus auf das Wohl unserer hochverehrten Fahnenmutter. Die Frau Gräfin hatte nicht nur die große Güte, durch die An- nahme der Pathen -Stelle das Regiment zu beglücken, sondern sie hat auch — das viele Ungemach einer weiten Reise nicht scheuend — uns die große Freude gemacht, auch selbst zu kommen. Der Schöpfer möge dem Regimente diese Fahnenmutter lange erhalten, und sie besonders dann unser gedenken, wenn das Regiment das erstemal angesichts des Feindes die neue Fahne entfalten wird. Ich bitte die Damen und Herren, mit mir ein dreifaches Hoch auf das dauernde Wohl der Fahnenmutter des 45. Infanterie-Regimentes auszubringen. Hoch, Hoch, Hoch!" 880 ERZHERZOG SIGMUND. Den 3. Toast brachte Mjr. Julius Gerstenkorn den beiden Herren Regiments-Inhabern. Er lautete: „Meine Damen, meine Herren! Das Regiment genießt die Auszeichnung, den Namen eines erlauchten Prinzen unseres Allerhöchsten Herrscherhauses zu flihren, den Seiner k. k. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Sig- mund, höchstweicher durch ein huldvolles Telegramm seinem Bedauern Ausdruck gab, der heatigen Feier nicht beiwohnen zu können. Zudem erfreut sich das Regiment des hohen Glückes, in Seiner Excellenz dem Herrn FML. Freiherrn von Lang einen ebenso charakter- großen als gerechtigkeitliebenden und leutseligen Oberst - Inhaber zu verehren. Mögen sie uns noch lange voranleuchten als Vorbild der Treue und Hingebung für das Allerhöchste Kaiserhaus, mögen sie dem Regi- mente noch lange erhalten bleiben, möge Seine Excellenz den heutigen Tag als eine freundliche Erinnerung wahrer Anhänglichkeit und Hoch- achtung bewahren! Mit diesem dreifachen Wunsche, welcher das Herz jedes einzelnen des Regimentes beseelt, erhebe ich mein Glas zu einem dreifachen Hoch, Hoch, Hoch!" Der Herr Statthalter Graf Thun sprach auf die Armee, FML. von Ziemiecki auf die Kameradschaft überhaupt, Mjr. Konja auf die anwesenden Gäste, der Genie-Chef Oberst Schröder auf die Damen des Regimentes, welcher namens derselben vom Hptm. Thiele erwidert wurde. Den Schluss machte der vom Hptm. Alfred Edlen von Mikesi6 ausgebrachte Toast, welcher dem Bedauern über die Abwesenheit zweier Generale Ausdruck gab, u. zw. jener des hochverehrten Herrn Com- mandirenden FZM. Freiherrn von Ramming und des Brigadiers GM. Freiherrn von Dahlen, die durch Krankheit verhindert waren, Antheil an dem Feste zu nehmen. In der animiertesten Stimmung dauerte dieses schöne Fest bis gegen 9* abends. Noch vor Beendigung des Fest-Diners richtete der Oberst und Regiments - Commandant im Namen des Regimentes ein Telegramm sowohl an Seine k. k. Hoheit den durchlauchtigsten Herrn FML. Erz- ERZHERZOG SIGMUND. 381 herzog Sigmund als auch an den in Gleichcnberg weilenden com- mandierenden General FZM. Freiherrn von Ramming, um dem lebhaft gefühlten Bedauern hinsichtlich der Abwesenheit der beiden genannten höchsten und hohen Persönlichkeiten beredten Ausdruck zu geben. An die Festfeier der vergangenen Tage sollte sich programm- mäßig am 11. Juni 1872, 4^^ nachmittags, das Mannschaftsfest an- schließen. Leider verhinderte die Ungunst der Witterung dessen all- seitige Durchführung, so dass es nur auf die Yertheilung der Ess- waren und Getränke an die Mannschaft beschränkt werden musste. Die übrigen Punkte des Programmes für das Mannschafts-Fest wurden deshalb auf den 14. Juni verschoben, wo dieselben im Castell- graben der Nordseite der Spielberg-Kaserne bei günstigem Wetter durch- geführt wurden. Für die Lotterie wurden eigene Lose gedruckt, deren jeder Mann des Regimentes 1 Stück gratis erhielt. Den 1. Gewinst von 100 fl. in Gold wurde vom Obersten und Regiments-Commandanten gespendet. Für das Spiel „Moresca" — ein Wortspiel mit WaflFentanz und Musikbegleitung — waren die 24 Darsteller schon längere Zeit eingeübt worden und sollten dieselben hiebei in hübschen Costümen auftreten, welche der Director des Brünner Stadttheaters Herr Dr. Frankel so freundlich war, unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Schließlich sei noch erwähnt, dass der Oberst und Regiments- Commandant aus Anlass der Fahnenweihe alle im Disciplinarwege bis 10. Juni verhängten Rgmts.-, Baons- und Comp.-Strafen erließ und dem braven, bereits 20 Jahre dienenden Fahnen - Unterofficier Feldwebel Franzesko Morbioli 50 fl. spendete. Hie mit hatte diese schöne und erhebende Feier ihr Ende erwirkt. Die alte Fahne wurde in der im Wiener Arsenale errichteten „Ruhmeshalle der kaiserlichen Armee" für immer deponiert. Sie trägt am Halse des Krönleins als Denkzeichen die Gravierung: „FML. Erz- herzog Sigismund, 45. Lin.-Inftr.-Rgmt.; gedient von 1841 bis 1872; mitgemacht 1848: Mailand, St. Lucia, Curtatone, Goito, 1849: Novara, Venedig, 1859: Magenta, 1866: JiCin, Königgrätz." Zur Bewältigung von Arbeiter-Unruhen wurden am 12. December die 7. und 8. Compagnie nach Mährisch-Trübau entsendet, wo die- selben bis 26. December verblieben. 382 EBZHERZOO 8IOHUKD. Das Gesetz vom Jahre 1853 wurde dahin abgeändert, dass die 12 Jahre activ, darunter die letzten 8 Jahre als Unterofficiere dienenden Soldaten den Anspruch auf eine Anstellung im öffentlichen Dienste bei Staats-EisenbahneU; Schiffahrts- und sonstigen Unternehmungen erlangten. 1873. Am 24. Jänner wurden dem Regimente die politischen Stellungs-Bezirke: Bircza, Brzozöw, Lisko und Sanok zur Ergänzung zugewiesen, während der Stellungsbezirk Krosno an den geographisch anstoßenden Ergänzungs - Bezirk des 20. Lin.-Inftr.-Rgmts. abgegeben wurde. Am 18. Februar wurde das 3. Bataillon nach Eibenschütz verlegt. Am 26. April wurden das 1. und 2. Bataillon von Seiner k.k. Hoheit dem Herrn FM. Erzherzog Albrecht am großen Exercierplatze in Brttnn besichtigt, wobei dem Fahnenflihrer Franz Morbioli, einem 1866 mit der silbernen Tapferkeits-Medaille decorierter Italiener, vom genannten kaiserlichen Prinzen eine Geldspende Übergeben wurde. Der Reserve-Commandant Obst. Karl Knisch wurde am 27. April zum Commandanten des Lin.-Inftr.-Rgmts. Freiherr von Kellner Nr. 41 ernannt und dafür der Obstlt. des Lin.-Inftr.-Rgmts. Kronprinz von Preußen Nr. 20 Leopold Halbknapp zum Reserve - Commandanten bestimmt. Vom 9. bis 14. September wurde das Regiment den großen Herbst- luanövern bei Raitz beigezogen und hatte das Glück, von Seiner Majestät dem Kaiser wiederholt belobt und persönlich ausgezeichnet zu werden. Mit 1. Jänner wurde die Gage des Obersten auf 3000 fl., die des Oberstlieutenants auf 2100 fl. erhöht. Die Unter-Officiers-Dienstes-Prämien wurden festgesetzt, u. z. für den Feldwebel mit 204 fl., den Zugsftihrer mit 168 fl. und den Corporal mit 114 fl. jährlich. Das bisher unbeschränkte Ausbleiben der Unter-Officiere über die Retraite und das Menagieren derselben außerhalb der Kaserne wurde eingestellt und nur den Cadeten, Feldwebeln und Zugsführern das Recht eingeräumt, 2 Stunden über die Retraite auszubleiben. In diesem Jahre wurde der Friedensstand bei den Compagnien des 4. und 5. Bataillons um 2 Zugsftihrer und 40 Infanteristen erhöht ERZHERZOG SIGMUND. 383 Infolge A. h. E. vom 1. October wurde unser Ergänzungs - Bezirk aus dem Militär-Gommando zu Krakau ausgeschieden und dem General- Gommando zu Lemberg unterstellt; demnach trat das eigene Keserre- Gommando in den Verband der 24. Infanterie-Truppen-Division. Am 20. October starb auf seiner Besitzung zu Freuden berg bei Treffen in Unter-Krain der letzte 2. Inhaber des Regimentes FML. Adolf Freiherr von Lang. Zum Begräbnisse ging vom Regimente eine Deputation, bestehend aus dem Obersten und Regiments - Gommandanten Franz Ritter Latterer von Lintenburg, Obstlt. von Schmelzer, Hptm. Lindner, Oblt. Sattler, Lt. Tinz, Gdt.-O.-St. Lang, dann 1 Feldwebel, 1 Zugs- führer, 1 Gorporal, 1 Gefreiter und 1 Infanterist, dahin ab. Mit 1. November trat ein neues Dienst-Reglement in Wirksamkeit. Den 1. December wurden die bisher bestandenen Regiments -Vor- bereitungsschulen divisionsweise vereinigt. Am 2. December feierte Seine Majestät der Kaiser Franz Josef I. AUerhöchstdessen 25jährige8Regierungs- Jubiläum, aus welchem Anlasse die Kriegs-Medaille gestiftet und allen Jenen verliehen wurde, die die Feldztige der Jahre 1848, 1849, 1859, 1864, 1866 und 1869 mitgemacht hatten. Das Regierungs-Jubiläum wurde im ganzen Reiche auf das feier- lichste begangen und von Seiner Majestät der ganzen Armee eine drei- tägige Gratislühnung verliehen. Seine Majestät der Kaiser erließ aus diesem Anlasse folgenden Allerhöchsten Armee- Befehl: „Ein Vierteljahrhundert Meiner Regierungszeit findet heute unter Meinem Herzen wohlthuenden Kundgebungen seinen Abschluss. Viele und schwere Kämpfe fallen in die Epoche, in denen Meine Armee und Kriegsmarine glänzende Beweise heldenmtithiger Tapfer- keit und unerschütterlicher Treue gegeben haben. Es ist Mein Wunsch, alle jene, die in welch immer Gharge und Eigenschaft an den Kriegen dieser Zeit theilgenommen haben, durch ein sichtbares Zeichen ehrend auszuzeichnen. Ich habe daher beschlossen, eine Erinnerungsmedaille zu stiften, wegen deren Ausführung und Zuwendung an die Anspruchsberechtigten Ich die Statuten und Befehle erlasse. Wien, am 2. December 1873. Franz Joseph m. p." 384 ERZHERZOG SIGMUND. Seine k. k. Hoheit FM. Erzherzog Albrecht legte an der Spitze der gesammten nach Wien geeilten Generalität und des Officiers-Corps der Garnison Wien namens der k. k. Armee die Glückwünsche der- selben an den Stufen des Thrones nieder. Diese Ansprache lautete: „Geruhen Euer Majestät die ehrfurchtsvollsten Glückwünsche der gesammten Wehrmacht der Monarchie zum heutigen Fest- und Ehren- tage entgegenzunehmen, sowie die Versicherung unwandelbarer Treue und Anhänglichkeit für Euer Majestät, eifriger Pflichterfüllung im Allerhöchsten Dienste und opfermüthiger Hingebung unter allen Ver- hältnissen. Es wird die stete Sorge eines Jeden von uns sein, diese Tugenden — von jeher die Zierde und der Stolz der k. k. Kriegsmacht — auf die vaterländische Jugend so zu tibertragen, wie wir sie von den Vor- fahren überkommen haben. Für dieses Streben erbitten wir uns die Fortdauer jener väter- lichen Fürsorge und Zuneigung, mit welcher seit einem Vierteljahr- hundert unser oberster Kriegsherr so vielfach die Armee wie jeden Einzelnen beglückte. Dankerfllllt flohen wir zu Gott, dass Euer Majestät nach abermals 25 Jahren in voller Kraft und Gesundheit unter glücklichen Auspicien erneuert dieses Fest begehen mögen." Die Antwort Seiner Majestät des Kaisers — den Kronprinzen Erz- herzog Rudolf an der Hand haltend — machte einen unvergleichlich mächtigen und erhebenden Eindruck auf alle, die das Glück hatten, diesem feierlichen Acte beizuwohnen und die in dem Herzen aller Glieder der Armee bis an das Ende ihrer Tage fortleben wird. In Form eines mit dem Allerhöchsten Bildnisse gezierten „Gedenkblattes" bildet diese Rede eine Zierde in allen Militär-Unterkünften. Sie lautete: „Ich danke Ihnen für die Mir zu einem Zeitabschnitte von 25 Jahren dargebrachten Glückwünsche. Ich danke vor Allem dem siegreichen Feldherrn, der heute an Ihrer Spitze steht, für die Mir und dem Vaterlande während dieses Zeitabschnittes geleisteten hingebungs- vollen und ausgezeichneten Dienste. ERZHERZOO SIGMUND. 385 Ich danke Ihnen allen, Ich danke Meiner gesammten Armee und Marine für die in guten und bösen Tagen bewährte Treue und Anliänglichkeit. Trotz harten Schicksalsschlägen, trotz vieler unverdienter Anfein- dungen, trotz den nothwendigen Umwandlungen hat sich der alte, feste, gute Geist unerschütterlich erhalten; mit frischem Muthe und auf- opferungsvoller Ausdauer arbeiten Sie alle an der Heranbildung und Vervollkommnung der Kriegsmacht. Auch hiefÜr Meinen Dank. Ich danke den beiden Landwehren für den in der Periode ihrer Entwicklung bewiesenen Eifer, der Mir die Bürgschaft gibt, dass dieselben in den Tagen der Gefahr die Armee mit Erfolg unterstützen werden. Ich danke allen denjenigen, die nicht mehr im activen Dienste sind, för die Mir geleisteten trencn und guten Dienste. Mit Wehmuth und dankbarer Erinnerung gedenke Ich derer, die nicht mehr sind; der ruhmreichen Führer Meiner Armee in vielen Schlachten, deren, die ihr Leben und Wirken dem Besten der Armee geweiht haben. Ich gedenke des unvergesslichen Admirals, der Meine Flotte zu Sieg und Ruhm gefllhrt, der Tausenden, die ihr Leben auf dem Felde der Ehre gelassen haben. Ich spreche die Zuversicht aus, dass auch künftig die Wehrkraft die festeste Stütze des Thrones und Vaterlandes sein wird, dass sie der Felsen bleibt, an welchem im Sturme die Wogen sich brechen, dass sie Meinem Sohne dieselbe Liebe und Treue weihen wird, die sie Mir stets bewiesen hat. Lassen sie es Ihnen noch sagen, wie warm Mein Herz für Sie alle schlägt, und so schlieBe Ich mit dem aus dem Innersten dieses Herzens kommenden Wunsche: Gott segne und beschütze Meine treuen Truppen, Gott knüpfe den Sieg an ihre Fahnen." 1874. Am 1. März erfolgte in Brunn die feierliche Vertheilung der Kriegs-Medaillen an die Berechtigten durch den FML. und Divi- sionär von Ziemiecki. Dem Hptm. 1. Cl. Josef Luksiö wurde infolge A. h. E. vom 8. Juni in Anerkennung seiner mehr als 40jährigen ersprießlichen und belobten Dienstleistung das Militär -Verdienstkreuz verliehen. 386 ERZHERZOO HilGMUND. Im Laufe des Sommers wurde das in Eibenschütz detachierte 3. Bataillon nach Brunn rück verlegt. Im Herbste dieses Jahres erfolgte zum erstenmale die Beiziehung des Reserve-Commandos zu größeren WaffenUbungen. Mit 15. April wurde das neue Exercier-Reglement und der 2. Theil des Dienst-Reglements ausgegeben. Die Ausgabe des Hinterladgewehres mit Werndl -Verschluss, M. 1873, war in diesem Jahre bei allen Regimentern vollzogen und wurde ein Zimmergewehr gleichen Systems den Truppen ausgefolgt. 1875. Am 25. Juni starb Kaiser Ferdinand I. der „Gütige" zu Prag im 82. Lebensjahre. In allen Garnisonen wurden aus diesem Anlasse Trauergottesdienste abgehalten und von der Armee eine sechzehnwöchentliche Trauer angelegt. Eine combinierte Gompagnie unter Commando des Hptm. Dominik Giunio leistete den 4. Juli am Staatsbahnhofe in BrUnn anlässlich des Passierens der Leiche weiland Seiner Majestät des Kaisers Ferdinand I. die militärische Ehrenbezeugung. Mitte September wurde das Regiment den großen Herbstübungen bei Bitischka, nordwestlich Brunn, das Reserve-Commando jenen bei Sambor beigezogen. Nach Schluss der ersteren rückte das 2. Bataillon nach Eibenschütz ab. Mit 1. Jänner trat das noch heute giltige Pensions - Normale in Kraft. Alle Truppen erhielten die fllr den Mobilisierungsfall bestimmten Verbandpäckchen, auch wurden statt der ])isherigen Legitimationsbüchel die in einer Messingkapsel verwahrten Legitimationskarten eingeführt. Im Laufe des Jahres erschien eine neue Instruction für die Vor- nahme praktischer Übungen aller Waffen und der II. Theil zum Exercier- Reglement für die Fußtruppen. 1876. Anfangs August wurde das 2. Bataillon von Eibenschütz wieder in die Regimentsstabs-Station Brunn verlegt. Im Herbste dieses Jahres nahm das ganze Regiment an den zwischen der Thaya und der Donau stattgefundenen großen Manövern im Armee -Corps theil. Das Regiment, im Verbände der 7. Infanterie ERZHERZOG SIGMUND. 387 Brigade, rückte hiezu am 31. August in Fußmärschen von Hrllnn nach D Urnholz, woselbst die Concentrierung aller zur 4. Infanterie-Truppen- Division gehörigen Truppen und Anstalten stattfand. Es gelangte weiter in die Gegend von Nikolsburg und südlich davon und kehrte am 8. September per Eisenbahn nach Brunn zurück. Zufolge A. h. K vom 12. October wurde Obst. Franz Ritter Latterer von Lintenburg zum Commandanten der 60. Infanterie- Brigade, dagegen der Reserve-Commandant des Lin.-Inftr.-Rgmts. Graf Huyn Nr. 13. Obst. August Ritter Frantzl von Franzensburg zum Commandanten des Regimentes ernannt. Karl Ritter Frantzl von Franzensburg war der Sohn eines Hauptmannes, wurde am 10. Februar 1823 in Neapel geboren, trat am 28. Mai 1840 als Expropriis - Gemeiner in das Lin.-Inftr.-Rgmt. Leopold Prinz beider Sicilicn Nr. 22 ein, wurde 1846 zum Rgmts.-Cdt. ernannt, 1847 zum Utlt. 2. CL, 1848 zum ütlt. 1. Gl. und 1849 zum Oblt. befördert 1854 avancierte er zum Hptm. 2. Gl. und rückte 1858 zum Hpt. 1. Cl. vor. 1863 wurde er auf Grund des ihm 1861 verliehenen Ritterkreuzes des Leopold - Ordens in den Ritterstand mit dem Prädicate von Franzensburg erhoben. Frantzl wurde 1864 zum Mjr. bei gleich- zeitiger Übersetzung zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr von Bamberg Nr. 13 befördert, 1867 zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr von Hess Nr. 49 über- setzt, 1869 zum Obstlt.,bei gleichzeitiger Übersetzung zum Lin.-Inft.-Rgmt. Ritter von Härtung Nr. 47, befördert. Nach dessen 1871 erfolgten Übersetzung zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Wilhelm Herzog von Württemberg Nr. 73 wurde er 1871, zum Reserve- Commandanten des Lin.-Inftr.-Rgmt. Graf Huyn Nr. 13 ernannt und im selben Jahre zum Obst, befördert, als welcher er zufolge A. h. E vom 12. October 1876 zum Commandanten des Regimentes ernannt wurde. Mit A. h. E. vom 6. Juli 1879 wurde Frantzl bei Verleihung des GM.-Charakters ad hon. mit Nachsicht der Taxe in den Ruhestand versetzt und ihm in Anerkennung der langjährigen und pflichtgetreuen Dienstleistung der Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit bekannt gegeben. Er domicilierte in Wien, wo er am 30. November 1896 starb. Frantzl hat 1878 die Occupation in Bosnien und der Herze- gowina mitgemacht. 25* 388 ERZHERZOG SIGMUND. Mit A. h. E. vom 17. October wurde der Obst, und Reserve-Com- mandant Leopold Ilalbknapp in den Ruhestand versetzt und der Obstlt. des Lin.-Inftr.-Rgmts. von Rupprecht Nr. 40 Gustav Wippers- dorf zum Reserve-Commandanten bestimmt. In diesem Jahre wurden die Fußtruppen per Bataillon mit 2 vier- spännigen Munitionswagen dotiert; weiters gelangten zur Ausgabe: Eine neue Gebtiren- und Superarbitrierungs -Vorschrift; eine neue Instruction für die Truppen-Schulen des k. k. Heeres; der III. Theil des Dienst- Reglements; die Vorschriften über die Gesundheitspflege, endlieh über die Pflichten, welche aus dem Wehrgesetze hervorgehen. Die Infanterie-Brigaden erhielten als Bezeichnung fortlaufende Nummern, die mit jenen der Divisionen correspondierten. Eine Verordnung bestimmte, dass entsprechend vorgebildete Unter- Officiere zur Versehung des Officiers- Stellvertreter -Dienstes im Kriege in Aussicht zu nehmen seien. Dieselben erhalten in diesem Falle die Feldwebels-Distinction, Oflficierskappc und Officiers-Säbel mit schwarz- gelber seidener Rosette, respective Porteepee, eine Monatszulage von 8 fl. nebst den Gebüren eines Feldwebels und rangieren nach den Cadet-Officiers-Stellvertretern. Tornister haben sie zu tragen. 1877. Vom 29. August bis 18. September wurde das Reserve- Commando der Truppen - Divisions - Concentrierung bei Sambor bei- gezogen. Oblt. Alois Nyiry wurde auf seine eigene Bitte von der Stelle des Regiments-Adjutanten enthoben. Demselben wurde für seine durch 8 Jahre anstrengenden, schwierigen, mit rastloser Hingebung, uner- müdlichem Fleißc und wahrer Selbstaufopferung geleisteten Dienste vom Regiments-Commando, namens des Allerhöchsten Dienstes, der wärmste Dank und die vollste Anerkennung ausgesprochen. Zufolge A. h. E. vom 27. October wurde der Reserve-Commandant Obstlt. Gustav Wippersdorf zum Obst, befördert. Den Ilptlten. Heinrich Lindner und Eduard Schäfler wurde* in Anerkennung ihrer seit vielen Jahren belobten und erfolgreichen Truppendienstleistung mit A. h. E. vom 28. April, beziehungsweise . 29. Dccember das Militär -Verdienstkreuz verliehen. VIII. ABSCHNITT. Die Oeeupation Bosniens und der Hercegovina. 1878. Mit A. h. E. vom 15. Februar wurde der bisherige Reserve- Commandant, Obst. Gustav Wippersdorf, nach mehr als 40jähriger Dienstzeit in den Ruhestand versetzt und der Obstit. Johann Hann- beck, Commandant des Fehljäger-Bataillons Nr. 17, zum Reserve-Com- mandanten ernannt. Die Präponderanz des ttlrkisehen Feudaladels, sowie die maßlose Bedrttckung der Christen in Bosnien und der Hercegovina filhrte in diesen Ländern zu blutigen Aufständen, welche die ohnmächtige Türkei nicht zu unterdrucken vermochte. An 200.000 Menschen flüchteten, Schutz suchend, auf österreichisch-ungarisches Gebiet, wo Millionen für ihren Unterhalt ausgegeben werden mussten. Die Kriege der Türkei mit dem Süzeränen Montenegro und Serbien entsprangen aus derselben Quelle der Bedrückung und Ohnmacht und waren auch die Veranlassung zu den DiflFerenzen, die zwischen Russland und der Türkei entstanden. Am 24. April 1877 erklärte Russland den Krieg, drang siegreich bis vor Constantinopel und zwang die Türken zum Frieden von S. Stefano. Da dieser Frieden, ohne die Interessen der übrigen Großmächte zu ])erücksichtigon, geschlossen war, erhoben diese dagegen Einspruch. Es wurde ein Congress zu Berlin einberufen, wo nahezu alle Punktationen des Friedens von S. Stefano annulliert wurden und wobei Osterreich — welches die Verhältnisse in Bosnien und der Hercegovina in ihrer ganzen Unhaltbarkeit klar zum Ausdrucke brachte und eine endgiltige Pacificierung der eine stete Gefahr für die Ruhe Europas bildenden anarchischen Provinzen verlangte — das Mandat erhielt, zur 390 ERZHERZOG SIGMUND. Herstellung der Ordnung in Bosnien und der Hercegovina, diese tllrkischen Provinzen zu besetzen. Am 29. Juli überschritt das 13. Armee-Corj)S unter Commando des FZM. Josef Freiherrn von Philippovic die Save; fast gleichzeitig drang FML. Freiherr von Jovanoviö mit der 18. Infanterie-Truppen- Division von Dalmatien in die Hercegovina. FML. Freiherr von Jovanovi(^ bemächtigte sich Mostars und pacificierte rasch die ganze Hercegovina. Dem 13. Armee-Corps gelang dies nicht so schnell. FZM. Freiherr von Philippoviö erreichte zwar bald Sarajevo, welches er mit Kampf nahm, jedoch die 20. Infanterie- Truppen-Divison unter Commando des FML. Grafen Szäpäry, die zur Deckung der linken Flanke von Sama6 auf Dolnja Tuzla vordringen sollte, konnte diese Stadt nicht erreichen und mnsste später sogar, von den Insurgenten hart bedrängt, sich gegen Doboj zurückziehen. Die unerwartete Ausdehnung des Aufstandes, sowie das Bestreben, die Niederwerfung desselben so rasch als möglich zu erzielen, veranlassten die Heeresleitung, noch das 3., 4. und 5. Armee-Corps zu mobilisieren Darunter beftmd sich auch unser Regiment, welches den telegra- phischen Mobilisierungsbefehl bereits am 15. August erhalten hatte. Dieser Tag zählte als erster Mobilisierungstag. Am Abende des 22. August verließ das Regiment, ohne die Ergänzungs-Transporte aus Sanok abzuwarten, per Bahn Brunn und traf am 24. über Wien und Kanisza in Esseg ein. — Von dort marschierte das Regiment am 25. nach Vuka, am 26. nach Djakovär, am 27. nach Andrievci, am 28. nach Brod. — Der 29. war Rasttag. Am 30. wurde der Marsch in die Cantonierungs- Stationen Trujana, Serpa und Zastuprovi6 fortgesetzt. Am 1. September wurde das Regiment in ein Bivouac nächst Brod concentriert, wo auch der erste Mannschafts-Ergänzungs-Transport aus Sanok eintraf. Am nächsten Tage wurde das aufständische Gebiet betreten. Durch die 2. Mobilisierung war eine Änderung der Ordre de bataille nothwendig geworden. Die IV. Infanterie-Truppen-Division, in welcher die Brigade GM. Freiherr von Waldstätten — 8. und 45. Lin.-Inf-Rgmt. und 25. Feldjäger-Bataillon — eingetheilt war, erhielt die Bestimmung zum 3. Corps. ERZHERZOO ßIGMUND. 391 Dessen neueniannter Corps-Commandant FML. Graf SzäpAry disponierte die heranrückende IV. Infanterie-Truppen-Division zur Be- setzung der Höhenposition bei Doboj. — Nur das Inftr.-Rgnit. Nr. 45 mit der Gebirgsbatterie 1/VIII sollten vorläufig in Kotorsko unter Commando des GM. Freiherm von Waldstätten verbleiben. Auf einem durch tiefe, bewaldete Schluchten durchschnittenen Höhenkamm standen die Vorposten der XX. Infanterie-Truppen-Division, welche vom 14. August an mit großer Bravour alle Versuche des fana- tischen Gegners, die Straße Doboj — Kotersko zu gewinnen und so die Verbindung zwischen Sarajevo und Brod zu unterbinden, ver- eitelt hatten. Mit dem Eintreffen der IV. Infanterie-Truppen -Division, an deren Spitze das Inftr.-Rgmt. Nr. 8 sich befand, beschloss FML. Graf Szd- päry die Offensive zu ergreifen. Am 4. September bereits stand das Inftr.-Rgmt. Nr. 8 im Süden von Doboj, auf dem unwegsamen Wald- terrain der Paklanica planina, im Kampfe. An diesem Tage wurde unser Rgmt. von Kotorska in ein Lager bei Doboj gezogen. Da im Corps-Hauptquartier die Nachricht eingetroffen war, dass die Insurgenten unter ihrem bewährten Führer, dem Mufti von Tas- lidza, Mehemed Effendi, die Absicht hatten, südlich Doboj die Bosna zu überschreiten, entschloss sich FML. Graf Szäpary «am 5. September durch eine kräftige Offensive auf beiden Ufern der Bosna die Straße nach Maglaj freizuhalten und die Insurgenten wieder über die Spre(3a zurückzuwerfen. GM. Freiherr von Wald statten erhielt den Auftrag, mit den ver- fügbaren Lagertrupp^n bei Doboj sich gegen Süden in Marsch zu setzen, die Straße Gracanica — Maglaj zu erreichen und die Insur- genten gegen Norden abzudrängen. Schon in der Nacht vom 4. auf den 5. September wurde das 4. Bataillon unseres Regimentes an die Uzora- Brücke vorgeschoben und war mit der Colonne Obstl. Rischanek dahin abgerückt. GM. Freiherr von Waldstätten beschloss, den ihm befohlenen Vormarsch in 3 Colonnen durchzuführen, während gleichzeitig Obstlt. Rischanek mit dem Feldjäger-Bataillon Nr. 25 und je 1 Bataillon der Inftr.-Rgmtr. Nr. 39 und 70 auf der Thalstraße am linken Bosna-Ufer nach Maglaj vorstoßen sollte. 392 ERZHERZOG 8IGMUND. Die 1. Cülonne (unser 1. Bataillon, 2 Bataillone des Inftr.-Rgmts. Nr. 16 und die Gebirgsbatterie 1/\^II), sowie die 2. Colonne (1 Bataillon des Inftr.-Rgrats. Nr. 29 und unser 2. Bataillon) hatten den Befehl, in gleicher Höhe durch das fast undurchdringliche Waldterrain der Paklanica planina auf Potoöany vorzugehen. Zu Beginn dieser Bewegung wurde das 3. Bataillon angewieseu, sofort die Bosna zu durchwaten und sich der 1. Colonne anzuschlieBen. Die 3. Colonne unter Commando des Obst, von Giessl, 3 Batail- lone des luftr.-Rgmts. Nr. 8, gieng links der 2. Colonne vor. GM. Freiherr von Waldstätten, welcher sich bei der 2. Colonne aufhielt, erhielt um 10" vormittags vom Obstlt. von RuziCiß die Mel- dung, dass unser 3. Bataillon südlich des llan Öovartje im Gefechte stehe, dass der Feind die Höhen knapp am rechten Bosna-Ufer besetzt und die Straße nach Maglaj gesperrt habe. — Das Bataillon konnte Bich daher der 1. Colonne nicht anscliließen. Bei Ser bisch -Pridilo trafen die 1. und die 2. Colonne zusammen und setzten nun vereint unter Commando des GM. Freiherrn von Wald- stätten den Marsch längs der Kammlinie auf Strjezevica fort. Das Gefecht bei den selbständigen Colonnen, Obst, von Giessl und Obslt. Rischanek, nahm unterdessen seinen Fortgang. Plötzlich als die Vorhut der Mittel-Colonne am Rande einer Wald- blöße angelangt war, schlugen feindliche Projectile in deren Tete ein. Die Insurgenten hatten in größerer Zahl die Höhen nördlich der Straße Maglaj -Gracanica besetzt und sich verschanzt. GM. Freiherr von Waldstätten ließ die Gebirgsbatteric sofort ins Feuer setzen und gab der Vorhut, 2 Compagnien des 29. Inftr.-Rgmts. den Befehl zum Angriffe auf den Gegner. Unser 1. Bataillon hatte diesen Angriff zu unterstützen. Doch die Insurgenten hielten nicht stand und zogen sich in ihr rückwärts befindliches Lager zurück. — Zwei Compagnien des Inftr.-Rgmts. Nr. 16 im Verein mit 27« Com- pagnien des 1. Bataillons griffen nun die Schanze an und besetzten dieselbe. Die einfallende Dunkelheit machte dem Kampfe ein Ende und die siegreichen Truppen bezogen die Lager am Kampfplatze. Die Verluste, die unser Bataillon im Gefechte l)ei Potoöany erlitt, waren verhältnismäßig gering; Cd.-O.-St. Felix Benigni, Edler von ERZHERZOO 8IGMUND. 393 Milclenberg, sowie 6 Manu blieben todt; Hptm. Adolf Slanieczka, Lt. in der Reserve Julius Tichy und 18 Mann wurden verwundet, 6 Mann vermisst. Inzwischen war unser 3. Bataillon zwischen IT' 30" vormittags im heftigsten Kampfe mit den Insurgenten bei Han Covartje gestan- den, als der neuerliche Befehl des Brigadiers eintraf, dass das Bataillon die Bosna zu durchfurten und sich der Mittel-Colonne anzuschließen habe. Nach langem und vergeblichem Suchen einer Übergangsstelle gelang es Obstl. von RuziC'iC, endlich einen Punkt zu finden, wo er mit dem Bataillon den Übergang wagen konnte. — Glücklich und ohne Verlust erreichte das Bataillon das rechte Ufer, woselbst der Corps- Commandant FML. Graf Szdpary Augenzeuge dieser entschlossenen That war und dem Bataillon lautes Lob spendete. Nun wurde sofort der Weitermarsch über Kamen angetreten und traf das Bataillon gegen T abends am Lagerplatz der Brigade ein. Am 6. September wurden alle am Vortage im Gefechte bei Poto- T'any gestandenen Truppen in das Lager von Doboj zurtlckgezogen. Am 7. September hatte unser 3. Bataillon vom Truppen-Divisions- Commando den Befehl erhalten, den 2. Vertheidigungs-Abschnitt der Höhenstellung bei Doboj zu besetzen. Dort verblieb das Bataillon bis 9. September und wurde dann durch das Feldjäger-Bataillon Nr. 25 abgelöst. Um eine vollkommene Gewähr zu besitzen, dass rauflustige Banden die vielumstrittene Position von Doboj nicht wieder beunruhigen, ordnete das Corps-Commando eine allgemeine Entwaffnung der um- liegenden Orte an. Vom Rogimente traf es hiezu nur das 2. Bataillon, welches beauf- tragt wurde, die Dörfer längs der unteren Uzora zu entwaffnen, was sich olme Anwendung von WaflFcngewalt vollzog. Am 11. September erhielt das Regiment die Bestimmung, das seit dem 6. in der Stellung nördlicli Strjezevica befindliche Inftr.-Rgmt. Nr. 49 abzulösen. In dieser Position oblag dem Regimente die Oflfen- haltung und Sicherung der Straße Gracanica — Maglaj; Da Nachrichten eingetroffen waren, dass die am linken Spreca- Ufer gestandenen Insurgenten eine rückgängige Bewegung angetreten hatten, wurde Hptm. Giuppani mit der 7. Compagnio beauftragt, hier- 894 ERZHERZOG SIGMUND. über Gewissheit zu verschaffen. Derselbe rückte am 13. September nach Han Serajskj und konnte nur circa 300 Insurgenten auf den Hohen östlich Boljanic constatieren, die jedoch bei seinem Erscheinen sofort den Rückzug antraten. FML. Graf Sz^'lpdry ordnete nun für den 15. erneuerte Recog- noscicrungen an, um die Situation beim Feinde zum Zwecke des Vor- marsches gegen Dolnja-Tuzla zu erforschen. Hiezu wnirde Hptm. Wilhelm Krick mit der 10. Compagnie bestimmt. Derselbe überstieg von Osoinica aus die Paklanica planina, erreichte am 15. Septem- ber mittags Graf'anica und constatierte, dass die dort gestandenen Insurgenten vor wenigen Stunden theils gegen Dolnja-Tuzla, theils in nördlicher Richtung abgezogen waren. Während der eben geschilderten Ereignisse beim 3. Armee-(*orp8 war das 4. Corps an der Save eingetroflFen und bereitete sich zum Einmarsch in die insurgierte Posavina vor. Da den Instructionen des Armee-Commandos zufolge diese Opera- tion gleichzeitig mit dem Vormarsche des 3. Corps gegen Dolnja- Tuzla vor sich gehen sollte, beschloss FML. Graf SzApäry am 17. September diesen Marsch anzutreten. Den rechten Flügel des Corps bei dieser Vorrttckung bildete die Colonno des FML. v. Pelikan, Com- mandant der IV. Infanterie-Truppen-Division; dieselbe war schon am IG. September 6* abends in der Stellung von Strjezevica eingetroflFen. In dieser Stellung hatte unser 3. Bataillon die vorliegenden Schanzen besetzt; eine Compagnie stand in Han-Serajski. Am nächsten Tage wurde das Regiment zur Vorrückung auf Graöanica beordert, welches um 10" nachts nach beschwerlichem Marsche erreicht wurde. — Der Ort war von allen Mohamedanern ge- räumt; die anwesenden Christen sagten aus, die Insurgenten hätten sich zurückgezogen und östlich des Lozna-Baches gesammelt. Um über die Vorgänge auf Feindesseite, besonders in der Rich- tung gegen Gluhina unterrichtet zu sein, ließ FML. Graf Sz*^pdry unser 3. Bataillon über den Lo^na-Bach gegen den genannten Ort vorgehen. Hier stieß das Bataillon auf eben im Abzüge begriflfeue Insur- genten, welche nun eine Stellung bei Orahovica besetzten. Es ent- wickelte sich ein kurzes Gefecht, in welchem die Insurgenten zurück- ERZHERZOG SIGMUND. 395 geworfen wurden. — Das Bataillon verlor hiebei 2 Todte und 3 Ver- wundete. Am 19. September wurde der Marsch gegen Dolnja-Tuzla in 3 Colonnen fortgesetzt. Das Regiment befand sich in der ITaupt-Colonne die auf der Straße vorrückte. Ohne vom Feinde belästigt zu werden, traf das Corps im Spreca- Thale z ansehen M i r (? i n a und G n oj n i c a ein, wo Nachtlager bezogen wurde. Am 20. September langte aus Brod die Mittheilung ein, dass die Truppen des 4. Corps durch abnormes Regenwetter und grundlose Wege derart aufgehalten seien, dass sie erst am 23. zum Angriffe bereit sein könnten. Infolge dessen war FML. Graf SzäpAry gezwungen, den beabsichtigten AngriflF auf Dolnja-Tuzla ebenfalls auf den 23. zu ver- schieben. Inzwischen kam die Nachricht, dass in dem Streithaufen des Mufti von Tazlidza Muthlosigkeit eingedrungen sei und dass die Insur- genten truppweise in der Nacht auf den 22. ihren Führer verlassen hatten. Am 22. September früh erschienen denn auch Deputationen aus Dolnja-Tuzla bei FML. Graf SzÄpdry, um denselben feierlichst als Erretter der Stadt vom grausamen Drucke des Mufti zu empfangen. Um 11* vormittags traf die Spitze der IV. Infanterie-Truppen- Division am Westausgange der Stadt ein und bezog dann die Division westlich der Stadt ein Lager. Mit Anordnung des Armce-Commandos vom 18. September wurde der 7. Infanterie-Brigade GM. Freiherr von Waldstätten nebst einer V2 Gebirgsbatterie die Aufgabe zutheil, die Verbindung des 3. Corps mit der Armee bei Sarajewo herzustellen. Vom 24. bis 30. September musste die Brigade in 10 l)is 12stün- digen Tagmärschen, meist bei strömenden Regen, die waldbedeckten Höhen der Konju — Rasevo- und Betaju-planina übersteigen. Als Marschlinie dienten elende, kaum für Tragthiere benutzbare Saum- und grundlose Karrenwege. Zumeist konnte man nur in Reihen weiter- kommen. Auf den Bergen hörte man fortwährend die langgezogenen Rufe der Hirten und Landbewohner, welche damit den Marsch der Colonne unseren Gegnern schnell und einfach meldeten. Am 24. gelangte die Brigade bis MedojviC'C und Djundjevic, am 25. nach NoCaevi^'- und am 26. nach Kladanj. — Hier fand (iM. 890 EBZUERZOG i^IGMUND. Freiherr von Waldstätten das Inftr.-R^mt. Nr. 29, welches vom Armee-Commando zur Einholung der Brigade entgegengeschickt war. Am 28. traf das Kegiment erst am späten Abend auf dem Lager- plätze bei Han Palika ein. Zur Orientierung der Nachziehenden wurden in dem dichten hochstämmigen Walde, durch den der Weg- führte, stellenweise Feuer aus dürrem Holze gelegt. Am 29. besserte sich der Weg; die Brigade traf in Nares Han und am 30. mit gehobenem Gefühle in dem hochromantisch gelegenen Sarajevo ein. Es muss hier speciell hervorgehoben werden, dass die Leistungs- fähigkeit der Truppe in diesem siebentägigen anstrengenden und auf- reibenden Marsche sich auf das glänzendste bewährt hat. Am 23. September war mit dem blutigen Treffen bei Bandin- Od^iak der Insurrection in Bosnien der vernichtende Schlag beigebracht und FZM. Freiherr von Philippoviö konnte am 4. October zwei er- oberte Provinzen seinem Kaiser und Kriegsherrn zu Füßen legen. Das Kegiment blieb nur zwei Tage in Sarajevo, denn schon am 2. October musste der Weitermarsch nach Konjica fortgesetzt werden. Am 5. October traf das Regiment dortselbst ein und nun begann hier eine Zeit der angestrengtesten Friedensarbeit im Dienste der Civilisation. Es galt Telegraphen-Leitungen und Straßen zu erbauen, sowie Truppen-Unterkünfte zu schaffen. Am 13. October wurde mit der Herrichtung von Erdhütten be- gonnen, um nach monatelangen Bivouacs endlich die Nachtruhe unter Dach zu finden. Am 16. wurde die 1. und 2. Gompagnie nach Lisiöici verlegt. In einem vom 19. October datierten Armee-Befehle sprach Seine Majestät der Kaiser den Truppen seinen Dank aus für die Durchfrlhrung der Occupation und die hiebei bewährte Pflichttreue, ihren Opfermuth und ihre Ausdauer, wodurch allein Resultate erzielt werden konnten die fortan eine ehrende Stelle in der vaterländischen Geschichte ein- nehmen werden. „Mit gehobenen Gefühlen" — so schließt der Befehl — „solbst- bewusst blickt die ganze Armee auf die Erfolge unserer Waffen, möge sie darin eine mächtige Anregung zu fortgesetzter Thätigkeit und zur rastlosen Weiterarbeit finden." ERZHERZOG SIGMUND. 397 Mit demselben Allerhöchsten Armeo-Befchlc wurde die Demobili- sierung: der IL Armee angeordnet. Am 26. October wurde die 5. Compagnie nach TarCin und die 6. Compagnie nach Bradina detachiert Mittelst Armee-Commando-Befehl Nr. 45, Sarajevo am S.Novem- ber, wurde nachbenannte Mannschaft decoriert: Für das Gefecht bei Potoöany auf der Paklanica planina, 5. September: Mit der gol- denen Tapferkeits-Medaille: CorporalJohann Buczek. Mit der silbernen Tapferkeits-Medaille 1. Classe: Feldwebel Heinrich Brandner, Zugs- führer August Hajek, Corpora! Johann Nycz, Gefreite Andreas Glodysz und Infanterist Josef Gluczek; mit der silbernen Tapfer- keits-Medaille 2. Classe: Feldwebel Laurenz Guzik, Gefreite Bronis- laus Milaiiski und die Infanteristen Andreas Chorodnyk, Fedor Lenkow, Michael Rielec, Karl Courten, Michael Harkala. Für hervorragende Leistungen während der gesammtcn Operationen dem Feldgendarmen: Zugsführer Stanislaus Niedzielski und Cor- poral Anton Blaszezak die silberne Tapferkeits-Medaille 2. Classe. Ferner wurde dem Zugsführer Stefan Cholewka für sein tapferes und unerschrockenes Benehmen im Gefechte bei Potor*any auf der Paklanica planina die belobende Anerkennung ausgesprochen. Infolge A. h. E. vom 14. November wurde der Obst, und Reserve- Commandant Johann Hannbeck zum Commandanten des Lin.-Inftr.- Rgmts. von Baum garten Nr. 56 ernannt und der Obstlt. des Lin.- Inftr.-Rgmts. Großherzog von Meklenburg-Schwerin Nr. 57, Victor Edler von Kochen, an dessen Stelle zum Reserve-Commandanten ))estimmt. Mit A. h. E vom 3. December wurde den Hptm. Eduard Schäfler von Sr. Majestät in Anerkennung seiner hervorragend tapferen und ver- dienstlichen Leistungen in der Zeit vom 5. September bis zum Abschlüsse der Operationen die Kriegs-Decoration zu dem schon vor Jahresfrist erhaltenen Militär- Verdienstkreuze verliehen. Mit dem Jahresschlüsse erfolgte die Normierung und Einfllhrung einer verstärkten Patrone bei den Gewehren der Fufltmppen, wodurch eine rasantere Flugbahn und ein sicherer Schuss bis auf die Distanz von 2100 Schritten erzielt wurde. IX. ABSCHNITT. Die Friedensjahre ron 1879 bis 1897. 1879. In diesem Jahre warde vom Kegimente die civilisatorisclie Arbeit fortgesetzt. Fußsteige und elende Saumwege wurden in gute Straßen umgewandelt, Brücken, Häuser und Magazine erbaut, Gärten angelegt, in Konjica die Häuser numeriert, in den Gassen Belettchtung und Pflasterung eingeftihrt. Dem Räuberunwesen wurde durch viele und energisch durcli- geftlhrte Streifungen Einhalt gethan. Officiere des Regimentes führten die allgemeine Volkszählung durch und regelten die den armen Grundbauer erdrückende Steuer, sowie sie die sinnlose Holzgewinnung, welche die großen und schönen Waldungen zu vernichten drohte, hintanhielten. Am 25. März fand am Lagerplatze des Lin.-Inftr.-Rgmts. Freiherr von Abele Nr. 8 bei Konjica die feierliche Vertheilung der Kriegs- Medaillen statt. Mitte April wurde der 2. Bataillonsstab mit der 7. Compagnie nach Pazarii? verlegt. Mittelst A. h. E. vom 20. April wurde der Obstlt. und Reserve- Commandant Victor Edler von Kochen zum Obst, befördert Mit der A. h. E. vom 4. Mai wurde dem Obstlt. Nikolaus RuÄiöic Edlen von Sanodol in Anerkennung hervorragend tapferer Leistungen während der Operationen in Bosnien und der Hercegovina das Militär- Verdienst-Kreuz mit der Kriegs-Decoration verliehen. Ende Mai wurden von Lisißiöi der L Bataillonsstab und die 1. Compagnie nach Konjica eingezogen. • Mit 1. Juli wurde das 2. Bataillon nach Sarajevo detachiert, während der 1. Bataillonsstab nach Bla^uj, die L Compagnie nach Pazari^, die 2. nach Taröin und die 4. nach Bradina verlegt wurden. ERZHERZOG 8IGHUND. 399 Mit A. b. E. vom 6. Juli erfolgte die Übernahme des Rogimcnts- Commandanten Obst. August Rittor Frantzl von Franzensburg auf sein Ansuchen in den wohlverdienten Ruhestand^ wobei demselben der GM.-Charakter ad hon. verliehen und gleichzeitig in Anerkennung seiner langjährigen und pflichtgetreuen Dienstleistung der Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit bekannt gegeben wurde. — Mit der- selben A. h. E. wurde Obst. Julius Gerstenkorn, Reserve Commandant des Lin.-Inftr.-Rgmts. Erzherzog Stephan Nr. 58, zum Regiments- Commandanten ernannt. Julius Gerstenkorn, als Sohn eines Privat-Beamten am 10. August 1828 in Chudenitz in Böhmen geboren, trat am 8. September 1843 zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Erzherzog Rainer Nr. 11 als Expropriis- Gemeiner ein, wurde noch in demselben Jahre zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr von Bertoletti Nr. 15 übersetzt, dann 1846 zum Rgmts.-Cdt. ernannt; 1848 avancierte er zum Utlt. 2. und 1. Cl., 1849 zum Oblt., 1853 ward er Brigade-Adjt., 1856 erfolgte dessen Übersetzung zum k. k. 9., 1857 zum k. k. 17. Gendarmerie-Rgmt., woselbst er im selben Jahre zum Rittmeister 2. Cl. befördert wurde. Nach erneuerter Übersetzung 1860 zum k. k. 4. und 1862 zum k. k. 9. Gcndarmerie-Rgmt, rückte er 1865 zum Rittmeister 1. Cl. vor. 1866 wurde er zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Graf Gondrecourt Nr. 55, 1869 bei gleichzeitiger Beförderung zum Mjr. zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr von Bamberg Nr. 13, 1871 zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr Wetzlar von Plankenstern Nr. 16 und 1872 zum Rgmt. übersetzt. 1876 avancierte er zum Obstlt., 1877 wurde er zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Erzherzog Ludwig Salvator Nr. 58 als Reserve- Commandant übersetzt und 1878 zum Obst, befördert. Zufolge A. h. E. vom 6. Juli 1879 wurde Gerstenkorn zum Commandanten des Rgmts. ernannt. Mit A. h. E. vom 14. April 1881 erfolgte auf sein Ansuchen dessen Übernahme in den Ruhestand und wurde ihm bei diesem Anlasse in An-* crkennung seiner langjährigen vorzüglichen Dienstleistung der Orden der eisernen Krone 3. Classc verliehen, worauf derselbe, auf Grund der Ordens- statuten in den Ritterstand mit dem Prädicate „von R h o n a u" erhoben wurde. Obst. Gerstenkorn hat 1848 und 1849 den Feldzug gegen Italien und 1866 jenen gegen Preußen mitgemacht. Gerstenkorn domiciliert gegenwärtig in Wien. 400 ERZHERZOG SIGMUND. Am 18. August traf die telegraphische Verordnung des General- Gommandos ein, dass das Regiment nachfolgende Dislocation anzu- nehmen habe: Regimentsstab, 2. und 3. Bataillon Sarajevo, 10. Compa^nie ßla^uj. 1. Bataillonsstab mit der 1. und 4. Compagnie in Konjica, 2. Compagnie in Tarcin und 3. Compagnie in Jablonica. Am 4. September rückten die 9., 11. und 12. Compagnie zum Straßenbau ab, und zwar die 11. nach Leska Han, die 12. zur Prar*a-Brtlcke und die 9. nach Han Nares und Ilan Bozovica. Am 15. September erhielt das Regiment den Befehl, sich auf den normalen Friedensstand zu petzen. Mit A. h. E. vom 23. October geruhten Seine Majestät die Hptlte- 1. Cl. Johann Mudra des Lin.-Inftr.-Rgmts. Nr. 71 und Constantin Schirschant des Lin.-Inftr.-Rgmts. Freiherr von Philippovic Nr. 35 zu Majoren im Regimente zu ernennen. Nachdem anfangs November die beim StraPeubaue in Verwendung gestandenen Compagnien eingezogen wurden, nahm das Regiment mit 5. November folgende neue Dislocation an: Regimentsstab, 3. Bataillons- stab mit der 9. und 10. Compagnie Maglaj, 11. und 12. Compagnie Doboj, 2. Bataillonsstab mit der 5. und 6. Compagnie Dervent, 7. Kotorsko und 8. Bosnisch-Brod, 1. Bataillonsstab, dann 2. und 3. Compagnie in Zenica, 1. Compagnie in Orahovica und 4. Com- pagnie in ZepC*e. Mit 17. Decembcr wurde der Mjr. Georg Schrimpf in das Ver- hältnis der mit Wartegcbtlr Beurlaubten versetzt. In diesem Jahre wurde der Stand der BlessiertentrUgcr im Gebirgskriege verdoppelt; weiters eine neue Schieß-Instruction aus- gegeben. 1880. Am 1. April traf die Nachricht ein, dass das Regiment bestimmt sei Bosnien zu verlassen und dass Königgrätz dempelben als neue Garnison zugewiesen sei. Die einzelnen Compagnien verließen ihre Stationen schon am 8. und vereinigte sich das Regiment sodann in Brod, um von dort per Eisenbahn nach Königgrätz befördert zu werden, wo es am 18. April eintraf. ERZHERZOG SIGMUND. 401 So war es dem Rcgimentc gegönnt, nach Suionatlichcm, cnt- Lohruugsrcichem und mit maßlosen Strapazen verbundenem Aufenthalte in Bosnien, in einer schönen Garnison wieder vereint zu sein. Gelegentlich der Allerhöchsten Beise Seiner Majestät des Kaisers in Böhmen langte Allerhöchst derselbe am 9. Juni in Königgrat z an und hielt am nächsten Tage eine Kevue über die ganze Garnison ab- Am Schlüsse derEelbcn geruhten Seine Majestät dem Regiments - Coni- mandanten die Allerhöchste Zufriedenheit U])er das schöne Aussehen, die Haltung und Defilierung des Regimentes, sowie tiber das stramme Exercieren der einzelnen Compagnicn auszusprechen. Am 24. August rückte das Regiment nach Josefstadt, um an den Übungen in der Truppen - Division theilzunehmen, und kehrte am 7. September wieder nach Königgrätz zurlick. In diesem Jahre fanden zahlreiche Veränderungen im Personal- status des Regimentes statt. Mit A. h. E. vom 19. April wurde der Obst, und Reserve - Com- mandant Victor Edler von Kochen nach dem Ergebnisse der Supor- arbitrierung als invalid in den Ruhestand versetzt und der Obstlt. Josef Adam des Lin.-Inftr.-Rgmts. Graf Gondrecourt Nr. 55 zu unserem Reserve-Commandanten ernannt; weiters wurde Obstlt. Nikolaus Ruzi(i6 Edler von Sanodol zum Reserve-Commandanten beim Otof'aner Lin.-Inftr.-Rgmt. Graf Jellaf i6 Nr. 79 bestimmt, endlich mit A. h. E. vom 25. April die Hptlte. Rudolf Zichardt, Karl Colombo und Ferdinand Ritter von Purschka zu Majoren befördert, letzterer mit Belassung in seiner Zutheilung im militär-geographischen Institute. Mit A. h. E. vom 16. Mai wurde der Obstlt. Rudolf Ritter von Fries 8 des Lin.-Inftr.-Rgmts. Freiherr von Philippe vi 6 Nr. 35 zum Regimente transferiert. Mit A. h. E. vom 27. October wurde der Mjr. Emerich Klein zum Obstlt. im Lin.-Inftr.-Rgmt. Herzog zu Nassau Nr. 15 befördert und rückte der Mjr. und Commandant der Infanterie-Cadettenschule zu Karthaus, Dominik Giunio, zur Dienstleistung zum Regimente ein. Dieses Jahr brachte die Umwandlung der Brigade-Gerichte in GarnisonsGerichte, deren Auditore bei den Infanterie-Regimentern nun- mehr als Referenten fungierten und wurden gleichzeitig den Regiments- Commandanten die gerichtsherrlichen Rechte wieder tibertragen. — 402 ERZHERZOG SIGMUND. Wcitcrs gelangten eine Neu -Auflage des Exercier-Reglements für die k. k. Fußtruppen und eine neue WaflFen - Instruction zur Ausgabe. Die Bestimmungen bezüglich der Verwendung von Unter - OfScieren zu Officicrs-Stellvertretern im Kriege wurde aufgehoben. 1881. Mit A. h. E. vom 19. Jänner wurde dem Hptm. I. Cl. Josef Luksi^' anlässlich der auf sein Ansuchen erfolgten Übernahme in den Kuhestand der Mjrs.-Charakter ad hon. verliehen und gleichzeitig anbefohlen, dass demselben für seine langjährige, sehr ersprießliche und belobte Dienstleistung der Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit bekannt gegeben werde. Mit A. h. E. vom 14. April wurde der Obst, und Comman- dant des Regimentes Julius Gerstenkorn auf sein Ansuchen in den wohlverdienten Ruhestand versetzt und demselben bei diesem Anlasse in Anerkennung seiner langjährigen vorzüglichen Dienstleistung der Orden der eisernen Krone 3. Classe verliehen. An dessen Stelle wurde mit A. h. E. der Obst. Karl Ritter von Reimann, ttbercomplet im Lin.-Inftr.-Rgmt. Graf Huyn Nr. 13, Vorstand der 1. Abtheilung des Reichs-Kriegs-Mini- steriums, zum Commandanten des Regimentes ernannt. Karl Ritter von Reimann, als Sohn eines Bürgers am 29. Jänner 1835 in Budapest geboren, trat am 10. October 1850 als Expropriis- Gemeiner in das Lin.-Inftr.-Rgmt. Alexander L, Kaiser von Russland, Nr. 2 ein, wurde am 16. Mai 1851 zum Rgmts.-Cdt. ernannt und als solcher 1852 zum Feldwebel befördert. 1853 zum Lt. 2. Cl., 1854 zum Lt. 1. Cl. befördert, erfolgte 1857 dessen Übersetzung zum Adjutanten- Corps, in welchem er noch in demselben Jahre zum Oblt., 1859 zum Rittm. 2. Cl. befordert wurde und zum Rittm. 1. Cl. vorrückte. Am 9. August 1859 erhielt Reimann seine Eintheilung bei der 1. Abtheilung des Armee - Ober - Commandos und wurde 1860 zum ad latus des Corps- Adjutanten beim 3. Armee-Commando ernannt. 1861 in die Rang-Evidenz des Lin.-Inftr.-Rgmts. Freiherr Bianchi von Duca di Casa Lanza Nr. 55 eingetheilt, wurde Reimann 1866 definitiv zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Erzherzog Karl Salvator Nr. 77 über- setzt, 1866 zum Mjr. befördert, 1867 zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr von Bamberg Nr. 13 übersetzt und 1874 bei Übercompletführung in diesem Regimente der Militär-Kanzlei Seiner Majestät des Kaisers und Königs ERZHERZOO SIOMrXD. 403 zugetheilt. 1874 avancierte er zum Obstlt. und zufolge A. h. E. vom 24. Mai 1877 zum Obst. Mit A. h. E. vom 26. October 1878 wurde Reimann, in Aner- kennung seiner hervorragenden Dienste in der Militär-Kanzlei Seiner Majestät, der Orden der Eisernen Krone 3. Cl. verliehen und auf Grund der Statuten desselben, in den Ritterstand erhoben. Am 1. April 1879 wurde derselbe zum Vorstande der 1. Abtheilung des Reichs - Kriegs - Ministeriums bei weiterer Übercompletführung im Lin.-Inftr.-Rgmt Graf Huyn Nr. 13 ernannt und ihm anlässlich dieser neuen Dienstbestimmung in Anerkennung der von ihm in der Militär- Kanzlei Seiner Majestät durch mehrere Jahre geleisteten, stets vorzüg- lichen Dienste der Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit bekannt gegeben. Mit A. h. E. vom 24. April 1881 wurde Reimann zum Com- mandanten des Regimentes ernannt und ihm bei diesem Anlasse in Anerkennung seiner auf dem bisherigen Posten geleisteten pflichtgetreuen und sehr guten Dienste das Militär -Verdienst kreuz verliehen. Am 14. März 1882 telegraphisch mit dem Gommaudo der 10. Gebirgs - Brigade in Cr k vice bei Cbercomplctftthrung im Regi- mente betraut, wurde er mit A. h. E. vom 23. August 1882 zum Com- mandanten der 70. Infanterie-Brigade unter vorläufiger Belassung in der gegenwärtigen Charge ernannt und mit A h. E. vom 17. Jänner 1883 seine Übersetzung in gleicher Eigenschaft zur 3. Infanterie - Brigade angeordnet, worauf am 1. Mai desselben Jahres dessen Ernennung zum GM. erfolgte. Mit A. h. E. vom 6. April 1887 zum Commandanten der 24. Infanterie - Truppen - Division ernannt, wurde Reimann nach der am 28. April 1888 zum FML. erfolgten Beförderung mit A. h. E. vom 21. Juli 1888 in gleicher Eigenschaft zur 4. Infanterie - Truppen- Division nach Brtlnn tibersetzt, woselbst er am 4. September 1888 starb. FML. Ritter von Reimann hat 1858 und 1859 den Feldzug gegen Italien, 1866 den Feldzug gegen Preußen und 1878 die Occu- pation von Bosnien und der Herzegowina mitgemacht, anlässlich letzterer er in Anerkennung der verdienstlichen Leistungen mit A. h. E. vom 22. Juni 1882 die Kriegs-Decoration zum Militär -Verdienstkreuze ver- liehen erhielt. Mit A. h. E. vom 16. April erhielt der Hptm. 1. Cl. Rudolf 20* 404 ERZHERZOG SIGMIND. Heruth iu Anerkennung der seit mehreren Jahren belobten, besonders eifrigen und erfolgreichen Truppendienstleistung das Militär -Verdienst- kreuz. In pietätvoller Erinnerung an die im Feldzuge 1866 vor dem Feinde gebliebenen ehemaligen Regiments - Kameraden legte am 3. Juli, dem fünfzehnten Jahrestage der Schlacht bei Königgrätz, Obst. Ritter von Reim an n an der Spitze des Oflficiers-Corps Kränze auf die Grab- stätten in den Friedhöfen von Pouchow und Hradek. Mit A. h. E. vom 26. October erfolgte die Beförderung des Hptms. 1. Cl. Emil Freiherrn von Eder zum Mjr. im Lin.-Inftr.-Rgmt. Ferdinand II., Großherzog von Toscana, Nr. 66. Mit 1. Jänner wurde das tägliche Mannschafts - Frtihsttick ein- geführt. 1882. Infolge der Durchführung des Wehrgesetzes brachen in den südöstlichen Theilen von Bosnien und der Hercegovina, dann in der Krivoscie in den Monaten Jänner und Februar Unruhen aus. — Dieser Aufstand wurde jedoch, Dank den dort dislocierten braven Truppen, welche, die großen Terrain -Schwierigkeiten und die Unbilden der rauhen Jahreszeit nicht achtend, die Insurgenten aus ihren Schlupf- löchern vertrieben, bald bewältigt. Am 14. März war an den Regiments - Commandanten Obst. Ritter von Reim an n folgendes Telegramm eingetroffen: „Präs. Nr. 1674. Allerhöchstem Befehle gemäß werden Sie mit dem Commando einer Infanterie-Brigade in der Krivoscie betraut; haben schleunigst nach Crkvice abzugehen. Reichs-Kriegs-Ministerium." Mit A. h. E. vom 15. März wurde dem Obst. Paul Bernnart, Commandanten des küstenländischen Landwehr - Infanterie - Bataillons Triest Nr. 72, das Commando unseres Regimentes provisorisch über- tragen.^ Peter Paul Bernnart (eigentlich Bernhart), am 18. Februar Seine definitive Ernennung erfolgte mit A. h. E. vom 6. September. ERZHERZOG 8IGMIND. 405 1828 in Wien geboren, ist der Sohn des am 22. August 1836 zu Stuben in Tirol verstorbenen Beamten Feter Paul Bernnart. Bernnart trat «im 7. October 1845 als Expropriis- Gemeiner in das Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr von Hess Nr. 49 ein, wurde 1848 zum Lt. 2. Cl. ernannt und 1849 zum Lt. 1. Cl. befördert. 1852 zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Erzherzog Sigismund Nr. 45 tibersetzt, avancierte er 1853 zum Oblt., 1859 zum Hptm. 2. Cl. und rtickte in demselben Jahre zum Hptm. 1. Cl. vor. 1864 übertrat Bernnart in kaiserlich - mexika- nische Kriegsdienste, wurde daselbst 1865 zum Mjr. befördert und mit dem Qnadelup-Orden ausgezeichnet. 1867 wurde derselbe als Hptm. 1. Cl. in österreichische Dienste rllckUbernommen, 1868 zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Constantin, Großfürst von Russland, Nr. 18 tibersetzt, 1870 zum Mjr. befördert und im selben Jahre zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Friedrich Wilhelm, Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, Nr. 31, 1872 zum Lin.-Inftr.-Rgmt. Freiherr von Weber Nr. 22 tibersetzt. Am 5. April 1873 zum provisorischen Commandanten des Landes- schtitzen-Bataillons Roveredo-Saria Nr. 9 bei Übercompletfllhrung im vorgenannten Regimente ernannt, wurde Bernnart mit A. h. E. vom 17. August 1874 bei Übersetzung in den Stand der k. k. Landes- schtitzen definitiv zum Commandanten dieses Bataillons ernannt, ihm jedoch der Rücktritt in das stehende Heer gewahrt. 1875 wurde er zum Obstlt. befördert und zum 35. Landwehr - Infanterie - Bataillon Pilsen tibersetzt, 1878 zum Obst, befördert und 1879 zum kiisten- ländischen Landwehr-Infanterie-Bataillon Triest tibersetzt. Mit A. h. E.. vom 6. September 1882 wurde Bernnart auf Grund des ihm vorbehaltenen Rücktrittes in das stehende Heer bei gleichzeitiger Rtickversetzung in dasselbe zum Commandanten des Regimentes ernannt. Mit A. h. E. vom 29. März 1885 wurde ihm das Commando der 31. Infanterie-Brigade in Kronstadt verliehen. Noch in demselben Jahre wurde Bernnart am 1. November zum GM. befördert und als solcher am 1. Mai 1889 in den Ruhestand ver- setzt. Er starb am 2. Jänner 1892 in Krems. GM. Bernnart hat 1848, 1849 und 1859 den Feldzug gegen Italien — für welch ersteren er infolge hervorragender Dienstleistung das Militär -Verdienstkreuz (KD.) verliehen erhielt — 1865 und 1866 die kriegerischen Ereignisse in Mexico mitgemacht. 406 ERZHERZOG SKiMUKD. Mit A. h. E. vom 24. April erfolgte die Beförderung des Obstlts. und Reserve-Commandanten Josef Adam zum Obst, und des Hpmts. 1. Cl. Theodor Serabai des Lin.-Inftr.-Rgmts. Georg Prinz von Sachsen Nr. 11 zum Mjr.; letzterem wurde mit A. h. E. vom 10. Mai in Anerkennung seiner hervorragend tapferen und sonst verdienstlichen Leistungen anlässlich der in SUd-Dalmatien, Bosnien und der Heree- govina stattgehabten Operationen der Orden der Eisernen Krone 3. Classe (KD.) verliehen. Am 23. Mai feierte der Kapellmeister Franz Schubert das Jubi- läum seiner 25jährigen Dienstzeit im Regimenter aus welchem Anlasse ihm vom Officiers - Corps ein kunstvoll gearbeiteter Taktierstock ver- ehrt wurde. Am 28. und 29. Juni feierte das Regiment das Jubiläum seines 200jährigen Bestandes. Am Vorabende fand großer Zapfenstreich, ausgeftthrt von der eigenen Regiments - Musik und jener des Lin.-Inftr.-Rgmts. Herzog von Nassau Nr. 15 statt. Zur Eröffnung des 1. Festtages erfolgte die Tagreveille gleichfalls mit Musik. Um 8" 15'" früh war das Regiment — en parade mit Feldzeichen — in einem Treffen in Massen auf der Geueralwiese, allwo das Kapellen- zelt für die Feldmesse errichtet war, gestellt. Nach Besichtigung des Regimentes durch den Herrn Divisionär FML. Popp von Poppenheim begann die Feldmesse, zu welcher die Regiments-Musik das Messlied spielte; während des Gottesdienstes erdröhnten ^die üblichen 3 Dechargen, welche von einer auf dem Exercierplatze aufgestellten Batterie erwidert wurden. Nachdem der die Messe unter zahlreicher Assistenz celebrierende hochwürdigste Bischof von Königgrätz Dr. Johann Josef Hais der Truppe den Segen ertheilt hatte, schwenkten die Flügel-Bataillone ein, die Fahne wurde vor die Front genommen und der Regiments - Commandant Obst. Paul Bernnart hielt eine dem festlichen Anlasse entsprechende markige Ansprache an das Regiment. Diese Rede wurde durch einen Officier in polnischer Sprache wiederholt. HP ERZHERZOG SIGMUND. -107 Hierauf erfolgte die Defilierung vor dem DivisionUr und rückte dann das Regiment in strammer Haltung in die Kasernen. Den Glanzpunkt des Tages bildete das Festbankett, welches das Ofricicrs-Corps und seine Gäste in der Prager -Vorstadt vereinigte. In schwungvoller Rede brachte Obst. Bernnart hiebci den Toast auf Seine Majestät den Kaiser aus. Die begeisterten Hochrufe der Versammelten wurden von dem Donner der Kanonen erwidert. Gleich- zeitig gieng an Seine Majestät ein Huldigungs- und Ergebenheits- Telcgramm ab, das folgenden Wortlaut hatte: „Seiner Excellenz Herrn Feld-Zeugmeister Freiherrn von Mondel, General- Adjutant Seiner Majestät des Kaisers und Königs Wien. Bei der Jubelfeier seines 200jährigen Bestandes festlich versammelt, gedenkt das Officiers- Corps des Infanterie-Regimentes Erzherzog Sig- mund Nr. 45 in unbegrenzter Liebe und tiefster Ehrfurcht Seiner Majestät des Kaisers Franz Josef I. und bringt AUcrhüchstdemselben ein begeistertes dreimaliges Hoch! Bernnart, Oberst." Nun folgten Toaste auf Toaste, die alle der seltenen und erhebenden Feier des Regimentes galten. Am nächsten Tage langte vom General-Adjutanten Seiner Majestät des Kaisers, Seiner Excellenz dem FZM. Freiherrn von Mondel, folgendes Telegramm an das Regiments Commando ein: „Seine Majestät der Kaiser nahmen die huldigende Kund- gebung des Officiers-Corps anlässlich der gestern stattge- habten Jubelfeier des Regimentes AUergnädigst zur Kenntnis und beauftragten mich^ demselben den Allerhöchsten Dank auszusprechen. Mondel m, p., FZM." Femer trafen nebst vielen anderen noch Gltickwunsch-Tclegramme ein vom: FZM. Herzog zu Württemberg, G. d. C. Grafen Westphalen, GM. Freiherrn von Schneider, GM. Ritter von Frantzl,Obst. Schmelzer, Obst. Pelikan, Obst. Ritter von Reimann, Obst. Adam, Obst, von l\u7Ä('\6, Obst. Depaix, Obst, von Bukowsky, Obst. Mitrovic, Oi)stlt. Mikessic, Obstlt. Sitka, Mjr. ObradoviC« etc. 408 ERZIIERZO(J 81(niL'Nl>. Am Nachmittage des 28. Juni fand ein vom Offieiers - Schützen- Vereine vcranstaltetes Officiers-Fest- und Bestschienen statt, bei welcher Gelegenheit drei namhafte Beste ausgeschossen wurden. Den Schluss dieser schönen und erhebenden Feier bildete das am 29. abgehaltene Mannschaftsfest, das mit einer Lotterie — nur Geldpreise — endete. Um die Erinnerung an das erhabene und seltene Fest für immer- währende Zeiten zu erhalten, wurde ein Gedenkblatt an sämmtliche Ofticiere und alle Unter-Abthcilunge und Kanzleien des Regimentes ausgegeben: Im Monate September wurde die thoilweise schon beendete Terri- torial - Eintheilung in vollem Umfange durchgeführt. Die Gesammt- Monarchie wurden in 15 Corps- Bereiche und das MilitUr-Commando zu i Zara gegliedert und als Grundsatz aufgestellt, dass alle zu einem Corps i gehörigen Truppen, Behörden und Anstalten im Corps-Bereiche selbst dislocieren. Die Nothwendigkeit in den einzelnen Städten größere Garnisonen zu haben, sowie die eigenartigen Verhältnisse im Occupa- tions-Gebiete hinderten bisher die ideale Durchführung dieses Princips. Eine weitere Folge der erwähnten Neueintheilung der Monarchie war die Neuaufstellung der Infanterie- Regimenter von Nr. 81 — 102 ans den 5. Bataillonen der 80 bestehenden Regimenter nnd aus 8 Feldjäger- Bataillonen. Die Reserve-Commanden wurden bei allen Regimentern aufgelöst und durch Verkleinerung der bestandenen Ergänzungs - Bezirke solche für die neuen Regimenter geschaffen. Der Ergänzungs-Bezirk des Regi- mentes verlor die Bezirkshauptmannschaften Brzozow und Dobromil, gewann hingegen die Bezirkshauptmannschaft Krozno. Jedes Infanterie-Regiment hatte im Frieden aus 4 Feld-Bataillonen und 1 Ersatz-Bataillons-Cadre zu bestehen. Der Oberst-Regiments-Coni- mandant führte nunmehr den Befehl über alle Theile des Regimentes. Der Ergänzungs - Bezirks - Commandant war zugleich Comraandant des Ersatz- Bataillons -Cadres, aus dem im Kriegsfalle das Ersatz -Bataillou zu formieren war. Nach der neuen Organisation betrug der Kriegsstand eines Infan- terie-Regimentes: 83 Officiere, 3868 Mann, jener des Ersatz-Bataillons 21 Officiere, 912 Mann; der aufzustellende Stabszug 1 Oflßcier, 36 Mann. ERZHERZOG SIGMUND. 401> An Fuhrwerken gehören zum Regimente: 10 Deckel-, 12 Proviant-, 8 liat«aillons- und 4 Marketender -Wagen. Unser 5. Bataillon kam nach der neuen Organisation zum Infan- terie-Regimente Nr. 90 und schied anfangs November aus dem Regimente. Mit demselben wurde auch die Fahne des Reserve-Commandos an das genannte Regiment abgegeben. Infolge der Neu - Organisation musste auch das Regiment eine neue Dislocation annehmen und rückten am 17. September der Regimentsstab mit dem B.Bataillon nach Krems, das 1. Bataillon nach St. Polten und das 2. Bataillon nach Langenlois ab. — Das Regiment trat durch diesen Dislocations- Wechsel in den Verband der 2. Infanterie-Truppen-Division, beziehungsweise der 4. Infanterie- Brigade. Mit A. h- E. vom 26. October erfolgte die Beförderung des Hptms. 1. Cl. Josef Ritter von Karpii'iski zum Mjr. im Regimente. Am 20. November wurde dem bisherigen Reserve - Commaudanten Obst. Josef Adam das 4. Bataillons - Commando verliehen * und wurde der Mjr. Theodor Scrabal zum Ergänzungs - Bezirks - Commaudanten ernannt. 1S83. Am 4. Mai wurde das 1. Bataillon von St. Polten in die Regimentsstabs-Station Krems verlegt. Am 21. Juni rückte das Regiment in das Lager bei Brück an der Lei t ha und kehrte am 13. Juli in seine Garnisonsortc Krems und Langenlois zurück, wo es bis 10. August verblieb, um dann in Wien an den größeren Übungen theilzunehmen. — Nach Schluss dieser Übungen, am 11. September, marschierten wieder das 1. und 3. Bataillon nach Krems und das 2. Bataillon nach Langenlois. Mit A. h. E. vom 25. October wurden befördert: Der Mjr. Dominik Ginnio zum Obstlt. und der Hptm. 1. Cl. Julius Hoser des Lin.-Inftr.- Rgmts. Graf Huyn Nr. 13 zum Mjr. im Regimente. Mit A. h. E. vom 30. November wurde verfügt, dass Titular- Chargen nur an Cadetten, Frequentanten der Cadetten-Schulen, Einjährig- Freiwillige, Hilfsarbeiter, Mannschaft der Regiments-Musiken und Büchsen- macher verliehen werden dürfen. 410 ERZHEBZOO SIGMUND. 1884. Mit A. h. E. vom 25. April erfolgte die Beförderung des Obstlts. Rudolf Ritter von Friess zum Obst. Zu den Übungen mit gemischten Waffen rückte in diesem Jahre das Regiment schon am 28. Juli nach Wien, woselbst es bis 14. Au- gust blieb. Von dort marschierte das Regiment am 16. August in das Lager bei Brück a. d. Leitha. — Hier hatte dasselbe die hohe Ehre, sowohl von Seiner Majestät dem Kaiser als auch von Seiner k. k. Hoheit dem FM. Erzherzog Alb recht besichtigt und wegen des vortrefflichen Aus- sehens belobt zu werden. Nach Beendigung dieser Lagerperiode rückte das Regiment am 4. September unter Durchführung eines Dislocationswechsels zwischen dem 2. und 3. Bataillon in seine Gamisonsorte ab. Mit 14. Jänner waren die neuen organischen Bestimmungen für die „Armee im Felde" erschienen. In diesem Jahre wurden die Ersatzreservisten das erstemal zur achtwöchentlichen Ausbildung einberufen. Bis nun wurden dieselben nach der Assentierung beurlaubt und genossen im Frieden keine mili- tärische Ausbildung. 1885. Mit A. h. E. vom 26. März erfolgte die Eintheilung des Obstlts. Paul Pucherna des Generalstabs-Corps, unter Belassnng in demselben^ zum Regimente. Mit A. h. E. vom 29. März wurden ernannt: Der Obst, und Regi- ments-Commandant Paul Bernnart zum Gommandanten der 31. Infanterie- Brigade und der Obst. Rudolf Ritter von Friess zum Regiments-Com- mandanten. Rudolf Ritter von Friess wurde als Sohn eines Gutsbesitzers am 7. Februar 1834 in Graz geboren. Am 20. September 1844 in die Theresianische Militär -Akademie zu Wr. -Neustadt eingetreten, wurde er am 15. August 1851 als Lt. 2. Cl. zum Lin.-Inftr.-Rgnite. Großfllrst Michael Nr. 26 ausgemustert, rückte 1854 zum Lt 1. Cl. vor und avancierte, nach Absolvierung der Kriegsschule, am 11. Juli 1859 zum Hptm. 2. Cl. im GQSt. Am 1. Juni 1860 erfolgte seine Über- setzung zum Feldjäger-Bataillon Nr. 14, im Jahre 1864 die Vorrückung zum Hptm. 1. CL, im selben Jahre die Transferierung zum 21. , am ERZHERZOG SIGMUND. 411 5. Juni 1866 zum combinierten 37., am 16. August 1866 zum 29., end- lich am 1. Mai 1869 zum 27. Feldjäger-Bataillon. Am 1. November 1875 wurde Friess zum Mjr. beim Lin.-Inftr.- Rgmte. Freiherr von Philippovi^^ Nr. 35, am 1. Mai 1880 zum Obstlt. im selben befördert und am 16. Mai d. J. zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Erz- herzog Sigmund Nr. 45 übersetzt. In diesem Regimente wurde er am 1. Mai 1884 Obst, und mit A. h. E. vom 3. April Gommandant desselben. Mit A. h. E. vom 16. October 1889 wurde Friess zum Comman- danten der 57. Infanterie-Brigade unter vorläufiger Belassung in seiner innehabenden Charge ernannt. Am 1. Mai 1890 zum GM. befördert, trat er am 1. Mai 1891 auf sein Ansuchen in den Ruhestand. Friess machte die Feldzüge 1859 und 1866 in Italien, dann die Bekämpfung des dalmatinischen Aufstandes 1869 mit und erhielt zufolge A. h. E. vom 18. Juli 1866 für seine Verdienste in der Schlacht von Custoza das Militär -Verdienstkreuz (KD.), endlich mit der A. h. E. vom 11. Jänner 1870 für seine hervorragend tapferen Leistungen bei den militärischen Operationen in Dalmatien die belobende Anerkennung und infolgedessen die Berechtigung zum Tragen der im Jahre 1890 neu gestifteten Militär- Verdienst-Medaille am Bande des Militär- Ver- dienstkreuzes. GM. von Friess starb in Graz am 29. Mai 1894. Am 9. August marschierte das Regiment zu den größeren Übungen nach Wien, von wo es am 31. August zu den dreitägigen Schluss- manövern zwischen dem 2. und 14. Corps bei St. Polten abgieng. Das 4. Bataillon nahm an den Übungen in der Truppen-Division bei Przemysl theil. Mit A. h. E. vom 31. Mai wurde dem Hptm. Rudolf Kuhn in Anerkennung hervorragender Verdienste bei Einleitung und Durchführung der Katastral- Aufnahme im Occupations -Gebiete das Militär -Verdienst- kreuz verliehen. 1886. Schon im Monate März kam dem Regimente der Befehl zu^ dass es nach Schluss der größeren Waffenübungen nach Przemysl verlegt werde. — Obwohl ein beglückendes Gefühl das ganze Regiment durchzuckte bei dem Gedanken, demnächst die heimatliche, wenngleich rauhe Scholle zu betreten, so that es doch jedem einzelnen weh, die 412 ERZHERZOG SIGMUND. trauten und schönen Gefilde Niederösterreielis, das Herz der Monarchie zu verlassen. Am 1. August traf das Regiment zu den Übungen mit gemischten Waffen im Lager bei Brück a. d. Leitha ein. Nach IStiigigem Auf- enthalte daselbst rltckte es nach Wien, um dort bis 4. September an den Übungen in der Truppen-Division theilzunehmen. Das 4. Bataillon machte die Übungen in der Zeit vom 10. August bis 5. September bei Przemysl und dann vom 9. bis 14. September die Corps-Manöver bei Sambor mit, von wo es dann in seine neue (Jarnisou Przemysl einrückte. Am 17. September verließ das Regiment die Stationen Krems und Langenlois und traf am 19. September mit dem 2. und 3. Bataillon in Przemysl ein. Das 1. Bataillon gieng direct nach Sanok ab. Das Regiment trat in Przemysl in den Verband der 24. Infan- terie-Truppen-Division, beziehungsweise der 47. Infanterie-Brigade. Sofort nach dem Einlangen des Regimentes in Przemysl wurden die 5. und 6. Compagnie in das Lagerfort Werner Nr. XII detachiert. Mit A. h. E. vom 24. October wurden befördert: Der Mjr. Johann Mudra zum Obstlt. beim Lin.-Inftr. -Rgmte. Georg Prinz von Sachsen Nr. 11 und der Hptm. 1. Cl. Oswald Rabel des Lin.-Inftr.- Rgmts. Graf Auersperg Nr. 40 zum Mjr. im Regimente. Mit 1. Jänner wurde der Subsistenz-Beitrag flir die Officicre vom Hauptmann 2. Cl. abwärts systemisiert. 1887. Mitte Jänner erhielten die bisher mit dem Feuergewehr ausgerüsteten Feldwebel den Officierssäbel und den Revolver. Mit 23. März wurden die Compagnie-Munitions- Wägen M. 1886 eingeführt. Am 25. April begieng der General-Inspector des k. k. Heeres FM. Erzherzog Albrecht sein sechzigjähriges Dienstjubiläum. Aus diesem Anlasse erließ Seine Majestät der Kaiser einen Armee- Befehl, in welchem er dem greisen Sieger von Custoza seinen Dank für die geleisteten ruhmvollen Dienste aussprach und ihn seiner vollen Huld versicherte. Mit A. h. E. vom 26. April erfolgte die Befcirderung des Obstlts. Eduard Pu eher na zum Obst, im Lin.-Inftr.-Rffmte. Ritter von KeesNr. 85 ERZHERZOG HIGMUND. 41 o mit Belassung im Generalstabs-Corps und des Hptms. 1. Cl. Robert Weiss des Lin.-Inftr.-Rgmts. Freiherr von Ringelsheim Nr. 30 zum Mjr. im Regimente, mit der A. h. E. vom 8. Mai wurde derselbe zu seinem früheren Regimente rück versetzt. An dessen Stelle wurde dem Hptm. 1. Cl. Anton Hrubik interimistisch das 3. Bataillons-Commando ver- liehen. Am 29. Juni traf Seine k. k. Hoheit der durchlauchtigste Kronprinz FML. Erzherzog Rudolf mit Hochdessen Gemahlin Erzherzogin Stefanie in Przemysl ein und nahm am folgenden Tage über die gesammte Garnison eine Revue ab. Über das Aussehen und die Haltung der aus gerückten Truppe sprach Seine k. k. Hoheit Hcichstdessen volle Zu friedenheit aus. Am 9. August wurde das 1. Bataillon zu den Übungen l)ei Przemysl herangezogen und kehrte am 4. September wieder nach Sanok zurück. Nachdem im Laufe des Jahres das im Lagerfort Werner detachierte Halbbataillon des Regimentes abgelöst wurde, erhielt das Regiment den Befehl, unter Einziehung der Detachierung in dem eben bezeichneten Fort, 2 Compagnien als Besatzung ins Lagerfort Hurko Nr. XIV, 1 Compagnie ins Lagerfort Siedliska Nr. I und 1 Compagnie ins Lagerfort Pratkowce Nr. VH zu geben. Das 4. Bataillon hatte diese Dislocation anzunehmen. Am 13. October wurde Oblt. Johann Puchyr über seine eigene Bitte von der Dienstleistung des Regiments-Adjutanten enthoben und demselben für seine durch volle 8 Jahre — mit vollster Aufopferung, Hingebung, unermüdlichem Fleiß und stets richtig bewahrten Takte — geleisteten Dienste, vom Regime nts-Commando, im Namen des Aller- höchsten Dienstes, der Dank und die vollste Anerkennung ausgesprochen Laut A. h. E. vom 18. October wurde die Neubevvaffnung der Fußtruppen mit dem Repetier-Gewehre M. 1886 (System Männlichen angeordnet. Mit A. h. E. vom 27. October traten folgende Personal- Verände- rungen im Regimente ein: Obstlt. Dominik Giunio wurde zum Obst., die Hptlte. 1. Cl. Anton Hrubik und Josef Dwofak, letzterer des Lin.-Inftr.-Rgmts. Freiherr von Bouvard Nr. 74, wurden zu Mjrn. befördert; 414 ERZHERZOO SIGMUND. endlich wurde der Mjr. Julius Hoser zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Freiherr von Abele Nr. 8 übersetzt. 1888. Am 1. Februar wechselten die Compagnien des 2. Bataillons die Dislocation mit jenen des 4. Bataillons. In Sanok verschied am 7. Februar der Mjr. Anton Hrubik: das Begräbnis desselben gestaltete sich zu einer Kundgebung allgemeiner Theilnahme von Seite der Bevölkerung. Mit A. h. E. vom 18. März wurde Seine k. k. Hoheit der durch- lauchtigste Kronprinz FML. Erzherzog Rudolf zum General-Infanterie- Inspector ernannt. Mit A. h. E. vom 1], April wurde Obst. Dominik Giunio zum Commandanten des Lin.-Inftr.-Rgmts. Ritter von Rodakowski Nr. 95 ernannt. Mit A. h. E. vom 25. April wurde der Mjr. Theodor Scrabal zum Obstl. und die Hptlte. 1. Cl. Franz Lang des Lin.-Inftr.-Rgmts. Prinz Sachsen-Coburg-Saalfeld Nr. 57 und Johann Schotten- hammer des Inftr.-Rgmts. Wilhelm UL König der Niederlande Nr. 63 wurden zu Mjm. im Regimente befördert. Am 1. Juli rückten die Compagnien des 3. Bataillons in die Dis- location des 4. Bataillons, in die Werke Hurko, Siedliska und Pratkovce. Seine k. k. Hoheit der durchlauchtigste Kronprinz General- Infanterie-Inspector FML. Erzherzog Rudolf traf am 29. Juli früh zur Inspicierung der 47. Infanterie-Brigade in Przemyöl ein. Zwischen 6* 30"* und 8* 30"* früh wurde das Regiment von Seiner k. k. Hoheit en dedail am Exercierplatze von Kröwniki inspiciert und sprach Höchstderselbe zum Schlüsse seine besondere Zufriedenheit tiber das Aussehen; die Haltung und Ausbildung des Regimentes aus. An diesem Tage wiederfuhr dem Officiers-Corps des Regimentes noch die hohe Ehre, dass Seine k. k. Hoheit an der Mittagstafel in der OfBciersmesse theilnahm. Die großen Schluss-Manöver in diesem Jahre, zu welchen auch das 1. Bataillon aus Sanok beigezogen war, hatten den Charakter der Freizügigkeit und spielten sich südlich Radymno ab. ERZHERZOG SIGMUND. 415 Nach Schluss dieser Übungen verblieb das 1. Bataillon in Prze- myäl, während das 2. Bataillon nach Sanok abgieng. Am 1. October starb der Mjr. Franz Lang im Gamisons-Spitale Nr. 1 in Wien. Mit A. h. E. vom 26. October erfolgte die Beförderung der Hptlte. 1. Cl. Cleophas Sacher und August Htlttenbach zu Mjrn., ersterer im Regimente, letzterer im Inftr.-Rgmte. Graf Grüne Nr. 43. Ende November erhielt das Regiment die neuen Repetiergewehre M. 1888 (Mannlicher) mit 8 Millimeter Kaliber für Paketladung und mit Klappen-Aufsatz. Mit A. h. E. vom 19. December wurde der Obst. Johann van der Sloot des Inftr.-Rgmts. Freiherr von Ringelsheim Nr. 30 ins Regiment übersetzt; Obstlt. Theodor Scrabal erhielt die Bestimmung zum 1. Corps-Commando, an dessen Stelle übernahm der Mjr. Johann Schottenhammer das Ergänzungs-Bezirks-Commando. 1889. Am 1. Jänner starb in Sanok, vom Herzschlage getroffen, Mjr. Cleophas Sacher. Am 30. Jänner erschütterte die Nachricht von dem plötzlichen A trieben des Kronprinzen Erzherzog Rudolf die ganze Monarchie. Die Armee gab den Gefühlen ihres tiefen Schmerzes edlen und würdigen Ausdruck, wofllr der schwergeprüfte oberste Kriegsherr und Kaiser in dem Armee-Befehle vom 8. Februar derselben seinen herzlichsten Dank aussprach und sie seiner ganzen Liebe und Fürsorge versicherte. Mit 1. April übernahmen die Compagnicn des 1. Bataillons die Dislocation von jenen des 3. Bataillons in den Werken Hurko, Sied- liska und PraJ:kovce. Mit A. h. E. vom 3. April trat der Mjr. Oswald Rabel in das Verhältnis der mit Wartegebür Beurlaubten. Mit A. h. E. vom 27. April wurde der Mjr. Franz Grimm des Inftr.-Rgmts. Erzherzog Karl Salvator Nr. 77 zum Obstlt. und die Hptlte. 1. Cl. Ferdinand Siegert und Anton Marchese Paulucci delle Roncole des Inftr.-Rgmts. Nr. 11 zu Mjrn. im Regimente befördert. Mit A. h. E. vom 29. April wurde der Obst. Johann van der Sloot über sein Ansuchen in den definitiven Ruhestand versetzt. 41 G ERZHERZOG SIOMUNÜ. Wie alljährlich, so traf auch in diesem Jahre das 2. Bataillon aus Sanok zu den Regiments-Übungen in PrzemyjJl ein. üie großen Schlussmanöver fanden am 4. und 5. September im Räume zwischen Orzecho vce und Dmytrovice in Anwesenheit Seiner Majestät dos Kaisers statt. Nacli Schluss dieser Übungen kehrte das 2. Bataillon in seine Gar- nison Sanok zurück; die Compagnien des 1. Bataillons aus den Werken Ilurko, Siedliska und Pralkovce rückten nach Przemyj51 ein, dagegen wurde das 4. Bataillon in die neu erbauten Bezirks-Reserve- Huracken bei Siedliska vorlegt. Am 1. October erfolgte die Verlegung des 10. Corps-Commandos von Brtinn nach Przemysl. Im Septeml)er gelangte die dritte Auflage des Exercier-Reglements frtr die Fußtruppen zur Ausgabe Am 18. September wurde FZM. Gustav Freiherr von König zum General-Infanterie-Inspector ernannt. Mit Allerhöchstem Befehle vom 17. Oktober wurde angeordnet, dasö alle Truppen, Commanden, Behörden und Anstalten des Heeres statt der bisherigen die Benennung „kaiserlich und königlich^ anzu- nehmen und zu fuhren haben. Mit A. h. E. vom 16. October erfolgte die Ernennung des Obst, und Regiments-Commandanten Rudolf Ritter von Friess zum Com- mandanten der 57. Infanterie-Brigade und mit A. h. E. vom 26. October jene des Obstlts. und Commandanten des Feldjäger-Bataillons Nr. 30 Josef Hugelmann, unter gleichzeitiger Beförderung zum Obst, zum Commandanten unseres Regimentes. Josef Hugelmann, am 18. Juli 1841 in Baden geboren, ist der Sohn des im Jahre 1852 in Agram verstorbenen Rgmts.-Chef-Arzts. unseres Regimentes. Hugelmann trat am 11. September 1858 als Corporal in das Lin.-Inftr.-Rgmt. Graf Haugwitz Nr. 38, wurde am 22. November zum Cdt. ernannt, 1859 zum Utlt. 2 Gl. und 1 Gl. be- fördert und 1860 zum Lin.-Inftr.-Rgmte. Graf Nugent Nr. 30 tibersetzt. Im Jahre 1864 zum Oblt. befördert, rückte Hugelmann im Jahre 1867 zum Hptm. 2. Gl. vor, wurde 1873 Hptm. 1. GL und erhielt für seine langjährige, sehr ersprießliche Dienstleistung als Gompagnie-Gommandant mit A. h. E. vom 11. Februar 1880 das Militär- Verdienstkreuz. ERZHERZOG SIGMUND. 417 Am 1. November 1880 zum Mjr. befördert, wurde Hugelmann mit A. h. E. vom 11. April 1881 zum Commandanten des Feldjäger- Bataillons Nr. 30 ernannt, avancierte am 1. Mai 1887 zum Obstlt. und wurde mit A. h. E. vom 26. October 1889 auöertourlich zum Obst, befördert und gleichzeitig zum Commandanten des Regimentes ernannt. Mit A. h. E. vom 26. März 1894 wurde Hugelmann in Aner- kennung seiner hervorragenden Dienste als Regiments-Commandant der Orden der eisernen Krone 3. Cl. verliehen. Mit A. h. E. vom 29. December 1894 zum Landwehr-Infanterie- Brigade-Commandanten in Innsbruck ernannt, erfolgte am 1. Mai 1895 seine Beförderung zum GM. GM. Hugelmann hat den Feldzug gegen Dänemark 1864 und jenen gegen Preußen 1866 mitgemacht. 1890. Mit Allerhöchstem Befehl vom 12. März wurden die „Militär-V.erdienst-Medaillen" als sichtbares Zeichen der Aller- höchsten Anerkennung gestiftet. Am 1. Juli erwarb sich bei der luspiciemng durch den General- Infanterie-Inspector FZM. Gustav Freiherm von König das Regiment die vollste Anerkennung und Zufriedenheit. Gleichwie im Vorjahre traf das 2. Bataillon auch heuer Ende Juli aus Sanok in Przemyäl ein, um an den Übungen im Regimente, in der Brigade und in der Truppen-Division theilzunehmen. Am 29. und 30. August nahm das Regiment an Übungen im Festnngskriege theil, die an der Sttdfront der Lagerfestnng Przemysl durchgeführt wurden. Nach den Schlussmanövern, die am 5. und 6. September bei Drohojöw stattfanden, kehrte das oben bezeichnete Bataillon wieder in seine Garnison Sanok zurück. Um dießelbe Zeit löste das 3. Bataillon das im Baracken-Lager bei Siedliska liegende 4. Bataillon ab. Am 15. September verschied in Sanok nach langem Leiden der Mjr. und Ergänzungs-Bezirks-Commandant Johann Schottenhammer; an dessen Stelle wurde bald darauf der Mjr. Josef Dwofak zum Ergänzungs-Bezirks-Commandanten ernannt. Ri^fl^imenUfOHchichtc. 27 418 ERZIIKBZOG Sir.MlXD. Mit 1. November wurden zu Mjrn. im Kegimente die Hptlte. 1. C\. Julius Dubsky des Inftr.-Rgmts. Freiherr von Merkl Nr. 55 und Anton Mayr des Inftr.-Regmts. Freiherr von Joelson Nr. 93 befördert. Mit A. h. E. vom 31. Oetober wurde derMjr. Ferdinand Siegert in den Ruhestand versetzt. Am 10. März wurde die neue Schieß-Instruction an die Truppen ausgegeben. 1891. Im Laufe des Sommers dieses Jahres inspicierte Seine k. u. k. Hoheit der Herr Gener.il-Inspeetor des Heeres FM. Erzherzog Albrecht und der General-Infanterie-Inspector FZM. Gustav Freiherr von König das Regiment und erntete dasselbe hiebei Worte der An- erkennung und Zufriedenheit. Die Schlussmanöver, an denen das ganze Regiment theilnahm, spielten sich im Räume zwischen Przemysl und Jaroslau ab und dauerten vom 1. bis 5. September. Nach Beendigung derselben rtlckten das 3. Bataillon nach Sanok und das 1. Bataillon nach Sicdliska zur Ablösung des, 2., beziehungsweise des 3. Bataillons. Am 1. November erfolgte die Beförderung des Obstlts. Franz Grimm zum Obst, im Regimente. Am 15. December vorschied in Wien Seine k. u. k. Hoheit der FML. Erzherzog Sigmund. Durch diesen erschlltternden Todesfall verlor das Regiment seinen Oberst-Inhaber, dessen Namen dasselbe fast durch 45 Jahre mit Stolz getragen. Im Frieden und im Kriege, wo immer das Regiment gestanden, welch immer Schicksale dasselbe getroflFen, stets schenkte der hohe Herr dem Regimente seine warme Theilnahme und väterliche Fürsorge, die — wie das Testament des hohen Verblichenen es gezeugt — selbst U])er das Grab hin sich erstreckte und hiedurch Seine k. u. k. Hoheit ewige Dankbarkeit und Erinnerung im Regimente sicherte. * über Allerhöchsten Befehl Seiner Majestät begab sich zu den Begräbnisfeierlichkeiten eine Deputation des Officiers-Corps, mit dem Regiments-Commandanten Obst. Hügel mann an der Spitze, nach Wien, während in Przemysl am Begräbnistage, dem 18. December, in der Kathedrale ein feierliches Todtenamt al)gehalten wurde, dem das gc- sammte Officiers-Corps der Garnison anwohnte. PRINZ FRIEDRICH AUGUST HERZOG ZU SACHHEX. 419 Am 19. December erhielt das Regiment die Verständigung, dass, laut des am 18. December eröflFncten, — in Gmünd im Jahre 1890 von Weiland Seiner k. u. k. Hoheit dem Herrn FML. Erzherzog Sigmund verfassten — Testamentes, Höchstderselbe fttr das seinen Namen tragende Kegiment 10.400 Gulden zur Gründung einer Stiftung hinterlassen habe. Nach dem am 14. Mai 1892 vom k. u. k. Reichs-Kriegs-Ministerium ausgefertigten Stiftbriefe ftihrt diese Stiftung den Namen „Erzherzog Sigmund-Stiftung". Mit den jährlichen Interessen werden hilfs- bedürftige Ofßciere und besonders ausgezeichnete Personen des Mann- schaftsstandes betheilt, und zwar sind für erstere */4> fttr letztere ^,\ derselben bestimmt. Das Verleihungsrecht hat der jeweilige Regiments- <'ommandant. 1893. Am 1. März wurde der Commandant des Feldjäger-Bataillons Nr. 22 Mjr. Heinrich Weinhofer zum Regimente transferiert. Das Mai-Avancement brachte zahlreiche Personal-Veränderungen. Mit A. h. E. vom 27. April wurde der Mjr. Josef Dwofak zum Obstlt. und der Hptm. 1. Gl. Anton Schneider des Feldjäger-Bataillons Nr. 8 zum Mjr. im Regimente befördert. Mjr. Anton Marchese Paulucci delle Roncole wurde mit A. h. E. vom 20. April in den Activstand der k. k. Landwehr übersetzt; Mjr. Julius Dubsky endlich trat infolge A. h. E. vom 12. April in das Verhältnis der mit Wartegebttr Beurlaubten. Am 19. Mai wurde dem Oblt. Franz Teplitzky — anlässlich seiner Enthebung von dem Dienste des Regiments- Adjutanten — für seine mehr als vierjährige, sehr ersprießliche, rastlose, oft aufopfernde Thätigkeity vom Regiments-Commando namens des Allerhöchsten Dienstes der Dank und die besondere Anerkennung ausgesprochen. In der Zeit vom 8. bis 13. August betheiligte sich das Regiment an den, unter der Oberleitung Seiner k. u. k. Hoheit des Herrn General- Inspectors des Heeres FM. Erzherzog Albrecht durchgeführten Festungs- Manöver an der Südfront der Lagerfestung Przemyäl. Die größeren Manöver, welche zwischen dem 10. und 11. Corps stattfinden sollten, wurden wegen der Cholera-Gefahr in letzter Stunde abgesagt. — Infolgedessen rückte schon am 24. August das zu den Übungen aus Sanok eingetroffene 3. Bataillon wieder in seine Gar- nison ab. 27* \ 420 PBIXZ FRIEDRICH AUC^UST HERZOG ZU SACHSEN. Am 5. September löste das 4. Bataillou das 1. Bataillon im Barackenlager von Siedliska ab. Am 18. August wurde auf der Kosevac-Höhe bei Slankamen ein weithin sichtbares Denkmal enthttllt, das den gegenwärtigen und nachkommenden Geschlechtern den Bnbm des glorreichen Sieges vom 19. August 1691 verkünden soll. Auch unser Regiment gehört zu jenen 18 Regimentern, deren Vor- fahren einst und zwar in hervorragendster Weise den herrlichen Sieg miterkämpft haben. Darum glänzt sein Name auch auf dem schönen Denkmal dort in der fernen Grenzmark, ein später, aber verdienter Lohn fUr die Helden von damals — Ehre Ihnen — Ansporn uns! Mit A. h. E. vom 5. October geruhten Seine Majestät der Kaiser Seine königliche Hoheit den Prinzen Friedrich August, Herzog zu Sachsen, zum Oberst-Inhaber des Regimentes zu ernennen. Sofort nach dem Eintreffen dieser für das Regiment so freudigen Nachricht richtete der Regiments-Commandant Oberst Hugelmann an Seine königliche Hoheit, den Oberst-Inhaber^ ein BegrttDungs-Telegramm. Höchstderselbe beantwortete dieses telegraphisch wie folgt: „Herzlichen Dank für das freundliche Telegramm. Ich bin stolz, Inhaber eines so altehrwflrdigen Regimentes zu sein und sende dem Regimente die herzlichsten, kameradschaftlichen Grüße. * Prinz Friedrich August, Herzog zu Sachsen." Friedrich August (Johann Ludwig Karl Gustav Gregor Philipp), Herzog zu Sachsen^ königliche Hoheit, wurde am 25. Mai 1865 in Dresden als ältester Sohn Seiner königlichen Hoheit des General-Feld- marschalls Prinzen Georg, Herzogs zu Sachsen, und der verewigten Prinzessin Maria Anna, geb. Infantin von Portugal, geboren. Am 25. Mai 1866 wurde derselbe zum Chef der damaligen 2. Infan- terie-Brigade, dann des aus ihr hervorgegangenen 5. Lin.-Inftr.-Rgmt8. Nr. 104 ernannt. Die Erziehung im elterlichen Hause genoss derselbe unter specieller Leitung des Hptms. Freiherrn von 0er. Fnri/, Fned;iL-lL Auguül ntrzv.i; :^u 5aci\3eii sei; :S92 » , t / PRINZ FRIEDRICH AUGUST HERZOG ZU SACHSEX. 421 Am 15. Mai 1877 zam Second-LientenaDt ernannt, hatte derselbe 7.U Ostern 1883 die dem Gymnasial-Abitnrienten-Examen gleichkommende Prtifung mit Auszeichnung bestanden. Am 1. April desselben Jahres erhielt Prinz Friedrich August den Mjr. von der Pia nitz als „militäri- schen Begleiter^. Ende März 1884 rückte Höchstderselbe zur activen Dienstleistung beim 1. (Leib-) Grenadier-Regiment Nr. 100 ein und wurde am 19. September 18£fs( zum Premier-Lieutenant ernannt. In den Jahren 1884 bis 1886 besuchte Prinz Friedrich August die Universitäten zu Strassburg und Leipzig zwecks juristischer oind cameralistischer Studien. Im Sommer 1886 trat Höchstderselbe eine mehrmonatliche Reise nach Österreich-Ungarn, Serbien, England und Schottland an, besuchte sodann die deutschen Kriegshäfen Wilhelmshafen und Kiel und wurde vom Herbst 1886 bis 1887 zur Dienstleistung beim 1. Husaren-Regiment Nr. 18 in Grossenhain bestimmt Am 16. September 1887 erfolgte seine Befördierung zum Hptm., der bald darnach die Ernennung zum Compagnie- Chef und die Eintheilung in das 1. (Leib-) Grenadier- Regiment Nr. 100 folgte. Nach vorausgegangener mehrmonatlicher Dienstleistung beim 1. Feldartillerie-Regiment Nr. 12 wurde Prinz Friedrich August am 23. Juli 1889 zum Mjr. befördert und mit der Führung des 3. Bataillons •des 1. (Leib-) Grenadier-Regiments Nr. 100 beauftragt. Am 16. Qc tober 1889 unternahm Höchstderselbe eine siebenmonat- liche Reise nach den Mittelmeerländern Italien, Spanien, Marocco, Egypten, Klein-Asien (mit Palästina), Griechenland, Türkei, Rumänien. Von Anfang Juni bis Ende September 1890 dem Garde-Reiter- Regimen te zur Dienstleistung zugetheilt, übernahm der Prinz am l.Octobor 1890 das Commando des 1. Bataillons des Schützen-(FUsilier-)Regimentes Prinz Georg Nr. 108. Am 22. Juni 1891 erfolgte in Lindau die Verlobung mit Ihrer k. u. k. Hoheit der Frau Erzherzogin von Osterreich Louise (Antoinettc Maria) — der am 2. September 1870 geborenen ältesten Tochter Seiner k. u. k. Hoheit des Herrn Erzherzogs Ferdinand IV., Großherzogs von Toscana und dessen zweiter Gemahlin Alice, geb. Prinzessin von Bourbon-Parma, — welcher am 21. November 1891 die Trauung durch den Cardinal Gruse ha in der Hofburg-Pfarrkirche in Wien folgte. 22 PRINZ FRIEDRICH AUOUKT HERZOG ZU 8ACH8EN. Am 23. November 1891 hielten die Neuvermählten den feierlichen Einzug in Dresden. Nach der Vermählung geruhte Seine Majestät den Prinzen am 19. November 1891 zum Mjr. im Dragoner-Regimente König Albert von Sachsen Nr. 3 zu ernennen, welcher Ernennung am 3. Jänner 1892 jene zum Obstlt. folgte. Am 18. December 1891 wurde der Prinz zum Obstlt., am 22. Sep- tember 1892 zum Obst, befördert und zum Commandeur des Schützen- (Füsilier-) Regimentes Prinz Georg Nr. 108 ernannt. Mit A. h. E. vom 5. October 1892 erfolgte seine Ernennung zum Oberst-Inhaber unseres Regimentes. Am 27. Jänner 1893 wurde Höchstderselbe zum Obst ä la suite des in Großlichter felde garnisonierenden königlich preußischen Garde- Schützen-Bataillons ernannt. Am 20. September 1894 rückte der Prinz unter Belassung ä la suite des 1. (Leib-) Grenadier-Regimentes Nr. 100 und des 1. Königs- Husaren-Regimentes Nr. 18 zum GM. und Commandeur der 1. Infanterie- Brigade Nr. 45 vor und wurde mit Wahrnehmung der Geschäfte des Inspecteurs der Unterofficierschule und der Unteroflficiervorschule beauftragt. Am 28. September 1894 erfolgte seine Ernennung zum königl. preußischen GM. k la suite des Garde-Schützen-Bataillons. Prinz Friedrich August ist Ritter des Ordens vom goldenen Vliese und besitzt das Großkreuz des St. Stephans -Ordens. Von organisatorischen Änderungen wäre zu erwähnen: Am 12. März wurden statt der bisherigen 3 Stück Victualien- säckchen per Garnitur deren 7 Stück per Garnitur eingeftlhrt, welche von 1 bis 6 (von Nr. 1 zwei Stück) bezeichnet sind. Die Victualien- Jäckchen Nr. 1, 2 und 6 sind — weil ftlr die Reserveverpflegung be- stimmt — mit „R" bezeichnet. Am 15. April wurde die Umgestaltung der Arzneitaschen bei der Infanterie Jn Medicamenten- und Verband-Tornister angeordnet. 1893. Mit A. h. E. vom 26. April wurden befördert: Der Mjr. Anton Hell des Inftr.-Rgmts. Galgötzy Nr. 71 zum Obstlt. im Regi- mente, die Hptlte. 1. Cl. Ludwig Uhle, Commandant der Infanterie- PRIKZ FRIEDRICH AIT(U:RT HERZOG ZU SACHREN. 423 Cadetteaschulc zu Lobzow, mit Belassnng in seiner Dienstesverwendung und Franz Fabrick zu Majoren. Ersteror im Regimente, letzterer im Inftr.-Rgmte. Heinrich Prinz von Preußen Nr. 20. Mit A. h. E. vom 21. April wurde der Obst. Franz Grimm über sein Ansuchen in den wohlverdienten Ruhestand versetzt und demselben bei diesem Anlasse in Anerkennung seiner langen, ersprießlichen Dienstleistung der Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit bekannt gegeben. Die im Vorjahre abgesagten Manöver gelangten in diesem Jahre in der Zeit vom 4. bis 7. September zwischen dem 10. und 11. Corps unter der Oberleitung Seiner k. u. k. Hoheit des Herrn FM. Erzherzog Albrocht und in Anwesenheit Seiner Majestät des Kaisers bei Krako- ws iec zur Durchfuhrung. Nach Schluss dieser Übungen marschierte das 4. Bataillon nach Sanok, während das 1. Bataillon in das Barackenlager bei Siedliska abgieng. Im Monate November wurde dem bisherigen Ergänzungs-Bezirks- Commandanten Obstlt. Josef Dwofak das 3. Bataillons-Commando verliehen; an dessen Stelle wurde der Mjr. Anton Mayr zum Ergän- zungs-Bezirks-Commandanten ernannt. In dieses Jahr fällt die pjinftlhrung und Anwendung des rauch- schwachen Pulvers bei den Handfeuerwaflfen; die Systemisierung zweiter Brodsäcke aus Segelleinwand für das Personalgepäck der Bandagen- träger, OfBciersdiener und Ileli konträger; die Änderung in der Adju- stierung der Büchsenmacher, Oflficiersdiener und Pferdewärter; endlich die Einführung einer tragbaren Zeltausrdstung fttr die Infanterie. Diese besteht aus einem Zeltblatte und 3 Zeltpflöcken. Aus 2 oder mehreren Zeltausrüstungen wird ein Zelt zusammengestellt. Mit A. h. E. vom 11. October wurde der Mjr. Ludwig Uhle zum Inftr.-Rgmte. Erzherzog Ludwig Salvator Nr. 58 transferiert, vom Commando der Infanterie-Cadettenschule zu Lobzow enthoben und demselben in Anerkennung seiner bisherigen^ sehr ersprießlichen Dienste das Militär -Verdienstkreuz verliehen. Am 21. October wurde angeordnet, dass den Assentierten nach ihrem Einrtlcken zum Präsenzdienste am 1. November, beziehungsweise am 1. Mai der Eid in feierlicher Weise nochmals abzunehmen sei. 424 PRINZ FRIEDRICH AUGUST HERZOG ZU SACHSEN. 1894. Mit A. h. £. vom 26. März wurde dem Regiments-Com- mandanten Obst. Josef Hugelmann, in Anerkeniinng seiner henror- ragenden Dienstleistung als Regiments-Gommandant, der Orden der Eisernen Krone 3. Gl. mit Nachsicht der Taxen verliehen. Mit 1. April erfolgte beim Rcgimente die Annahme des normalen höheren Friedensstandes. Infolge dessen erhöhte sich per Gompagnio der Stand um 1 Gorporal^ 2 Gefreite und 6 Infanteristen. Am 7. April starb in Sanok der Erglinzungs-Bezirks-Gommandant Mjr. Anton Mayr und wurde au dessen Stelle der Hptm. 1. Gl. Franz Mazour zum Ergänzungs-Bezirks-Gommandanten ernannt. Am 1. Mai wurde der Mjr. Heinrich Wein hofer zum Obstlt. befördert. Das Regiment wurde in der Zeit vom 31. August bis 1. September dem Schlussmanöver zwischen Przemy^l und Rzeszöw beigezogen, worauf das 4. Bataillon wieder nach Sanok zurückkehrte und das 2. Bataillon zur Ablösung des 1 Bataillons in das Barackenlager bei Siedliska abgieng. Mit A. h. E. vom 24., beziehungsweise 25. September erfolgte die Versetzung der Obstlt. Anton Hell und Josef Dwofak auf ihr An- suchen unter Bekanntgabe der Allerhöchsten Zufriedenheit in den Ruhe- stand: letzterer erhielt hiebe! noch den Obst.-Gharakter ad hon. Mit A. h. E. vom 27. October wurden befördert und in das Regi- ment übersetzt: Obstlt. Alfons Dragoni Edler von Rabenhorst des Inftr.-Rgmts. Georg L, König der Hellenen, Nr. 99 zum Obst, und Hptm. 1. Gl. Ferdinand Neuwirth des Inftr.-Rgmts. Freiherr von Öoköevi6 Nr. 78 zum Mjr. Mit A. h. E. vom 29. December wurde Obst. Josef Hugel- mann zum Landwehr-Infanterie-Brigade-Gommandanten in Innsbruck und Obst. Alfons Dragoni Edler von Raben hörst zum Gommandantcn des Regimentes ernannt. Alfons Dragoni Edler von Rabenhorst, einer altadeligen italie- nischen Familie entstammend, die im Jahre 1873 in den österreichischen Adelstand erhoben wurde, ist der Sohn eines MJrs. und wurde am 20. December 1843 in Lemberg geboren. Seine militärische Erziehung erhielt Dragoni in dem bestandenen Gadetten - Institute in Hainburg und der Theresianischen Militär - Akademie in Wr.-Neustadt, aus PRINZ FRIEDRICH AUGU8T HERZOG ZU SACHSEN. 425 welcher er am 1. September 1862 als Lt. minderer Geblir zum Feld- jäger-Bataillon Nr. 14 ausgemustert wurde. Am 1. Mai 1864 zum Feld- jäger-Bataillon Kr. 12 übersetzt, erfolgte im Jahre 1866 seine Vor- rliekung zum Lt. höherer Gebür. Dragoni war Frequentant der Kriegsschule, wurde nach Absol- vierung derselben im Jahre 1870 dem Generalstabe zugetheilt und in demselben vielfach verwendet, so im Evidenz- und im Bureau fttr mili- tärische Beschreibung des Auslandes, als Brigade-Generalstabs-Officicr, in der 5. und 10. Abtheilung des Reichs - Kriegs - Ministeriums, bei der 36. Infanterie-Truppen-Division und als provisorischer Generalstabs-Chef bei derselben, bei der Militär-Mappierung, endlich auf dem Posten eines zweiten StabsofiSciers beim 7. Corps-Commando. Am 1. Mai 1872 zum Oblt., 1876 zum Hptm. 1. CI. im General- «tabs-Corps befördert, wurde Dragoni im Jahre 1883 zum Inftr.- Rgmt. Freiher von Scudier Nr. 29 eingetheilt, am 31. Mai 1885 zur k. k. Landwehr übersetzt und gleichzeitig zam Commandanten des Landwehr-Infanterie-Bataillons Tarn 6 w Nr. 53 ernannt. Am 1. November desselben Jahres erfolgte tlber seine Bitte seine Rückversetzung in das k. u. k. Heer mit der Eintheilung zum Inftr.-Rgmt. Prinz zu Hohenlohe- Schillingsfürst Nr. 87. Mit A. h. R vom 24. October 1886 wurde Dragoni außer der Rangstour zum Mjr. befördert und gleichzeitig zum Commandanten des Feldjäger-Bataillons Nr. 32 ernannt, am 1. November 1891 zum Obstlt. beim Inftr.-Rgmt. Georg L, König der Hellenen Nr. 99, endlich am 1. November 1894 zum Obst, im Inftr.-Rgmt Prinz Friedrich August Herzog zu Sachsen Nr. 45 befördert. Mit A. h. E. vom 29. December d. J. erfolgte seine Ernennung zum Commandanten dieses Regimentes. Obst. Dragoni hat den Feldzug im Jahre 1866 gegen Preußen mitgemacht und wurde in der Schlacht bei Königgrätz während des Rückzuges, gelegentlich des Rücktransportes seines schwerverwundeten Commandanten, selbst verwundet. Dragoni war auch mehrfach auf militär - literarischem Gebiete thätig; seine bedeutendsten Publicationen sind: „Strategische Betrach« tungen über den deutsch-französischen Krieg 1870/71" und „Strategische Betrachtungen über den serbisch-bulgarischen Krieg 1885". 426 PRINZ FRIEDRICH AU(U'8T HERZOG ZU 8ACH8EN. Von organisatorischen Änderungen fällt in dieses Jahr: Der Stabsofficierscars wurde mit Ende des zweiten Turnus auf- gelassen. Die auf die Beförderung zum Major aspirierenden Hauptleute haben vom Jahre 1895 angefangen den Nachweis der Kenntnisse durch eine Prttfung zu erbringen. Am 30. Mai erhielten die Pionniere der Infanterie eine neue Aus- rüstung. Am 8. October erfolgte die Einführung von gewirkten Handschuhen aus dunkelbrauner Schafwolle mit einem Zwilchbesatz an der inneren Handfläche für die Mannschaft Von den Unterofficieren werden die ledernen Handschuhe im Dienste nur dann getragen, wenn die übrige Mannschaft mit gewirkten Handschuhen nicht bekleidet ist. Am 22. November wurde eine Neuauflage des V. Abschnittes vom I. Theile der Instruction fttr die Truppenschulen des k. u. k. Heeres, betreffend y,die instructive Beschäftigung der Officiere und Cadetten^, und des Anhanges zu der Instruction fllr die Truppenschulen des k. u. k. Heeres, betreffend die „Aufstellungen von Corps-Officiersschulen", am Sitze eines jeden Corps-Commando ausgegeben. 1895. Am 18. Februar schloss nach kurzer Krankheit der rühm- gekrönte unsterbliche Sieger von Custozza Seine k. u. k. Hoheit der FM. Erzherzog Albrecht auf seinem Schlosse in Arco die Augen. Mit A. h. E. vom 8. Jänner wurde der Mjr. Adolf Köni^ des Inftr.-Rgmts. Prinz zu Hohenlohe-Schillingsfttrst Nr. 87 zum Uegimentc transferiert. Mit A. h. E. vom 27. April wurden die Hptlte. 1. Cl. Franz Mazour und Peter Drozdowski, letzterer des Inftr.-Rgmts. Prinz zu Windischgraetz Nr. 90, zu Mjrn. im Regimente befördert Obstlt. Heinrich Weinhofe r wurde zum Stabsofficier für besondere Ver- wendungen bestimmt. Am 16. August traf der General-Truppen- Inspector FZM. Anton Freiherr von Schönfeld in Przemyfil ein und wohnte mehreren Übungen, sowie der Parade-Ausrückung am Geburtsfeste Seiner Majestät des Kaisers und Königs bei. — Er nahm zu wiederholten Gelegenheiten Anlass, sich besonders belobend ttber das Aussehen, die Haltung und die Manövriertüchtigkeit des Regimentes auszudrücken. PRINZ FBIEDRICU AUGUST HERZOG ZU 8 ACHSEN. 427 Die Manöver in diesem Jahre fanden am 6. und 7. September ihren Abschluss in einem Manöver zwischen der 2. und 24. Infanterie- Tmppen-Division bei Tapin, worauf statt des 4. Bataillons das 1. Bataillon nach Sanok und statt des 2. das 3. Bataillon in das Barackenlager bei Siedliska abgieog. Der Oblt. Rgmts.-Adjt. Wenzel Ort musste infolge seiner Rang- stellung von dieser Dienstleistung enthoben werden, weshalb diesem Officier vom 10. Gorps-Commando — über Antrag des Regiments-Gommandos — für seine bei gründlicher Sachkenntnis mit großem Fleiße, Geschick und Ausdauer durch 3 Jahre geleisteten vorzüglichen Dienste, namens des Allerhöchsten Dienstes, die vollste Zufriedenheit ausgesprochen wurde. Desgleichen wurde dem Oblt Valerian Ritter Witwicki von Wasylkowicz fllr sein umsichtiges und initiatives Handeln gelegentlich einer schwierigen dienstlichen Fuuction, vom 10. Corps-Commando, namens des Allerhöchsten Dienstes, die volle Anerkennung ausgesprochen. Am 27. September begab sich eine Officiers-Deputation, bestehend aus dem Regiments-Gommandanten Obst. Alfons Dragoni Edlen von Rabenhorsty dem Mjr. Anton Schneider, Hptm. Johann Puchyr ' und Lt. Karl Foreitnik nach Wien, um Seiner k. u. k. Hoheit dem FZM. Erzherzog Rainer für das dem Officiers-Gorps gespendete Öl- gemälde weiland Seiner k. u. k. Hoheit des FML. Erzherzog Sigmund den ehrerbietigsten Dank auszusprechen. Seine k. u. k. Hoheit empfieng die Deputation in huldvollster Weise und wurde derselben die Ehre zutheil, von Höchstdemselben zur Tafel geladen zu werden. Mit A. h. E. vom 17. October erfolgte die Zutransferierung des Obst. Romulus Unczowski vom Inftr.-Rgmte. Erzherzog Eugen Nr. 41; mit der A. h. E. vom 27. October die Beförderung des Mjr. Adolf König zum Obstlt. im Regimente, endlich mit Erlass des k. u. k. Reichs-Kriegs-Ministeriums Präs. 5190 vom 21. October die Übersetzung des Mjr. Ferdinand Neuwirth in deu Armeestand. Ende November spendete Seine königliche Hoheit der Oberst- Inhaber, Prinz Friedrich August, Herzog zu Sachsen, dem Regimente Höchstdessen Bildnis. Aus Anlass der feierlichen Installierung dieses Bildnisses fand am 7. December ein großes Diner in der Officiersmesse statt, bei welcher Gelegenheit der Regiments -Gommandant, Oberst v. Dragoni, an Seine 428 PRINZ FRIEDRICH AUGUST HERZOG ZU 8ACH8EK. königliche Hoheit den Regiments-Inhaber folgendes Telegramm über- sendete: „Das OfGciers-Corps des k. n. k. Infanterie -Regimentes Kr. 45, anlässlich der Installierung des Bildnisses Höchstseines Inhabers in der Ofiiciers-Messe festlich versammelt, bringt bei den Klängen der deutschen Volkshynme ein dreimaliges begeistertes Hoch auf Seine königliche Hoheit aus." Am selben Tage abends langte an den Regiments-Gommandanten nachstehende Depesche ein: „Sende meinem Regimente herzlichsten kameradschaft- lichen Dank für freundlichen Gruß; hoffentlich gefällt das Bild allen Kameraden! Ein donnerndes Hurrah dem braven 45. Regiment. Friedrich August, Herzog zu Sachsen." In dieses Jahr fällt: Am 15. März die Creierung von 2 General-Truppen-Inspectoren zur Beobachtung eines einheitlichen Ausbildungsvorganges, sowie zur Beurtheilung der erreichten Ausbildung, der militärischen Brauchbarkeit der Truppe und ihrer Ftthrer. Dieselben sind höhere Generale und Organe der obersten Heeresleitung, in persönlicher Beziehung aber Seiner Majestät dem Kaiser unmittelbar untergeordnet Am 15. März erfolgte die Ausgabe der dritten Auflage der Schieß* Instruction fUr die Infanterie und Jägertruppe. Am 29. März wurde angeordnet, dass die Stiefelhose und die hohen Stiefel von allen Officieren, fbr welche bisher fär Ausrtlckungen en parade zu Pferde die Pantalons normiert waren, zu tragen sind. Am 20. April erfolgte die EinfUhrung eines Deckelwagens M. 1888 als Werkzeuo'wagen beim Train der Infanterie-Regimenter an Stelle des Deckelwagens M. 1867/80. Am 3. August erschien eine Neuauflage der „organischen Bestim- mungen fllr die Infanterie''. Nach diesen wurden 1 Stabsofficier und ein zweiter Hauptmann für „besondere Verwendungen" systemisiert, endlich die Zahl der Ärzte vom 5 auf 6 erhöht. Sämmtliche Haupt- leute sind beritten, per Compagnie wurde ein dritter SubalternofBcier systemisiert. PRINZ FRIEDRICH AUGUST HEBZOG ZU SACHSEN. 429 Am 17. December erfolgte die AasrUstung der Infanterie mit Beil- picken. Für jede Compagnie warden 16 Stück normiert, dagegen der Sollbestand an Infanterie-Spaten nm die gleiche Anzahl redacicrt. 1896. Mit A. b. £. vom 12. Februar warde der Obst. Romnlus Unczowski über sein Ansuchen unter Bekanntgabe des Ausdruckes der Allerhöchsten Zufriedenheit in den Buhestand versetzt. Mit A. h. E. vom 26. April wurde der Hptm. 1. Gl. Johann Schraml des Fel(^äger-Bataillons Nr. 4 zum Mjr. im Regimente ernannt. Der für das Wohl des Regimentes immer thätige Obst, von Dragoni hatte in der verhältnismäßig kurzen Zeit seiner Commando- fuhrung durch Etablierung eines den Bedürfnissen des Officiers-Corps entsprechenden Menage-Locales sammt Garten und Musik-Pavillon, dann dadurch, dass es ihm gelungen, die Bildnisse aller Inhaber des Regimentes zu aquiriereU; weiters, dass derselbe gleich nach Übernahme des Com- mandos alle Verfiigungen traf, um das vorliegende Geschichtswerk ins „Werden^ zu bringen, sich schon ein bleibendes Andenken gesichert. Im Anschlüsse daran gelang es ihm — eingedenk der glorreichen Thaten des Regimentes — für dasselbe einen Gedenktag zu schaffen. Mit Erlaas des k. u. k. Reichs-Kriegs^Ministeriums Präs. Nr. 1951 vom 17. April wurde die Wahl des 6. Mai, als dem Jahrestage der Schlacht bei Santa Lucia 1848, als „Regiments -Gedenk- und Festtag" bewilligt. Nun galt es, sich für den 6. Mai, welcher in diesem Jahre zum erstenmale feierlich begangen werden sollte, festlich zu rttsten. Am 5. Mai, dem Vorabende, durchzog bei Einbruch der Dunkel- heit die Regiments-Mnsik die Stadt und trug vor den Wohnungen Seiner Ezcellenz des Corps - Commandanten FZM. Anton Galg6tzy, des Festungs-Commandanteu FML. Julian von Roszkowski, des Divisio- närs FML. Hermann Ritter von Pinter, des Brigadiers GM. Albert von Koller und des Regiments-Commandanten Obst. Alfons von Dragoni mehrere Pi6cen vor. Die Eröffnung des Festtages erfolgte durch die Tagwache mit Musik- begleitung und nahm diese die Route durch das Centrum der Stadt. Um 9* früh waren das 2., 3. und 4. Feld-Bataillon in coucentrierter Aufstellung mit Massen, Front gegen den San, am Exercierplatze 430 PRINZ FRIEDRICH AUGUlüT HERZOG ZU SACHSEN. Witcza, gegenüber dem Kapellenzelte^ geBtellt. Bald trafen die ge- ladenen Gäste ein; ringsum sammelte sich ein distinguiertes Publicum. Es war ein feierlicher und erhebender Moment, als FZM. Galgötz y, umgeben von großer Suite, unter den Klängen der Volkshymne und dem Wirbel der Tamboure, die Front des Regimentes abgieng. Nun begann die Feldmesse, zu welcher die Regiments-Musik das Messlied spielte; während des Gottesdienstes wurden die üblichen drei Dechargen abgegeben. Nachdem der celebrierende Militär-Kaplan Casimir P^^achetko der Truppe den Segen ertheilt hatte und dem commandierenden General erneuert die Ehrenbezeigung geleistet worden war, schwenkten die FlUgel-Bataillone rechtwinkelig ein, die Fahne wurde vor die Front genommen, und nun hielt der Militär-Kaplan eine den Festtag verherrlichende Ansprache an die Truppe. Hierauf richtete der Regiments-Commandant, Obst. Alfons von Dragoni, an das Regi- ment mit weithin vernehmbarer Stimme nachstehende Worte: .,214 Jahre sind es, dass unser Regiment einen Ehrenplatz in den Reihen der Armee einnimmt. Das Regiment hat in dieser Zeit in 137 Schlachten und Gefechten ruhmvoll gekämpft, geblutet und gesiegt. Der schönste Tag des Regimentes aus der neuen Geschichte aber ist der „6. Mai 1848", — der Tag von „Santa Lucia". An diesem Tage war es demselben beschieden, seine Tüchtigkeit auf das glänzendste zu bewähren. Unter den Augen eines kaiserlichen Prinzen, unseres gegenwärtig regierenden, heißgeliebten Monarchen, der in dieser Schlacht die Feuertaufe erhielt, hat das Regiment neuen, unvergänglichen Lorbeer dem alten hinzugefttgt. Soldaten! Möge der 6. Mai Euch stets ein Mahnruf sein, — ge- denket mit Stolz und Freude der alten „Sigmunder", die heute vor 48 Jahren so Hervorragendes geleistet; gedenket derjenigen, deren Ruhmosthaten durch Zeichen Allerhöchster Anerkennung und Gnade belohnt wurden; bewahrt endlieh eine treue und dankbare Erinnerung denen, die ihr Leben als Opfer ihrer Pflichttreue auf dem Felde der Ehre gelassen. So wie diese waren, so müsst auch Ihr werden. Sie folgten dieser Fahne, wenn es zum Siege ftlhrte, sie scharten sich um sie und hielten standhaft aus in schlimmen Tagen. \ PBINZ FRIEDRICH AUGUST HERZOG ZU HACHSEN. 431 So war es vom Anbeginn, und — das geloben wir einer dem andern — so wird es, so muss es bleiben in alle Ewigkeit! Soldaten des 45. Infanterie-Regimentes! An unserem heutigen Fest- und Ehrentage erneuern wnr das Gelöbnis, jederzeit einzustehen für unseren AUergnUdigsten Kaiser und Kriegsherrn bis zum letzten Athemzuge. " „Wir leben, wir sterben für unseren Kaiser!^ Diese Rede wiederholte Obst, von Dragoni in polnischer Sprache. Nun wurde vom Regiments-Gommandanten der rangälteste Unter- officier des Regimentes, Feldwebel Wolf Schimmel, vorgerufen und demselben mit einer kurzen Ansprache die Interessen der vom Officiers- Corps aus Anlass dieses Gedenktages geschaffenen Stiftung ausgefolgt. Laut Stiftbrief des Officiers-Corps wird am Jahrestage der Schlacht mit den Interessen eines Capitals von 1000 Kronen der im Regimentc am längsten dienende, dabei auch sonst brave und ttichtige dienst- führende Feldwebel l)etheilt. Das Betheilungsrecht hat der jeweilige Regimeuts-Commandant. Mit der Defiliernng vor dem Corps -Commandanten schloss die militärische Feier. Um ir 30'" vormittags fand das Festessen der Mannschaft statt. Hiezu waren in den Kasernen lange Tischreihen gedeckt. Die Mann- schaft, welche an diesem Tage ein ungewöhnlich opulentes Mittags- und Abendmahl nebst einer reichlichen Bierration erhielt, war in der frohesten Stimmung. Um 12" 30*" mittags erschien im Hofe der städtischen Infanterie- ^'othkaserne Obst, von Dragoni, umgeben vom gesammten Officiers- Corps, und brachte vor der mittlerweile sich hier gesammelten Mannschaft der 3 Bataillone einen markigen und schwungvollen Toast auf Seine Majestät den Kaiser und König aus. Feldwebel Wolf Schimmel toastiertc nun auf den Regiments-Commandanten und dieser wieder auf die Mannschaft des Regimentes. Den Höhepunkt des Tages bildete das Festbankett, welches das Ofticiers-Corps und seine Gäste in der Officiers-Messe vereinigte. Unter den Gästen war außer dem Corps-Commandanten FZM. Galg<')tzy und seinem Generalstabs-Chef Obst. Kummer noch geladen: 432 PRINZ FRIEDRICH AUGUST HERZOG ZU SACHSEN. FML. von RoBzkowski, FML. Lazich, FML. vod Fux, FML. von Pinter, die General-Majore von Varesanin, von Sochaniewicz, von Koller^ Haarmann, die Oberste von Jonak, Jnda,- von Longard, Krziwanek, Obstit. Nyiri etc. Während des Festdiners eröffnete Oberst von Dragoni die Reihe der Toaste mit einer Hnldignng Seiner Majestät des Kaisers and Königs, dem ein solcher auf den Regiments-Inhaber Prinz Friedrich August, Herzog zu Sachsen, folgte. Hierauf sprach Seine Excellenz der Corps- Commandant auf das Regiment, worauf Obst, von Dragoni auf den Commandierenden und schließlich auf alle Gäste ein Hoch ausbrachte. Nachmittags um 4'^ fand im festlich decorierten Hofe der städtischen Infanterie-Nothkaserne unter Anwesenheit des OfiSciers-Corps, seiner hohen Gäste und zahlreicher Officiers-Familieu eine Belustigung der Mannschaft statt. Hiemit schloss dieser, jedem Regiments-Mitgliede denkwürdige Tag! In der Ergänzungs-Bezirks-Station Sanok wurde dieser Tag in ähnlicher Weise festlich begangen. Am 16. Juni wurde dem Lt. Prov.-Off. Florian Knobloch, vom k. u. k. Chef des Generalstabes FZM. Friedrich Freiherrn von Beck, für seine in jeder Richtung durch Eifer und Geschicklichkeit — auch unter manchmal schwierigen Verhältnissen — als quartiermachender Officier geleisteten vorzüglichen Dienste, namens des Allerhöchsten DiensteS; die volle Anerkennung ausgesprochen. Am 8. August erhielt Kapellmeister Wenzel Janda, in Würdigung^ der großen Verdienste, die sich derselbe bei der Ausbildung und Leitung der Regiments-Musik erworben, eine schwere goldene Taschenuhr — Secunden, Minuten, Stunden, Kalender-Tage, Monate, und Mondes-Viertel zeigend — mit einer gravierten Widmung. Beim „Liebesmahl** wurde ihm die- selbe vom Regiments-Commandanten Obst, von Dragoni mit einer, dem Anlasse entsprechenden Ansprache übergeben. In der Zeit vom 5. bis 10. September nahm das vereinigte Regiment an dem unter Oberleitung Seiner Majestät des Kaisers und Königs statt- gehabten Manöver zwischen dem 10. und 11. Corps bei Moöciska theil. Am 2. Manövertage, als das Regiment in einer Bereitschaftsstellung östlich Lipniki in concentrierter Aufstellung mit Massen stand, kam Seine Majestät herangesprengt, ritt die Front des Regimentes ab und PRINZ FBIEDRICH AUGUHT HERZOG ZU SACHSEN. 433 drückte seine Anerkennung dadurch aus, dass er wiederholt die Worte sprach: ^Sehr schön, bardzo dobrze!"^ Von den Corps-Manövern rückte das Regiment am 10. September ZU dem Festungs-Manörer nach Zasanie, wo es die Bestimmung als Hauptreserve hatte. — Diese Manöver hatten ihren Sehluss am 16. Sep- tember, an welchem Tage nach dem ^Abblasen" Seine Majestät beim zerschossenen und erstürmten Lagerfort X Orzechowce die Generale und Stabsoffieiere versammelte und denselben ftir die Ausdauer, den frischen Geist der Truppen, die Hingebung und die in jeder Beziehung vollkommenen zufriedenstellenden Leistungen Allerhöchstdessen Zufrieden- heit und Anerkennung aussprach Noch vorher geruhte Seine Majestät an den Regiments C'Dmmandanten folgende Worte Allergnädigst zu richten: „Das Regiment sieht sehr schön aus, ich bin sehr zufrieden.^ Hierauf hielt Seine Excellenz der Chef des Generalstabes FZM. Friedrich Freiherr von Beck eine Besprechung über die Festungs- Manöver. Knch Sehluss der Festungs-Manöver rückte das 1. Bataillon wieder in seine Garnison Sanok ab, während das 4. Bataillon das 3. im Barackenlager bei Siediiska ablöste. Mit A. h. E. vom 29. October wurden befördert: Mjr. Anton Sehneider zum Obstlt., die Hptlte. 1. Cl. Franz Gebauer des Regi- mentes und Ludwig Latocha des Pionnier-Bataillons Nr. 10 zu Majoren, ersterer im Inftr.-Rgmte. Erzherzog Karl Nr. 3, letzterer im Regimente. Obstlt. Adolf König wurde zum Stabsofficier fllr besondere Verwendungen bestimmt. Mit A. h. E. vom 18. December trat Obstlt. Heinrich Wein hofer als invalid in den Ruhest. Mainz, Verthcidigung, April bis Sep- tember. Handschuhsheim, Treffen, 24. Sep- tember. Mannheim, Belagerung, Capitulation, 22. November. Vado, Arri^regarde-Gefecht, 26. No- vember. 1796. Mantua, Entsatz von, 1. August. Castiglione, Schlacht, 5. August. WUrzburg, Schlacht, 3. September. Limburg an der Lahn, Gefecht, 16. September. Kehl, Belagerung. Mazetto, Gefecht, 2. November. Levico (Bocca di Vella), Gefecht, 4. November. Lugo, Gefecht, 20. November. Rivoli, Treifen. 17. und 21. November. 1797. Kehl (Fort), Einnahme, 10. Jänner. Brixen, Gefecht, im März. Friesach, Gefecht, 2. April. Rcffi montfgcRchichtr . 1799. Legnago, Treffen, 26. März. Parona und Brücke bei >Sol, Gefecht, 30. März. MagnanoCIsoladellascala), Schlacht, 5. April. Mantua, Gefecht, 8. Mai, 10. Juli. Marengo, Gefecht, 16. Mai. An der Trebbia, Gefechte, 17., 18. und 19. Juni. Mantua, Belagerung, Gefecht, 2.5. Juli; Einnahme, 28. Juli. Novi, Schlacht, 15. August. Mondovi, Gefecht, 13. November. Vernante, Gefecht, 15. November. 1800. Monte Ajuto, Gefecht, 6. April. Prasi, Gefecht, 10. April. Albissola, Gefecht, 15. April. Loano, Gefecht, 1. Mai. Savona, Belagerung, Capitulation, 16. Mai. Monte di novo, Gefecht, 6. Juni. Marengo, Schlacht, 14. Juni. Am Mincio (Mozambano, Vuleggio, Pozzolo), Schlacht, 25. und 26. De- cember. 1805. Caldiero (Gombion), Schlacht, 29., 30. und 31. October. 1809. Aspern, Schlacht, 21. und 22. Mai. S. Michael (bei Leoben), Gefecht, 25. Mai. Wagram, Schlacht, 5. und 6. Juli, (irazer. Sc bloss her g, Verthcidigung. 1848. Bergamo, Straßenkämpfe, 20. März. Mailand, Straßenkämpfe, 22. März. Valejrgio, Gefecht, 9. April. 29 X 1848. Bevilacqua, (icfecht, 20. April. S. Lucia, Sclilacht, 6. Mai. Curtatone, Einnahme der verschanzten Linie, 29. Mai. (iüito, Treifen, 30. Mai. Vicenzji, Anj^riff auf, 10. Juni. 1849. Novara, Schlacht, 2H. März. Venedig, Cernierung, von anfangs August Ins 26. August. 1859. Magen ta, Schlacht, 4. Juni. 1866. Musky, Gefecht, 28. Juni. Ji^in, Treffen, 29. Juni. Königgrätz, Schlacht, 3. Juli. 1878. Kosna, Gefecht, 4. September. Poto6ani (auf der Paklaniea nina), Gefecht, 5. September. Gluhina, (Gefecht, 18. September. (ila- Beilage III. Verlust-Liste des Regimentes. Soweit die namentlichen Aufzeichnungen reichen, sind von der Errichtung bis zur Gegenwart in oflfenen Feldschlachten, Treffen, Gefechten, bei Erstürmungen und Belagerungen etc. getödtet oder verwundet worden : 15. Juli bis 30. Novomber 1684, bei der Belagerung von Ofeu ; Große Verluste, speciell an einem Tage an Todten und Verwundeten circa 300 Mann. 8. October 1690, bei der Vertheidigung, Explosion und dem Sturm von Beliri*Ads Todte und Verwundete circa 1800 Mann. 19. August 1691, in der Schlacht bei Slankamen bei Peterwardein: Todt: Hptm. Augustin Bacigalupi, „ Franz Ludwig Zeckho, Fähnr. Michael Funckh, „ Hans Pauer und 154 Mann. Verwundet: Obstlt. Baron d'£lmpt, Hptm. Johann Christian Baron von Zerner^grueb, Lt. Josef Franz Baron von Bebrelli, ^ Heinrich DUtl, Fähnr. Johann Maximilian Piitterer von Riehen, n Samuel Kraus und 174 Mann. 26. August 1696, in der Schlacht bei Olasch: Sehr empfindliche Verluste (die Zahl wird nicht genannt). 8. und 9. September 1702, bei der Belagerung und dem Sturme von Landa«: Todte und Verwundete circa 160 Mann. 29* XII 2. Juli 1704, in der Schlacht bei Donmnwörtb: Todt: Hptm. Schiummarth, „ Herold und 43 Mann. Verwundet: Hptm. Baron de Steinsdorff, Lt. Rnstler, ^ Deller, „ BobroUlew, FUhnr. Heidyrich, „ Tarandt, „ Bonchord und 77 Mann. 11. August 1705, in dem Treffen bei Bibergburg: Sehr emptindliche Verluste (die Zahl wird nicht genannt). 11. November 1705, in der Schlacht bei Sibö: Todt: Hptm. von der Hoch, Lt. Delfo und zahlreiche Mannschaft. Verwundet: Hptm. Caro und zahlreiche Mannschaft. 11. September 1710, bei der Belagerung von NeDbiusel: Todt: Hptm. Johann Franz Neville. 21. September bis 16. November 1713, während der Belagerung von Frelbnrg: Todt: Hptm. Georg Mathias von Salbais, Lt. üraf von Sonn eck. Verwundet: 1 Fähnrich und 49 Mmmandant AI brecht Baron de Pallant, Hptm. Franz Schmidgrabner, Benedikt (trubner, Ferdinand Pliomel, Lt. Ignaz Kangy, n Ferdinand Rauffterhoffer. - Friedrich Poshard, Fähnr. Leopold von Frankendorf und 97 Mann. I XIV 22. Juli 1737, in dem Gefechte bei HftTala: Todto inid Verwundete circa 800 Mann. 29. Juli bis 3. August 1737, bei der Belagerung von Banjalnka: Todt: 6 Mann. Verwundet: 5 Mann. 4. August 1737, in der Schlacht bei Banjalnka: Todt: Hptni. Titian Detleff von Schleppern, David Sigmund von Weissniann, Franz Graf Herberstein, Utlt. Johann Drischberger, Fähnr. Carl von Pak kusch, Christian Müller, Friedrich Baron von Kunitz, Regiuients-Proviantmeister Josef Schreyer und 151 Mann. Verwundet: 54 Mann. 16. Juni 1746, in der Schlacht bei Piacensa: Todt: Hptm. Johann Quersoni, Lt. Andreas Schläpser und 27 Mann. Verwundet: Obst. u. Rgmts.-Conimandant Kaspar Antoni Baron de Chevreulle, Obstlt. Baron Janus von EberstKdt, Hptm. Ignatz Lebwohl, „ Josef Burckard, r, Philipp Mitschekh, Lt. Ernst von Tettenbohrn, n Franz de Moncer, Fähnr. Methof er, „ Kofos, „ Winkhler und 172 Mann. 10. August 1746, im Treffen bei Rottofreddo: Todt: 18 Mann. Verwundet: Hptm. Franz von Zumpitz, Lt. Georg Nicolini und 91 Mann. 'n XV 11. November 1757, bei der Erstürmung von Hcbweldnitz: Todt : 1 Mann. Verwundet: 4 Mann. 24. November 1757, in der Schlacht bei Breslau: Todt: 1 Mann. 5. Dcceniber 1757, in der Schlacht bei Leuthen: Todt: 133 Mann. Verwundet: Hptm. Rocher, Baron Schaller, „ Reichlin, Oblt. Carl Baron von Reisinger, n Vizthuni I., ^ Bornes, ^ Camerany, t« Milz, Utlt. Potztazky, Fähnr. Graf von Coronini und 40 Mann. 13. auf 14. October, 1758 beim Überfalle auf Uochkircli: Todt: 2 Mann. Verwundet: Obstlt. Elias Schwartz von Schwarzfeulen und 6 Mann. 1. October 1761, bei der Eroberung von Schweldnitz : Verwundet: 18 Mann. 2. August 1762, im Gefechte bei Teplltz: Todt: 1 Mann. Verwundet: Übstwcht. Josef Freiherr von Wen ck he im, Hptm. Monnieur, „ ('amisaui und 56 Mann. 25. August 1788, bei der Vertheidigung der Bna'er-Palanka bei Mehadin: Todt: Obstwdit. von Latter mann und 66 Miinn. XVI Verwundet: 7 Officiere (die Nrniien »Ind nicht verzeichnet) und 182 Mann. Am 28. November 1795, bei >ado und beim Rttckzu^c au8 der Birlen di PoBente: Todt: FUhnr. Max Monni und 2 Mann. Verwundet: 7 Mann. In der Zeit vom 29. Juli bi8 11. August 1796 in Italien: Todt: Oblt. Klarapfel, „ Kulmer. Verwundet: Fähnr. Miriissy de Markus es Batizfalva. In der Zeit vom 2. bis 22. November 1796 in Ober-Italien und Tirol, nämlich bei Maietto, Lerieo^ Bocoa di Yellfiy Lng« und Bijoli: Verwundet: Übstlt. von Seulen (starb am 29. Jänner 1797 an seinen Wunden) Hptm. von Priegel, Oblt. Fröhlich, Utlt. Karl Röder, „ ZoUhöfner und Lorberau. 2. November 1796, im Gefechte bei Maiietto: Todt: 6 Mann. Verwundet: 17 Mann. 4. November 1796, im Gefechte bei Lerico (Bocca di.Vella): Verwundet: 2 Mann. 20. November 1796, im (»efechte bei Lngo: Verwundet: 9 Mann. 21. November 1796, im Treffen bei Riroli: Todt: 1 Mann. Verwundet: 21 Mann. 26. März 1799, im Treffen bei Legrnago: Todt: übstlt. Franz Graf Mercandin. xvn 8. Mai 1799, bei der Belagerung von Maiitna: Todt: 3 Mann. Verwundet: 21 Mann. . 16. Mai 1799, im Gefechte bei Marengo: Verwundet: Obstweht. Johann Carl Graf Paar. 19. Juni 1799, in den Gefechten an der Trebbia: Todt: Oblt. Jakob Cziersovsky. 15. August 1799, in der Schlacht bei NotI: Todt: Oblt. Friedrich Umlauf und ein zweiter Ober-Officier. Verwundet: Obst, und Rgmts.-Commandant Karl Freiherr R U d t von ( ' o 1 1 e n b e r g, Hptm. Sommer und noch 5 andere Ober-Ofiiciere. Der Verlust an Mannschaft wird nicht ziffernmäßig angegeben, war aber — laut Relation — sehr bedeutend. 14. Juni 1800, in der Schlacht bei Marengo: Große und bedeutende Verluste. 25. und 56. December 1800, in der Schlacht am Mlnclo (Monzauibano, Valeggio, Pozzolo): Todt: 3 Ober-Ofliciere. Verwundet: 4 Ober-Ofißciere. 17. October 1846, bei Malta in Dalmatien: Verwundet: 1 Mann. 9. November 1846, an der Kttste von GasMiivoTO in Dalmatien: Verwundet: 1 Mann. 20. März 1848, beim Straßen kämpfe zu Bergamo: Verwundet: Obstlt. Ludwig Freiherr Schneider von Arno. 22. März 1848, beim Straßenkampfe zu Mailandt Todt: 1 Mann. Verwundet: 3 Mann. XVIII 9. April 1848, im Gefechte bei Yaleipgio: Todt: 6 Mann. Ve r w u n d e t : 1 0 Mann . G. Mai 1848, in der Schlacht bei St. Lnci»: Todt: Oblt. Carl Baravalle Edler von Brackenburj^ und 9 Mann. Verwundet: 17 Mann. 29. Mai 1848, bei der Einnahme der verschanzten Cnrtatone-Linien Todt: 1 Mann. Verwundet: 9 Mann. 30. Mai 1848, im Treffen bei Goito: Todt: 8 Mann. Verwundet: 11 Mann. 10. Juni 184H, beim Angriffe auf Yieenia: Verwundet: 1 Mann. 23. März 1849, in der Schlacht bei Norara: Todt: 1 Mann. Verwundet: Hptni. Ignaz Lorenzeth und 17 Mann. 5. bis 26. August 1849, bei der Cernierung von Venedigs Todt: 1 Mann. Verwundet: 3 Mann. 4. Juni 1859, in der Schlacht bei Magent«: Todt: Hptui. Anton Graf Auersperg, Oblt. Robert Kober und 43 Mann. Verwundet: Hptm. Ignaz Pillepich, r, Gustav Freiherr von Hacke, ^ Paul Bernnart, Lt. Ignaz Freiherr von Buschmann, „ Karl Weissmann, XIX Verwundet: Lt. Franz Glass, „ Hugo Graf Auersperg, r, Ludwig Eisterer und 279 Mann. 28. Juni 1866, im Gefechte bei Mnskj (bei Mtinchengrätz) Todt: Lt. Eduard Riva, „ Anton Wildt und 45 Mann. Verwundet: Oblt. Anton Chiurkow, Lt. Alfred Quiquerez und 229 Mann. 29. Juni 1866, im Treffen bei JiMn: Todt: Oblt. Askanio Graf Colloredo, „ Ernst von Szombath^ly, ., Anton Muraro, Lt. Edmund Strastil von Straßenheim, r, Karl Knobloch, , Josef Neuwerth, f, Karl Ritter Maffei von Glatfort und 47 Mann. Verwundet: Hptm. Josef Ritter von Wipplinger, Wilhelm Htittenbach, . Josef Niemeczek, r, Karl Kaufmann, Oblt. Johann Buchinger, Anton Schill, Lt. Leopold Schier, „ Anton Müller und 159 Mann. 3. Juli 1866, in der Schlacht bei KönigyrXtx: Todt: Obst. Rgmts.-Commandant Karl Ritter von Ripper, Hptm. Adolf von Kariowa, Anton Hawlik, Eduard Rtthl, Ernst Schlögl, Oblt. Karl Schachermayer, Lt. Julius Soppe, „ Franz Körner und 57 Mann. XX 1 Verwundet: Mjr. Karl Schmelzer, ' Hptm. Oomingio Putti, „ Karl Ritter Sehölhammer von SehOlheimb, üblt. Karl Stolte, Edmund Grill, Lt. Franz Gabrini, , Adolf Tschiedel ^ Michael Berti und 153 Mann. 5. September 1878, im Gefechte bei Potodanjr auf der Poklanica planina: Todt: Cdt.-O.-St. Felix Benifcni Edler von Mildenburg und 6 Mann. Verwundet: Hptm. Adolf Slameczka, Lt. i. d. R. Julius Tichy und 18 Mann. 18. September 1878, im (lefechte bei OlftUna: Todt: 2 Mann. Verwundet: 3 Mann. Beilage IV. Yerzeiehnls jener Personen, die sich im Begimente Allerhöchste Auszeichnungen erworben haben. In der Nacht zum 12. November 1757, bei dem Hauptstunne auf SehweidnitB. Militär-Maria-Theresien-Orden (R.): Grenadier-Hptm. Josef Johann Baron Rummel von Waldau (3. Promotion des Ordens-Capitels vom 4. December 1758). In der Nacht zum 28. Juni 1793 im Gefechte bei WeiAenau. Allerhöchste Zufriedenheit: Oblt. Latscher (A. h. E. vom 18. December 1793). 24. September 1795, im Treffen bei Handschahsheim. Silberne Tapferkeits-Medaillc: Fldwbl. Hänsele (war später Fähnrich) Schlichting CrpL Oberländer f, Valentin Kntta (A. h. E. vom 16. April 1796). > des Leib-Bataillons des Regimentes. Vom 18. October bis 22. November 1795, bei der Belagerung von Mannheim« Silberne Tapferkeits-Medaille: Grenadier-Fldwbl. Nikolaus Nehlerihtiry \ der Grenadier-Division des Regi m -Crpl. Georg Reinhard / mentes. (A. h. E. vom 16. April 1796). der Grenadier-Division des Regimentes. XXII 3. September 1796, in der Schlacht bei Wttrzbnrg. Silberne Tapferkeits-Medaille: Grenadier- Fldwbl. Konrad Wetterhold „ ^ «Johann Strauß Adalbert Walz ^ ^ Leonhard Haus „ -Crpl. Karl Schlopp (A. h. E. vom 29. September 1799). 26. März 1799, in dem Treffen bei LegnsL^o* Militär-Maria-Theresien-Orden (R.): Obst weht. Johann Karl Paar, Graf (Promotion des Ordens-Capitels vom 18. August 1801). « 8. Mai 1799, bei der Belagerung von Mantaa. Allerhöchste Zufriedenheit: Obstweht. Vajna, von Hptm. Lichtenberg Clarimann „ Föllenbaum Salomon. 10. Juli 1799, bei der Erstürmung von Schanzen vor Mantaa. Silberne Tapferkeits-Medaille: Crpl. Johann Buxbaum \ Gfte. Stanislaus Schiveschitzky [> des Garnisons-Bataillons des Regimentes. (leni. Franz Braun J (A. h. E. vom 21. Juli 1799). 25. Juli 1799, bei der Erstdrmung des Dammes am Canal Bi^olo. Silberne Tapferkeits-Medaille. Crpl. Johann Weibert Gfte. Bernhard Götzel Andreas Ortner (A. h. E. vom 19. October 1799). 15. August 1799, in der Schlacht bei KotL Silberne Tapfer k ei ts- Medaille: (ifte. Georg Mogitsch (rem. Johann Fannida XXIII dem. Benko Dazko „ Klemont Summ (Armee-Commamlo-ErlasH vom 18. Februar 1800). 14. Juni 1800, in der Schlacht bei Mareugro. Silberne Tapferkeits-Medaille: Fldwbl. Leopold Krauß (Armee-Commando-Erlass vom 16. October 1800). 25. und 26. December 1800, in den Gefeclitcn am Mlncio. Goldene Tapforkeits-Medaille: (Vpl. Peter Oppenreiter (Armee-Commando-Erlass vom 27. März 1801). 27. März bis 12. Mai 1809, bei der Vertheidigung des Grasser Schlossberges. Allerhöchste Zufriedenheit: Oblt. Nico laus Schlich ting (Armee-Befehl vom 7. August 1809). • Vieljährige ausgezeichnete Dienstleistung« (ioldene (' i vil- Eh r e n - Me da i 11 e am Bande: Hgmts.-Arzt August Sinnmayer, Dr. (A. h. E. vom 21. Juni 1?^39). 6. Mai 1848, in der Schlacht bei 8. Lncia. Leopold-Orden (K.): Mjr. Adam Kortz; Allerhöchste Z u f r i e d e n li e i t : ('pt.4xt. Ladislaus Seid) Oblt. Wolfgang Hreglianovic^, von Utlt. Moiscs Babich „ Heinricli Pelican; * Goldene Tapfe rkeits- Medaille: Fldwbl. Franz Durino; Silberne Tapferkeits-Medaille: Fldwbl. Johann Magaqua Crpl. Ludwig Lavezzo „ Lorenz Negrini (ifte. Ottilio Marchesi n Stefan Galgaro n Josef Casagrande (iem. Josof I'etrosin „ Andreas Siviero « Serafin Maggioni * des 1. imd 3. Bataillonn; XXIV Gera. Franz Devittor "1 , , « « .„ des 1. and 3. Bataillons;* ^ Santo Mercanti ) Allerhöchste Zufriedenheit: Fldwbl Anton Lupato Ernst MUck „ Aldigheri €rpl. Zaparoli „ Cherubino Oem. Karl Vizzoni „ Johann Zorzella (A. h. £. vom 24. Mai 1646). Hervorragend tapferes und entschlossenes Benehmen im Feldxvge 184S* Silberne Tapferkeits-Medaille 1. Cl.: Fldwbl. Kleuth (war spKter ütlt); Silberne Tapferkeits-Mcdaille 2. Cl.: Fldwbl. (Jsurkowsky Orpl. Amici „ Colombarolo Tmbr. Zampieri (A. h. E. vom 17. December 1848). 23. März 1849, in der Schlacht bei Norara. (Leopold-Orden (R.): Mjr. Friedrich Ferrari da Grado (A. h. E. vom 19. Februar 1850), Hptm. Wilhelm Herzog von Württemberg (A. h. E. vom 24. April 1150); Goldene Tapferkeits-Medaille: Fldwbl. Ernst Mttck €rpl. Josef Cameran ^ '^®« ^' ""^ ^' Ba^>Uons; Silberne Tapferkeits-Medaille 1. Cl.: Fldwbl. Gießwein „ Buresch €rpl. Zaparoli Revay „ Binchi Tmbr. Visentini Gem. Saccon Nibale . Roßi Veronesi Rosetto > des 1. und 3. Bataillons; XXV Silberne Tapferkeits-Medaille 2. Gl.: Fldwbl. Pokorny Fill Hodina Zini Crpl. Boldrini „ T080 Caccianiga „ Jovanovich r, Mantovani „ Horvath n Maßagrande Gfte. Sgarbi ,» Maufrimati Gem. Giacomuzzi n Sachetto Grottolo „ Panigalli „ Marchiori „ Piccoli ^ Raimondi ^ Steffanini n Dalloco „ Favalli ^ Castellini Carminati „ Ferrari n Paßetto „ Zangrande „ Gasperini n Attrapelli „ Vicenzi (Armee-Befehl vom 28. März 1849). des 1. und 3. Bataillons Bewiesene Tapferkeit und ausgezeichnete Dienste im Feldsoge 1S49. Militär-Verdienst-Kreuz: Obstlt. Johann KnoU (A. h. £. vom 24. Jänner 1850). Hptm. Adam Kragnliacz n Ambros Buccelari ütlt. Gustav Freiherr von Hacke (Armee-Befehl vom 11. Juli 1850). Regimen tuflrcich ich t4^. 30 XXVI Hervorragende Dienstleistung in den FeliMgeii 1848 und 1849« Mittlere goldene Civil-V^erdienst-Medai-lle: Kgmts.-Arzt Brigio Armandola, Dr. 4. Juni 1859, in der Schlacht bei Haironta* Orden der Eisernen Krone 8. CL: Obst. Rgints.-Comdt. Gustav Depaix, Chevalier Obstlt. Josef Mee hofer, Ritter von Mjr. Ludwig Lendwich Hptm. Anton Auersperg, Graf; Militär-Verdienst- Kreuz: Mjr. Johann Hummel Hptm. Ignaz Pillepich Oblt. Josef Niemeczek Lt. Eduard Sarasa; Allerhöchste Zufriedenheit: Hptm. Paul Bernnart ^ Comingio Putti Oblt. Heinrich Mallinariö von Silbergrund „ Leopold Schwab f, Franz Wanka Lt. Ignaz Buschmann, Freiherr von „ Alexander Eis f, Hugo Auersperg, Graf; Silberne Tapferkeits-Medaille 1. CL: FldwbL Peter Tegolin CrpL Karl Eder Gfte. Johann Dalmedico Oem. Johann Ferrante „ Franz Bettoli Peter Faustinelli „ Luigi Dallanogara „ Julius Bentenrieder Silberne Tapferkeits-Medaille 2. CL: FldwbL Karl Jankowsky FahnenfUhrer Johann Battistani Zgfhr. Johann Calzavacca des 1., 2., 3. und des Grenadier-Bataillons; Vincenz Zaglio „ Josef Cindri^ CrpL Peter Drera Caesar Guaida > des 1., 2., 3. und des Grenadier-Bataillons; XXVII Baons.-Tmbr. Orlando Molteni „ -Hrnst. Thomas Mischiari Gfte. Luigi Ragazzi Grenadier Michael Marcomini \ des 1., 2., 3. und des Grenadier-Bataillons; „ Eduard Aßanger Gem. Josef Ghidoni „ Emil Piccoli (A. h. E. vom 27. Juni 1859). des l.j 2., 3. und des Grenadier-Bataillons; Bewiesene Tapferkeit in dem Feldxiige 1859. Silberne Tapferkeits-Medaille 1. Cl.: Fldwbl. Peter Temporin 1 Zgfhr. Karl Colombo > Gem. Anton Bonafini j Silberne Tapferkeits-Medatlle 2. Gl.: Zgfhr. Abele Siechiero „ Johann Paroli Crpl. Anton Barbieri „ Gaetano Dona Anton Invirto Gfte. Ludwig Fioresi Tmbr. Michael Campagnari „ Georg Ascari Gem. Ludwig Ceriani „ Jakob Giardini „ Marko Dalmaestro „ Peter Gavioli ., Johann Siviero (Armee-Befehl, Verona vom 5. November 1859). des 1., 2., 3. und des Grenadier-Bataillons ; Tapferes Verhalten im Feldzage 1860. Silberne Tapferkeits-Medaillc 1. CL: Fldwbl. Vincenz Zaglio; Silberne Tapferkeits-Medaille 2. Gl.: Fldwbl. Anton Wildt (war später Utlt.) ^ Georg Kettler (war später Utlt.) n Franz Morbioli r, Franz Gebauer Zgfhr. Karl Simonatti Johann Gittini des 1., 2. und 3. Bataillon«; HO* xxvm des 1., 2. und 3. Bataillons; Crpl. Marco Zermann Vincenz Edelmann Zunuiermann Franz Albertini CMt.-Gem. Anton Zollprister (i«»m. Peter Dalbor Fabiano Zanella Vincenz La Curte Johann Zaiubon (Arraee-Befehl vom 22. August 1866). Hervorragend tapfere und vorzügliche Leistungen im Feldsngre 1866» Orden der Eisernen Krone 3. Cl. (K-D.): Obst. August Wöber, Freiherr von; Militär-Verdienst- Kreuz (K.-D.): Obst. Rgmts.-Comdt. Karl Ripper, Kitter von Mjr. Karl Müller Hptni. Dominik Giunio „ Anton Wanner „ Adolf Kariowa; Allerhöchste Zufriedenheit: Obstlt. Franz Ritter Latterer von Lintenburg Mjr. Karl Schmelzer Hptm. Ferdinand Schemel von Kühnritt ^ Karl Kaufmann „ Anton Chiurköw Oblt. Johann Trosti Lt. Alfred Quiquerez Kgmts.-Arzt Josef SlÄdek, Dr. (A. h. E. vom 3. October 1866). Mehr als 40Jäbrige ersprießliche und belobte Dienstteistong^» Militär-Verdienst-Kreuz: Hptm. 1. Cl. Josef Luksiö (A. h. E. vom 8. Juni 1874). Vieljährige belobte und erfolgreiche Dienstleistang. Militär-Verdienst -Kreuz: Hptm. Heinrich Lindner (A. h. E. vom 28. April 1877). Vieljährige belobte und erfolgreiche Dienstleistung« Militär-Verdienst- Kreuz: Hptm. Eduard Schäffer (A. b. E. vom 29. December 1877). XXIX des 1., 2. und 3. Feld-Batailluns; h. September 1878, im Gefechte bei Potoi^any auf der Paklaniea planioa* Goldene Tapferkeits-Medaille: Opl. Johann Buezek; Silberne Tapferkeits-Medaille 1. Cl.: Fldwbl. Heinrich Brandner Zgfhr. August Hajek €rpl. Johann Nycz Gfte. Andreas Glodysz Inftst. Josef Gluczek Silberne Tapferkeits-Medaille 2. CK: Fldwbl. Laurenz Guzik Gfte. Bronislaus Milaöski Inftst. Andreas Chorodnyk Fedor Lenkow Michael Bielec Karl Courten r Michael Harkula (Armee-Commando-Befehl Nr. 45, vom 8. November 1878). des 1., 2. und 3. Feld-Bataillons; Hervorragende Leistungen während der gcsammten Operationen im Jahre 1878. Silberne Tapferkeits-Medaille 2. Cl.: Fcldgensdarm.-Zgfhr. Stanislaus Niedzielski Crpl. Anton Blaszczak. 1878, hervorragend tapfere und verdienstliche Leistungen während der Operationen in Bosnien und der Hercegrowlna« Kriegs-Decoration zum Militär-Verdienst-Kreuz: Hptm. Eduard Schaf 1er (A. h. E. vom 3. December 1878). 1878, hervorragend tapfere Leistungen während der Operationen in Bosnien und der Hercegowlna« Militär -Verdienst-Kreuz (K.-D): Obstlt. Nikolaus Ru46i6 Edler von Sanodol (A. h. E. vom 4. Mai 1879). Langjährige und pflichtgetrene DienstlelMtang. Allerhöchste Zufriedenheit: Obst Karl August Ritter Frantzl von Franzensburg (A. h. E. vom 6. Juli 1879). XXX Besonders eifrige und eifolirreiolie TrnppendienstleiBtiiBff. Militär-Verdienst-Rrenz: Hptm. Rudolf Heruth (A. h. E. vom 16. April 1881). Langjährige sehr enpriefilieh« and belobte Menstleistiiiig. Allerhöchste Zufriedenheit: Hptm. 1. Cl. Josef Luk$i6 (A. h. E. vom 19. Jänner 1881). Langjährige und TonttgUche Dienstleistang. Orden der Eisernen Krone 3. Cl.: Obst. Julius Gerstenkorn (A. h. E. vom 4. April 1881). 1882, hervorragend tapfere und verdienstliche Leistungen während der Operationen in Sfid-Dalmatien, Bosnien und der liorcegowiiMU Orden der Eisernen Krone 3. Cl. (K.-D.): Mjr. Theodor Scrabal (A. h. E. vom 10. Mai 1882). Hervorragende Verdienste bei Durchführung der Catastral - Anftiahme» Militär-Verdienst-Kreuz: Hptm. liudolf Kuhn (A. h. E. vom 31. Mai 1885). Lange, ersprießliche BlenstTeistang. Allerhöchste Zufriedenheit: Obst. Franz Grimm (A. h. E. vom 21. April 1893). Sehr erspriefiliohe Dienstleistung. Militär-Verdienst-Kreuz: Mjr. Ludwig Uhle (A. h. E. vom II. October 1893). Hervorragende Dienstleistung als Regiments-Commandant. Orden der Eisernen Krone 3. CL: Obst. Josef Hugelraann (A. h. E. vom 26. März 1894). Anlässlich der Übernahme in den Ruhestand. AlterhÖchste Zufriedenheit: Obstlt. Anton Hell „ Josef Dworak (A. h. E. vom 24., beziehungsweise 25. September 1894). XXXI AnläsBÜch der Übernahme in den Bahestand. Allerhöchste Zufriedenheit: Obst. Romulus Unczowski (A. h. £. vom 12. Februar 1896). Anlässlich der Übernahme in den Rahestand« Allerhöchste Zufriedenheit: Obstlt. Heinrich Weinhofer (A. h. E. vom 18. December 1896). Langjährige, TorBtti^iohe Dienstleistung. Goldenes Ver4ienst*Kre.u.i^ mit der Krone: Rgmts.-Arzt 1. Cl. Julius Schiauf, Dr. (A. h. E. vom 19, April 1897). Beilage V, Verzeichnis jener Officiere, welche — soweit es eruierbar war — in der Zeit von 1682 bis 1897 im Regimente gedient haben. Name Achatz Karl Adam Josef Adamitsch Johann Aichinger Anton Aichner Johann Theodor Albalustri Josef Albert Ottokar Albon Ludwig, Baron d' Albrecht Alko Johann AUiani Gustav AUnoch von Edelstadt, Alois . . . . Alter Hermann, Dr Altschul Ferdinand Ambro2 Wilhelm Amigoni Victor, d' Amur Gottlieb, d' Anderle Zdenko Andres Julius Anhalt-Köthen Karl Wilhelm, Prinz von Anoni Anton Ansenberger Mathias Anthony von Siegenfeld, Johann . . Antoloviö Franz Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Res.-Lt. Obst. Fähnr. Oblt. Fähnr. Fähnr. Lt. Obstlt Lt. ütlt. ütlt. Hptm. Ob.-Arzt Res.-Lt. Cdt.-O.-St. Hptm. Lt. Cdt. Lt. Hptm Cdt. Lt. Lt. Cdt. 1870-1878 1880-1882 1831- 1832 1851—1860 1699 1816—1820 1869 1716-1717 1749 1850—1858 1859-1860 1838-1845 1866 1881—1891 1895 1690—1691 1717 1880-1881 1878 1789—1790 1816 1809 1832—1842 1857-1861 Res.-Oblt. Obst Fähnr. Hptm. Fähnr. Obst. Utk. Utlt. Hptm. Re8.-Lt. Obstwcht. Cdt.-0.-St. Obwcht. Oblt. ütit. XXXllI Name Charge and Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Apfaltrer Felix, Freiherr von .... Appel Ferdinand Arbei Franz . • Arco, Graf von Armandola Brigio, Dr Arrigoni Ferdinand Aschenbrenner Josef Auersperg Anton, Graf Auersperg Hugo, Graf Auersperg Josef, Graf Auffahrt Georg Aulich Adalbert Aust Karl Babich Moses Baborsky Anton Bach Josef, Freiherr von Bach Johann Ncponiuk, Freiherr von . Bachnitzer Adolf Johann Bacigalupi Augustin Bader Anton Badini Franz, Chevalier Badoer Peter Bagnalasra Josef Bagnalasta Gillo Pyrhus Bagnalasta Julius, von Bagnalasta Martin, von Baldacci Emanuel, Baron Balko Stanislaus, Dr Ballabenc Friedrich BaUek Gottlieb Baracs Johann Barai&ski Anton, Dr BaraAski Emil Barahski Victor Baravalle Edler von Brackenburg, Karl Barbarich Thomas Lt. Cdt. Utlt. Hptm. Kgmts.-Arzt Lt. Res.-Lt. Oblt. ütlt. Cdt Lt. Re8.-Lt. Res.-Lt. ütlt. Cdt. Lt. Obst. Oblt Hptm. ütlt. Hptm. Cdt. Cdt. Fähnr. Fähnr. Hptm. Mjr. Res.-Ob.-Arzt Hptm. Cdt. ütlt Res.-Ob.-Arzt Res.-Lt. Res.-Lt. Utlt. Cdt. 1758 1864—1867 1849 1784 1846—1850 1834—1844 1888-1896 1850-1859 1859—1861 1851—1858 1895 1877-1878 1881-1888 1849—1856 1853—1855 1809 1806—1809 1821-1833 1691 1851—1855 1816 1816 1816 1838—1839 1834- 1858 1816—1827 1841—1845 1877 1861—1864 1863 1847-1858 1871 1871-1878 1876-1881 1845-1848 1860-1865 Utlt. Rgmts.-Arzt Hptm. Res.-Lt. Hptm. Utlt. ütlt. Re8.-Lt Res.-Lt. Oblt. Cdt. GM. Hptm. ütlt. • Utlt. Hptm. Hptm. Mjr. Hptm. Cdt. Oblt. Res.-Lt. Res.-Lt. Oblt Utlt. XXXIV ^ Name Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint ■■ Barber Arnold Bardasch Ernst Bardeleben Bareuth Christov Ernst, von . . . . Baronio von Bosenthal Anton, Ritter . Baroni Cajetan Bartels Bartl Vincenz Bartmafiski Kasimir Baracb Karl Basselli Josef, Freiherr von Battisd Eduard, von Battistiff Edler von Tanüsrabach, Alfred Battistig Edler von Taufersbach, Emil Batzer Gustav Bauer Anton Bauer Gustav Bauer Gustav Baumbach Otto, Freiherr von .... Baumgärtner Bayer Andreas Baygand Ignaz Berbersdorf Josef BebrelM Josef, BaroH Becbery Alexander Bechtiager Gustav Becker Karl Becker Karl Beer Adolf Be^, de Begg von Albemsbeig, Fcanz . . . . Begna Blasius, Giraf Behr Beker Emanuel Bellati della Tour, Graf Belüechi Salvator Cdt. Lt. Oblt. Hptm. Utlt. ütlt. Hptm. Cdt. Res.-Lt. Res.-Lt. Mjr. Cdt. Cdt. Cdt. Utlt. Utlt. Cdt. Res.-Lt. Cdt.-0.-St. Cdt.-0.-St. Utlt.-Rchfr. Lt. Oblt. Lt. Hptm. Cdt. Mjr. Cdt. ütlt. Cdt. Fähnr. Obstweht. Oblt. Oblt. Hptm. ld66--186S 1879-1887 1749 1682 1849-1851 1849—1869 1736 1866—1868 1888-1890 1888—1888 1852—1853 1850—1852 1856—1865 1862 1848 1866—1880 1863-1867 1871 1871 1884 1851—1852 1809 1809 1691 1809 1858—1866 1852—1860 1856—1860. 1859—1862 1818 1821-1827 1814 1760 1809 1789 1859-1860 Cdt Res.*Lt. Oblt. Hptm. Cdt. Res.-Lt. Res.-Lt. Mjr. Cdt. Oblt. Oblt Utlt. Utlt.Rclifr. Oblt. Mjr. Utlt UÜt Lt. Hpim. XXXV SB« ■a Name EBsese Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Bellieo, de Bellmond Eduard Bellositz von Bellovar Gabriel . . . Benassu Johann Benelli Felix Benid Nikolaus Benign! Ton und su Mildenberg, Felix . Benignlvon undzu Mildenberg Heinrich, Beichsritter, Landstand in GStrz, Herr und Landmann in< Tirol Bergamini Franz Aleni Bergler Franz Bergmann Ladidaus Berka Mathias Berlendis, von Berlendis Anton, von Bemacki Ferdinand Bemadelli Franz Bematfalva Bemnart Paul Bemolak Anten Berti Michael Bessaga Wladimir Bessles de Watiingen Thadäus, Baron Beutl Josef Beutler von Heldenstem Ferdinaad . Bevedin Marcius, Conte Bevilaqua Franz, Conte Bevilaqua de Laxiae Ludwig, Govte . Biatas Peter Bialobrzeski liiidwig, Eitler voa . . Bianchi Egydius Biaachi Giovanni, Marcheae Bichterle Adolf Fähnr. Cdt. Oblt. Fähnr. F&hnr. Cdt.-0.-St. Cdt.-0.-St. Mjr. Cdt ütlt Cdt. Hptm. Hptm. Obstlt. Res.-Lt Hptm. Fäbnr. ütlt. Hptm. Obst. Res.-Cdt. ütlt Res.-Lt. Oblt Re8.-Lt. ütlt ütlt Hptm. Hptm. Res.-Lt. Hptm. Hptm. Cdt Res.-Lt. 1748 1830 1816-1817 182S-1845 1816-1819 1875- 188i 1878 1850-1855 1830 1844—1849 1845-1860 1887—1888 1784 1750 1898—1897 1816—1819 1778 1852—1863 1866-1867 1882-1885 1896 1866—1881 1879—1885 1816—1840 1877—1882 1846-1856 1848 1816-1817 1820—1829 1880 - 1887 1866-1871 181ß-1818 1838 1877-1884 ObU. Hptm. Fähnr. ObU. Obatlt. Oblt. Hptm. Hptm. Res.-Lt. Hptm. Hptm. Hptmb Obst-Bögd. ObU. Res.-Lt ^;itm. B«s.-ObU. Hptm. Hptm. Hptm. Be8»-LL Hptm. Hptm. Re».-Lt. XXXVI Name Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Bidermann Johann Georg Anton Bierer Biftavec Wenzel Binder von Degenschiidt, Johann . Binder von Kriegel stein Binter Benedict Binter Peter Biraghi Karl Birkenfeld Johann, Prinz u. Pfalzgraf v. Bischel Friedrich Birstein Anton Blaschke Josef Bla2eg Anton Bla2eg Johann Bleier Leopold Bletro Karl, von Blois von Chatillon Franz, Graf de Bloisin Ludwig, de Blomberg Nikolaus, Freiherr von . Bltihmel Blum Emanuel, Dr Blümel Martin Blumenfeld Johann BJyskal Josef Bobrolslev Bocklet Karl, Edler von Bohl Josef Böhm Balthasar Bohr Bojarski Valerius Bokenheim Ignaz Boldt August Bolgiani Alexander Bömelburg Karl, Freiherr von . . Bornes Bonano Sebastian Hptm. 1699 — Üt-Arzt 1666 — Re8.-Cdt. 1891 Utlt, 1849-1862 Hptm. Hptm. 1757 — ütlt. 1859-1860 Utlt. Fähnr. 1816-1832 Cpt--Lt. Fahnr. 1816 1820 Fähor. Hptm. 1760-1771 Obstlt. Cdt. 1852-1853 Cdt. Res.-Lt. 1896 Res.-Lt. 1889-1890 Res.-Lt. Res.-Lt. 1889-1894 Res.-Lt. Cdt. 1879- 1888 Oblt. Res -Cdt. 1896 • Cdt. 1854 -1855 Cdt. Oblt. 1822—1842 Hptm. Hptm. 1731 — Hptm. 1699 — Fähnr. 1758-1790 Hptm. Res.-Ob.-Arzt 1875 Lt. 1699 — Res.-Lt. 1891 1897 Res.-Lt. Lt. 1877-1888 Oblt. Lt. 1704 — Oblt. 1864-1865 Oblt. Fähnr. 1736 — Oblt. 1805 — Lt. 1734 Res.-Lt. 1890 1892 Res.-Lt. Oblt. 1809 Utlt. 1852- 1858 Utlt. ütlt. 1859-1879 Hptm. Hptm. 1799 Oblt. 1757 — Rgmt.-Kap. 1816-1825 Rgmt.-Kap. XXXVII Name Bonasi Albert, Conte Bonati Anton Boner Gustav Bongard von Ebersthal, Ferdinan«! Bonghero Anton Bonhardt Moses Boniperti Johann, Don Boniperti Peter, von Bononio Jacob, von Bosell Karl Bosio Andreas Botta von Adorno, Johann Baptist, Marquis Bouchordt Bouda Franz Bovio Cäsar Boyle Ludwig, de Bozzo di Borgo, Josef Bradaö Josef Braisach .... Brambilla Bramöhler Brandenstein, Freiherr von Brandstatter Georg Brath Franz Braun Franz Braun Johann Braun Josef Bratini Josef Breburda Wenzel Brechtel Breindl Alfred Breit Kasimir Breitschwert Otto, Freiherr von . . . Bresciani de Borsa Alois Brev^»r genannt v. Fürth Josef, Froih. v. Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint ütlt. Cdt. Res.-Lt. Oblt. Cdt Res.-Lt. Cdt. Hptm. Cdt. Oblt. Cpt.-Lt. Hptm. Fähnr. Re8.-Lt. ütlt. Oblt. Obstweht. Res.-Lt. Ut-Arzt Lt Fähnr. Cpt.-Lt. Cdt. Cdt.-O.-St. Lt. Fähnr. Fähnr. Res.-Lt. Res.-Cdt. Oblt. Oblt. R.-Cdt.-O.-St, Cdt. Cdt. Mjr. 1868-1876 1838 1891-1894 1850 1855 1893 1845 1816- 1840 1816 1809 1816 1736 1704 1886- 1893 1845-1853 1820-1826 1814 1890-1896 1836 1756-1780 1734 1779 1880 1895 1816—1830 1809 1819- 1830 1876—1885 1891-1892 1760 1850-1852 1896 1853 1830 1862 Hptm. Res.-Lt. Obstit. Res.-Lt. Oblt. Oblt. Res.-Lt. Hptm. Oblt. Lt. Res.-Lt. Res.-Cdt. Oblt. XXXVIII Name Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Briosehi Philipp BrökmaDD Ferdinand Brönner Alfred BroBch Anton Broiek Ladislaus Bro2ow8ki v. Prawoslaw, Ottokar . . Brugmayer Jacob Brüh Josef Brunnhofer Gustav Bubna Bucellari Ambros Bucellari Markus Buchheini Franz Buchinger Johann BnthmüHer Alfred Bülow Ferdinand Friedrich, Freih. v. Bugeisen Franz Bukowski von Buchenkron, Josef . . Bukowski Stanislaus Bunni Karl Ferdinand Bunz Franz Burato Johann Btlrchen von Eckhardt Burckard Josef, von BurdÄts de Kopöany, Alexander . . . Burghardt Ulrich Burgstorf Konrad Heinrich, von . . . Burgstorf Wllhehn BusenlUchner Johann Buschek Vincenz Buschetti Peter Buschmann Ignaz, Freiherr von . . . BuBsatti Johann Butte Konrad Burroni Camillo Cabianca Albert Hptm. Oblt. Hptm. Hptm.'^Rehir. Lt Kes.-Lt. ütit Üt.-Arzt Cdt. Obstweht. Fahnr. Utlt. ütlt. Utlt. Cdt. FML. Obst-lnh. Utlt. Obstlt. Res.-Lt. Hptm. Rgmt.-Kap. Fähnr. Lt. Hptm. Cdt. Cdt. Hptm. Hptm. Ob.-Arzt Utlt. Cdt. Utlt. Cdt. Cpt.-Lt. Lt. Utlt. 1816-1818 1809—1818 1878- 1882 1880-1881 1890-1»&4 1871—1878 18&4- 1861 1866 1866—1867 1767 1831-1850 1851-1889 1851 1857—1866 1885-1887 1767—1776 1848 1857—1858 1887—1894 1762 1843—1847 1828-1843 1736 1743—1758 1852—1856 1855 1682 1699 1868 1849-1850 1816 1856—1860 1816 1816 1816 1866 HptiD. Hptm. Hptm. Hptm.-Rehfr. Lt. Re8.-OMt. Utlt. Cdt. Hptm. Hptm. Hptm. Cdt. FZM. Obstlt. Res.-Lt. Rgmt-Kap. Hptm. Obstweht. Cdt. Utlt. Utlt. XXXIX SB Name Cabrini Bernhard Öa6kovii^ von Verhovina, Milivoj . . Caflford Franz ("aligaris Johann Calisius Callagham Franz, Baron Callot Anton, Freiherr Von Cameran JoBef Camerany Camimni Campo Franz, Oonte Campo Santo Pietro Cresctentius, Oraf Camuzzi Piccardi GirolHino Caiit9— 1873 1H73— 1878 1876—1879 lHr,0— 1H.53 1886—1802 I Hptm. Hptm. Res.-Lt. Hptm. Hptm. Utlt. Hptm. Utlt. Hptm. GFW. Oblt. Lt. Lt. Hptm. Lt.-Rchlr. Res.-Lt. Hptm. Rgmts.-Arzt Mjr. Utlt. Lt. l LVI Name r Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Klement Franz Klepitka Klepsch Adolf Kleiith Kliczka Johann Klier Heinrich, I)r Klimel Klipfei Klippfeld Johann Klopfstein Klou^ek Josef Knapp Karl Kneissler Anton Knesek Leo Kniewald Adolf Kniha Adalbert Knisch Karl Knobloch Bohuslav . . . . Knobloch Florian Knobloch Karl Knoll Georg Knoll Johann Kober Robert Kobliiek Adolf Koch Kochen Victor, Edler von Köchler, von Kodar Ernst Kofos Kohl Alois Kohl Severin Kohler Anton Kohmann Alexander . . . . Kohn Alois Kohn Julius Ob.-Rchfr. Lt. Res.-Lt. Utlt. Res.-Lt. Rgmts.ranzo Camillo, Nobile de , Lorbeer Franz Lorberau Nepomuk Lt. Mjr. Oblt. Cdt. Cdt. Cdt Lt. Mjr. Cdt. Hptm. Lt. Fähnr. Lt. Hptm. Cdt. Cdt Cdt Res.-Cdt. Rgmts.-Arzt Res-Cdt. Aud. Hptm. Lt.-Rchf. Res.-Lt. Oblt-Aud. Lt. Cdt. Utlt. Res.-Lt. Fähnr. Cdt Oblt. Lt Utlt. Cdt. Lt. 1739 1897 1872—1876 1887 1881-1888 1883—1889 1809 1807 1856—1878 1799 1753 1739 1809 1695 1864-1868 1853—1881 1860—1864 1896 1873—1879 1882—1885 1736 1728 1887—1888 1891—1894 1843—1850 1816—1819 1864 1841—1855 1884-1888 1816-1832 1816 1816—1826 1809 1849-1858 1880-1896 1796 Oblt. Lt. Lt. Hptm. Lt. Mjr. Utlt Rgmts.-Arzt R.-Cdt.-O.-St Lt -Rchfr. Lt Oblt Aud. Lt Hptm. Res.-Lt. Oblt. Hptm. Oblt Hptm. LXII 99n TT Name Lorenz Lorenz Alois Lorenz Demeter Lorenz Otto Lorenzeth Ignaz Lorenz! Anton LöBchner Emanuel Lovina Kaspar Low Josef Lubaczewski Johann Lubcz^ski Wilhelm Lubowiedzki Julian, Dr. . . . Lukaszewicz Leo Lukesch Luksiö Heinrich Luksid Josef Lupatto Anton Lutsch Lutz Friedrich Luyek de Mathey, Theodor . . Maccowitz Seraphin Mach Johann Mach Mathias Maffei de Glatfort, Karl, Ritter Maffeis Josef Maffi Anton Magawli Magdon Franz Magni Magrini Magulacz Ferdinand Maifrini Bortolo Majoli Johann, Edler von . . Majus Clement Malaspina Herkules, Marquis . Malec Michael Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Oblt. Res.-Lt. ütlt. Cdt-O.-St. Fähnr. Utlt Utk. Lt. Fähnr. Res.-Lt. Hptm. Ob.-Arzt Hptm. Lt.-Rchfhr. Utlt. Utlt. Utlt. Hptm. Utlt. Oblt. Oblt. K.- Cdt.-0.-St. Utlt. Cdt. Fähnr. Fähnr. Cpt.-Lt. Lt. Lt. Hptm. Cdt. Oblt. Lt. Fähnr. Oblt. Res.-Lt. 1762 1871—1878 1865 1892 1831-1849 1859—1866 1865 1699 1819—1829 1887—1889 1893 1894—1897 1890-1893 1872 1863 1861-1880 1849—1854 1795 1849—1855 1866—1868 1816—1825 1882—1885 1864—1875 1864—1866 1820-1821 1816—1819 1780 1878—1881 1758 1794 1853—1854 1816 1816—1840 1743 1816 1890—1891 Res.-Lt. Hptm. Oblt. Utlt. Res.-Lt. Rgmts.-Arzt Hptm. Hptm. Oblt. Utlt. Oblt. Cpt-Lt. R.-Cdt.-0.-St. Oblt Utlt. Fähnr. Fähnr. Lt. Cdt. Hptm. Res.-Lt. LXIII Name MalliBariö von Silbergrund, Heinrich . Mallner Hennann Mally Gustav Mandel Albert Mandel Friedrich Mandelstein, Edler von Mandelstein Cajetan Mandiö Johann Mandler Michael Mann Emanuel Mannsbach Arthur, Freiherr von . . Mannsbach Johann, Freiherr von . . Mansoni Manzani Josef Marcinkiewicz Witold MariÄssy de Markus es Batizfalva . . Markart Wilhelm Markowski Vincenz Marquier Marsenani, von Marsinoy Franz Adam, von Marsinseci Adam, de Martinelli Franz Martinelli Johann Martinetz Rudolf Mathai, I Mathai Friedrich Anton, II Matscheko Franz Maurizio I^uis, Chev Max Samuel, Dr Mayer Bernhard Mayer Eduard Mayer Johann Meyer Edler von Hcldensfeld, Anton, Freiherr von Mayer Edler von Hcldensfeld, Johann Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Cdt Mjr. Cdt. Oblt. Cdt.-O.-St. Oblt. Cpt.-Lt. Cdt. Fähnr. Utlt. Cdt. Cdt. Lt. Hptm. Res. -Lt. Fähnr. Lt. Fähnr. Hptm. Hptm. Hptm. Lt. Cpt.-Lt. (^dt. Oblt. Lt. Lt. Utlt. Hptm. Rgmts.-Arzt Hptm. Utlt. Cdt. FML. Obst. Inh. Fähnr. 1852-1859 1863—1870 1876—1889 18vS9 1877—1881 1806 1809 1866—1868 1699 1850—1877 1853—1855 1853 1793 1817-1819 1878 1796 1886 1809 1795 1734 1736 1717 1816—1818 1855-1858 1854—1856 1743 1736—1760 1855—1858 1809 1866 1809 1850—1851 1832-1839 1816—1842 1833-1848 Oblt. Obstlt. Hptm. Lt. Cdt. Oblt. Cdt. Hptm. Cpt.-Lt. Cdt. Oblt. Hptm. Utlt. Utlt. Utlt. FZM. Oblt. LXIV Mayer Edler von Stark enthurm, Johann Mayer Karl Mayer Wilhelm Mayerl Anton, Dr Mavr Anton Mazoiir Franz Mazzani Antonio, Don Mazzobrio Vincenz Mederer von Mederer und Wuthwehr, August Medini Meehofer Josef, Ritter von Meixner Mejsnar Wenzel • Melichar Karl Mendel Friedrich Mendlich Johann Menghini Anton Mensshengen Ferdinand, Freiherr von Mercandin Franz, Graf Mercenier Karl Merhaut Michael Merten Karl Merz Ferdinand Merz Leander Mescoli Victor Messedaglia Jakob Mestek Josef Methofer Metz Josef Michaelis Michel Anton Myckievricz Margan Miernik Eugen Migliori Josef Migula Wilhelm SB Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Fähnr. Hptm. Cdt. Regmt.-Arzt Mjr. Oblt. Rgmt.-Kap. Oblt. Lt. Lt. Obstlt. Hptm. Res.-Lt. Res.-Cdt. Res.-Lt. Rgmt.-Kap. Hptm. Cdt. Obstlt. Cdt. Rchfr. Oblt. Cdt. Cdt. Cdt. Cdt. Cdt. Fähnr. Cdt. Lt. Res.-Lt. Res.-Cdt. Lt. Hptm. Lt. 1835-1862 1809 1866—1868 1857- 1860 1890-1893 1883 1852—1859 1816—1822 1880—1887 1780 1859 1792—1800 1892 1891 1887—1888 1866 1816 1853—1858 1797 1863—1869 1867—1868 1850—1860 1853—1867 1857-1861 1838-1847 1832 1867—1878 1764 1818 1799 1878—1886 1896 1890 1817—1827 1889 Hptm. Cdt. Regmt -Arzt ir. Rgmt.-Kap. Oblt. Oblt. Obstweht. Res.-Lt. Utlt. Lt. Rchfr. Hptm. Utlt. Ctlt. L'tlt. Oblt. Oblt. Hptm. LXV Name Mihailovid Alexander ........ Mihanovich von Petropolje, Anton . . Mihokovi<5 Johann Mikessiö Adolf, Edler von Miksiö Nikolaus Milani Johann Milani L^saro Millakovi<5 Elias Milosheviö Kaphael Milz Minier Alexander Minkwitz von Minkwitzburg, Ferdinand, Freiherr Mironowicz Constantin Mitrovid Spiridion Mitrowsky Mitschekh Philipp Mitscherling Eroanuel Mo^ielnicki von Lubicz, Alexander, Ritter Mollinary Anton Mollinary Emil, von Mülzer . . Moncer Franz, de Monni Max Monnieur Montegazza Anton Müraus Karl Moravetz Heinrieh Moravec Ludwig . . .• Morelli Anton Morigi Hyronimus Mürk von Mörkenstein, Alexander . Mörk von Mörkenstein, Johann . . . Mörk von Mürkenstein, Wenzel . . . Moroni Alexander Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint ütlt. Oblt.-Aud. Hptm. Hptm. Cdt. Oblt. ütlt. Cdt. Hptm, Oblt. Oblt. Cpt.-Lt. Res.-Lt. ütlt. Hptm. Lt. Fähnr. Cdt-O.-St. Fähnr. Fähnr. Lt. Fähnr. Fähnr. Oblt. Hptm. Obstlt. Kplmstr. Oblt. Cdt. Fähnr. Lt. Hptm. Lt. Lt. Fähnr. 1859—1865 1818-1820 1895 1864—1875 1856—1871 1816—1825 1866 1857-1858 1852—1856 1757 1817—1833 1768—1789 1879-1881 1853—1860 1725 1736-1746 1834—1849 1870-1871 1837—1838 1822—1847 1695 1743—1746 1795 1749-1753 1820—1822 1859—1860 1897 1887—1889 1850—1851 1816 1873-1877 1885 1865—1875 1869-1888 1816 Oblt. Oblt.-Aud. Hptm. Oblt. Cpt.-Lt. Cdt. Hptm. Hptm. Obst. Res.-Lt. Oblt. Hptm. Hptm. Cdt.-0.-St. ütlt. Hptm. Lt. Hptm. Hptm. Obstlt. Oblt. Cdt. Lt. Hptm. Hptm. LXVI ^a Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Moserosch von Wieselheim Mosing Karl, Edler von Mosser Moteyl Karl Motyl von Reichenfeld, Karl . . . . Mouille von Brückenstunn, Karl . . . Mraiek Oskar, Dr Mucha Leopold Mück Vincenz Mudra Johann Mudrov^iiS Maxmilian Muhr Josef, Dr Mükisch Müller Anton Müller Christian Müller Franz Müller Johann Müller Karl Müller Wilhelm Mtils Muntjan Constantin Muraro Anton Muzzi Georg Mylius Hermann, Freiherr von , . . Nagel Nagel Philipp, Dr Nahlik Anton Naldi Cäsar, Conte Nauta Engelbert Nauta Engelbert . . Nauta Gustav Benedict Nauta Josef Navratil Augustin Nawrocki Josef Neiasek August Negrelli Johann Fähnr. Obstlt. Fähnr. Cdt. Oblt. Utlt. Kgmts.-Arzt Res.-Cdt. Cdt.-0.-St. Mjr. Utlt. Res.-Lt. Lt. Cdt. Fähnr. Res.-Cdt. Cdt Mjr. Fähnr. Cpt.-Lt. Utlt. Utlt. Hptm. Obstlt. Fähnr. Rgmts.-Arzt Res.-Lt. Utlt. Lt.-Rchfr. Cdt. Cdt. Cdt. Res.-Lt. Res.-Lt. ütlt. Cdt. 1761 1865 1734 1880 1866—1869 1835—1845 1888—1897 1893 1885—1892 1879—1885 1852 1870-1878 1758 1864-1867 1736 1896 1863—1867 1865—1866 1821—1826 1762 1853—1856 1859—1866 1816 1861 1783 1876-1878 1890-1896 1849-1851 1833-1850 1845—1858 1845 1849—1853 1892-1897 1886—1888 1866—1887 1830 Oblt. Oblt. Rgmts.-Arzt Res.-Lt. Mjr. JtCeSs-ijt. Utlt. ütlt. Mjr. rähnr. Utlt. Oblt. Obstlt. Rgmts-Arzt Re8.-Lt. Oblt. Hptm.-Rchfr Oblt. Cdt. Res.-Lt. Res.-Lt. Hptm. LXVII Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Negroni d'Ello Anton Nehiba Gregor N6meth Pius Nemi6i6 Karl Nery Josef Neskudla Josef, Dr Nestorowjcz Wladimir Neubauer Adolf Neumann Eduard, von Neumann Ferdinand Nenmann Oskar Neumeister Karl Neuwerth Josef Neuwirth Ferdinand Neville Johann Franz Neydisser Alois, von Nicolini Georg Niderle Niemann Anton Niemeczek Josef Nikolai Rupert, Freiherr von .... Nikoli6 Hieronymus Noe Konrad Noell Nomis No8ini • Lt. Cdt. Hptm. Oblt.-Aud. ütlt. Cdt.-O.-St. Rgmts.-Arzt Fähnr. Fähnr. Fähnr. Lt. Re8.-Cdt. Cdt.-O.-St. ütlt. Aud. Lt. Hptm. Oblt. Rgmts.-Arzt Cdt.-0.-St. Obstweht. Res.-Lt. Cdt. Fähnr. Cdt. Res.-Lt. Cdt. Fähnr. Cdt. ütlt. Fähnr. Fähnr. Fähnr. Cdt. Oblt. Cdt, 1721 1818-184« 1699 1816—1817 1854—1867 1871—1881 1896 1682 1816 1795 1866-1874 1896—1897 1877—1881 1852-1858 1693 1884—1896 1704 1809 1879 1890 1779-1790 1888—1891 1882—1885 1823-1848 1860—1867 1892—1893 1880—1886 1736 1861—1864 1859—1866 1837—1849 1736 1833-1860 1845 1805 1850-1851 Hptm. Oblt.-Aud. ' Hptn). Oblt. ' - I Oblt. Res.-Cdt. Lt. ütlt. Hptm. Rgmts.-Arzt Obst. Res.-Lt. Lt. Hptm. ütlt Res.-Lt. Lt. Cdt. ütlt. Oblt. Mjr. ütlt. LXXXIII BEB Name Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Stolz Ludwig Stomm Alfred, Graf Stomm Georg, Graf Stragati Karl Straka Franz Straller Josef StraÄsky Ludwig StraÄsky Victor Straschil Johann Strasoldo von Graffenberg, Karl, Graf Strass Friedrich Strasser Franz Joachim, von .... Strastil von Strassenheim, Edmund . Straus Karl, Edler, von Strauss Ernst, von Strauss Karl Streith Maxmilian Streithorst Wilhelm Friedrich, von Strohmor Karl Struppi Albert, Edler von I Struska Franz • I Stubenrauch von Tannenburg, Georg Stummer Anton, Dt Stuwer Karl äubart Alois Suchy Julius Su6kow August Jakob Heinrich, von Suess Gustav Süss Franz, Ignaz Supanchich von Haberkem, Johann . SupanÖiö Josef Susich Anton, von Sz&bo von Komlody, Ludwig .... Szczurowski Maxmilian Szerenkay Alexander Szndczky Adolf Hptm. Cdt. Cdt. Oblt. Oblt.-Rchfhr. Cdt. Cdt-O.-St. Res.-Lt. Oblt. Lt. Cdt. Obstlt. ütlt. Fähnr. Cdt. Res.-Lt. Res.-Lt. Hptm. Oblt. Cdt. . Cdt. Hptm. Cdt. Ob.-Arzt Res.-Lt Lt. Obstlt. Oblt. Lt. Obst. Cdt. Utlt. Utlt. Hptm. Cdt. Res.-Lt. 1866—1868 1879—1897 1879—1881 1809 1869 1830 1871—1879 1887—1894 1870-1871 1816—1828 1891 1682—1686 1864—1866 1833—1849 1851—1852 1880—1888 1878-1884 1739 1889 1839—1867 1868 1851-1855 1864 1816 1893 1892 1717—1733 1864—1869 1736 1860 1868—1870 1842—1860 1849—1860 1893 1851—1860 1879—1886 Hptm. Hptm. Lt. Oblt. Res.-Lt. Oblt. . Oblt. Obst.-Inh. ütlt. Hptm. Cdt. Re8.-Lt. Res.-Lt. Mjr. Hptm. GFW. Hptm. Cdt. Hptm. Hptm. Hptm. ütlt Res.-Lt. LXXXIV Name || Charge und Jahreszahl, in welcher l! derselbe erscheint Szombath^ly Ernst, von .... Szöts Friedrich Szutzan Alexander Swoboda Swoboda Tabora Anton, von Tabour^ Josef Tadi6 Peter, von Tann Eduard, Dr Tarant Tarufini Karl Tausche Josef Tavecchy Alois Tebaldi Alexander Techenburg Philipp Teisinger Adalbert Tekus Edmund Tempis Ludwig, Edler von . . . Tentschin Martin Josef, von . . TeplickJ' Franz Terasch Karl Tereba Rudolf Terlecki Wladimir, Kitter von Tesarz Thomas Tessler Josef Tettenbohrn Ernst Friedrich, von Theiss Johann Thiele Alois Thumwald Andreas, Dr TichJ^ Julius Till Franz Tinz Stanislaus Tischler Ignaz, Dr Titl Heinrich Tnevisani Gabriel ToborskJ' Franz — 1 - I ütlt. 1859—1866 Oblt. Utlt. 1842-1858 Hptm. Re8.-Lt. 1878-1832 Res.-Lt. Hptm. 1735 — Fähnr. 1783 — Res.-Lt. 1871-1878 Res.-Lt. Cdt. 1866-1868 Cdt. ütlt. 1852 1865 Hptm. Rgmts.-Arzt 1879 — Fähnr. 1704 Oblt 1816 R.-Cdt.-0.-St. 1871—1878 Res.-Lt. ütlt. 1859—1860 Utlt. ütlt. 1845-1848 ütlt Fähnr. 1699 — Cdt. 1852—1866 Hptm. Hptm. 1876 1877 Hptm. Cpt-Lt. 1817—1840 Mjr. Fähnr, 1736 — Lt. 1881 Cdt. 1851—1854 ütlt. Res.-Lt. 1871 1878 Res.-Lt. Lt. 1879 — Res.-Cdt. 1892 Fähnr. 1743-1756 . Oblt. Lt. 1743—1746 Lt. Oblt. 1809 — Hptm. 1865-1874 Hptm. Ob.-Arzt 1877—1882 Rgmts.-Arzt Res.-Lt. 1878—1884 Res.-Lt. Utlt. 1849-1850 ütlt. Cdt.-O.-St. 1870-1881 Oblt. Rgmts.-Arzt 1870-1876 Rgmts.-Arzt Lt. 1699 — Cdt. 1816 — H. Cdt.-O.-St. • 1888—1896 Res.-Lt. LXXXV Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Tocchini Alexander Tock Ignaz . . . . Toffl Albin i Tolles Josef i Tomas^lli Josef ! Tomasselly Johann Tomasini Georg, von Tomiäiö Josef Tonelli Heinrich Tomaghi Ferdinand Toni Benevenuto Torriani Anton Torrosch Engelbert Torschy Traun Ferdinand, Graf von Trantmannsdorf Siegmund Joachim, Graf von Trauttenberg Oswald, Freiherr von . Trawniczek Franz Treflinsky Basilius Trenk Heinrich, Freiherr von der . . Trentini Dominik Trentini Lconhard Treudl Victor Trexler Felix Trinks Johann Tritsch Wilhelm Trombetti Moritz Tropper Alois Trosti Johann Troyer von Auf kirchen, Anton, Ritter Truckses Trznadel Franz Tschapp Karl Tscherin Franz Tschiedel Adolf Lt. Oblt. Cdt. Cdt. Oblt. Cdt. Oblt. Utlt. Fähnr. Oblt. Utlt. Lt. Cdt. Lt. Lt. Obst.-Inh. Res.-Lt. Res.-Lt. Lt.-Rchfhr. Fähnr. Oblt. ütlt Cdt. Oblt. Res.-Lt. Re8.-Lt. Cdt. Cdt. Cdt. ütlt. Lt. Res.-Lt. Utlt. Oblt. Utlt. 1816 1816—1823 1880—1881 1866—1868 1816-1830 1816 1850 1849—1860 1837-1848 1816 1854—1858 1816-1818 1857—1858 1682—1683 1735-1736 I 1682 1870—1878 1890—1897 1871 1825—1827 I 1860—1864 I 1860—1861 I 1867—1868 ! 1889—1892 ; f 1889—1896 1870—1877 1845 1882-1893 1855—1865 1846-1848 1682 1891 1850—1863 1880—1884 1866—1879 Oblt. Cdt. Cdt. Oblt. Hptni. Oblt. Utlt. Lt. Cdt. Hptm. Hptm. Obst. Res.-Lt. Res.-Lt. Fähnr. Hptm. Utlt. Cdt. Oblt. Res.-Lt. Res.-Lt. Oblt. Utlt. Utlt. Hptm. Hptm. Oblt. LXXXVI Name Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Tubiollo Dominik .... Tuna Josef TUnnerraann Turini Robert Tursky Josef, Bitter von . Tuschel Arthur ..... Twrdy Gustav Uhle Ludwig Uihlein Edmund Ullmann Karl Umlauf Friedrich .... Unczowski Romulus . . . ütz Andreas Vajna, von Valek Franz Valenta Josef Valle Peter, Nobile di . . Varese Camillo, Marquis . Varesi Peter Vaux, Thierry, Freiherr de . . Va§ku Oldr-ich Vedrilla Georg Velderndorf Velsern Maxmilian, Chevalier . Venini Johann Venturini Joachim Verga Anton, de Vergada Jakob Vem6 Albert Vesque von Püttlingen, Alfons, Frei- herr von Villanuova Karl, Marquis de ... . Villesa voye de Poitzon, Johann . . . Vincenz Viola Josef Violini Ardunir Girolamo, Edler von 1 1 Lt. 1816—1817 Lt. 1 Lt. 1837-1841 Utlt. Cdt. 1852—1858 ütlt. Cdt. 1849—1859 Oblt, i L*- 1838-1844 Oblt. || Cdt. 1866—1868 Cdt. [ ütlt. 1859 1860 ütlt. ! Oblt. 1878-1892 Hptm. Res.-Lt. 1877 1892 Res.-Lt. Cdt. 1864—1872 Lt 1 Oblt. 1799 ' Obst. 1 1895—1896 Obst. 1 ütlt. 1849—1852 Oblt. ' 1 1 Lt. 1780-1799 . Obstlt. 1 Fähnr. 1699 ' Re8,-Cdt. 1897 1 Cdt. 1845 i 1 Cdt. 1845-1860 Hptm. ! \ Obst. 1816 — 1 GM. Obst.-Inh. 1809 1810 FML. I 1 1 Cdt. 1893 i ütlt. 1859 / 1 Hptm. 1721 — 1 1 Oblt. 1816 — ! Oblt. 1 1816-1818 Oblt. 1 Oblt. 1816-1818 Oblt. 1 1 Hptm. 1800-1809 Obstweht. ' Oblt. 1819 1842 Hptm. , Cdt. 1860—1865 Cdt. ütlt. 1 1860-1877 Hptm. 1 Lt. 1 1736 1 • 1 Oblt. 1809 Fähnr. 1734 1 1 Cpt.-Lt. 1809 — ' Cdt. 1 1830-1835 Fähnr. 1 LXXXVII Name Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Vismara Karl Visona Vincenz Vitorelli Johann Vizthum I Vizthum II Vogel Friedrich Vogl Nikolaus, Dr Vogl Victor Vogt Daniel Völcker Völker Anton Vöetecka Ferdinand Vuletid Nikolaus Waagner Wilhelm Wach Franz Wachl Franz Wadlosch Karl Wagner Anton Wagner Josef Wähle Eduard Wahn Michael Wais Josef Waissmann Emil Walde Johann Walla Josef Wallner Stanisiaus Walter Richard Walz Adam Wacka Franz Wanka Emanucl Wanner Anton Wardener Hypolit, Freiherr von . Wariecha Julian Wassich Franz Wassowitz Eustachins, Graf . . Oblt. 1816—1834 Hptm. Oblt. 1816 — Cdt. 1853—1855 Utlt. Lt. , 1757 1757 Oblt. Lt. 1757 . — Lt. 1809 Rgmts.-Arzt . 1884^1887 Rgmts.-Arzt Cdt.-0.-St. 1872—1878 Lt. Cdt. 1830 — Lt. 1778 — Cdt. 1866—1868 Cdt. Utlt. 1866 Cdt.-0.-St. 1895 1897 Lt. Cdt. 1816 — Kes.-Lt. 1880-1&88 . Res.-Lt. ütlt. 1866 — K.-Cdt.-0.-St. 1888 — Oblt. 1816 1824 Oblt. Utlt. 1849—1866 Hptm. Hptm. 1897 Utlt. , 1854-1856 Utlt. Cdt. 1876 Cdt.-O.-St. 1873-1874 Cdt.-O.-St. Hptm. 1^00 Cdt-O.-St. 1875—1881 Oblt. Utlt. 1866—1870 Lt. Cdt.-0.-St. 1893 Oblt. 1809 — ütlt. 1854—1860 Oblt. Oblt. 1809 — Utlt. 1859—1869 Hptm. Oblt. 1816 — Rgmts.-Kap. 1866-1868 Regmts.-Kap. Cdt. 1864—1868 > . Utlt. Lt. . 1875-1883 Oblt. Fähnr. 1823-1826 Fahnr. LXXXVIII Name Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Waatler Robert Watzky Weber Josef Weber Ludwig Weber Rudolf Weber von Webenifeld, Josef .... Weckner Josef Weczemik Josef Wedrilla Georg Weidinger Heinrich Weigelsperg Friedrich, Freiherr von . Weiler Franz Weinhofer Heinrich Weiss Alfred Weiss Peter Weiss Wilhelm Weissen berger Josef Weissmann David Sigmund, von . . Weissmann Johann Weissmann Karl Weitenhiller Robert Wpitenweber Eduard Karl Weiden Alfred, Freiherr von .... Welling Heinrich, Freiherr von . . . Welsperg Philipp, Graf Weltrowsky Johann Wenckheim Josef, Freiherr von . . . Wenderling Karl Wermann von Wehrmann Josef, Ritt. Werner Eduard Wemsberger Peter Wessely Johann Wiblinger Josef Wieland Wiener Friedrich Wioninger Adolf Res. -Lt. Lt. Lt. Cdt. Lt. Cdt. Lt. ütlt. ütlt. Oblt. Obstl. Utlt. Mjr. Oblt. Lt. Lt. Hptm. Hptm. Lt. ütlt. ütlt. Cdt. ütlt. Hptm. Hptm. Hptm. Obstweht. ütlt. Cdt. Lt. ütlt. Res.-Cdt. Res.-Lt. Wcht.-Lt. Res.-Lt. ütlt. ■~r- 1890-1897 1760 1743 1866—1868 1892 1822-1851 1816—1834 1849—1858 1859—1860 1860-1870 1850—1851 1841—1849 1892—1896 1890 1809 1874—1875 1864—1868 1786 1874-1886 1859—1865 1859-1862 1867—1879 1846—1847 1809 1809 1843—1848 1761—1783 1859—1860 1263—1867 1888—1889 1822-1827 1897 1890—1897 1761—1762 1893 1864 Re8.-Lt. Cdt Hptm. Hptm. Oblt. Utlt. Hptm. Obstlt Oblt. Obst. Lt. Hptm. Oblt ütlt. ütlt. Oblt. ütit Hanptm. GFW. ÜÜt ÜÜt Oblt ütlt. Res.-Lt. Lt. LXXXIX Name Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Wienkowski Josef, Dr. ....... Wienkowski Zbyniew Wiesner Johann Wiesner Josef Wika Arthur Wild Johann, Dr Wildt Anton Wilda Gottfried Willinger Carl Wilsky Albin Wilson Paul, Chevalier Wimmer Guido, von Wimpffen Ludwig, Freiherr von . . . Windt • . • Winkhler Paul Josef Winnicki Nikolaus, Dr Winter Victor Wintemitz Erwin Wiplinger Josef, Ritter von .... Wippersdorf Gustav Wiesiak Franz . Witwicki von WasyJkowicz, Valerian, Ritter Wöber August, Freiherr von .... Wohhrath Adolf Wokalek Friedrich Wolf Arnold . . . . ; Wolf Franz Wolif Leonhard Wölfl Alexander Wolfram Eduard Woyciekowski Julius, von Woynar Stanislaus WuÖevaö Paul Wuich Anton Wuki6evi6 Paul Rgmts.-Arzt Utlt. Res.-Lt. Cdt. Res.-Lt. Ob.-Arzt Utlt Oblt. Hauptm.-Aud Hptm. Obstweht. Cdt. Cpt.-Lt. Ob.-Chirurg. Fähr. Res. -Ob.-Arzt Lt. R..Cdt.-0.-St. Utlt. Obstlt. Oblt. Lt. Obst. Utlt. Cdt.-0,-St. Cdt.-0.-St. Lt. Fähnr. Fähnr. Cdt. Fähnr. Cdt.-0.-St. Utlt. Lt. Mjr. 1870-1875 1866—1867 1878—1879 1853-1860 1888-1896 1816 1866 1866 1866 1878—1885 1705 1856—1869 1842—1849 1849 1786 1875 1809 1896 1853—1866 1876—1877 1816 1891 1866—1867 1859-1860 1898—1894 1896 1736 1748-1767 1830—1848 1849 1826—1827 1877 1859—1860 1873—1878 t 1854-1858 Rgmt8.-Arzt Utlt. Res.-Lt. Utit. Res.-Lt. Hptm. Oblt. Hptm. Hptm. Obst. GM. Utlt. Cdt.-0.-St. KeyimentogeBchichtn. Hptm. Hptm. Fähnr. Utlt. Oblt. Mjr. 34 xc I' Name , Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Wurdack Jpsef Wurm August Wurm Johann Wurmser Württemberg Wilhelm, Herzog von Wutitscher Josef Wyrobek Sigmund Wysocki Alexander, Dr Xuppan Ferdinand Zabusch Anton Äack Franz Zamagna Franz, Conte Zametschnik Michael Zanardi Alois Zanardi Franz Zanthieri Zappa Franz Zappa Josef Zaryi^czuk Johann Zattoni Leopold, von Zekho Franz Ludwig ^elezny Adolf Zelinka Wilhelm Zemann Franz Zergollem Paul, von Zernesgrueb Johann, Freiherr von . Zichardt Rudolf Zikesch Josef Ziller Hermann Zimmermann Johann, von . . . . Zimmermann Ladislaus, von . . . Zimmennann Paul, von Zini Franz ^ipek Theodor Ziprianus-Quarcco Mathias, Graf Äirovnicky Bohuslav Res.-Lt. Cdt. Oblt Lt. Hptm. Lt. R.-Cdt.-0.-St Rgmts.-Arzt ütlt. Cdt. Lt. Fähnr. Hptm. Fähnr. Fähnr. Hptm. Cdt. Hptm. Lt. Cdt. Hptm. Res.-Lt. Cdt. Cdt.-0.-St. Oblt. Hptm. Hptm. Cdt.-0.-St. Cdt. Lt. Utlt. Fähnr. Utlt. ütlt. Hptm. Cdt.-0.-St. 1893 1865—1879 1884 1799 1849—1852 1816—1834 1892 1879 1845-1848 1861—1869 1889-1895 1836—1850 1820 1839—1845 1835—1851 1757 1845 15^20—1829 1870-1879 1862—1866 1691 1880—1881 1879—1887 1881—1893 1883—1889 1691 1878—1881 1881—1896 1854—1856 1736-1758 1854—1858 1833—1855 1849-1853 1866 1816 1881—1888 Hptm. Hptm. Hptm. Utlt. Lt. Lt. Hptm. Utlt. Hptm. Hptm. Oblt. Utlt. Re8.-Lt. Res.-Oblt. Oblt. Hptm. Hptm. Hptm. Cdt. Obst. Utlt. Mjr. Utlt. Lt. XCI Name Charge und Jahreszahl, in welcher derselbe erscheint Zittrani Franz ^ivanoviö Johann j^ivatovich Franz 2iwsa Alfred Zolla Franz Zollhöfner Zollpriester Anton Zoppa Basil Zorn de Blovsheiin, Maxmilian August Zörrer Eugen Zorzi Alois Zorzi Johann, Nobile Zorzi Josef Zorzi Ludwig Zonazelka Karl Zuanazzi Lorenzo Znmpitz Franz, von Zuzzi Johann Zwierzina Johann Zwillach Josef Zwillach von Ehrenstreit, Josef . . . Cdt. 1816 i; Oblt. 1892 , Oblt. 1851-1858 Hptni. Oblt. 1873—1877 Oblt. Lt. 1816 1817 Lt. Lt. 1796 — Cdt. 1866 — Cdt. 1866—1868 Cdt. Obst. 1758-1859 Obst. i ütlt. 1844-1859 Hptm. j Fähnr, 1816 1821 Lt. Cdt. 1845-1864 Hptm. Fähnr. 1816 1821 Lt. Fähnr. 1816 Oblt. 1805 — Lt. 1866 Lt. 1786—1746 Hptm. Cdt. 1816 Cdt. 1847 1848 Utlt. i Oblt. 1809 — 1 Cpt.-Lt. 1816-1819 Cpt.-Lt. I Jl a I 7X^ .vf